dieser Dinge?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Wie nun, o Bruder: auf die Frage ›Ist da wohl reine Tugend
hanglose Wahnerlöschung‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹;
auf die Frage ›So ist vielleicht, o Bruder, reines Herz
hanglose Wahnerlöschung‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹;
auf die Frage ›So ist wohl, o Bruder, reine Erkenntnis hanglose
Wahnerlöschung‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die
Frage ›Ist nun etwa, o Bruder, reine Gewissheit hanglose
Wahnerlöschung‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die
Frage ›Oder ist da, o Bruder, reine Wissenschaft der Wege
hanglose Wahnerlöschung‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹;
auf die Frage ›Oder ist, o Bruder, reine Wissenschaft des
Pfades hanglose Wahnerlöschung‹ antwortest du ›Das nicht,
o Bruder‹; auf die Frage ›Oder ist dann, o Bruder, reine
Wissenschaft hanglose Wahnerlöschung‹ antwortest du ›Das nicht,
o Bruder‹; auf die Frage ›So liegt also, o Bruder, hanglose
Wahnerlöschung außerhalb dieser Dinge‹ antwortest du ›Das
nicht, o Bruder‹. Wie soll da wohl, o Bruder, dieser Rede Sinn
verstanden werden?«
»Hätte der Erhabene, o Bruder, reine Tugend als hanglose
Wahnerlöschung bezeichnet, so würde ja der Erhabene Hanghaftes
als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet haben. Hätte der
Erhabene, o Bruder, reines Herz als hanglose Wahnerlöschung
bezeichnet, so würde ja der Erhabene Hanghaftes als hanglose
Wahnerlöschung bezeichnet haben. Hätte der Erhabene, o Bruder,
reine Erkenntniss als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet, so
würde ja der Erhabene Hanghaftes als hanglose Wahnerlöschung
bezeichnet haben. Hätte der Erhabene, o Bruder, reine
Gewissheit als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet, so würde ja
der Erhabene Hanghaftes als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet
haben. Hätte der Erhabene, o Bruder, reine Wissenschaft der
Wege als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet, so würde ja der
Erhabene Hanghaftes als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet
haben. Wäre aber, o Bruder, hanglose Wahnerlöschung ohne
diese Dinge möglich, so erlangte der gemeine Mensch die
Wahnerlöschung: denn der gemeine Mensch, o Bruder, ist
ohne diese Dinge. Desshalb will ich dir nun, o Bruder, ein
Gleichniss geben: auch durch Gleichnisse wird da manchem
verständigen Manne der Sinn einer Rede klar. -- Gleichwie
etwa, o Bruder, wenn den König Pasenadi Kosalo, während er in
Sāvatthī residiert, irgend ein dringendes Geschäft nach Sāketam
riefe: da würden für ihn zwischen Sāvatthī und Sāketam sieben 149
Eilposten eingestellt werden. Und der König Pasenadi Kosalo, o
Bruder, verließe seine Burg zu Sāvatthī, bestiege vor dem Thore
die erste Eilpost und führe mit dieser ersten bis zur zweiten.
Dann stiege er aus der ersten in die zweite ein und führe mit
dieser zweiten bis zur dritten. Dann stiege er aus der zweiten
in die dritte ein und führe mit dieser dritten bis zur vierten.
Dann stiege er aus der dritten in die vierte ein und führe
mit dieser vierten bis zur fünften. Dann stiege er aus der
vierten in die fünfte ein und führe mit dieser fünften bis zur
sechsten. Dann stiege er aus der fünften in die sechste ein
und führe mit dieser sechsten bis zur siebenten. Dann stiege
er aus der sechsten in die siebente ein und führe mit der
siebenten Eilpost bis nach Sāketam, vor das Thor seiner Burg.
Dort angekommen frügen ihn Brüder und Vettern, Minister und
Räthe: ›Mit dieser Eilpost, großer König, bist du von Sāvatthī
nach Sāketam gefahren, bis zum Burgthor?‹ Wie möchte da wohl, o
Bruder, der König Pasenadi Kosalo rechten Bescheid ertheilen?«
»Also, o Bruder, möchte der König Pasenadi Kosalo rechten
Bescheid ertheilen: ›Während meiner Anwesenheit in Sāvatthī hat
mich ein bestimmtes wichtiges Ereigniss nach Sāketam gerufen.
Da befahl ich, sieben Eilposten zwischen Sāvatthī und Sāketam
für mich einzustellen. Und ich verließ meine Burg zu Sāvatthī,
bestieg vor dem Thore die erste Eilpost und fuhr mit dieser
ersten bis zur zweiten. Dann stieg ich aus der ersten in die
zweite ein und fuhr mit dieser zweiten bis zur dritten. Dann
stieg ich aus der zweiten in die dritte ein und fuhr mit dieser
dritten bis zur vierten. Dann stieg ich aus der dritten in die
vierte ein und fuhr mit dieser vierten bis zur fünften. Dann
stieg ich aus der vierten in die fünfte ein und fuhr mit dieser
fünften bis zur sechsten. Dann stieg ich aus der fünften in die
sechste ein und fuhr mit dieser sechsten bis zur siebenten.
Dann stieg ich aus der sechsten in die siebente ein und bin
mit der siebenten Eilpost in Sāketam angekommen, hier vor dem
Burgthor.‹ Also, o Bruder, möchte der König Pasenadi Kosalo
rechten Bescheid ertheilen.«
»Ebenso nun auch, o Bruder, führt reine Tugend zu reinem
Herzen, reines Herz zu reiner Erkenntniss, reine Erkenntniss zu
reiner Gewissheit, reine Gewissheit zu reiner Wissenschaft der 150
Wege, reine Wissenschaft der Wege zu reiner Wissenschaft des
Pfades, reine Wissenschaft des Pfades zu reiner Wissenschaft,
reine Wissenschaft zu hangloser Wahnerlöschung. Um hangloser
Wahnerlöschung willen, o Bruder, wird beim Erhabenen heiliges
Leben gepflegt.«
* * * * *
Nach diesen Worten sagte der ehrwürdige Sāriputto zum
ehrwürdigen Puṇṇo Mantāṇiputto:
»Wie heißt der Ehrwürdige und unter welchem Namen kennen den
Ehrwürdigen die Ordensbrüder?«
»Puṇṇo heiße ich, o Bruder, und als Mantāṇiputto kennen mich
die Ordensbrüder.«
»Wunderbar, o Bruder, außerordentlich ist es, wie erschöpfend
ein so erfahrener Jünger, ein so gründlicher Kenner des
Meisterwortes, der ehrwürdige Puṇṇo Mantāṇiputto, diese
überaus tiefsinnigen Fragen beantwortet hat. Gesegnet sind
die Ordensbrüder, hochgesegnet sind die Ordensbrüder, denen
der Anblick, denen die Gesellschaft des ehrwürdigen Puṇṇo
Mantāṇiputto gegönnt ist! Und wenn den Ordensbrüdern Anblick
und Gesellschaft des ehrwürdigen Puṇṇo Mantāṇiputto nur
verhüllten Hauptes gegönnt wäre, so wären sie auch dann noch
gesegnet, hochgesegnet. Gesegnet, hochgesegnet sind auch wir,
die wir den Anblick und die Gesellschaft des ehrwürdigen Puṇṇo
Mantāṇiputto genießen!«
Auf diese Worte sagte der ehrwürdige Puṇṇo Mantāṇiputto zum
ehrwürdigen Sāriputto:
»Wie heißt der Ehrwürdige und unter welchem Namen kennen den
Ehrwürdigen die Ordensbrüder?«
»Upatisso heiße ich, o Bruder, und als Sāriputto kennen mich
die Ordensbrüder.«
»Als wir uns mit euch, dem Jünger, der dem Meister gleicht,
wie man sagt, unterhielten, wussten wir nicht: das ist der
ehrwürdige Sāriputto. Hätten wir das gewusst, wären wir nicht
so ausführlich gewesen. Wunderbar, o Bruder, außerordentlich
ist es, wie erschöpfend ein so erfahrener Jünger, ein so
gründlicher Kenner des Meisterwortes, der ehrwürdige Sāriputto,
diese überaus tiefsinnigen Fragen gestellt hat. Gesegnet
sind die Ordensbrüder, hochgesegnet sind die Ordensbrüder,
denen der Anblick, denen die Gesellschaft des ehrwürdigen
Sāriputto gegönnt ist! Und wenn den Ordensbrüdern Anblick
und Gesellschaft des ehrwürdigen Sāriputto nur verhüllten
Hauptes gegönnt wäre, so wären sie auch dann noch gesegnet,
hochgesegnet. Gesegnet, hochgesegnet sind auch wir, die wir 151
den Anblick und die Gesellschaft des ehrwürdigen Sāriputto
genießen!«
So, wahrlich, ergetzten sich jene beiden Großen an
gegenseitiger trefflicher Rede.
25.
Dritter Theil Fünfte Rede
DAS FUTTER
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort
nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«
-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen
aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Nicht streut der Wildsteller, ihr Mönche, dem Wilde Futter
aus in dem Gedanken: ›Von dem Futter, das ich hier ausstreue,
möge das Wild genießen, um gesund zu bleiben und alt zu
werden, lange Zeit hindurch soll es sich davon ernähren‹,
sondern, ihr Mönche, er denkt dabei: ›Von dem Futter, das ich
hier ausstreue, angelockt wird sich das Wild blindem Genusse
ergeben; angelockt, blindem Genusse ergeben wird es behaglich
werden; behaglich geworden wird es sich gehn lassen; und wenn
es sich gehn lässt, wird es in diesem Gehäge meinem Gefallen
überliefert sein.‹
»Da kam, ihr Mönche, die erste Heerde Wildes heran, angelockt
von dem Futter, das der Wildsteller ausgestreut hatte, und
ergab sich blindem Genusse; angelockt, blindem Genusse ergeben
wurden die Thiere behaglich; behaglich geworden ließen sie sich
gehn; und als sie sich gehn ließen, waren sie in jenem Gehäge
dem Gefallen des Wildstellers überliefert. Und so konnte,
ihr Mönche, die erste Heerde Wildes aus dem Machtbereich des
Wildstellers nicht entkommen.
»Da gedachte, ihr Mönche, die zweite Heerde Wildes: ›Jene
Ersten sind von dem ausgestreuten Futter des Wildstellers
angelockt worden, haben sich blindem Genusse ergeben;
angelockt, blindem Genusse ergeben wurden sie behaglich;
behaglich geworden ließen sie sich gehn; und als sie sich gehn 152
ließen, waren sie in jenem Gehäge dem Gefallen des Wildstellers
überliefert. Und so konnten jene Ersten aus des Wildstellers
Machtbereich nicht entkommen. Wir aber wollen uns von allem
ausgestreuten Futter fern halten, fern von der Unglückspeise
tief in den Wald zurückziehn.‹ Und sie hielten sich fern
von allem ausgestreuten Futter, fern von der Unglückspeise
zogen sie sich tief in den Wald zurück. Und im letzten Monat
des Sommers, als Gras und Wasser versiegte, wurden sie
außerordentlich mager; außerordentlich mager geworden verloren
sie die Kraft; entkräftet gingen sie nun zu jenem Futter heran,
das der Wildsteller ausgestreut hatte. Angelockt ergaben sie
sich blindem Genusse; angelockt, blindem Genusse ergeben wurden
sie behaglich; behaglich geworden ließen sie sich gehn; und als
sie sich gehn ließen, waren sie in jenem Gehäge dem Gefallen
des Wildstellers überliefert. Und so konnte, ihr Mönche, auch
die zweite Heerde Wildes aus dem Machtbereich des Wildstellers
nicht entkommen.
»Da gedachte, ihr Mönche, die dritte Heerde Wildes: ›Jene
Ersten und auch jene Zweiten konnten also aus des Wildstellers
Machtbereich nicht entkommen. Wie, wenn wir uns nun in der Nähe 153
jenes Platzes aufhielten, wo der Wildsteller Futter ausstreut?
Dort weilend werden wir nicht angelockt und nicht blindlings
die Nahrung genießen; nicht angelockt und nicht blindlings die
Nahrung genießend werden wir nicht behaglich werden; nicht
behaglich geworden werden wir uns nicht gehn lassen; und wenn
wir uns nicht gehn lassen, werden wir in jenem Gehäge dem
Gefallen des Wildstellers nicht überliefert sein.‹ Und sie
hielten sich in der Nähe jenes Platzes auf, wo der Wildsteller
Futter ausstreute; dort weilend genossen sie nicht angelockt
und nicht blindlings die Nahrung; nicht angelockt und nicht
blindlings die Nahrung genießend wurden sie nicht behaglich;
nicht behaglich geworden ließen sie sich nicht gehn; und da sie
sich nicht gehn ließen, waren sie in jenem Gehäge dem Gefallen
des Wildstellers nicht überliefert. Da sagten sich, ihr Mönche,
der Wildsteller und seine Gesellen: ›Schlau ist wahrhaftig
dieses dritte, gewitzigte Rudel, magische Macht muss dieses
dritte, fremde Rudel besitzen, da es ja hier das ausgestreute
Futter verzehrt und keiner von uns entdecken kann, woher es
kommt, oder wohin es geht! Wir wollen jetzt den Futterplatz mit
großen Pfählen rings umstecken, von allen Seiten, damit wir
vielleicht auf solche Weise auskundschaften, wo sich das dritte
Rudel aufhält, wo es sich verbirgt.‹ Und sie säumten den
Futterplatz ringsumher, von allen Seiten, mit großen Pfählen
ein. Und der Wildsteller und seine Gesellen, ihr Mönche, sahn
nun, wo sich die dritte Heerde Wildes aufhielt, wo sie sich
verbarg. Und so konnte, ihr Mönche, auch die dritte Heerde
Wildes aus dem Machtbereich des Wildstellers nicht entkommen.
»Da gedachte, ihr Mönche, die vierte Heerde Wildes: ›Jene
Ersten und auch jene Zweiten und selbst jene Dritten konnten 154
also aus des Wildstellers Machtbereich nicht entkommen. Wie,
wenn nun wir eine Stätte aufsuchten, die dem Wildsteller und
seinen Gesellen unzugänglich wäre? Von dort aus mögen wir
kommen und nicht angelockt und nicht blindlings die Nahrung
genießen; nicht angelockt und nicht blindlings die Nahrung
genießend werden wir nicht behaglich werden; nicht behaglich
geworden werden wir uns nicht gehn lassen; und wenn wir uns
nicht gehn lassen, werden wir in jenem Gehäge dem Gefallen 155
des Wildstellers nicht überliefert sein.‹ Und sie suchten
eine Stätte auf, die dem Wildsteller und seinen Gesellen
unzugänglich blieb; von dort aus kamen sie und genossen nicht
angelockt und nicht blindlings die Nahrung; nicht angelockt
und nicht blindlings die Nahrung genießend wurden sie nicht
behaglich; nicht behaglich geworden ließen sie sich nicht
gehn; und da sie sich nicht gehn ließen, waren sie in jenem
Gehäge dem Gefallen des Wildstellers nicht überliefert. Da
sagten sich, ihr Mönche, der Wildsteller und seine Gesellen:
›Schlau ist wahrlich dieses vierte, gewitzigte Rudel, magische
Macht muss dieses vierte, fremde Rudel besitzen, da es ja
hier das ausgestreute Futter verzehrt und keiner von uns
entdecken kann, woher es kommt oder wohin es geht! Wir wollen
diesen Futterplatz mit großen Pfählen rings umstecken, von
allen Seiten, und glücklich erspähen, wo sich das vierte Rudel
aufhält, wo es sich verbirgt.‹ Und sie säumten den Futterplatz
von allen Seiten mit großen Pfählen ringsherum ein. Aber der
Wildsteller und seine Gesellen, ihr Mönche, fanden keine Spur
zu dem Orte, wo sich die vierte Heerde Wildes aufhielt, wo sie
sich verbarg. Da sagten sich, ihr Mönche, der Wildsteller und
seine Gesellen: ›Wenn wir nun das vierte Rudel verscheuchen
wollten, so würde dieses, verscheucht, andere verscheuchen,
diese anderen wieder andere, und so möchte das Futter, das wir
hier ausstreuen, von allem Wilde gemieden werden: lasset uns
doch über das vierte Rudel hinwegsehn!‹ Und der Wildsteller und
seine Gesellen, ihr Mönche, sahn über die vierte Heerde Wildes
hinweg. Und so konnte, ihr Mönche, die vierte Heerde Wildes aus
dem Machtbereich des Wildstellers entkommen.
* * * * *
»Ein Gleichniss habe ich da, meine Mönche, gegeben, um den
Sinn zu erklären. Das aber ist nun der Sinn. Das Futter: das
ist, ihr Mönche, eine Bezeichnung der fünf Begehrungen. Der
Wildsteller: das ist, ihr Mönche, eine Bezeichnung der Natur,
der bösen.[17] Die Gesellen des Wildstellers: das ist, ihr
Mönche, eine Bezeichnung der Gesellen der Natur. Die Heerde
Wildes: das ist, ihr Mönche, eine Bezeichnung der Asketen und
Büßer.
»Da haben sich, ihr Mönche, die ersten Asketen und Büßer,
angelockt von dem Futter, das die Natur ausstreut, von der 156
Lust an der Welt, blindem Genusse ergeben; angelockt, blindem
Genusse ergeben wurden sie behaglich; behaglich geworden ließen
sie sich gehn; und als sie sich gehn ließen, waren sie in jenem
Gehäge, in jener Lust an der Welt, dem Gefallen der Natur
überliefert. Und so konnten, ihr Mönche, die ersten Asketen und
Büßer aus dem Machtbereich der Natur nicht entkommen. Wie die
erste Heerde Wildes, ihr Mönche, erscheinen mir diese ersten
Asketen und Büßer.
»Da gedachten, ihr Mönche, die zweiten Asketen und Büßer:
›Jene ersten Asketen und Büßer sind von dem Futter, das die
Natur ausstreut, von der Lust an der Welt, angelockt worden,
haben sich blindem Genusse ergeben; angelockt, blindem Genusse
ergeben wurden sie behaglich; behaglich geworden ließen sie
sich gehn; und als sie sich gehn ließen, waren sie in jenem
Gehäge, in jener Lust an der Welt, dem Gefallen der Natur
überliefert. Und so konnten jene ersten Asketen und Büßer aus
dem Machtbereich der Natur nicht entkommen. Wir aber wollen
uns von allem Futtergenusse, von aller Weltlust, fern halten,
fern von der Unglücksspeise tief in den Wald zurückziehn.‹
Und sie hielten sich fern von allem Futtergenusse, von aller
Weltlust, fern von der Unglücksspeise zogen sie sich tief in
den Wald zurück. Und sie lebten von Kräutern und Pilzen, von
wildem Reis und Korn, von Saamen und Kernen, von Pflanzenmilch
und Baumharz, von Gräsern, von Kuhmist, fristeten sich von
Wurzeln und Früchten des Waldes, lebten von abgefallenen
Früchten. Und im letzten Monat des Sommers, als Gras und Wasser
versiegte, wurden sie außerordentlich mager; außerordentlich
mager geworden verloren sie die Kraft; entkräftet verloren
sie die Geistesruhe; verstört gingen sie nun zu jenem Futter
heran, das die Natur ausstreut, zu jener Lust an der Welt.
Angelockt ergaben sie sich blindem Genusse; angelockt, blindem
Genusse ergeben wurden sie behaglich; behaglich geworden
ließen sie sich gehn; und als sie sich gehn ließen, waren
sie in jenem Gehäge, in jener Lust an der Welt, dem Gefallen
der Natur überliefert. Und so konnten, ihr Mönche, auch die
zweiten Asketen und Büßer aus dem Machtbereich der Natur nicht
entkommen. Wie die zweite Heerde Wildes, ihr Mönche, erscheinen 157
mir diese zweiten Asketen und Büßer.
»Da gedachten, ihr Mönche, die dritten Asketen und Büßer: ›Jene
Ersten und auch jene Zweiten konnten also aus dem Machtbereich
der Natur nicht entkommen. Wie, wenn wir uns nun in der Nähe
des Futters aufhielten, das die Natur ausstreut, in der Nähe
der weltlichen Lust? Dort weilend werden wir nicht angelockt
und nicht blindlings die Nahrung genießen; nicht angelockt
und nicht blindlings die Nahrung genießend werden wir nicht
behaglich werden; nicht behaglich geworden werden wir uns
nicht gehn lassen; und wenn wir uns nicht gehn lassen, werden
wir in jenem Gehäge, in jener Lust an der Welt, dem Gefallen
der Natur nicht überliefert sein.‹ Und sie hielten sich in
der Nähe des Futters auf, das die Natur ausstreut, in der
Nähe der weltlichen Lust; dort weilend genossen sie nicht
angelockt und nicht blindlings die Nahrung; nicht angelockt
und nicht blindlings die Nahrung genießend wurden sie nicht
behaglich; nicht behaglich geworden ließen sie sich nicht
gehn; und da sie sich nicht gehn ließen, waren sie in jenem
Gehäge, in jener Lust an der Welt, dem Gefallen der Natur nicht
überliefert. Aber sie bekamen nun Ansichten wie: ›Ewig ist die
Welt‹ oder ›Zeitlich ist die Welt‹, ›Endlich ist die Welt‹
oder ›Unendlich ist die Welt‹, ›Seele und Leib sind ein und
dasselbe‹ oder ›Anders ist die Seele, anders der Leib‹, ›Der
Vollendete besteht nach dem Tode‹ oder ›Der Vollendete besteht
nicht nach dem Tode‹ oder ›Der Vollendete besteht und besteht
nicht nach dem Tode‹ oder ›Weder besteht noch besteht nicht der
Vollendete nach dem Tode‹. Und so konnten, ihr Mönche, auch die 158
dritten Asketen und Büßer aus dem Machtbereich der Natur nicht
entkommen. Wie die dritte Heerde Wildes, ihr Mönche, erscheinen
mir diese dritten Asketen und Büßer.
»Da gedachten, ihr Mönche, die vierten Asketen und Büßer: ›Jene
Ersten und auch jene Zweiten und selbst jene Dritten konnten
also aus dem Machtbereich der Natur nicht entkommen. Wie,
wenn nun wir eine Stätte aufsuchten, die der Natur und ihren
Gesellen unzugänglich wäre? Von dort aus mögen wir herantreten
zu dem Futter, das die Natur ausstreut, zu der weltlichen Lust,
und nicht angelockt und nicht blindlings die Nahrung genießen;
nicht angelockt und nicht blindlings die Nahrung genießend
werden wir nicht behaglich werden; nicht behaglich geworden
werden wir uns nicht gehn lassen; und wenn wir uns nicht gehn
lassen, werden wir in jenem Gehäge, in jener Lust an der Welt,
dem Gefallen der Natur nicht überliefert sein.‹ Und sie suchten
eine Stätte auf, die der Natur und ihren Gesellen unzugänglich
blieb; von dort aus traten sie heran zu dem Futter, das die 159
Natur ausstreut, zu der weltlichen Lust, und genossen nicht
angelockt und nicht blindlings die Nahrung; nicht angelockt
und nicht blindlings die Nahrung genießend wurden sie nicht
behaglich; nicht behaglich geworden ließen sie sich nicht
gehn; und da sie sich nicht gehn ließen, waren sie in jenem
Gehäge, in jener Lust an der Welt, dem Gefallen der Natur nicht
überliefert. Und so konnten, ihr Mönche, die vierten Asketen
und Büßer aus dem Machtbereich der Natur entkommen. Wie die
vierte Heerde Wildes, ihr Mönche, erscheinen mir diese vierten
Asketen und Büßer.
»Wie aber, ihr Mönche, ist der Natur und ihren Gesellen
der Zugang verwehrt? Da weilt, ihr Mönche, ein Mönch, gar
fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend
gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe
der ersten Schauung. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch
genannt: geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge,
entschwunden ist er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach Vollendung des Sinnens und
Gedenkens erreicht der Mönch die innere Meeresstille, die
Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie,
in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der
zweiten Schauung. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt:
geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge,
entschwunden ist er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: in heiterer Ruhe verweilt der Mönch
gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet
er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig
Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der
dritten Schauung. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt,
geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge,
entschwunden ist er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach Verwerfung der Freuden und
Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns
erwirkt der Mönch die Weihe der leidlosen, freudlosen,
gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte
Schauung. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt:
geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge,
entschwunden ist er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach völliger Ueberwindung der
Formwahrnehmungen, Vernichtung der Gegenwahrnehmungen,
Verwerfung der Vielheitwahrnehmungen gewinnt der Mönch in dem
Gedanken ›Gränzenlos ist der Raum‹ das Reich des unbegränzten
Raumes. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt: geblendet
hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge, entschwunden ist
er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach völliger Ueberwindung der
unbegränzten Raumsphäre gewinnt der Mönch in dem Gedanken
›Gränzenlos ist das Bewusstsein‹ das Reich des unbegränzten
Bewusstseins.[18] Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt:
geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge,
entschwunden ist er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach völliger Ueberwindung der
unbegränzten Bewusstseinsphäre gewinnt der Mönch in dem 160
Gedanken ›Nichts ist da‹ das Reich des Nichtdaseins. Ein
solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt: geblendet hat er die
Natur, spurlos vertilgt ihr Auge, entschwunden ist er der
bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach völliger Ueberwindung der
Nichtdaseinsphäre erreicht der Mönch die Gränzscheide möglicher
Wahrnehmung. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt:
geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge,
entschwunden ist er der bösen.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach völliger Ueberwindung der
Gränzscheide möglicher Wahrnehmung erreicht der Mönch die
Auflösung der Wahrnehmbarkeit, und des weise Sehenden Wahn
ist aufgehoben. Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch genannt:
geblendet hat er die Natur, spurlos vertilgt ihr Auge,
entschwunden ist er der bösen, entronnen der Weltlichkeit.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche
über das Wort des Erhabenen.
26.
Dritter Theil Sechste Rede
DAS HEILIGE ZIEL
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Und der
Erhabene, zeitig gerüstet, nahm Mantel und Schaale und ging
nach der Stadt um Almosenspeise. Da nun begaben sich viele
Mönche zum ehrwürdigen Ānando und sagten zu ihm: