wie dieser Mönch Sāti, der Fischersohn, der missverständigen 259
Sinnes uns verbessert und sich selbst das Grab gräbt und
schwere Schuld schafft?«
»Nicht so, o Herr! Auf manigfaltige Weise hat uns ja, o Herr,
der Erhabene die bedingte Natur des Bewusstseins erklärt: ‚Ohne
zureichenden Grund entsteht kein Bewusstsein.‘«
»Wohl, ihr Mönche, wohl, dass ihr, meine Mönche, die verkündete
Lehre also verstehet. Freilich habe ich euch, ihr Mönche,
auf manigfaltige Weise die bedingte Natur des Bewusstseins
erklärt: ›Ohne zureichenden Grund entsteht kein Bewusstsein.‹
Aber dieser Mönch Sāti, der Sohn eines Fischers, will uns
missverständigen Sinnes verbessern und gräbt sich selbst das
Grab und schafft sich schwere Schuld. Das wird diesem bethörten
Manne lange zum Unheil, zum Leiden gereichen.
»Aus was für einem Grunde, ihr Mönche, Bewusstsein entsteht,
gerade durch diesen und nur durch diesen kommt es zustande.
Durch das Gesicht und die Formen entsteht Bewusstsein:
gerade ›Sehbewusstsein‹ kommt da zustande. Durch das Gehör
und die Töne entsteht Bewusstsein: gerade ›Hörbewusstsein‹
kommt da zustande. Durch den Geruch und die Düfte entsteht
Bewusstsein: gerade ›Riechbewusstsein‹ kommt da zustande.
Durch den Geschmack und die Säfte entsteht Bewusstsein: gerade
›Schmeckbewusstsein‹ kommt da zustande. Durch das Getast und
die Tastungen entsteht Bewusstsein: gerade ›Tastbewusstsein‹
kommt da zustande. Durch das Gedenken und die Dinge entsteht
Bewusstsein: gerade ›Denkbewusstsein‹ kommt da zustande.
Gleichwie etwa Feuer, ihr Mönche, aus was für einem Grund es
brennt, gerade durch diesen und nur durch diesen zustande
kommt: durch Holz wird es genährt und gerade ›Holzfeuer‹
kommt da zustande, durch Reisig wird es genährt und gerade
›Reisigfeuer‹ kommt da zustande, durch Heu wird es genährt
und gerade ›Heufeuer‹ kommt da zustande, durch Dünger wird es
genährt und gerade ›Dungfeuer‹ kommt da zustande, durch Spreu
wird es genährt und gerade ›Spreufeuer‹ kommt da zustande,
durch Kehricht wird es genährt und gerade ›Kehrichtfeuer‹ kommt
da zustande: ebenso nun auch, ihr Mönche, kommt Bewusstsein,
aus was für einem Grund es entsteht, gerade durch diesen
und nur durch diesen zustande. Durch das Gesicht und die
Formen entsteht Bewusstsein: gerade ›Sehbewusstsein‹ kommt da
zustande. Durch das Gehör und die Töne entsteht Bewusstsein:
gerade ›Hörbewusstsein‹ kommt da zustande. Durch den Geruch
und die Düfte entsteht Bewusstsein: gerade ›Riechbewusstsein‹ 260
kommt da zustande. Durch den Geschmack und die Säfte entsteht
Bewusstsein: gerade ›Schmeckbewusstsein‹ kommt da zustande.
Durch das Getast und die Tastungen entsteht Bewusstsein: gerade
›Tastbewusstsein‹ kommt da zustande. Durch das Gedenken und die
Dinge entsteht Bewusstsein: gerade ›Denkbewusstsein‹ kommt da
zustande.
»‚Entstanden ist dieses‘: begreift ihr das, Mönche?«
»Ja, o Herr!«
»‚Durch solche Nahrung gebildet‘: begreift ihr das, Mönche?«
»Ja, o Herr!«
»‚Durch die Auflösung solcher Nahrung ist, was entstanden, dem
Gesetze der Auflösung verfallen‘: begreift ihr das, Mönche?«
»Freilich, o Herr!«
»‚Vielleicht ist dieses nicht entstanden‘: wer also schwankt,
ihr Mönche, beginnt zu zweifeln.«
»Gewiss, o Herr!«
»‚Vielleicht nicht durch solche Nahrung gebildet‘: wer also
schwankt, ihr Mönche, beginnt zu zweifeln.«
»Gewiss, o Herr!«
»‚Vielleicht ist durch die Auflösung solcher Nahrung, was
entstanden, dem Gesetze der Auflösung doch nicht verfallen‘:
wer also schwankt, ihr Mönche, beginnt zu zweifeln.«
»Gewiss, o Herr!«
»‚Entstanden ist dieses‘: wenn man das, ihr Mönche, der
Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit begreift, schwindet
dann jeder Zweifel?«
»Freilich, o Herr!«
»‚Durch solche Nahrung gebildet‘: wenn man das, ihr Mönche, der
Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit begreift, schwindet
dann jeder Zweifel?«
»Freilich, o Herr!«
»‚Durch die Auflösung solcher Nahrung ist, was entstanden, dem
Gesetze der Auflösung verfallen‘: wenn man das, ihr Mönche, der
Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit begreift, schwindet
dann jeder Zweifel?«
»Freilich, o Herr!«
»‚Entstanden ist dieses‘: hegt ihr hierüber, ihr Mönche, den
leisesten Zweifel?«
»Nein, o Herr!«
»‚Durch solche Nahrung gebildet‘: hegt ihr hierüber, ihr
Mönche, den leisesten Zweifel?«
»Nein, o Herr!«
»‚Durch die Auflösung solcher Nahrung ist, was entstanden,
dem Gesetze der Auflösung verfallen‘: hegt ihr hierüber, ihr
Mönche, den leisesten Zweifel?«
»Nein, o Herr!«
»‚Entstanden ist dieses‘: habt ihr das, ihr Mönche, der
Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit klar erkannt?«
»Ja, o Herr!«
»‚Durch solche Nahrung gebildet‘: habt ihr das, ihr Mönche, der
Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit klar erkannt?«
»Ja, o Herr!«
»‚Durch die Auflösung solcher Nahrung ist, was entstanden, dem
Gesetze der Auflösung verfallen‘: habt ihr das, ihr Mönche, der
Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit klar erkannt?«
»Ja, o Herr!«
»Wenn ihr euch nun, ihr Mönche, an diese Erkenntniss, die
also geläuterte, also geklärte, anklammern, an ihr ergetzen,
sie liebgewinnen und als eigen schätzen wolltet: würdet ihr
da wohl, ihr Mönche, die verkündete Lehre wie ein Floss
betrachten, zum Entrinnen tauglich, nicht zum Festhalten?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Wenn ihr euch aber, ihr Mönche, an diese Erkenntniss, die
also geläuterte, also geklärte, nicht anklammern, nicht an ihr 261
ergetzen, sie nicht liebgewinnen, nicht als eigen schätzen
wolltet: würdet ihr da wohl, ihr Mönche, die verkündete Lehre
wie ein Floss betrachten, zum Entrinnen tauglich, nicht zum
Festhalten?«
»Gewiss, o Herr!«
* * * * *
»Vier Arten der Nahrung, ihr Mönche, sind für die Wesen
vorhanden, den entstandenen zur Erhaltung, den entstehenden
zur Entwickelung; welche vier? Körperbildende Nahrung, grob
oder fein, zweitens Berührung, drittens geistiges Innewerden,
viertens Bewusstsein. Und wo, ihr Mönche, wurzeln diese vier
Arten der Nahrung, woraus entspringen sie, woraus entstehn
sie, woraus erwachsen sie? Diese vier Arten der Nahrung
wurzeln im Durst, entspringen aus dem Durst, entstehn aus dem
Durst, erwachsen aus dem Durst. Und wo, ihr Mönche, wurzelt
dieser Durst, woraus entspringt er, woraus entsteht er, woraus
erwächst er? Der Durst wurzelt im Gefühl, entspringt aus dem
Gefühl, entsteht aus dem Gefühl, erwächst aus dem Gefühl. Und
wo, ihr Mönche, wurzelt dieses Gefühl, woraus entspringt es,
woraus entsteht es, woraus erwächst es? Das Gefühl wurzelt in
der Berührung, entspringt aus der Berührung, entsteht aus der
Berührung, erwächst aus der Berührung. Und wo, ihr Mönche,
wurzelt diese Berührung, woraus entspringt sie, woraus entsteht
sie, woraus erwächst sie? Die Berührung wurzelt im sechsfachen
Reich[31], entspringt aus dem sechsfachen Reich, entsteht aus
dem sechsfachen Reich, erwächst ans dem sechsfachen Reich.
Und wo, ihr Mönche, wurzelt dieses sechsfache Reich, woraus
entspringt es, woraus entsteht es, woraus erwächst es? Das
sechsfache Reich wurzelt in Bild und Begriff, entspringt aus
Bild und Begriff, entsteht aus Bild und Begriff, erwächst
aus Bild und Begriff. Und wo, ihr Mönche, wurzelt dies Bild
und Begriff, woraus entspringt es, woraus entsteht es,
woraus erwächst es? Bild und Begriff wurzelt im Bewusstsein,
entspringt aus dem Bewusstsein, entsteht aus dem Bewusstsein,
erwächst aus dem Bewusstsein. Und wo, ihr Mönche, wurzelt
dieses Bewusstsein, woraus entspringt es, woraus entsteht
es, woraus erwächst es? Das Bewusstsein wurzelt in den
Unterscheidungen, entspringt aus den Unterscheidungen, entsteht
aus den Unterscheidungen, erwächst aus den Unterscheidungen.
Und wo, ihr Mönche, wurzeln diese Unterscheidungen, woraus
entspringen sie, woraus entstehn sie, woraus erwachsen
sie? Die Unterscheidungen wurzeln im Unwissen, entspringen
aus dem Unwissen, entstehn aus dem Unwissen, erwachsen aus
dem Unwissen. So sind denn, ihr Mönche, durch Unwissen
bedingt Unterscheidungen, ist durch Unterscheidungen bedingt
Bewusstsein, durch Bewusstsein bedingt Bild und Begriff, durch
Bild und Begriff bedingt sechsfaches Reich, durch sechsfaches
Reich bedingt Berührung, durch Berührung bedingt Gefühl, durch
Gefühl bedingt Durst, durch Durst bedingt Anhangen, durch
Anhangen bedingt Werden, durch Werden bedingt Geburt, durch
Geburt bedingt gehn Alter und Tod, Schmerz und Jammer, Leiden,
Trübsal, Verzweiflung hervor: also kommt dieses gesammten
Leidensstückes Entwicklung zustande.
»‚Durch Geburt bedingt ist Alter und Tod‘, das ist da wohl
gesagt worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch Geburt dem Alter
und Tod verfallen, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Geburt, o Herr, bedingt ist Alter und Tod: so verhält es
sich mit uns. Durch Geburt bedingt ist Alter und Tod.«
»‚Durch Werden bedingt ist Geburt‘, das ist da wohl gesagt
worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch Werden der Geburt
verfallen, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Werden, o Herr, bedingt ist Geburt: so verhält es sich 262
mit uns. Durch Werden bedingt ist Geburt.«
»‚Durch Anhangen bedingt ist Werden‘, das ist da wohl gesagt
worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch Anhangen dem Werden
verfallen, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Anhangen, o Herr, bedingt ist Werden: so verhält es sich
mit uns. Durch Anhangen bedingt ist Werden.«
»‚Durch Durst bedingt ist Anhangen‘, das ist da wohl gesagt
worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch Durst dem Anhangen
verfallen, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Durst, o Herr, bedingt ist Anhangen: so verhält es sich
mit uns. Durch Durst bedingt ist Anhangen.«
»‚Durch Gefühl bedingt ist Durst‘, das ist da wohl gesagt
worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch Gefühl dem Durst
verfallen, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Gefühl, o Herr, bedingt ist Durst: so verhält es sich
mit uns. Durch Gefühl bedingt ist Durst.«
»‚Durch Berührung bedingt ist Gefühl‘, das ist da wohl gesagt
worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch Berührung dem Gefühl
verfallen, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Berührung, o Herr, bedingt ist Gefühl: so verhält es
sich mit uns. Durch Berührung bedingt ist Gefühl.«
»‚Durch sechsfaches Reich bedingt ist Berührung‘, das ist da
wohl gesagt worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch sechsfaches
Reich der Berührung verfallen, oder wie verhält es sich
hiermit?«
»Durch sechsfaches Reich, o Herr, bedingt ist Berührung: so
verhält es sich mit uns. Durch sechsfaches Reich bedingt ist
Berührung.«
»‚Durch Bild und Begriff bedingt ist sechsfaches Reich‘, das
ist da wohl gesagt worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch Bild
und Begriff dem sechsfachen Reich verfallen, oder wie verhält
es sich hiermit?«
»Durch Bild und Begriff, o Herr, bedingt ist sechsfaches Reich:
so verhält es sich mit uns. Durch Bild und Begriff bedingt ist
sechsfaches Reich.«
»‚Durch Bewusstsein bedingt ist Bild und Begriff‘, das ist da
wohl gesagt worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch Bewusstsein
dem Bild und Begriff verfallen, oder wie verhält es sich
hiermit?«
»Durch Bewusstsein, o Herr, bedingt ist Bild und Begriff: so
verhält es sich mit uns. Durch Bewusstsein bedingt ist Bild und
Begriff.«
»‚Durch Unterscheidungen bedingt ist Bewusstsein‘, das ist
da wohl gesagt worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch
Unterscheidungen dem Bewusstsein verfallen, oder wie verhält es
sich hiermit?«
»Durch Unterscheidungen, o Herr, bedingt ist Bewusstsein: so
verhält es sich mit uns. Durch Unterscheidungen bedingt ist
Bewusstsein.«
»‚Durch Unwissen bedingt sind Unterscheidungen‘, das ist da
wohl gesagt worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch Unwissen
den Unterscheidungen verfallen, oder wie verhält es sich
hiermit?«
»Durch Unwissen, o Herr, bedingt sind Unterscheidungen:
so verhält es sich mit uns. Durch Unwissen bedingt sind
Unterscheidungen.«
»Wohl, ihr Mönche. Und somit, ihr Mönche, sprecht ihr es
aus, und spreche ich es aus: Wenn Jenes ist, wird Dieses, 263
durch die Entstehung von Jenem entsteht Dieses, und zwar
sind durch Unwissen bedingt Unterscheidungen, ist durch
Unterscheidungen bedingt Bewußtsein, durch Bewusstsein
bedingt Bild und Begriff, durch Bild und Begriff bedingt
sechsfaches Reich, durch sechsfaches Reich bedingt Berührung,
durch Berührung bedingt Gefühl, durch Gefühl bedingt Durst,
durch Durst bedingt Anhangen, durch Anhangen bedingt Werden,
durch Werden bedingt Geburt, durch Geburt bedingt gehn Alter
und Tod, Schmerz und Jammer, Leiden, Trübsal, Verzweiflung
hervor: also kommt dieses gesammten Leidensstückes Entwicklung
zustande. Ist aber eben Unwissen ohne Reiz, ohne Ueberrest
aufgelöst, werden Unterscheidungen aufgelöst, durch Auflösung
der Unterscheidungen wird Bewusstsein aufgelöst, durch
Auflösung des Bewusstseins wird Bild und Begriff aufgelöst,
durch Auflösung von Bild und Begriff wird sechsfaches Reich
aufgelöst, durch Auflösung des sechsfachen Reichs wird
Berührung aufgelöst, durch Auflösung der Berührung wird Gefühl
aufgelöst, durch Auflösung des Gefühls wird Durst aufgelöst,
durch Auflösung des Durstes wird Anhangen aufgelöst, durch
Auflösung des Anhangens wird Werden aufgelöst, durch Auflösung
des Werdens wird Geburt aufgelöst, durch Auflösung der Geburt
wird Alter und Tod aufgelöst, Schmerz und Jammer, Leiden,
Trübsal, Verzweiflung gehn zugrunde: also kommt dieses
gesammten Leidensstückes Auflösung zustande.
»‚Durch Auflösung der Geburt wird Alter und Tod aufgelöst‘, das
ist da wohl gesagt worden; erreichen wir nun, ihr Mönche, durch
Auflösung der Geburt die Auflösung von Alter und Tod, oder wie
verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung der Geburt, o Herr, wird Alter und Tod
aufgelöst: so verhält es sich mit uns. Durch Auflösung der
Geburt wird Alter und Tod aufgelöst.«
»‚Durch Auflösung des Werdens wird Geburt aufgelöst‘, das ist
da wohl gesagt worden; erreichen wir nun, ihr Mönche, durch
Auflösung des Werdens die Auflösung der Geburt, oder wie
verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung des Werdens, o Herr, wird Geburt aufgelöst:
so verhält es sich mit uns. Durch Auflösung des Werdens wird
Geburt aufgelöst.«
»‚Durch Auflösung des Anhangens wird Werden aufgelöst‘, das ist
da wohl gesagt worden; erreichen wir nun, ihr Mönche, durch
Auflösung des Anhangens die Auflösung des Werdens, oder wie
verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung des Anhangens, o Herr, wird Werden aufgelöst:
so verhält es sich mit uns. Durch Auflösung des Anhangens wird
Werden aufgelöst.«
»‚Durch Auflösung des Durstes wird Anhangen aufgelöst‘, das ist
da wohl gesagt worden; erreichen wir nun, ihr Mönche, durch
Auflösung des Durstes die Auflösung des Anhangens, oder wie
verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung des Durstes, o Herr, wird Anhangen aufgelöst:
so verhält es sich mit uns. Durch Auflösung des Durstes wird
Anhangen aufgelöst.«
»‚Durch Auflösung des Gefühls wird Durst aufgelöst‘, das ist
da wohl gesagt worden; erreichen wir nun, ihr Mönche, durch
Auflösung des Gefühls die Auflösung des Durstes, oder wie
verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung des Gefühls, o Herr, wird Durst aufgelöst: so
verhält es sich mit uns. Durch Auflösung des Gefühls wird Durst
aufgelöst.«
»‚Durch Auflösung der Berührung wird Gefühl aufgelöst‘, das ist
da wohl gesagt worden; erreichen wir nun, ihr Mönche, durch 264
Auflösung der Berührung die Auflösung des Gefühls, oder wie
verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung der Berührung, o Herr, wird Gefühl aufgelöst:
so verhält es sich mit uns. Durch Auflösung der Berührung wird
Gefühl aufgelöst.«
»‚Durch Auflösung des sechsfachen Reichs wird Berührung
aufgelöst‘, das ist da wohl gesagt worden; erreichen wir
nun, ihr Mönche, durch Auflösung des sechsfachen Reichs die
Auflösung der Berührung, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung des sechsfachen Reichs, o Herr, wird Berührung
aufgelöst: so verhält es sich mit uns. Durch Auflösung des
sechsfachen Reichs wird Berührung aufgelöst.«
»‚Durch Auflösung von Bild und Begriff wird sechsfaches Reich
aufgelöst‘, das ist da wohl gesagt worden; erreichen wir nun,
ihr Mönche, durch Auflösung von Bild und Begriff die Auflösung
des sechsfachen Reichs, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung von Bild und Begriff, o Herr, wird sechsfaches
Reich aufgelöst: so verhält es sich mit uns. Durch Auflösung
von Bild und Begriff wird sechsfaches Reich aufgelöst.«
»‚Durch Auflösung des Bewusstseins wird Bild und Begriff
aufgelöst‘, das ist da wohl gesagt worden; erreichen wir nun,
ihr Mönche, durch Auflösung des Bewusstseins die Auflösung von
Bild und Begriff, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung des Bewusstseins, o Herr, wird Bild und
Begriff aufgelöst: so verhält es sich mit uns. Durch Auflösung
des Bewusstseins wird Bild und Begriff aufgelöst.«
»‚Durch Auflösung der Unterscheidungen wird Bewusstsein
aufgelöst‘, das ist da wohl gesagt worden; erreichen wir nun,
ihr Mönche, durch Auflösung der Unterscheidungen die Auflösung
des Bewusstseins, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung der Unterscheidungen, o Herr, wird Bewusstsein
aufgelöst: so verhält es sich mit uns. Durch Auflösung der
Unterscheidungen wird Bewusstsein aufgelöst.«
»‚Durch Auflösung des Unwissens werden Unterscheidungen
aufgelöst‘, das ist da wohl gesagt worden; erreichen wir nun,
ihr Mönche, durch Auflösung des Unwissens die Auflösung der
Unterscheidungen, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung des Unwissens, o Herr, werden Unterscheidungen
aufgelöst: so verhält es sich mit uns. Durch Auflösung des
Unwissens werden Unterscheidungen aufgelöst.«
»Wohl, ihr Mönche. Und somit, ihr Mönche, sprecht ihr es aus,
und spreche ich es aus: Wenn Jenes nicht ist, wird Dieses
nicht, durch die Auflösung von Jenem wird Dieses aufgelöst, und
zwar: durch Auflösung des Unwissens werden Unterscheidungen
aufgelöst, durch Auflösung der Unterscheidungen wird
Bewusstsein aufgelöst, durch Auflösung des Bewusstseins wird
Bild und Begriff aufgelöst, durch Auflösung von Bild und
Begriff wird sechsfaches Reich aufgelöst, durch Auflösung des
sechsfachen Reichs wird Berührung aufgelöst, durch Auflösung
der Berührung wird Gefühl aufgelöst, durch Auflösung des
Gefühls wird Durst aufgelöst, durch Auflösung des Durstes wird
Anhangen aufgelöst, durch Auflösung des Anhangens wird Werden
aufgelöst, durch Auflösung des Werdens wird Geburt aufgelöst,
durch Auflösung der Geburt wird Alter und Tod aufgelöst,
Schmerz und Jammer, Leiden, Trübsal, Verzweiflung gehn
zugrunde: also kommt dieses gesammten Leidensstückes Auflösung
zustande.
»Werdet ihr nun, ihr Mönche, also erkennend, also verstehend, 265
in die Vergangenheit zurück forschen: ‚Waren wir in den
vergangenen Zeiten -- waren wir nicht in den vergangenen
Zeiten -- was waren wir wohl in den vergangenen Zeiten -- wie
waren wir wohl in den vergangenen Zeiten -- was waren wir wohl
während der vergangenen Zeiten gewesen --‘?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Werdet ihr nun, ihr Mönche, also erkennend, also verstehend,
in die Zukunft hinein forschen: ‚Werden wir in den zukünftigen
Zeiten sein -- werden wir in den zukünftigen Zeiten nicht sein
-- was werden wir wohl in den zukünftigen Zeiten sein -- wie
werden wir wohl in den zukünftigen Zeiten sein -- was werden
wir wohl die zukünftigen Zeiten hindurch geworden sein --‘?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Werdet ihr nun, ihr Mönche, also erkennend, also verstehend,
euch jetzt über die Gegenwart bald diese bald jene Frage
stellen: ‚Bin ich -- bin ich nicht -- was bin ich -- wie bin
ich -- woher ist wohl dieses mein Wesen gekommen, wohin wird es
gehn --‘?«
»Gewiß nicht, o Herr!«
»Werdet ihr nun, ihr Mönche, also erkennend, also verstehend,
vielleicht sagen: ‚Dem Meister zollen wir Verehrung, aus
Verehrung vor dem Meister reden wir also‘?«
»Gewiß nicht, o Herr!«
»Werdet ihr nun, ihr Mönche, also erkennend, also verstehend,
vielleicht sagen: ‚Ein Asket hat also zu uns gesprochen und
Asketen, wir aber reden nicht also‘?«
»Gewiß nicht, o Herr!«
»Möchtet ihr nun, ihr Mönche, also erkennend, also verstehend,
vielleicht einen anderen Meister erwählen?«
»Gewiß nicht, o Herr!«
»Oder wolltet ihr etwa, ihr Mönche, also erkennend, also
verstehend, zu den Gelübden, Schwärmereien und Feierlichkeiten
der gewöhnlichen Asketen und Priester als zum Heile
zurückkehren?«
»Gewiß nicht, o Herr!«
»Wie nun, ihr Mönche: so sagt ihr einzig das, was ihr selbst
durchdacht, selbst erkannt, selbst verstanden habt?«
»So ist es, o Herr!«
»Wohl, ihr Mönche. Belehnt seid ihr, meine Mönche, mit dieser
klar sichtbaren Lehre, der zeitlosen, anregenden, einladenden,
die Verständigen von selbst verständlich wird. ›Klar sichtbar,
ihr Mönche, ist diese Lehre, zeitlos, anregend, einladend,
jedem Verständigen von selbst verständlich‹: wurde das gesagt,
so war es darum gesagt.
* * * * *
»Wenn Drei sich vereinen, ihr Mönche, bildet sich eine
Leibesfrucht. Da sind Vater und Mutter vereint, aber die Mutter
hat nicht ihre Zeit, aber der Keimling ist nicht bereit, und
so bildet sich keine Leibesfrucht. Da sind Vater und Mutter 266
vereint, und die Mutter hat ihre Zeit, aber der Keimling ist
nicht bereit, und so bildet sich keine Leibesfrucht. Sind
aber, ihr Mönche, Vater und Mutter vereint, und die Mutter hat
ihre Zeit, und der Keimling ist bereit, so bildet sich durch
der Drei Vereinigung eine Leibesfrucht. Eine solche Frucht,
ihr Mönche, hegt die Mutter neun bis zehn Monate im Leibe,
mit großer Angst, eine schwere Last. Eine solche Frucht, ihr
Mönche, gebiert die Mutter nach Verlauf von neun bis zehn
Monaten, in großen Aengsten, die schwere Last. Und wann dieser
Sprössling geboren ist, ernährt sie ihn mit ihrem eigenen
Blute. Blut sagt man, ihr Mönche, im Orden des Heiligen für
Muttermilch. Dieses Kind nun, ihr Mönche, entwickelt sich nach
und nach, reift nach und nach heran und pflegt alle die Spiele
und Uebungen seiner Genossen, als wie Verstecken und Fangen,
Klettern und Springen, Schleudern, Wagenlenken, Bogenschießen.
Dieser Knabe nun, ihr Mönche, hat sich allmälig entwickelt, ist
allmälig reif geworden und lebt und webt im Genusse der fünf
Begehrungen: der durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden
Formen, der ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen,
dem Begehren entsprechenden, reizenden; der durch das Gehör
ins Bewusstsein tretenden Töne, der ersehnten, geliebten,
entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden,
reizenden; der durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden
Düfte, der ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem
Begehren entsprechenden, reizenden; der durch den Geschmack
ins Bewusstsein tretenden Säfte, der ersehnten, geliebten,
entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden,
reizenden; der durch das Getast ins Bewusstsein tretenden
Tastungen, der ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen,
dem Begehren entsprechenden, reizenden.
»Erblickt er nun mit dem Gesichte eine Form, so verfolgt 267
er die angenehmen Formen und verabscheut die unangenehmen,
ohne Einsicht in das Wesen der Körperlichkeit verweilt er
beschränkten Gemüthes, und nicht gedenkt er, der Wahrheit
gemäß, jener Gemütherlösung, Weisheiterlösung, wo seine bösen,
schlechten Eigenschaften sich restlos auflösen. So fällt er
der Befriedigung und Unbefriedigung anheim, und was für ein
Gefühl er auch fühlt, ein freudiges oder leidiges oder weder
freudig noch leidiges, dieses Gefühl hegt er und pflegt er und
klammert sich daran. Während er das Gefühl hegt und pflegt
und sich daran klammert erhebt sich in ihm Genügen: dieses
Genügehaben bei den Gefühlen, das ist Anhangen. Durch dieses
Anhangen bedingt ist Werden, durch Werden bedingt Geburt, durch
Geburt bedingt gehn Alter und Tod, Schmerz und Jammer, Leiden,
Trübsal, Verzweiflung hervor, also kommt dieses gesammten
Leidensstückes Entwicklung zustande.
»Hört er nun mit dem Gehöre einen Ton,
»Riecht er nun mit dem Geruche einen Duft,