aufsucht und dort die mächtige Fußspur eines Elephanten
findet, groß in der Länge, breit in der Queere, und er
ist ein kundiger Elephantensteller, so kommt er nicht
alsogleich zu dem Schlusse: ›Welch ein mächtiger Elephant
muss das sein!‹ Und warum nicht? Es giebt ja, Brāhmane, im
Elephantenwalde Zwerginen genannte Elephantenweibchen mit
großen Füßen, und ihre Spur könnte es sein. Er verfolgt diese
Spur und indem er sie weiter verfolgt findet er im Walde eine
mächtige Elephantenspur, groß in der Länge, breit in der
Queere, mit niedergetretenem Röhricht. Ist er ein kundiger
Elephantensteller, so kommt er auch jetzt noch nicht zu dem
Schlusse: ›Welch ein mächtiger Elephant muss das sein!‹
Und warum nicht? Es giebt ja, Brāhmane, im Elephantenwalde
Röhrichtzertreter genannte Elephantenweibchen mit großen Füßen,
und ihre Spur könnte es sein. Er verfolgt diese Spur und
indem er sie weiter verfolgt findet er im Walde eine mächtige
Elephantenspur, groß in der Länge, breit in der Queere, mit
niedergetretenem Röhricht, mit darauf gefallenem von den Hauern
zerkerbten Röhricht. Ist er ein kundiger Elephantensteller,
so kommt er auch jetzt noch nicht zu dem Schlusse: ›Welch ein
mächtiger Elephant muss das sein!‹ Und warum nicht? Es giebt
ja, Brāhmane, im Elephantenwalde Röhrichtzerreiber genannte
Elephantenweibchen mit großen Füßen, und ihre Spur könnte es
sein. Er verfolgt diese Spur und indem er sie weiter verfolgt
findet er im Walde eine mächtige Elephantenspur, groß in der
Länge, breit in der Queere, mit niedergetretenem Röhricht,
mit darauf gefallenem von den Hauern zerkerbten Röhricht, mit
darauf gefallenem abgebrochenen Geäst. Und er erblickt den
Elephanten am Fuß eines Baumes, oder in einer Lichtung, wie
er eben geht oder steht, sitzt oder liegt. Da kommt er zu dem
Schlusse: ›Das ist er, der mächtige Elephant!‹ --:
»Ebenso nun auch, Brāhmane, erscheint da der Vollendete in 179
der Welt, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens-
und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der
unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der
Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene. Er zeigt diese
Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit
ihrer Schaar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen,
nachdem er sie selbst verstanden und durchdrungen hat. Er
verkündet die Lehre, deren Anfang begütigt, deren Mitte
begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, er
legt das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum dar.
»Diese Lehre hört ein Hausvater, oder der Sohn eines
Hausvaters, oder einer, der in anderem Stande neugeboren ward.
Nachdem er diese Lehre gehört hat, fasst er Vertrauen zum
Vollendeten. Von diesem Vertrauen erfüllt denkt und überlegt er
also: ›Ein Gefängniss ist die Häuslichkeit, ein Schmutzwinkel;
der freie Himmelsraum die Pilgerschaft. Nicht wohl geht es,
wenn man im Hause bleibt, das völlig geläuterte, völlig
geklärte Asketenthum Punkt für Punkt zu erfüllen. Wie, wenn
ich nun, mit geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande
bekleidet, aus dem Hause in die Hauslosigkeit hinauszöge?‹ So
giebt er denn später einen kleinen Besitz oder einen großen
Besitz auf, hat einen kleinen Verwandtenkreis oder einen großen
Verwandtenkreis verlassen und ist mit geschorenem Haar und
Barte, im fahlen Gewande von Hause fort in die Hauslosigkeit
gezogen.
»Er ist nun Pilger geworden und hat die Ordenspflichten der
Mönche auf sich genommen. Lebendiges umzubringen hat er
verworfen, Lebendiges umzubringen liegt ihm fern: ohne Stock,
ohne Schwerdt, fühlsam, voll Theilnahme, hegt er zu allen
lebenden Wesen Liebe und Mitleid. Nichtgegebenes zu nehmen hat
er verworfen, vom Nehmen des Nichtgegebenen hält er sich fern:
Gegebenes nimmt er, Gegebenes wartet er ab, nicht diebisch
gesinnt, rein gewordenen Herzens. Die Unkeuschheit hat er
verworfen, keusch lebt er, fern zieht er hin, entrathen der
Paarung, dem gemeinen Gesetze. Lüge hat er verworfen, von Lüge
hält er sich fern: die Wahrheit spricht er, der Wahrheit ist
er ergeben, standhaft, vertrauenswürdig, kein Häuchler und
Schmeichler der Welt. Das Ausrichten hat er verworfen, vom
Ausrichten hält er sich fern: was er hier gehört hat erzählt er
dort nicht wieder, um jene zu entzweien, und was er dort gehört
hat erzählt er hier nicht wieder, um diese zu entzweien; so
einigt er Entzweite, festigt Verbundene, Eintracht macht ihn
froh, Eintracht freut ihn, Eintracht beglückt ihn, Eintracht
fördernde Worte spricht er. Barsche Worte hat er verworfen, von
barschen Worten hält er sich fern: Worte, die frei von Schimpf
sind, dem Ohre wohlthuend, liebreich, zum Herzen dringend,
höflich, viele erfreuend, viele erhebend, solche Worte spricht 180
er. Plappern und Plaudern hat er verworfen, von Plappern und
Plaudern hält er sich fern: zur rechten Zeit spricht er, den
Thatsachen gemäß, auf den Sinn bedacht, der Lehre und Ordnung
getreu, seine Rede ist reich an Inhalt, gelegentlich mit
Gleichnissen geschmückt, klar und bestimmt, ihrem Gegenstande
angemessen.
»Sämereien und Pflanzungen anzulegen hat er verschmäht. Einmal
des Tags nimmt er Nahrung zu sich, nachts ist er nüchtern,
fern liegt es ihm zur Unzeit zu essen. Von Tanz, Gesang,
Spiel, Schaustellungen hält er sich fern. Kränze, Wohlgerüche,
Salben, Schmuck, Zierrath, Putz weist er ab. Hohe, prächtige
Lagerstätten verschmäht er. Gold und Silber nimmt er nicht
an. Rohes Getreide nimmt er nicht an. Rohes Fleisch nimmt er
nicht an. Frauen und Mädchen nimmt er nicht an. Diener und
Dienerinen nimmt er nicht an. Ziegen und Schaafe nimmt er nicht
an. Hühner und Schweine nimmt er nicht an. Elephanten, Rinder
und Rosse nimmt er nicht an. Haus und Feld nimmt er nicht an.
Botschaften, Sendungen, Aufträge übernimmt er nicht. Von Kauf
und Verkauf hält er sich fern. Von falschem Maaß und Gewicht
hält er sich fern. Von den schiefen Wegen der Bestechung,
Täuschung, Niedertracht hält er sich fern. Von Raufereien,
Schlägereien, Händeln, vom Rauben, Plündern und Zwingen hält er
sich fern.
»Er ist zufrieden mit dem Gewande, das seinen Leib deckt,
mit der Almosenspeise, die sein Leben fristet. Wohin er auch
pilgert, nur mit dem Gewande und der Almosenschaale versehn
pilgert er. Gleichwie da etwa ein beschwingter Vogel, wohin er
auch fliegt, nur mit der Last seiner Federn fliegt, ebenso auch
ist ein Mönch zufrieden mit dem Gewande, das seinen Leib deckt,
mit der Almosenspeise, die sein Leben fristet. Wohin er auch
wandert, nur damit versehn wandert er.
»Durch die Erfüllung dieser heiligen Tugendsatzung empfindet er
ein inneres fleckenloses Glück.
»Erblickt er nun mit dem Gesichte eine Form, so fasst er
keine Neigung, fasst keine Absicht. Da Begierde und Missmuth,
böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der
unbewachten Gesichtes verweilt, befleißigt er sich dieser
Bewachung, er hütet das Gesicht, er wacht eifrig über das
Gesicht.
»Hört er nun mit dem Gehöre einen Ton,
»Riecht er nun mit dem Geruche einen Duft,
»Schmeckt er nun mit dem Geschmacke einen Saft,
»Tastet er nun mit dem Getaste eine Tastung,
»Erkennt er nun mit dem Gedenken ein Ding, so fasst er keine
Neigung, fasst keine Absicht. Da Begierde und Missmuth,
böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der
unbewachten Gedenkens verweilt, befleißigt er sich dieser
Bewachung, er hütet das Gedenken, er wacht eifrig über das 181
Gedenken.
»Durch die Erfüllung dieser heiligen Sinnenzügelung empfindet
er ein inneres ungetrübtes Glück.
»Klar bewusst kommt er und geht er, klar bewusst blickt er
hin, blickt er weg, klar bewusst regt und bewegt er sich, klar
bewusst trägt er des Ordens Gewand und Almosenschaale, klar
bewusst isst und trinkt, kaut und schmeckt er, klar bewusst
entleert er Koth und Harn, klar bewusst geht und steht und
sitzt er, schläft er ein, wacht er auf, spricht er und schweigt
er.
»Treu dieser heiligen Tugendsatzung, treu dieser heiligen
Sinnenzügelung, treu dieser heiligen klaren Einsicht sucht er
einen abgelegenen Ruheplatz auf, einen Hain, den Fuß eines
Baumes, eine Felsengrotte, eine Bergesgruft, einen Friedhof,
die Waldesmitte, ein Streulager in der offenen Ebene. Nach
dem Mahle, wenn er vom Almosengange zurückgekehrt ist, setzt
er sich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade
aufgerichtet, und pflegt der Einsicht. Er hat weltliche
Begierde verworfen und verweilt begierdelosen Gemüthes, von
Begierde läutert er sein Herz. Gehässigkeit hat er verworfen,
hasslosen Gemüthes verweilt er, voll Liebe und Mitleid zu
allen lebenden Wesen läutert er sein Herz von Gehässigkeit.
Matte Müde hat er verworfen, von matter Müde ist er frei;
das Licht liebend, einsichtig, klar bewusst, läutert er sein
Herz von matter Müde. Stolzen Unmuth hat er verworfen, er ist
frei von Stolz; innig beruhigten Gemüthes läutert er sein
Herz von stolzem Unmuth. Das Schwanken hat er verworfen, der
Ungewissheit ist er entronnen; er zweifelt nicht am Guten, vom
Schwanken läutert er sein Herz.
»Er hat nun diese fünf Hemmungen aufgehoben, hat die Schlacken
des Gemüthes kennen gelernt, die lähmenden; gar fern von
Begierden, fern von unheilsamen Dingen lebt er in sinnend
gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe der
ersten Schauung.
»Das aber wird, Brāhmane, die Spur des Vollendeten[23] genannt,
wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des
Vollendeten genannt.
»Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem 182
Schlusse: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan
vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.‹
Denn ferner noch, Brāhmane: nach Vollendung des Sinnens
und Gedenkens erwirkt der Mönch die innere Meeresstille, die
Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in
der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten
Schauung.
»Das aber wird, Brāhmane, die Spur des Vollendeten genannt,
wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des
Vollendeten genannt.
»Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem
Schlusse: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan
vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.‹ Denn
ferner noch, Brāhmane: in heiterer Ruhe verweilt der Mönch
gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet
er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig
Einsichtige lebt beglückt‹; so gewinnt er die Weihe der dritten
Schauung.
»Das aber wird, Brāhmane, die Spur des Vollendeten genannt,
wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des
Vollendeten genannt.
»Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem
Schlusse: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan
vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.‹ Denn
ferner noch, Brāhmane: nach Verwerfung der Freuden und Leiden,
nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erreicht
der Mönch die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig
einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung.
»Das aber wird, Brāhmane, die Spur des Vollendeten genannt,
wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des
Vollendeten genannt.
»Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem
Schlusse: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan
vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.‹
Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen,
schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar,
richtet er das Gemüth auf die erinnernde Erkenntniss früherer
Daseinsformen. Er erinnert sich an manche verschiedene frühere
Daseinsform, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, dann an
drei Leben, dann an vier Leben, dann an fünf Lehen, dann an
zehn Leben, dann an zwanzig Leben, dann an dreißig Leben, dann
an vierzig Leben, dann an fünfzig Leben, dann an hundert Leben,
dann an tausend Leben, dann an hunderttausend Leben, dann an
die Zeiten während mancher Weltenentstehungen, dann an die
Zeiten während mancher Weltenvergehungen, dann an die Zeiten
während mancher Weltenentstehungen-Weltenvergehungen. ›Dort
war ich, jenen Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich an,
das war mein Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe
ich erfahren, so war mein Lebensende; dort verschieden trat
ich anderswo wieder ins Dasein: da war ich nun, diesen Namen
hatte ich, dieser Familie gehörte ich an, dies war mein Stand,
dies mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so
war mein Lebensende; da verschieden trat ich hier wieder ins
Dasein.‹ So erinnert er sich mancher verschiedenen früheren
Daseinsform, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den
eigenartigen Beziehungen.
»Das aber wird, Brāhmane, die Spur des Vollendeten genannt,
wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des
Vollendeten genannt.
»Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht
zu dem Schlusse: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene,
wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die 183
Jüngerschaft.‹ Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert,
gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest,
unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss des
Verschwindens-Erscheinens der Wesen. Mit dem himmlischen Auge,
dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden,
sieht er die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine
und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er
erkennt wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren. ›Diese
lieben Wesen sind freilich in Thaten dem Schlechten zugethan,
in Worten dem Schlechten zugethan, in Gedanken dem Schlechten
zugethan, tadeln Heiliges, achten Verkehrtes, thun Verkehrtes;
bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf
den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in untere
Welt. Jene lieben Wesen sind aber in Thaten dem Guten zugethan,
in Worten dem Guten zugethan, in Gedanken dem Guten zugethan,
tadeln nicht Heiliges, achten Rechtes, thun Rechtes; bei der
Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf gute
Fährte, in sälige Welt.‹ So sieht er mit dem himmlischen Auge,
dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die
Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle,
schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er erkennt
wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren.
»Das aber wird, Brāhmane, die Spur des Vollendeten genannt,
wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des
Vollendeten genannt.
»Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem
Schlusse: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan
vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.‹
Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen,
schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar,
richtet er das Gemüth auf die Erkenntnis der Wahnversiegung.
›Das ist das Leiden‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist
die Leidensentwicklung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist
die Leidensauflösung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist
der zur Leidensauflösung führende Pfad‹ erkennt er der Wahrheit
gemäß. ›Das ist der Wahn‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das
ist die Wahnentwicklung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das
ist die Wahnauflösung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist
der zur Wahnauflösung führende Pfad‹ erkennt er der Wahrheit
gemäß.
»Das aber wird, Brāhmane, die Spur des Vollendeten genannt,
wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des
Vollendeten genannt.
»Und auch hier ist der heilige Jünger noch nicht zu dem
Schlusse gekommen: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene,
wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut
die Jüngerschaft‹, aber er kommt nun zum Schlusse. Denn
also erkennend, also sehend wird da sein Gemüth erlöst
vom Wunscheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom 184
Nichtwissenswahn. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese
Erkenntnis geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das
Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹
versteht er da.
»Das wird, Brāhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die
Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten
genannt.
»Und hier ist nun, Brāhmane, der heilige Jünger zum Schlusse
gekommen: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan
vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.‹ Und
hier ist nun, Brāhmane, der Vergleich mit der Elephantenspur
vollständig ausgeführt.«
* * * * *
Nach diesen Worten sprach der Brāhmane Jāṇussoṇi zum Erhabenen
also:
»Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Gleichwie
etwa, o Gotamo, als ob einer Umgestürztes aufstellte, oder
Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht
in die Finsterniss brächte: ›Wer Augen hat wird die Dinge
sehn‹: ebenso auch hat Herr Gotamo die Lehre auf manigfaltige
Weise dargelegt. Und so nehm’ ich bei Herrn Gotamo Zuflucht,
bei der Lehre und bei der Jüngerschaft, als Anhänger möge mich
Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«
28.
Dritter Theil Achte Rede
DIE ELEPHANTENSPUR
-- II --
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort
nun wandte sich der ehrwürdige Sāriputto an die Mönche:
»Brüder Mönche!« -- »Bruder!« antworteten da jene Mönche dem
ehrwürdigen Sāriputto aufmerksam. Der ehrwürdige Sāriputto
sprach also:
»Gleichwie etwa, ihr Brüder, alles Lebendige, Bewegliche,
Fußbegabte in der Elephantenspur mit fortkommt, die
Elephantenspur ist ja der Größe wegen als die vornehmste ihrer
Art bekannt: ebenso nun auch, ihr Brüder, stellt sich alles
Gute in den vier heiligen Wahrheiten ein; in welchen vier? In
der heiligen Wahrheit vom Leiden, in der heiligen Wahrheit 185
von der Leidensentwicklung, in der heiligen Wahrheit von
der Leidensauflösung, in der heiligen Wahrheit von dem zur
Leidensauflösung führenden Pfade.
»Was ist aber, Brüder, die heilige Wahrheit vom Leiden? Geburt
ist Leiden, Alter ist Leiden, Sterben ist Leiden, Kummer,
Jammer, Schmerz, Gram und Verzweiflung sind Leiden, was man
begehrt nicht erlangen, das ist Leiden, kurz gesagt: die fünf
Stücke des Anhangens sind Leiden. Was sind aber, Brüder, die
fünf Stücke des Anhangens? Es ist da ein Stück Anhangen an der
Form, ein Stück Anhangen am Gefühl, ein Stück Anhangen an der
Wahrnehmung, ein Stück Anhangen an der Unterscheidung, ein
Stück Anhangen am Bewußtsein. Was ist aber, Brüder, das Stück
Anhangen an der Form? Die vier Hauptstoffe und was durch die
vier Hauptstoffe als Form besteht. Was sind aber, Brüder, die
vier Hauptstoffe? Die Erdenart, die Wasserart, die Feuerart,
die Luftart.
»Was ist nun, Brüder, die Erdenart? Die Erdenart mag
innerlich sein oder äußerlich. Was ist aber, Brüder, die
innerliche Erdenart? Was sich innerlich einzeln fest und hart
dargestellt hat, als wie Kopfhaare, Körperhaare, Nägel, Zähne,
Haut, Fleisch, Sehnen, Knochen, Mark, Nieren, Herz, Leber,
Zwerchfell, Milz, Lunge, Magen, Eingeweide, Weichtheile, Koth,
oder was sich irgend sonst noch innerlich einzeln fest und hart
dargestellt hat: das nennt man, Brüder, innerliche Erdenart.
Was es nun da an innerlicher Erdenart und was es an äußerlicher
Erdenart giebt, ist Erdenart. Und: ›Das gehört mir nicht, das
hin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹: so ist das, der
Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit anzusehn. Hat man das
also, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit erkannt,
wird man der Erdenart satt, löst den Sinn von der Erdenart ab.
»Es giebt, ihr Brüder, eine Zeit, wo die äußeren Wasser rasen,
und verschwunden ist dann die äußere Erde. Dieser äußerlichen
Erdenart, der so ungeheueren, Vergänglichkeit wird sich also,
ihr Brüder, zeigen, zeigen wird es sich, dass sie den Gesetzen
der Zerstörung, der Auflösung, der Veränderung unterworfen
ist: und von diesem Körper da, der acht Spannen hoch ist,
ein Gemächte des Durstes, von dem gälte vielleicht ›Ich‹
oder ›Mein‹ oder ›Bin‹? Vielmehr ›Nichts ist sein‹ gilt in
Wirklichkeit.
»Wenn die Leute, ihr Brüder, einen solchen Mönch tadeln,
verurtheilen, verfolgen, angreifen, so denkt er dabei:
›Entstanden ist mir da dieses Wehegefühl, durch Gehörberührung
hervorgerufen, und es ist bedingt, nicht unbedingt; wodurch 186
bedingt? Durch Berührung bedingt.‹ Und: ›Die Berührung
ist vergänglich‹ merkt er, ›Das Gefühl ist vergänglich‹
merkt er, ›Die Wahrnehmung ist vergänglich‹ merkt er, ›Die
Unterscheidungen sind vergänglich‹ merkt er, ›Das Bewusstsein
ist vergänglich‹ merkt er. Sein Gemüth, das die Elemente also
zerlegt, erhebt sich, erheitert sich, wird stark und standhaft.
»Wenn die Leute, ihr Brüder, einem solchen Mönche unhöflich,
lieblos, rauh begegnen, ihn mit Fäusten schlagen, mit Steinen
werfen, mit Stöcken prügeln, mit Schwerdtern treffen, so denkt
er dabei: ›So beschaffen ist ja dieser Körper, dass man ihn
mit Fäusten schlagen, mit Steinen werfen, mit Stöcken prügeln,
mit Schwerdtern treffen kann! Und das Wort des Erhabenen im
Gleichniss von der Säge lautet: ‚Wenn auch, ihr Mönche, Räuber
und Mörder mit einer Baumsäge Gelenke und Glieder abtrennten,
so würde wer da in Wuth geriethe nicht meine Weisung erfüllen.‘
Gestählt aber wird meine Kraft sein, unbeugsam, gewärtig die
Einsicht, unverrückbar, beruhigt der Körper, unregsam, vertieft
das Gemüth, einig. Wollen sie, nun so sollen sie diesen Körper
mit Fäusten schlagen, mit Steinen werfen, mit Stöcken prügeln,
mit Schwerdtern treffen: erfüllt werde jene Weisung der
Erwachten.‹
»Wenn diesem Mönche, ihr Brüder, der also des Erwachten,
also der Lehre, also der Jünger gedenkt, der Gleichmuth
edler Standhaftigkeit versagt, so wird er befangen, geräth
in Aufregung: ›Unmöglich ist’s mir, es ist mir ja nicht
möglich! Kaum kann ich’s ertragen, wie schwer ist es, ach,
dass mir, der ich also des Erwachten, also der Lehre, also
der Jünger gedenke, der Gleichmuth edler Standhaftigkeit
versagt!‹ Gleichwie etwa, ihr Brüder, die Schwiegertochter, dem
Schwiegervater begegnend, befangen wird, in Aufregung geräth:
ebenso nun auch, ihr Brüder, wird da ein Mönch befangen, geräth
in Aufregung, wenn ihm, der also des Erwachten, also der Lehre,
also der Jünger gedenkt, der Gleichmuth edler Standhaftigkeit
versagt.
»Wenn diesem Mönche, ihr Brüder, der also des Erwachten, also
der Lehre, also der Jünger gedenkt, der Gleichmuth edler
Standhaftigkeit ausdauert, so ist er beglückt. Insofern aber, 187
ihr Brüder, hat ein Mönch viel geleistet.
»Was ist nun, Brüder, die Wasserart? Die Wasserart mag
innerlich sein oder äußerlich. Was ist aber, Brüder, die
innerliche Wasserart? Was sich innerlich einzeln flüssig und
wässerig dargestellt hat, als wie Galle, Schleim, Eiter, Blut,
Schweiß, Lymphe, Thränen, Serum, Speichel, Rotz, Gelenköl,
Urin, oder was sich irgend sonst noch innerlich einzeln
flüssig und wässerig dargestellt hat: das nennt man, Brüder,
innerliche Wasserart. Was es nun da an innerlicher Wasserart
und was es an äußerlicher Wasserart giebt, ist Wasserart. Und:
›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein
Selbst‹: so ist das, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener
Weisheit anzusehn. Hat man das also, der Wahrheit gemäß, mit
vollkommener Weisheit erkannt, wird man der Wasserart satt,
löst den Sinn von der Wasserart ab.
»Es giebt, ihr Brüder, eine Zeit, wo die äußeren Wasser rasen,
wo sie ein Dorf fortreißen, eine Stadt fortreißen, eine
Residenz fortreißen, ein Land wegspülen, Länder und Reiche
wegspülen. Es giebt, ihr Brüder, eine Zeit, wo die Gewässer
des großen Meeres hunderte von Meilen tief sind, wo sie
sechshundert Meilen, neunhundert Meilen, zwölfhundert Meilen,
fünfzehnhundert Meilen, achtzehnhundert Meilen tief sind.
Es giebt, ihr Brüder, eine Zeit, wo das Wasser des großen
Meeres sieben Palmen hoch steht, wo es sechs Palmen, wo es
fünf Palmen, wo es vier Palmen, wo es drei Palmen, wo es zwei
Palmen, wo es eine Palme hoch steht. Es giebt, ihr Brüder, eine
Zeit, wo das Wasser des großen Meeres sieben Mannestiefen hat,
wo es sechs Mannestiefen, wo es fünf Mannestiefen, wo es vier
Mannestiefen, wo es drei Mannestiefen, wo es zwei Mannestiefen,
wo es eine Mannestiefe hat. Es giebt, ihr Brüder, eine Zeit,
wo das Wasser des großen Meeres halbe Manneshöhe erreicht, wo
es bis zur Hüfte, wo es bis zum Knie, wo es bis zum Knöchel
reicht. Es giebt, ihr Brüder, eine Zeit, wo das Wasser des
großen Meeres kein Nass von der Höhe eines Fingergliedes
besitzt. Dieser äußerlichen Wasserart, der so ungeheueren, 188
Vergänglichkeit wird sich also, ihr Brüder, zeigen, zeigen wird
es sich, dass sie den Gesetzen der Zerstörung, der Auflösung,
der Veränderung unterworfen ist: und von diesem Körper da, der
acht Spannen hoch ist, ein Gemächte des Durstes, von dem gälte
vielleicht ›Ich‹ oder ›Mein‹ oder ›Bin‹? Vielmehr ›Nichts ist
sein‹ gilt in Wirklichkeit.
»Wenn da dem Mönche, ihr Brüder, der also des Erwachten, also
der Lehre, also der Jünger gedenkt, der Gleichmuth edler
Standhaftigkeit ausdauert, so ist er beglückt. Insofern aber,
ihr Brüder, hat ein Mönch viel geleistet.