IX.

Harte Arbeit empfing sie. Tagtäglich mühten sie sich, aber es langte nicht.

Sie schrieben Adressen, gaben Stunden, spielten des Nachts in Kaschemmen,

aber es langte nicht. Er suchte wieder häufiger Bekannte auf und traf auf

einen Schauspieler, der sich Sören nannte. Dieser empfahl ihn für einen

Posten bei irgendeiner Gesellschaft. Er schleppte ihn in Familien, wo er zu

Mittag aß und auch kleine Geldunterstützungen bekam.

Sören machte Geschäfte als Bücherreisender, seine Frau wurde durch einen

Freund, mit dem sie ein Verhältnis hatte, zur Hebamme ausgebildet. Er

führte sich ein, indem er aus einer Gesellschaft den Verschüchtertsten

herausgriff und ihn als den einzigsten Menschen begrüßte. Er vertraute ihm

seine geistige Einöde und Verlassenheit an und verkaufte ihm dann seine

Lexiken.

Diesem Sören schloß sich Werner an.

In einer Aufwallung mitleidsvollen Verstehens führte er ihn zu ihr, er

solle noch einen anderen Menschen kennen lernen.

Sören sah und himmelte. Er murmelte nur wie im Rausch oder rollte mit den

Augen. Er führte beide ins Café und unterstützte sie auch sonst.

Er blieb jetzt fast immer um sie.

Werner war stolz und kam sich wie ein König vor, der aus der Fülle seiner

Schätze verteilt. Sie bangte und zitterte.

Sören hatte sich bereits fest eingenistet.

Eines Tages sagte er zu Werner:

»Eine wahre Liebe hat Raum für drei. Ich will die Brosamen nehmen, die von

eurem Tische fallen.«

»Du lieber Freund . . .« und er schüttelte ihm die Hand.

Dann küßten sie sich und waren gerührt. Es ist etwas Schönes um die

Freundschaft, dachte Werner.

Man muß die Feste im Sturm nehmen, dachte der andere.

Sie saßen die Nächte wieder in den Kneipen und tranken. Jeden Tag kam Sören

mit einem neuen Tragödienstoff und schwärmte von Anregungen und Entwürfen.

Einmal, als Werner schon sehr betrunken war, ließ Sören sie holen und bat

sie zu kommen.

Sie kam und sah die Blumen auf dem Tisch und die vielen Flaschen und wurde

traurig. Da flüsterte ihr Sören ins Ohr:

»Wir wollen in ein Café gehen und ihn hier sitzen lassen.«

Sie sah ihn erschreckt an. Verneinte.

Da bedrängte er sie: Es handelte sich um Werners Interesse. Der würde dann

nachkommen, und vieles ähnliche.

So gingen sie heimlich, wie Diebe.

Werner sah alles und trank.

Erst drängte es sich ihm auf: Wie dumm, wenn sie stark bliebe. Ich würde

doch nicht glauben . . . Stunden vergingen in qualvoller Dämmerung. Dann

aber wieder trieb es ihn, und er suchte sie im Geiste zu umklammern. Die

Bilder an den Wänden sprachen zu ihm und die Blumen, die Flaschen, und alle

hatten ihre Stimme.

Das Trottelbuch · 第 31 / 46 题