Ja, du Aas -- treten --

Und eines Tages kam ein Mann -- Fabrikbesitzer oder so was --, der sie von

früher her flüchtig kannte und auf der Straße jetzt gesehen hatte, und

machte ohne alle Umschweife ein Gebot. 300 Mark monatlich und für später

eine größere Summe.

Die Mutter tänzelte und setzte Kaffee an, sonstige Hausfreunde wünschten

Glück.

Sie aber mühte sich verzweifelt um einen Gedanken, der allen Dreck

wegwischen könnte, aber sie fand ihn nicht und ging fort, ohne mit dem Mann

zu sprechen. Dem Kerl wurde bedeutet, er solle noch warten und nächstens

wiederkommen. Er ging, seelenvoll, mit schmerzlichem Augenaufschlage grüßte

er die Bekannten, die er traf, und wartete. Er hatte es sich eigentlich

anders gedacht.

Den gleichen Nachmittag kam noch ein anderer Mann, an den man geschrieben

hatte. Er stellte Künstlertruppen zusammen und reiste. Nach der Türkei und

Rußland, durch Österreich und Italien. Auch er machte ein Angebot: Freie

Wohnung, freies Essen, freie Kleidung, freier Unterricht in Gesang und

Tanz. Als sie zurückkam, traf sie ihn noch an. Er war entzückt und wollte

nochmal seine Frau mitbringen.

»Damit Sie sehen, daß es bei mir anständig zugeht,« meinte er.

Sie fühlte nichts mehr, alles war in ihr welk und abgestorben. Um ihre

Mundwinkel lag dämonische Grausamkeit.

Sie nahm sich von ihrer Mutter die goldene Uhr, die nach allerdings

zweifelhaften Angaben ein Erbstück war, und verkaufte sie einem Trödler.

Noch denselben Abend reiste sie in die nächste Hauptstadt. Sie fühlte: Nur

fort. Allein sein. Weit fort von diesen Leuten.

Als ihr Zug in der Morgendämmerung in die Halle einlief, empfand sie ein so

unendliches Siegesgefühl, einen Rausch wiedergewonnener Freiheit, der sie

beglückte. Langsam ging sie nach dem Innern der Stadt zu, um den

heraufkommenden Morgen zu erwarten. Sie wollte vorläufig bei irgendeiner

entfernteren Bekannten ihrer Mutter wohnen.

Bitteres Weh drängte sich auf: Arbeiten und gut werden -- dann kam es ihr

aber wieder sehr lächerlich vor, und sie lachte.

Ihr Weg führte an den Markthallen vorbei. Robuste Gesellen luden das

Fleisch auf. Wildes Stimmengewirr.

Die Schritte wurden zögernd, zitternd wollte sie vorbeischleichen. Die

niedrigen und blutrünstigen Begierden dieser Leute hatten sie indessen

schon gewittert.

Sie fing an zu laufen. Rohe Worte prasselten hinter ihr drein. Einer lief

nach, erhaschte den flatternden Rock und wischte sich seine blutigen Hände

drin ab. Knochenstücke flogen der Fliehenden an den Kopf.

Tolles Johlen toste hinter ihr drein, bis es langsam im Lärm der ein- und

ausfahrenden Wagen unterging.

Blutbefleckt, mit Straßenkot bespritzt, schleppte sie sich auf eine

Promenadenbank und brach zusammen.

Eine mitleidige Frau brachte sie in ihr Haus und ließ sich erzählen.

Drei Tage und drei Nächte saß sie in einem dunklen, kahlen Zimmer, das sie

für wenige Pfennige gemietet hatte. Dann schrieb sie nach Haus und bat um

Reisegeld.

An einem Sonnabend kam sie zurück, mit toten, kalten Blicken, voll Ekel und

Verachtung.

»Man muß das Leben und alles vernichten --« und ihr Kindliches stieß sie

von sich -- »mit Füßen treten muß man --«

Sonntag wurde sie engagiert, und den nächsten Tag reiste sie mit der Truppe

ab.

Das Trottelbuch · 第 24 / 46 题