In den neunziger Jahren des 15. Jahrhunderts wurde Herzog Nikolaus von
Oppeln zu einem Bankett des schlesischen Adels nach Breslau geladen.
Der Küfer im Schlosse zu Oppeln rollte die Fässer aus dem Keller. Nikolaus
nahm mit seinen Kumpanen den Abschiedstrunk.
Frau Bertha saß am Erkerfenster und weinte.
Gewiß, Nikolaus war wieder in Gnaden aufgenommen, nachdem man ihn jahrelang
bei diesem Bankett übergangen hatte. Allerdings war erst vor Wochen der
Sohn und Stammhalter ertrunken.
Auf Frau Berthas Geheiß hatte der Vogt die Bauern prügeln lassen. Nikolaus
liebte das nicht. Man wußte eigentlich nicht, warum und sprach dies und
jenes. Diesmal kam er zu spät, um es noch zu verhindern. Er hatte getobt
und die Fäuste gegen Frau Bertha geballt und nachher noch manches in sich
hinein gebrummt, daß sie im Innersten erschrak. Dann hatte er die heulenden
Bauern mit in den Keller genommen und ein tolles Gelage begonnen. Der
Kleine spielte gerade am Weiher, als am nächsten Morgen die Bauern nach
Hause schwankten. Man hat niemals erfahren, ob sie nur täppische Reverenzen
gemacht und mit ihm Späße getrieben, daß er erschrecken mußte und
verängstigt wurde und in den Weiher fiel, oder vielleicht einer aus Übermut
Hand an ihn legte und dann vergaß, oder gar eine Verschwörung bestand, das
alles hat man nicht erfahren.
Nikolaus wurde zu Frau Bertha hart wie Stein.
Der kleine Nikolaus wurde nachts verscharrt, während die Fürstlichkeiten
und Bischöfe, die auf die Kunde von dem Unglücksfall herbeigeeilt waren,
den Rausch, der ihnen beim Empfang verabreicht wurde, ausschliefen.
Man fand es zwar absonderlich, aber es wunderte nicht weiter, denn man
dachte und mutmaßte so und so.
Jedenfalls wurde er wieder eingeladen. Was tat's, daß er mit den Bauern
zusammensteckte und soff. Es standen ernste Zeiten bevor, und auch Frau
Bertha hatte heimlich manches Brieflein ausgesandt und teilnehmende Vettern
geworben.
Aber ihre Güter blieben unbestellt. Die Pächter warfen die Boten, die den
Zins fordern sollten, vor die Tür. Die Prügelmaschine verstaubte. Nikolaus
wollte seine Bauern frei. Grund genug, daß Frau Bertha weinte.
Am dritten Tage ritt Nikolaus mit seinen Kumpanen nach Breslau. Als die
Schloßbrücke hinter ihm aufgezogen wurde, war es ihm, als sollte er sich
umwenden und sprechen oder hinaufwinken oder noch schnell einen Vertrauten
gewinnen oder ein ganz klein wenig Anordnungen treffen, aber das Etwas, das
aufblitzte und anschwoll und ihn zu zerreißen drohte, zerbarst in dem
Rattern und Knirschen der Zugketten.
Es stak im Innersten, was er vor sich hermurmelte.
Es war ein tierischer Laut und wie ein Fluch, so daß auch die anderen
begeistert fluchten und lachten.