»Weiter sodann, Brāhmane: nach Verwerfung der Freuden und

Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns

erreicht der Mönch die Weihe der leidlosen, freudlosen,

gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte

Schauung.

»Das aber, Brāhmane, ist ein Ding höher und herrlicher als die

Wissensklarheit.

»Weiter sodann, Brāhmane: nach völliger Ueberwindung der

Formwahrnehmungen, Vernichtung der Gegenwahrnehmungen,

Verwerfung der Vielheitwahrnehmungen gewinnt der Mönch in dem

Gedanken ›Gränzenlos ist der Raum‹ das Reich des unbegränzten

Raumes.

»Das aber, Brāhmane, ist ein Ding höher und herrlicher als die

Wissensklarheit.

»Weiter sodann, Brāhmane: nach völliger Ueberwindung der

unbegränzten Raumsphäre gewinnt der Mönch in dem Gedanken

›Gränzenlos ist das Bewusstsein‹ das Reich des unbegränzten

Bewusstseins.

»Das aber, Brāhmane, ist ein Ding höher und herrlicher als die

Wissensklarheit.

»Weiter sodann, Brāhmane: nach völliger Ueberwindung der

unbegränzten Bewusstseinsphäre gewinnt der Mönch in dem

Gedanken ›Nichts ist da‹ das Reich des Nichtdaseins.

»Das aber, Brāhmane, ist ein Ding höher und herrlicher als die

Wissensklarheit.

»Weiter sodann, Brāhmane: nach völliger Ueberwindung der

Nichtdaseinsphäre erreicht der Mönch die Gränzscheide möglicher

Wahrnehmung.

»Das aber, Brāhmane, ist ein Ding höher und herrlicher als die

Wissensklarheit.

»Weiter sodann, Brāhmane: nach völliger Ueberwindung der

Gränzscheide möglicher Wahrnehmung erreicht der Mönch die

Auflösung der Wahrnehmbarkeit, und des weise Sehenden Wahn ist

aufgehoben.

»Das aber, Brāhmane, ist ein Ding höher und herrlicher als die

Wissensklarheit.

»Das sind die Dinge, Brāhmane, die höher und herrlicher sind

als die Wissensklarheit.[25]

»Wie jener Mann, Brāhmane, der Kernholz begehrt, Kernholz

sucht, auf Kernholz ausgeht und gerade das Kernholz eines

großen, kernig dastehenden Baumes heraussägt, mitnimmt und

in der Erkenntniss ›Das ist Kernholz‹ fortgeht -- und was aus

dessen Kerne als Kern gewinnbar ist, das wird seinem Zwecke

entsprechen --: so erscheint mir, Brāhmane, ein solcher.

»Und so ist der Gewinn des Asketenthums, Brāhmane, nicht

Almosen, Ehre und Ruhm, nicht Ordenstugend, nicht Glück der

Selbstvertiefung, nicht Wissensklarheit. Jene unerschütterliche

Gemütherlösung aber, Brāhmane, das ist der Zweck, dies,

Brāhmane, ist das Asketenthum, das ist der Kern, das ist das

Ziel.«

* * * * *

Nach diesen Worten sprach der Brāhmane Piṉgalakoccho zum

Erhabenen also:

»Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Gleichwie

etwa, o Gotamo, als ob einer Umgestürztes aufstellte, oder

Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht

in die Finsterniss brächte: ›Wer Augen hat wird die Dinge

sehn‹: ebenso auch hat Herr Gotamo die Lehre auf manigfaltige

Weise dargelegt. Und so nehm’ ich bei Herrn Gotamo Zuflucht,

bei der Lehre und bei der Jüngerschaft, als Anhänger soll mich

Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«

VIERTER THEIL

ERSTES BUCH DER PAARE

31.

Vierter Theil Erste Rede

IM GOSIṈGAM-WALDE.

-- I --

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei

Nādikā, in der Steinernen Einsiedelei. Um diese Zeit aber

weilte der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo und der

ehrwürdige Kimbilo im Forste des Gosiṉgam-Waldes. Als nun der

Erhabene gegen Abend die Gedenkensruhe beendet hatte, begab

er sich zum Forste des Gosiṉgam-Waldes. Da sah ein Waldhüter

den Erhabenen von ferne herankommen, und als er den Erhabenen

gesehn sprach er also zu ihm:

»Gehe nicht in diesen Forst, o Asket: drei edle Jünglinge

weilen hier, die selbstzufrieden scheinen, störe sie nicht!«

Der ehrwürdige Anuruddho hörte aber des Waldhüters Gespräch

mit dem Erhabenen, und als er es gehört sprach er also zum

Waldhüter:

»Wehre nicht, Bruder Waldhüter, dem Erhabenen: unser Meister,

der Erhabene ist gekommen.«

Und der ehrwürdige Anuruddho begab sich nun zum ehrwürdigen

Nandiyo und zum ehrwürdigen Kimbilo und sprach hierauf also zu

ihnen:

»Kommt herbei, ihr Brüder, kommt herbei, ihr Brüder: unser

Meister, der Erhabene ist da.«

Und der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo und 206

der ehrwürdige Kimbilo gingen nun dem Erhabenen entgegen.

Einer nahm dem Erhabenen Mantel und Almosenschaale ab,

einer bereitete einen Sitz zurecht, einer brachte Wasser

zur Fußwaschung herbei. Es setzte sich der Erhabene auf den

dargebotenen Sitz, und als er saß spülte er sich die Füße

ab. Jene Ehrwürdigen aber setzten sich, nach des Erhabenen

Begrüßung, zur Seite nieder. Und der Erhabene wandte sich nun

an den ehrwürdigen Anuruddho, der zur Seite saß, und sprach

also:

»Geht es euch, Anuruddher, leidlich, kommt ihr wohl aus, ohne

Mangel an Nahrung?«

»Leidlich, Erhabener, geht es uns, wohl, Erhabener, kommen wir

aus, wir ermangeln, o Herr, nicht der Nahrung.«

»Vertragt ihr euch aber, Anuruddher, einig, ohne Zwist, mild

geworden, und seht euch sanften Auges an?«

»Freilich, o Herr, vertragen wir uns, einig, ohne Zwist, mild

geworden, und sehn uns sanften Auges an.«

»Inwiefern aber, Anuruddher, vertragt ihr euch, einig, ohne

Zwist, mild geworden, und seht euch sanften Auges an?«

»Da gedenk’ ich, o Herr, also: ›Erreicht habe ich’s, wohl

getroffen, fürwahr, der ich mit solchen wahren Asketen vereint

lebe.‹ Und ich Glücklicher, o Herr, diene diesen Ehrwürdigen

mit liebevoller That, so offen als verborgen, mit liebevollem

Wort, so offen als verborgen, mit liebevoller Gesinnung, so

offen als verborgen. Und also verweilend, o Herr, denke ich:

›Wenn ich nun meinen eigenen Willen aufgäbe und mich nur dem

Willen dieser Ehrwürdigen unterwürfe?‹ Und ich habe, o Herr,

meinen eigenen Willen aufgegeben und mich dem Willen dieser

Ehrwürdigen unterworfen. Verschieden, o Herr, sind zwar unsere

Körper, aber ich glaube wir haben nur einen Willen.«

Und der ehrwürdige Nandiyo, und der ehrwürdige Kimbilo sprach

zum Erhabenen:

»Auch ich, o Herr, gedenke also: ›Erreicht habe ich’s wohl

getroffen, fürwahr, der ich mit solchen wahren Asketen vereint

lebe.‹ Und ich Glücklicher, o Herr, diene diesen Ehrwürdigen

mit liebevoller That, so offen als verborgen, mit liebevollem

Wort, so offen als verborgen, mit liebevoller Gesinnung, so

offen als verborgen. Und also verweilend, o Herr, denke ich: 207

›Wenn ich nun meinen eigenen Willen aufgäbe und mich nur dem

Willen dieser Ehrwürdigen unterwürfe?‹ Und ich habe, o Herr,

meinen eigenen Willen aufgegeben und mich dem Willen dieser

Ehrwürdigen unterworfen. Verschieden, o Herr, sind zwar unsere

Körper, aber ich glaube wir haben nur einen Willen.

»Also, o Herr, verweilen wir verträglich, einig, ohne Zwist,

mild geworden, und sehn uns sanften Auges an.«

»Recht so, recht so, Anuruddher. Und verweilt ihr auch ernsten

Sinnes, Anuruddher, eifrig, unermüdlich?«

»Freilich, o Herr, verweilen wir ernsten Sinnes, eifrig,

unermüdlich.«

»Inwiefern aber, Anuruddher, verweilt ihr ernsten Sinnes,

eifrig, unermüdlich?«

»Wer da zuerst von uns, o Herr, vom Almosengang aus dem Dorfe

zurückkehrt, der bereitet die Plätze und setzt Trinkwasser,

Waschwasser und den Spülnapf vor. Wer zuletzt vom Almosengang

aus dem Dorfe zurückkehrt, und es ist noch Speise übrig, und

er verlangt danach, so nimmt er davon; wo nicht, so wirft er

sie fort, auf grasfreien Grund oder in fließendes Wasser.

Dann ordnet er die Sitze, räumt Trinkwasser, Waschwasser und

Spülnapf weg und fegt den Speiseplatz rein. Wer bemerkt,

dass man den Trinknapf oder den Waschkrug oder den Mistkübel

nicht mehr braucht, der stellt ihn gesäubert auf. Wenn er es

allein nicht kann, so winkt er einen Zweiten herbei, und wir

kommen und helfen, ohne dass wir, o Herr, aus solchem Grunde

das Schweigen brächen. Und jeden fünften Tag, o Herr, sitzen

wir die ganze Nacht hindurch in Gesprächen über die Lehre

beisammen. Also, o Herr, verweilen wir ernsten Sinnes, eifrig,

unermüdlich.«

»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher, die

ihr also ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilet, ein

überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«

»Wie denn nicht, o Herr! Da verweilen wir nach Belieben, o

Herr, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen,

in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in

der Weihe der ersten Schauung. Dies, o Herr, ist von uns, den

ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich Verweilenden, errungen

worden, ein überirdisches, reiches Heilthum, sälige Ruhe.«

»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher,

nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes 208

überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«

»Wie denn nicht, o Herr! Da erwirken wir nach Belieben, o

Herr, nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens die innere

Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von

gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die

Weihe der zweiten Schauung. Nach Ersteigung und Ueberwindung

jener Warte, o Herr, erscheint dieses andere überirdische,

reiche Heilthum, sälige Ruhe.«

»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher,

nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes

überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«

»Wie denn nicht, o Herr! Da verweilen wir nach Belieben, o

Herr, in heiterer Ruhe gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst,

ein Glück empfinden wir im Körper, von dem die Heiligen sagen:

›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirken

wir die Weihe der dritten Schauung. Nach Ersteigung und

Ueberwindung jener Warte, o Herr, erscheint dieses andere

überirdische, reiche Heilthum, sälige Ruhe.«

»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher,

nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes

überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«

»Wie denn nicht, o Herr! Da erreichen wir nach Belieben, o

Herr, nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung

des einstigen Frohsinns und Trübsinns die Weihe der leidlosen,

freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die

vierte Schauung. Nach Ersteigung und Ueberwindung jener Warte,

o Herr, erscheint dieses andere überirdische, reiche Heilthum,

sälige Ruhe.«

»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher,

nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes

überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«

»Wie denn nicht, o Herr! Da gewinnen wir nach Belieben, o Herr,

nach völliger Ueberwindung der Formwahrnehmungen, Vernichtung

der Gegenwahrnehmungen, Verwerfung der Vielheitwahrnehmungen

in dem Gedanken ›Gränzenlos ist der Raum‹ das Reich des

unbegränzten Raumes. Nach Ersteigung und Ueberwindung jener 209

Warte, o Herr, erscheint dieses andere überirdische, reiche

Heilthum, sälige Ruhe.«

»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher,

nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes

überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«

»Wie denn nicht, o Herr! Da gewinnen wir nach Belieben, o

Herr, nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Raumsphäre

in dem Gedanken ›Gränzenlos ist das Bewusstsein‹ das Reich des

unbegränzten Bewusstseins. Nach Ersteigung und Ueberwindung

jener Warte, o Herr, erscheint dieses andere überirdische,

reiche Heilthum, sälige Ruhe.«

»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher,

nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes

überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«

»Wie denn nicht, o Herr! Da gewinnen wir nach Belieben,

o Herr, nach völliger Ueberwindung der unbegränzten

Bewusstseinsphäre in dem Gedanken ›Nichts ist da‹ das Reich des

Nichtdaseins. Nach Ersteigung und Ueberwindung jener Warte, o

Herr, erscheint dieses andere überirdische, reiche Heilthum,

sälige Ruhe.«

»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher,

nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes

überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«

»Wie denn nicht, o Herr! Da erreichen wir nach Belieben, o

Herr, nach völliger Ueberwindung der Nichtdaseinsphäre die

Gränzscheide möglicher Wahrnehmung. Nach Ersteigung und

Ueberwindung jener Warte, o Herr, erscheint dieses andere

überirdische, reiche Heilthum, sälige Ruhe.«

»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher,

nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes

überirdisches, reiches Heilthum der Wissensklarheit errungen,

sälige Ruhe?«

»Wie denn nicht, o Herr! Da erreichen wir nach Belieben, o

Herr, nach völliger Ueberwindung der Gränzscheide möglicher

Wahrnehmung die Auflösung der Wahrnehmbarkeit, und der weise

Sehenden Wahn ist aufgehoben. Nach Ersteigung und Ueberwindung

jener Warte, o Herr, erscheint dieses andere überirdische,

reiche Heilthum der Wissensklarheit, sälige Ruhe. Und eine

andere sälige Ruhe, höher oder herrlicher als diese, o Herr,

kennen wir nicht.«

»Recht so, recht so, Anuruddher. Eine andere sälige Ruhe, höher

oder herrlicher als diese, Anuruddher, giebt es nicht.«

Als nun der Erhabene den ehrwürdigen Anuruddho, den ehrwürdigen

Nandiyo und den ehrwürdigen Kimbilo in lehrreichem Gespräche

ermuntert, ermuthigt, erregt und erheitert hatte, stand er von

seinem Sitze auf und ging fort. Der ehrwürdige Anuruddho, der

ehrwürdige Nandiyo und der ehrwürdige Kimbilo gaben nun dem

Erhabenen das Geleite und kehrten dann wieder zurück. Da wandte

sich der ehrwürdige Nandiyo und der ehrwürdige Kimbilo an den 210

ehrwürdigen Anuruddho:

»Wie ist es doch? Haben wir dem ehrwürdigen Anuruddho

gesagt: ›Dieser und jener Heilstufen erfreuen wir uns‹, da

uns der ehrwürdige Anuruddho vor dem Erhabenen als bis zur

Wahnversiegung gelangt dargestellt hat?«

»Nein, wahrlich, die Ehrwürdigen haben mir nicht gesagt:

›Dieser und jener Heilstufen erfreuen wir uns‹, aber ich habe

es im Herzen der Ehrwürdigen gelesen und gesehn: ›Dieser und

jener Heilstufen erfreuen sich diese Ehrwürdigen.‹ Und auch

Gottheiten haben es mir gesagt: ›Dieser und jener Heilstufen

erfreuen sich diese Ehrwürdigen.‹ Den Fragen des Erhabenen

gemäß hab’ ich geantwortet.«

Da nun begab sich Dīgho, ein Fremder, ein Geist, dorthin wo der

Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und stellte

sich seitwärts hin. Seitwärts stehend sprach nun Dīgho, der

Fremde, der Geist, zum Erhabenen also:

»Gesegnet sind die Vajjīner, o Herr, hochgesegnet das

Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen

Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige

Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«

Die Stimme Dīghos, des Fremden, des Geistes, vernehmend hallten

die Stimmen der Erdgötter wieder:

»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das

Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen

Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho,

der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«

Die Stimmen der Erdgötter vernehmend hallten die Stimmen der

Götter der Vier großen Könige wieder:

»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das

Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen

Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho,

der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«

Die Stimmen der Götter der Vier großen Könige vernehmend

hallten die Stimmen der Dreiunddreißig Götter wieder:

»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das

Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen

Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho,

der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«

Die Stimmen der Dreiunddreißig Götter vernehmend hallten die

Stimmen der Schattengötter wieder:

»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das

Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen

Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho,

der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«

Die Stimmen der Schattengötter vernehmend hallten die Stimmen

der Säligen Götter wieder:

»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das

Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen

Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho,

der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«

Die Stimmen der Säligen Götter vernehmend hallten die Stimmen

der Götter der unbeschränkten Freude wieder:

»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das

Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen

Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho,

der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«

Die Stimmen der Götter der unbeschränkten Freude vernehmend

hallten die Stimmen der Jenseit der unbeschränkten Freude

weilenden Götter wieder:

»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das

Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen

Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho,

der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«

Die Stimmen der Jenseit der unbeschränkten Freude weilenden

Götter vernehmend hallten die Stimmen der Götter der Brahmawelt

wieder:

»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das

Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen

Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho,

der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«

So waren da jene Ehrwürdigen in einem Augenblick, in einem Nu

bis in die Brahmawelt wahrgenommen worden.

* * * * *

»So ist es, Dīgho, so ist es, Dīgho. Wenn die Familie,

Dīgho, aus der jene edlen drei Söhne vom Hause fort in die

Hauslosigkeit hinausgezogen sind, jener edlen drei Söhne in

Liebe gedächte, so gereicht’ es auch ihr lange zum Wohle, zum

Heile. Wenn der Familienkreis, Dīgho, aus dem jene edlen drei

Söhne vom Hause fort in die Hauslosigkeit hinausgezogen sind,

jener edlen drei Söhne in Liebe gedächte, so gereicht’ es auch 211

ihm lange zum Wohle, zum Heile. Wenn das Dorf, Dīgho, aus dem

jene edlen drei Söhne vom Hause fort in die Hauslosigkeit

hinausgezogen sind, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächte,

so gereicht’ es auch ihm lange zum Wohle, zum Heile. Wenn die

Stadt, Dīgho, aus der jene edlen drei Söhne vom Hause fort in

die Hauslosigkeit hinausgezogen sind, jener edlen drei Söhne

in Liebe gedächte, so gereicht’ es auch ihr lange zum Wohle,

zum Heile. Wenn die Hauptstadt, Dīgho, aus der jene edlen drei

Söhne vom Hause fort in die Hauslosigkeit hinausgezogen sind,

jener edlen drei Söhne in Liebe gedächte, so gereicht’ es auch

ihr lange zum Wohle, zum Heile. Wenn das Land, Dīgho, aus dem

jene edlen drei Söhne vom Hause fort in die Hauslosigkeit

hinausgezogen sind, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächte,

so gereicht’ es auch ihm lange zum Wohle, zum Heile. Wenn

auch alle Adeligen, Dīgho, jener edlen drei Söhne in Liebe

gedächten, so gereicht’ es jedem von ihnen lange zum Wohle,

zum Heile. Wenn auch alle Geistlichen, Dīgho, jener edlen

drei Söhne in Liebe gedächten, so gereicht’ es jedem von ihnen

lange zum Wohle, zum Heile. Wenn auch alle Bürgerlichen, Dīgho,

jener edlen drei Söhne in Liebe gedächten, so gereicht’ es

jedem von ihnen lange zum Wohle, zum Heile. Wenn auch alle

Dienenden, Dīgho, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächten,

so gereicht’ es jedem von ihnen lange zum Wohle, zum Heile.

Wenn selbst die Welt, Dīgho, mit ihren Göttern, ihren bösen und

heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Büßern und Priestern,

Göttern und Menschen, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächte,

so gereicht’ es selbst der Welt, mit ihren Göttern, ihren

bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Büßern und

Priestern, Göttern und Menschen, lange zum Wohle, zum Heile.

»Siehe, Dīgho, wie weit jene edlen drei Söhne vielen zum Wohle,

vielen zum Heile wirken, aus Erbarmen zur Welt: zum Nutzen,

Wohle und Heile für Götter und Menschen.«

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich Dīgho, der

Fremde, der Geist, über das Wort des Erhabenen.

32.

Vierter Theil Zweite Rede

IM GOSIṈGAM-WALDE

-- II --

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im 212

Forste des Gosiṉgam-Waldes, mit gar manchen wohlbekannten

Oberen, wohl bekannten Jüngern, mit dem ehrwürdigen

Sāriputto und dem ehrwürdigen Mahāmoggallāno, mit dem

ehrwürdigen Mahākassapo und dem ehrwürdigen Anuruddho, mit

dem ehrwürdigen Revato und dem ehrwürdigen Ānando und mit

anderen wohlbekannten Oberen, wohlbekannten Jüngern zusammen.

Als nun der ehrwürdige Mahāmoggallāno gegen Abend die

Gedenkensruhe beendet hatte, begab er sich dorthin wo der

ehrwürdige Mahākassapo weilte, und sprach zum ehrwürdigen

Mahākassapo also:

»Komm’, Bruder Kassapo, lass’ uns zum ehrwürdigen Sāriputto

gehn, die Lehre zu hören.«

»Gern, Bruder«, erwiderte der ehrwürdige Mahākassapo dem

ehrwürdigen Mahāmoggallāno.

Und der ehrwürdige Mahāmoggallāno und der ehrwürdige

Mahākassapo wie auch der ehrwürdige Anuruddho begaben sich nun

dorthin wo der ehrwürdige Sāriputto weilte, die Lehre zu hören.

Der ehrwürdige Ānando aber erblickte diese Ehrwürdigen, wie sie

sich zum ehrwürdigen Sāriputto begaben, die Lehre zu hören, und

nachdem er sie gesehn ging er zum ehrwürdigen Revato und sprach

also zu ihm:

»Es begeben sich, Bruder Revato, jene Edlen dorthin wo der

ehrwürdige Sāriputto weilt, die Lehre zu hören; komm’, Bruder

Revato, lass’ uns zum ehrwürdigen Sāriputto gehn, die Lehre zu

hören.«

»Gern, Bruder«, erwiderte der ehrwürdige Revato dem ehrwürdigen

Ānando.

Und der ehrwürdige Revato und der ehrwürdige Ānando begaben

sich nun dorthin wo der ehrwürdige Sāriputto weilte, die Lehre

zu hören.

Da sah der ehrwürdige Sāriputto den ehrwürdigen Revato und den

ehrwürdigen Ānando von ferne herankommen, und nachdem er sie

gesehn sprach er zum ehrwürdigen Ānando also:

»Willkommen sei der ehrwürdige Ānando, gegrüßt der ehrwürdige

Ānando, der des Erhabenen wartet, dem Erhabenen nahe ist.

Entzückend, Bruder Ānando, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die

klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische

Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Ānando,

mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?« 213

»Da hat, Bruder Sāriputto, ein Mönch viel gehört, ist Behälter

des Wortes, Hort des Wortes der Lehre; und was da am Anfang

begütigt, in der Mitte begütigt, am Ende begütigt und sinn-

und wortgetreu das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum

überliefert: das kennt er, behält er, beherrscht er mit

der Rede, bewahrt es im Gedächtnis, hat es von Grund aus

verstanden. Er legt den vier Arten von Hörern[26] die Lehre

dar, im Ganzen, im Einzelnen und im Zusammenhang, zur völligen

Wunschesvertilgung. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag

dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.«

Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Sāriputto an den

ehrwürdigen Revato:

»Der ehrwürdige Ānando, Bruder Revato, hat nach seinem

Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Revato:

Entzückend, Bruder Revato, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die

klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische

Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder

Revato, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?«

»Da wird, Bruder Sāriputto, ein Mönch durch die Gedenkensruhe

erquickt und beglückt, erkämpft innigen Geistesfrieden,

widerstrebt nicht der Schauung, gewinnt durchdringenden Blick,

ist ein Freund leerer Klausen. Ein solcher Mönch, Bruder

Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.«

Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Sāriputto an den

ehrwürdigen Anuruddho:

»Der ehrwürdige Revato, Bruder Anuruddho, hat nach seinem

Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen

Anuruddho: Entzückend, Bruder Anuruddho, ist der Gosiṉgam-Wald,

herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe,

himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch,

Bruder Anuruddho, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?«

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, erster Band · 第 26 / 43 段