gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Mann im Kerker

schmachtete; später dann würde er aber aus dem Kerker befreit,

heil und sicher, und nicht den geringsten Verlust an seinem

Vermögen erleiden; der sagte sich nun: ›Ich habe früher im

Kerker geschmachtet; jetzt aber bin ich aus dem Kerker erlöst,

heil und sicher, und habe nicht den geringsten Verlust an

meinem Vermögen erlitten‹: darüber freute er sich, wäre

fröhlich gestimmt;

gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Mann Knecht wäre, nicht

sein eigener Herr, von anderen abhängig, nicht gehn könnte

wohin er wollte; später dann würde er aber dieser Knechtschaft

enthoben, wäre sein eigener Herr, unabhängig von anderen, ein

freier Mann, könnte gehn wohin er wollte; der sagte sich nun:

›Ich war früher Knecht, nicht mein eigener Herr, von anderen

abhängig, konnte nicht gehn wohin ich wollte; jetzt aber bin

ich dieser Knechtschaft enthoben, mein eigener Herr, unabhängig 276

von anderen, ein freier Mann, wo ich will kann ich hingehn‹:

darüber freute er sich, wäre fröhlich gestimmt;

gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Mann mit Hab und Gut auf

einer öden langen Landstraße dahinzöge; später dann gelangte er

aber aus dieser Oede heraus, heil und sicher, ohne irgend etwas

von seiner Habe eingebüßt zu haben; der sagte sich nun: ›Ich

bin früher mit Hab und Gut auf einer öden langen Landstraße

dahingezogen; jetzt aber bin ich dieser Oede entronnen, heil

und sicher, und habe von meinem Besitze nichts verloren‹:

darüber freute er sich, wäre fröhlich gestimmt:

Ebenso nun auch, ihr Mönche, betrachtet der Mönch als

Schuldenlast, als Krankheit, als Kerker, als Knechtschaft, als

öde lange Landstraße jene fünf in ihm hausenden Hemmungen;

gleichwie aber, ihr Mönche, die Schuldentilgung, wie die

Gesundheit, wie die Befreiung aus dem Kerker, wie den

Herrenstand, wie die sicher umgränzte Stätte: ebenso auch

betrachtet der Mönch jene fünf von ihm aufgehobenen Hemmungen.

»Er hat nun jene fünf Hemmungen aufgehoben, hat die

Schlacken des Gemüthes kennen gelernt, die lähmenden; gar

fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen erwirkt er

in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit die

Weihe der ersten Schauung. Diesen Körper da durchdringt und

durchtränkt, erfüllt und sättigt er mit ruhegeborener säliger

Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von

ruhegeborener säliger Heiterkeit ungesättigt bleibt.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, ein gewandter Bader oder

Badergeselle auf ein erzernes Becken Seifenpulver streut

und mit Wasser versetzt, verreibt und vermischt, sodass

sein Schaumball völlig durchfeuchtigt, innen und außen mit

Feuchtigkeit gesättigt ist und nichts herabträufelt: ebenso

nun auch, ihr Mönche, durchdringt und durchtränkt, erfüllt und

sättigt der Mönch diesen Körper da mit ruhegeborener säliger

Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von

ruhegeborener säliger Heiterkeit ungesättigt bleibt.

»Weiter sodann, ihr Mönche: nach Vollendung des Sinnens und

Gedenkens erreicht der Mönch die innere Meeresstille, die

Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in

der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten

Schauung. Diesen Körper da durchdringt und durchtränkt, erfüllt

und sättigt er mit der in der Einigung geborenen säligen

Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von

der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit ungesättigt

bleibt.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, ein See mit unterirdischer Quelle, 277

in den sich kein Bach von Osten oder Westen, von Norden oder

Süden ergösse, keine Wolke von Zeit zu Zeit mit tüchtigem Gusse

darüber hinwegzöge, in welchem nur die kühle Quelle des Grundes

emporwellte und diesen See völlig durchdränge, durchtränkte,

erfüllte und sättigte, sodass nicht der kleinste Theil des

Sees von kühlem Wasser ungesättigt bliebe: ebenso nun auch,

ihr Mönche, durchdringt und durchtränkt, erfüllt und sättigt

der Mönch diesen Körper da mit der in der Einigung geborenen

säligen Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil meines

Körpers von der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit

ungesättigt bleibt.

»Weiter sodann, ihr Mönche: in heiterer Ruhe verweilt der Mönch

gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet

er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig

Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der dritten

Schauung. Diesen Körper da durchdringt und durchtränkt, erfüllt

und sättigt er mit entsäligter Heiterkeit, sodass nicht der

kleinste Theil seines Körpers von entsäligter Heiterkeit

ungesättigt bleibt.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, in einem Lotusweiher einzelne

blaue oder rothe oder weiße Lotusrosen im Wasser entstehn,

im Wasser sich entwickeln, unter dem Wasserspiegel bleiben,

aus der Wassertiefe Nahrung aufsaugen und ihre Blüthen und

ihre Wurzeln von kühlem Wasser durchdrungen, durchtränkt,

erfüllt und gesättigt sind, sodass nicht der kleinste Theil

jeder blauen oder rothen oder weißen Lotusrose von kühlem Nass

ungesättigt bleibt: ebenso nun auch, ihr Mönche, durchdringt

und durchtränkt, erfüllt und sättigt der Mönch diesen Körper

da mit entsäligter Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil

seines Körpers von entsäligter Heiterkeit ungesättigt bleibt.

»Weiter sodann, ihr Mönche: nach Verwerfung der Freuden und

Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns

erwirkt der Mönch die Weihe der leidlosen, freudlosen,

gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte

Schauung. Er setzt sich hin und bedeckt diesen Körper da mit

geläutertem Gemüthe, geklärtem, sodass nicht der kleinste Theil

seines Körpers von dem geläuterten Gemüthe, dem geklärten,

unbedeckt bleibt.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Mann vom Scheitel bis

zur Sohle in einen weißen Mantel eingehüllt sich niedersetzte,

sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von dem 278

weißen Mantel unbedeckt bliebe: ebenso nun auch, ihr Mönche,

setzt sich der Mönch nieder und hat nun diesen Körper mit

geläutertem Gemüthe, mit geklärtem, überzogen, sodass nicht der

kleinste Theil seines Körpers von dem geläuterten Gemüthe, dem

geklärten, unbedeckt bleibt.

»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen,

schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar,

richtet er das Gemüth auf die erinnernde Erkenntniss früherer

Daseinsformen. Er erinnert sich an manche verschiedene frühere

Daseinsform, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, dann an

drei Leben, dann an vier Leben, dann an fünf Leben, dann an

zehn Leben, dann an zwanzig Leben, dann an dreißig Leben, dann

an vierzig Leben, dann an fünfzig Leben, dann an hundert Leben,

dann an tausend Leben, dann an hunderttausend Leben, dann an

die Zeiten während mancher Weltenentstehungen, dann an die

Zeiten während mancher Weltenvergehungen, dann an die Zeiten

während mancher Weltenentstehungen-Weltenvergehungen. ›Dort

war ich, jenen Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich an,

das war mein Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe

ich erfahren, so war mein Lebensende; dort verschieden trat

ich anderswo wieder ins Dasein: da war ich nun, diesen Namen

hatte ich, dieser Familie gehörte ich an, dies war mein Stand,

dies mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so

war mein Lebensende; da verschieden trat ich hier wieder ins

Dasein‹: so erinnert er sich mancher verschiedenen früheren

Daseinsform, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den

eigenartigen Beziehungen.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Mann von seinem Orte

nach einem anderen Orte ginge und von diesem Orte wieder nach

einem anderen Orte und von diesem Orte nach seinem eigenen

Orte zurückkehrte; der sagte sich nun: ›Ich bin von meinem

Orte nach jenem Orte gegangen, dort bin ich also gestanden,

also gesessen, habe also gesprochen, also geschwiegen; von

jenem Orte bin ich aber nach diesem Orte gegangen, da bin

ich nun also gestanden, also gesessen, habe also gesprochen,

also geschwiegen; dann bin ich von diesem Orte nach meinem

eigenen Orte wieder zurückgegangen‹: ebenso nun auch, ihr

Mönche, erinnert sich der Mönch an manche verschiedene frühere

Daseinsform, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den

eigenartigen Beziehungen.

»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert,

gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest,

unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss des

Verschwindens-Erscheinens der Wesen. Mit dem himmlischen Auge,

dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden,

sieht er die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine

und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er

erkennt wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren. ›Diese 279

lieben Wesen sind freilich in Thaten dem Schlechten zugethan,

in Worten dem Schlechten zugethan, in Gedanken dem Schlechten

zugethan, tadeln Heiliges, achten Verkehrtes, thun Verkehrtes;

bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf

den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in untere

Welt. Jene lieben Wesen sind aber in Thaten dem Guten zugethan,

in Worten dem Guten zugethan, in Gedanken dem Guten zugethan,

tadeln nicht Heiliges, achten Rechtes, thun Rechtes; bei der

Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf gute

Fährte, in sälige Welt.‹ So sieht er mit dem himmlischen Auge,

dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden,

die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und

edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er

erkennt wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da zwei Häuser wären, mit

Thüren, und es betrachtete ein scharfsehender Mann, in der

Mitte stehend, die Menschen, wie sie das Haus betreten und

verlassen, kommen und gehn: ebenso nun auch, ihr Mönche, sieht

der Mönch mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über

menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden

und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne,

glückliche und unglückliche, er erkennt wie die Wesen je nach

den Thaten wiederkehren.

»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen,

schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar,

richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss der Wahnversiegung.

›Das ist das Leiden‹ versteht er der Wahrheit gemäß. ›Das ist

die Leidensentwicklung‹ versteht er der Wahrheit gemäß. ›Das

ist die Leidensauflösung‹ versteht er der Wahrheit gemäß. ›Das

ist der zur Leidensauflösung führende Pfad‹ versteht er der

Wahrheit gemäß. ›Das ist der Wahn‹ versteht er der Wahrheit

gemäß. ›Das ist die Wahnentwicklung‹ versteht er der Wahrheit

gemäß. ›Das ist die Wahnauflösung‹ versteht er der Wahrheit

gemäß. ›Das ist der zur Wahnauflösung führende Pfad‹ versteht

er der Wahrheit gemäß. Also erkennend, also sehend wird da sein

Gemüth erlöst vom Wunscheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst

vom Nichtwissenswahn. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese

Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet

das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹

versteht er da.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da am Ufer eines Alpensees

von klarem, durchsichtigem, ungetrübtem Wasser ein

scharfsehender Mann stände und hineinblickte auf die Muscheln

und Schnecken, auf den Kies und Sand und die Fische, wie

sie dahingleiten und stillestehn; der sagte sich nun: ›Klar

ist diese Wasserfläche, durchsichtig, ungetrübt; ich sehe

darunter die Muscheln und Schnecken, den Kies und Sand und 280

die Fische, die dahingleiten oder ruhn‹: ebenso nun auch, ihr

Mönche, versteht da der Mönch der Wahrheit gemäß: ›Das ist

das Leiden.‹ Er versteht der Wahrheit gemäß: ›Das ist die

Leidensentwicklung.‹ Er versteht der Wahrheit gemäß: ›Das

ist die Leidensauflösung.‹ Er versteht der Wahrheit gemäß:

›Das ist der zur Leidensauflösung führende Pfad.‹ Er versteht

der Wahrheit gemäß: ›Das ist der Wahn.‹ Er versteht der

Wahrheit gemäß: ›Das ist die Wahnentwicklung.‹ Er versteht

der Wahrheit gemäß: ›Das ist die Wahnauflösung.‹ Er versteht

der Wahrheit gemäß: ›Das ist der zur Wahnauflösung führende

Pfad.‹ Also erkennend, also sehend wird da sein Gemüth

erlöst vom Wunscheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom

Nichtwissenswahn. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese

Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das

Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹

versteht er da.

»Ein solcher Mönch, ihr Mönche, wird ›Büßer‹ genannt, wird

›Heiliger‹ genannt, wird ›Reiner‹ genannt, wird ›Kenner‹

genannt, wird ›Fertiger‹ genannt, wird ›Herr‹ genannt, wird

›Hehrer‹ genannt.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch ein Büßer? Abgebüßt

hat er die bösen, die schlechten Dinge, die besudelnden,

Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden,

wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden. Also, ihr

Mönche, wird der Mönch ein Büßer.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch ein Heiliger? Geheilt hat

er sich von den bösen, den schlechten Dingen, den besudelnden,

Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden,

wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden. Also, ihr

Mönche, wird der Mönch ein Heiliger.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch ein Reiner? Gereinigt hat

er sich von den bösen, den schlechten Dingen, den besudelnden,

Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden,

wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden. Also, ihr

Mönche, wird der Mönch ein Reiner.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch ein Kenner? Er kennt die

bösen, die schlechten Dinge, die besudelnden, Wiederdasein

säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben,

Altern und Sterben erzeugenden. Also, ihr Mönche, wird der

Mönch ein Kenner.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch ein Fertiger? Fertig

ist er mit den bösen, den schlechten Dingen, den besudelnden,

Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden,

wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden. Also, ihr

Mönche, wird der Mönch ein Fertiger.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch ein Herr? Herausgetrieben

hat er die bösen, die schlechten Dinge, die besudelnden,

Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden,

wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden. Also, ihr

Mönche, wird der Mönch ein Herr.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch ein Hehrer?

Herausgetrieben hat er die bösen, die schlechten Dinge, die

besudelnden, Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden

ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden.

Also, ihr Mönche, wird der Mönch ein Hehrer.«[32]

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche

über das Wort des Erhabenen.

40.

Vierter Theil Zehnte Rede

VOR ASSAPURAM

-- II --

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene in 281

Bengalen, bei einer Stadt der Bengalier Namens Assapuram. Dort

nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«

-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen

aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»‚Asketen, Asketen sind’s‘: so denken, ihr Mönche, von euch

die Leute. Ihr aber, wenn ihr gefragt werdet: ›Was seid

ihr?‹, bekennet: ›Wir sind Asketen.‹ Die ihr also bekannt

seid, ihr Mönche, die ihr euch also bekennet, ihr habt auch

die Pflichten zu üben: ›Den geraden Weg des Asketenthums,

den werden wir wandeln. Und so soll dieser Name, den man uns

giebt, wahr und unser Bekenntniss wirklich sein. Und für das

Almosen von Kleidung, Speise, Obdach und Arzenei, dafür sollen

die Geber bei uns hohen Lohn haben, hohe Förderung. Unsere

Pilgerschaft aber soll nicht unfruchtbar bleiben, sondern Zweck

und Ziel erwirken.‹

»Wie aber, ihr Mönche, wandelt der Mönch den geraden Weg des

Asketenthums nicht? Ein Mönch, der da gierig die Gier nicht

verleugnet hat, gehässig den Hass nicht verleugnet hat, zornig

den Zorn nicht verleugnet hat, feindsälig die Feindschaft nicht

verleugnet hat, häuchlerisch die Häuchelei nicht verleugnet

hat, neidisch den Neid nicht verleugnet hat, eifernd die

Eifersucht nicht verleugnet hat, selbstsüchtig die Selbstsucht

nicht verleugnet hat, listig die List nicht verleugnet hat,

gleißnerisch die Gleißnerei nicht verleugnet hat, boshaft die

Bosheit nicht verleugnet hat, falsch die Falschheit nicht

verleugnet hat: der wandelt, sage ich, ihr Mönche, weil er

diese Flecken, Schäden und Schwären des Asketenthums, diese

abwärts, zum Verderben führenden Eigenschaften nicht verleugnet

hat, den geraden Weg des Asketenthums nicht. Wie eine

Mordwaffe, ihr Mönche, zur Schlacht geeignet, zweischneidig,

blinkend geschliffen, und mit einer Kutte umhangen, umhüllt: so

erscheint mir, ihr Mönche, eines solchen Mönches Pilgerschaft.

»Nicht spreche ich, ihr Mönche, einem Kuttenträger, weil er die

Kutte trägt, das Asketenthum zu. Nicht spreche ich, ihr Mönche,

einem Unbekleideten, weil er unbekleidet ist, das Asketenthum

zu. Nicht spreche ich, ihr Mönche, einem Schmutzbeschmierten,

weil er schmutzbeschmiert ist, das Asketenthum zu. Nicht

spreche ich, ihr Mönche, einem Wasserbesprenger, weil er sich

mit Wasser besprengt, das Asketenthum zu. Nicht spreche ich,

ihr Mönche, einem Waldeinsiedler, weil er im Walde wohnt, 282

das Asketenthum zu. Nicht spreche ich, ihr Mönche, einem

Feldeinsiedler, weil er auf dem Felde wohnt, das Asketenthum

zu. Nicht spreche ich, ihr Mönche, einem Stetigsteher, weil

er sich nicht setzt, das Asketenthum zu. Nicht spreche ich,

ihr Mönche, einem Fastenpfleger, weil er Fasten pflegt,

das Asketenthum zu. Nicht spreche ich, ihr Mönche, einem

Spruchgewaltigen, weil er Sprüche in seiner Gewalt hat,

das Asketenthum zu. Nicht spreche ich, ihr Mönche, einem

Flechtenträger, weil er Flechten trägt, das Asketenthum zu.

»Wenn durch das Tragen der Kutte, ihr Mönche, des gierigen

Kuttenträgers Gier verschwinden könnte, des gehässigen Hass

verschwinden könnte, des zornigen Zorn verschwinden könnte,

des feindsäligen Feindschaft verschwinden könnte, des

häuchlerischen Häuchelei verschwinden könnte, des neidischen

Neid verschwinden könnte, des eifernden Eifersucht verschwinden

könnte, des selbstsüchtigen Selbstsucht verschwinden könnte,

des listigen List verschwinden könnte, des gleißnerischen

Gleißnerei verschwinden könnte, des boshaften Bosheit

verschwinden könnte, des falschen Falschheit verschwinden

könnte, würden Blutsverwandte und Freunde einem Neugeborenen

die Kutte bringen, nur die Kutte verleihen: ›Komm’, du

Glückskind, sei Kuttenträger! Als Kuttenträger wird dir, dem

Gierigen, durch das Tragen der Kutte die Gier schwinden, dem

Gehässigen der Hass schwinden, dem Zornigen der Zorn schwinden,

dem Feindsäligen die Feindschaft schwinden, dem Häuchlerischen

die Häuchelei schwinden, dem Neidischen der Neid schwinden,

dem Eifernden die Eifersucht schwinden, dem Selbstsüchtigen

die Selbstsucht schwinden, dem Listigen die List schwinden,

dem Gleißnerischen die Gleißnerei schwinden, dem Boshaften die

Bosheit schwinden, dem Falschen die Falschheit schwinden!‹ Da

ich nun aber, ihr Mönche, auch manchen Träger der Kutte hier

sehe, der gierig, gehässig, zornig, feindsälig, häuchlerisch,

neidisch, eifersüchtig, selbstsüchtig, listig, gleißnerisch,

boshaft, falsch ist, so spreche ich keinem Träger der Kutte,

weil er die Kutte trägt, das Asketenthum zu.

»Wenn durch Unbekleidetsein, ihr Mönche, durch

Schmutzbeschmierung, durch Wasserbesprengen, durch

Waldeinsiedlerthum, durch Feldeinsiedlerthum, durch

Stetigstehn, durch Fastenpflege, durch Spruchgewalt, durch

Flechtentragen des gierigen Unbekleideten, des gierigen

Schmutzbeschmierten, des gierigen Wasserbesprengers, des

gierigen Waldeinsiedlers, des gierigen Feldeinsiedlers, des

gierigen Stetigstehers, des gierigen Fastenpflegers, des

gierigen Spruchgewaltigen, des gierigen Flechtenträgers Gier

verschwinden könnte, des gehässigen Hass, des zornigen Zorn,

des feindsäligen Feindschaft, des häuchlerischen Häuchelei, des

neidischen Neid, des eifernden Eifersucht, des selbstsüchtigen

Selbstsucht, des listigen List, des gleißnerischen Gleißnerei,

des boshaften Bosheit, des falschen Falschheit verschwinden

könnte, würden Blutsverwandte und Freunde dem Neugeborenen

Unbekleidetsein vorschreiben, Schmutzbeschmierung,

Wasserbesprengung, Waldeinsiedlerthum, Feldeinsiedlerthum,

Stetigstehn, Fastenpflege, Spruchgewalt, Flechtentragen,

würden ihn damit belehnen: ›Komm’, du Glückskind, sei

unbekleidet, sei schmutzbeschmiert, sei wasserbesprengt,

werde Waldeinsiedler, werde Feldeinsiedler, werde ein

Stetigsteher, werde ein Fastenpfleger, werde Spruchgewaltiger,

werde Flechtenträger! Also wird dir, dem Gierigen, die Gier 283

schwinden, dem Gehässigen der Hass, dem Zornigen der Zorn, dem

Feindsäligen die Feindschaft, dem Häuchlerischen die Häuchelei,

dem Neidischen der Neid, dem Eifernden die Eifersucht, dem

Selbstsüchtigen die Selbstsucht, dem Listigen die List, dem

Gleißnerischen die Gleißnerei, dem Boshaften die Bosheit,

dem Falschen die Falschheit schwinden!‹ Da ich nun aber, ihr

Mönche, auch manchen Unbekleideten, Schmutzbeschmierten,

Wasserbesprenger, Waldeinsiedler, Feldeinsiedler, Stetigsteher,

Fastenpfleger, Spruchgewaltigen, Flechtenträger hier sehe, der

gierig, gehässig, zornig, feindsälig, häuchlerisch, neidisch,

eifersüchtig, selbstsüchtig, listig, gleißnerisch, boshaft,

falsch ist, so spreche ich keinem solchen aus solchem Grunde

das Asketenthum zu.

»Wie aber, ihr Mönche, wandelt der Mönch den geraden Weg des

Asketenthums? Ein Mönch, der da gierig die Gier verleugnet hat,

gehässig den Hass verleugnet hat, zornig den Zorn verleugnet

hat, feindsälig die Feindschaft verleugnet hat, häuchlerisch

die Häuchelei verleugnet hat, neidisch den Neid verleugnet

hat, eifernd die Eifersucht verleugnet hat, selbstsüchtig

die Selbstsucht verleugnet hat, listig die List verleugnet

hat, gleißnerisch die Gleißnerei verleugnet hat, boshaft die

Bosheit verleugnet hat, falsch die Falschheit verleugnet hat:

der wandelt, sage ich, ihr Mönche, weil er diese Flecken,

Schäden und Schwären des Asketenthums, diese abwärts, zum

Verderben führenden Eigenschaften verleugnet hat, den geraden

Weg des Asketenthums. Er merkt, dass er von all diesen bösen,

schlechten Dingen geläutert ist, dass er befreit ist. Dieses

Merken durchwonnigt ihn. Der Durchwonnigte wird besäligt.

Des Besäligten Körper wird still. Der Körpergestillte fühlt

Heiterkeit. Des Heiteren Herz wird einig.

»Liebevollen Gemüthes weilend strahlt er nach einer Richtung,

dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der

vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich

wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit liebevollem

Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und

Groll geklärtem.

»Erbarmenden Gemüthes weilend strahlt er nach einer Richtung,

dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der

vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich

wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit erbarmendem

Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und

Groll geklärtem.

»Freudevollen Gemüthes weilend strahlt er nach einer Richtung,

dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der

vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich

wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit freudevollem

Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und

Groll geklärtem.

»Unbewegten Gemüthes weilend strahlt er nach einer Richtung,

dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der

vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich

wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit unbewegtem

Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und

Groll geklärtem.

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, erster Band · 第 34 / 43 段