Kernholz sucht, auf Kernholz ausgeht, gerade über das Kernholz
eines großen, kernig dastehenden Baumes hinaufkletterte,
Grünholz absägte, mitnähme und in dem Gedanken ›Das ist
Kernholz‹ fortginge; den habe ein scharfsehender Mann
beobachtet: ›Dieser liebe Mann kennt wahrlich weder das
Kernholz, noch das Grünholz, weder die Rinde, noch das Geäst,
noch das Laubgezweig; daher ist nun dieser liebe Mann, der
Kernholz begehrt, Kernholz sucht, auf Kernholz ausgeht, gerade
über das Kernholz des großen, kernig dastehenden Baumes
hinaufgeklettert, hat Grünholz abgesägt, mitgenommen und ist
in der Meinung, dies wäre Kernholz, fortgegangen; was aber aus
dessen Kerne als Kern gewinnbar ist, das wird seinem Zwecke
nicht entsprechen‹:
»Ebenso nun auch, ihr Mönche, ist da ein edler Sohn von 196
Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit
gewandert: ›Versunken bin ich in Geburt, in Altern und Sterben,
in Wehe, Jammer und Leiden, in Gram und Verzweiflung, in Leiden
versunken, in Leiden verloren! O dass es doch etwa möglich wäre
dieser ganzen Leidensfülle ein Ende zu machen!‹ Mit solcher
Gesinnung hat er der Welt entsagt und erlangt Almosen, Ehre
und Ruhm. Diese Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm erfreut
ihn nicht, macht ihn nicht voller Willensregungen. Durch diese
Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm wird er nicht hochfahrend,
verachtet nicht die anderen. Durch diese Erlangung von Almosen,
Ehre und Ruhm wird er nicht berauscht, wird nicht nachlässig,
wird nicht leichtsinnig, und der ernsten Sinnes Strebende
erkämpft sich die Ordenstugenden. Durch diese Ordenstugenden
wird er erfreut, aber nicht voller Willensregungen. Diese
Ordenstugenden machen ihn nicht hochfahrend, lassen ihn die
anderen nicht verachten. Diese Ordenstugenden berauschen ihn
nicht, machen ihn nicht nachlässig, nicht leichtsinnig und
der ernsten Sinnes Strebende erkämpft sich das Glück der
Selbstvertiefung. Durch dieses Glück der Selbstvertiefung wird
er erfreut, aber nicht voller Willensregungen. Dieses Glück
der Selbstvertiefung macht ihn nicht hochfahrend, lässt ihn
die anderen nicht verachten. Dieses Glück der Selbstvertiefung
berauscht ihn nicht, macht ihn nicht nachlässig, nicht
leichtsinnig, und der ernsten Sinnes Strebende erkämpft sich
die Wissensklarheit. Diese Wissensklarheit erfreut ihn, und
er wird voller Willensregungen. Diese Wissensklarheit macht
ihn hochfahrend, lässt ihn die anderen verachten: ›Ich bin
klarwissend, diese anderen Mönche aber sind unwissend, unklar.‹
Diese Wissensklarheit berauscht ihn, macht ihn nachlässig,
leichtsinnig, und den Leichtsinnigen trifft Leiden.
»Ein solcher, ihr Mönche, wird ein Mönch genannt, der das
Grünholz des Asketenthums an sich genommen hat und sich damit
begnügt.
»Da ist ferner, ihr Mönche, ein edler Sohn von Zuversicht
bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert:
›Versunken bin ich in Geburt, in Altern und Sterben, in
Wehe, Jammer und Leiden, in Gram und Verzweiflung, in Leiden
versunken, in Leiden verloren! O dass es doch etwa möglich wäre
dieser ganzen Leidensfülle ein Ende zu machen!‹ Mit solcher
Gesinnung hat er der Welt entsagt und erlangt Almosen, Ehre
und Ruhm. Diese Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm erfreut
ihn nicht, macht ihn nicht voller Willensregungen. Durch diese
Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm wird er nicht hochfahrend,
verachtet nicht die anderen. Durch diese Erlangung von Almosen,
Ehre und Ruhm wird er nicht berauscht, wird nicht nachlässig,
wird nicht leichtsinnig, und der ernsten Sinnes Strebende
erkämpft sich die Ordenstugenden. Durch diese Ordenstugenden
wird er erfreut, aber nicht voller Willensregungen. Diese
Ordenstugenden machen ihn nicht hochfahrend, lassen ihn die
anderen nicht verachten. Diese Ordenstugenden berauschen ihn
nicht, machen ihn nicht nachlässig, nicht leichtsinnig, und
der ernsten Sinnes Strebende erkämpft sich das Glück der
Selbstvertiefung. Durch dieses Glück der Selbstvertiefung wird
er erfreut, aber nicht voller Willensregungen. Dieses Glück
der Selbstvertiefung macht ihn nicht hochfahrend, lässt ihn
die anderen nicht verachten. Dieses Glück der Selbstvertiefung
berauscht ihn nicht, macht ihn nicht nachlässig, nicht
leichtsinnig, und der ernsten Sinnes Strebende erkämpft
sich die Wissensklarheit. Durch diese Wissensklarheit
wird er erfreut, aber nicht voller Willensregungen. Diese
Wissensklarheit macht ihn nicht hochfahrend, lässt ihn die
anderen nicht verachten. Diese Wissensklarheit berauscht ihn
nicht, macht ihn nicht nachlässig, nicht leichtsinnig, und
der ernsten Sinnes Strebende erkämpft sich eine zeitliche
Erlösung. Aber es ist möglich, ihr Mönche, dass dieser Mönch
der zeitlichen Erlösung verlustig gehe.
»Gleichwie, ihr Mönche, wenn ein Mann, der Kernholz begehrt,
Kernholz sucht, auf Kernholz ausgeht, gerade das Kernholz
eines großen, kernig dastehenden Baumes heraussägte, mitnähme
und in der Erkenntniss ›Das ist Kernholz‹ fortginge; den habe
ein scharfsehender Mann beobachtet: ›Dieser liebe Mann kennt
wahrlich das Kernholz, kennt das Grünholz, kennt die Rinde,
kennt das Geäst, kennt das Laubgezweig; daher hat nun dieser
liebe Mann, der Kernholz begehrt, Kernholz sucht, auf Kernholz 197
ausgeht, gerade das Kernholz des großen, kernig dastehenden
Baumes herausgesägt, mitgenommen und ist in der Erkenntniss,
dass dies Kernholz sei, fortgegangen; und was aus dessen Kerne
als Kern gewinnbar ist, das wird seinem Zwecke entsprechen‹:
»Ebenso nun auch, ihr Mönche, ist da ein edler Sohn von
Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit
gewandert: ›Versunken bin ich in Geburt, in Altern und Sterben,
in Wehe, Jammer und Leiden, in Gram und Verzweiflung, in Leiden
versunken, in Leiden verloren! O dass es doch etwa möglich wäre
dieser ganzen Leidensfülle ein Ende zu machen!‹ Mit solcher
Gesinnung hat er der Welt entsagt und erlangt Almosen, Ehre
und Ruhm. Diese Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm erfreut
ihn nicht, macht ihn nicht voller Willensregungen. Durch diese
Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm wird er nicht hochfahrend,
verachtet nicht die anderen. Durch diese Erlangung von Almosen,
Ehre und Ruhm wird er nicht berauscht, wird nicht nachlässig,
wird nicht leichtsinnig, und der ernsten Sinnes Strebende
erkämpft sich die Ordenstugenden. Durch diese Ordenstugenden
wird er erfreut, aber nicht voller Willensregungen. Diese
Ordenstugenden machen ihn nicht hochfahrend, lassen ihn die
anderen nicht verachten. Diese Ordenstugenden berauschen ihn
nicht, machen ihn nicht nachlässig, nicht leichtsinnig, und
der ernsten Sinnes Strebende erkämpft sich das Glück der
Selbstvertiefung. Durch dieses Glück der Selbstvertiefung wird
er erfreut, aber nicht voller Willensregungen. Dieses Glück
der Selbstvertiefung macht ihn nicht hochfahrend, lässt ihn
die anderen nicht verachten. Dieses Glück der Selbstvertiefung
berauscht ihn nicht, macht ihn nicht nachlässig, nicht
leichtsinnig, und der ernsten Sinnes Strebende erkämpft
sich die Wissensklarheit. Durch diese Wissensklarheit
wird er erfreut, aber nicht voller Willensregungen. Diese
Wissensklarheit macht ihn nicht hochfahrend, lässt ihn die
anderen nicht verachten. Diese Wissensklarheit berauscht ihn
nicht, macht ihn nicht nachlässig, nicht leichtsinnig, und der
ernsten Sinnes Strebende erkämpft sich die ewige Erlösung. Und
es ist unmöglich, ihr Mönche, es kann nicht sein, dass dieser
Mönch der ewigen Erlösung verlustig gehe.
»Und so ist der Gewinn des Asketenthums, ihr Mönche, nicht
Almosen, Ehre und Ruhm, nicht Ordenstugend, nicht Glück der
Selbstvertiefung, nicht Wissensklarheit. Jene unerschütterliche
Gemütherlösung aber, ihr Mönche, das ist der Zweck, dies, ihr
Mönche, ist das Asketenthum, das ist der Kern, das ist das
Ziel.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche
über das Wort des Erhabenen.
30.
Dritter Theil Zehnte Rede
DAS GLEICHNISS VOM KERNHOLZ
-- II --
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 198
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Da nun
begab sich der Brāhmane Piṉgalakoccho dorthin wo der Erhabene
weilte, wechselte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige
Worte mit dem Erhabenen und setzte sich zur Seite nieder.
Hierauf nun sprach der Brāhmane Piṉgalakoccho zum Erhabenen
also:
»Die da, o Gotamo, Asketen und Priester sind, von zahlreichen
Jüngern und Anhängern umschaart, Häupter der Schulen, bekannte,
gefeierte Bahnbrecher, die viel bei den Leuten gelten, als wie
Pūraṇo Kassapo, Makkhali Gosālo, Ajito Kesakambalo, Pakudho
Kaccāyano, Sañjayo Belaṭṭhaputto, Nigaṇṭho Nāthaputto[24],
haben alle die, wie ein jeder versichert, verstanden, oder
haben alle eben nichts verstanden? Oder aber haben die einen
verstanden, und die anderen nichts verstanden?«
»Genug, Brāhmane: lass’ es gut sein, ob alle die, wie ein
jeder versichert, verstanden haben, oder ob alle eben nichts
verstanden haben, oder ob etwa die einen verstanden haben, und
die anderen nichts verstanden haben. Die Satzung, Brāhmane,
werd’ ich dir aufweisen; höre zu und achte wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, o Herr!« sagte da aufmerksam der Brāhmane
Piṉgalakoccho zum Erhabenen. Der Erhabene sprach also:
»Gleichwie etwa, Brāhmane, wenn ein Mann, der Kernholz begehrt,
Kernholz sucht, auf Kernholz ausgeht, gerade über das Kernholz
eines großen, kernig dastehenden Baumes hinaufkletterte, über
das Grünholz hinaufkletterte, über die Rinde hinaufkletterte,
über das Geäst hinaufkletterte, einen Blätterzweig abschnitte,
mitnähme und in dem Gedanken ›Das ist Kernholz‹ fortginge: den
habe ein scharfsehender Mann beobachtet: ›Dieser liebe Mann
kennt wahrlich weder das Kernholz, noch das Grünholz, weder
die Rinde, noch das Geäst, noch das Laubgezweig; daher ist
nun dieser liebe Mann, der Kernholz begehrt, Kernholz sucht,
auf Kernholz ausgeht, gerade über das Kernholz des großen,
kernig dastehenden Baumes hinaufgeklettert, über das Grünholz
hinaufgeklettert, über die Rinde hinaufgeklettert, über das
Geäst hinaufgeklettert, hat einen Blätterzweig abgeschnitten,
mitgenommen und ist in der Meinung, dies wäre Kernholz,
fortgegangen; was aber aus dessen Kerne als Kern gewinnbar ist,
das wird seinem Zwecke nicht entsprechen‹:
»Gleichwie, ferner noch, Brāhmane, wenn ein Mann, der Kernholz
begehrt, Kernholz sucht, auf Kernholz ausgeht, gerade
über das Kernholz eines großen, kernig dastehenden Baumes
hinaufkletterte, über das Grünholz hinaufkletterte, über die
Rinde hinaufkletterte, einen Ast abschnitte, mitnähme und 199
in dem Gedanken ›Das ist Kernholz‹ fortginge; den habe ein
scharfsehender Mann beobachtet: ›Dieser liebe Mann kennt
wahrlich weder das Kernholz, noch das Grünholz, weder die
Rinde, noch das Geäst, noch das Laubgezweig; daher ist nun
dieser liebe Mann, der Kernholz begehrt, Kernholz sucht,
auf Kernholz ausgeht, gerade über das Kernholz des großen,
kernig dastehenden Baumes hinaufgeklettert, über das Grünholz
hinaufgeklettert, über die Rinde hinaufgeklettert, hat einen
Ast abgeschnitten, mitgenommen und ist in der Meinung, dies
wäre Kernholz, fortgegangen; was aber aus dessen Kerne als Kern
gewinnbar ist, das wird seinem Zwecke nicht entsprechen‹:
»Gleichwie, ferner noch, Brāhmane, wenn ein Mann, der Kernholz
begehrt, Kernholz sucht, auf Kernholz ausgeht, gerade
über das Kernholz eines großen, kernig dastehenden Baumes
hinaufkletterte, über das Grünholz hinaufkletterte, Rinde
wegschnitte, mitnähme und in dem Gedanken ›Das ist Kernholz‹
fortginge; den habe ein scharfsehender Mann beobachtet:
›Dieser liebe Mann kennt wahrlich weder das Kernholz, noch das
Grünholz, weder die Rinde, noch das Geäst, noch das Laubgezweig;
daher ist nun dieser liebe Mann, der Kernholz begehrt, Kernholz
sucht, auf Kernholz ausgeht, gerade über das Kernholz des
großen, kernig dastehenden Baumes hinaufgeklettert, über
das Grünholz hinaufgeklettert, hat Rinde weggeschnitten,
mitgenommen und ist in der Meinung, dies wäre Kernholz,
fortgegangen; was aber aus deren Kerne als Kern gewinnbar ist,
das wird seinem Zwecke nicht entsprechen‹:
»Gleichwie, ferner noch, Brāhmane, wenn ein Mann, der
Kernholz begehrt, Kernholz sucht, auf Kernholz ausgeht,
gerade über das Kernholz eines großen, kernig dastehenden
Baumes hinaufkletterte, Grünholz absägte, mitnähme und in
dem Gedanken: ›Das ist Kernholz‹ fortginge; den habe ein
scharfsehender Mann beobachtet: ›Dieser liebe Mann kennt
wahrlich weder das Kernholz, noch das Grünholz, weder die
Rinde, noch das Geäst, noch das Laubgezweig; daher ist nun
dieser liebe Mann, der Kernholz begehrt, Kernholz sucht, auf
Kernholz ausgeht, gerade über das Kernholz des großen, kernig
dastehenden Baumes hinaufgeklettert, hat Grünholz abgesägt,
mitgenommen und ist in der Meinung, dies wäre Kernholz,
fortgegangen; was aber aus dessen Kerne als Kern gewinnbar ist,
das wird seinem Zwecke nicht entsprechen‹:
»Gleichwie, ferner noch, Brāhmane, wenn ein Mann, der Kernholz
begehrt, Kernholz sucht, auf Kernholz ausgeht, gerade das
Kernholz eines großen, kernig dastehenden Baumes heraussägte,
mitnähme und in der Erkenntniss ›Das ist Kernholz‹ fortginge;
den habe ein scharfsehender Mann beobachtet: ›Dieser liebe
Mann kennt wahrlich das Kernholz, kennt das Grünholz, kennt
die Rinde, kennt das Geäst, kennt das Laubgezweig; daher hat
nun dieser liebe Mann, der Kernholz begehrt, Kernholz sucht,
auf Kernholz ausgeht, gerade das Kernholz des großen, kernig
dastehenden Baumes herausgesägt, mitgenommen und ist in der 200
Erkenntniss, dass dies Kernholz sei, fortgegangen; und was aus
dessen Kerne als Kern gewinnbar ist, das wird seinem Zwecke
entsprechen‹:
»Ebenso nun auch, Brāhmane, ist da einer von Zuversicht bewogen
aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert: ›Versunken bin
ich in Geburt, in Altern und Sterben, in Wehe, Jammer und
Leiden, in Gram und Verzweiflung, in Leiden versunken, in
Leiden verloren! O dass es doch etwa möglich wäre dieser ganzen
Leidensfülle ein Ende zu machen!‹ Mit solcher Gesinnung hat
er der Welt entsagt und erlangt Almosen, Ehre und Ruhm. Diese
Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm erfreut ihn und er wird
voller Willensregungen. Er brüstet sich dieser Erlangung von
Almosen, Ehre und Ruhm und verachtet die anderen: ›Ich bin
beliebt und berühmt, diese anderen Mönche aber sind unbekannt,
unbedeutend.‹ Jene ferneren Dinge aber, die höher und
herrlicher sind als die Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm,
die Verwirklichung dieser Dinge ersehnt und erkämpft er nicht,
ist bequemlich und schlaff.
»Wie jener Mann, Brāhmane, der Kernholz begehrt, Kernholz
sucht, auf Kernholz ausgeht, aber gerade über das Kernholz
eines großen, kernig dastehenden Baumes hinaufklettert, über
das Grünholz hinaufklettert, über die Rinde hinaufklettert,
über das Geäst hinaufklettert, einen Blätterzweig abschneidet,
mitnimmt und in dem Gedanken ›Das ist Kernholz‹ fortgeht --
doch was aus dessen Kerne als Kern gewinnbar ist, das kann
seinem Zwecke nicht entsprechen --: so erscheint mir, Brāhmane,
ein solcher.
»Da ist ferner, Brāhmane, einer von Zuversicht bewogen aus dem
Hause in die Hauslosigkeit gewandert: ›Versunken bin ich in
Geburt, in Altern und Sterben, in Wehe, Jammer und Leiden, in
Gram und Verzweiflung, in Leiden versunken, in Leiden verloren!
O dass es doch etwa möglich wäre dieser ganzen Leidensfülle
ein Ende zu machen!‹ Mit solcher Gesinnung hat er der Welt
entsagt und erlangt Almosen, Ehre und Ruhm. Diese Erlangung
von Almosen, Ehre und Ruhm erfreut ihn nicht, macht ihn nicht
voller Willensregungen. Er brüstet sich nicht dieser Erlangung
von Almosen, Ehre und Ruhm, verachtet nicht die anderen. Und
jene ferneren Dinge, die höher und herrlicher sind als die
Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm, die Verwirklichung dieser
Dinge ersehnt und erkämpft er, ist nicht bequemlich, nicht
schlaff. Er erkämpft sich die Ordenstugenden. Durch diese
Ordenstugenden wird er erfreut und voller Willensregungen.
Dieser Ordenstugenden brüstet er sich und verachtet die
anderen: ›Ich bin tüchtig, bin rechtschaffen, diese anderen
Mönche aber sind untüchtig, sind Sünder.‹ Jene ferneren Dinge
aber, die höher und herrlicher sind als die Ordenstugenden, die
Verwirklichung dieser Dinge ersehnt und erkämpft er nicht, ist 201
bequemlich und schlaff.
»Wie jener Mann, Brāhmane, der Kernholz begehrt, Kernholz
sucht, auf Kernholz ausgeht, aber gerade über das Kernholz
eines großen, kernig dastehenden Baumes hinaufklettert, über
das Grünholz hinaufklettert, über die Rinde hinaufklettert,
einen Ast abschneidet, mitnimmt und in dem Gedanken ›Das ist
Kernholz‹ fortgeht -- doch was aus dessen Kerne als Kern
gewinnbar ist, das kann seinem Zwecke nicht entsprechen --: so
erscheint mir, Brāhmane, ein solcher.
»Da ist ferner, Brāhmane, einer von Zuversicht bewogen aus
dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert: ›Versunken bin ich
in Geburt, in Altern und Sterben, in Wehe, Jammer und Leiden,
in Gram und Verzweiflung, in Leiden versunken, in Leiden
verloren! O dass es doch etwa möglich wäre dieser ganzen
Leidensfülle ein Ende zu machen!‹ Mit solcher Gesinnung
hat er der Welt entsagt und erlangt Almosen, Ehre und Ruhm.
Diese Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm erfreut ihn nicht,
macht ihn nicht voller Willensregungen. Er brüstet sich
nicht dieser Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm, verachtet
nicht die anderen. Und jene ferneren Dinge, die höher und
herrlicher sind als die Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm,
die Verwirklichung dieser Dinge ersehnt und erkämpft er,
ist nicht bequemlich, nicht schlaff. Er erkämpft sich die
Ordenstugenden. Durch diese Ordenstugenden wird er erfreut,
aber nicht voller Willensregungen. Er brüstet sich nicht dieser
Ordenstugenden, verachtet nicht die anderen. Und jene ferneren
Dinge, die höher und herrlicher sind als die Ordenstugenden,
die Verwirklichung dieser Dinge ersehnt und erkämpft er, ist
nicht bequemlich, nicht schlaff. Er erkämpft sich das Glück
der Selbstvertiefung. Durch dieses Glück der Selbstvertiefung
wird er erfreut und voller Willensregungen. Er brüstet sich
dieses Glücks der Selbstvertiefung, verachtet die anderen: ›Ich
bin vertieft, geeinten Gemüthes, diese anderen Mönche aber
sind nicht vertieft, sind zerfahrenen Gemüthes.‹ Jene ferneren
Dinge aber, die höher und herrlicher sind als das Glück der
Selbstvertiefung, die Verwirklichung dieser Dinge ersehnt und
erkämpft er nicht, ist bequemlich und schlaff.
»Wie jener Mann, Brāhmane, der Kernholz begehrt, Kernholz
sucht, auf Kernholz ausgeht, aber gerade über das Kernholz
eines großen, kernig dastehenden Baumes hinaufklettert, über
das Grünholz hinaufklettert, Rinde abschneidet, mitnimmt und in
dem Gedanken ›Das ist Kernholz‹ fortgeht -- doch was aus deren
Kerne als Kern gewinnbar ist, das kann seinem Zwecke nicht
entsprechen --: so erscheint mir, Brāhmane, ein solcher.
»Da ist ferner, Brāhmane, einer von Zuversicht bewogen aus dem
Hause in die Hauslosigkeit gewandert: ›Versunken bin ich in
Geburt, in Altern und Sterben, in Wehe, Jammer und Leiden, in 202
Gram und Verzweiflung, in Leiden versunken, in Leiden verloren!
O dass es doch etwa möglich wäre dieser ganzen Leidensfülle
ein Ende zu machen!‹ Mit solcher Gesinnung hat er der Welt
entsagt und erlangt Almosen, Ehre und Ruhm. Diese Erlangung
von Almosen, Ehre und Ruhm erfreut ihn nicht, macht ihn nicht
voller Willensregungen. Er brüstet sich nicht dieser Erlangung
von Almosen, Ehre und Ruhm, verachtet nicht die anderen. Und
jene ferneren Dinge, die höher und herrlicher sind als die
Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm, die Verwirklichung
dieser Dinge ersehnt und erkämpft er, ist nicht bequemlich,
nicht schlaff. Er erkämpft sich die Ordenstugenden. Durch
diese Ordenstugenden wird er erfreut, aber nicht voller
Willensregungen. Er brüstet sich nicht dieser Ordenstugenden,
verachtet nicht die anderen. Und jene ferneren Dinge, die höher
und herrlicher sind als die Ordenstugenden, die Verwirklichung
dieser Dinge ersehnt und erkämpft er, ist nicht bequemlich,
nicht schlaff. Er erkämpft sich das Glück der Selbstvertiefung.
Durch dieses Glück der Selbstvertiefung wird er erfreut, aber
nicht voller Willensregungen. Er brüstet sich nicht dieses
Glücks der Selbstvertiefung, verachtet nicht die anderen. Und
jene ferneren Dinge, die höher und herrlicher sind als das
Glück der Selbstvertiefung, die Verwirklichung dieser Dinge
ersehnt und erkämpft er, ist nicht bequemlich, nicht schlaff.
Er erkämpft sich die Wissensklarheit. Diese Wissensklarheit
erfreut ihn, und er wird voller Willensregungen. Er brüstet
sich dieser Wissensklarheit, verachtet die anderen: ›Ich bin
klarwissend, diese anderen Mönche aber sind unwissend, unklar.‹
Jene ferneren Dinge aber, die höher und herrlicher sind als die
Wissensklarheit, die Verwirklichung dieser Dinge ersehnt und
erkämpft er nicht, ist bequemlich und schlaff.
»Wie jener Mann, Brāhmane, der Kernholz begehrt, Kernholz
sucht, auf Kernholz ausgeht, aber gerade über das Kernholz
eines großen, kernig dastehenden Baumes hinaufklettert,
Grünholz absägt, mitnimmt und in dem Gedanken ›Das ist
Kernholz‹ fortgeht -- doch was aus dessen Kerne als Kern
gewinnbar ist, das wird seinem Zwecke nicht entsprechen --: so
erscheint mir, Brāhmane, ein solcher.
»Da ist ferner, Brāhmane, einer von Zuversicht bewogen aus
dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert: ›Versunken bin
ich in Geburt, in Altern und Sterben, in Wehe, Jammer und
Leiden, in Gram und Verzweiflung, in Leiden versunken, in
Leiden verloren! O dass es doch etwa möglich wäre dieser
ganzen Leidensfülle ein Ende zu machen!‹ Mit solcher Gesinnung
hat er der Welt entsagt und erlangt Almosen, Ehre und Ruhm.
Diese Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm erfreut ihn nicht, 203
macht ihn nicht voller Willensregungen. Er brüstet sich
nicht dieser Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm, verachtet
nicht die anderen. Und jene ferneren Dinge, die höher und
herrlicher sind als die Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm,
die Verwirklichung dieser Dinge ersehnt und erkämpft er,
ist nicht bequemlich, nicht schlaff. Er erkämpft sich die
Ordenstugenden. Durch diese Ordenstugenden wird er erfreut,
aber nicht voller Willensregungen. Er brüstet sich nicht dieser
Ordenstugenden, verachtet nicht die anderen. Und jene ferneren
Dinge, die höher und herrlicher sind als die Ordenstugenden,
die Verwirklichung dieser Dinge ersehnt und erkämpft er, ist
nicht bequemlich, nicht schlaff. Er erkämpft sich das Glück
der Selbstvertiefung. Durch dieses Glück der Selbstvertiefung
wird er erfreut, aber nicht voller Willensregungen. Er brüstet
sich nicht dieses Glücks der Selbstvertiefung, verachtet nicht
die anderen. Und jene ferneren Dinge, die höher und herrlicher
sind als das Glück der Selbstvertiefung, die Verwirklichung
dieser Dinge ersehnt und erkämpft er, ist nicht bequemlich,
nicht schlaff. Er erkämpft sich die Wissensklarheit. Durch
diese Wissensklarheit wird er erfreut, aber nicht voller
Willensregungen. Er brüstet sich nicht dieser Wissensklarheit,
verachtet nicht die anderen. Und jene ferneren Dinge, die höher
und herrlicher sind als die Wissensklarheit, die Verwirklichung
dieser Dinge ersehnt und erkämpft er, ist nicht bequemlich,
nicht schlaff.
»Und welche Dinge, Brāhmane, sind höher und herrlicher als die
Wissensklarheit?
»Da erwirkt, Brāhmane, der Mönch, gar fern von Begierden, fern
von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener
säliger Heiterkeit die Weihe der ersten Schauung.
»Das aber, Brāhmane, ist ein Ding höher und herrlicher als die
Wissensklarheit.
»Weiter sodann, Brāhmane: nach Vollendung des Sinnens und
Gedenkens erreicht der Mönch die innere Meeresstille, die
Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in
der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten
Schauung.
»Das aber, Brāhmane, ist ein Ding höher und herrlicher als die
Wissensklarheit.
»Weiter sodann, Brāhmane: in heiterer Ruhe verweilt der Mönch
gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet
er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig
Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der dritten
Schauung.
»Das aber, Brāhmane, ist ein Ding höher und herrlicher als 204
die Wissensklarheit.