»Was ist nun, ihr Brüder, die Feuerart? Die Feuerart mag

innerlich sein oder äußerlich. Was ist aber, Brüder, die

innerliche Feuerart? Was sich innerlich einzeln flammig und

feurig dargestellt hat, als wie wodurch Wärme erzeugt wird,

wodurch man verdaut, wodurch man sich erhitzt, wodurch gekaute

Speise und geschlürfter Trank einer vollkommenen Umwandlung

erliegen, oder was sich irgend sonst noch innerlich einzeln

flammig und feurig dargestellt hat: das nennt man, Brüder,

innerliche Feuerart. Was es nun da an innerlicher Feuerart

und was es an äußerlicher Feuerart giebt, ist Feuerart. Und:

›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein

Selbst‹: so ist das, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener

Weisheit anzusehn. Hat man das also, der Wahrheit gemäß, mit

vollkommener Weisheit erkannt, wird man der Feuerart satt, löst

den Sinn von der Feuerart ab.

»Es giebt, ihr Brüder, eine Zeit, wo die äußeren Feuer rasen,

wo sie ein Dorf verzehren, eine Stadt verzehren, eine Residenz

verzehren, ein Land verzehren, Länder und Reiche verzehren,

wo sie Wiesen und Anger, Wälder und Auen und blühende Gefilde

ergreifen und erst erlöschen, wenn alles ausgebrannt ist. Es

giebt, ihr Brüder, eine Zeit, wo man mit einer Hahnenfeder

oder mit einem Bindfaden Feuer anzuglimmen sucht. Dieser

äußerlichen Feuerart, der so ungeheueren, Vergänglichkeit wird

sich also, ihr Brüder, zeigen, zeigen wird es sich, dass sie

den Gesetzen der Zerstörung, der Auflösung, der Veränderung

unterworfen ist: und von diesem Körper da, der acht Spannen

hoch ist, ein Gemächte des Durstes, von dem gälte vielleicht

›Ich‹ oder ›Mein‹ oder ›Bin‹? Vielmehr ›Nichts ist sein‹ gilt

in Wirklichkeit.

»Wenn da dem Mönche, ihr Brüder, der also des Erwachten, also

der Lehre, also der Jünger gedenkt, der Gleichmuth edler

Standhaftigkeit ausdauert, so ist er beglückt. Insofern aber,

ihr Brüder, hat ein Mönch viel geleistet.

»Was ist nun, Brüder, die Luftart? Die Luftart mag innerlich

sein oder äußerlich. Was ist aber, Brüder, die innerliche

Luftart? Was sich innerlich einzeln flüchtig und luftig

dargestellt hat, als wie die aufsteigenden und die absteigenden

Winde, die Winde des Bauches und Darmes, die Winde, die jedes

Glied durchströmen, die Einathmung und die Ausathmung: dies,

oder was sich irgend sonst noch innerlich einzeln flüchtig

und luftig dargestellt hat, das nennt man, Brüder, innerliche

Luftart. Was es nun da an innerlicher Luftart und was es an

äußerlicher Luftart giebt, ist Luftart. Und: ›Das gehört mir

nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹: so ist

das, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit anzusehn.

Hat man das also, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit

erkannt, wird man der Luftart satt, löst den Sinn von der

Luftart ab.

»Es giebt, ihr Brüder, eine Zeit, wo die äußeren Lüfte rasen, 189

wo sie ein Dorf fortreißen, eine Stadt fortreißen, eine

Residenz fortreißen, ein Land verwehen, Länder und Reiche

verwehen. Es giebt, ihr Brüder, eine Zeit, im letzten Monat

des Sommers, wo man mit einem Palmenwedel, mit einem Fächer

Wind anwehen muss, wo selbst an fließendem Wasser kein Halm

sich regt. Dieser äußerlichen Luftart, der so ungeheueren,

Vergänglichkeit wird sich also, ihr Brüder, zeigen, zeigen wird

es sich, dass sie den Gesetzen der Zerstörung, der Auflösung,

der Veränderung unterworfen ist: und von diesem Körper da, der

acht Spannen hoch ist, ein Gemächte des Durstes, von dem gälte

vielleicht ›Ich‹ oder ›Mein‹ oder ›Bin‹? Vielmehr ›Nichts ist

sein‹ gilt in Wirklichkeit.

»Wenn die Leute, ihr Brüder, einen solchen Mönch tadeln,

verurtheilen, verfolgen, angreifen, so denkt er dabei:

›Entstanden ist mir da dieses Wehegefühl, durch Gehörberührung

hervorgerufen, und es ist bedingt, nicht unbedingt; wodurch

bedingt? Durch Berührung bedingt.‹ Und: ›Die Berührung

ist vergänglich‹ merkt er, ›Das Gefühl ist vergänglich‹

merkt er, ›Die Wahrnehmung ist vergänglich‹ merkt er, ›Die

Unterscheidungen sind vergänglich‹ merkt er, ›Das Bewusstsein

ist vergänglich‹ merkt er. Sein Gemüth, das die Elemente also

zerlegt, erhebt sich, erheitert sich, wird stark und standhaft.

»Wenn die Leute, ihr Brüder, einem solchen Mönche unhöflich,

lieblos, rauh begegnen, ihn mit Fäusten schlagen, mit Steinen

werfen, mit Stöcken prügeln, mit Schwerdtern treffen, so denkt

er dabei: ›So beschaffen ist ja dieser Körper, dass man ihn mit

Fäusten schlagen, mit Steinen werfen, mit Stöcken prügeln,

mit Schwerdtern treffen kann! Und das Wort des Erhabenen im

Gleichniss von der Säge lautet: ‚Wenn auch, ihr Mönche, Räuber

und Mörder mit einer Baumsäge Gelenke und Glieder abtrennten,

so würde wer da in Wuth geriethe nicht meine Weisung erfüllen.‘

Gestählt aber wird meine Kraft sein, unbeugsam, gewärtig die

Einsicht, unverrückbar, beruhigt der Körper, unregsam, vertieft

das Gemüth, einig. Wollen sie, nun so sollen sie diesen Körper

mit Fäusten schlagen, mit Steinen werfen, mit Stöcken prügeln,

mit Schwerdtern treffen: erfüllt werde jene Weisung der

Erwachten.‹

»Wenn diesem Mönche, ihr Brüder, der also des Erwachten,

also der Lehre, also der Jünger gedenkt, der Gleichmuth

edler Standhaftigkeit versagt, so wird er befangen, geräth

in Aufregung: ›Unmöglich ist’s mir, es ist mir ja nicht

möglich! Kaum kann ich’s ertragen, wie schwer ist es, ach, 190

dass mir, der ich also des Erwachten, also der Lehre, also

der Jünger gedenke, der Gleichmuth edler Standhaftigkeit

versagt!‹ Gleichwie etwa, ihr Brüder, die Schwiegertochter, dem

Schwiegervater begegnend, befangen wird, in Aufregung geräth:

ebenso nun auch, ihr Brüder, wird da ein Mönch befangen, geräth

in Aufregung, wenn ihm, der also des Erwachten, also der Lehre,

also der Jünger gedenkt, der Gleichmuth edler Standhaftigkeit

versagt.

»Wenn diesem Mönche, ihr Brüder, der also des Erwachten, also

der Lehre, also der Jünger gedenkt, der Gleichmuth edler

Standhaftigkeit ausdauert, so ist er beglückt. Insofern aber,

ihr Brüder, hat ein Mönch viel geleistet.

»Gleichwie etwa, ihr Brüder, vermittelst der Balken und Binsen,

des Strohs und Lehms ein begränzter Raum, eben ›das Haus‹

zustande kommt: geradeso nun, ihr Brüder, kommt vermittelst der

Knochen und Sehnen, des Fleisches und der Haut ein begränzter

Raum, eben ›die Form‹ zustande.

»Ist von innen das Gesicht, ihr Brüder, ungebrochen, und treten

von außen die Formen nicht in den Gesichtskreis, so findet auch

kein entsprechendes Ineinandergreifen statt, und es kommt zu

keiner Bildung des entsprechenden Theiles Bewusstseins.

»Ist von innen das Gesicht, ihr Brüder, ungebrochen, und treten

von außen die Formen in den Gesichtskreis, und es findet kein

entsprechendes Ineinandergreifen statt, so kommt es auch zu

keiner Bildung des entsprechenden Theiles Bewusstseins.

»Sobald aber, ihr Brüder, von innen das Gesicht ungebrochen

ist, und von außen die Formen in den Gesichtskreis treten, und

es findet ein entsprechendes Ineinandergreifen statt, so kommt

es also zur Bildung des entsprechenden Theiles Bewusstseins.

Die Form, die dem so gebildeten eignet, stellt sich im Stück

Anhangen an der Form ein, das Gefühl, das dem so gebildeten

eignet, stellt sich im Stück Anhangen am Gefühl ein, die

Wahrnehmung, die dem so gebildeten eignet, stellt sich im Stück

Anhangen an der Wahrnehmung ein, die Unterscheidungen, die dem

so gebildeten eignen, stellen sich im Stück Anhangen an der

Unterscheidung ein, das Bewusstsein, das dem so gebildeten

eignet, stellt sich im Stück Anhangen am Bewusstsein ein. Man

versteht jetzt: ›Das also ist die Einstellung, die Vereinigung,

die Verbindung dieser fünf Stücke des Anhangens!‹ Und das

Wort des Erhabenen lautet: ‚Wer die bedingte Entstehung merkt, 191

der merkt die Satzung: wer die Satzung merkt, der merkt die

bedingte Entstehung.‘ Bedingt sind sie aber entstanden, diese

fünf Stücke des Anhangens. Was bei diesen fünf Stücken des

Anhangens Wille, Vergnügen, Bejahung, Behagen ist, das ist die

Leidensentwicklung; was bei diesen fünf Stücken des Anhangens

Verneinung des Willensreizes, Verleugnung des Willensreizes

ist, das ist die Leidensauflösung. Insofern aber, ihr Brüder,

hat ein Mönch viel geleistet.

»Ist von innen das Gehör, ihr Brüder, ungebrochen,

»Ist von innen der Geruch, ihr Brüder, ungebrochen,

»Ist von innen der Geschmack, ihr Brüder, ungebrochen,

»Ist von innen das Getast, ihr Brüder, ungebrochen,

»Ist von innen das Gedenken, ihr Brüder, ungebrochen, und

treten die äußerlichen Dinge nicht in den Denkkreis, so findet

auch kein entsprechendes Ineinandergreifen statt, und es kommt

zu keiner Bildung des entsprechenden Theiles Bewusstseins.

»Ist von innen das Gedenken, ihr Brüder, ungebrochen, und

treten die äußerlichen Dinge in den Denkkreis, und es findet

kein entsprechendes Ineinandergreifen statt, so kommt es auch

zu keiner Bildung des entsprechenden Theiles Bewusstseins.

»Sobald aber, ihr Brüder, von innen das Gedenken ungebrochen

ist, und von außen die Dinge in den Denkkreis treten, und es

findet ein entsprechendes Ineinandergreifen statt, so kommt

es also zur Bildung des entsprechenden Theiles Bewusstseins.

Die Form, die dem so gebildeten eignet, stellt sich im Stück

Anhangen an der Form ein, das Gefühl, das dem so gebildeten

eignet, stellt sich im Stück Anhangen am Gefühl ein, die

Wahrnehmung, die dem so gebildeten eignet, stellt sich im Stück

Anhangen an der Wahrnehmung ein, die Unterscheidungen, die dem

so gebildeten eignen, stellen sich im Stück Anhangen an der

Unterscheidung ein, das Bewusstsein, das dem so gebildeten

eignet, stellt sich im Stück Anhangen am Bewusstsein ein. Man

versteht jetzt: ›Das also ist die Einstellung, die Vereinigung,

die Verbindung dieser fünf Stücke des Anhangens!‹ Und das Wort

des Erhabenen lautet: ‚Wer die bedingte Entstehung merkt,

der merkt die Satzung: wer die Satzung merkt, der merkt die

bedingte Entstehung.‘ Bedingt sind sie aber entstanden, diese

fünf Stücke des Anhangens. Was bei diesen fünf Stücken des

Anhangens Wille, Vergnügen, Bejahung, Behagen ist, das ist die

Leidensentwicklung; was bei diesen fünf Stücken des Anhangens

Verneinung des Willensreizes, Verleugnung des Willensreizes

ist, das ist die Leidensauflösung. Insofern aber, ihr Brüder,

hat ein Mönch viel geleistet.«

* * * * *

Also sprach der ehrwürdige Sāriputto. Zufrieden freuten sich

jene Mönche über das Wort des ehrwürdigen Sāriputto.

29.

Dritter Theil Neunte Rede

DAS GLEICHNISS VOM KERNHOLZ

-- I --

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 192

Rājagaham, am Geierkulm, im Gebirge, kurz nachdem Devadatto

sich losgesagt hatte. Dort nun wandte sich der Erhabene, in

Beziehung auf Devadatto, an die Mönche:

»Da ist, ihr Mönche, ein edler Sohn von Zuversicht bewogen aus

dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert: ›Versunken bin ich in

Geburt, in Altern und Sterben, in Wehe, Jammer und Leiden, in

Gram und Verzweiflung, in Leiden versunken, in Leiden verloren!

O dass es doch etwa möglich wäre dieser ganzen Leidensfülle

ein Ende zu machen!‹ Mit solcher Gesinnung hat er der Welt

entsagt und erlangt Almosen, Ehre und Ruhm. Diese Erlangung

von Almosen, Ehre und Ruhm erfreut ihn, und er wird voller

Willensregungen. Durch diese Erlangung von Almosen, Ehre und

Ruhm wird er hochfahrend, verachtet die anderen: ›Ich bin

beliebt und berühmt, diese anderen Mönche aber sind unbekannt,

unbedeutend.‹ Durch diese Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm

wird er berauscht, wird nachlässig, wird leichtsinnig, und den

Leichtsinnigen trifft Leiden.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Mann, der Kernholz

begehrt, Kernholz sucht, auf Kernholz ausgeht, gerade über

das Kernholz eines großen, kernig dastehenden Baumes

hinaufkletterte, über das Grünholz hinaufkletterte, über

die Rinde hinaufkletterte, über das Geäst hinaufkletterte,

einen Blätterzweig abschnitte, mitnähme und in dem Gedanken

›Das ist Kernholz‹ fortginge; den habe ein scharfsehender

Mann beobachtet: ›Dieser liebe Mann kennt wahrlich weder

das Kernholz, noch das Grünholz, weder die Rinde, noch das

Geäst, noch das Laubgezweig; daher ist nun dieser liebe Mann,

der Kernholz begehrt, Kernholz sucht, auf Kernholz ausgeht,

gerade über das Kernholz des großen, kernig dastehenden Baumes

hinaufgeklettert, über das Grünholz hinaufgeklettert, über die

Rinde hinaufgeklettert, über das Geäst hinaufgeklettert, hat

einen Blätterzweig abgeschnitten, mitgenommen und ist in der

Meinung, dies wäre Kernholz, fortgegangen; was aber aus dessen

Kerne als Kern gewinnbar ist, das wird seinem Zwecke nicht

entsprechen‹:

»Ebenso nun auch, ihr Mönche, ist da ein edler Sohn von

Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit

gewandert: ›Versunken bin ich in Geburt, in Altern und Sterben,

in Wehe, Jammer und Leiden, in Gram und Verzweiflung, in Leiden

versunken, in Leiden verloren! O dass es doch etwa möglich wäre

dieser ganzen Leidensfülle ein Ende zu machen!‹ Mit solcher

Gesinnung hat er der Welt entsagt und erlangt Almosen, Ehre

und Ruhm. Diese Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm erfreut

ihn, und er wird voller Willensregungen. Durch diese Erlangung

von Almosen, Ehre und Ruhm wird er hochfahrend, verachtet die

anderen: ›Ich bin beliebt und berühmt, diese anderen Mönche 193

aber sind unbekannt, unbedeutend.‹ Durch diese Erlangung von

Almosen, Ehre und Ruhm wird er berauscht, wird nachlässig, wird

leichtsinnig, und den Leichtsinnigen trifft Leiden.

»Ein solcher, ihr Mönche, wird ein Mönch genannt, der das

Laubgezweig des Asketenthums an sich genommen hat und sich

damit begnügt.

»Da ist ferner, ihr Mönche, ein edler Sohn von Zuversicht

bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert:

›Versunken bin ich in Geburt, in Altern und Sterben, in

Wehe, Jammer und Leiden, in Gram und Verzweiflung, in Leiden

versunken, in Leiden verloren! O dass es doch etwa möglich wäre

dieser ganzen Leidensfülle ein Ende zu machen!‹ Mit solcher

Gesinnung hat er der Welt entsagt und erlangt Almosen, Ehre

und Ruhm. Diese Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm erfreut

ihn nicht, macht ihn nicht voller Willensregungen. Durch diese

Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm wird er nicht hochfahrend,

verachtet nicht die anderen. Durch diese Erlangung von Almosen,

Ehre und Ruhm wird er nicht berauscht, wird nicht nachlässig,

wird nicht leichtsinnig, und der ernsten Sinnes Strebende

erkämpft sich die Ordenstugenden. Durch diese Ordenstugenden

wird er erfreut und voller Willensregungen. Diese

Ordenstugenden machen ihn hochfahrend, lassen ihn die anderen

verachten: ›Ich bin tüchtig, bin rechtschaffen, diese anderen

Mönche aber sind untüchtig, sind Sünder.‹ Diese Ordenstugenden

berauschen ihn, machen ihn nachlässig, leichtsinnig, und den

Leichtsinnigen trifft Leiden.

»Gleichwie, ihr Mönche, wenn ein Mann, der Kernholz begehrt,

Kernholz sucht, auf Kernholz ausgeht, gerade über das Kernholz

eines großen, kernig dastehenden Baumes hinaufkletterte, über

das Grünholz hinaufkletterte, über die Rinde hinaufkletterte,

einen Ast abschnitte, mitnähme und in dem Gedanken ›Das

ist Kernholz‹ fortginge; den habe ein scharfsehender Mann

beobachtet: ›Dieser liebe Mann kennt wahrlich weder das

Kernholz, noch das Grünholz, weder die Rinde, noch das Geäst,

noch das Laubgezweig; daher ist nun dieser liebe Mann, der

Kernholz begehrt, Kernholz sucht, auf Kernholz ausgeht, gerade

über das Kernholz des großen, kernig dastehenden Baumes

hinaufgeklettert, über das Grünholz hinaufgeklettert, über

die Rinde hinaufgeklettert, hat einen Ast abgeschnitten,

mitgenommen und ist in der Meinung, dies wäre Kernholz,

fortgegangen; was aber aus dessen Kerne als Kern gewinnbar ist,

das wird seinem Zwecke nicht entsprechen‹:

»Ebenso nun auch, ihr Mönche, ist da ein edler Sohn von

Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit

gewandert: ›Versunken bin ich in Geburt, in Altern und Sterben,

in Wehe, Jammer und Leiden, in Gram und Verzweiflung, in Leiden

versunken, in Leiden verloren! O dass es doch etwa möglich wäre

dieser ganzen Leidensfülle ein Ende zu machen!‹ Mit solcher

Gesinnung hat er der Welt entsagt und erlangt Almosen, Ehre

und Ruhm. Diese Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm erfreut

ihn nicht, macht ihn nicht voller Willensregungen. Durch diese

Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm wird er nicht hochfahrend,

verachtet nicht die anderen. Durch diese Erlangung von Almosen,

Ehre und Ruhm wird er nicht berauscht, wird nicht nachlässig,

wird nicht leichtsinnig, und der ernsten Sinnes Strebende

erkämpft sich die Ordenstugenden. Durch diese Ordenstugenden

wird er erfreut und voller Willensregungen. Diese

Ordenstugenden machen ihn hochfahrend, lassen ihn die anderen

verachten: ›Ich bin tüchtig, bin rechtschaffen, diese anderen

Mönche aber sind untüchtig, sind Sünder.‹ Diese Ordenstugenden

berauschen ihn, machen ihn nachlässig, leichtsinnig, und den

Leichtsinnigen trifft Leiden.

»Ein solcher, ihr Mönche, wird ein Mönch genannt, der das Geäst 194

des Asketenthums an sich genommen hat und sich damit begnügt.

»Da ist ferner, ihr Mönche, ein edler Sohn von Zuversicht

bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert:

›Versunken bin ich in Geburt, in Altern und Sterben, in

Wehe, Jammer und Leiden, in Gram und Verzweiflung, in Leiden

versunken, in Leiden verloren! O dass es doch etwa möglich wäre

dieser ganzen Leidensfülle ein Ende zu machen!‹ Mit solcher

Gesinnung hat er der Welt entsagt und erlangt Almosen, Ehre

und Ruhm. Diese Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm erfreut

ihn nicht, macht ihn nicht voller Willensregungen. Durch diese

Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm wird er nicht hochfahrend,

verachtet nicht die anderen. Durch diese Erlangung von Almosen,

Ehre und Ruhm wird er nicht berauscht, wird nicht nachlässig,

wird nicht leichtsinnig, und der ernsten Sinnes Strebende

erkämpft sich die Ordenstugenden. Durch diese Ordenstugenden

wird er erfreut, aber nicht voller Willensregungen. Diese

Ordenstugenden machen ihn nicht hochfahrend, lassen ihn die

anderen nicht verachten. Diese Ordenstugenden berauschen ihn

nicht, machen ihn nicht nachlässig, nicht leichtsinnig, und

der ernsten Sinnes Strebende erkämpft sich das Glück der

Selbstvertiefung. Durch dieses Glück der Selbstvertiefung

wird er erfreut und voller Willensregungen. Dieses Glück der

Selbstvertiefung macht ihn hochfahrend, lässt ihn die anderen

verachten: ›Ich bin vertieft, geeinten Gemüthes, diese anderen

Mönche aber sind nicht vertieft, sind zerfahrenen Gemüthes.‹

Dieses Glück der Selbstvertiefung berauscht ihn, macht ihn

nachlässig, leichtsinnig, und den Leichtsinnigen trifft Leiden.

»Gleichwie, ihr Mönche, wenn ein Mann, der Kernholz begehrt,

Kernholz sucht, auf Kernholz ausgeht, gerade über das Kernholz

eines großen, kernig dastehenden Baumes hinaufkletterte, über

das Grünholz hinaufkletterte, Rinde wegschnitte, mitnähme

und in dem Gedanken ›Das ist Kernholz‹ fortginge; den habe

ein scharfsehender Mann beobachtet: ›Dieser liebe Mann kennt

wahrlich weder das Kernholz, noch das Grünholz, weder die

Rinde, noch das Geäst, noch das Laubgezweig; daher ist nun

dieser liebe Mann, der Kernholz begehrt, Kernholz sucht,

auf Kernholz ausgeht, gerade über das Kernholz des großen,

kernig dastehenden Baumes hinaufgeklettert, über das Grünholz

hinaufgeklettert, hat Rinde weggeschnitten, mitgenommen und

ist in der Meinung, dies wäre Kernholz, fortgegangen; was aber

aus deren Kerne als Kern gewinnbar ist, das wird seinem Zwecke

nicht entsprechen‹:

»Ebenso nun auch, ihr Mönche, ist da ein edler Sohn von

Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit

gewandert: ›Versunken bin ich in Geburt, in Altern und Sterben,

in Wehe, Jammer und Leiden, in Gram und Verzweiflung, in

Leiden versunken, in Leiden verloren! O dass es doch etwa

möglich wäre dieser ganzen Leidensfülle ein Ende zu machen!‹

Mit solcher Gesinnung hat er der Welt entsagt und erlangt

Almosen, Ehre und Ruhm. Diese Erlangung von Almosen, Ehre und

Ruhm erfreut ihn nicht, macht ihn nicht voller Willensregungen.

Durch diese Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm wird er

nicht hochfahrend, verachtet nicht die anderen. Durch diese

Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm wird er nicht berauscht,

wird nicht nachlässig, wird nicht leichtsinnig, und der

ernsten Sinnes Strebende erkämpft sich die Ordenstugenden.

Durch diese Ordenstugenden wird er erfreut, aber nicht

voller Willensregungen. Diese Ordenstugenden machen ihn

nicht hochfahrend, lassen ihn die anderen nicht verachten.

Diese Ordenstugenden berauschen ihn nicht, machen ihn nicht

nachlässig, nicht leichtsinnig, und der ernsten Sinnes

Strebende erkämpft sich das Glück der Selbstvertiefung. Durch

dieses Glück der Selbstvertiefung wird er erfreut und voller

Willensregungen. Dieses Glück der Selbstvertiefung macht

ihn hochfahrend, lässt ihn die anderen verachten: ›Ich bin

vertieft, geeinten Gemüthes, jene anderen Mönche aber sind

nicht vertieft, sind zerfahrenen Gemüthes.‹ Dieses Glück

der Selbstvertiefung berauscht ihn, macht ihn nachlässig,

leichtsinnig, und den Leichtsinnigen trifft Leiden.

»Ein solcher, ihr Mönche, wird ein Mönch genannt, der die Rinde 195

des Asketenthums an sich genommen hat und sich damit begnügt.

»Da ist ferner, ihr Mönche, ein edler Sohn von Zuversicht

bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert:

›Versunken bin ich in Geburt, in Altern und Sterben, in

Wehe, Jammer und Leiden, in Gram und Verzweiflung, in Leiden

versunken, in Leiden verloren! O dass es doch etwa möglich wäre

dieser ganzen Leidensfülle ein Ende zu machen!‹ Mit solcher

Gesinnung hat er der Welt entsagt und erlangt Almosen, Ehre

und Ruhm. Diese Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm erfreut

ihn nicht, macht ihn nicht voller Willensregungen. Durch diese

Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm wird er nicht hochfahrend,

verachtet nicht die anderen. Durch diese Erlangung von Almosen,

Ehre und Ruhm wird er nicht berauscht, wird nicht nachlässig,

wird nicht leichtsinnig, und der ernsten Sinnes Strebende

erkämpft sich die Ordenstugenden. Durch diese Ordenstugenden

wird er erfreut, aber nicht voller Willensregungen. Diese

Ordenstugenden machen ihn nicht hochfahrend, lassen ihn die

anderen nicht verachten. Diese Ordenstugenden berauschen ihn

nicht, machen ihn nicht nachlässig, nicht leichtsinnig, und

der ernsten Sinnes Strebende erkämpft sich das Glück der

Selbstvertiefung. Durch dieses Glück der Selbstvertiefung wird

er erfreut, aber nicht voller Willensregungen. Dieses Glück

der Selbstvertiefung macht ihn nicht hochfahrend, lässt ihn

die anderen nicht verachten. Dieses Glück der Selbstvertiefung

berauscht ihn nicht, macht ihn nicht nachlässig, nicht

leichtsinnig, und der ernsten Sinnes Strebende erkämpft sich

die Wissensklarheit. Diese Wissensklarheit erfreut ihn, und

er wird voller Willensregungen. Diese Wissensklarheit macht

ihn hochfahrend, lässt ihn die anderen verachten: ›Ich bin

klarwissend, diese anderen Mönche aber sind unwissend, unklar.‹

Diese Wissensklarheit berauscht ihn, macht ihn nachlässig,

leichtsinnig, und den Leichtsinnigen trifft Leiden.

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, erster Band · 第 24 / 43 段