Fahnenlosen, Bürdelosen, Abgeschiedenen? Da wird, ihr Mönche,
von dem Mönch der Ichheit Dünkel verneint, an der Wurzel
abgeschnitten, einem Palmstumpf gleichgemacht, so dass er nicht
mehr keimen, nicht mehr sich entwickeln kann. Also, ihr Mönche, 140
wird der Mönch zum Heiligen, zum Fahnenlosen, Bürdelosen,
Abgeschiedenen.
»Den also gemütherlösten Mönch, ihr Mönche, lauernd zu
versuchen wagen selbst die Indo-, Brahmā- und Pajāpati-Götter
nicht: ›Gefestigt ist dieses Vollendeten Bewusstsein.‹ Und
warum nicht? Schon bei Lebzeiten nenn’ ich den Vollendeten, ihr
Mönche, unerfassbar.
»Der ich also rede, also lehre, ihr Mönche, mich bezichtigen
einige Asketen und Brāhmanen, grundloser, nichtiger Weise,
fälschlich, mit Unrecht: ›Ein Verneiner ist der Asket Gotamo,
des lebendigen Wesens Zerstörung, Vernichtung, Aufhebung
verkündigt er.‹ Was ich nicht bin, ihr Mönche, nicht rede,
dessen bezichtigen mich jene lieben Asketen und Brāhmanen,
grundloser, nichtiger Weise, fälschlich, mit Unrecht: ›Ein
Verneiner ist der Asket Gotamo, des lebendigen Wesens
Zerstörung, Vernichtung, Aufhebung verkündigt er.‹ Nur eines,
ihr Mönche, verkündige ich, heute wie früher: das Leiden und
des Leidens Ausrodung.
»Wenn da, ihr Mönche, die Menschen den Vollendeten tadeln,
verurtheilen, verfolgen und angreifen, da wird der Vollendete,
ihr Mönche, nicht unwillig, nicht missmuthig, nicht gedrückten
Gemüthes. Wenn da, ihr Mönche, die Menschen den Vollendeten
werthhalten, hochschätzen, achten und ehren, da wird der
Vollendete, ihr Mönche, nicht froh, nicht freudig, nicht
geschwellten Gemüthes. Wenn da, ihr Mönche, die Menschen den
Vollendeten werthhalten, hochschätzen, achten und ehren, da
gedenkt, ihr Mönche, der Vollendete also: ›Weil dies früher
durchdacht worden ist, erweisen sie mir hierin solche Ehren.‹
»Darum also, ihr Mönche: wenn auch die Menschen euch tadeln,
verurtheilen, verfolgen und angreifen, werdet da nicht
unwillig, nicht missmuthig, nicht gedrückten Gemüthes. Darum
also, ihr Mönche: wenn auch die Menschen euch werthhalten,
hochschätzen, achten und ehren, werdet da nicht froh, nicht
freudig, nicht geschwellten Gemüthes. Darum also, ihr Mönche:
wenn auch die Menschen euch werthhalten, hochschätzen, achten
und ehren, so gedenket dabei: ›Weil dies früher durchdacht
worden ist, erweisen sie uns hierin solche Ehren.‹
* * * * *
»Darum also, ihr Mönche: was euch nicht angehört, das gebet
auf. Das von euch Aufgegebene wird euch lange zum Wohle, zum
Heile gereichen.
»Was aber, ihr Mönche, gehört euch nicht an? Der Körper, ihr
Mönche, gehört euch nicht an: ihn gebet auf. Der von euch
aufgegebene wird euch lange zum Wohle, zum Heile gereichen.
Das Gefühl, ihr Mönche, gehört euch nicht an: das gebet auf. 141
Das von euch aufgegebene wird euch lange zum Wohle, zum Heile
gereichen. Die Wahrnehmung, ihr Mönche, gehört euch nicht
an: sie gebet auf. Die von euch aufgegebene wird euch lange
zum Wohle, zum Heile gereichen. Die Unterscheidungen, ihr
Mönche, gehören euch nicht an: sie gebet auf. Die von euch
aufgegebenen werden euch lange zum Wohle, zum Heile gereichen.
Das Bewusstsein, ihr Mönche, gehört euch nicht an: das gebet
auf. Das von euch aufgegebene wird euch lange zum Wohle, zum
Heile gereichen.
»Was meint ihr wohl, Mönche: wenn ein Mann das, was an Gräsern
und Reisig, Zweiglein und Blättern in diesem Siegerwalde
daliegt, wegtrüge, oder verbrennte, oder sonst nach Belieben
damit schaltete, würdet ihr da etwa denken: ›Uns trägt der Mann
weg, oder verbrennt er, oder schaltet sonst nach Belieben‹?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Und warum nicht?«
»Nicht das ist ja, o Herr, unser Ich oder Eigen!«
»Ebenso nun auch, ihr Mönche, gebet auf, was euch nicht
angehört. Das von euch Aufgegebene wird euch lange zum Wohle,
zum Heile gereichen. Und was, ihr Mönche, gehört euch nicht an?
Der Körper, ihr Mönche, gehört euch nicht an: ihn gebet auf.
Der von euch aufgegebene wird euch lange zum Wohle, zum Heile
gereichen. Das Gefühl, ihr Mönche, gehört euch nicht an: das
gebet auf. Das von euch aufgegebene wird euch lange zum Wohle,
zum Heile gereichen. Die Wahrnehmung, ihr Mönche, gehört euch
nicht an: sie gebet auf. Die von euch aufgegebene wird euch
lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Die Unterscheidungen,
ihr Mönche, gehören euch nicht an: sie gebet auf. Die von euch
aufgegebenen werden euch lange zum Wohle, zum Heile gereichen.
Das Bewusstsein, ihr Mönche, gehört euch nicht an: das gebet
auf. Das von euch aufgegebene wird euch lange zum Wohle, zum
Heile gereichen.
»So hab’ ich, ihr Mönche, die Wahrheit wohlverkündet, gezeigt,
aufgedeckt, dargelegt, entschleiert.
»So ist die Wahrheit, ihr Mönche, von mir wohlverkündet,
gezeigt, aufgedeckt, dargelegt, entschleiert worden, und jene
Mönche, welche Heilige, Wahnversieger, Endiger sind, die das
Werk gewirkt, die Bürde abgelegt, das Heil errungen, die
Daseinsfesseln vernichtet haben, die in vollkommener Weisheit
Erlösten: ein Wandeln giebt es für diese nimmer.
»So hab’ ich, ihr Mönche, die Wahrheit wohlverkündet, gezeigt,
aufgedeckt, dargelegt, entschleiert.
»So ist die Wahrheit, ihr Mönche, von mir wohlverkündet,
gezeigt, aufgedeckt, dargelegt, entschleiert worden, und jene
Mönche, welche die fünf niederzerrenden Fesseln abgestreift
haben, alle diese gelangen empor, um von dort aus zu erlöschen,
nicht mehr kehren sie zurück nach jener Welt.
»So hab’ ich, ihr Mönche, die Wahrheit wohlverkündet, gezeigt,
aufgedeckt, dargelegt, entschleiert.
»So ist die Wahrheit, ihr Mönche, von mir wohlverkündet,
gezeigt, aufgedeckt, dargelegt, entschleiert worden, und jene
Mönche, welche die drei Fesseln abgestreift haben, die von
Gier, Hass und Irre Erleichterten, fast schon Geläuterten, alle
diese kehren nur einmal wieder, nur einmal noch zu dieser Welt
gekommen, werden sie dem Leiden ein Ende machen.
»So hab’ ich, ihr Mönche, die Wahrheit wohlverkündet, gezeigt,
aufgedeckt, dargelegt, entschleiert.
»So ist die Wahrheit, ihr Mönche, von mir wohlverkündet,
gezeigt, aufgedeckt, dargelegt, entschleiert worden, und jene
Mönche, welche die drei Fesseln abgestreift haben, alle diese
sind Hörer der Botschaft geworden, dem Verderben entronnen, 142
eilen zielbewusst der vollen Erwachung entgegen.
»So hab’ ich, ihr Mönche, die Wahrheit wohlverkündet, gezeigt,
aufgedeckt, dargelegt, entschleiert.
»So ist die Wahrheit, ihr Mönche, von mir wohlverkündet,
gezeigt, aufgedeckt, dargelegt, entschleiert worden, und jene
Mönche, welche der Wahrheit ergeben, der Lehre ergeben sind,
alle diese eilen der vollen Erwachung entgegen.
»So hab’ ich, ihr Mönche, die Wahrheit wohlverkündet, gezeigt,
aufgedeckt, dargelegt, entschleiert.
»So ist die Wahrheit, ihr Mönche, von mir wohlverkündet,
gezeigt, aufgedeckt, dargelegt, entschleiert worden, und jene,
die Vertrauen, die Liebe zu mir empfinden, alle diese steigen
himmelwärts auf.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche
über das Wort des Erhabenen.
23.
Dritter Theil Dritte Rede
DER AMEISENHÜGEL
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Zu jener
Zeit nun weilte der ehrwürdige Kumārakassapo im Dunkeln Walde.
Als nun die Nacht eingetreten war, erleuchtete eine gewisse
Gottheit den ganzen großen Dunkeln Wald mit ihrem Glanze, begab
sich dorthin, wo der ehrwürdige Kumārakassapo weilte, und
stellte sich seitwärts hin. Seitwärts stehend sprach nun jene
Gottheit zum ehrwürdigen Kumārakassapo also:
»Mönch, o Mönch! Dieser Ameisenhügel raucht bei Nacht und
flammt bei Tage. Der Geistliche sagte: Grab’ auf, o Weiser, mit
scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand
einen Keil: Ein Keil, o Herr! Der Geistliche sagte: Weg mit dem
Keil, grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub
auf mit scharfer Waffe und fand eine Blase: Eine Blase, o Herr!
Der Geistliche sagte: Weg mit der Blase, grab’ auf, o Weiser,
mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer Waffe und
fand einen Zweizack: Ein Zweizack, o Herr! Der Geistliche
sagte: Weg mit dem Zweizack, grab’ auf, o Weiser, mit scharfer
Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand ein 143
Geflecht: Ein Geflecht, o Herr! Der Geistliche sagte: Weg mit
dem Geflecht, grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der
Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand eine Schildkröte:
Eine Schildkröte, o Herr! Der Geistliche sagte: Weg mit der
Schildkröte, grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der
Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand ein Schlachtbeil:
Ein Schlachtbeil, o Herr! Der Geistliche sagte: Weg mit dem
Schlachtbeil, grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der
Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand einen Fleischfetzen:
Ein Fleischfetzen, o Herr! Der Geistliche sagte: Weg mit dem
Fleischfetzen, grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der
Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand eine Kobra: Eine
Kobra, o Herr! Der Geistliche sagte: Halt, es bleibe die Kobra,
die Kobra rühre nicht an, Verehrung erweise der Kobra! -- Diese
Räthsel, o Mönch, wolle vor dem Erhabenen berichten und der
Erklärung des Erhabenen gemäß bewahren. Keinen seh’ ich, o
Mönch, in der Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen
Geistern, mit ihrer Schaar von Büßern und Priestern, Göttern
und Menschen, der durch eine Erklärung dieser Fragen das Herz
gewinnen könnte, den Vollendeten ausgenommen, oder einen Jünger
des Vollendeten, und die es von da gehört haben.«
Das sprach jene Gottheit und verschwand hierauf von dort.
Nachdem nun die Nacht verflossen war, begab sich der ehrwürdige
Kumārakassapo zum Erhabenen, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig
und setzte sich zur Seite nieder. Hierauf nun sprach der
ehrwürdige Kumārakassapo zum Erhabenen also:
»Diese Nacht, o Herr, beim Eintritt der Dämmerung, erleuchtete
eine gewisse Gottheit den ganzen großen Dunkeln Wald mit ihrem
Glanze, kam zu mir heran und stellte sich seitwärts hin.
Seitwärts stehend sprach nun, o Herr, jene Gottheit also zu
mir: ›Mönch, o Mönch! Dieser Ameisenhügel raucht bei Nacht und
flammt bei Tage. Der Geistliche sagte: Grab’ auf, o Weiser,
mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer Waffe
und fand einen Keil: Ein Keil, o Herr! Der Geistliche sagte:
Weg mit dem Keil, grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe.
Der Weise grub auf mit scharfer Waffe und fand eine Blase:
Eine Blase, o Herr! Der Geistliche sagte: Weg mit der Blase,
grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf
mit scharfer Waffe und fand einen Zweizack: Ein Zweizack,
o Herr! Der Geistliche sagte: Weg mit dem Zweizack, grab’
auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit
scharfer Waffe und fand ein Geflecht: Ein Geflecht, o Herr!
Der Geistliche sagte: Weg mit dem Geflecht, grab’ auf, o
Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer
Waffe und fand eine Schildkröte: Eine Schildkröte, o Herr!
Der Geistliche sagte: Weg mit der Schildkröte, grab’ auf, o
Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer
Waffe und fand ein Schlachtbeil: Ein Schlachtbeil, o Herr!
Der Geistliche sagte: Weg mit dem Schlachtbeil, grab’ auf, o
Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer
Waffe und fand einen Fleischfetzen: Ein Fleischfetzen, o Herr!
Der Geistliche sagte: Weg mit dem Fleischfetzen, grab’ auf, o
Weiser, mit scharfer Waffe. Der Weise grub auf mit scharfer
Waffe und fand eine Kobra: Eine Kobra, o Herr! Der Geistliche
sagte: Halt, es bleibe die Kobra, die Kobra rühre nicht an,
Verehrung erweise der Kobra! -- Diese Räthsel, o Mönch, wolle
vor dem Erhabenen berichten und der Erklärung des Erhabenen
gemäß bewahren. Keinen seh’ ich, o Mönch, in der Welt mit ihren
Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar
von Büßern und Priestern, Göttern und Menschen, der durch
eine Erklärung dieser Fragen das Herz gewinnen könnte, den
Vollendeten ausgenommen, oder einen Jünger des Vollendeten,
und die es von da gehört haben.‹ So sprach, o Herr, jene
Gottheit und verschwand hierauf von dort. Was ist nun, o Herr,
der Ameisenhügel, was das Rauchen bei Nacht und das Flammen
bei Tage, wer der Geistliche, wer der Weise, was die scharfe
Waffe, was das Aufgraben, was der Keil, was die Blase, was
der Zweizack, was das Geflecht, was die Schildkröte, was das
Schlachtbeil, was der Fleischfetzen, was ist die Kobra?«
»Ameisenhügel: das ist, o Mönch, eine Bezeichnung für diesen 144
Körper, der aus den vier Hauptstoffen entstanden, von Vater und
Mutter gezeugt, durch Speise und Trank entwickelt, dem Vergehn,
dem Untergang, der Aufreibung, Auflösung, der Zerstörung
verfallen ist. Was er, o Mönch, für das Tagewerk in der Nacht
überlegt und erwägt, das ist das Rauchen bei Nacht. Was er, o
Mönch, nach der nächtlichen Ueberlegung und Erwägung am Tage
in Thaten, Worten und Gedanken wirkt, das ist das Flammen
bei Tage. Der Geistliche: das ist, o Mönch, eine Bezeichnung
für den Vollendeten, den Heiligen, vollkommen Erwachten. Der
Weise: das ist, o Mönch, eine Bezeichnung für den kämpfenden
Mönch. Die scharfe Waffe: das ist, o Mönch, eine Bezeichnung
der heiligen Weisheit. Das Aufgraben: das ist, o Mönch, eine
Bezeichnung der standhaften Ausdauer. Der Keil: das ist, o
Mönch, eine Bezeichnung des Nichtwissens. Weg mit dem Keil:
fort mit dem Nichtwissen. Grab’ auf, o Weiser, mit scharfer
Waffe. Das ist der Sinn. Die Blase: das ist, o Mönch, eine
Bezeichnung für Zorn und Verzweiflung. Weg mit der Blase: fort
mit Zorn und Verzweiflung. Grab’ auf, o Weiser, mit scharfer
Waffe. Das ist der Sinn. Der Zweizack: das ist, o Mönch, eine
Bezeichnung des Zweifels. Weg mit dem Zweizack: fort mit dem
Zweifel. Grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Das ist
der Sinn. Das Geflecht: das ist, o Mönch, eine Bezeichnung
der fünf Hemmungen: der Hemmung durch Wunscheswillen, der
Hemmung durch Hassensgroll, der Hemmung durch matte Müde, der
Hemmung durch stolzen Unmuth, der Hemmung durch Schwanken. Weg
mit dem Geflecht: fort mit den fünf Hemmungen. Grab’ auf, o
Weiser, mit scharfer Waffe. Das ist der Sinn. Die Schildkröte:
das ist, o Mönch, eine Bezeichnung der fünf Stücke des
Anhangens, als da ist ein Stück Anhangen an der Form, ein Stück
Anhangen am Gefühl, ein Stück Anhangen an der Wahrnehmung,
ein Stück Anhangen an der Unterscheidung, ein Stück Anhangen
am Bewusstsein. Weg mit der Schildkröte: fort mit den fünf
Stücken des Anhangens. Grab’ auf, o Weiser, mit scharfer
Waffe. Das ist der Sinn. Das Schlachtbeil: das ist, o Mönch,
eine Bezeichnung der fünf Begehrungen: der durch das Gesicht
ins Bewusstsein tretenden Formen, der ersehnten, geliebten,
entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden,
reizenden; der durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden
Töne, der ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen,
dem Begehren entsprechenden, reizenden; der durch den Geruch
ins Bewusstsein tretenden Düfte, der ersehnten, geliebten,
entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden,
reizenden; der durch den Geschmack ins Bewusstsein tretenden
Säfte, der ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem
Begehren entsprechenden, reizenden; der durch das Getast ins
Bewusstsein tretenden Tastungen, der ersehnten, geliebten,
entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden,
reizenden. Weg mit dem Schlachtbeil: fort mit den fünf 145
Begehrungen. Grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Das ist
der Sinn. Der Fleischfetzen: das ist, o Mönch, eine Bezeichnung
der Genügenslust. Weg mit dem Fleischfetzen: fort mit der
Genügenslust. Grab’ auf, o Weiser, mit scharfer Waffe. Das ist
der Sinn. Die Kobra: das ist, o Mönch, eine Bezeichnung des
wahnversiegten Mönchs. Halt, es bleibe die Kobra, die Kobra
rühre nicht an, Verehrung erweise der Kobra. Das ist der Sinn.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige
Kumārakassapo über das Wort des Erhabenen.
24.
Dritter Theil Vierte Rede
DIE EILPOST
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei
Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen. Da
nun begaben sich viele Mönche aus ihrer Heimath, wo sie die
Regenzeit zugebracht hatten, zum Erhabenen, begrüßten den
Erhabenen ehrerbietig und setzten sich zur Seite nieder. An
diese Mönche, die da zur Seite saßen, wandte sich nun der
Erhabene und sprach:
»Wer von den Mönchen, den Ordensgetreuen, ihr Mönche, hat
sich daheim wohl also erwiesen: selbst wenig bedürfend die
Bedürfnisslosigkeit mit den Mönchen besprechend, selbst
zufrieden die Zufriedenheit mit den Mönchen besprechend,
selbst zurückgezogen die Zurückgezogenheit mit den Mönchen
besprechend, selbst weltflüchtig die Weltflucht mit den Mönchen
besprechend, selbst ausdauernd standhaft die standhafte
Ausdauer mit den Mönchen besprechend, selbst ordenstüchtig die
Ordenstugend mit den Mönchen besprechend, selbst vertieft das
Heil der Vertiefung mit den Mönchen besprechend, selbst weise
das Heil der Weisheit mit den Mönchen besprechend, selbst
erlöst das Heil der Erlösung mit den Mönchen besprechend,
selbst die Erlösung klar kennend das Heil klarer Kenntniss
der Erlösung mit den Mönchen besprechend: ein Belehrer,
Aufklärer, Verkünder, ein Ermunterer, Ermuthiger, Erheiterer
der Ordensgetreuen?«
»Ein Ehrwürdiger Namens Puṇṇo, o Herr, der Sohn der Mantāṇī, 146
hat sich daheim unter den Mönchen, den Ordensgetreuen, also
erwiesen: selbst wenig bedürfend die Bedürfnisslosigkeit mit
den Mönchen besprechend, selbst zufrieden die Zufriedenheit
mit den Mönchen besprechend, selbst zurückgezogen die
Zurückgezogenheit mit den Mönchen besprechend, selbst
weltflüchtig die Weltflucht mit den Mönchen besprechend, selbst
ausdauernd standhaft die standhafte Ausdauer mit den Mönchen
besprechend, selbst ordenstüchtig die Ordenstugend mit den
Mönchen besprechend, selbst vertieft das Heil der Vertiefung
mit den Mönchen besprechend, selbst weise das Heil der
Weisheit mit den Mönchen besprechend, selbst erlöst das Heil
der Erlösung mit den Mönchen besprechend, selbst die Erlösung
klar kennend das Heil klarer Kenntniss der Erlösung mit den
Mönchen besprechend: ein Belehrer, Aufklärer, Verkünder, ein
Ermunterer, Ermuthiger, Erheiterer der Ordensgetreuen.«
Zu jener Zeit nun hatte der ehrwürdige Sāriputto nicht fern vom
Erhabenen Platz genommen. Da kam nun dem ehrwürdigen Sāriputto
der Gedanke: ›Gesegnet ist der ehrwürdige Puṇṇo Mantāṇiputto,
dessen vielseitiges Verdienst verständige Ordensbrüder vor dem
Meister preisen, und der Meister freut sich darüber. O dass wir
doch gelegentlich einmal mit dem ehrwürdigen Puṇṇo Mantāṇiputto
zusammenträfen, dass wir uns über irgend etwas besprächen!‹
Nachdem nun der Erhabene in Rājagaham nach Belieben geweilt
hatte, begab er sich auf die Wanderung nach Sāvatthī, von Ort
zu Ort wandernd näherte er sich der Stadt.
In Sāvatthī weilte nun der Erhabene, im Siegerwalde, im Garten
Anāthapiṇḍikos. Da kam es dem ehrwürdigen Puṇṇo Mantāṇiputto
zu Ohren: ›Der Erhabene ist in Sāvatthī angekommen, weilt in
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos!‹ Und der
ehrwürdige Puṇṇo Mantāṇiputto räumte sein Lager zurecht, nahm
Mantel und Almosenschaale und begab sich auf die Wanderung
nach Sāvatthī. Von Ort zu Ort wandernd gelangte er zu der
Stadt, zum Siegerwalde, zum Garten Anāthapiṇḍikos, wo der
Erhabene weilte. Als er zum Erhabenen gelangt war, begrüßte er
den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder.
Diesen Ehrwürdigen, der da zur Seite saß, stärkte nun der
Erhabene, ermunterte, ermuthigte, erheiterte ihn in lehrreichem
Gespräche. Und nachdem der ehrwürdige Puṇṇo Mantāṇiputto vom
Erhabenen in lehrreichem Gespräche gestärkt, ermuntert,
ermuthigt, erheitert worden war, erhob er sich, erfreut und
befriedigt durch des Erhabenen Rede, von seinem Sitze, begrüßte
den Erhabenen ehrerbietig, ging rechts herum und begab sich zum
Dunkeln Walde, für den Rest des Tages.
Aber es ging ein Mönch zum ehrwürdigen Sāriputto und meldete
ihm: »Jener Mönch, o Bruder Sāriputto, der Puṇṇo heißt, der
Sohn der Mantāṇī, den du oft gerühmt hast, der hat sich, 147
vom Erhabenen in lehrreichem Gespräche gestärkt, ermuntert,
ermuthigt, erheitert, durch des Erhabenen Rede erfreut und
befriedigt, von seinem Sitze erhoben, den Erhabenen ehrerbietig
begrüßt und ist gegen den Dunkeln Wald zu gegangen, wo er bis
Abend verweilen dürfte.«
Da nahm der ehrwürdige Sāriputto unverzüglich seine Strohmatte
und folgte dem ehrwürdigen Puṇṇo Mantāṇiputto Schritt vor
Schritt, den Kopf nicht aus den Augen verlierend. Und der
ehrwürdige Puṇṇo Mantāṇiputto wandte sich ins Innere des
Dunkeln Waldes und setzte sich am Fuß eines Baumes nieder, für
den Tag. Und auch der ehrwürdige Sāriputto wandte sich ins
Innere des Dunkeln Waldes und setzte sich am Fuß eines Baumes
nieder, für den Tag.
Als nun der ehrwürdige Sāriputto gegen Abend die Gedenkensruhe
beendet hatte, begab er sich zum ehrwürdigen Puṇṇo
Mantāṇiputto, wechselte höflichen Gruß und freundliche,
denkwürdige Worte mit ihm und setzte sich zur Seite nieder.
Zur Seite sitzend sprach nun der ehrwürdige Sāriputto zum
ehrwürdigen Puṇṇo Mantāṇiputto also:
»Wird denn beim Erhabenen, o Bruder, heiliges Leben gepflegt?«
»Freilich, o Bruder.«
»Wie nun, o Bruder: wird beim Erhabenen um reiner Tugend willen
heiliges Leben gepflegt?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Oder wird, o Bruder, um reinen Herzens willen beim Erhabenen
heiliges Leben gepflegt?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Oder wird vielleicht, o Bruder, um reiner Erkenntniss willen
beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Oder wird etwa, o Bruder, um reiner Gewissheit willen beim
Erhabenen heiliges Leben gepflegt?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Wird also vielleicht, o Bruder, um reiner Wissenschaft der
Wege willen beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt?«
»Das nicht, o Bruder.«
»So wird also, o Bruder, um reiner Wissenschaft des Pfades
willen beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Wird dann vielleicht, o Bruder, um reiner Wissenschaft willen
beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Wie nun, o Bruder: auf die Frage, ›Wird beim Erhabenen um
reiner Tugend willen heiliges Leben gepflegt‹ antwortest du
›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›Oder wird, o Bruder, um
reinen Herzens willen beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt‹
antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›Oder
wird vielleicht, o Bruder, um reiner Erkenntniss willen beim
Erhabenen heiliges Leben gepflegt‹ antwortest du ›Das nicht,
o Bruder‹; auf die Frage ›Oder wird etwa, o Bruder, um reiner
Gewissheit willen beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt‹
antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›Wird also
vielleicht, o Bruder, um reiner Wissenschaft der Wege willen
beim Erhabenen heiliges Leben gepflegte antwortest du ›Das
nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›So wird also, o Bruder, um
reiner Wissenschaft des Pfades willen beim Erhabenen heiliges
Leben gepflegt‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die
Frage ›Wird dann vielleicht, o Bruder, um reiner Wissenschaft
willen beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt‹ antwortest du
›Das nicht, o Bruder‹. Um wessen willen, sag’ an, o Bruder,
wird beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt?«
»Um hangloser Wahnerlöschung willen, o Bruder, wird beim 148
Erhabenen heiliges Leben gepflegt.«
»Ist da wohl, o Bruder, reine Tugend hanglose Wahnerlöschung?«
»Das nicht, o Bruder.«
»So ist vielleicht, o Bruder, reines Herz hanglose
Wahnerlöschung?«
»Das nicht, o Bruder.«
»So ist wohl, o Bruder, reine Erkenntniss hanglose
Wahnerlöschung?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Ist nun etwa, o Bruder, reine Gewissheit hanglose
Wahnerlöschung?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Oder ist da, o Bruder, reine Wissenschaft der Wege hanglose
Wahnerlöschung?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Oder ist, o Bruder, reine Wissenschaft des Pfades hanglose
Wahnerlöschung?«
»Das nicht, o Bruder.«
»Oder ist dann, o Bruder, reine Wissenschaft hanglose
Wahnerlöschung?«
»Das nicht, o Bruder.«