Und wandre zur Benāresstadt:
Erdröhnen soll in finstrer Welt
Die Trommel der Unsterblichkeit.«
›So glaubst du also, Bruder, dass du der Heilige bist, der
Unumschränkte Sieger?‹
»Mir gleich, ja, werden Siegende,
Ist Wahnvertilgung ausgeübt:
Besiegt hab’ ich das Sündige,
Bin darum Sieger, Upako.«
»Auf diese Worte, ihr Mönche, erwiderte Upako der Nackte Büßer:
›Wenn’s nur wäre, Bruder!‹ schüttelte das Haupt, schlug einen
Seitenweg ein und entfernte sich.
»Und ich zog nun, ihr Mönche, von Ort zu Ort nach Benāres, kam
zum Seherstein, in den Wildpark, wo die Fünf verbündeten Mönche
weilten. Da erblickten mich, ihr Mönche, die Fünf verbündeten
Mönche von ferne, und als sie mich gesehn, bestärkte einer
den anderen: ›Da kommt, Bruder, jener Asket Gotamo heran,
der Ueppige, der von der Askese abgefallen ist und sich der
Ueppigkeit ergeben hat: wir wollen ihn weder begrüßen, noch uns
erheben um ihm Mantel und Schaale abzunehmen, aber ein Sitz sei
zugewiesen; wenn er will, mag er sich setzen.‹ Je mehr ich mich
aber, ihr Mönche, näherte, desto weniger vermochten die Fünf
verbündeten Mönche bei ihrem Entschluss zu verharren: einige
kamen entgegen und nahmen mir Mantel und Schaale ab, einige
baten mich Platz zu nehmen, einige machten ein Fußbad zurecht,
und sie gingen mich mit dem Namen und dem Bruderworte an. Da
sagte ich, ihr Mönche, zu den Fünf verbündeten Mönchen:
›Nicht gehet, ihr Mönche, den Vollendeten mit dem Namen und
dem Bruderworte an: heilig, ihr Mönche, ist der Vollendete, 172
der vollkommen Erwachte. Leihet Gehör, ihr Mönche, die
Unsterblichkeit ist gefunden. Ich führe ein, ich lege die Lehre
dar. Der Führung folgend werdet ihr in gar kurzer Zeit jenes
Ziel, um dessen willen edle Söhne gänzlich vom Hause fort in
die Hauslosigkeit ziehn, die höchste Vollendung der Heiligkeit
noch bei Lebzeiten euch offenbar machen, verwirklichen und
erringen.‹ Auf diese Worte, ihr Mönche, erwiderten mir die Fünf
verbündeten Mönche: ›Selbst durch deine so harte Buße, o Bruder
Gotamo, durch deine Kasteiung, durch deine Schmerzensaskese
hast du das überirdische, reiche Heilthum der Wissensklarheit
nicht errungen: wie magst du nun jetzt, wo du üppig geworden,
von der Askese abgefallen bist, der Ueppigkeit dich ergeben
hast, das überirdische, reiche Heilthum der Wissensklarheit
besitzen?‹ Auf diese Worte, ihr Mönche, erwiderte ich den Fünf
verbündeten Mönchen: ›Nicht ist, ihr Mönche, der Vollendete
üppig geworden, von der Askese abgefallen, der Ueppigkeit
ergeben: heilig, ihr Mönche, ist der Vollendete, der vollkommen
Erwachte. Leihet Gehör, ihr Mönche, die Unsterblichkeit ist
gefunden. Ich führe ein, ich lege die Lehre dar. Der Führung
folgend werdet ihr in gar kurzer Zeit jenes Ziel, um dessen
willen edle Söhne gänzlich vom Hause fort in die Hauslosigkeit
ziehn, die höchste Vollendung der Heiligkeit noch bei
Lebzeiten euch offenbar machen, verwirklichen und erringen.‹
Und zum zweiten Mal nun, ihr Mönche, erwiderten mir die Fünf
verbündeten Mönche: ›Selbst durch deine so harte Buße, o Bruder
Gotamo, durch deine Kasteiung, durch deine Schmerzensaskese
hast du das überirdische, reiche Heilthum der Wissensklarheit
nicht errungen: wie magst du nun jetzt, wo du üppig geworden,
von der Askese abgefallen bist, der Ueppigkeit dich ergeben
hast, das überirdische, reiche Heilthum der Wissensklarheit
besitzen?‹ Und zum zweiten Mal nun, ihr Mönche, erwiderte ich
den Fünf verbündeten Mönchen: ›Nicht ist, ihr Mönche, der
Vollendete üppig geworden, von der Askese abgefallen, der
Ueppigkeit ergeben: heilig, ihr Mönche, ist der Vollendete,
der vollkommen Erwachte. Leihet Gehör, ihr Mönche, die
Unsterblichkeit ist gefunden. Ich führe ein, ich lege die Lehre
dar. Der Führung folgend werdet ihr in gar kurzer Zeit jenes
Ziel, um dessen willen edle Söhne gänzlich vom Hause fort in
die Hauslosigkeit ziehn, die höchste Vollendung der Heiligkeit
noch bei Lebzeiten euch offenbar machen, verwirklichen und
erringen.‹ Und zum dritten Mal nun, ihr Mönche, erwiderten
mir die Fünf verbündeten Mönche: ›Selbst durch deine so harte
Buße, o Bruder Gotamo, durch deine Kasteiung, durch deine
Schmerzensaskese hast du das überirdische, reiche Heilthum der
Wissensklarheit nicht errungen: wie magst du nun jetzt, wo du
üppig geworden, von der Askese abgefallen bist, der Ueppigkeit
dich ergeben hast, das überirdische, reiche Heilthum der
Wissensklarheit besitzen?‹ Auf diese Worte, ihr Mönche, sagte
ich zu den Fünf verbündeten Mönchen:
›Entsinnet ihr euch, ihr Mönche, dass ich je zuvor also
gesprochen hätte?‹
›Nein, o Herr!‹
›Heilig, ihr Mönche, ist der Vollendete, der vollkommen
Erwachte. Leihet Gehör, ihr Mönche, die Unsterblichkeit ist
gefunden. Ich führe ein, ich lege die Lehre dar. Der Führung
folgend werdet ihr in gar kurzer Zeit jenes Ziel, um dessen
willen edle Söhne gänzlich vom Hause fort in die Hauslosigkeit
ziehn, die höchste Vollendung der Heiligkeit noch bei Lebzeiten
euch offenbar machen, verwirklichen und erringen.‹ Und es 173
gelang mir, ihr Mönche, den Fünf verbündeten Mönchen meine
Erkenntniss mitzutheilen. Erst trug ich, ihr Mönche, zweien
Mönchen die Lehre vor, drei Mönche gingen um Almosenspeise,
und was die drei Mönche an Almosenspeise brachten, das
theilten wir in sechs Theile und lebten davon. Dann trug ich,
ihr Mönche, dreien Mönchen die Lehre vor, zwei Mönche gingen
um Almosenspeise, und was die zwei Mönche an Almosenspeise
brachten, das theilten wir in sechs Theile und lebten davon.
»Und die Fünf verbündeten Mönche, ihr Mönche, von mir also
belehrt, also eingeführt, selber der Geburt unterworfen,
das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die geburtlose
unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchend, fanden
die geburtlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung;
selber dem Altern unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes
merkend, die alterlose unvergleichliche Sicherheit, die
Wahnerlöschung suchend, fanden die alterlose unvergleichliche
Sicherheit, die Wahnerlöschung; selber der Krankheit
unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die
krankheitlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung
suchend, fanden die krankheitlose unvergleichliche Sicherheit,
die Wahnerlöschung; selber dem Sterben unterworfen, das Elend
dieses Naturgesetzes merkend, die unsterbliche unvergleichliche
Sicherheit, die Wahnerlöschung suchend, fanden die unsterbliche
unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung; selber
dem Schmerze unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes
merkend, die unbeschmerzte unvergleichliche Sicherheit,
die Wahnerlöschung suchend, fanden die unbeschmerzte
unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung; selber
dem Schmutze unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes
merkend, die unbeschmutzte unvergleichliche Sicherheit,
die Wahnerlöschung suchend, fanden die unbeschmutzte
unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung. Die klare
Gewissheit ging ihnen nun auf:
›Für ewig sind erlöst wir,
Das ist das letzte Leben,
Und nicht mehr giebt es Wiedersein.‹
* * * * *
»Fünf Begehrungen, ihr Mönche, giebt es: welche fünf?
Die durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen,
die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem
Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Gehör
ins Bewusstsein tretenden Töne, die ersehnten, geliebten,
entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden,
reizenden; die durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden
Düfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem
Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geschmack
ins Bewusstsein tretenden Säfte, die ersehnten, geliebten,
entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden,
reizenden; die durch das Getast ins Bewusstsein tretenden
Tastungen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen,
dem Begehren entsprechenden, reizenden. Das sind, ihr Mönche,
die fünf Begehrungen.
»Von allen den Asketen oder Priestern, ihr Mönche, die sich da
der fünf Begehrungen verlockt, geblendet, hingerissen bedienen,
ohne das Elend zu sehn, ohne an Entrinnung zu denken, von denen
gelte das Wort: verloren, verdorben, dem Gefallen des Bösen
überliefert. Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn sich ein Wild
des Waldes auf eine Fallschlinge, verstrickt, hinlegte; da
gälte von ihm das Wort: verloren, verdorben, dem Gefallen des
Jägers überliefert, kommt nun der Jäger heran, wird es nicht
hinwegeilen können, wohin es will: ebenso nun auch, ihr Mönche,
gelte das Wort von allen den Asketen oder Priestern, die sich
da der fünf Begehrungen verlockt, geblendet, hingerissen
bedienen, ohne das Elend zu sehn, ohne an Entrinnung zu denken:
verloren, verdorben, dem Gefallen des Bösen überliefert. Von
allen den Asketen oder Priestern aber, ihr Mönche, die sich
da der fünf Begehrungen nicht verlockt, nicht geblendet,
nicht hingerissen bedienen, das Elend sehend, der Entrinnung
eingedenk, von denen gelte das Wort: nicht verloren, nicht 174
verdorben, dem Gefallen des Bösen nicht überliefert. Gleichwie
etwa, ihr Mönche, wenn sich ein Wild des Waldes auf eine
Fallschlinge, unverstrickt, hinlegte; da gälte von ihm das
Wort: nicht verloren, nicht verdorben, dem Gefallen des Jägers
nicht überliefert, und kommt nun der Jäger heran, wird es
hinwegeilen können, wohin es will: ebenso nun auch, ihr Mönche,
gelte das Wort von allen den Asketen oder Priestern, die sich
da der fünf Begehrungen nicht verlockt, nicht geblendet,
nicht hingerissen bedienen, das Elend sehend, der Entrinnung
eingedenk: nicht verloren, nicht verdorben, dem Gefallen des
Bösen nicht überliefert.
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, ein Wild des Waldes, in fernen
Waldesgründen schweifend, gesichert geht, gesichert steht,
gesichert sitzt, gesichert liegt, und desshalb zwar, weil es
sich außer dem Bereich des Jägers hält: ebenso nun auch, ihr
Mönche, verweilt da ein Mönch, gar fern von Begierden, fern
von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener
säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung. Ein
solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt: geblendet hat er die
Natur, spurlos vertilgt ihr Auge, entschwunden ist er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach Vollendung des Sinnens und
Gedenkens erwirkt der Mönch die innere Meeresstille, die
Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie,
in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der
zweiten Schauung. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt:
geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge,
entschwunden ist er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: in heiterer Ruhe verweilt der Mönch
gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet
er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig
Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der dritten
Schauung. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt:
geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge,
entschwunden ist er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach Verwerfung der Freuden und
Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns
erwirkt der Mönch die Weihe der leidlosen, freudlosen,
gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte
Schauung. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt:
geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge,
entschwunden ist er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach völliger Ueberwindung der
Formwahrnehmungen, Vernichtung der Gegenwahrnehmungen,
Verwerfung der Vielheitwahrnehmungen gewinnt der Mönch in dem
Gedanken ›Gränzenlos ist der Raum‹ das Reich des unbegränzten
Raumes. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt: geblendet
hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge, entschwunden ist
er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach völliger Ueberwindung der
unbegränzten Raumsphäre gewinnt der Mönch in dem Gedanken
›Gränzenlos ist das Bewusstsein‹ das Reich des unbegränzten
Bewusstseins. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt:
geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge,
entschwunden ist er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach völliger Ueberwindung der
unbegränzten Bewusstseinsphäre gewinnt der Mönch in dem
Gedanken ›Nichts ist da‹ das Reich des Nichtdaseins. Ein
solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt: geblendet hat er die
Natur, spurlos vertilgt ihr Auge, entschwunden ist er der
bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach völliger Ueberwindung der
Nichtdaseinsphäre erreicht der Mönch die Gränzscheide möglicher 175
Wahrnehmung. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt:
geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge,
entschwunden ist er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach völliger Ueberwindung der
Gränzscheide möglicher Wahrnehmung erreicht der Mönch die
Auflösung der Wahrnehmbarkeit, und des weise Sehenden Wahn
ist aufgehoben. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt:
geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge,
entschwunden ist er der bösen, entronnen der Weltlichkeit.
Gesichert geht er, gesichert steht er, gesichert sitzt er,
gesichert liegt er, und desshalb zwar, weil er sich außer dem
Bereich des Bösen hält.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche
über das Wort des Erhabenen.
27.
Dritter Theil Siebente Rede
DIE ELEPHANTENSPUR
-- I --
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Zu jener
Zeit nun fuhr der Brāhmane Jāṇussoṇi eines Nachmittags in einem
weißen Zeltwagen aus der Stadt hinaus. Da sah der Brāhmane
Jāṇussoṇi den Pilger Pilotikā von ferne herankommen, und
nachdem er ihn gesehn sprach er also zu ihm:
»Sieh’ da, wo kommt denn der verehrte Vacchāyano her, in der
Sonne des Nachmittags?«
»Von dort, Lieber, vom Asketen Gotamo komme ich.«
»Was meint wohl Herr Vacchāyano: hat der Asket Gotamo große
Geisteskraft? Man hält ihn für weise.«
»Wer bin ich, Lieber, dass ich über die große Geisteskraft des
Asketen Gotamo urtheilen sollte? Der müsste ihm wohl gleichen,
der die große Geisteskraft des Asketen Gotamo kennte!«
»Gewaltig, fürwahr, preist Herr Vacchāyano das Lob des Asketen
Gotamo!«
»Wer bin ich, Lieber, dass ich den Asketen Gotamo preisen
sollte? Von Gepriesenen gepriesen wird Herr Gotamo, der Höchste
der Götter und Menschen.«
»Welche Eigenschaft hat doch Herr Vacchāyano wahrgenommen, um
dem Asketen Gotamo so hingegeben zu sein?«
»Gleichwie etwa, Lieber, wenn ein kundiger Elephantensteller
einen Elephantenwald aufsuchte; dort fände er die mächtige 176
Fußspur eines Elephanten, groß in der Länge, breit in der
Queere; da käme er zu dem Schlusse: ›Welch ein mächtiger
Elephant muss das sein!‹ --: ebenso nun auch habe ich,
Lieber, da ich des Asketen Gotamo vier Fußspuren gesehn,
alsbald geschlossen: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene,
wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die
Jüngerschaft!‹ -- Welche vier?
»Da habe ich, Lieber, manche gelehrte Adelige gesehn, feine,
erprobte Gegenredner, die Haare zu spalten schienen, die
mit ihrem Scharfsinn die schönsten Ansichten, so zu sagen,
entzweischnitten. Denen war zu Ohren gekommen: ›Der Asket
Gotamo selbst wird auf der Wanderung dieses Dorf oder jene
Stadt besuchen!‹ Da stellten sie eine Frage zusammen: ›Diese
Frage wollen wir dem Asketen Gotamo vorlegen; giebt er uns auf
diese Frage diese Antwort, so werden wir ihm auf diese Weise
das Wort verdrehn: giebt er uns aber auf diese Frage jene
Antwort, so werden wir ihm auf jene Weise das Wort verdrehn.‹
Und sie hörten: ›Der Asket Gotamo selbst ist auf der Wanderung
in diesem Dorfe oder in jener Stadt angekommen!‹ Und sie
begaben sich hin. Und der Asket Gotamo ermunterte, ermuthigte,
erregte und erheiterte sie in lehrreichem Gespräche. Und vom
Asketen Gotamo in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermuthigt,
erregt und erheitert stellten sie dem Asketen Gotamo weder
eine Frage, geschweige dass sie ihm das Wort verdrehn wollten,
wurden vielmehr Anhänger[22] des Asketen Gotamo.
»Als ich, Lieber, diese erste Fußspur des Asketen Gotamo gesehn
hatte, da bin ich zu dem Schlusse gekommen: ›Vollkommen erwacht
ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung,
wohlvertraut die Jüngerschaft!‹
»Weiter sodann, Lieber, habe ich da manche gelehrte Priester
gesehn, feine, erprobte Gegenredner, die Haare zu spalten
schienen, die mit ihrem Scharfsinn die schönsten Ansichten,
so zu sagen, entzweischnitten. Denen war zu Ohren gekommen:
›Der Asket Gotamo selbst wird auf der Wanderung dieses Dorf
oder jene Stadt besuchen!‹ Da stellten sie eine Frage zusammen:
›Diese Frage wollen wir dem Asketen Gotamo vorlegen; giebt er
uns auf diese Frage diese Antwort, so werden wir ihm auf diese
Weise das Wort verdrehn: giebt er uns aber auf diese Frage jene
Antwort, so werden wir ihm auf jene Weise das Wort verdrehn.‹
Und sie hörten: ›Der Asket Gotamo selbst ist auf der Wanderung
in diesem Dorfe oder in jener Stadt angekommen!‹ Und sie
begaben sich hin. Und der Asket Gotamo ermunterte, ermuthigte,
erregte und erheiterte sie in lehrreichem Gespräche. Und vom
Asketen Gotamo in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermuthigt,
erregt und erheitert stellten sie dem Asketen Gotamo weder
eine Frage, geschweige dass sie ihm das Wort verdrehn wollten,
wurden vielmehr Anhänger des Asketen Gotamo.
»Als ich, Lieber, diese zweite Fußspur des Asketen Gotamo
gesehn hatte, da bin ich zu dem Schlusse gekommen: ›Vollkommen
erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die
Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft!‹«
»Weiter sodann, Lieber, habe ich da manche gelehrte Bürger
gesehn, feine, erprobte Gegenredner, die Haare zu spalten
schienen, die mit ihrem Scharfsinn die schönsten Ansichten, so
zu sagen, entzweischnitten. Denen war zu Ohren gekommen: ›Der
Asket Gotamo selbst wird auf der Wanderung dieses Dorf oder
jene Stadt besuchen!‹ Da stellten sie eine Frage zusammen:
›Diese Frage wollen wir dem Asketen Gotamo vorlegen; giebt er
uns auf diese Frage diese Antwort, so werden wir ihm auf diese
Weise das Wort verdrehn: giebt er uns aber auf diese Frage jene
Antwort, so werden wir ihm auf jene Weise das Wort verdrehn.‹
Und sie hörten: ›Der Asket Gotamo selbst ist auf der Wanderung
in diesem Dorfe oder in jener Stadt angekommen!‹ Und sie
begaben sich hin. Und der Asket Gotamo ermunterte, ermuthigte,
erregte und erheiterte sie in lehrreichem Gespräche. Und vom
Asketen Gotamo in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermuthigt,
erregt und erheitert stellten sie dem Asketen Gotamo weder
eine Frage, geschweige dass sie ihm das Wort verdrehn wollten,
wurden vielmehr Anhänger des Asketen Gotamo.
»Als ich, Lieber, diese dritte Fußspur des Asketen Gotamo
gesehn hatte, da bin ich zu dem Schlusse gekommen: ›Vollkommen
erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die
Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft!‹«
»Weiter sodann, Lieber, habe ich da manche gelehrte Asketen
gesehn, feine, erprobte Gegenredner, die Haare zu spalten
schienen, die mit ihrem Scharfsinn die schönsten Ansichten, so
zu sagen, entzweischnitten. Denen war zu Ohren gekommen: ›Der
Asket Gotamo selbst wird auf der Wanderung dieses Dorf oder 177
jene Stadt besuchen!‹ Da stellten sie eine Frage zusammen:
›Diese Frage wollen wir dem Asketen Gotamo vorlegen; giebt
er uns auf diese Frage diese Antwort, so werden wir ihm auf
diese Weise das Wort verdrehn: giebt er uns aber auf diese
Frage jene Antwort, so werden wir ihm auf jene Weise das Wort
verdrehn.‹ Und sie hörten: ›Der Asket Gotamo selbst ist auf
der Wanderung in diesem Dorfe oder in jener Stadt angekommen!‹
Und sie begaben sich hin. Und der Asket Gotamo ermunterte,
ermuthigte, erregte und erheiterte sie in lehrreichem
Gespräche. Und vom Asketen Gotamo in lehrreichem Gespräche
ermuntert, ermuthigt, erregt und erheitert stellten sie dem
Asketen Gotamo weder eine Frage, geschweige dass sie ihm das
Wort verdrehn wollten, flehten vielmehr den Asketen Gotamo
an, sie in den Orden aufzunehmen. Und der Asket Gotamo nahm
sie auf. Und in diesen Orden aufgenommen lebten sie einzeln,
abgesondert, ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich. Und in gar
kurzer Zeit hatten sie jenes Ziel, um dessen willen edle Söhne
gänzlich vom Hause fort in die Hauslosigkeit ziehn, die höchste
Vollendung der Heiligkeit noch bei Lebzeiten sich offenbar
gemacht, verwirklicht und errungen. Und sie sprachen: ›Den
Verstand mussten wir verloren haben, den Verstand müssen wir
wiedergefunden haben! Die wir früher nichts weniger als Asketen
waren glaubten ‚Wir sind Asketen‘, die wir nichts weniger als
Heilige waren glaubten ‚Wir sind Heilige‘, die wir nichts
weniger als Sieger waren glaubten ‚Wir sind Sieger‘: jetzt sind
wir Asketen, jetzt sind wir Heilige, jetzt sind wir Sieger.‹
»Als ich, Lieber, diese vierte Fußspur des Asketen Gotamo
gesehn hatte, da bin ich zu dem Schlusse gekommen: ›Vollkommen
erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die
Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft!‹ Weil ich nun,
Lieber, diese vier Fußspuren des Asketen Gotamo gesehn habe,
darum bin ich zu dem Schlusse gekommen: ›Vollkommen erwacht
ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung,
wohlvertraut die Jüngerschaft!‹«
Auf diese Worte stieg der Brāhmane Jāṇussoṇi von seinem weißen
Zeltwagen herab, entblößte eine Schulter, verneigte sich
ehrerbietig nach der Richtung wo der Erhabene weilte, und ließ
dann dreimal den Gruß ertönen:
»Verehrung dem Erhabenen,
Dem heilig auferwachten Herrn!
»Verehrung dem Erhabenen,
Dem heilig auferwachten Herrn!
»Verehrung dem Erhabenen,
Dem heilig auferwachten Herrn!«
»O dass wir doch einmal Gelegenheit hätten mit jenem Herrn 178
Gotamo zusammenzutreffen, dass doch irgend eine Unterredung
zwischen uns stattfände!«
Und der Brāhmane Jāṇussoṇi begab sich nun dorthin wo der
Erhabene weilte, wechselte höflichen Gruß und freundliche,
denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzte sich zur Seite
nieder. Zur Seite sitzend berichtete nun der Brāhmane Jāṇussoṇi
dem Erhabenen von seiner Begegnung mit dem Pilger Pilotikā und
erzählte das ganze Gespräch. Hierauf wandte sich der Erhabene
an den Brāhmanen Jāṇussoṇi und sprach:
»Bis dahin, Brāhmane, ist der Vergleich mit der Elephantenspur
nur unvollständig ausgeführt; wie aber, Brāhmane, dieser
Vergleich vollständig wird, das höre und achte wohl auf meine
Rede.«
»Ja, o Herr!« erwiderte aufmerksam der Brāhmane Jāṇussoṇi dem
Erhabenen. Der Erhabene sprach also: