schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar,
richtete ich das Gemüth auf die Erkenntniss des Verschwindens-
Erscheinens der Wesen. Mit dem himmlischen Auge, dem
geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, sah
ich die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und
edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, ich
erkannte wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren. ›Diese
lieben Wesen sind freilich in Thaten dem Schlechten zugethan,
in Worten dem Schlechten zugethan, in Gedanken dem Schlechten
zugethan, tadeln Heiliges, achten Verkehrtes, thun Verkehrtes;
bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf
den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in untere
Welt. Jene lieben Wesen sind aber in Thaten dem Guten zugethan,
in Worten dem Guten zugethan, in Gedanken dem Guten zugethan,
tadeln nicht Heiliges, achten Rechtes, thun Rechtes; bei der
Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf gute
Fährte, in sälige Welt.‹ So sah ich mit dem himmlischen Auge,
dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die
Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle,
schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, ich erkannte
wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren. Dieses Wissen,
Aggivessano, hatte ich nun in den mittleren Stunden der Nacht
als zweites errungen, das Nichtwissen zertheilt, das Wissen
gewonnen, das Dunkel zertheilt, das Licht gewonnen, wie ich 249
da ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilte. Und das
solcherart mir entstandene Wohlgefühl, Aggivessano, konnte mein
Gemüth nicht fesseln.
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen,
schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar,
richtete ich das Gemüth auf die Erkenntniss der Wahnversiegung.
›Das ist das Leiden‹ verstand ich der Wahrheit gemäß. ›Das ist
die Leidensentwicklung‹ verstand ich der Wahrheit gemäß. ›Das
ist die Leidensauflösung‹ verstand ich der Wahrheit gemäß.
›Das ist der zur Leidensauflösung führende Pfad‹ verstand
ich der Wahrheit gemäß. ›Das ist der Wahn‹ verstand ich der
Wahrheit gemäß. ›Das ist die Wahnentwicklung‹ verstand ich
der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Wahnauflösung‹ verstand ich
der Wahrheit gemäß. ›Das ist der zur Wahnauflösung führende
Pfad‹ verstand ich der Wahrheit gemäß. Also erkennend, also
sehend ward da mein Gemüth erlöst vom Wunscheswahn, erlöst vom
Daseinswahn, erlöst vom Nichtwissenswahn. ›Im Erlösten ist
die Erlösung‹, diese Erkenntniss ging auf. ›Versiegt ist die
Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr
ist diese Welt‹ verstand ich da. Dieses Wissen, Aggivessano,
hatte ich nun in den letzten Stunden der Nacht als drittes
errungen, das Nichtwissen zertheilt, das Wissen gewonnen,
das Dunkel zertheilt, das Licht gewonnen, wie ich da ernsten
Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilte. Und das solcherart mir
entstandene Wohlgefühl, Aggivessano, konnte mein Gemüth nicht
fesseln.
* * * * *
»Ich weiß wohl, Aggivessano: wenn ich da einer Schaar von
vielen hunderten die Lehre verkündet habe, so meint einer
um den anderen von mir: ›Nur für mich hat der Asket Gotamo
die Lehre verkündet!‹ Doch ist das nicht also zu verstehn,
Aggivessano, weil ja der Vollendete den anderen die Lehre zur
Aufklärung verkündet. Aber wenn eine solche Darlegung zu Ende
ist, Aggivessano, dann richte ich auch das einzelne Gemüth
eines jeden Friedesuchenden auf, bring’ es zur Ruhe, einige es,
füge es zusammen. Und so halte ich es allezeit, allezeit.«
»Also geziemt es dem verehrten Gotamo, als dem Heiligen,
vollkommen Erwachten. -- Giebt der verehrte Gotamo wohl zu, bei
Tage zu schlafen?«
»Ich geb’ es zu, Aggivessano, im letzten Monat des Sommers,
nach dem Mahle, wenn man vom Almosengange zurückgekehrt ist,
den Mantel vierfach gefaltet auszuspreiten und auf der rechten
Seite liegend gesammelten Sinnes einzuschlafen.«
»Das wird aber, o Gotamo, von manchen Asketen und Priestern als
bethörendes Sichgehenlassen bezeichnet!«
»Nicht insofern, Aggivessano, ist man bethört oder nicht 250
bethört. Aber, Aggivessano, wie man bethört und wie man nicht
bethört ist, das höre und achte wohl auf meine Rede.«
»Ja, Herr!« erwiderte Saccako der junge Nigaṇṭher, dem
Erhabenen zustimmend. Der Erhabene sprach also:
»Wer da, Aggivessano, den Wahn, den besudelnden, Wiederdasein
säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben,
Altern und Sterben erzeugenden, nicht verleugnet hat, den
nenne ich bethört. Denn durch des Wahnes Nichtverleugnung,
Aggivessano, wird man bethört. Wer da, Aggivessano, den Wahn,
den besudelnden, Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden
ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden,
verleugnet hat, den nenne ich unbethört. Denn durch des Wahnes
Verleugnung, Aggivessano, wird man unbethört. Der Vollendete,
Aggivessano, hat den Wahn, den besudelnden, Wiederdasein
säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben,
Altern und Sterben erzeugenden, verleugnet, an der Wurzel
abgeschnitten, einem Palmstumpf gleichgemacht, so dass er
nicht mehr keimen, nicht mehr sich entwickeln kann. Gleichwie
etwa, Aggivessano, eine Palme, der man die Krone abgeschnitten
hat, nicht wieder emporwachsen kann, ebenso auch, Aggivessano,
hat der Vollendete den Wahn, den besudelnden, Wiederdasein
säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben,
Altern und Sterben erzeugenden, verleugnet, an der Wurzel
abgeschnitten, einem Palmstumpf gleichgemacht, so dass er nicht
mehr keimen, nicht mehr sich entwickeln kann.«
* * * * *
Nach diesen Worten sprach Saccako der junge Nigaṇṭher zum
Erhabenen also:
»Wunderbar, o Gotamo, außerordentlich ist es, o Gotamo, wie
da, nach der sanft und sicher hinleitenden Behandlung gar
mancher Frage, des verehrten Gotamo Hautfarbe so hell und
das Antlitz so heiter geblieben ist, wie das dem Heiligen,
vollkommen Erwachten eignet! Ich bekenne, o Gotamo, mich mit
Pūraṇo Kassapo in ein Gespräch eingelassen zu haben: der aber
kam im Gespräche mit mir von einem ins andere, schweifte vom
Gegenstand ab und legte Zorn, Hass und Verdrossenheit an den
Tag. Beim verehrten Gotamo dagegen ist nach der sanft und
sicher hinleitenden Behandlung gar mancher Frage die Hautfarbe
so hell und das Antlitz so heiter geblieben, wie es dem
Heiligen, vollkommen Erwachten eignet. Ich bekenne, o Gotamo,
mich mit Makkhali Gosālo, Ajito Kesakambalo, Pakudho Kaccāyano,
Sañjayo Belaṭṭhaputto, Nigaṇṭho Nāthaputto in Gespräche
eingelassen zu haben: die aber kamen im Gespräche mit mir von
einem ins andere, schweiften vom Gegenstand ab und legten 251
Zorn, Hass und Verdrossenheit an den Tag. Beim verehrten Gotamo
dagegen ist nach der sanft und sicher hinleitenden Behandlung
gar mancher Frage die Hautfarbe so hell und das Antlitz so
heiter geblieben, wie es dem Heiligen, vollkommen Erwachten
eignet. -- Wohlan denn, jetzt wollen wir gehn, o Gotamo, manche
Pflicht und Obliegenheit wartet auf uns.«
»Wie es dir nun, Aggivessano, belieben mag.«
* * * * *
Da nun erhob sich Saccako Nigaṇṭhaputto, erfreut und befriedigt
durch des Erhabenen Rede, von seinem Sitze und ging fort.
37.
Vierter Theil Siebente Rede
VERSIEGUNG DES DURSTES
-- I --
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei
Sāvatthī, im Osthaine, auf Mutter Migāros Terrasse. Da nun
begab sich Sakko, der Götter König, dorthin wo der Erhabene
weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und stellte sich
seitwärts hin. Seitwärts stehend sprach nun Sakko, der Götter
König, zum Erhabenen also:
»Inwiefern ist wohl, o Herr, ein Mönch, kurz gesagt, durch
Versiegung des Durstes erlöst, durchaus gefeit, durchaus
gesichert, durchaus geheiligt, durchaus vollendet, Höchster der
Götter und Menschen?«
»Da hat, König der Götter, ein Mönch gehört: ›Kein Ding ist der
Mühe werth.‹ Wenn der Mönch, König der Götter, dies gehört hat
›Kein Ding ist der Mühe werth‹, so betrachtet er jedes Ding;
und wenn er jedes Ding betrachtet hat, durchschaut er jedes
Ding; und wenn er jedes Ding durchschaut hat und nun irgend
ein Gefühl empfindet, ein freudiges oder leidiges oder weder
freudig noch leidiges, so beobachtet er bei diesen Gefühlen die
Gesetze der Vergänglichkeit, der Aufhebung, der Auflösung, der
Entäußerung; und indem er bei diesen Gefühlen die Gesetze der
Vergänglichkeit, der Aufhebung, der Auflösung, der Entäußerung
beobachtet, hangt er nirgend in der Welt an; ohne anzuhangen
wird er nicht erschüttert, unerschütterlich gelangt er eben bei
sich selbst zur Erlöschung: ›Versiegt ist die Geburt, vollendet 252
das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹
versteht er da. Insofern, König der Götter, ist ein Mönch, kurz
gesagt, durch Versiegung des Durstes erlöst, durchaus gefeit,
durchaus gesichert, durchaus geheiligt, durchaus vollendet,
Höchster der Götter und Menschen.«
Da war nun Sakko, der Götter König, durch des Erhabenen Rede
erfreut und befriedigt, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig,
ging rechts herum und verschwand von diesem Orte.
Zu jener Zeit nun hatte der ehrwürdige Mahāmoggallāno nicht
fern vom Erhabenen Platz genommen. Da nun kam dem ehrwürdigen
Mahāmoggallāno der Gedanke: ›Ist wohl dieser Geist durch des
Erhabenen Rede vollauf befriedigt worden, oder nicht? Wie,
wenn ich nun diesen Geist prüfte, ob er durch des Erhabenen
Rede vollauf befriedigt wurde, oder aber nicht?‹ Da verschwand
nun der ehrwürdige Mahāmoggallāno, so schnell wie etwa ein
kräftiger Mann den eingezogenen Arm ausstrecken oder den
ausgestreckten Arm einziehn mag, von Mutter Migāros Terrasse im
Osthain und erschien bei den Dreiunddreißig Göttern.
Zu jener Zeit nun erging sich Sakko, der Götter König,
im Garten der weißen Lotusblüthe, dem Genusse der
fünfhundertstimmigen Himmelsmusik hingegeben. Da erblickte
Sakko, der Götter König, den ehrwürdigen Mahāmoggallāno wie
von ferne herankommen. Als er ihn gesehn winkte er jener
fünfhundertstimmigen Himmelsmusik ab, ging dem ehrwürdigen
Mahāmoggallāno entgegen und sprach also zu ihm:
»Komm’, o würdiger Moggallāno, sei gegrüßt, würdiger
Moggallāno! Lange schon, würdiger Moggallāno, habe ich auf die
Gunst dieses Besuches gehofft! Setze dich, würdiger Moggallāno,
nimm hier Platz.«
Es setzte sich der ehrwürdige Mahāmoggallāno auf den
angebotenen Sitz. Sakko aber, der Götter König, nahm einen
anderen, niederen Stuhl und setzte sich zur Seite. Den zur
Seite sitzenden Sakko, den König der Götter, sprach nun der
ehrwürdige Mahāmoggallāno also an:
»Auf welche Weise hat dir denn, Kosiyo, der Erhabene die
Erlösung durch Versiegung des Durstes kurz dargelegt? Gut
wär’ es, wenn auch wir dieser Rede theilhaftig würden und sie
hörten.«
»Wir haben, o würdiger Moggallāno, viele Pflichten, wir
haben viele Obliegenheiten zu erfüllen, sowohl in eigener
Sache als auch in Beziehung auf die Dreiunddreißig Götter.
Aber, würdiger Moggallāno, es ist gar wohl verstanden, wohl 253
begriffen, wohl gemerkt, wohl aufbewahrt, so dass es nicht
so bald vergessen sein wird. -- Es war einmal, würdiger
Moggallāno, ein Kampf zwischen Göttern und Unholden zum
Ausbruch gekommen. In jenem Kampfe nun, würdiger Moggallāno,
siegten die Götter und verloren die Unholde. Nachdem ich nun,
würdiger Moggallāno, jenen Kampf glücklich beendet hatte und
siegreich wieder zurückgekehrt war, erbaute ich ein Schloss
und nannte es Siegesbanner. Und das Siegesbanner-Schloss,
o würdiger Moggallāno, hat hundert Thore: auf jedem der
Thore sind siebenmal siebenhundert Terrassen, auf jeder der
Terrassen befinden sich siebenmal sieben Nymphen, und jede
der Nymphen hat ein Gefolge von siebenmal sieben Gespielinen.
Wünschest du nicht, würdiger Moggallāno, die Wonnen des
Siegesbanner-Schlosses zu sehn?«
Schweigend gewährte der ehrwürdige Mahāmoggallāno die Bitte.
Da nun begaben sich Sakko, der Götter König, und Vessavaṇo,
der Große Herrscher, unter dem Vortritt des ehrwürdigen
Mahāmoggallāno zum Siegesbanner-Schlosse. Und es sahn des
Götterkönigs Sakko Trabanten, wie der ehrwürdige Mahāmoggallāno
von ferne herankam, und als sie ihn gesehn errötheten sie,
schämten sich und zogen sich in ihre Gemächer zurück.
Gleichwie etwa eine Schwiegertochter, den Schwiegervater
erblickend, erröthet und sich schämt, so auch errötheten da
des Götterkönigs Sakko Trabanten als sie den ehrwürdigen
Mahāmoggallāno gesehn, schämten sich und zogen sich in ihre
Gemächer zurück. Da nun führten Sakko, der Götter König, und
Vessavaṇo, der Große Herrscher, den ehrwürdigen Mahāmoggallāno
im Siegesbanner-Schlosse umher, geleiteten ihn dahin und
dorthin: »Sieh’ nur, würdiger Moggallāno, diese Wonne des
Siegesbanner-Schlosses, sieh’ nur, würdiger Moggallāno, jene
Wonne des Siegesbanner-Schlosses!«
»Dieses Glück glänzt dem ehrwürdigen Kosiyo, weil er früher
Gutes gethan. Die Menschen sagen ja, wenn sie irgend etwas
Entzückendes sehn: ›Ach das glänzt wie bei den Dreiunddreißig
Göttern!‹ Dieses Glück glänzt dem ehrwürdigen Kosiyo, weil er
früher Gutes gethan.«
Da kam dem ehrwürdigen Mahāmoggallāno der Gedanke: ›Allzu
leicht lebt wohl dieser Geist dahin; wie, wenn ich ihn nun
erschütterte?‹ Da ließ nun der ehrwürdige Mahāmoggallāno eine
magische Erscheinung von solcher Art erscheinen, als ob er mit
der großen Zehe das Siegesbanner-Schloss zum Wanken, zum Beben,
zum Erzittern brächte. Da wurden Sakko, der Götter König, und 254
Vessavaṇo, der Große Herrscher, und die Dreiunddreißig Götter
durch den außerordentlichen, wunderbaren Vorgang im Innersten
getroffen: ›Ach wie erstaunlich, wie doch so wunderbar ist des
Asketen hohe Macht, hohe Gewalt! Sogar Himmelspaläste kann er
da mit der großen Zehe zum Wanken, zum Beben, zum Erzittern
bringen!‹ Als nun der ehrwürdige Mahāmoggallāno Sakko, den
König der Götter, erschüttert und gesträubten Haares dastehn
sah, sprach er also zu ihm:
»Auf welche Weise hat dir denn, Kosiyo, der Erhabene die
Erlösung durch Versiegung des Durstes kurz dargelegt? Gut
wär’ es, wenn auch wir dieser Rede theilhaftig würden und sie
hörten.«
»Ich hatte mich, würdiger Moggallāno, zum Erhabenen begeben,
den Erhabenen ehrerbietig begrüßt und seitwärts hingestellt.
Seitwärts stehend sprach ich nun, würdiger Moggallāno, zum
Erhabenen also: ›Inwiefern ist wohl, o Herr, ein Mönch, kurz
gesagt, durch Versiegung des Durstes erlöst, durchaus gefeit,
durchaus gesichert, durchaus geheiligt, durchaus vollendet,
Höchster der Götter und Menschen?‹ -- Hierauf, würdiger
Moggallāno, erwiderte mir der Erhabene: ›Da hat, König der
Götter, ein Mönch gehört: ‚Kein Ding ist der Mühe werth.‘
Wenn der Mönch, König der Götter, dies gehört hat ‚Kein Ding
ist der Mühe werth‘, so betrachtet er jedes Ding; und wenn
er jedes Ding betrachtet hat, durchschaut er jedes Ding; und
wenn er jedes Ding durchschaut hat und nun irgend ein Gefühl
empfindet, ein freudiges oder leidiges oder weder freudig
noch leidiges, so beobachtet er bei diesen Gefühlen die
Gesetze der Vergänglichkeit, der Aufhebung, der Auflösung, der
Entäußerung; und indem er bei diesen Gefühlen die Gesetze der
Vergänglichkeit, der Aufhebung, der Auflösung, der Entäußerung
beobachtet, hangt er nirgend in der Welt an; ohne anzuhangen
wird er nicht erschüttert, unerschütterlich gelangt er eben bei
sich selbst zur Erlöschung: ‚Versiegt ist die Geburt, vollendet
das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‘
versteht er da. Insofern, König der Götter, ist ein Mönch, kurz
gesagt, durch Versiegung des Durstes erlöst, durchaus gefeit,
durchaus gesichert, durchaus geheiligt, durchaus vollendet,
Höchster der Götter und Menschen.‹ Auf solche Weise hat mir,
würdiger Moggallāno, der Erhabene die Erlösung durch Versiegung
des Durstes kurz dargelegt.«
Da war nun der ehrwürdige Mahāmoggallāno durch Sakkos, des 255
Götterkönigs, Rede erfreut und befriedigt. Und so schnell wie
etwa ein kräftiger Mann den eingezogenen Arm ausstrecken oder
den ausgestreckten Arm einziehn mag, verschwand er da von den
Dreiunddreißig Göttern und erschien auf der Terrasse Mutter
Migāros im Osthain.
Da nun sagten die Trabanten des Götterkönigs Sakko, kurz
nachdem sich der ehrwürdige Mahāmoggallāno entfernt hatte, zu
Sakko dem König der Götter:
»Der bei dir war, Würdiger, das war wohl Er, der Erhabene, der
Meister?«
»Nein, ihr Würdigen, nicht Er, der Erhabene, der Meister war
bei mir, sondern ein Jünger, der ehrwürdige Mahāmoggallāno.«
»Heil dir, Würdiger, der du einen Jünger von so hoher Macht,
von so hoher Gewalt kennst: ach, wie mag dir erst Er, der
Erhabene, der Meister erschienen sein!«
Da begab sich nun der ehrwürdige Mahāmoggallāno zum Erhabenen,
begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur
Seite hin. Zur Seite sitzend wandte sich nun der ehrwürdige
Mahāmoggallāno an den Erhabenen:
»Bestätigt wohl, o Herr, der Erhabene eben zuvor einem gewissen
großmächtigen Geiste die Erlösung durch Versiegung des Durstes
kurz dargelegt zu haben?«
»Ich bestätige es, Moggallāno. Sakko, der Götter König, kam da
zu mir, begrüßte mich ehrerbietig und stellte sich seitwärts
hin. Seitwärts stehend, Moggallāno, sprach nun Sakko, der
Götter König, also zu mir: ›Inwiefern ist wohl, o Herr, ein
Mönch, kurz gesagt, durch Versiegung des Durstes erlöst,
durchaus gefeit, durchaus gesichert, durchaus geheiligt,
durchaus vollendet, Höchster der Götter und Menschen?‹ --
Hierauf, Moggallāno, erwiderte ich dem Götterkönige Sakko: ›Da
hat, König der Götter, ein Mönch gehört: ‚Kein Ding ist der
Mühe werth.‘ Wenn der Mönch, König der Götter, dies gehört hat
‚Kein Ding ist der Mühe werth‘, so betrachtet er jedes Ding;
und wenn er jedes Ding betrachtet hat, durchschaut er jedes
Ding; und wenn er jedes Ding durchschaut hat und nun irgend
ein Gefühl empfindet, ein freudiges oder leidiges oder weder
freudig noch leidiges, so beobachtet er bei diesen Gefühlen die
Gesetze der Vergänglichkeit, der Aufhebung, der Auflösung, der
Entäußerung; und indem er bei diesen Gefühlen die Gesetze der
Vergänglichkeit, der Aufhebung, der Auflösung, der Entäußerung
beobachtet, hangt er nirgend in der Welt an; ohne anzuhangen
wird er nicht erschüttert, unerschütterlich gelangt er eben bei
sich selbst zur Erlöschung: ‚Versiegt ist die Geburt, vollendet
das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‘ 256
versteht er da. Insofern, König der Götter, ist ein Mönch, kurz
gesagt, durch Versiegung des Durstes erlöst, durchaus gefeit,
durchaus gesichert, durchaus geheiligt, durchaus vollendet,
Höchster der Götter und Menschen.‹ Auf solche Weise bestätige
ich, Moggallāno, dem Götterkönige Sakko kurzgefasst die
Erlösung durch Versiegung des Durstes dargelegt zu haben.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige
Mahāmoggallāno über das Wort des Erhabenen.
38.
Vierter Theil Achte Rede
VERSIEGUNG DES DURSTES
-- II --
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Zu
jener Zeit nun hatte ein Mönch Namens Sāti, der Sohn eines
Fischers, folgende verkehrte Meinung gefasst: ›Also verstehe
ich die vom Erhabenen verkündete Lehre, dass nämlich dieses
unser Bewusstsein im Kreislauf des Wandelseins beharrt,
unveränderlich.‹ Es kam nun vielen Mönchen zu Ohren, dass ein
Mönch Namens Sāti, der Sohn eines Fischers, diese verkehrte
Meinung gefasst habe. Da begaben sich nun jene Mönche dorthin
wo sich Sāti der Mönch, der Fischersohn, aufhielt, und sprachen
hierauf also zu ihm:
»Ist es wahr, wie man sagt, Bruder Sāti, du habest diese
verkehrte Meinung gefasst: ›Also verstehe ich die vom Erhabenen
verkündete Lehre, dass nämlich dieses unser Bewusstsein im
Kreislauf des Wandelseins beharre, unveränderlich‹?«
»So ist es, ihr Brüder, allerdings fasse ich die vom
Erhabenen verkündete Lehre dahin auf, dass es dieses unser
Bewusstsein ist, welches im Kreislauf des Wandelseins beharrt,
unveränderlich.«
Da nun wollten jene Mönche Sāti den Mönch, den Sohn eines
Fischers, von seiner verkehrten Meinung abbringen, wandten
sich zu ihm, sprachen zu ihm, belehrten ihn: »Nicht also rede,
Bruder Sāti, den Erhabenen verbessere nicht, nicht ist es gut
den Erhabenen verbessern, nicht kann der Erhabene solches
gesagt haben. Auf manigfaltige Weise, Bruder Sāti, wurde die
bedingte Natur des Bewusstseins vom Erhabenen erklärt: ‚Ohne 257
zureichenden Grund entsteht kein Bewusstsein.‘«
Sāti der Mönch aber, der Sohn eines Fischers, obzwar von jenen
Mönchen also angegangen, angesprochen und belehrt, hielt an
dieser seiner verkehrten Meinung zähe fest: »Ich, fürwahr, ihr
Brüder, fasse die vom Erhabenen verkündete Lehre also auf,
dass es dieses unser Bewusstsein ist, welches im Kreislauf des
Wandelseins beharrt, unveränderlich.«
Als nun jene Mönche Sāti den Mönch, den Sohn eines Fischers,
von dieser verkehrten Meinung nicht abbringen konnten,
begaben sie sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßten
den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich zur Seite nieder.
Hierauf nun sprachen jene Mönche zum Erhabenen also:
»Ein Mönch Namens Sāti, o Herr, der Sohn eines Fischers,
hat folgende verkehrte Meinung gefasst: ›Also verstehe ich
die vom Erhabenen verkündete Lehre, dass nämlich dieses
unser Bewusstsein im Kreislauf des Wandelseins beharrt,
unveränderlich.‹ Hiervon erhielten wir Kunde, o Herr, begaben
uns zu Sāti und fragten ihn, ob das Gerücht wahr sei. Auf
unsere Frage, o Herr, erwiderte uns Sāti der Mönch, der
Fischersohn: ›So ist es, ihr Brüder, allerdings fasse ich
die vom Erhabenen verkündete Lehre dahin auf, dass es dieses
unser Bewusstsein ist, welches im Kreislauf des Wandelseins
beharrt, unveränderlich.‹ Da nun wollten wir, o Herr, Sāti den
Mönch, den Sohn eines Fischers, von seiner verkehrten Meinung
abbringen, wandten uns zu ihm, sprachen zu ihm, belehrten ihn:
Nicht also rede, Bruder Sāti, den Erhabenen verbessere nicht,
nicht ist es gut den Erhabenen verbessern, nicht kann der
Erhabene solches gesagt haben. Auf manigfaltige Weise, Bruder
Sāti, wurde die bedingte Natur des Bewusstseins vom Erhabenen
erklärt: ‚Ohne zureichenden Grund entsteht kein Bewusstsein.‘
Obzwar nun, o Herr, solcherart von uns angegangen, angesprochen
und belehrt, hielt Sāti der Mönch, der Sohn eines Fischers,
an dieser seiner verkehrten Meinung zähe fest: ›Ich aber,
Brüder, fasse die vom Erhabenen verkündete Lehre also auf,
dass es dieses unser Bewusstsein ist, welches im Kreislauf
des Wandelseins beharrt, unveränderlich.‹ Da wir nun, o Herr,
Sāti den Mönch, den Sohn eines Fischers, von dieser verkehrten
Meinung nicht abbringen konnten, beschlossen wir, die Sache dem
Erhabenen vorzutragen.«
Da nun wandte sich der Erhabene an einen der Mönche:
»Gehe, o Mönch, und sage in meinem Namen Sāti dem Mönche, dem 258
Sohn eines Fischers: der Meister ruft dich, Bruder Sāti.«
»Wohl, o Herr!« erwiderte jener Mönch, dem Erhabenen
gehorchend, begab sich dorthin wo Sāti der Mönch, der
Fischersohn, weilte, und sprach hierauf also zu ihm:
»Der Meister ruft dich, Bruder Sāti.«
»Gut, o Bruder, ich komme!« erwiderte Sāti der Mönch, der
Fischersohn, jenem Mönche, begab sich dorthin wo der Erhabene
weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur
Seite nieder. Hierauf nun sprach zu Sāti dem Mönche, dem Sohn
eines Fischers, der Erhabene also:
»Ist es wahr, wie man sagt, Sāti, du habest diese verkehrte
Meinung gefasst: ›Also verstehe ich die vom Erhabenen
verkündete Lehre, dass nämlich dieses unser Bewusstsein im
Kreislauf des Wandelseins beharre, unveränderlich‹?«
»So ist es allerdings, o Herr: ich fasse die vom Erhabenen
verkündete Lehre also auf, dass es dieses unser Bewußtsein ist,
welches im Kreislauf des Wandelseins beharrt, unveränderlich.«
»Was ist das für ein Bewusstsein, Sāti?«
»Was da wieder als selbes, sag’ ich, o Herr, da und dort den
Lohn guter und böser Werke genießt.«
»Von wem hast du denn, du bethörter Mann, gehört, dass ich
eine solche Lehre verkündet hätte? Habe ich nicht, o Thor, auf
manigfaltige Weise die bedingte Natur des Bewußtseins erklärt:
›Ohne zureichenden Grund entsteht kein Bewusstsein‹? Aber
missverständigen Sinnes, o Thor, willst du uns verbessern und
gräbst dir selbst das Grab und schaffst dir schwere Schuld. Das
wird dir, o Thor, lange zum Unheil, zum Leiden gereichen.«
Und der Erhabene wandte sich an die Mönche:
»Was meinet ihr wohl, Mönche? Hat dieser Mönch Sāti, der
Fischersohn, in unserer Heilsordnung nicht etwa Brand
gestiftet?«
»Wie wäre das möglich, o Herr, nein, wahrlich nicht, o Herr!«
Auf diese Worte setzte sich Sāti der Mönch, der Sohn eines
Fischers, verstummt und verstört, gebeugten Rumpfes, gesenkten
Hauptes, das Antlitz von brennender Röthe übergossen, wortlos
nieder. Als nun der Erhabene sah, wie Sāti der Mönch, der
Sohn eines Fischers, verstummt und verstört dasaß, gebeugten
Rumpfes, gesenkten Hauptes, das Antlitz von brennender Röthe
übergossen, wortlos, sprach er also zu ihm: »Dies wird sich als
deine eigene verkehrte Meinung erweisen, o du Bethörter; ich
werde nun die Mönche befragen.«
Und der Erhabene wandte sich an die Mönche: