Erhabenen ein lehrreiches Gespräch gehört haben: gut wär’ es,
Bruder Ānando, wenn wir vom Munde des Erhabenen ein lehrreiches
Gespräch zu hören bekämen.«
»Wohlan, Ehrwürdige, so begebt euch zur Klause des Brāhmanen
Rammako, vielleicht werdet ihr vom Munde des Erhabenen ein
lehrreiches Gespräch zu hören bekommen.«
»Das wollen wir thun, Bruder!« erwiderten da jene Mönche dem
ehrwürdigen Ānando.
Nachdem nun der Erhabene in Sāvatthī von Haus zu Haus getreten
und vom Almosengange zurückgekehrt war, wandte er sich nach dem
Mahle an den ehrwürdigen Ānando:
»Komm’, Ānando, lass’ uns in den Osthain gehn, zu Mutter
Migāros Terrasse, und bis gegen Abend dort verweilen.«
»Wohl, o Herr!« erwiderte der ehrwürdige Ānando dem Erhabenen.
Und der Erhabene begab sich nun mit dem ehrwürdigen Ānando in 161
den Osthain, zu Mutter Migāros Terrasse, für den Tag.
Als nun der Erhabene gegen Abend die Gedenkensruhe beendet
hatte, wandte er sich zum ehrwürdigen Ānando:
»Komm’, Ānando, gehn wir ins Alte Bad, die Glieder erfrischen.«
»Wohl, o Herr!« erwiderte der ehrwürdige Ānando dem Erhabenen.
Und der Erhabene ging nun mit dem ehrwürdigen Ānando ins Alte
Bad, die Glieder erfrischen. Nachdem der Erhabene seine
Glieder im Alten Bade besprengt und bespült hatte, nahm er
eines seiner drei Kleidungstücke um und ließ die Glieder
vorerst trocknen.[19] Da nun sprach der ehrwürdige Ānando zum
Erhabenen also:
»Jene Klause des Brāhmanen Rammako, o Herr, ist nicht weit von
hier, entzückend gelegen, o Herr, in heiterer Ruhe. Gut wär’
es, o Herr wenn der Erhabene sich dorthin begeben möchte, von
Mitleid bewogen!«
Schweigend gewährte der Erhabene die Bitte. Und der Erhabene
begab sich nun zur Klause des Brāhmanen Rammako.
Um diese Zeit aber waren dort viele Mönche in lehrreichem
Gespräche versammelt. Da blieb der Erhabene vor dem Thore
der Klause stehn und wartete das Ende des Gespräches ab. Als
nun der Erhabene merkte, das Gespräch sei zu Ende, räusperte
er sich und schlug mit dem Klopfer an; jene Mönche aber
öffneten dem Erhabenen die Pforte. Und der Erhabene betrat
nun die Klause des Brāhmanen Rammako und setzte sich auf den
dargebotenen Sitz. Hierauf wandte sich der Erhabene an die
Mönche:
»Zu welchem Gespräch, ihr Mönche, seid ihr jetzt hier
zusammengekommen, und wobei habt ihr euch eben unterbrochen?«
»Um des Erhabenen willen, o Herr, haben wir ein lehrreiches
Gespräch unterbrochen: denn der Erhabene ist gekommen!«
»Gut, meine Mönche, das steht euch an, meine Mönche, die ihr
als edle Söhne von Zuversicht bewogen aus dem Hause in die
Hauslosigkeit gewandert seid, dass ihr zu lehrreichem Gespräche
zusammenkommet. Trefft ihr euch, meine Mönche, so geziemt euch
zweierlei: lehrreiches Gespräch oder heiliges Schweigen.
* * * * *
»Zwei Ziele, ihr Mönche, giebt es: das heilige Ziel und das
unheilige Ziel. Was ist aber, ihr Mönche, das unheilige Ziel?
Da sucht, ihr Mönche, einer, selber der Geburt unterworfen, 162
was auch der Geburt unterworfen ist; selber dem Altern
unterworfen sucht er was auch dem Altern unterworfen ist;
selber der Krankheit unterworfen sucht er was auch der
Krankheit unterworfen ist; selber dem Sterben unterworfen
sucht er was auch dem Sterben unterworfen ist; selber dem
Schmerz unterworfen sucht er was auch dem Schmerze unterworfen
ist; selber dem Schmutz unterworfen sucht er was auch dem
Schmutze unterworfen ist. Was aber, ihr Mönche, nennet ihr der
Geburt unterworfen? Weib und Kind, ihr Mönche, ist der Geburt
unterworfen, Knecht und Magd ist der Geburt unterworfen, Lamm
und Ziege ist der Geburt unterworfen, Schwein und Hahn ist der
Geburt unterworfen, Elephant und Rind, Hengst und Stute ist der
Geburt unterworfen, Gold und Silber ist der Geburt unterworfen.
Der Geburt unterworfen sind diese Gebilde, ihr Mönche; und da
sucht man verlockt, geblendet, hingerissen, selber der Geburt
unterworfen was auch der Geburt unterworfen ist. Was aber, ihr
Mönche, nennet ihr dem Altern, der Krankheit, dem Sterben, dem
Schmerze, dem Schmutze unterworfen? Weib und Kind, ihr Mönche,
Knecht und Magd, Lamm und Ziege, Schwein und Hahn, Elephant und
Rind, Hengst und Stute, Gold und Silber ist dem Altern, der
Krankheit, dem Sterben, dem Schmerze, dem Schmutze unterworfen.
Dem Altern, der Krankheit, dem Sterben, dem Schmerze, dem
Schmutze unterworfen sind diese Gebilde, ihr Mönche; und
da sucht man verlockt, geblendet, hingerissen, selber dem
Altern, der Krankheit, dem Sterben, dem Schmerze, dem Schmutze
unterworfen was auch dem Altern, der Krankheit, dem Sterben,
dem Schmerze, dem Schmutze unterworfen ist. Das ist, ihr
Mönche, das unheilige Ziel.
»Was ist aber, ihr Mönche, das heilige Ziel? Da sucht, ihr
Mönche, einer, selber der Geburt unterworfen, das Elend 163
dieses Naturgesetzes merkend, die geburtlose unvergleichliche
Sicherheit, die Wahnerlöschung; selber dem Altern unterworfen,
das Elend dieses Naturgesetzes merkend, sucht er die alterlose
unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung; selber der
Krankheit unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend,
sucht er die krankheitlose unvergleichliche Sicherheit, die
Wahnerlöschung; selber dem Sterben unterworfen, das Elend
dieses Naturgesetzes merkend, sucht er die unsterbliche
unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung; selber dem
Schmerze unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend,
sucht er die unbeschmerzte unvergleichliche Sicherheit, die
Wahnerlöschung; selber dem Schmutze unterworfen, das Elend
dieses Naturgesetzes merkend, sucht er die unbeschmutzte
unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung. Das ist, ihr
Mönche, das heilige Ziel.
»Auch ich habe einst, ihr Mönche, noch vor der vollen
Erwachung, als unvollkommen Erwachter, Erwachung erst
Erringender, selber der Geburt unterworfen, gesucht was auch
der Geburt unterworfen ist; selber dem Altern unterworfen,
gesucht was auch dem Altern unterworfen ist; selber der
Krankheit unterworfen, gesucht was auch der Krankheit
unterworfen ist; selber dem Sterben unterworfen, gesucht
was auch dem Sterben unterworfen ist; selber dem Schmerz
unterworfen, gesucht was auch dem Schmerze unterworfen ist;
selber dem Schmutz unterworfen, gesucht was auch dem Schmutze
unterworfen ist.
»Da kam mir, ihr Mönche, der Gedanke: ›Was suche ich denn,
selber der Geburt, dem Altern, der Krankheit, dem Sterben,
dem Schmerze, dem Schmutze unterworfen, was auch der Geburt,
dem Altern, der Krankheit, dem Sterben, dem Schmerze, dem
Schmutze unterworfen ist? Wie, wenn ich nun, selber der Geburt
unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die
geburtlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung
suchte? Selber dem Altern unterworfen, das Elend dieses
Naturgesetzes merkend, die alterlose unvergleichliche
Sicherheit, die Wahnerlöschung suchte? Selber der Krankheit
unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die
krankheitlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung
suchte? Selber dem Sterben unterworfen, das Elend dieses
Naturgesetzes merkend, die unsterbliche unvergleichliche
Sicherheit, die Wahnerlöschung suchte? Selber dem Schmerz
unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die
unbeschmerzte unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung
suchte? Selber dem Schmutze unterworfen, das Elend dieses
Naturgesetzes merkend, die unbeschmutzte unvergleichliche
Sicherheit, die Wahnerlöschung suchte?‹
»Und ich zog, ihr Mönche, nach einiger Zeit, noch in frischer
Blüthe, glänzend dunkelhaarig, im Genusse glücklicher Jugend,
im ersten Mannesalter, gegen den Wunsch meiner weinenden und
klagenden Eltern, mit geschorenem Haar und Barte, mit fahlem
Gewande bekleidet, vom Hause fort in die Hauslosigkeit hinaus.
»Also Pilger geworden, das wahre Gut suchend, nach dem
unvergleichlichen höchsten Friedenspfade forschend, begab ich
mich zu Āḷāro Kālāmo und sprach zu ihm: ›Ich möchte, Bruder
Kālāmo, in dieser Lehre und Ordnung das Asketenleben führen.‹
Hierauf, ihr Mönche, erwiderte mir Āḷāro Kālāmo: ›Bleibt,
Ehrwürdiger! Solcherart ist diese Lehre, dass ein verständiger
Mann, sogar binnen kurzem, sich die eigene Meisterschaft 164
begreiflich und offenbar machen und ihren Besitz erlangen
kann.‹ Und ich begriff, ihr Mönche, binnen kurzem, sehr bald
diese Lehre. Ich lernte nun soviel, ihr Mönche, als Lippen
und Laute mitzutheilen vermögen, das Wort des Wissens und das
Wort der älteren Jünger, und ich und die anderen wussten: ›Wir
kennen und verstehn es.‹ Da kam mir, ihr Mönche, der Gedanke:
›Āḷāro Kālāmo verkündet nicht die ganze Lehre nach seinem
Glauben ‚Mir selbst begreiflich und offenbar gemacht verweil’
ich in ihrem Besitze‘, sicher kennt Āḷāro Kālāmo diese Lehre
genau.‹ Ich ging nun, ihr Mönche, zu Āḷāro Kālāmo hin und
sprach also: ›Inwiefern, Bruder Kālāmo, erklärst du, dass wir
diese Lehre begriffen, uns offenbar gemacht und ihren Besitz
erlangt haben?‹ Hierauf, ihr Mönche, stellte Āḷāro Kālāmo
das Reich des Nichtdaseins dar. Da kam mir, ihr Mönche, der
Gedanke: ›Nicht einmal Āḷāro Kālāmo hat Zuversicht, ich aber
habe Zuversicht; nicht einmal Āḷāro Kālāmo hat Standhaftigkeit,
ich aber habe Standhaftigkeit; nicht einmal Āḷāro Kālāmo hat
Einsicht, ich aber habe Einsicht; nicht einmal Āḷāro Kālāmo
hat Selbstvertiefung, ich aber habe Selbstvertiefung; nicht
einmal Āḷāro Kālāmo hat Weisheit, ich aber habe Weisheit. Wie,
wenn ich nun diese Lehre, von welcher Āḷāro Kālāmo sagt ‚Mir
selbst begreiflich und offenbar gemacht verweil’ ich in ihrem
Besitze‘, mir anzueignen suchte, damit sie mir völlig klar
würde?‹ Und binnen kurzem, sehr bald, ihr Mönche, hatte ich
diese Lehre begriffen, mir offenbar gemacht und ihren Besitz
erlangt. Ich ging nun, ihr Mönche, wieder zu Āḷāro Kālāmo hin
und sprach also: ›Ist diese Lehre, Bruder Kālāmo, insofern
von uns begriffen, offenbar gemacht und erlangt worden?‹ --
›Insofern, o Bruder, ist diese Lehre begriffen, offenbar
gemacht und erlangt worden.‹ -- ›Ich habe nun, Bruder Kālāmo,
diese Lehre insofern begriffen, mir offenbar gemacht und
erlangt.‹ -- ›Beglückt sind wir, o Bruder, hoch begünstigt, die
wir einen solchen Ehrwürdigen als ächten Asketen erblicken!
So wie ich die Lehre verkünde, so hast du sie erlangt; so wie 165
du sie erlangt hast, so verkünde ich die Lehre. So wie ich
die Lehre kenne, so kennst du die Lehre; so wie du die Lehre
kennst, so kenne ich die Lehre. So wie ich bin, so bist du; so
wie du bist, so bin ich. Komm’ denn, Bruder: selbander wollen
wir diese Jüngerschaar lenken.‹ So, ihr Mönche, erklärte Āḷāro
Kālāmo, mein Lehrer, mich, seinen Schüler, als ihm ebenbürtig
und ehrte mich mit hoher Ehre. Da kam mir, ihr Mönche, der
Gedanke: ›Nicht diese Lehre führt zur Abkehr, zur Wendung, zur
Auflösung, zur Aufhebung, zur Durchschauung, zur Erwachung,
zur Erlöschung, sondern nur zur Einkehr in das Reich des
Nichtdaseins.‹ Und ich fand diese Lehre ungenügend, ihr Mönche,
und unbefriedigt von ihr zog ich fort.
»Ich begab mich nun, ihr Mönche, das wahre Gut suchend, nach
dem unvergleichlichen höchsten Friedenspfade forschend, zu
Uddako, dem Sohne Rāmos, und sprach zu ihm: ›Ich möchte, Bruder
Rāmo, in dieser Lehre und Ordnung das Asketenleben führen.‹
Hierauf, ihr Mönche, erwiderte mir Uddako Rāmaputto: ›Bleibt,
Ehrwürdiger! Solcherart ist diese Lehre, dass ein verständiger
Mann, sogar binnen kurzem, sich die eigene Meisterschaft
begreiflich und offenbar machen und ihren Besitz erlangen
kann.‹ Und ich begriff, ihr Mönche, binnen kurzem, sehr bald
diese Lehre. Ich lernte nun soviel, ihr Mönche, als Lippen
und Laute mitzutheilen vermögen, das Wort des Wissens und das
Wort der älteren Jünger, und ich und die anderen wussten: ›Wir
kennen und verstehn es.‹ Da kam mir, ihr Mönche, der Gedanke:
›Rāmo hat nicht die ganze Lehre nach seinem Glauben ‚Mir
selbst begreiflich und offenbar gemacht verweil’ ich in ihrem
Besitze‘ verkündet, sicher hat Rāmo diese Lehre genau gekannt.‹
Ich ging nun, ihr Mönche, zu Uddako, dem Sohne Rāmos, hin und
sprach also: ›Inwiefern, Bruder, hat Rāmo diese Lehre als von
uns begriffen, offenbar gemacht und erlangt erklärt?‹ Hierauf,
ihr Mönche, stellte Uddako, der Sohn Rāmos, die Gränzscheide
möglicher Wahrnehmung dar. Da kam mir, ihr Mönche, der
Gedanke: ›Nicht einmal Rāmo hatte Zuversicht, ich aber habe
Zuversicht; nicht einmal Rāmo hatte Standhaftigkeit, ich aber 166
habe Standhaftigkeit; nicht einmal Rāmo hatte Einsicht, ich
aber habe Einsicht; nicht einmal Rāmo hatte Selbstvertiefung,
ich aber habe Selbstvertiefung; nicht einmal Rāmo hatte
Weisheit, ich aber habe Weisheit. Wie, wenn ich nun diese
Lehre, von welcher Rāmo sagte ‚Mir selbst begreiflich und
offenbar gemacht verweil’ ich in ihrem Besitze‘, mir anzueignen
suchte, damit sie mir völlig klar würde?‹ Und binnen kurzem,
sehr bald, ihr Mönche, hatte ich diese Lehre begriffen, mir
offenbar gemacht und ihren Besitz erlangt. Ich ging nun, ihr
Mönche, wieder zu Uddako Rāmaputto hin und sprach also: ›Ist
diese Lehre, Bruder, der Darlegung Rāmos gemäß insofern von uns
begriffen, offenbar gemacht und erlangt worden?‹ -- ›Insofern,
Bruder, hat Rāmo diese Lehre als begriffen, offenbar gemacht
und erlangt dargestellt.‹ -- ›Ich habe nun, Bruder, diese Lehre
insofern begriffen, mir offenbar gemacht und erlangt.‹ --
›Beglückt sind wir, o Bruder, hoch begünstigt, die wir einen
solchen Ehrwürdigen als ächten Asketen erblicken! So wie Rāmo
die Lehre verkündet hat, so hast du die Lehre erlangt; so wie
du sie erlangt hast, so hat Rāmo die Lehre verkündet. So wie
Rāmo die Lehre gekannt hat, so kennst du die Lehre; so wie du
die Lehre kennst, so hat Rāmo die Lehre gekannt. So wie Rāmo
war, so bist du; so wie du bist, so war Rāmo. Komm’ denn, o
Bruder: sei du das Haupt dieser Jüngerschaar.‹ So, ihr Mönche,
belehnte Uddako Rāmaputto, mein Ordensbruder, mich mit der
Meisterschaft und ehrte mich mit hoher Ehre. Da kam mir, ihr
Mönche, der Gedanke: ›Nicht diese Lehre führt zur Abkehr, zur
Wendung, zur Auflösung, zur Aufhebung, zur Durchschauung, zur
Erwachung, zur Erlöschung, sondern nur zur Einkehr in das Reich
der Gränze möglicher Wahrnehmung.‹ Und ich fand diese Lehre
ungenügend, ihr Mönche, und unbefriedigt von ihr zog ich fort.
»Ich wanderte nun, ihr Mönche, das wahre Gut suchend, nach
dem unvergleichlichen höchsten Friedenspfade forschend, im
Magadhā-Lande von Ort zu Ort und kam in die Nähe der Burg 167
Uruvelā. Dort sah ich einen entzückenden Fleck Erde: einen
heiteren Waldesgrund, einen hell strömenden Fluss, zum Baden
geeignet, erfreulich, und rings umher Wiesen und Felder. Da kam
mir, ihr Mönche, der Gedanke: ›Entzückend, wahrlich, ist dieser
Fleck Erde! Heiter ist der Waldesgrund, der Fluss strömt hell
dahin, zum Baden geeignet, erfreulich, und rings umher liegen
Wiesen und Felder. Das genügt wohl einem Askese begehrenden
edlen Sohne zur Askese.‹ Und ich setzte mich nun, ihr Mönche,
dort nieder: ›Das genügt zur Askese.‹
»Und der ich, ihr Mönche, selber der Geburt unterworfen,
das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die geburtlose
unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchte,
fand die geburtlose unvergleichliche Sicherheit, die
Wahnerlöschung; der ich, selber dem Altern unterworfen,
das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die alterlose
unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchte, fand
die alterlose unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung;
der ich, selber der Krankheit unterworfen, das Elend dieses
Naturgesetzes merkend, die krankheitlose unvergleichliche
Sicherheit, die Wahnerlöschung suchte, fand die krankheitlose
unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung; der ich,
selber dem Sterben unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes
merkend, die unsterbliche unvergleichliche Sicherheit, die
Wahnerlöschung suchte, fand die unsterbliche unvergleichliche
Sicherheit, die Wahnerlöschung; der ich, selber dem Schmerze
unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die
unbeschmerzte unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung
suchte, fand die unbeschmerzte unvergleichliche Sicherheit,
die Wahnerlöschung; der ich, selber dem Schmutze unterworfen,
das Elend dieses Naturgesetzes merkend, die unbeschmutzte
unvergleichliche Sicherheit, die Wahnerlöschung suchte,
fand die unbeschmutzte unvergleichliche Sicherheit, die
Wahnerlöschung. Die klare Gewissheit ging mir nun auf:
›Für ewig bin erlöst ich,
Das ist das letzte Leben,
Und nicht mehr giebt es Wiedersein.‹
»Da kam mir, ihr Mönche, der Gedanke: ›Entdeckt hab’ ich diese
tiefe Satzung, die schwer zu gewahren, schwer zu erkunden
ist, die stille, erlesene, unbekrittelbare, feine, Weisen
erfindliche. Vergnügen aber sucht ja dieses Geschlecht,
Vergnügen liebt es, Vergnügen schätzt es. Dem Vergnügen
suchenden Geschlechte nun aber, Vergnügen liebenden, Vergnügen
schätzenden ist ein solches Ding kaum verständlich: als wie
das auf gewisse Weise bedingt sein, die bedingte Entstehung;
und auch ein solches Ding wird es kaum verstehn: eben dieses
Aufgehn aller Unterscheidung, die Abwehr aller Anhaftung, das
Versiegen des Durstes, die Wendung, Auflösung, Erlöschung. Wenn 168
ich also die Satzung darlege und die anderen mich doch nicht
begreifen, so ist mir Plage gewiss und Anstoß.‹ Und es sind da,
ihr Mönche, diese naturgemäßen Sprüche mir aufgeleuchtet, die
vorher nie gehörten:
›Mit heißer Mühe was ich fand
Nun offenbaren wär’ umsonst:
Das gier- und hassverzehrte Volk
Ist solcher Satzung nicht geneigt.
›Die stromentgegen gehende
Tief innig zart verborgene
Bleibt Gierergetzten unsichtbar
In dichter Finsterniss verhüllt.‹
»Also erwägend, ihr Mönche, neigte sich mein Gemüth zur
Verschlossenheit, nicht zur Darlegung der Lehre. Da nun
gewahrte, ihr Mönche, Brahmā Sahampati[20] meines Herzens
Bedenken und klagte: ›Verderben, ach, wird ja die Welt, elend
verderben, wenn des Vollendeten, Heiligen, vollkommen Erwachten
Gemüth sich zur Verschlossenheit neigt und nicht zur Darlegung
der Lehre!‹ Da verschwand nun, ihr Mönche, Brahmā Sahampati,
so schnell wie etwa ein kräftiger Mann den eingezogenen Arm
ausstrecken oder den ausgestreckten Arm einziehn mag, aus der
Brahmawelt und erschien vor mir. Da nun entblößte, ihr Mönche,
Brahmā Sahampati eine Schulter, faltete die Hände zu mir und
sprach hierauf also:
›O dass doch der Erhabene, o Herr, die Lehre darlege, o dass
doch der Willkommene die Lehre darlege! Es giebt Wesen edlerer
Art: ohne Gehör der Lehre verlieren sie sich; sie werden die
Lehre verstehn.‹
»Das sagte, ihr Mönche, Brahmā Sahampati; und hierauf sprach er
fernerhin also:
›Verkündet ward in Magadhā Verkehrtes,
Vertrübte Lehre von Unreinen ausgedacht:
Eröffne du jetzt dieses Thor des Lebens,
Der Reine weise zur entdeckten Wahrheit uns.
›Wie einer, der am Gipfel hoher Berge steht
Und in die Lande blickt nach allen Seiten hin,
So blick’, Allauge du, vom Thurm der Wahrheit
In dieses Schmerzenreich, du Schmerzenlöser!
Sieh’ hin, o Weiser, auf das Sein:
Entstehn-Vergehn ist seine Pein.
›Wohlan, o Helde, siegreicher Kampfesherr, 169
Geh’ hin zur Welt, entsühnt, o Meisterführer du!
Die Lehre mögest, Herr, verkünden:
Es werden sich Verständige finden.‹
»Auf das Anliegen Brahmās nun, ihr Mönche, und aus Erbarmen
zu den Wesen blickte ich mit dem erwachten Auge in die Welt.
Und ich sah, ihr Mönche, mit dem erwachten Auge in die Welt
blickend, Wesen edlerer Art und gemeinerer Art, scharfsinnige
und stumpfsinnige, gut begabte und schlecht begabte, leicht
begreifende und schwer begreifende und auch manche, die das
Anpreisen einer anderen Welt für arg erachten. Gleichwie
etwa, ihr Mönche, in einem Lotusweiher einzelne blaue oder
rothe oder weiße Lotusrosen im Wasser entstehn, im Wasser
sich entwickeln, unter dem Wasserspiegel bleiben, aus der
Wassertiefe Nahrung aufsaugen; einzelne blaue oder rothe oder
weiße Lotusrosen im Wasser entstehn, im Wasser sich entwickeln,
bis zum Wasserspiegel dringen; einzelne blaue oder rothe oder
weiße Lotusrosen im Wasser entstehn, im Wasser sich entwickeln,
über das Wasser emporsteigen und dastehn unbenetzt von Wasser:
ebenso nun auch, ihr Mönche, sah ich, mit dem erwachten Auge
in die Welt blickend, Wesen edlerer Art und gemeinerer Art,
scharfsinnige und stumpfsinnige, gut begabte und schlecht
begabte, leicht begreifende und schwer begreifende und auch
manche, die das Anpreisen einer anderen Welt für arg erachten.
»Und ich erwiderte nun, ihr Mönche, Brahmā Sahampati’n mit
dem Spruche:
»Erschlossen sind zur Ewigkeit die Thore:
Wer Ohren hat zu hören komm’ und höre.
Den Anstoß ahnend wahrt’ ich unberedsam
Das köstlich Edle vor den Menschen, Brahmā.«
»Da nun, ihr Mönche, sagte Brahmā Sahampati: ›Gewährung
hat mir der Erhabene verheißen, die Lehre darzulegen‹,
begrüßte mich ehrerbietig, ging rechts herum und war alsbald
verschwunden.
»Da kam mir, ihr Mönche, der Gedanke: ›Wem könnt’ ich nun
wohl zuerst die Lehre darlegen, wer wird diese Lehre gar bald
begreifen?‹ Da kam mir, ihr Mönche, der Gedanke: ›Jener Āḷāro
Kālāmo ist weise, entfremdet, tiefsinnig, lebt seit langer
Zeit der Entsagung; wenn ich nun ihm zuerst die Lehre darlege, 170
wird er diese Lehre gar bald begreifen.‹ Da nun kamen, ihr
Mönche, Gottheiten zu mir und sagten: ›Vor sieben Tagen, o
Herr, ist Āḷāro Kālāmo gestorben.‹ Die klare Gewissheit ging
mir nun auf: ›Vor sieben Tagen ist Āḷāro Kālāmo gestorben.‹ Da
kam mir, ihr Mönche, der Gedanke: ›Ein großer Geist war Āḷāro
Kālāmo: hätte er diese Lehre vernommen, er hätte sie gar bald
begriffen.‹ Da kam mir, ihr Mönche, der Gedanke: ›Wem könnt’
ich nun wohl zuerst die Lehre darlegen, wer wird diese Lehre
gar bald begreifen?‹ Da kam mir, ihr Mönche, der Gedanke:
›Jener Uddako Rāmaputto ist weise, entfremdet, tiefsinnig, lebt
seit langer Zeit der Entsagung; wenn ich nun ihm zuerst die
Lehre darlege, wird er diese Lehre gar bald begreifen.‹ Da nun
kamen, ihr Mönche, Gottheiten zu mir und sagten: ›Am Abend, o
Herr, ist Uddako Rāmaputto gestorben.‹ Die klare Gewissheit
ging mir nun auf: ›Am Abend ist Uddako Rāmaputto gestorben.‹
Da kam mir, ihr Mönche, der Gedanke: ›Ein großer Geist war
Uddako Rāmaputto: hätte er diese Lehre vernommen, er hätte sie
gar bald begriffen.‹ Da kam mir, ihr Mönche, der Gedanke: ›Wem
könnt’ ich nun wohl zuerst die Lehre darlegen, wer wird diese
Lehre gar bald begreifen?‹ Da kam mir, ihr Mönche, der Gedanke:
›Zugethan sind mir ja die Fünf verbündeten Mönche, die meiner
warteten, als ich mich der Askese hingab; wie, wenn ich nun
zuerst den Fünf verbündeten Mönchen die Lehre darlegen möchte?‹
Da kam mir, ihr Mönche, der Gedanke: ›Wo weilen wohl jetzt
die Fünf verbündeten Mönche?‹ Und ich sah, ihr Mönche, mit dem
himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen
hinausreichenden, den Aufenthalt der Fünf verbündeten Mönche
bei Benāres, am Sehersteine, im Wildparke.[21] Und ich begab
mich nun, ihr Mönche, da ich in Uruvelā nach Belieben geweilt
hatte, auf die Wanderung nach Benāres.
»Da begegnete mir, ihr Mönche, Upako, ein Nackter Büßer, auf
dem Wege vom Baum der Erwachung nach Gayā, und als er mich
gesehen hatte sprach er also zu mir:
›Heiter, o Bruder, ist dein Angesicht, hell die Hautfarbe und
rein! Um wessen willen, o Bruder, bist du hinausgezogen? Wer
ist wohl dein Meister? Oder zu wessen Lehre bekennst du dich?‹
»Auf diese Worte, ihr Mönche, sprach ich zu Upako dem Nackten 171
Büßer die Sprüche:
»Allüberwinder, Allerkenner bin ich,
Von allen Dingen ewig abgeschieden,
Verlassend alles, lebenswahngeläutert,
Durch mich allein belehrt, wen kann ich nennen?
»Kein Lehrer hat mich aufgeklärt,
Kein Wesen giebt es, das mir gleicht,
Die Welt mit ihren Göttern hat
Nicht Einen Ebenbürtigen.
»Denn ich bin ja der Herr der Welt,
Der höchste Meister, der bin ich,
Ein einzig Allvollendeter,
Vollkommen Wahnerloschener.