»Was erfolgt, Ehrwürdige, aus dem freudigen Gefühle?«

»Aus dem freudigen Gefühle, Bruder Visākho, erfolgt das leidige

Gefühl.«

»Und was erfolgt, Ehrwürdige, aus dem leidigen Gefühle?«

»Aus dem leidigen Gefühle, Bruder Visākho, erfolgt das freudige

Gefühl.«

»Und was erfolgt, Ehrwürdige, aus dem weder freudig noch

leidigen Gefühle?«

»Aus dem weder freudig noch leidigen Gefühle, Bruder Visākho,

erfolgt das Nichtwissen.«

»Und was erfolgt, Ehrwürdige, aus dem Nichtwissen?«

»Aus dem Nichtwissen, Bruder Visākho, erfolgt das Wissen.«

»Und was erfolgt, Ehrwürdige, aus dem Wissen?«

»Aus dem Wissen, Bruder Visākho, erfolgt die Erlösung.«

»Und was erfolgt, Ehrwürdige, aus der Erlösung?«

»Aus der Erlösung, Bruder Visākho, erfolgt die Erlöschung.«

»Und was erfolgt, Ehrwürdige, aus der Erlöschung?«

»Ueberschritten hast du, Bruder Visākho, das Fragen, man kann

den Begriff der Frage nicht fassen. Denn um in die Erlöschung

zu münden, Bruder Visākho, wird das Asketenleben geführt, in

die Erlöschung geht es ein, in der Erlöschung geht es auf. Wenn

es dir recht ist, Bruder Visākho, so gehe nun und bitte den

Erhabenen um Aufklärung: wie es dir der Erhabene darstellen

wird bewahre es.«

* * * * *

Da war nun Visākho, der Anhänger, durch die Rede der Nonne

Dhammadinnā erfreut und befriedigt, erhob sich von seinem

Sitze, begrüßte die Nonne Dhammadinnā ehrerbietig, ging rechts

herum und begab sich dorthin wo der Erhabene weilte. Dort

angelangt begrüßte er den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich

seitwärts nieder. Zur Seite sitzend erzählte nun der Anhänger

Visākho dem Erhabenen Wort für Wort das Gespräch mit der Nonne

Dhammadinnā. Nach diesem Berichte wandte sich der Erhabene an

Visākho den Anhänger also:

»Weise, Visākho, ist die Nonne Dhammadinnā, wissensmächtig,

Visākho, ist die Nonne Dhammadinnā. Wolltest du mich um

Aufklärung bitten, Visākho, ich würde dir genau die selbe

Antwort geben, wie sie dir die Nonne Dhammadinnā gegeben hat: 305

denn das ist der Sinn, und also bewahre ihn.«

* * * * *

So sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der Anhänger

Visākho über das Wort des Erhabenen.

45.

Fünfter Theil Fünfte Rede

DIE LEBENSFÜHRUNG

-- I --

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei

Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort

nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«

-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen

aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Vier Arten der Lebensführung giebt es, ihr Mönche: welche

vier? Die Lebensführung, die gegenwärtiges Wohl und künftiges

Wehe bringt, die Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe sowie

künftiges Wehe bringt, die Lebensführung, die gegenwärtiges

Wehe und künftiges Wohl bringt, und die Lebensführung, die

gegenwärtiges Wohl sowie künftiges Wohl bringt.

»Was ist das aber, ihr Mönche, für eine Lebensführung, die

gegenwärtiges Wohl und künftiges Wehe bringt? Manche Asketen

und Brāhmanen, ihr Mönche, sagen und lehren: ›Wir finden

kein Arg an der Lust.‹ Sie lassen der Lust freien Lauf, pflegen

Umgang mit lockigen Nonnen und sagen: ›Warum haben doch jene

lieben Asketen und Brāhmanen aus Vorsicht vor kommender

Schreckniss Verleugnung der Lust gepredigt, Ueberwindung

der Lust gelehrt? Süß ist die Umarmung mit dieser jungen,

geschmeidigen, flaumigen Nonne!‹ So reden sie und lassen die

Lust gewähren. Haben sie die Lust gewähren lassen, so gelangen

sie bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts,

auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil, und empfinden

schmerzliche, brennende, stechende Gefühle. Dann sagen

sie: ›Dieses Schreckliche da haben jene lieben Asketen und

Brāhmanen vorausgesehn und Verleugnung der Lust gepredigt,

Ueberwindung der Lust gelehrt: denn Lust ist der Grund, Lust 306

ist die Ursache, dass wir jetzt schmerzliche, brennende,

stechende Gefühle empfinden!‹

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn gegen Ende des Sommers

ein kriechendes Schlinggewächs Frucht trüge, und es fiele

ein Saamenkorn an die Wurzel eines Prachtbaumes. Da würde,

ihr Mönche, die Gottheit die in dem Baume lebt, erschreckt

und bestürzt, in Aufregung gerathen. Aber nun kämen, ihr

Mönche, Freunde und Verwandte der Gottheit herbei, die

Haingottheiten, die Waldgottheiten, die Baumgottheiten,

alle die Götter die Kräuter, Gräser und Wipfel beleben

versammelten sich und sprächen tröstend im Chore: ›Fürchte

dich nicht, Lieber! Fürchte dich nicht, Lieber! Ganz sicher

wird ja dieses Saamenkorn von einem Fasan verschlungen oder

von einem Reh zerkaut oder bei einem Forstbrand vernichtet

oder von Waldarbeitern aufgelesen oder von Termiten

fortgeschleppt werden, oder es wird überhaupt nicht keimen.‹

Doch dieses Saamenkorn, ihr Mönche, würde weder von einem

Fasan verschlungen noch von einem Reh zerkaut noch bei einem

Forstbrand vernichtet noch von Waldarbeitern aufgelesen noch

von Termiten fortgeschleppt werden, sondern würde keimen.

Während der Regenzeit wände es sich empor, wüchse sich völlig

aus, wäre Liane geworden, jung, geschmeidig, flaumig, Ranken

treibend, und süchtig umklammerte diese den Prachtbaum. Da wäre

nun, ihr Mönche, der Gottheit die in diesem Baume lebt also zu

Muthe: ›Warum haben doch meine lieben Freunde und Verwandten,

die Haingottheiten, die Waldgottheiten, die Baumgottheiten,

die Götter der Kräuter, Gräser und Wipfel kommende

Schreckniss vom Saamenkorne befürchtet und insgesammt also

mir zugesprochen: ‚Fürchte dich nicht, Lieber! Fürchte dich

nicht, Lieber! Ganz sicher wird ja dieses Saamenkorn von einem

Fasan verschlungen oder von einem Reh zerkaut oder bei einem

Forstbrand vernichtet oder von Waldarbeitern aufgelesen oder

von Termiten fortgeschleppt werden, oder es wird überhaupt

nicht keimen‘: süß ist es ja, von dieser jungen, geschmeidigen,

flaumigen Liane umrankt zu werden!‹ Und sie schlängelte sich

um den Prachtbaum herum, um den Prachtbaum herumgeschlängelt

verzweigte sie sich oben, oben verzweigt wirkte sie einen

Rankenschleier herab, und mit diesem Rankenschleier erstickte

sie dann die mächtigen, mächtigen Stämme des Prachtbaumes. Da

wäre nun, ihr Mönche, der Gottheit die in diesem Baume lebt

also zu Muthe: ›Das ist das Schreckliche, das meine lieben

Freunde und Verwandten, die Haingottheiten, die Waldgottheiten,

die Baumgottheiten, die Götter der Kräuter, Gräser und Wipfel

vorausgesehn haben, und desshalb haben sie mich alle zusammen

trösten wollen: denn jenes Saamenkorn ist die Ursache, dass 307

ich schmerzliche, brennende, stechende Gefühle empfinde!‹ --:

Ebenso nun auch, ihr Mönche, sagen und lehren da manche Asketen

und Brāhmanen: ›Wir finden kein Arg an der Lust.‹ Sie lassen

der Lust freien Lauf, pflegen Umgang mit lockigen Nonnen und

sagen: ›Warum haben doch jene lieben Asketen und Brāhmanen

aus Vorsicht vor kommender Schreckniss Verleugnung der Lust

gepredigt, Ueberwindung der Lust gelehrt? Süß ist die Umarmung

mit dieser jungen, geschmeidigen, flaumigen Nonne!‹ So reden

sie und lassen die Lust gewähren. Haben sie die Lust gewähren

lassen, so gelangen sie bei der Auflösung des Körpers, nach dem

Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil,

und empfinden schmerzliche, brennende, stechende Gefühle.

Dann sagen sie: ›Dieses Schreckliche da haben jene lieben

Asketen und Brāhmanen vorausgesehn und Verleugnung der

Lust gepredigt, Ueberwindung der Lust gelehrt: denn Lust ist

der Grund, Lust ist die Ursache, dass wir jetzt schmerzliche,

brennende, stechende Gefühle empfinden!‹ Das nennt man,

ihr Mönche, eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wohl und

künftiges Wehe bringt.

»Was ist das aber, ihr Mönche, für eine Lebensführung, die

gegenwärtiges Wehe sowie künftiges Wehe bringt? Da ist

einer, ihr Mönche, ein Unbekleideter, ein Ungebundener, ein

Handverköster[35], kein Ankömmling, kein Abwärtling, gestattet

keine Darreichung, keine Vergünstigung, keine Einladung, späht

beim Empfangen des Almosens nicht nach dem Topfe, nicht nach

der Schüssel, nicht über die Schwelle, nicht über das Gitter,

nicht in den Kessel hinein, nimmt nicht von zu zweit Speisenden

an, nicht von einer Schwangeren, nicht von einer Säugenden,

nicht von einer, die vom Manne kommt, nicht von Beschmutzten,

nicht wo ein Hund dabei steht, nicht wo Fliegen hin und her

schwärmen, isst keinen Fisch, kein Fleisch, trinkt keinen

Wein, kein gebranntes Wasser, keinen gegohrenen Haferschleim.

Er geht zu einem Hause und begnügt sich mit einer handvoll

Almosenspeise; geht zu zwei Häusern und begnügt sich mit zwei

handvoll Almosenspeise; geht zu sieben Häusern und begnügt

sich mit sieben handvoll Almosenspeise. Er fristet sein Leben

durch die Mildthätigkeit von nur einer Spenderin, von nur

zwei Spenderinen, von nur sieben Spenderinen. Er nimmt nur

jeden ersten Tag Nahrung ein, nur jeden zweiten Tag, nur jeden

siebenten Tag. Solcherart wechselnd beobachtet er streng diese

bis auf einen halben Monat ausgedehnte Fastenübung. Oder er 308

lebt von Kräutern und Pilzen, von wildem Reis und Korn, von

Saamen und Kernen, von Pflanzenmilch und Baumharz, von Gräsern,

von Kuhmist, fristet sich von Wurzeln und Früchten des Waldes,

lebt von abgefallenen Früchten. Auch trägt er das hänfene Hemd,

trägt das härene Hemd, trägt einen Rock, geflickt aus den im

Leichenhof und auf der Straße gefundenen Fetzen, hüllt sich

in Lumpen, in Felle, in Häute, gürtet sich mit Flechten aus

Gras, mit Flechten aus Rinde, mit Flechten aus Laub, birgt

die Blöße unter pelzigem Schurze, unter borstigem Schurze,

unter einem Eulenflügel. Und er rauft sich Haupt- und Barthaar

aus, die Regel der Haar- und Bartausraufer befolgend; ist ein

Stetigsteher, verwirft Sitz und Lager; ist ein Fersensitzer,

übt die Zucht der Fersensitzer; ist Dornenseitiger und legt

sich zur Seite auf ein Dornenlager; steigt allabendlich zum

dritten Mal herab ins Büßerbad. So übt er sich gar vielfach in

des Körpers inbrünstiger Schmerzensaskese. Der gelangt bei der

Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte

Fährte, in Verderben und Unheil. Das nennt man, ihr Mönche,

eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe sowie künftiges Wehe

bringt.

»Was ist das aber, ihr Mönche, für eine Lebensführung, die

gegenwärtiges Wehe und künftiges Wohl bringt? Da ist einer,

ihr Mönche, von Natur aus heftigem Begehren geneigt, und das

Begehren lässt ihn oft Schmerz und Quaal empfinden; ist von

Natur aus heftigem Hasse geneigt, und der Hass lässt ihn

oft Schmerz und Quaal empfinden; ist von Natur aus heftigem

Wahne geneigt, und der Wahn lässt ihn oft Schmerz und Quaal

empfinden. Und nur mit Schmerzen, nur mit Quaalen, nur unter

bitteren Thränen kann er das lautere, reine Leben der

Heiligkeit führen. Der gelangt bei der Auflösung des Körpers,

nach dem Tode, auf gute Fährte, in sälige Welt. Das nennt man,

ihr Mönche, eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe und

künftiges Wohl bringt.

»Und was für eine Lebensführung ist es, ihr Mönche, die

gegenwärtiges Wohl sowie künftiges Wohl bringt? Da ist einer,

ihr Mönche, von Natur aus heftigem Begehren nicht geneigt, und

das Begehren lässt ihn selten Schmerz und Quaal empfinden;

ist von Natur aus heftigem Hasse nicht geneigt, und der Hass

lässt ihn selten Schmerz und Quaal empfinden; ist von Natur

aus heftigem Wahne nicht geneigt, und der Wahn lässt ihn 309

selten Schmerz und Quaal empfinden. Gar fern von Begierden,

fern von unheilsamen Dingen weilt er in sinnend gedenkender

ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten

Schauung. Nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens erwirkt

er die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von

sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige

Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. In heiterer Ruhe

verweilt er gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück

empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der

gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die

Weihe der dritten Schauung. Nach Verwerfung der Freuden und

Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns

erwirkt er die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig

einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Der

gelangt bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf

gute Fährte, in sälige Welt. Das nennt man, ihr Mönche, eine

Lebensführung, die gegenwärtiges Wohl sowie künftiges Wohl

bringt. Das sind, ihr Mönche, die vier Arten der Lebensführung.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche

über das Wort des Erhabenen.

46.

Fünfter Theil Sechste Rede

DIE LEBENSFÜHRUNG

-- II --

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei

Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort

nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«

-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen

aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Die meisten Menschen, ihr Mönche, hegen das Verlangen,

hegen den Wunsch, hegen die Absicht: ›Ach, möchte sich doch

das Unersehnte, Unerwünschte, Unerfreuliche mindern und

das Ersehnte, Erwünschte, Erfreuliche mehren!‹ Und diesen

Menschen, ihr Mönche, die solches Verlangen, solchen Wunsch,

solche Absicht hegen, mehrt sich das Unersehnte, Unerwünschte,

Unerfreuliche, mindert sich das Ersehnte, Erwünschte,

Erfreuliche. Was gebt ihr da, Mönche, als Grund an?«

»Vom Erhabenen stammt unser Wissen, o Herr, vom Erhabenen geht 310

es aus, auf den Erhabenen geht es zurück. Gut wär’ es, o Herr,

wenn nur der Erhabene jenen eigenthümlichen Umstand erklären

wollte! Das Wort des Erhabenen werden wir bewahren.«

»Wohlan denn, ihr Mönche, so höret und achtet wohl auf meine

Rede.«

»Gewiss, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen

aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Da ist einer, ihr Mönche, ein unerfahrener gewöhnlicher

Mensch, ohne Sinn für das Heilige, der heiligen Lehre unkundig,

der heiligen Lehre unzugänglich, ohne Sinn für das Edle, der

Lehre der Edlen unkundig, der Lehre der Edlen unzugänglich,

kennt weder die zu pflegenden Dinge noch die nicht zu

pflegenden Dinge, kennt weder die würdigen Dinge noch die

nichtswürdigen Dinge. Unbekannt mit den zu pflegenden Dingen,

unbekannt mit den nicht zu pflegenden Dingen, unbekannt mit den

würdigen Dingen, unbekannt mit den nichtswürdigen Dingen pflegt

er die nicht zu pflegenden Dinge und pflegt die zu pflegenden

Dinge nicht, würdigt er die nichtswürdigen Dinge und würdigt

die würdigen Dinge nicht. Und indem er nicht zu pflegende Dinge

pflegt und zu pflegende Dinge nicht pflegt, nichtswürdige

Dinge würdigt und würdige Dinge nicht würdigt mehrt sich das

Unersehnte, Unerwünschte, Unerfreuliche und mindert sich das

Ersehnte, Erwünschte, Erfreuliche, und warum? Weil es eben

also, ihr Mönche, geschehn muss, wenn einer unwissend ist.

»Doch der erfahrene heilige Jünger, ihr Mönche, das Heilige

verstehend, der heiligen Lehre kundig, der heiligen Lehre

wohlzugänglich, das Edle verstehend, der Lehre der Edlen

kundig, der Lehre der Edlen wohlzugänglich, kennt die zu

pflegenden Dinge und kennt die nicht zu pflegenden Dinge,

kennt die würdigen Dinge und kennt die nichtswürdigen Dinge.

Bekannt mit den zu pflegenden Dingen, bekannt mit den nicht zu

pflegenden Dingen, bekannt mit den würdigen Dingen, bekannt mit

den nichtswürdigen Dingen pflegt er die nicht zu pflegenden

Dinge nicht und pflegt die zu pflegenden Dinge, würdigt er die

nichtswürdigen Dinge nicht und würdigt die würdigen Dinge. Und

indem er nicht zu pflegende Dinge nicht pflegt und zu pflegende

Dinge pflegt, nichtswürdige Dinge nicht würdigt und würdige

Dinge würdigt, mindert sich das Unersehnte, Unerwünschte,

Unerfreuliche und mehrt sich das Ersehnte, Erwünschte,

Erfreuliche, und warum? Weil es eben also, ihr Mönche, geschehn

muss, wenn einer wissend ist.

»Vier Arten der Lebensführung giebt es, ihr Mönche: welche

vier? Die Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe sowie künftiges

Wehe bringt, die Lebensführung, die gegenwärtiges Wohl und 311

künftiges Wehe bringt, die Lebensführung, die gegenwärtiges

Wehe und künftiges Wohl bringt, und die Lebensführung, die

gegenwärtiges Wohl sowie künftiges Wohl bringt.

»Was nun, ihr Mönche, die Lebensführung anlangt, die

gegenwärtiges Wehe sowie künftiges Wehe bringt, so begreift

diese der Unverständige nicht, erkennt nicht der Wahrheit

gemäß: ›Das ist eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe

sowie künftiges Wehe bringt.‹ Da er sie nicht begreift, nicht

versteht, nicht der Wahrheit gemäß erkennt, pflegt er sie,

entsagt ihr nicht. Und indem er sie pflegt und ihr nicht

entsagt mehrt sich das Unersehnte, Unerwünschte, Unerfreuliche

und mindert sich das Ersehnte, Erwünschte, Erfreuliche, und

warum? Weil es eben also, ihr Mönche, geschehn muss, wenn einer

unwissend ist.

»Was nun, ihr Mönche, die Lebensführung anlangt, die

gegenwärtiges Wohl und künftiges Wehe bringt, so begreift diese

der Unverständige nicht, erkennt nicht der Wahrheit gemäß: ›Das

ist eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wohl und künftiges

Wehe bringt.‹ Da er sie nicht begreift, nicht versteht, nicht

der Wahrheit gemäß erkennt, pflegt er sie, entsagt ihr nicht.

Und indem er sie pflegt und ihr nicht entsagt mehrt sich das

Unersehnte, Unerwünschte, Unerfreuliche und mindert sich das

Ersehnte, Erwünschte, Erfreuliche, und warum? Weil es eben

also, ihr Mönche, geschehn muss, wenn einer unwissend ist.

»Was nun, ihr Mönche, die Lebensführung anlangt, die

gegenwärtiges Wehe und künftiges Wohl bringt, so begreift diese

der Unverständige nicht, erkennt nicht der Wahrheit gemäß: ›Das

ist eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe und künftiges

Wohl bringt.‹ Da er sie nicht begreift, nicht versteht, nicht

der Wahrheit gemäß erkennt, pflegt er sie nicht, entsagt ihr.

Und indem er sie nicht pflegt und ihr entsagt mehrt sich das

Unersehnte, Unerwünschte, Unerfreuliche und mindert sich das

Ersehnte, Erwünschte, Erfreuliche, und warum? Weil es eben

also, ihr Mönche, geschehn muss, wenn einer unwissend ist.

»Was nun, ihr Mönche, die Lebensführung anlangt, die

gegenwärtiges Wohl sowie künftiges Wohl bringt, so begreift

diese der Unverständige nicht, erkennt nicht der Wahrheit

gemäß: ›Das ist eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wohl

sowie künftiges Wohl bringt.‹ Da er sie nicht begreift, nicht

versteht, nicht der Wahrheit gemäß erkennt, pflegt er sie

nicht, entsagt ihr. Und indem er sie nicht pflegt und ihr

entsagt mehrt sich das Unersehnte, Unerwünschte, Unerfreuliche 312

und mindert sich das Ersehnte, Erwünschte, Erfreuliche, und

warum? Weil es eben also, ihr Mönche, geschehn muss, wenn einer

unwissend ist.

»Was nun, ihr Mönche, die Lebensführung anlangt, die

gegenwärtiges Wehe sowie künftiges Wehe bringt, so begreift

diese der Verständige, erkennt der Wahrheit gemäß: ›Das ist

eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe sowie künftiges

Wehe bringt.‹ Da er sie begreift, versteht, der Wahrheit gemäß

erkennt, pflegt er sie nicht, entsagt ihr. Und indem er sie

nicht pflegt und ihr entsagt mindert sich das Unersehnte,

Unerwünschte, Unerfreuliche und mehrt sich das Ersehnte,

Erwünschte, Erfreuliche, und warum? Weil es eben also, ihr

Mönche, geschehn muss, wenn einer wissend ist.

»Was nun, ihr Mönche, die Lebensführung anlangt, die

gegenwärtiges Wohl und künftiges Wehe bringt, so begreift

diese der Verständige, erkennt der Wahrheit gemäß: ›Das ist

eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wohl und künftiges Wehe

bringt.‹ Da er sie begreift, versteht, der Wahrheit gemäß

erkennt, pflegt er sie nicht, entsagt ihr. Und indem er sie

nicht pflegt und ihr entsagt mindert sich das Unersehnte,

Unerwünschte, Unerfreuliche und mehrt sich das Ersehnte,

Erwünschte. Erfreuliche, und warum? Weil es eben also, ihr

Mönche, geschehn muss, wenn einer wissend ist.

»Was nun, ihr Mönche, die Lebensführung anlangt, die

gegenwärtiges Wehe und künftiges Wohl bringt, so begreift

diese der Verständige, erkennt der Wahrheit gemäß: ›Das ist

eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe und künftiges Wohl

bringt.‹ Da er sie begreift, versteht, der Wahrheit gemäß

erkennt, pflegt er sie, entsagt ihr nicht. Und indem er sie

pflegt und ihr nicht entsagt mindert sich das Unersehnte,

Unerwünschte, Unerfreuliche und mehrt sich das Ersehnte,

Erwünschte, Erfreuliche, und warum? Weil es eben also, ihr

Mönche, geschehn muss, wenn einer wissend ist.

»Was nun, ihr Mönche, die Lebensführung anlangt, die

gegenwärtiges Wohl sowie künftiges Wohl bringt, so begreift

diese der Verständige, erkennt der Wahrheit gemäß: ›Das ist

eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wohl sowie künftiges

Wohl bringt.‹ Da er sie begreift, versteht, der Wahrheit gemäß

erkennt, pflegt er sie, entsagt ihr nicht. Und indem er sie

pflegt und ihr nicht entsagt mindert sich das Unersehnte,

Unerwünschte, Unerfreuliche und mehrt sich das Ersehnte,

Erwünschte, Erfreuliche, und warum? Weil es eben also, ihr

Mönche, geschehn muss, wenn einer wissend ist.

»Wie ist aber, Mönche, die Lebensführung, die gegenwärtiges 313

Wehe sowie künftiges Wehe bringt? Da ist einer, ihr Mönche,

unter Schmerzen und Quaalen ein Mörder und empfindet seines

Mordes wegen Schmerzen und Quaalen, ist unter Schmerzen

und Quaalen ein Dieb und empfindet seines Diebstahls wegen

Schmerzen und Quaalen, ist unter Schmerzen und Quaalen ein

Wüstling und empfindet seines Wüstens wegen Schmerzen und

Quaalen, ist unter Schmerzen und Quaalen ein Lügner und

empfindet seiner Lüge wegen Schmerzen und Quaalen, ist

unter Schmerzen und Quaalen ein Verleumder und empfindet

seiner Verleumdung wegen Schmerzen und Quaalen, ist unter

Schmerzen und Quaalen barsch und empfindet seiner Barschheit

wegen Schmerzen und Quaalen, ist unter Schmerzen und Quaalen

geschwätzig und empfindet seiner Geschwätzigkeit wegen

Schmerzen und Quaalen, ist unter Schmerzen und Quaalen

selbstsüchtig und empfindet seiner Selbstsucht wegen Schmerzen

und Quaalen, ist unter Schmerzen und Quaalen boshaft und

empfindet seiner Bosheit wegen Schmerzen und Quaalen, ist unter

Schmerzen und Quaalen falsch und empfindet seiner Falschheit

wegen Schmerzen und Quaalen. Der gelangt bei der Auflösung

des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte,

in Verderben und Unheil. Das nennt man, ihr Mönche, eine

Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe sowie künftiges Wehe

bringt.

»Wie ist aber, Mönche, die Lebensführung, die gegenwärtiges

Wohl und künftiges Wehe bringt? Da ist einer, ihr Mönche, mit

Lust und Genügen ein Mörder und genießt seinen Mord mit Lust

und Genügen, ist mit Lust und Genügen ein Dieb und genießt

seinen Diebstahl mit Lust und Genügen, ist mit Lust und Genügen

ein Wüstling und genießt sein Wüsten mit Lust und Genügen,

ist mit Lust und Genügen ein Lügner und genießt seine Lüge

mit Lust und Genügen, ist mit Lust und Genügen ein Verleumder

und genießt seine Verleumdung mit Lust und Genügen, ist mit 314

Lust und Genügen barsch und genießt seine Barschheit mit Lust

und Genügen, ist mit Lust und Genügen geschwätzig und genießt

seine Geschwätzigkeit mit Lust und Genügen, ist mit Lust und

Genügen selbstsüchtig und genießt seine Selbstsucht mit Lust

und Genügen, ist mit Lust und Genügen boshaft und genießt

seine Bosheit mit Lust und Genügen, ist mit Lust und Genügen

falsch und genießt seine Falschheit mit Lust und Genügen. Der

gelangt bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts,

auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil. Das nennt man,

ihr Mönche, eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wohl und

künftiges Wehe bringt.

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, erster Band · 第 37 / 43 段