›Er sieht mich nicht‹, dort stehst du, Böser, an den Thürbalken
gelehnt. -- Vor langen Zeiten, Böser, war ich einst Māro
gewesen und hieß Dūsī, hatte eine Schwester, die hieß Kāḷī;
deren Sohn warst du, bist damals mein Neffe gewesen. Zu jener
Zeit nun, Böser, war Kakusandho der Erhabene, der Heilige,
vollkommen Erwachte in der Welt erschienen. Kakusandho nun
aber, Böser, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte,
hatte ein Jüngerpaar, das unter dem Namen Wissenswalt und
Lebenswalt bekannt war, ein hohes, erlauchtes Paar. Denn
so viel Jünger auch, Böser, Kakusandho der Erhabene, der
Heilige, vollkommen Erwachte besaß: keiner reichte da wohl an
den ehrwürdigen Wissenswalt heran, wenn es galt die Satzung
darzulegen. Und so geschah es, Böser, dass der ehrwürdige
Wissenswalt nach und nach eben als ›Wissenswalt, Wissenswalt‹
bekannt wurde. Der ehrwürdige Lebenswalt dagegen, Böser,
pflegte im Inneren des Waldes zu weilen, oder unter einem
großen Baume, oder in leerer Klause, und versenkte sich gar
leicht in die Auflösung der Wahrnehmbarkeit. Eines Tages,
Böser, hatte sich der ehrwürdige Lebenswalt, unter einem großen
Baume sitzend, in die Auflösung der Wahrnehmbarkeit versenkt.
Da sahn nun, Böser, Hirten und Landleute den ehrwürdigen
Lebenswalt, in die Auflösung der Wahrnehmbarkeit verloren, am
Fuße eines großen Baumes sitzen, und wie sie ihn da fanden
riefen sie erstaunt und bestürzt aus: ›Seht nur, welch ein
Wunder! Sitzend ist dieser Asket da gestorben! Lasst ihn uns
bestatten.‹ Und jene Hirten und Landleute, Böser, trugen Stroh
und Reisig und trockenen Dünger herbei, bedeckten damit den
Körper des Ehrwürdigen, legten Feuer an und gingen fort. Am
nächsten Morgen nun, Böser, kam der ehrwürdige Lebenswalt
aus seiner Vertiefung zurück, erhob sich, schüttelte sein
Gewand, nahm Mantel und Schaale und begab sich ins Dorf um
Almosenspeise. Da sahn nun, Böser, jene Hirten und Landleute
den ehrwürdigen Lebenswalt von Haus zu Haus schreiten, und als
sie ihn gesehn riefen sie erschreckt und entsetzt aus: ›Seht, o
seht nur! Der Asket, der da sitzend gestorben ist, der ist nun
wieder lebendig geworden!‹ Und so geschah es, Böser, dass der 334
ehrwürdige Lebenswalt nach und nach eben als ›Lebenswalt,
Lebenswalt‹ bekannt wurde. -- Aber Dūsī der Māro, Böser,
gedachte nun also: ›Ich weiß wahrhaftig nicht, woher diese
tugendreinen, edelgearteten Mönche kommen und wohin sie gehn;
wie, wenn ich nun Priester und Hausväter aufzureizen suchte:
Geht mir mit eueren tugendreinen, edelgearteten Mönchen!
Beschimpft sie, beleidigt sie, verjagt sie, verfolgt sie --
da wird sich bei solcher Behandlung ihr Sinn schon ändern
und Māro Dūsī Eingang finden.‹ Und Māro Dūsī, Böser, fuhr
in die Priester und Hausväter hinein: ›Geht mir mit eueren
tugendreinen, edelgearteten Mönchen! Beschimpft sie, beleidigt
sie, verjagt sie, verfolgt sie -- da wird sich bei solcher
Behandlung ihr Sinn schon ändern und Māro Dūsī Eingang finden.‹
Und jene Priester und Hausväter, Böser, aufgehetzt von Dūsī
dem Māro, beschimpften und beleidigten die tugendreinen,
edelgearteten Mönche, verjagten und verfolgten sie: ›Da
kommen sie ja, die Kahlköpfe, die Pfaffen, dieses dreiste
Gesindel, einer dem anderen auf den Fersen! Beschaulichkeit,
Beschaulichkeit athmen sie aus, mit ihren gebeugten Schultern
und gesenkten Blicken, wie süßen Mostes trunken, die schauen
und hinschauen und herschauen und nachschauen. Gleichwie etwa
die Eule am Ast eine Maus erspäht und schaut und hinschaut und
herschaut und nachschaut, oder gleichwie etwa der Schackal
am Bache nach Fischen auslugt und schaut und hinschaut und
herschaut und nachschaut, oder gleichwie etwa die Katze im
Kehrichtwinkel des Hofes der Ratte auflauert und schaut und
hinschaut und herschaut und nachschaut, oder gleichwie etwa der
Esel, vom Karren losgeschnallt, in den Hof, zum Kerichthaufen
geht und schaut und hinschaut und herschaut und nachschaut:
ebenso kommen sie da, diese Kahlköpfe von Pfaffen, das dreiste
Gesindel, einer dem anderen auf den Fersen! Beschaulichkeit,
Beschaulichkeit athmen sie aus, mit ihren gebeugten Schultern
und gesenkten Blicken, wie süßen Mostes trunken, die schauen
und hinschauen und herschauen und nachschauen.‹ Und die
Menschen, Böser, die damals starben, die gelangten bei der
Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zumeist abwärts, auf
schlechte Fährte, in Verderben und Unheil. -- Aber Kakusandho, 335
Böser, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte ermahnte
die Mönche: ›Angestiftet, ihr Mönche, sind Priester und
Hausväter von Dūsī dem Māro: ‚Geht mir mit eueren tugendreinen,
edelgearteten Mönchen! Beschimpft sie, beleidigt sie, verjagt
sie, verfolgt sie: da wird sich bei solcher Behandlung ihr
Sinn schon ändern und Māro Dūsī Eingang finden.‘ Gehet, ihr
Mönche: liebevollen Gemüthes weilend strahlet nach einer
Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann
nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall
in allem euch wiedererkennend durchstrahlet die ganze Welt
mit liebevollem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem,
von Grimm und Groll geklärtem. Erbarmenden Gemüthes weilend
strahlet nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann
nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und
nach unten: überall in allem euch wiedererkennend durchstrahlet
die ganze Welt mit erbarmendem Gemüthe, mit weitem, tiefem,
unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem. Freudevollen
Gemüthes weilend strahlet nach einer Richtung, dann nach einer
zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso
nach oben und nach unten: überall in allem euch wiedererkennend
durchstrahlet die ganze Welt mit freudevollem Gemüthe, mit
weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.
Unbewegten Gemüthes weilend strahlet nach einer Richtung,
dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der
vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem euch
wiedererkennend durchstrahlet die ganze Welt mit unbewegtem
Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und
Groll geklärtem.‹ Und jene Mönche, Böser, von Kakusandho dem
Erhabenen, dem Heiligen, vollkommen Erwachten also belehrt,
also gewiesen, zogen sich ins Innere des Waldes zurück,
oder unter große Bäume, oder in leere Klausen: liebevollen
Gemüthes, erbarmenden Gemüthes, freudevollen Gemüthes und
unbewegten Gemüthes weilend strahlten sie nach einer Richtung,
dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach
der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in
allem sich wiedererkennend durchstrahlten sie die ganze Welt
mit liebevollem Gemüthe, mit erbarmendem Gemüthe, mit
freudevollem Gemüthe und mit unbewegtem Gemüthe, mit weitem,
tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem. --
Aber Dūsī der Māro, Böser, besann sich nun also: ›Auf diese
Weise komm’ ich nicht weiter und kann nicht erfahren woher die
Mönche, die tugendreinen, edelgearteten, kommen und wohin sie
gehn: wie, wenn ich nun Priester und Hausväter antriebe: Seht
doch die tugendreinen, edelgearteten Mönche! Haltet sie hoch,
schätzt sie gebührend, achtet und ehrt sie -- da wird sich
bei solcher Behandlung ihr Sinn gewiss ändern und Māro Dūsī
Eingang finden.‹ Und Māro Dūsī, Böser, fuhr in die Priester und
Hausväter hinein: ›Seht doch die tugendreinen, edelgearteten
Mönche! Haltet sie hoch, schätzt sie gebührend, achtet und 336
ehrt sie -- da wird sich bei solcher Behandlung ihr Sinn
gewiss ändern und Māro Dūsī Eingang finden.‹ Und jene Priester
und Hausväter, Böser, bewogen von Dūsī dem Māro, hielten die
tugendreinen, edelgearteten Mönche hoch, schätzten sie nach
Gebühr, achteten und ehrten sie. Und die Menschen, Böser,
die damals starben, die gelangten bei der Auflösung des
Körpers, nach dem Tode, zumeist auf gute Fährte, in himmlische
Welt. -- Aber Kakusandho, Böser, der Erhabene, der Heilige,
vollkommen Erwachte ermahnte die Mönche: ›Angestiftet, ihr
Mönche, sind Priester und Hausväter von Dūsī dem Māro: ‚Seht
doch die tugendreinen, edelgearteten Mönche! Haltet sie
hoch, schätzt sie gebührend, achtet und ehrt sie -- da wird
sich bei solcher Behandlung ihr Sinn gewiss ändern und Māro
Dūsī Eingang finden.‘ Gehet, ihr Mönche: betrachtet die
Erbärmlichkeit des Körpers, gedenket des Ekels der Nahrung,
gedenket der Freudlosigkeit an der ganzen Welt, gedenket der
Flüchtigkeit aller Erscheinungen.‹ Und jene Mönche, Böser, von
Kakusandho dem Erhabenen, dem Heiligen, vollkommen Erwachten
also belehrt, also gewiesen, zogen sich ins Innere des Waldes
zurück, oder unter große Bäume, oder in leere Klausen: dort
weilend betrachteten sie die Erbärmlichkeit des Körpers, waren
eingedenk des Ekels der Nahrung, eingedenk der Freudlosigkeit
an der ganzen Welt, hielten sich die Flüchtigkeit aller
Erscheinungen vor. -- Und Kakusandho, Böser, der Erhabene, der
Heilige, vollkommen Erwachte stand rüstig auf, nahm Mantel und
Schaale und ging gefolgt vom ehrwürdigen Wissenswalt, nach dem
Dorfe um Almosenspeise. Und Dūsī der Māro, Böser, fuhr in einen
Knaben, ergriff einen Scherben und warf ihn dem ehrwürdigen
Wissenswalt an den Kopf, verletzte den Kopf. Und der ehrwürdige
Wissenswalt, Böser, folgte nun mit zerschnittenem Kopfe und 337
strömendem Blute Kakusandho dem Erhabenen, dem Heiligen,
vollkommen Erwachten Schritt um Schritt nach. Und Kakusandho,
Böser, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte blickte
sich mit dem Blicke des Elephanten um:
›Wahrlich kein Maaß hat Māro gekannt hier.‹
Bei jenem Blicke, Böser, zerging aber Dūsī der Māro auf der
Stelle und erschien in einer Erzhölle wieder; in einer Hölle,
Böser, die mit dreierlei Namen genannt wird: als Hölle der
Sechs Sinne[39], als Hölle der Lanzenstarre, als Hölle der
Innigen Pein. Da traten nun, Böser, Höllenwächter zu mir heran
und sprachen: ›So oft sich, Würdiger, zwei Lanzen in deinem
Herzen kreuzen, wisse, dass tausend Jahre deiner Höllenquaal
um sind.‹ Und so litt ich denn, Böser, viele Jahre, viele
Jahrhunderte, viele Jahrtausende in jener Erzhölle: zehn
Jahrtausende litt ich allein im Höllenpfuhle, das äußerste der
Gefühle, wie man es nennt, empfindend. Und mein Leib war da,
Böser, wie etwa der eines Menschen, und mein Kopf wie etwa der
eines Fisches.
»Was war es für ein Höllenort
Wo Māro Dūsī Quaalen litt
Als Frevel er an Wissenswalt
Und seinem hehren Herrn gethan?
»Es blitzten hundert Lanzen blank
Und jede stach mit eignem Stich:
Das war des Ortes arge Pein
Wo Māro Dūsī Quaalen litt
Als Frevel er an Wissenswalt
Und seinem hehren Herrn gethan.
»Wer dessen sich erinnern kann,
Des Auferwachten treuer Sohn,
Den lasse, Frevler, unversucht,
Willst selber Leid nicht leiden du.
»Im Meere liegen Inseln hold,
Ein Weltenalter stehn sie stand,
Wie Edelsteine hell und rein,
Ein funkelnd Feuer, glänzend klar:
Und Nixen tanzen Tänze dort,
Und jede lacht in eignem Licht.
»Wer dessen sich erinnern kann,
Des Auferwachten treuer Sohn,
Den lasse, Frevler, unversucht,
Willst selber Leid nicht leiden du.
»Wer auf Geheiß des wachen Herrn
Im Angesicht der Jüngerschaar
Den Quaadergrund am Hirschenstein
Mit seiner Zeh’ erzittern ließ:
»Wer dessen sich erinnern kann,
Des Auferwachten treuer Sohn,
Den lasse, Frevler, unversucht,
Willst selber Leid nicht leiden du.
»Wer Sakkos Siegesbanner-Schloss
Mit seiner Zeh’ erzittern ließ,
Magiegewaltig witzbegabt
Ein Götterbeben einst gebot:
»Wer dessen sich erinnern kann, 338
Des Auferwachten treuer Sohn,
Den lasse, Frevler, unversucht,
Willst selber Leid nicht leiden du.
»Wer dann im Siegesbanner-Saal
Den Götterfürsten Sakko frug:
›Doch kennst du, lieber Vāsu, wohl
Das Heil versiegter Lebenslust?‹
Und dem der Gott nun Punkt für Punkt
Bescheid auf seine Frage gab:
»Wer dessen sich erinnern kann,
Des Auferwachten treuer Sohn,
Den lasse, Frevler, unversucht,
Willst selber Leid nicht leiden du.
»Wer fragend vor den Brahmā trat,
im Saal der Säligen also sprach:
›Wähnst, Bruder, du hier immer noch
Den Wahn, den du vorher gewähnt?
Merkst nicht, dass auch der Glitterglanz
Der Brahmawelt verwesen muss?‹
»Und dem nun Brahmā Punkt für Punkt,
Wie sich’s gebühret, Antwort gab:
‚Nein, Würdiger, ich wähne nicht
Den Wahn mehr, den ich einst gewähnt.
»‚Wohl merk’ ich, dass der Glitterglanz
Der Brahmawelt verwesen muss;
Wie achtlos hab’ ich doch geirrt,
Zu wähnen, dass ich ewig sei!‘
»Wer dessen sich erinnern kann,
Des Auferwachten treuer Sohn,
Den lasse, Frevler, unversucht,
Willst selber Leid nicht leiden du.
»Wer höchsten Berges Gipfelgrat
Als Heiliger erobert hielt,
Den östlichen Videher-Wald.
Der Erde tiefste Höllen fand:
»Wer dessen sich erinnern kann,
Des Auferwachten treuer Sohn,
Den lasse, Frevler, unversucht,
Willst selber Leid nicht leiden du.
»Hat wohl das Feuer je gedacht:
›Versengen will den Thoren ich‹?
Der Thor, der flacke Feuersgluth
Erfassen will, versengt sich selbst.
»So willst nun, Māro, fassen du,
Willst sehren den Vollendeten,
Wirst aber sengen nur dich selbst,
Ein Thor, der Feuer fassen will.
»Verderben schürst dir, Māro, an:
Willst fassen den Vollendeten,
Und hoffest, Frevler, hoffensfroh,
Dein Frevel werde frommen dir?
»Des Frevlers Frevel schichten sich
Zu langem Leid, Verworfener!
Verzweifle, Tod, am wachen Herrn,
Heb’ von den Jüngern dich hinweg.«
So hat im wilden Schreckenswald
Ein Mönch dem Māro einst gewehrt:
Und plötzlich war der wirre Geist
Am selben Ort verschwunden da.
ANMERKUNGEN
[* Wie aus der, durch die Güte und Beharrlichkeit Mr. /Hugh
Nevills/, G. A. C. S. Ceylon, mir zugegangenen Abschrift (15
folios = 4 Kapiteln, das letzte unvollständig) hervorgeht,
erwähnt das, nebenbei gesagt, äußerst seltene Werk
_Vinayapiṭakam_ und _Abhidhammapiṭakam_ mit keinem Worte,
sondern giebt eine kurzgefasste, natürlich scholastische, doch
sehr gute Hermenie zu den Lehren des Buddhismus, d. i. des
_Suttapiṭakam_, auf Grund zahlreicher Citate aus demselben. Die
Belegstellen sind verständig und sorgfältig gewählt, etwa je
ein dutzend wohlbekannter Stücke aus dem _AN_, _SN_ und _MN_,
auch etwas aus dem _DN_, insbesondere aber sind es Verse, gegen
dreißig, ¾ davon solche des _Dhammapadam_. Bei der Darstellung
der Vier heiligen Wahrheiten wird erklärt, wie bei genauer
Prüfung »durchgängig im _Pañcanikāyo_« das Wort den Sinn und
der Sinn das Wort erhelle. Das Werk war für Vorgeschrittenere
bestimmt und setzt viel als bekannt voraus. Aus allem geht klar
hervor, dass Kaccāyano, oder wer der Verfasser sonst gewesen
sein mag, _Peṭakopadeso_ im Sinne von _Suttapiṭakopadeso_
gebraucht hat.]
[** cf. den Schluss des _Vinayapiṭakam_, vol. IV. p. 207 und
351: _Ettakaṃ tassa bhagavato suttāgataṃ suttapariyāpannam
anvaddhamāsam uddesam āgacchati_ -- womit also dieser
Kanon sich selbst schlank und schlicht als Auszug aus dem
_Suttapiṭakam_ vorstellt.]
[*** zu den von /Rhys Davids/, SBE XI. 36^{2}, beigebrachten
Stellen zur _ācariyamuṭṭhi_ cf. die ausgezeichnete Bestätigung
/Burnells/, _Vaṃśabrāhmaṇam_, Mangalore 1873, p. XIV. s. v.
_upadeśas_.]
FUSSNOTEN:
[Fußnote 1: _abhibhū_, der Uebermächtige, der Ueberwältiger,
ist nicht etwa eine Hypostase Brahmās (die ja sammt und sonders
ad absurdum geführt werden, e. g. _DN_ vol. I. p. 17 f., 221
f.), sondern es ist der Weltüberwinder, der _Jino_. Cf. _MN_
vol. I. p. 171.]
[Fußnote 2: _nibbānam:_ von √(van) wollen, wünschen, wähnen;
siehe meinen »Wahrheitpfad«, 1. Aufl., p. 155. Zur Etymologie
vergl. noch _Theragāthā_ v. 689 ff. _Manussabhūto sambuddho
vanā nibbānam āgato_; zur Semasiologie _SN_ vol. II. p. 118
_Bhavanirodho nibbānan ti_.]
[Fußnote 3: _buddho_ erwacht; vergl. _paṭibuddho_
wiedererwacht, _MN_ vol. I. p. 365.]
[Fußnote 4: die Reihe _appicchatā_, _santuṭṭhī_, _sallekhā_,
_subharatā_, _viriyārambhā_ weist auf die wahre Abstammung
von _sallekhā_, _sallekho_ hin: nicht aus _likh°_, sondern
aus _lagh°_ hat sich entwickelt _saṃlaghuka_, _sallahuka_,
_sallaukha_, _salloekha_, _sallekho_. -- In _sallikhitagatto_,
_SN_ vol. I., p. 82, ist das _i_ dialektische Differenzierung,
wie bei _nisinno_ für _niṣaṇṇas_.]
[Fußnote 5: _pubbe ’va sambodhā anabhisambuddhassa
bodhisattass’ eva sato: bodhisatto_ = _bodhi_ + _sakta_,
√(sañj); cf. _āsatto_, _MN_ I., 120, 1; _AN_ I., 138, _SN_
I., 212 (_CV_ II., 156), _asatto_, _Suttanipāto_ v. 176
f. etc., _ādānasattam maccudheyyam_ v. 1104, auch _MN_ I,
376 _manosatto_ = _manopaṭibaddho_, _Suttanip_. v. 473
_mānasatto_, _SN_ IV., 23, 66 _bhavasatto_. Diese Ableitung
war dem ursprünglichen Buddhismus so geläufig, dass er sie,
metaphorisch, sogar auf _sattva_ bezogen hat, siehe _SN_ III.,
190.]
[Fußnote 6: _anussaranti_, praesens praeteriti soliti; cf.
_Ekaṃ samayaṃ... viharati_ u. a. m. -- /Whitney/, Ind. Gramm. §
777.]
[Fußnote 7: Die richtige Auslegung dieser Stelle verdanke ich
/Georg Bühler/; vergl. auch /R. Otto Franke/ in der Wiener
Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes, vol. VII., p. 353.
Zum Begriffe _anuggaho_ cf. übrigens _Ṛgvedaprātiśākhyam_ XI,
10, sammt Kommentar, mit /Wilsons/ _Viṣṇupurāṇam_ vol. I., p.
76 n. 1, und /Burnoufs/ _Bhāgavatapurāṇam_ VII, 9, 48.]
[Fußnote 8: ~Magen~ für _antam_ (von _antaram_) ergiebt sich
aus _SN_ vol. II. p. 270, lin. ult.]
[Fußnote 9: Freie Brüder = _Nigaṇṭhā_, wörtlich Knotenlose,
einer der Zweige der großen Sekte der _Jainās_ die noch
heute in Indien besteht, gegründet von _Nāthaputto_, einem
Zeitgenossen Gotamos. Vergl. Anm. 24.]
[Fußnote 10: Die tief im Wesen des Ordens begründete
Geringschätzung aller Riten (vergl. die keineswegs seltene
_Ehibhikkhu-upasampadā_) giebt sich auch hier, fast
überraschend, zu erkennen: selbst die, _Vin._ vol. I. p. 159,
klar normierte _Pavāraṇā_-Feier mag der Mönch, ganz nach
Belieben, mitmachen oder nicht mitmachen, es gilt gleich;
wie eben schon ein alter, dem _Śaṉkhas_ (_Saṇh._ VII, 16, 4)
zugeschriebener Spruch sagt: _Hṛdi sarvam pratiṣṭhitam._]
[Fußnote 11: Hohe schlanke Bäume voller wohlriechender Blüthen;
die köstliche Frucht, von außen wie eine große grüne Orange
anzusehn, heißt Bilva.]
[Fußnote 12: _bhavābhavo_ ist hier zu erklären wie
_kusalākusalam, sāvajjānavajjam, karaṇīyākaraṇīyam, maggāmaggo_
u. a., _AN_ vol. I. p. 129, 174, II. 37; vergl. insbes. das 49.
_Itivuttakam, Suttanipāto_ v. 6 u. 514, _DN_ vol. I. p. 179.]
[Fußnote 13: Vergl. Anmerk. 28.]
[Fußnote 14: Die ersten sieben Gleichnisse werden in der
54. Rede näher erklärt: Ein kahler Knochen, ohne Fleisch,
abgeschabt, blutbefleckt, vom Schlächter einem halbverhungerten
Hunde zugeworfen; ein Fleischfetzen, von einem Geier gepackt,
doch von anderen herniederstürzenden Geiern im Kampf auf
Leben und Tod entrissen; eine Strohfackel, die gegen den Wind
getragen gar bald Hand, Arm und Leib ergreift; eine Grube voll
glühender Kohlen, die dem Hineingestoßenen jämmerliches Unheil
bereitet; Gärten, Haine, Gewässer, die man im Traum gesehn
hat, aber wiedererwacht (_paṭibuddho_) vergebens suchen würde;
ein zusammengeborgter Schatz, mit dem man am Markte großthut:
aber die Eigner kommen und nehmen ihn weg; Nüsse, die einer,
der klettern kann, auf hoher Palme oben sitzend pflückt: aber
ein anderer, der nicht klettern kann, kommt mit scharfem
Beile versehn heran und hackt auf den Stamm los, die Nüsse zu
kriegen. -- Die weiteren drei Gleichnisse kommen a. a. O. nicht
vor, sind übrigens allgemein verständlich.]
[Fußnote 15: Der Text fügt hier als Kommentar, gleichsam
in Klammern, hinzu: _suttaṃ geyyaṃ veyyākaraṇaṃ gātham
udānam itivuttakaṃ jātakam abbhutadhammaṃ vedallaṃ_ -- eine
augenfällige Interpolation.]
[Fußnote 16: _sabbasaṇkhārasamathāya_; cf. meine »Buddhistische
Anthologie«, Leiden 1892, p. XXV.]
[Fußnote 17: _mārassa pāpimato_; cf. die 28. Anmerkung. _Māro_,
personifiziert, ist der indische Große Pan.]
[Fußnote 18: Dieses Bewusstsein ist gleich dem inneren Sinn, d.
h. dem Bewusstsein von der Unendlichkeit der Zeit.]
[Fußnote 19: _pubbāpayamāno: pubbe apayamāno_, von _payate_.]
[Fußnote 20: _Sahampati_ ist Eigenname dieses Brahmā, wie
_Bako_, der Blitzstrahl, in der 49. Rede, oder _Sanaṉkumāro_,
Der ewige Jüngling, in der 53. Rede (auch _DN_ No. 3, 27 und
_SN_, vol. I. p. 153), Eigennamen anderer gleichzeitiger und
gleichmächtiger Brahmās sind. _Sahampati_ ist nur par parum.]
[Fußnote 21: Die Umgebung von Benāres, wald- und wasserreich,
ist flach: doch sieht man hier und da anmuthige kleine Erd- und
Steintumuli, von mächtigen Bäumen und Baumgruppen umstanden.
Ein solcher dürfte auch der Seherstein, _Isipatanam_, gewesen
sein. Eine Tagereise Bahnfahrt ost-südöstlich liegt die uralte
Gayāstadt, an der freundlichen, hellen Gayā, die heute Phalgu
genannt wird; ein schöner Spaziergang den Fluss entlang führt
zum berühmten Tempel des Dorfes Buddh’ Gayā. Ureli, einst
Uruvelā, ist einen Tagemarsch weiter nach Süden gelegen,
drüben, am rechten Ufer, an einem Knie der hier Lilañjā,
früher Nerañjarā genannten mittleren Gayā. Die Landschaft mit
ihren schattigen Auen und weiten Wiesen und sanften bewaldeten
Hügeln und Felsen im Hintergrund erinnert, bei auffallend
zurücktretender Tropenvegetation, an die untere Maingegend.]
[Fußnote 22: _sāvakā_: hier gleich _upāsakā_, gegenüber den
späteren _samaṇā_; cf. Asokos Felsenedikt von _Rūpnāth_, l. 1,
mit der entspr. Stelle von _Sahasarām_.]
[Fußnote 23: _tathāgatapadam._]
[Fußnote 24: Siṇh. Mss haben uns diese offenbar ältere und
bessere Variante zu _nāta^0_ und _nāṭa^0_ erhalten; vergl.
/Feer/ im Journal asiatique, April-Juni 1887, p. 314 Anm.
2; _SN_, vol. I, p. 68 Anm. 7, _AN_ I, 220 (B = SS?), _DN_
I, 49, 57 f., auch _Vinayapiṭakam_ I, 385. Nāthaputto ist
»der Sohn aus fürstlichem Hause«, wörtlich »der junge Herr«,
analog dem späteren Nāthakumāras; cf. auch die beliebten
Namen _Viśvanāthas_, _Bhoganāthas_, _Rāmanāthas_,
_Jagannāthas_, _Lokanāthas_, _Dharmanāthas_, _Yoganāthas_,
_Bhāvanāthas_, _Viranāthas_ und noch ein dutzend ähnlicher.
Die _Nāthakṣatriyās_ nun aus einem imaginierten _Jñātavaṃśas_
abzuleiten ist ein würdiges Kommentatorenstücklein, das denn
auch unsere Jainologen gläubig hingenommen haben, ohne Kritik.
Der allerdings befremdliche Uebergang des _ha_ in _ya_ ist
nämlich, wenn nicht etwa bloß ein alter Irrthum vorliegt,
zu erklären nach _Hemacandras_ I. 214 (vergl. 249, 250),
_ta:ha_ = _ta:ya_. Es wurde also _nātha^0_ zunächst regelrecht
_nāha^0_: dieses aber, nach _Hem._ l. c., hier fälschlich
auf _nāta^0_ bezogen, musste _nāya^0_ ergeben. Eine volle
Bestätigung von seiten der Inschriften wird sich vielleicht
im Laufe der Zeiten finden. Einstweilen genüge /Bühlers/
Nachweisung verballhornter Namen, Ep. Ind. I. 378, ferner die
Statue des 3. _Jinas Sambhavanāthas_, ib. 153, und endlich
der alles eher als zufällig gewählte Name _Pārśvanāthas_ für
_Nāthaputras’_ quasi Vorgänger. -- Der Dialektiker Saccako ist
möglicherweise des Nigaṇṭhers bekannter Tochtermann (_jāmātā_),
der das erste Schisma unter den _Jainās_ verursacht haben
soll. Die Charakteristik in unserer 35. und 36. Rede trifft
genau zu. _Jāmātā_ ~ _jāmas_, _jāmis_, mit dem prākṛtischen
Personalsuffixe _li_ verziert, mag später Nom. propr. geworden
sein; cf. _Jābāli_. Die irrige Uebertragung von Saccakos
_gotram_ auf das seines Schwiegervaters und mütterlichen
Oheims, _DN_ vol. I. p. 57, scheint darauf zu beruhen, dass
man den Nigaṇṭhaputto für den leiblichen Sohn gehalten hat,
ein verzeihliches Versehn, »als dan noch bey uns heutigen tag
der brauch ist, dasz der schweher sein tochterman sein sun
heist«: Aventin vol. IV. p. 728. -- Buddhaghosos Variante
_Nigaṇṭhiputto_ weist übrigens direkt auf die Mutter hin; ob
auf Grund geschichtlicher Ueberlieferung oder geschwätziger
Allwissenheit, wage ich nicht zu entscheiden.]
[Fußnote 25: Diese wohlbekannten neun _phāsuvihārā_ hat wohl
Asoko gemeint, wenn er, auf dem Bairāter Edikt I. 5, von den
_aliyavasāni_ spricht: denn sie heißen auch _ariyavisesā_,
z. B. in der folgenden Rede. -- Freilich ließe sich noch
an den _ariyūposatho_, _AN_ III. No. 70, und an die Dekade
im _Saṉgītisuttam_ denken. Für Asokos _aliyavasāni_ =
_phāsuvihārā_ spricht noch _Khuddakapāṭho_ IV, 9 _santāvāsā_
(so ist zu lesen) = _MN_ vol. I. p. 42 _santā vihārā_. Als
6. Fassung derselben Begriffe sei hier noch _anupubbavihārā_
gegeben: _Paṭtisambhidāmaggo_, Pāli-Mss /Neumann/ No. 5 fol.
_ki_. -- Der von Asoko im selben Edikt als _moneyasūte_
belobte Text ist weder im _Sāmaññaphalasuttam_ noch im _AN_
III. No. 120, wie /Oldenberg/ _Vin._ I. XL^1 vermuthet hat,
wohl aber im 2. Theil des _Nālakasuttam_ des _Suttanipāto_,
vv. 699-723, mit voller Sicherheit wiederzuerkennen. Der
selben, dem götterbegnadeten Gnadenreich so sympathischen
Sammlung könnte auch der _Upatisapasine_ entnommen sein:
der unermüdliche Prediger der _ahiṃsā_ hätte damit nämlich
das _Sāriputtapañhasuttam_ (vv. 955-975) empfehlen wollen,
keineswegs die erst später zu hohem Ansehn gelangte dunkle
metaphysische Formel _ye dhammā hetuppabhavādi_. Die
Verse 964/5 stellten die _Anāgatabhayāni_ im Auszuge dar.
Wahrscheinlich aber wird unsere 24. Rede gemeint sein, welcher
der Titel _Upatissapañho_ ganz eigentlich zukommt und die
überdies noch durch _e--cā_ unserer 61. Rede, dem _Rāhulovādo_,
verbunden ist: Asokos allgemeine Angabe _bhagavatā bhāsite_
widerspricht, im Grunde genommen, nicht.]
[Fußnote 26: Mönchen und Nonnen, Anhängern und Anhängerinen.]
[Fußnote 27: Unterkleid, Oberkleid und doppelte Toga; vergl.
_Mahāvaggo_ p. 287 ff.]
[Fußnote 28: _māradheyyam, amāradheyyam, maccudheyyam,
amaccudheyyam. -- māradheyyam_ wörtlich: das Reich der Mortur,
genau wie /Schopenhauer/ den Ausdruck anwendet, Nachlass Bd.
IV., § 551.]
[Fußnote 29: lies: _rūpattāyam_, _vedanattāyam_ etc.]
[Fußnote 30: Das waren die Häupter jener ante- und
conbuddhistischen Wunderbaren Heiligen, der Unbekleideten
(_Acelakos_), der Ungebundenen (_Muttācāros_ ͠= _Ājīvikos_),
der Handverköster (_Hatthāpalekhanos_). Die Geißelung aber
war diese, dass der völlig Nackte, der nicht einmal einen
Napf besaß, das Almosen nicht zum Munde führen, sondern
nur aus seiner Hand aufschlürfen durfte. Vergl. hierzu das
_Kukkuravatikasuttantam_, _MN_ No. 57, wo noch inbrünstigere
Geißelbrüder die Sache cagnescamente, bez. vacchescamente
betreiben, u. a. m. _Acelakā_, _vivasanā_, _muttavasanā_,
_muttācārā_, _naggacariyā_ (cf. _Dhp_. v. 141), _digambarā,_
_nigaṇṭhā_ (cf. _Suttanip_. v. 381) sind übrigens Synonyme
und gehören unter den Begriff des _kṣapaṇājīvas_, als dessen
bekannteste Vertreter sich bis auf den heutigen Tag die
_Jainās_ erhalten haben.]
[Fußnote 31: Zu unseren fünf Sinnen zählen die Inder als
sechsten die Funktion des Denkens hinzu: Gesicht, Gehör,
Geruch, Geschmack, Getast, Gedenken. Vergl. die 9., 10. und 11.
Rede.]