»Was da, ihr Mönche, ein Mönch lange erwägt und überlegt,

dahin neigt sich der Sinn. Wenn der Mönch, ihr Mönche, eine

Erwägung des Begehrens lange erwägt und überlegt, so hat

er die Erwägung des Entsagens verleugnet, die Erwägung des

Begehrens großgezogen, und sein Herz neigt sich zur Erwägung

des Begehrens. Wenn der Mönch, ihr Mönche, eine Erwägung des

Schadens, eine Erwägung des Wüthens lange erwägt und überlegt,

so hat er die Erwägung des Nichtschadens, die Erwägung des

Nichtwüthens verleugnet, die Erwägung des Schadens, die

Erwägung des Wüthens großgezogen, und sein Herz neigt sich zur

Erwägung des Schadens, zur Erwägung des Wüthens.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, ein Rinderhirt im letzten

Monat der Regenzeit, im Herbste, wenn die Ernte eingebracht

ist, seine Heerde sammelt, die Rinder von da und von dort

herantreibt, herzutreibt und in die Hürden und Ställe bringt,

und warum das? Weil ja sonst, ihr Mönche, der Hirt gewissen

Verlust oder Nachtheil, Unglück oder Unbill gewärtigen müsste:

ebenso nun auch, ihr Mönche, merkte ich da des Schlechten

Elend, Erbärmlichkeit und Besudelung und des Guten heilsamen

Einfluss in der Entsagung.

»Als mir nun, Mönche, bei diesem ernsten, eifrigen, heißen 116

Mühn eine Erwägung des Entsagens aufstieg, sagte ich mir:

›Aufgestiegen ist mir da diese Erwägung des Entsagens; und

sie führt wahrlich nicht zu eigener Beschränkung, nicht zu

fremder Beschränkung, führt zu keines Beschränkung, fördert

die Weisheit, bringt keine Verstörung mit sich, führt zur

Wahnerlöschung. Ob ich sie nun, ihr Mönche, bei Nacht erwäge

und überlege, ob ich sie nun, ihr Mönche, bei Tag erwäge und

überlege, ich kann in ihr nichts Schreckliches finden: ob ich

sie gleich, ihr Mönche, Tag und Nacht erwäge und überlege, ich

kann in ihr nichts Schreckliches finden. Aber gäbe ich mich

dem Erwägen und Ueberlegen zu lange hin, so würde mein Körper

ermüden, bei müdem Körper das Herz matt werden, und das matte

Herz ist fern von der Selbstvertiefung.‹ Da fasste ich denn,

ihr Mönche, mein Herz innig zusammen, beruhigte es, einigte es,

festigte es, und warum das? Damit mein Herz nicht matt werde.

»Als mir nun, ihr Mönche, bei diesem ernsten, eifrigen,

heißen Mühn eine Erwägung des Nichtschadens, eine Erwägung

des Nichtwüthens aufstieg, sagte ich mir: ›Aufgestiegen ist

mir da diese Erwägung des Nichtschadens, diese Erwägung

des Nichtwüthens; und sie führt wahrlich nicht zu eigener

Beschränkung, nicht zu fremder Beschränkung, führt zu keines

Beschränkung, fördert die Weisheit, bringt keine Verstörung mit

sich, führt zur Wahnerlöschung. Ob ich sie nun, ihr Mönche,

bei Nacht erwäge und überlege, ob ich sie nun, ihr Mönche, bei

Tag erwäge und überlege, ich kann in ihr nichts Schreckliches

finden: ob ich sie gleich, ihr Mönche, Tag und Nacht erwäge und

überlege, ich kann in ihr nichts Schreckliches finden. Aber

gäbe ich mich dem Erwägen und Ueberlegen zu lange hin, so würde

mein Körper ermüden, bei müdem Körper das Herz matt werden, und

das matte Herz ist fern von der Selbstvertiefung.‹ Da fasste

ich denn, ihr Mönche, mein Herz innig zusammen, beruhigte es,

einigte es, festigte es, und warum das? Damit mein Herz nicht

matt werde.

»Was da, ihr Mönche, ein Mönch lange erwägt und überlegt,

dahin neigt sich der Sinn. Wenn der Mönch, ihr Mönche, eine

Erwägung des Entsagens lange erwägt und überlegt, so hat

er die Erwägung des Begehrens verleugnet, die Erwägung des

Entsagens großgezogen, und sein Herz neigt sich zur Erwägung

des Entsagens. Wenn der Mönch, ihr Mönche, eine Erwägung des

Nichtschadens, eine Erwägung des Nichtwüthens lange erwägt und

überlegt, so hat er die Erwägung des Schadens, die Erwägung

des Wüthens verleugnet, die Erwägung des Nichtschadens, die

Erwägung des Nichtwüthens großgezogen, und sein Herz neigt sich

zur Erwägung des Nichtschadens, zur Erwägung des Nichtwüthens.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, ein Rinderhirt im letzten Monat

des Sommers, wenn das Korn auf den Feldern ringsum in voller

Reife steht, seine Heerde hüten und im Walde wie auf der Wiese 117

wohl achthaben muss: ›Die Rinder sind da‹: ebenso nun auch, ihr

Mönche, musste ich da wohl achthaben: ›Die Dinge sind da.‹

»Gestählt war aber, ihr Mönche, meine Kraft, unbeugsam,

gewärtig die Einsicht, unverrückbar, beruhigt der Körper, ohne

Regung, vertieft das Gemüth, einig. Und ich weilte nun, ihr

Mönche, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen,

in sinnend erwägender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in

der Weihe der ersten Schauung. Nach Vollendung des Sinnens

und Erwägens erwirkte ich innere Meeresstille, Einheit des

Gemüthes, sinnens- und erwägensfreie, in der Einigung geborene

sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. In heiterer

Ruhe weilte ich gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein

Glück empfand ich im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der

gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkte ich die

Weihe der dritten Schauung. Nach Verwerfung der Freuden und

Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns

erwirkte ich die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig

einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung.

»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, 22

schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar,

richtete ich das Gemüth auf die erinnernde Erkenntniss früherer

Daseinsformen. Ich erinnerte mich an manche verschiedene

frühere Daseinsform, als wie an ein Leben, dann an zwei

Leben, dann an drei Leben, dann an vier Leben, dann an fünf

Leben, dann an zehn Leben, dann an zwanzig Leben, dann

an dreißig Leben, dann an vierzig Leben, dann an fünfzig

Leben, dann an hundert Leben, dann an tausend Leben, dann

an hunderttausend Leben, dann an die Zeiten während mancher

Weltenentstehungen, dann an die Zeiten während mancher

Weltenvergehungen, dann an die Zeiten während mancher

Weltenentstehungen-Weltenvergehungen. ›Dort war ich, jenen

Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich an, das war mein

Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren,

so war mein Lebensende; dort verschieden trat ich anderswo

wieder ins Dasein: da war ich nun, diesen Namen hatte ich,

dieser Familie gehörte ich an, dies war mein Stand, dies mein

Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein

Lebensende; da verschieden trat ich hier wieder ins Dasein.‹ So

erinnerte ich mich mancher verschiedenen früheren Daseinsform,

mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen

Beziehungen. Dieses Wissen, ihr Mönche, hatte ich da in den

ersten Stunden der Nacht als erstes errungen, das Nichtwissen

zertheilt, das Wissen gewonnen, das Dunkel zertheilt, das

Licht gewonnen, als ich in so ernstem, eifrigem, heißem Mühn

verweilte.

»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen,

schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar,

richtete ich das Gemüth auf die Erkenntniss des Verschwindens-

Erscheinens der Wesen. Mit dem himmlischen Auge, dem

geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, sah

ich die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und

edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, ich

erkannte wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren. ›Diese

lieben Wesen sind freilich in Thaten dem Schlechten zugethan,

in Worten dem Schlechten zugethan, in Gedanken dem Schlechten

zugethan, tadeln Heiliges, achten Verkehrtes, thun Verkehrtes;

bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf

den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in untere

Welt. Jene lieben Wesen sind aber in Thaten dem Guten zugethan, 23

in Worten dem Guten zugethan, in Gedanken dem Guten zugethan,

tadeln nicht Heiliges, achten Rechtes, thun Rechtes; bei der

Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf gute

Fährte, in sälige Welt.‹ So sah ich mit dem himmlischen Auge,

dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die

Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle,

schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, ich erkannte

wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren. Dieses Wissen,

ihr Mönche, hatte ich da in den mittleren Stunden der Nacht

als zweites errungen, das Nichtwissen zertheilt, das Wissen

gewonnen, das Dunkel zertheilt, das Licht gewonnen, als ich in

so ernstem, eifrigem, heißem Mühn verweilte.

»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen,

schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar,

richtete ich das Gemüth auf die Erkenntniss der Wahnversiegung.

›Das ist das Leiden‹ verstand ich der Wahrheit gemäß. ›Das ist

die Leidensentwicklung‹ verstand ich der Wahrheit gemäß. ›Das

ist die Leidensauflösung‹ verstand ich der Wahrheit gemäß.

›Das ist der zur Leidensauflösung führende Pfad‹ verstand

ich der Wahrheit gemäß. ›Das ist der Wahn‹ verstand ich der

Wahrheit gemäß. ›Das ist die Wahnentwicklung‹ verstand ich

der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Wahnauflösung‹ verstand ich

der Wahrheit gemäß. ›Das ist der zur Wahnauflösung führende

Pfad‹ verstand ich der Wahrheit gemäß. Also erkennend, also

sehend ward da mein Gemüth erlöst vom Wunscheswahn, erlöst vom

Daseinswahn. erlöst vom Nichtwissenswahn. ›Im Erlösten ist die

Erlösung‹, diese Erkenntnis ging auf. ›Versiegt ist die Geburt,

vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist

diese Welt‹ verstand ich da. Dieses Wissen, ihr Mönche, hatte

ich nun in den letzten Stunden der Nacht als drittes errungen,

das Nichtwissen zertheilt, das Wissen gewonnen, das Dunkel

zertheilt, das Licht gewonnen, als ich in so ernstem, eifrigem,

heißem Mühn verweilte.

* * * * *

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn eine große Heerde Wildes in

waldigem Thale auf weiten sumpfigen Moorgrund gerathen wäre,

und irgend ein Mensch wollte ihr übel, sänne auf ihr Verderben

und Unheil; da versperrte er den Weg, der sicher, günstig,

fröhlich zu wandeln ist, und ließe den Abweg offen, der zum

Sumpfe führt, triebe sie hin: so würde nun, Mönche, diese große

Heerde Wildes bald schwinden und abnehmen. Doch wenn sich, ihr

Mönche, irgend ein Mensch dieser großen Heerde Wildes erbarmte,

auf ihr Wohl und Heil sänne, möchte er den Weg, der sicher,

günstig, fröhlich zu wandeln ist, offenbar machen, den Abweg

versperren, die sumpfige Fährte verrammeln, die Thiere von dort

verscheuchen: so würde nun, Mönche, diese große Heerde Wildes

bald zunehmen, blühn und gedeihen.

»Ein Gleichniss habe ich da, meine Mönche, gegeben, um den Sinn

zu erklären. Das aber ist nun der Sinn. Der weite sumpfige 118

Moorgrund: das ist, ihr Mönche, eine Bezeichnung der Begierden.

Die große Heerde Wildes: das ist, ihr Mönche, eine Bezeichnung

der Lebendigen. Der Mensch, der übelwill, auf Verderben und

Unheil sinnt: das ist, ihr Mönche, eine Bezeichnung der Natur,

der bösen.[13] Der Abweg: das ist, ihr Mönche, eine Bezeichnung

des achtfältigen falschen Weges, nämlich falscher Erkenntniss,

falscher Gesinnung, falscher Rede, falschen Handelns, falschen

Wandelns, falschen Mühns, falscher Einsicht, falscher Einigung.

Die sumpfige Fährte: das ist, ihr Mönche, eine Bezeichnung

der Genügenslust. Der Gang in den Sumpf: das ist, ihr Mönche,

eine Bezeichnung des Nichtwissens. Der Mensch aber, der

sich erbarmt, auf Wohl und Heil sinnt: das ist, ihr Mönche,

eine Bezeichnung des Vollendeten, des Heiligen, vollkommen

Erwachten. Und der sichere Weg, der günstig und fröhlich zu

wandeln ist: das ist, ihr Mönche, eine Bezeichnung des heiligen

achtfältigen Weges, nämlich rechter Erkenntniss, rechter

Gesinnung, rechter Rede, rechten Handelns, rechten Wandelns,

rechten Mühns, rechter Einsicht, rechter Einigung.

»Und so habe ich, Mönche, den sicheren Weg, der günstig und

fröhlich zu wandeln ist, offenbar gemacht, den Abweg versperrt,

die sumpfige Fährte verrammelt, den Gang in den Sumpf

verleidet. Was ein Meister, ihr Mönche, den Jüngern aus Liebe

und Theilnahme, von Mitleid bewogen, schuldet, das habt ihr von

mir empfangen. Da laden, ihr Mönche, Bäume ein, und dort leere

Klausen. Wirket Schauung, Mönche, auf dass ihr nicht lässig

werdet, später nicht Reue empfindet: das haltet als unser

Gebot.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche

über das Wort des Erhabenen.

20.

Zweiter Theil Zehnte Rede

DER ERWÄGUNGEN EINGEHN

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei

Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort

nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«

-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen

aufmerksam. Der Erhabene sprach also: 119

»Wer nach Hohem strebt, Mönche, soll sich von Zeit zu Zeit

fünf Arten von Vorstellungen gegenwärtig halten: welche

fünf? Da fasst, ihr Mönche, ein Mönch eine Vorstellung,

vergegenwärtigt sich eine Vorstellung, und dabei steigen ihm

böse, unwürdige Erwägungen auf, Bilder der Gier, des Hasses und

der Verblendung: da soll, ihr Mönche, der Mönch aus dieser

Vorstellung eine andere gewinnen, ein würdiges Bild. Während

er aus dieser Vorstellung eine andere gewinnt, ein würdiges

Bild, schwinden die bösen, unwürdigen Erwägungen, die Bilder

der Gier, des Hasses und der Verblendung, lösen sich auf;

und weil es sie überwunden hat, festigt sich eben das innige

Herz, beruhigt sich, wird einig und stark. Gleichwie etwa,

ihr Mönche, ein geschickter Maurer oder Maurergeselle mit

einem feinen Keil einen groben heraustreiben, herausschlagen,

herausstoßen kann, ebenso nun auch, ihr Mönche, soll ein

Mönch, wenn er eine Vorstellung fasst, eine Vorstellung sich

vergegenwärtigt, und ihm dabei böse, unwürdige Erwägungen

aufsteigen, Bilder der Gier, des Hasses und der Verblendung,

aus dieser Vorstellung eine andere gewinnen, ein würdiges Bild.

Während er aus dieser Vorstellung eine andere gewinnt, ein

würdiges Bild, schwinden die bösen, unwürdigen Erwägungen, die

Bilder der Gier, des Hasses und der Verblendung, lösen sich

auf; und weil es sie überwunden hat, festigt sich eben das

innige Herz, beruhigt sich, wird einig und stark.

»Wenn einem solchen, ihr Mönche, bei seinem Bemühn aus der

einen Vorstellung eine andere zu gewinnen, ein würdiges Bild,

noch böse, unwürdige Erwägungen aufsteigen, Bilder der Gier,

des Hasses und der Verblendung, so soll er, ihr Mönche, das

Elend derartiger Erwägungen betrachten: ›Da sind sie ja,

diese unwürdigen Erwägungen, da sind sie ja, diese unlauteren

Erwägungen, da sind sie ja, diese Leiden ausbrütenden

Erwägungen!‹ Während er das Elend derartiger Erwägungen

betrachtet, schwinden die bösen, unwürdigen Erwägungen, die

Bilder der Gier, des Hasses und der Verblendung, lösen sich

auf; und weil es sie überwunden hat, festigt sich eben das

innige Herz, beruhigt sich, wird einig und stark. Gleichwie

etwa, ihr Mönche, ein Weib oder ein Mann, jung, frisch,

gefallsam, dem ein Schlangenaas oder ein Hundeaas oder ein

Menschenaas an den Hals gebunden würde, sich entsetzen, 120

empören und sträuben möchte: ebenso nun auch, ihr Mönche,

soll ein Mönch, wenn ihm bei seinem Bemühn aus der einen

Vorstellung eine andere zu gewinnen, ein würdiges Bild, noch

böse, unwürdige Erwägungen aufsteigen, Bilder der Gier, des

Hasses und der Verblendung, das Elend derartiger Erwägungen

betrachten. Während er das Elend derartiger Erwägungen

betrachtet, schwinden die bösen, unwürdigen Erwägungen, die

Bilder der Gier, des Hasses und der Verblendung, lösen sich

auf; und weil es sie überwunden hat, festigt sich eben das

innige Herz, beruhigt sich, wird einig und stark.

»Wenn einem solchen, ihr Mönche, bei seiner Betrachtung des

Elends jener Erwägungen noch böse, unwürdige Erwägungen

aufsteigen, Bilder der Gier, des Hasses und der Verblendung,

so soll er, ihr Mönche, jenen Erwägungen keinen Sinn, keine

Beachtung schenken. Während er jenen Erwägungen keinen Sinn,

keine Beachtung schenkt, schwinden die bösen, unwürdigen

Erwägungen, die Bilder der Gier, des Hasses und der

Verblendung, lösen sich auf; und weil es sie überwunden hat,

festigt sich eben das innige Herz, beruhigt sich, wird einig

und stark. Gleichwie etwa, ihr Mönche, ein scharfsehender

Mann, der in seinen Gesichtskreis getretene Erscheinungen

nicht verfolgen will, die Augen schließen oder anderswo

hinblicken mag: ebenso nun auch, ihr Mönche, soll ein Mönch,

wenn ihm bei seiner Betrachtung des Elends jener Erwägungen

noch böse, unwürdige Erwägungen aufsteigen, Bilder der Gier,

des Hasses und der Verblendung, solchen Erwägungen keinen

Sinn, keine Beachtung schenken. Während er solchen Erwägungen

keinen Sinn, keine Beachtung schenkt, schwinden die bösen,

unwürdigen Erwägungen, die Bilder der Gier, des Hasses und der

Verblendung, lösen sich auf; und weil es sie überwunden hat,

festigt sich eben das innige Herz, beruhigt sich, wird einig

und stark.

»Wenn einem solchen, ihr Mönche, ob er gleich jenen Erwägungen

keinen Sinn, keine Beachtung schenkt, noch böse, unwürdige

Erwägungen aufsteigen, Bilder der Gier, des Hasses und der

Verblendung, so soll er, ihr Mönche, jene Erwägungen der

Reihe nach einzeln eingehn lassen. Während er jene Erwägungen

der Reihe nach einzeln eingehn lässt, schwinden die bösen,

unwürdigen Erwägungen, die Bilder der Gier, des Hasses und der

Verblendung, lösen sich auf; und weil es sie überwunden hat,

festigt sich eben das innige Herz, beruhigt sich, wird einig

und stark. Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da ein Mann eilig

dahinschritte und es käme ihm der Gedanke ›Was schreite ich

denn so eilig dahin? Ich will etwas langsamer gehn‹, und er

ginge langsamer und es käme ihm der Gedanke ›Doch warum geh’

ich überhaupt? Ich will nun stehn bleiben‹, und er bliebe

stehn und es käme ihm der Gedanke ›Aber wesshalb steh’ ich?

Ich werde mich setzen‹, und er setzte sich nieder und es käme

ihm der Gedanke ›Warum sollt’ ich nur sitzen? Ich will mich da

hinlegen‹, und er legte sich hin; und so hätte dieser Mann,

ihr Mönche, die gröberen Bewegungen eingestellt und sich den

feineren hingegeben: ebenso nun auch, ihr Mönche, soll ein

Mönch, wenn ihm trotz seiner Verachtung und Verwerfung jener

Erwägungen noch böse, unwürdige Erwägungen aufsteigen, Bilder

der Gier, des Hasses und der Verblendung, jene Erwägungen der

Reihe nach einzeln eingehn lassen. Während er jene Erwägungen

der Reihe nach einzeln eingehn lässt, schwinden die bösen,

unwürdigen Erwägungen, die Bilder der Gier, des Hasses und der

Verblendung, lösen sich auf; und weil es sie überwunden hat,

festigt sich eben das innige Herz, beruhigt sich, wird einig

und stark.

»Wenn einem solchen, ihr Mönche, während er jene Erwägungen

der Reihe nach einzeln eingehn lässt, noch böse, unwürdige

Erwägungen aufsteigen, Bilder der Gier, des Hasses und der

Verblendung, so soll er, ihr Mönche, mit aufeinandergepressten 121

Zähnen und an den Gaumen gehefteter Zunge durch den Willen das

Gemüth niederzwingen, niederdrücken, niederquälen. Während er

mit aufeinandergepressten Zähnen und an den Gaumen gehefteter

Zunge durch den Willen das Gemüth niederzwingt, niederdrückt,

niederquält, schwinden die bösen, unwürdigen Erwägungen,

die Bilder der Gier, des Hasses und der Verblendung, lösen

sich auf; und weil es sie überwunden hat, festigt sich

eben das innige Herz, beruhigt sich, wird einig und stark.

Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein starker Mann einen

schwächeren beim Kopf oder bei der Schulter ergreifend

niederzwingt, niederdrückt, niederquält: ebenso nun auch,

ihr Mönche, soll ein Mönch, wenn ihm beim Eingehnlassen der

Reihe jener Erwägungen noch böse, unwürdige Erwägungen

aufsteigen, Bilder der Gier, des Hasses und der Verblendung,

mit aufeinandergepressten Zähnen und an den Gaumen gehefteter

Zunge durch den Willen das Gemüth niederzwingen, niederdrücken,

niederquälen. Während er mit aufeinandergepressten Zähnen und

an den Gaumen gehefteter Zunge durch den Willen das Gemüth

niederzwingt, niederdrückt, niederquält, schwinden die bösen,

unwürdigen Erwägungen, die Bilder der Gier, des Hasses und der

Verblendung, lösen sich auf; und weil es sie überwunden hat,

festigt sich eben das innige Herz, beruhigt sich, wird einig

und stark.

* * * * *

»Wenn also, ihr Mönche, einem von euch beim Fassen einer

Vorstellung, beim Vergegenwärtigen einer Vorstellung böse,

unwürdige Erwägungen aufsteigen, Bilder der Gier, des Hasses

und der Verblendung, und er aus dieser Vorstellung eine

andere gewinnt, ein würdiges Bild, so schwinden die bösen,

unwürdigen Erwägungen, die Bilder der Gier, des Hasses und

der Verblendung, lösen sich auf; und weil es sie überwunden

hat, festigt sich eben das innige Herz, beruhigt sich,

wird einig und stark. Und er betrachtet das Elend jener

Erwägungen, und die bösen, unwürdigen Erwägungen, die Bilder

der Gier, des Hasses und der Verblendung, schwinden, lösen

sich auf; und weil es sie überwunden hat, festigt sich eben

das innige Herz, beruhigt sich, wird einig und stark. Und er

schenkt jenen Erwägungen keinen Sinn, keine Beachtung, und

die bösen, unwürdigen Erwägungen, die Bilder der Gier, des

Hasses und der Verblendung, schwinden, lösen sich auf; und

weil es sie überwunden hat, festigt sich eben das innige

Herz, beruhigt sich, wird einig und stark. Und er lässt jene

Erwägungen der Reihe nach einzeln eingehn, und die bösen,

unwürdigen Erwägungen, die Bilder der Gier, des Hasses und

der Verblendung, schwinden, lösen sich auf; und weil es sie

überwunden hat, festigt sich eben das innige Herz, beruhigt

sich, wird einig und stark. Und mit aufeinandergepressten

Zähnen und an den Gaumen gehefteter Zunge zwingt er durch den

Willen das Gemüth nieder, drückt es nieder, quält es nieder,

und die bösen, unwürdigen Erwägungen, die Bilder der Gier, des

Hasses und der Verblendung, schwinden, lösen sich auf; und

weil es sie überwunden hat, festigt sich eben das innige Herz,

beruhigt sich, wird einig und stark.

»Ein solcher, ihr Mönche, wird Mönch Herrscher über der 122

Erwägungen Arten genannt. Welche Erwägung er will, die wird

er erwägen, welche Erwägung er nicht will, die wird er nicht

erwägen. Abgeschnitten hat er den Lebensdurst, weggeworfen die

Fessel, durch vollständige Dünkeleroberung ein Ende gemacht dem

Leiden.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche

über das Wort des Erhabenen.

DRITTER THEIL

BUCH DER GLEICHNISSE

21.

Dritter Theil Erste Rede

DAS GLEICHNISS VON DER SÄGE

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei

Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Damals

nun weilte der ehrwürdige Moliyaphagguṇo zu ungehöriger

Zeit in Gesellschaft der Nonnen. Also weilte der ehrwürdige

Moliyaphagguṇo in Gesellschaft der Nonnen, dass er, wenn irgend

einer der Mönche ihm gegenüber jene Nonnen tadelte, darob

entrüstet und verstimmt schlechthin einen Verweis ertheilte;

und wenn irgend einer der Mönche jenen Nonnen gegenüber den

ehrwürdigen Moliyaphagguṇo tadelte, diese darob entrüstet und

verstimmt schlechthin einen Verweis ertheilten. Also weilte der

ehrwürdige Moliyaphagguṇo in Gesellschaft der Nonnen.

Da nun begab sich ein Mönch zum Erhabenen, begrüßte den

Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite hin. Zur Seite

sitzend sprach nun jener Mönch zum Erhabenen also:

»Der ehrwürdige Moliyaphagguṇo, o Herr, weilt zu ungehöriger

Zeit in Gesellschaft der Nonnen. Also, o Herr, weilt der

ehrwürdige Moliyaphagguṇo in Gesellschaft der Nonnen, dass

er, wenn irgend einer der Mönche ihm gegenüber jene Nonnen

tadelt, darob entrüstet und verstimmt schlechthin einen

Verweis ertheilt; und wenn irgend einer der Mönche jenen

Nonnen gegenüber den ehrwürdigen Moliyaphagguṇo tadelt, diese

darob entrüstet und verstimmt schlechthin einen Verweis

ertheilen. Also, o Herr, weilt der ehrwürdige Moliyaphagguṇo in

Gesellschaft der Nonnen.«

Da nun wandte sich der Erhabene an einen der Mönche:

»Gehe, o Mönch, und sage in meinem Namen dem Mönche 123

Moliyaphagguṇo: der Meister ruft dich, Bruder Phagguṇo.«

»Wohl, o Herr!« erwiderte jener Mönch, dem Erhabenen

gehorchend, begab sich dorthin wo der ehrwürdige Moliyaphagguṇo

weilte, und sprach hierauf also zu ihm:

»Der Meister ruft dich, Bruder Phagguṇo.«

»Gut, o Bruder, ich komme!« erwiderte der ehrwürdige

Moliyaphagguṇo jenem Mönche, begab sich dorthin wo der Erhabene

weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur

Seite nieder. Hierauf nun sprach zum ehrwürdigen Moliyaphagguṇo

der Erhabene also:

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, erster Band · 第 16 / 43 段