»Ist es wahr, wie man sagt, Phagguṇo, dass du zu ungehöriger

Zeit in Gesellschaft der Nonnen weilst? Also weilst du, heißt

es, Phagguṇo, in Gesellschaft der Nonnen, dass, wenn irgend

einer der Mönche dir gegenüber jene Nonnen tadelt, du darob

entrüstet und verstimmt schlechthin einen Verweis ertheilst;

und wenn irgend einer der Mönche jenen Nonnen gegenüber dich

tadelt, jene Nonnen darob entrüstet und verstimmt schlechthin

einen Verweis ertheilen: weilst du wirklich also, Phagguṇo, in

Gesellschaft der Nonnen?«

»Ja, o Herr!«

»Bist du denn nicht, Phagguṇo, als edler Sohn von Zuversicht

bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert?«

»Ja, o Herr!«

»Das steht dir nicht wohl, Phagguṇo, der du als edler Sohn

von Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit

gewandert bist, dass du zu ungehöriger Zeit in Gesellschaft der

Nonnen weilst. Darum also, Phagguṇo: wenn auch irgend einer

dir gegenüber jene Nonnen tadeln mag, so magst du, Phagguṇo,

alle gemeinen Regungen, alle gemeinen Erwägungen verleugnen,

so hast du dich, Phagguṇo, solcherart wohl zu üben: ›Nicht

soll mein Gemüth verstört werden, kein böser Laut meinem

Munde entfahren, freundlich und mitleidig will ich bleiben,

liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke‹: solcherart hast

du dich, Phagguṇo, wohl zu üben. Darum also, Phagguṇo:

wenn auch irgend einer in deiner Gegenwart jene Nonnen mit

Fäusten schlüge, mit Steinen würfe, mit Stöcken prügelte, mit

Schwerdtern träfe, so magst du, Phagguṇo, alle gemeinen

Regungen, alle gemeinen Erwägungen verleugnen, so hast du

dich, Phagguṇo, solcherart wohl zu üben: ›Nicht soll mein

Gemüth verstört werden, kein böser Laut meinem Munde entfahren,

freundlich und mitleidig will ich bleiben, liebevollen

Gemüthes, ohne heimliche Tücke‹: solcherart hast du dich,

Phagguṇo, wohl zu üben. Darum also, Phagguṇo: wenn auch

irgend einer dir gegenüber Tadel aussprechen mag, so magst du,

Phagguṇo, alle gemeinen Regungen, alle gemeinen Erwägungen

verleugnen, so hast du dich, Phagguṇo, solcherart wohl

zu üben: ›Nicht soll mein Gemüth verstört werden, kein böser

Laut meinem Munde entfahren, freundlich und mitleidig will

ich bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke‹:

solcherart hast du dich, Phagguṇo, wohl zu üben. Darum also,

Phagguṇo: wenn auch irgend einer dich mit Fäusten schlüge,

mit Steinen würfe, mit Stöcken prügelte, mit Schwerdtern träfe,

so magst du, Phagguṇo, alle gemeinen Regungen, alle gemeinen 124

Erwägungen verleugnen, so hast du dich, Phagguṇo, solcherart

wohl zu üben: ›Nicht soll mein Gemüth verstört werden, kein

böser Laut meinem Munde entfahren, freundlich und mitleidig

will ich bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke‹:

solcherart hast du dich, Phagguṇo, wohl zu üben.«

Und der Erhabene wandte sich nun an die Mönche:

»Willigen Sinnes kamen mir wahrlich, ihr Mönche, die Mönche

einmal entgegen. Da wandte ich mich zu ihnen: ›Ich nehme,

ihr Mönche, einsames Mahl zu mir: einsames Mahl, ihr Mönche,

zu mir nehmend wahre ich Gesundheit und Frische, Munterkeit,

Stärke und Wohlsein. So nehmet auch ihr, meine Mönche, einsames

Mahl zu euch: einsames Mahl, ihr Mönche, zu euch nehmend

werdet auch ihr Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und

Wohlsein wahren.‹ Und jene Mönche bedurften, ihr Mönche, keiner

Ermahnung von mir: nur ihre Einsicht war zu erwecken.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da auf gutem Boden, am

Ausgangsplatze vierer Straßen, ein treffliches Wagengespann in

Bereitschaft stände, mit dem zugehörigen Treibstock versehn;

diesen Wagen bestiege ein Meister der Fahrkunst, ein gewandter

Rosselenker, nähme die Zügel in die linke Hand, den Treibstock

in die rechte, und führe nach Wunsch und Willen hin und her:

ebenso nun auch, ihr Mönche, bedurften jene Mönche keiner

Ermahnung von mir: nur ihre Einsicht war zu erwecken. Darum

also, ihr Mönche: verleugnet das Schlechte, seid stetig im

Guten; denn also werdet auch ihr in diesem Orden der Wahrheit

zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung gelangen.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn sich da in der Nähe eines

Dorfes oder einer Stadt ein dichtes Gehölz befände, von

Rizinusstauden umwuchert; und es erbarmte sich Einer der Bäume,

um sie zu hegen und zu sichern: da ginge er hin und holzte

die krummen, entsäfteten Stämme ab, schaffte sie fort und

hielte den wohlgesäuberten Forst sauber instand; die geraden,

gutgewachsenen Stämme aber, die pflegte er sorgsam; und so käme

wohl diese Waldung, ihr Mönche, beizeiten zum Gedeihen, zur

Reife und Entfaltung: ebenso nun auch verleugnet, ihr Mönche,

das Schlechte, seid stetig im Guten; denn also werdet auch 125

ihr in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife und

Entfaltung gelangen.

»Einst lebte hier in Sāvatthī, ihr Mönche, eine Hausfrau Namens

Vedehikā. Die Hausfrau Vedehikā, ihr Mönche, stand in dem

erfreulichen Rufe: ‚Sanft ist die Hausfrau Vedehikā, mild ist

die Hausfrau Vedehikā, friedsam ist die Hausfrau Vedehikā!‘

Diese Hausfrau nun, ihr Mönche, hatte eine Magd Namens Kāḷī,

die flink und fleißig ihre verschiedenen Obliegenheiten wohl

besorgte. Da kam, ihr Mönche, der Magd Kāḷī dieser Gedanke:

›Meine Gnädige steht ja in dem erfreulichen Rufe: ‚Sanft ist

die Hausfrau Vedehikā, mild ist die Hausfrau Vedehikā, friedsam

ist die Hausfrau Vedehikā!‘ Wie nun: verbirgt mir nur die

Gnädige ihre innere Galle, oder hat sie überhaupt keine? Oder

besorg’ ich vielleicht alles so gut, dass mir die Gnädige die

innere Galle, die sie hat, nicht zeigen kann? Ich will doch

einmal die Gnädige auf die Probe stellen!‹ Und die Magd Kāḷī,

ihr Mönche, stand bei hell lichtem Tage auf. Und die Hausfrau

Vedehikā, ihr Mönche, rief nach ihr: ›He da, Kāḷī!‹ -- ›Was,

Gnädige?‹ -- ›Warum stehst du bei hell lichtem Tage auf?‹

-- ›Das thut nichts, Gnädige!‹ -- ›Uns aber thut’s was, du

schlechte Magd, dass du bei hell lichtem Tage aufstehst!‹ sagte

die Hausfrau erzürnt und verstimmt mit gerunzelten Brauen. Da

kam, ihr Mönche, der Magd Kāḷī dieser Gedanke: ›Die innere

Galle, die sie hat, verbirgt mir die Gnädige, und ich besorge

alles so gut, dass mir die Gnädige die innere Galle, die sie

hat, nicht zeigen mag; ich will nun die Gnädige noch stärker

auf die Probe stellen!‹ Und die Magd Kāḷī, ihr Mönche, stand

noch später auf. Und die Hausfrau Vedehikā, ihr Mönche, rief

nach ihr: ›He da, Kāḷī!‹ -- ›Was, Gnädige?‹ -- ›Warum stehst

du bei hell lichtem Tage auf?‹ -- ›Das thut nichts, Gnädige!‹

-- ›Uns aber thut’s was, du schlechte Magd, dass du bei hell

lichtem Tage aufstehst!‹ sagte die Hausfrau erzürnt und

verstimmt und verstimmte Worte entfuhren ihrem Munde. Da kam,

ihr Mönche, der Magd Kāḷī dieser Gedanke: ›Die innere Galle,

die sie hat, verbirgt mir die Gnädige, und ich besorge alles so

gut, dass mir die Gnädige die innere Galle, die sie hat, nicht

zeigen mag; ich will nun die Gnädige noch stärker auf die Probe

stellen!‹ Und die Magd Kāḷī, ihr Mönche, stand noch später

auf. Und die Hausfrau Vedehikā, ihr Mönche, rief nach ihr: ›He 126

da, Kāḷī!‹ -- ›Was, Gnädige?‹ -- ›Warum stehst du bei hell

lichtem Tage auf?‹ -- ›Das thut nichts, Gnädige!‹ -- ›Uns aber

thut’s was, du schlechte Magd, dass du bei hell lichtem Tage

aufstehst!‹ sagte die Hausfrau erzürnt und verstimmt, ergriff

den spitzigen Thorriegel, warf ihn ihr an den Kopf, verwundete

ihr den Kopf. Und die Magd Kāḷī, ihr Mönche, lief nun mit

verwundetem Kopfe triefenden Blutes zu den Nachbarn und klagte

jammernd: ›Seht, Beste, das Werk der Sanften, seht, Beste, das

Werk der Milden, seht, Beste, das Werk der Friedsamen, wie’s da

zugeht bei einer Frau, die nur eine Magd hält: ‚Bei Tag stehst

du auf‘ sagt sie und wird euch zornig und wild den spitzigen

Thorriegel an den Kopf werfen, den Kopf verwunden!‹ Und die

Hausfrau Vedehikā, ihr Mönche, kam nun in den üblen Ruf:

‚Heftig ist die Hausfrau Vedehikā, ungestüm ist die Hausfrau

Vedehikā, unfriedsam ist die Hausfrau Vedehikā!‘ --:

»Ebenso nun auch, ihr Mönche, ist da gar mancher Mönch nur

solange einer der sanften, einer der milden, einer der

friedsamen, als ihn angenehme Redeweisen berühren; wenn aber

dann, ihr Mönche, den Mönch unangenehme Redeweisen berühren,

dann soll ein Mönch sanft erfunden, mild erfunden, friedsam

erfunden werden. Nicht den Mönch, ihr Mönche, nenne ich lind,

der durch Darreichung von Kleidung, Almosenspeise, Lagerstatt

und Arzeneien für den Fall einer Krankheit lind wird, lindes

Wesen gewinnt; und warum nicht? Weil ja, ihr Mönche, ein

solcher Mönch, wird ihm Kleidung, Almosenspeise, Lagerstatt

und Arzenei für den Fall einer Krankheit nicht dargereicht,

nicht lind wird, lindes Wesen nicht gewinnt. Einen Mönch

aber, der, ihr Mönche, die Satzung nur achtend, die Satzung

ehrend, die Satzung schätzend lind wird, lindes Wesen gewinnt,

den nenne ich lind. Darum also, ihr Mönche: ›Die Satzung nur

achtend, die Satzung ehrend, die Satzung schätzend wollen wir

lind werden, lindes Wesen gewinnen‹: also habt ihr euch, meine

Mönche, wohl zu üben.

»Fünferlei Redeweisen giebt es, ihr Mönche, deren die

Leute sich euch gegenüber bedienen können: rechtzeitiger

oder unzeitiger, sinniger oder unsinniger, höflicher oder

grober, zweckmäßiger oder unzweckmäßiger, liebevoller oder

heimtückischer. Zur rechten Zeit, ihr Mönche, können sich

die Leute der Rede bedienen, oder zur unrechten Zeit. Den

Thatsachen entsprechend, ihr Mönche, können sich die Leute

der Rede bedienen, oder den Thatsachen nicht entsprechend.

Höflicher Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen,

oder grober. Zweckmäßiger Rede, ihr Mönche, können sich die

Leute bedienen, oder unzweckmäßiger. Liebevoller Rede, ihr 127

Mönche, können sich die Leute bedienen, oder heimtückischer.

Da habt ihr euch nun, meine Mönche, wohl zu üben: ›Nicht

soll unser Gemüth verstört werden, kein böser Laut unserem

Munde entfahren, freundlich und mitleidig wollen wir bleiben,

liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke; und jene Person

werden wir mit liebevollem Gemüthe durchstrahlen: von ihr

ausgehend werden wir dann die ganze Welt mit liebevollem

Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und

Groll geklärtem, durchstrahlen‹: also habt ihr euch, meine

Mönche, wohl zu üben.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da ein Mann herkäme, mit

Spaten und Korb versehn, und spräche also: ›Ich werde den

Erdball erdlos machen‹, und er grübe da und dort, würfe da auf

und dort auf, lockerte da auf und dort auf, löste da ab und

dort ab, ›Erdlos sollst du werden, erdlos sollst du werden‹;

was meint ihr nun, Mönche: könnte wohl dieser Mann den Erdball

erdlos machen?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Und warum nicht?«

»Der Erdball, o Herr, ist ja tief, unermesslich, den kann man

nicht wohl erdlos machen, so viel Mühe und Plage auch immer

jener Mann haben mag.«

»Ebenso nun auch, ihr Mönche, giebt es da fünferlei Redeweisen,

deren die Leute sich euch gegenüber bedienen können:

rechtzeitiger oder unzeitiger, sinniger oder unsinniger,

höflicher oder grober, zweckmäßiger oder unzweckmäßiger,

liebevoller oder heimtückischer. Zur rechten Zeit, ihr

Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder zur

unrechten Zeit. Den Thatsachen entsprechend, ihr Mönche,

können sich die Leute der Rede bedienen, oder den Thatsachen

nicht entsprechend. Höflicher Rede, ihr Mönche, können sich

die Leute bedienen, oder grober. Zweckmäßiger Rede, ihr

Mönche, können sich die Leute bedienen, oder unzweckmäßiger.

Liebevoller Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen,

oder heimtückischer. Da habt ihr euch nun, meine Mönche, wohl

zu üben: ›Nicht soll unser Gemüth verstört werden, kein böser

Laut unserem Munde entfahren, freundlich und mitleidig wollen

wir bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke; und

jene Person werden wir mit liebevollem Gemüthe durchstrahlen:

von ihr ausgehend werden wir dann die ganze Welt mit

erdballgleichem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem,

von Grimm und Groll geklärtem, durchstrahlen‹: also habt ihr

euch, meine Mönche, wohl zu üben.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da ein Mann herkäme, mit Lack

oder Gelbwurz, Indigo oder Karmin versehn, und spräche also:

›Ich werde hier im Himmelsraume Gestalten zeichnen, werde ein

Bild entwerfen‹; was meint ihr nun, Mönche: könnte wohl dieser

Mann im Himmelsraume eine Gestalt zeichnen, ein Bild zuwege

bringen?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Und warum nicht?«

»Der Himmelsraum, o Herr, ist ja gestaltlos, unsichtbar, da

kann man nicht wohl eine Gestalt zeichnen, ein Bild erscheinen 128

lassen, so viel Mühe und Plage auch immer jener Mann haben mag.«

»Ebenso nun auch, ihr Mönche, giebt es da fünferlei Redeweisen,

deren die Leute sich euch gegenüber bedienen können:

rechtzeitiger oder unzeitiger, sinniger oder unsinniger,

höflicher oder grober, zweckmäßiger oder unzweckmäßiger,

liebevoller oder heimtückischer. Zur rechten Zeit, ihr

Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder zur

unrechten Zeit. Den Thatsachen entsprechend, ihr Mönche,

können sich die Leute der Rede bedienen, oder den Thatsachen

nicht entsprechend. Höflicher Rede, ihr Mönche, können sich

die Leute bedienen, oder grober. Zweckmäßiger Rede, ihr

Mönche, können sich die Leute bedienen, oder unzweckmäßiger.

Liebevoller Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen,

oder heimtückischer. Da habt ihr euch nun, meine Mönche,

wohl zu üben: ›Nicht soll unser Gemüth verstört werden, kein

böser Laut unserem Munde entfahren, freundlich und mitleidig

wollen wir bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche

Tücke; und jene Person werden wir mit liebevollem Gemüthe

durchstrahlen: von ihr ausgehend werden wir dann die ganze

Welt mit himmelsraumgleichem Gemüthe, mit weitem, tiefem,

unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem, durchstrahlen‹:

also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da ein Mann herkäme, mit

einem lodernden Strohwisch versehn, und spräche also: ›Ich

werde mit diesem lodernden Strohwisch den Ganges ausdünsten,

gänzlich ausdünsten‹; was meint ihr nun, Mönche: könnte wohl

dieser Mann mit dem lodernden Strohwisch den Ganges ausdünsten,

gänzlich ausdünsten?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Und warum nicht?«

»Der Ganges, o Herr, ist ja tief, unermesslich, den kann man

nicht wohl mit einem lodernden Strohwisch ausdünsten, gänzlich

ausdünsten, so viel Mühe und Plage auch immer jener Mann haben

mag.«

»Ebenso nun auch, ihr Mönche, giebt es da fünferlei Redeweisen,

deren die Leute sich euch gegenüber bedienen können:

rechtzeitiger oder unzeitiger, sinniger oder unsinniger,

höflicher oder grober, zweckmäßiger oder unzweckmäßiger,

liebevoller oder heimtückischer. Zur rechten Zeit, ihr

Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder zur

unrechten Zeit. Den Thatsachen entsprechend, ihr Mönche,

können sich die Leute der Rede bedienen, oder den Thatsachen

nicht entsprechend. Höflicher Rede, ihren Mönche, können

sich die Leute bedienen, oder grober. Zweckmäßiger Rede, ihr

Mönche, können sich die Leute bedienen, oder unzweckmäßiger.

Liebevoller Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen,

oder heimtückischer. Da habt ihr euch nun, meine Mönche, wohl

zu üben: ›Nicht soll unser Gemüth verstört werden, kein böser

Laut unserem Munde entfahren, freundlich und mitleidig wollen

wir bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke; und

jene Person werden wir mit liebevollem Gemüthe durchstrahlen:

von ihr ausgehend werden wir dann die ganze Welt mit

gangesgleichem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von

Grimm und Groll geklärtem, durchstrahlen‹: also habt ihr euch,

meine Mönche, wohl zu üben.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da ein Katzenfell wäre,

gegerbt, gut gegerbt, wohl ausgegerbt, weich und wollig,

saftlos und kraftlos; und es käme ein Mann her, mit einem

Scheit oder Scherben versehn, und spräche also: ›Ich werde

dieses Katzenfell, das gegerbt worden ist, gut gegerbt, wohl

ausgegerbt, das weiche und wollige, saftlose und kraftlose, mit

dem Scheite oder dem Scherben zu Säften und Kräften bringen‹;

was meint ihr nun, Mönche: könnte wohl dieser Mann das

Katzenfell, das gegerbte, gut gegerbte, wohl ausgegerbte, das

weiche, wollige, saft- und kraftlose, mit dem Scheite oder dem

Scherben zu Säften und Kräften bringen?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Und warum nicht?«

»Das Katzenfell, o Herr, ist ja gegerbt, gut gegerbt, wohl

ausgegerbt worden, weich und wollig, saftlos und kraftlos, das

kann man nicht wohl mit einem Scheit oder Scherben zu Säften

und Kräften bringen, so viel Mühe und Plage auch immer jener

Mann haben mag.«

»Ebenso nun auch, ihr Mönche, giebt es da fünferlei Redeweisen,

deren die Leute sich euch gegenüber bedienen können: 129

rechtzeitiger oder unzeitiger, sinniger oder unsinniger,

höflicher oder grober, zweckmäßiger oder unzweckmäßiger,

liebevoller oder heimtückischer. Zur rechten Zeit, ihr

Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder zur

unrechten Zeit. Den Thatsachen entsprechend, ihr Mönche,

können sich die Leute der Rede bedienen, oder den Thatsachen

nicht entsprechend. Höflicher Rede, ihr Mönche, können sich

die Leute bedienen, oder grober. Zweckmäßiger Rede, ihr

Mönche, können sich die Leute bedienen, oder unzweckmäßiger.

Liebevoller Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen,

oder heimtückischer. Da habt ihr euch nun, meine Mönche, wohl

zu üben: ›Nicht soll unser Gemüth verstört werden, kein böser

Laut unserem Munde entfahren, freundlich und mitleidig wollen

wir bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke; und

jene Person werden wir mit liebevollem Gemüthe durchstrahlen:

von ihr ausgehend werden wir dann die ganze Welt mit

katzenfellgleichem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem,

von Grimm und Groll geklärtem, durchstrahlen‹: also habt ihr

euch, meine Mönche, wohl zu üben.

»Wenn auch, ihr Mönche, Räuber und Mörder mit einer Baumsäge

Gelenke und Glieder abtrennten, so würde wer da in Wuth

geriethe nicht meine Weisung erfüllen. Da habt ihr euch nun,

meine Mönche, wohl zu üben: ›Nicht soll unser Gemüth verstört

werden, kein böser Laut unserem Munde entfahren, freundlich

und mitleidig wollen wir bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne

heimliche Tücke; und jene Person werden wir mit liebevollem

Gemüthe durchstrahlen: von ihr ausgehend werden wir dann

die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit weitem, tiefem,

unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem, durchstrahlen‹:

also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben.

»Dieser Belehrung aber, ihr Mönche, durch das Gleichniss der

Säge mögt ihr euch oftmals erinnern. Wisst ihr, meine Mönche,

von einer Redeweise, ob fein oder gemein, die ihr nicht

ertragen könntet?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Darum also, ihr Mönche: dieser Belehrung durch das Gleichniss

der Säge erinnert euch oftmals; es wird euch lange zum Wohle,

zum Heile gereichen.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche

über das Wort des Erhabenen.

22.

Dritter Theil Zweite Rede

DAS SCHLANGENGLEICHNISS

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 130

Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Zu

jener Zeit nun hatte ein Mönch Namens Ariṭṭho, ehemals ein

Geierjäger, folgende verkehrte Meinung geäußert: ›Also fasse

ich die vom Erhabenen verkündete Lehre auf, dass jene vom

Erhabenen als verderblich bezeichneten Handlungen dem Thäter

nicht nothwendig zum Verderben gereichen.‹ Es kam nun vielen

Mönchen zu Ohren, dass ein Mönch Namens Ariṭṭho, ein früherer

Geierjäger, diese verkehrte Meinung gefasst habe. Da begaben

sich nun jene Mönche dorthin wo Ariṭṭho der Mönch, der frühere

Geierjäger, weilte, und sprachen hierauf also zu ihm:

»Ist es wahr, wie man sagt, Bruder Ariṭṭho, du habest diese

verkehrte Meinung gefasst: ›Also verstehe ich die vom Erhabenen

verkündete Lehre, dass jene vom Erhabenen als verderblich

bezeichneten Handlungen dem Thäter nicht nothwendig zum

Verderben gereichen‹?«

»So ist es, ihr Brüder, allerdings fass’ ich die vom Erhabenen

verkündete Lehre also auf, dass jene vom Erhabenen als

verderblich bezeichneten Handlungen dem Thäter nicht nothwendig

zum Verderben gereichen.«

Da nun wollten jene Mönche Ariṭṭho den Mönch, den früheren

Geierjäger, von seiner verkehrten Meinung abbringen, wandten

sich zu ihm, sprachen zu ihm, belehrten ihn: »Nicht also rede,

Bruder Ariṭṭho, den Erhabenen verbessere nicht, nicht ist es

gut den Erhabenen verbessern, nicht kann der Erhabene solches

gesagt haben. Auf manigfaltige Weise, Bruder Ariṭṭho, wurden

die verderblichen Handlungen vom Erhabenen erklärt, und sie

gereichen dem Thäter nothwendig zum Verderben. Unbefriedigend

sind die Begierden, hat der Erhabene gesagt, voller Leiden,

voller Quaalen, das Elend überwiegt. Kahlen Knochen verglichen

hat der Erhabene die Begierden, Fleischfetzen verglichen hat

der Erhabene die Begierden, flammendem Stroh verglichen hat

der Erhabene die Begierden, glühenden Kohlen verglichen hat

der Erhabene die Begierden, Träumereien verglichen hat der

Erhabene die Begierden, Betteleien verglichen hat der Erhabene

die Begierden, Baumfrüchten verglichen hat der Erhabene die

Begierden, Schwerdterschneiden verglichen hat der Erhabene

die Begierden, Lanzenspitzen verglichen hat der Erhabene die

Begierden, Schlangenrachen gleich sind die Begierden, hat der

Erhabene gesagt, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend

überwiegt.«[14]

Ariṭṭho der Mönch aber, der frühere Geierjäger, obzwar von

jenen Mönchen also angegangen, angesprochen und belehrt, hielt

an dieser seiner verkehrten Meinung zähe fest: »Ich, fürwahr,

ihr Brüder, verstehe die vom Erhabenen verkündete Lehre also,

dass jene vom Erhabenen als verderblich bezeichneten Handlungen

dem Thäter nicht nothwendig zum Verderben gereichen müssen.«

Als nun jene Mönche Ariṭṭho den Mönch, den früheren Geierjäger,

von dieser verkehrten Meinung nicht abbringen konnten, 131

begaben sie sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßten

den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich zur Seite nieder.

Hierauf nun sprachen jene Mönche zum Erhabenen also:

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, erster Band · 第 17 / 43 段