Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen
hinausreichenden, über tausend Welten hin. Gleichwie etwa,
Bruder Sāriputto, ein scharfsehender Mann von der Zinne
eines hohen Thurmes tausend Gehöfte im Kreise überblicken
mag: ebenso auch, Bruder Sāriputto, blickt ein Mönch mit dem
himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen
hinausreichenden, über tausend Welten hin. Ein solcher Mönch,
Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.«
Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Sāriputto an den
ehrwürdigen Mahākassapo:
»Der ehrwürdige Anuruddho, Bruder Kassapo, hat nach seinem
Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen
Mahākassapo: Entzückend, Bruder Kassapo, ist der Gosiṉgam-Wald,
herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe,
himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch,
Bruder Kassapo, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?«
»Da ist, Bruder Sāriputto, ein Mönch selbst Waldeinsiedler und 214
preist das Waldeinsiedlerthum, lebt selbst von Almosenspeise
und preist das Leben von Almosenspeise, trägt selbst die
geflickte Fetzenkutte und preist das Tragen der geflickten
Fetzenkutte, besitzt nur drei Kleidungstücke und preist
das bloße Besitzthum dreier Kleidungstücke[27], hat selbst
wenig Bedürfnisse und preist die Bedürfnisslosigkeit, ist
selbst zufrieden und preist die Zufriedenheit, ist selbst
zurückgezogen und preist die Zurückgezogenheit, flieht selbst
die Welt und preist die Weltflucht, ist selbst standhaft und
preist die Standhaftigkeit, ist selbst ordenstüchtig und preist
die Ordenstugend, hat selbst das Glück der Vertiefung errungen
und preist das Glück der Vertiefung, hat selbst die Weisheit
errungen und preist die Errungenschaft der Weisheit, hat
selbst die Erlösung errungen und preist die Errungenschaft der
Erlösung, hat selbst die Wissensklarheit der Erlösung errungen
und preist die Errungenschaft der wissensklaren Erlösung. Ein
solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz
verleihen.«
Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Sāriputto an den
ehrwürdigen Mahāmoggallāno:
»Der ehrwürdige Mahākassapo, Bruder Moggallāno, hat nach
seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen
Mahāmoggallāno: Entzückend, Bruder Moggallāno, ist der
Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn
in voller Blüthe, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was
für ein Mönch, Bruder Moggallāno, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz
verleihen?«
»Da halten, Bruder Sāriputto, zwei Mönche ein Gespräch über
die Lehre, stellen sich Fragen, und nachdem sie die Fragen
gegenseitig beantwortet haben, gehn sie auseinander, jeder
für sich, und lehrreich war ihr Gespräch und anregend. Ein
solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz
verleihen.«
Und nun wandte sich der ehrwürdige Mahāmoggallāno also an den
ehrwürdigen Sāriputto:
»Jeder von uns, Bruder Sāriputto, hat nach seinem Begriffe
geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Sāriputto:
Entzückend, Bruder Sāriputto, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich
die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe,
himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch,
Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?«
»Da hat, Bruder Moggallāno, ein Mönch das Herz in seiner Gewalt
und nicht ist er in der Gewalt des Herzens. Welcher Vertiefung
er sich morgens erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er
sich morgens, welcher Vertiefung er sich mittags erfreuen will, 215
dieser Vertiefung erfreut er sich mittags, welcher Vertiefung
er sich abends erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er
sich abends. Gleichwie etwa, Bruder Moggallāno, ein König oder
ein Fürst aus einer Truhe voller verschiedenfarbiger Gewänder
gerade das Gewand für den Morgen auswählen würde, das er
morgens tragen will, gerade das Gewand für den Mittag auswählen
würde, das er mittags tragen will, gerade das Gewand für den
Abend auswählen würde, das er abends tragen will: ebenso auch,
Bruder Moggallāno, hat ein Mönch das Herz in seiner Gewalt und
nicht ist er in der Gewalt des Herzens. Welcher Vertiefung er
sich morgens erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich
morgens, welcher Vertiefung er sich mittags erfreuen will,
dieser Vertiefung erfreut er sich mittags, welcher Vertiefung
er sich abends erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er
sich abends. Ein solcher Mönch, Bruder Moggallāno, mag dem
Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.«
Und der ehrwürdige Sāriputto wandte sich nun zu jenen
Ehrwürdigen und sprach also:
»Jeder von uns, ihr Brüder, hat nach seinem Begriffe
geantwortet. Kommt, ihr Brüder, lasst uns zum Erhabenen gehn
und die Sache dem Erhobenen berichten: wie uns der Erhabene
antworten wird, so wollen wir es halten.«
»So sei es, Bruder«, erwiderten da jene Ehrwürdigen dem
ehrwürdigen Sāriputto.
Und jene Mönche begaben sich dorthin wo der Erhabene weilte,
begrüßten den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich zur Seite
nieder. Zur Seite sitzend sprach nun der ehrwürdige Sāriputto
zum Erhabenen also:
»Da hatten sich, o Herr, der ehrwürdige Revato und der
ehrwürdige Ānando dorthin begeben wo ich weilte, die Lehre
zu hören. Ich sah den ehrwürdigen Revato und den ehrwürdigen
Ānando von ferne herankommen, und nachdem ich sie gesehn
sprach ich zum ehrwürdigen Ānando also: ›Willkommen sei der 216
ehrwürdige Ānando, gegrüßt der ehrwürdige Ānando, der des
Erhabenen wartet, dem Erhabenen nahe ist. Entzückend, Bruder
Ānando, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht,
die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische Düfte, meint
man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Ānando, mag dem
Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?‹ -- Hierauf, o Herr, erwiderte
mir der ehrwürdige Ānando: ‚Da hat, Bruder Sāriputto, ein
Mönch viel gehört, ist Behälter des Wortes, Hort des Wortes
der Lehre; und was da am Anfang begütigt, in der Mitte
begütigt, am Ende begütigt und sinn- und wortgetreu das
vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum überliefert: das
kennt er, behält er, beherrscht er mit der Rede, bewahrt es
im Gedächtniss, hat es von Grund aus verstanden. Er legt den
vier Arten von Hörern die Lehre dar, im Ganzen, im Einzelnen
und im Zusammenhang, zur völligen Wunschesvertilgung. Ein
solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz
verleihen.‘«
»Gut, gut, Sāriputto, wie es eben Ānando recht beantworten
kann. Denn Ānando, Sāriputto, hat viel gehört, ist Behälter
des Wortes, Hort des Wortes der Lehre: und was da am Anfang
begütigt, in der Mitte begütigt, am Ende begütigt und sinn-
und wortgetreu das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum
überliefert: das kennt er, behält er, beherrscht er mit
der Rede, bewahrt es im Gedächtniss, hat es von Grund aus
verstanden. Er legt den vier Arten von Hörern die Lehre dar,
im Ganzen, im Einzelnen und im Zusammenhang, zur völligen
Wunschesvertilgung.«
»Hierauf, o Herr, wandte ich mich an den ehrwürdigen Revato:
›Der ehrwürdige Ānando, Bruder Revato, hat nach seinem
Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Revato:
Entzückend, Bruder Revato, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die
klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische
Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder
Revato, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?‹ -- Hierauf,
o Herr, erwiderte mir der ehrwürdige Revato: ‚Da wird, Bruder
Sāriputto, ein Mönch durch die Gedenkensruhe erquickt und
beglückt, erkämpft innigen Geistesfrieden, widerstrebt nicht
der Schauung, gewinnt durchdringenden Blick, ist ein Freund
leerer Klausen. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem
Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.‘«
»Gut, gut, Sāriputto, wie es eben Revato recht beantworten
kann. Denn Revato, Sāriputto, wird durch die Gedenkensruhe
erquickt und beglückt, erkämpft innigen Geistesfrieden,
widerstrebt nicht der Schauung, besitzt durchdringenden Blick,
ist ein Freund leerer Klausen.«
»Hierauf, o Herr, wandte ich mich an den ehrwürdigen Anuruddho: 217
›Der ehrwürdige Revato, Bruder Anuruddho, hat nach seinem
Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen
Anuruddho: Entzückend, Bruder Anuruddho, ist der Gosiṉgam-Wald,
herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe,
himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch,
Bruder Anuruddho, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?‹ --
Hierauf, o Herr, erwiderte mir der ehrwürdige Anuruddho: ‚Da
blickt, Bruder Sāriputto, ein Mönch mit dem himmlischen Auge,
dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden,
über tausend Welten hin. Gleichwie etwa, Bruder Sāriputto,
ein scharfsehender Mann von der Zinne eines hohen Thurmes
tausend Gehöfte im Kreise überblicken mag: ebenso auch, Bruder
Sāriputto, blickt ein Mönch mit dem himmlischen Auge, dem
geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, über
tausend Welten hin. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag
dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.‘«
»Gut, gut, Sāriputto, wie es eben Anuruddho recht
beantworten kann. Denn Anuruddho, Sāriputto, blickt mit dem
himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen
hinausreichenden, über tausend Welten hin.«
»Hierauf, o Herr, wandte ich mich an den ehrwürdigen
Mahākassapo: ›Der ehrwürdige Anuruddho, Bruder Kassapo,
hat nach seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den
ehrwürdigen Mahākassapo: Entzückend, Bruder Kassapo, ist der
Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn
in voller Blüthe, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was
für ein Mönch, Bruder Kassapo, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz
verleihen?‹ -- Hierauf, o Herr, erwiderte mir der ehrwürdige
Mahākassapo: ‚Da ist, Bruder Sāriputto, ein Mönch selbst
Waldeinsiedler und preist das Waldeinsiedlerthum, lebt selbst
von Almosenspeise und preist das Leben von Almosenspeise, trägt
selbst die geflickte Fetzenkutte und preist das Tragen der
geflickten Fetzenkutte, besitzt selbst nur drei Kleidungstücke
und preist das bloße Besitzthum dreier Kleidungstücke, hat
selbst wenig Bedürfnisse und preist die Bedürfnisslosigkeit,
ist selbst zufrieden und preist die Zufriedenheit, ist selbst
zurückgezogen und preist die Zurückgezogenheit, flieht selbst
die Welt und preist die Weltflucht, ist selbst standhaft und
preist die Standhaftigkeit, ist selbst ordenstüchtig und preist
die Ordenstugend, hat selbst das Glück der Vertiefung errungen
und preist das Glück der Vertiefung, hat selbst die Weisheit
errungen und preist die Errungenschaft der Weisheit, hat
selbst die Erlösung errungen und preist die Errungenschaft der
Erlösung, hat selbst die Wissensklarheit der Erlösung errungen
und preist die Errungenschaft der wissensklaren Erlösung. Ein
solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz
verleihen.‘«
»Gut, gut, Sāriputto, wie es eben Kassapo recht beantworten 218
kann. Denn Kassapo, Sāriputto, ist selbst Waldeinsiedler und
preist das Waldeinsiedlerthum, lebt selbst von Almosenspeise
und preist das Leben von Almosenspeise, trägt selbst die
geflickte Fetzenkutte und preist das Tragen der geflickten
Fetzenkutte, besitzt selbst nur drei Kleidungstücke und
preist das bloße Besitzthum dreier Kleidungstücke, hat selbst
wenig Bedürfnisse und preist die Bedürfnisslosigkeit, ist
selbst zufrieden und preist die Zufriedenheit, ist selbst
zurückgezogen und preist die Zurückgezogenheit, flieht selbst
die Welt und preist die Weltflucht, ist selbst standhaft und
preist die Standhaftigkeit, ist selbst ordenstüchtig und preist
die Ordenstugend, hat selbst das Glück der Vertiefung errungen
und preist das Glück der Vertiefung, hat selbst die Weisheit
errungen und preist die Errungenschaft der Weisheit, hat
selbst die Erlösung errungen und preist die Errungenschaft der
Erlösung, hat selbst die Wissensklarheit der Erlösung errungen
und preist die Errungenschaft der wissensklaren Erlösung.«
»Hierauf, o Herr, wandte ich mich an den ehrwürdigen
Mahāmoggallāno: ›Der ehrwürdige Mahākassapo, Bruder Moggallāno,
hat nach seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den
ehrwürdigen Mahāmoggallāno: Entzückend, Bruder Moggallāno,
ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die
Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische Düfte, meint man,
wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Moggallāno, mag dem
Gosiṉgam-Wald Glanz verleihen?‹ -- Hierauf, o Herr, erwiderte
mir der ehrwürdige Mahāmoggallāno: ‚Da halten, Bruder
Sāriputto, zwei Mönche ein Gespräch über die Lehre, stellen
sich Fragen, und nachdem sie die Fragen gegenseitig beantwortet
haben, gehn sie auseinander, jeder für sich, und lehrreich war
ihr Gespräch und anregend. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto,
mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.‘«
»Gut, gut, Sāriputto, wie es eben Moggallāno recht beantworten
kann. Denn Moggallāno, Sāriputto, ist der Lehre Sprecher.«
Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Mahāmoggallāno an
den Erhabenen und sagte:
»Und nun, o Herr, sprach ich zum ehrwürdigen Sāriputto:
›Jeder von uns, Bruder Sāriputto, hat nach seinem Begriffe
geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Sāriputto:
Entzückend, Bruder Sāriputto, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich
die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe,
himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch,
Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?‹ --
Hierauf, o Herr, erwiderte mir der ehrwürdige Sāriputto: ‚Da
hat, Bruder Moggallāno, ein Mönch das Herz in seiner Gewalt und
nicht ist er in der Gewalt des Herzens. Welcher Vertiefung er
sich morgens erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich
morgens, welcher Vertiefung er sich mittags erfreuen will,
dieser Vertiefung erfreut er sich mittags, welcher Vertiefung
er sich abends erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er
sich abends. Gleichwie etwa, Bruder Moggallāno, ein König oder
ein Fürst aus einer Truhe voller verschiedenfarbiger Gewänder 219
gerade das Gewand für den Morgen auswählen würde, das er
morgens tragen will, gerade das Gewand für den Mittag auswählen
würde, das er mittags tragen will, gerade das Gewand für den
Abend auswählen würde, das er abends tragen will: ebenso auch,
Bruder Moggallāno, hat ein Mönch das Herz in seiner Gewalt und
nicht ist er in der Gewalt des Herzens. Welcher Vertiefung er
sich morgens erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich
morgens, welcher Vertiefung er sich mittags erfreuen will,
dieser Vertiefung erfreut er sich mittags, welcher Vertiefung
er sich abends erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er
sich abends. Ein solcher Mönch, Bruder Moggallāno, mag dem
Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.‘«
»Gut, gut, Moggallāno, wie es eben Sāriputto recht beantworten
kann. Denn Sāriputto, Moggallāno, hat das Herz in seiner Gewalt
und nicht ist er in der Gewalt des Herzens. Welcher Vertiefung
er sich morgens erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er
sich morgens, welcher Vertiefung er sich mittags erfreuen
will, dieser Vertiefung erfreut er sich mittags, welcher
Vertiefung er sich abends erfreuen will, dieser Vertiefung
erfreut er sich abends.«
* * * * *
Nach diesen Worten sprach der ehrwürdige Sāriputto zum
Erhabenen also:
»Wer hat nun wohlgesprochen, o Herr?«
»Alle habt ihr wohlgesprochen, Sāriputto, der Reihe nach. Und
nun hört auch von mir, was für ein Mönch dem Gosiṉgam-Walde
Glanz verleihen mag. Da setzt sich, Sāriputto, ein Mönch nach
dem Mahle, wenn er vom Almosengange zurückgekehrt ist, mit
verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade aufgerichtet,
und pflegt der Einsicht: ›Nicht eher will ich von hier
aufstehn, als bis ich ohne anzuhangen das Herz vom Wahn erlöst
habe.‹ Ein solcher Mönch, Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde
Glanz verleihen.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene
Ehrwürdigen über das Wort des Erhabenen.
33.
Vierter Theil Dritte Rede
DER RINDERHIRT
-- I --
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 220
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort
nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«
-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen
aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Elf Eigenschaften, ihr Mönche, machen es einem Rinderhirten
unmöglich seine Heerde zu hüten, zum Gedeihen zu bringen;
welche elf? Da ist, ihr Mönche, ein Rinderhirt der Leibesart
unkundig, versteht nicht die Lebensweise, verscheucht nicht das
Schädliche, verbindet nicht Wunden, macht kein Feuer an, kennt
keine Furth, kennt keine Quelle, kennt keinen Steig, kennt
keine Weide, er melkt übermäßig, und den Stieren, den Vätern
der Heerde, den Führern der Heerde, denen schenkt er keine
besondere Aufmerksamkeit.
»Diese elf Eigenschaften, ihr Mönche, machen es einem
Rinderhirten unmöglich seine Heerde zu hüten, zum Gedeihen zu
bringen.
»Ebenso nun auch, ihr Mönche, machen es elf Eigenschaften einem
Mönch unmöglich in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen,
zur Reife und Entfaltung zu gelangen; welche elf? Da ist,
ihr Mönche, ein Mönch der Leibesart unkundig, versteht nicht
die Lebensweise, verscheucht nicht das Schädliche, verbindet
nicht Wunden, macht kein Feuer an, kennt keine Furth, kennt
keine Quelle, kennt keinen Steig, kennt keine Weide, er melkt
übermäßig, und den Mönchen, den Oberen, den Bejahrten, den im
Asketenthume Ergrauten, den Vätern des Ordens, den Führern des
Ordens, denen schenkt er keine besondere Aufmerksamkeit.
»Wie aber, ihr Mönche, ist ein Mönch der Leibesart unkundig?
Da betrachtet, ihr Mönche, ein Mönch alles Körperliche, die
gesammte Körperlichkeit, die vier Hauptstoffe und was durch
die vier Hauptstoffe besteht, nicht der Wahrheit gemäß als
körperlich. Also, ihr Mönche, ist ein Mönch der Leibesart
unkundig. Und wie, ihr Mönche, versteht ein Mönch nicht die
Lebensweise? Da erkennt, ihr Mönche, ein Mönch nicht der
Wahrheit gemäß: die That zeigt mir den Thoren, die That zeigt
mir den Weisen. Also, ihr Mönche, versteht ein Mönch nicht
die Lebensweise. Und wie, ihr Mönche, verscheucht ein Mönch
nicht das Schädliche? Da giebt, ihr Mönche, ein Mönch einem
aufgestiegenen Wunschgedanken Raum, verwirft ihn nicht,
vertreibt ihn nicht, vertilgt ihn nicht, vernichtet ihn nicht;
einem aufgestiegenen Hassgedanken, einem aufgestiegenen
Wuthgedanken und anderen aufgestiegenen bösen, schlechten
Gedanken giebt er Raum, verwirft sie nicht, vertreibt sie 221
nicht, vertilgt sie nicht, vernichtet sie nicht. Also, ihr
Mönche, verscheucht ein Mönch nicht das Schädliche. Und wie,
ihr Mönche, verbindet ein Mönch nicht Wunden? Wenn da, ihr
Mönche, ein Mönch mit dem Gesicht eine Form erblickt hat, fasst
er Neigung, fasst er Absicht. Obgleich Begierde und Missmuth,
böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der
unbewachten Gesichtes verweilt, befleißigt er sich dieser
Bewachung nicht, hütet nicht das Gesicht, wacht nicht eifrig
über das Gesicht. Wenn er mit dem Gehör einen Ton gehört, mit
dem Geruch einen Duft gerochen, mit dem Geschmack einen
Saft geschmeckt, mit dem Getast eine Tastung getastet, mit
dem Gedenken ein Ding gedacht hat, fasst er Neigung, fasst er
Absicht. Obgleich Begierde und Missmuth, böse und schlechte
Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gedenkens
verweilt, befleißigt er sich dieser Bewachung nicht, hütet
nicht das Gedenken, wacht nicht eifrig über das Gedenken. Also,
ihr Mönche, verbindet ein Mönch nicht Wunden. Und wie, ihr
Mönche, macht ein Mönch kein Feuer an? Da zeigt, ihr Mönche,
ein Mönch nicht den anderen die Lehre, weithin sichtbar, wie
er sie gehört und aufgefasst hat. Also, ihr Mönche, macht ein
Mönch kein Feuer an. Und wie, ihr Mönche, kennt ein Mönch keine
Furth? Da sucht, ihr Mönche, ein Mönch nicht von Zeit zu Zeit
jene Mönche auf, die viel gehört haben und wissen, die Hüter
der Lehre, die Hüter der Ordnung, die Hüter der Regel, fragt
nicht, erkundigt sich nicht: ›Wie ist das, o Herr, was ist der
Sinn davon?‹ Und so eröffnen ihm jene Ehrwürdigen nicht das
Uneröffnete, klären das Unaufgeklärte nicht auf, lösen nicht
den Zweifel über Dinge, die vielfach bezweifelbar sind. Also,
ihr Mönche, kennt ein Mönch keine Furth. Und wie, ihr Mönche,
kennt ein Mönch keine Quelle? Da gelangt, ihr Mönche, ein
Mönch bei der Darlegung der Lehre und Ordnung des Vollendeten
nicht zum Verständniss des Sinnes, nicht zum Verständnis der
Lehre, nicht zum Genusse der Lehre. Also, ihr Mönche, kennt
ein Mönch keine Quelle. Und wie, ihr Mönche, kennt ein Mönch
keinen Steig? Da erkennt, ihr Mönche, ein Mönch den heiligen
achtfältigen Weg nicht der Wahrheit gemäß. Also, ihr Mönche,
kennt ein Mönch keinen Steig. Und wie, ihr Mönche, kennt ein
Mönch keine Weide? Da kennt, ihr Mönche, ein Mönch die Vier
Pfeiler der Einsicht nicht der Wahrheit gemäß. Also, ihr
Mönche, kennt ein Mönch keine Weide. Und wie, ihr Mönche, melkt 222
ein Mönch übermäßig? Da laden, ihr Mönche, gläubige Hausväter
einen Mönch ein, sich Kleidung, Almosenspeise, Lagerstatt und
Arzeneien für den Fall einer Krankheit auszuwählen, und der
Mönch kennt kein Maaß im Annehmen. Also, ihr Mönche, melkt
ein Mönch übermäßig. Und wie, ihr Mönche, schenkt ein Mönch
jenen Mönchen, den Oberen, den Bejahrten, den im Asketenthume
Ergrauten, den Vätern des Ordens, den Führern des Ordens, keine
besondere Aufmerksamkeit? Da dient, ihr Mönche, ein Mönch
jenen Mönchen, den Oberen, den Bejahrten, den im Asketenthume
Ergrauten, den Vätern des Ordens, den Führern des Ordens,
weder mit liebevoller That, so offen als verborgen, noch mit
liebevollem Wort, so offen als verborgen, noch mit liebevoller
Gesinnung, so offen als verborgen. Also, ihr Mönche, schenkt
ein Mönch jenen Mönchen, den Oberen, den Bejahrten, den im
Asketenthume Ergrauten, den Vätern des Ordens, den Führern des
Ordens, keine besondere Aufmerksamkeit.
»Diese elf Eigenschaften, ihr Mönche, machen es einem Mönch
unmöglich in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife
und Entfaltung zu gelangen.
»Elf Eigenschaften, ihr Mönche, machen es einem Rinderhirten
möglich seine Heerde zu hüten, zum Gedeihen zu bringen; welche
elf? Da ist, ihr Mönche, ein Rinderhirt der Leibesart kundig,
versteht die Lebensweise, verscheucht das Schädliche, verbindet
Wunden, macht Feuer an, kennt die Furth, kennt die Quelle,
kennt den Steig, kennt die Weide, er lässt noch Milch im Euter,
und den Stieren, den Vätern der Heerde, den Führern der
Heerde, denen schenkt er besondere Aufmerksamkeit.
»Diese elf Eigenschaften, ihr Mönche, machen es einem
Rinderhirten möglich seine Heerde zu hüten, zum Gedeihen zu
bringen.
»Ebenso nun auch, ihr Mönche, machen es elf Eigenschaften
einem Mönch möglich in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen,
zur Reife und Entfaltung zu gelangen; welche elf? Da ist,
ihr Mönche, ein Mönch der Leibesart kundig, versteht die
Lebensweise, verscheucht das Schädliche, verbindet Wunden,
macht Feuer an, kennt die Furth, kennt die Quelle, kennt den
Steig, kennt die Weide, er lässt noch Milch im Euter, und
den Mönchen, den Oberen, den Bejahrten, den im Asketenthume
Ergrauten, den Vätern des Ordens, den Führern des Ordens, denen
schenkt er besondere Aufmerksamkeit.