»Da lebt, ihr Mönche, ein Mönch in Gesellschaft dieser oder

jener Person: und während er in solcher Gesellschaft, noch

ohne Einsicht, lebt, gewinnt er sie, das zerstreute Gemüth

sammelt sich, der unversiegte Wahn versiegt, die unerreichte

unvergleichliche Sicherheit erreicht er, was aber ein Asket zur

Fristung des Lebens braucht, an Kleidung, Nahrung, Lagerstatt

und Arzeneien für den Fall einer Krankheit, das fließt ihm

kümmerlich zu. Dieser Mönch, ihr Mönche, soll also erwägen:

›Ich lebe da in Gesellschaft dieser Person: und während ich

in solcher Gesellschaft, noch ohne Einsicht, lebe, gewinne ich

sie, das zerstreute Gemüth sammelt sich, der unversiegte Wahn

versiegt, die unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreiche

ich, was aber ein Asket zur Fristung des Lebens braucht, an

Kleidung, Nahrung, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer

Krankheit, das fließt mir kümmerlich zu; aber ich bin ja

nicht der Kleidung halber aus dem Hause in die Hauslosigkeit

gewandert, nicht der Nahrung, nicht der Lagerstatt, nicht der

Arzeneien halber bin ich aus dem Hause in die Hauslosigkeit

gewandert. Doch während ich da in solcher Gesellschaft, noch

ohne Einsicht, lebe, gewinne ich sie, das zerstreute Gemüth

sammelt sich, der unversiegte Wahn versiegt, die unerreichte

unvergleichliche Sicherheit erreiche ich.‹ Dieser Mönch, ihr

Mönche, soll dann eine Zeit lang bei jener Person bleiben,

nicht fortgehn.

»Da lebt nun, ihr Mönche, ein Mönch in Gesellschaft einer

anderen Person: und während er in dieser Gesellschaft, noch

ohne Einsicht, lebt, gewinnt er sie, das zerstreute Gemüth

sammelt sich, der unversiegte Wahn versiegt, die unerreichte

unvergleichliche Sicherheit erreicht er, und was ein Asket zur

Fristung des Lebens braucht, an Kleidung, Nahrung, Lagerstatt

und Arzeneien für den Fall einer Krankheit, das fließt ihm

reichlich zu. Dieser Mönch, ihr Mönche, soll also erwägen:

›Ich lebe da in Gesellschaft dieser Person: und während ich 108

in dieser Gesellschaft, noch ohne Einsicht, lebe, gewinne ich

sie, das zerstreute Gemüth sammelt sich, der unversiegte Wahn

versiegt, die unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreiche

ich, und was ein Asket zur Fristung des Lebens braucht, an

Kleidung, Nahrung, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer

Krankheit, das fließt mir reichlich zu.‹ Dieser Mönch, ihr

Mönche, soll dann zeitlebens bei jener Person bleiben und nicht

fortgehn, wenn er nicht fortgejagt wird.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche

über das Wort des Erhabenen.

18.

Zweiter Theil Achte Rede

DER GUTE BISSEN

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im Lande

der Sakker, bei Kapilavatthu, im Park der Feigenbäume. Und der

Erhabene, zeitig gerüstet, nahm Mantel und Schaale und ging

nach der Stadt um Almosenspeise. Und als der Erhabene, von Haus

zu Haus tretend, Almosen erhalten hatte, kehrte er zurück, nahm

das Mahl ein und begab sich in den Großen Wald, für den Tag.

Im Inneren des Großen Waldes setzte sich der Erhabene unter

eine Gruppe von Zitronenapfelbäumen[11], um hier bis gegen

Sonnenuntergang zu verweilen.

Daṇḍapāṇi nun aber, ein Sakko-Prinz, erging sich lustwandelnd

dahin und dorthin und kam in den Großen Wald. Im Inneren des

Großen Waldes gelangte er zur Gruppe der Zitronenapfelbäume,

zum Erhabenen. Da tauschte er mit dem Erhabenen höflichen

Gruß und freundliche, denkwürdige Worte und stellte sich, auf

seinen Spazierstock gestützt, seitwärts hin. Hierauf nun sprach

Daṇḍapāṇi der Sakker zum Erhabenen also:

»Was bekennt und verkündet der Asket?«

»Dass der Bekenner, Bruder, in der Welt mit ihren Göttern,

ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von

Priestern und Büßern, Göttern und Menschen durch nichts in

der Welt außer Fassung geräth, und dass dem wunschentwunden

Verweilenden, dem Heiligen, der keine Frage mehr stellt, jeden

Unmuth vertilgt hat, weder Dasein noch Nichtsein begehrt[12],

Wahrnehmungen nicht anhaften: das bekenne ich, Bruder, das

verkünde ich.«

Auf diese Worte senkte der Sakker Daṇḍapāṇi den Kopf, ließ die

Zunge sehn, zog die Brauen mit drei Stirnfalten in die Höhe und 109

ging, auf seinen Spazierstock gestützt, von dannen.

Nachdem nun der Erhabene gegen Abend die Gedenkensruhe beendet

hatte, begab er sich in den Park der Feigenbäume. Dort

angelangt setzte sich der Erhabene auf den dargebotenen Sitz.

Hierauf nun wandte sich der Erhabene an die Mönche:

»Als ich da, Mönche, heute früh gerüstet war, begab ich mich,

mit Mantel und Schaale versehn, auf den Almosengang nach

Kapilavatthu. Nach Empfang der Almosenspeise kehrte ich von

der Stadt zurück und ging nach dem Mahle zum Großen Wald, für

den Tag. Im Inneren des Großen Waldes setzte ich mich unter

eine Gruppe von Zitronenapfelbäumen, bis gegen Sonnenuntergang

dort zu verweilen. Daṇḍapāṇi nun aber, ihr Mönche, ein

Sakko-Prinz, kam lustwandelnd in den Großen Wald, zur Gruppe

der Bäume, unter der ich saß. Da tauschte er mit mir höflichen

Gruß und freundliche, denkwürdige Worte und stellte sich, auf

seinen Spazierstock gestützt, seitwärts hin. Und nun, ihr

Mönche, sprach Daṇḍapāṇi der Sakker also zu mir: ›Was bekennt

und verkündet der Asket?‹ Hierauf erwiderte ich, ihr Mönche,

dem Sakker Daṇḍapāṇi: ›Dass der Bekenner, Bruder, in der Welt

mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit

ihrer Schaar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen

durch nichts in der Welt außer Fassung geräth, und dass dem

wunschentwunden Verweilenden, dem Heiligen, der keine Frage

mehr stellt, jeden Unmuth vertilgt hat, weder Dasein noch

Nichtsein begehrt, Wahrnehmungen nicht anhaften: das bekenne

ich, Bruder, das verkünde ich.‹ Auf diese Worte, ihr Mönche,

senkte der Sakker Daṇḍapāṇi den Kopf, ließ die Zunge sehn,

zog die Brauen mit drei Stirnfalten in die Höhe und ging, auf

seinen Spazierstock gestützt, von dannen.«

Auf diese Worte wandte sich einer der Mönche an den Erhabenen

und sprach:

»Und was bekennt, o Herr, der Erhabene und geräth in der Welt

mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer

Schaar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen durch

nichts in der Welt außer Fassung, und wie haften, o Herr, dem

Erhabenen, dem wunschentwunden Verweilenden, dem Heiligen,

der keine Frage mehr stellt, jeden Unmuth vertilgt hat, weder

Dasein noch Nichtsein begehrt, Wahrnehmungen nicht an?«

»Wenn der Sonderheit Wahrnehmungen, Mönch, wodurch auch

immer bedingt, an den Menschen der Reihe nach herantreten

und da kein Entzücken, kein Entsprechen, keinen Halt

finden, so ist das eben das Ende der Lustanhaftungen, so

ist das eben das Ende der Ekelanhaftungen, so ist das eben 110

das Ende der Glaubensanhaftungen, so ist das eben das

Ende der Zweifelanhaftungen, so ist das eben das Ende der

Dünkelanhaftungen, so ist das eben das Ende der Anhaftungen

der Daseinslust, so ist das eben das Ende der Anhaftungen

des Nichtwissens, so ist das eben das Ende vom Wüthen und

Blutvergießen, von Krieg und Zwietracht, Zank und Streit, Lug

und Trug: da werden diese bösen, schlechten Dinge restlos

aufgelöst.«

Also sprach der Erhabene. Nach diesen Worten stand der

Willkommene vom Sitze auf und zog sich in das Wohnhaus zurück.

Da gedachten denn die Mönche, bald nachdem der Erhabene

fortgegangen war, unter sich: ›Diese Lehre, Brüder, hat uns der

Erhabene in kurzer Fassung gegeben, ohne den Inhalt ausführlich

zu erläutern, ist aufgestanden und hat sich in das Wohnhaus

zurückgezogen. Wer könnte nun wohl dieser kurzgefassten Lehre

Inhalt ausführlich begründen?‹ Da sagten sich nun jene Mönche:

›Der ehrwürdige Mahākaccāno wird selbst vom Meister gepriesen,

von den verständigen Ordensbrüdern aber verehrt: wohl wäre

der ehrwürdige Mahākaccāno imstande, den Inhalt dieser

kurzgefassten Lehre ausführlich zu begründen; wie, wenn wir uns

nun zum ehrwürdigen Mahākaccāno begeben und ihn bitten würden,

uns den Inhalt darzulegen?‹

Und jene Mönche begaben sich zum ehrwürdigen Mahākaccāno,

wechselten höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte

mit ihm und setzten sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend

sprachen nun jene Mönche zum ehrwürdigen Mahākaccāno also:

»Folgende Lehre, Bruder Kaccāno, hat uns der Erhabene

in kurzer Fassung gegeben, ohne den Inhalt ausführlich zu

erläutern, ist aufgestanden und hat sich in das Wohnhaus

zurückgezogen: ›Wenn der Sonderheit Wahrnehmungen, Mönch,

wodurch auch immer bedingt, an den Menschen der Reihe nach

herantreten und da kein Entzücken, kein Entsprechen, keinen

Halt finden, so ist das eben das Ende der Lustanhaftungen,

so ist das eben das Ende der Ekelanhaftungen, so ist das

eben das Ende der Glaubensanhaftungen, so ist das eben das

Ende der Zweifelanhaftungen, so ist das eben das Ende der

Dünkelanhaftungen, so ist das eben das Ende der Anhaftungen

der Daseinslust, so ist das eben das Ende der Anhaftungen

des Nichtwissens, so ist das eben das Ende vom Wüthen und

Blutvergießen, von Krieg und Zwietracht, Zank und Streit, Lug

und Trug: da werden diese bösen, schlechten Dinge restlos

aufgelöst.‹ Da kam uns, Bruder Kaccāno, bald nachdem

der Erhabene fortgegangen war, der Gedanke: ›Diese Lehre,

Brüder, hat uns der Erhabene in kurzer Fassung gegeben, ohne

den Inhalt ausführlich zu erläutern, ist aufgestanden und

hat sich in das Wohnhaus zurückgezogen. Wer könnte nun wohl

dieser kurzgefassten Lehre Inhalt ausführlich begründen?‹

Da kam uns, Bruder Kaccāno, der Gedanke: ›Der ehrwürdige

Mahākaccāno wird selbst vom Meister gepriesen, von

den verständigen Ordensbrüdern aber verehrt: wohl wäre der 111

ehrwürdige Mahākaccāno imstande, den Inhalt dieser

kurzgefassten Lehre ausführlich zu begründen; wie, wenn wir uns

nun zum ehrwürdigen Mahākaccāno begeben und ihn bitten

würden, uns den Inhalt darzulegen?‹ Mög’ es der ehrwürdige

Mahākaccāno thun!«

»Gleichwie etwa, Brüder, wenn ein Mann, der Kernholz begehrt,

Kernholz sucht, auf Kernholz ausgeht, über Wurzel und Stamm

eines großen kernig dastehenden Baumes hinaufkletterte und im

Laubgezweige Kernholz finden wollte: so ergeht es nun hier euch

Ehrwürdigen, die ihr vor dem Meister gewesen seid, den Herrn

übergangen habt und von mir die Lösung der Frage erwartet.

Doch der Erhabene, ihr Brüder, ist der kennende Kenner und

der sehende Seher, der Auggewordene, Erkenntnissgewordene,

Wahrheitgewordene, Heiligkeitgewordene, der Künder und

Verkünder, der Eröffner des Inhalts, der Spender der

Unsterblichkeit, der Herr der Wahrheit, der Vollendete. Und es

war ja wohl noch an der Zeit gewesen, dass ihr den Erhabenen

selbst befragen und diesen Gegenstand der Erklärung des

Erhabenen gemäß bewahren konntet.«

»Freilich, Bruder Kaccāno, ist der Erhabene der kennende Kenner

und der sehende Seher, der Auggewordene, Erkenntnissgewordene,

Wahrheitgewordene, Heiligkeitgewordene, der Künder und

Verkünder, der Eröffner des Inhalts, der Spender der

Unsterblichkeit, der Herr der Wahrheit, der Vollendete.

Und es war ja wohl noch an der Zeit gewesen, dass wir den

Erhabenen selbst befragen und diesen Gegenstand der Erklärung

des Erhabenen gemäß bewahren konnten. Aber der ehrwürdige

Mahākaccāno wird ja selbst vom Meister gepriesen und von den

verständigen Ordensbrüdern verehrt: wohl wäre der ehrwürdige

Mahākaccāno imstande, den Inhalt jener vom Erhabenen in der

Kürze gegebenen Lehre ausführlich darzulegen. Mög’ es der

ehrwürdige Mahākaccāno thun und es nicht übel nehmen!«

»Wohlan denn, Brüder, so höret und achtet wohl auf meine Rede!«

»Gewiss, o Bruder!« antworteten da aufmerksam jene Mönche dem

ehrwürdigen Mahākaccāno. Der ehrwürdige Mahākaccāno sprach also:

»Die Lehre, Brüder, die uns der Erhabene in der Kürze

gegeben hat: ›Wenn der Sonderheit Wahrnehmungen, Mönch,

wodurch auch immer bedingt, an den Menschen der Reihe nach

herantreten und da kein Entzücken, kein Entsprechen, keinen

Halt finden, so ist das eben das Ende der Lustanhaftungen,

so ist das eben das Ende der Ekelanhaftungen, so ist das

eben das Ende der Glaubensanhaftungen, so ist das eben das

Ende der Zweifelanhaftungen, so ist das eben das Ende der

Dünkelanhaftungen, so ist das eben das Ende der Anhaftungen

der Daseinslust, so ist das eben das Ende der Anhaftungen

des Nichtwissens, so ist das eben das Ende vom Wüthen und

Blutvergießen, von Krieg und Zwietracht, Zank und Streit, Lug

und Trug: da werden diese bösen, schlechten Dinge restlos

aufgelöst‹: diese kurzgefasste Lehre, ihr Brüder, stelle

ich ihrem Inhalt gemäß in folgender Weise ausführlich dar.

Durch das Gesicht, Brüder, und die Formen entsteht das

Sehbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung,

durch die Berührung ist das Gefühl bedingt, was man fühlt

nimmt man wahr, was man wahrnimmt unterscheidet man, 112

was man unterscheidet sondert man ab, was man absondert

tritt, dadurch bedingt, der Reihe nach als der Sonderheit

Wahrnehmungen in den durch das Sehbewusstsein gehenden Formen

vergangener, gegenwärtiger und zukünftiger Zeiten an den

Menschen heran. Durch das Gehör, Brüder, und die Töne entsteht

das Hörbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung,

durch die Berührung ist das Gefühl bedingt, was man fühlt

nimmt man wahr, was man wahrnimmt unterscheidet man, was man

unterscheidet sondert man ab, was man absondert tritt, dadurch

bedingt, der Reihe nach als der Sonderheit Wahrnehmungen in

den durch das Hörbewusstsein gehenden Tönen vergangener,

gegenwärtiger und zukünftiger Zeiten an den Menschen heran.

Durch den Geruch, Brüder, und die Düfte entsteht das

Riechbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung,

durch die Berührung ist das Gefühl bedingt, was man fühlt

nimmt man wahr, was man wahrnimmt unterscheidet man, was man

unterscheidet sondert man ab, was man absondert tritt, dadurch

bedingt, der Reihe nach als der Sonderheit Wahrnehmungen in

den durch das Riechbewusstsein gehenden Düften vergangener,

gegenwärtiger und zukünftiger Zeiten an den Menschen heran.

Durch den Geschmack, Brüder, und die Säfte entsteht das

Schmeckbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung,

durch die Berührung ist das Gefühl bedingt, was man fühlt

nimmt man wahr, was man wahrnimmt unterscheidet man, was man

unterscheidet sondert man ab, was man absondert tritt, dadurch

bedingt, der Reihe nach als der Sonderheit Wahrnehmungen in

den durch das Schmeckbewusstsein gehenden Säften vergangener,

gegenwärtiger und zukünftiger Zeiten an den Menschen heran.

Durch das Getast, Brüder, und die Tastungen entsteht das

Tastbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung,

durch die Berührung ist das Gefühl bedingt, was man fühlt

nimmt man wahr, was man wahrnimmt unterscheidet man, was man

unterscheidet sondert man ab, was man absondert tritt, dadurch

bedingt, der Reihe nach als der Sonderheit Wahrnehmungen in

den durch das Tastbewusstsein gehenden Tastungen vergangener,

gegenwärtiger und zukünftiger Zeiten an den Menschen heran.

Durch das Gedenken, Brüder, und die Dinge entsteht das

Denkbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung,

durch die Berührung ist das Gefühl bedingt, was man fühlt

nimmt man wahr, was man wahrnimmt unterscheidet man, was man

unterscheidet sondert man ab, was man absondert tritt, dadurch

bedingt, der Reihe nach als der Sonderheit Wahrnehmungen in

den durch das Denkbewusstsein gehenden Dingen vergangener,

gegenwärtiger und zukünftiger Zeiten an den Menschen heran.

»Ist nun, Brüder, Gesicht, Form und Sehbewusstsein da, so

darf man auf das Erscheinen der Berührung schließen, ist die

Berührung erschienen, so darf man auf das Erscheinen des

Gefühls schließen, ist das Gefühl erschienen, so darf man auf

das Erscheinen der Wahrnehmung schließen, ist die Wahrnehmung

erschienen, so darf man auf das Erscheinen der Unterscheidung

schließen, ist die Unterscheidung erschienen, so darf man

schließen, dass die der Reihe nach herantretenden Wahrnehmungen

der Sonderheit erscheinen werden.

»Ist nun, Brüder, Gehör, Ton und Hörbewusstsein da,

»Ist nun, Brüder, Geruch, Duft und Riechbewusstsein da,

»Ist nun, Brüder, Geschmack, Saft und Schmeckbewusstsein da,

»Ist nun, Brüder, Getast, Tastung und Tastbewusstsein da,

»Ist nun, Brüder, Gedenken, Ding und Denkbewusstsein da, so

darf man auf das Erscheinen der Berührung schließen, ist die

Berührung erschienen, so darf man auf das Erscheinen des

Gefühls schließen, ist das Gefühl erschienen, so darf man auf

das Erscheinen der Wahrnehmung schließen, ist die Wahrnehmung

erschienen, so darf man auf das Erscheinen der Unterscheidung

schließen, ist die Unterscheidung erschienen, so darf man

schließen, dass die der Reihe nach herantretenden Wahrnehmungen

der Sonderheit erscheinen werden.

»Ist nun, Brüder, Gesicht, Form und Sehbewusstsein nicht da,

so darf man auf das Nichterscheinen der Berührung schließen,

ist die Berührung nicht erschienen, so darf man auf das

Nichterscheinen des Gefühls schließen, ist das Gefühl nicht

erschienen, so darf man auf das Nichterscheinen der Wahrnehmung

schließen, ist die Wahrnehmung nicht erschienen, so darf man

auf das Nichterscheinen der Unterscheidung schließen, ist die

Unterscheidung nicht erschienen, so darf man schließen, dass

die der Reihe nach herantretenden Wahrnehmungen der Sonderheit

nicht erscheinen werden.

»Ist nun, Brüder, Gehör, Ton und Hörbewusstsein nicht da,

»Ist nun, Brüder, Geruch, Duft und Riechbewusstsein nicht da,

»Ist nun, Brüder, Geschmack, Saft und Schmeckbewusstsein nicht

da,

»Ist nun, Brüder, Getast, Tastung und Tastbewusstsein nicht da,

»Ist nun, Brüder, Gedenken, Ding und Denkbewusstsein nicht da,

so darf man auf das Nichterscheinen der Berührung schließen,

ist die Berührung nicht erschienen, so darf man auf das

Nichterscheinen des Gefühls schließen, ist das Gefühl nicht

erschienen, so darf man auf das Nichterscheinen der Wahrnehmung

schließen, ist die Wahrnehmung nicht erschienen, so darf man

auf das Nichterscheinen der Unterscheidung schließen, ist die

Unterscheidung nicht erschienen, so darf man schließen, dass

die der Reihe nach herantretenden Wahrnehmungen der Sonderheit

nicht erscheinen werden.

»Das, ihr Brüder, betrachte ich als die ausführliche Darlegung

113 jener Lehre, die uns der Erhabene in kurzer Fassung gegeben

hat. Wenn es euch Ehrwürdigen nun recht ist, so gehet hin und

befragt den Erhabenen selbst hierüber: wie es uns der Erhabene

erklärt wollet es behalten.«

Da waren denn jene Mönche über des ehrwürdigen Mahākaccāno Rede

erfreut, erhoben sich befriedigt von ihren Sitzen und begaben

sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßten den Erhabenen

ehrerbietig und setzten sich seitwärts nieder. Seitwärts

sitzend sprachen nun jene Mönche zum Erhabenen also:

»Folgende Lehre, o Herr, hat uns der Erhabene in kurzer

Fassung gegeben und ist, ohne den Inhalt ausführlich

erläutert zu haben, aufgestanden und hat sich in das Wohnhaus

zurückgezogen: ›Wenn der Sonderheit Wahrnehmungen, Mönch,

wodurch auch immer bedingt, an den Menschen der Reihe nach

herantreten und da kein Entzücken, kein Entsprechen, keinen

Halt finden, so ist das eben das Ende der Lustanhaftungen,

so ist das eben das Ende der Ekelanhaftungen, so ist das

eben das Ende der Glaubensanhaftungen, so ist das eben das

Ende der Zweifelanhaftungen, so ist das eben das Ende der

Dünkelanhaftungen, so ist das eben das Ende der Anhaftungen

der Daseinslust, so ist das eben das Ende der Anhaftungen

des Nichtwissens, so ist das eben das Ende vom Wüthen und

Blutvergießen, von Krieg und Zwietracht, Zank und Streit, Lug

und Trug: da werden diese bösen, schlechten Dinge restlos

aufgelöst.‹ Da kam uns, o Herr, bald nachdem der Erhabene

fortgegangen war, der Gedanke: ›Diese Lehre, Brüder, hat uns

der Erhabene in kurzer Fassung, ohne ausführliche Erläuterung

gegeben, ist aufgestanden und hat sich in das Wohnhaus

zurückgezogen. Wer könnte nun wohl dieser kurzgefassten Lehre

Inhalt ausführlich begründen?‹ Da kam uns, o Herr, der Gedanke:

›Der ehrwürdige Mahākaccāno wird selbst vom Meister gepriesen,

von den verständigen Ordensbrüdern aber verehrt: wohl wäre

der ehrwürdige Mahākaccāno imstande, den Inhalt dieser

kurzgefassten Lehre ausführlich zu begründen; wie, wenn wir uns

nun zum ehrwürdigen Mahākaccāno begeben und ihn bitten würden,

uns den Inhalt darzulegen?‹ Und wir begaben uns, o Herr, zum

ehrwürdigen Mahākaccāno und baten ihn um Aufklärung. Da hat 114

uns, o Herr, der ehrwürdige Mahākaccāno auf solche Weise, in

solcher Art, mit solchen Bestimmungen den Inhalt dargestellt.«

»Weise, ihr Mönche, ist Mahākaccāno, wissensmächtig, ihr

Mönche, ist Mahākaccāno. Wolltet ihr mich, ihr Mönche, um

Aufklärung angehn, ich würde den Gegenstand genau so erläutern,

wie ihn Mahākaccāno erläutert hat: denn eben das ist der

Inhalt, und den sollt ihr derart bewahren.«

Auf diese Worte wandte sich der ehrwürdige Ānando an den

Erhabenen und sagte:

»Gleichwie etwa, o Herr, wenn ein Mann, der von Hunger und

Schwäche gepeinigt wird, einen guten Bissen fände; wie er ihn

da nach und nach genösse, empfände er angenehmen Geschmack,

Genugthuung: ebenso nun auch, o Herr, mag ein Mönch, dem seine

Geistesbildung angelegen ist, wie er sich da nach und nach mit

dem Gang dieser Lehre weise vertraut macht, wohl Befriedigung

empfinden, Geistesruhe erlangen. Welchen Namen, o Herr, soll

der Gang dieser Lehre haben?«

»Wohlan denn, Ānando, so behalte den Gang dieser Lehre unter

dem Namen des Guten Bissens.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige

Ānando über das Wort des Erhabenen.

19.

Zweiter Theil Neunte Rede

ZWEIERLEI ERWÄGUNGEN

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei

Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort

nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«

-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen

aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Früher, ihr Mönche, noch vor der vollen Erwachung, kam mir,

dem unvollkommen Erwachten, Erwachung erst Erringenden, dieser

Gedanke: ›Wie, wenn ich nun die Erwägungen nach der einen und

nach der anderen Seite sonderte?‹ Und ich sonderte nun, ihr

Mönche, die Erwägungen des Begehrens, Schadens und Wüthens nach

der einen Seite, und sonderte die Erwägungen des Entsagens,

Nichtschadens, Nichtwüthens nach der anderen Seite. Als mir

nun, Mönche, bei diesem ernsten, eifrigen, heißen Mühn eine

Erwägung des Begehrens aufstieg, sagte ich mir: ›Aufgestiegen 115

ist mir da diese Erwägung des Begehrens; und sie führt zu

eigener Beschränkung und führt zu fremder Beschränkung, sie

führt zu beider Beschränkung, rodet die Weisheit aus, bringt

Verstörung mit sich, führt nicht zur Wahnerlöschung, führt zu

eigener Beschränkung‹: da ich also sann, ihr Mönche, löste sie

sich auf. ›Führt zu fremder Beschränkung‹: da ich also sann,

ihr Mönche, löste sie sich auf. ›Führt zu beider Beschränkung‹:

da ich also sann, ihr Mönche, löste sie sich auf. ›Rodet die

Weisheit aus, bringt Verstörung mit sich, führt nicht zur

Wahnerlöschung‹: da ich also sann, ihr Mönche, löste sie sich

auf. Und so oft nun, ihr Mönche, eine Erwägung des Begehrens in

mir aufstieg, da verleugnete, vertrieb, vertilgte ich sie eben.

»Als mir nun, Mönche, bei diesem ernsten, eifrigen, heißen Mühn

eine Erwägung des Schadens, eine Erwägung des Wüthens aufstieg,

sagte ich mir: ›Aufgestiegen ist mir da diese Erwägung des

Schadens, diese Erwägung des Wüthens; und sie führt zu eigener

Beschränkung und führt zu fremder Beschränkung, sie führt zu

beider Beschränkung, rodet die Weisheit aus, bringt Verstörung

mit sich, führt nicht zur Wahnerlöschung, führt zu eigener

Beschränkung‹: da ich also sann, ihr Mönche, löste sie sich

auf. ›Führt zu fremder Beschränkung‹: da ich also sann, ihr

Mönche, löste sie sich auf. ›Führt zu beider Beschränkung‹:

da ich also sann, ihr Mönche, löste sie sich auf. ›Rodet die

Weisheit aus, bringt Verstörung mit sich, führt nicht zur

Wahnerlöschung‹: da ich also sann, ihr Mönche, löste sie sich

auf. Und so oft nun, ihr Mönche, eine Erwägung des Schadens,

eine Erwägung des Wüthens in mir aufstieg, da verleugnete,

vertrieb, vertilgte ich sie eben.

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, erster Band · 第 15 / 43 段