»Gleichwie etwa, Brüder, ein Weib oder ein Mann, jung, frisch,

gefallsam, in einem Spiegel oder in einer reinen lauteren,

hellen Wasserfläche das Bild des eigenen Antlitzes prüfend

betrachtet, und wenn sich da irgend ein Fleck oder Schmutz

zeigt, ebendiesen Fleck oder Schmutz zu beseitigen sucht; doch

wenn sich da kein Fleck oder Schmutz zeigt, eben darum erfreut

ist, ›Heil mir, ich bin rein‹: also nun auch, ihr Brüder, hat

da ein Mönch, der bei seiner Erforschung etwa alle diese bösen,

schlechten Dinge an sich merkt, um Befreiung von eben allen

diesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Brüder,

der Mönch bei seiner Erforschung etwa keines von allen diesen

bösen, schlechten Dingen mehr finden kann, so hat ein solcher

Mönch, ihr Brüder, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag

und Nacht zu pflegen.«

* * * * *

Also sprach der ehrwürdige Mahāmoggallāno. Zufrieden freuten

sich jene Mönche über das Wort des ehrwürdigen Mahāmoggallāno.

16.

Zweiter Theil Sechste Rede

DIE HERZBEKLEMMUNGEN

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 101

Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort

nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«

-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen

aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Wer da von euch, ihr Mönche, die fünf Herzbeklemmungen nicht

verloren und die fünf Fesseln des Herzens nicht durchschnitten

hat, kann freilich in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen,

zur Reife und Entfaltung nicht gelangen. Welche fünf

Herzbeklemmungen sind das, die ein solcher nicht verloren hat?

Da schwankt und zweifelt, ihr Mönche, ein Mönch am Meister,

hegt Misstrauen und Missgunst. Ein Mönch, ihr Mönche, der am

Meister schwankt und zweifelt, Misstrauen und Missgunst hegt,

dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und

Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe,

Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese

erste Herzbeklemmung nicht verloren.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch schwankt und zweifelt

an der Satzung, hegt Misstrauen und Missgunst. Ein Mönch, ihr

Mönche, der an der Satzung schwankt und zweifelt, Misstrauen

und Missgunst hegt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und

Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der

Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt

ist, der hat also diese zweite Herzbeklemmung nicht verloren.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch schwankt und zweifelt

an der Jüngerschaft, hegt Misstrauen und Missgunst. Ein

Mönch, ihr Mönche, der an der Jüngerschaft schwankt und

zweifelt, Misstrauen und Missgunst hegt, dessen Gemüth ist der

Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt.

Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit

und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese dritte

Herzbeklemmung nicht verloren.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch schwankt und zweifelt

an der Ordensregel, hegt Misstrauen und Missgunst. Ein Mönch,

ihr Mönche, der an der Ordensregel schwankt und zweifelt,

Misstrauen und Missgunst hegt, dessen Gemüth ist der

Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt.

Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit

und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese vierte

Herzbeklemmung nicht verloren.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch ärgert und kränkt sich

über seine Ordensbrüder, ist niedergeschlagen und beklommen.

Ein Mönch, ihr Mönche, der sich über seine Ordensbrüder

ärgert und kränkt, niedergeschlagen und beklommen ist,

dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit

und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und

Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also

diese fünfte Herzbeklemmung nicht verloren. Das sind die fünf

Herzbeklemmungen, die ein solcher nicht verloren hat.

»Welche fünf Fesseln des Herzens sind das, die ein solcher

nicht durchschnitten hat? Da hat sich, ihr Mönche, ein Mönch

beim Wollen nicht der Begierde entäußert, nicht des Verlangens

entäußert, nicht der Sehnsucht entäußert, nicht des Gelüstens

entäußert, nicht des Fieberns entäußert, nicht des Dürstens

entäußert. Ein Mönch, ihr Mönche, der sich beim Wollen nicht

der Begierde, nicht des Verlangens, nicht der Sehnsucht, nicht

des Gelüstens, nicht des Fieberns, nicht des Dürstens entäußert

hat, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit

und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe,

Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese

erste Fessel des Herzens nicht durchschnitten.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch hat sich beim Fühlen

nicht der Begierde entäußert, nicht des Verlangens entäußert,

nicht der Sehnsucht entäußert, nicht des Gelüstens entäußert,

nicht des Fieberns entäußert, nicht des Dürstens entäußert. Ein

Mönch, ihr Mönche, der sich beim Fühlen nicht der Begierde,

nicht des Verlangens, nicht der Sehnsucht, nicht des Gelüstens,

nicht des Fieberns, nicht des Dürstens entäußert hat, dessen

Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und

Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe,

Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese

zweite Fessel des Herzens nicht durchschnitten.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch hat sich beim Sehn 102

nicht der Begierde entäußert, nicht des Verlangens entäußert,

nicht der Sehnsucht entäußert, nicht des Gelüstens entäußert,

nicht des Fieberns entäußert, nicht des Dürstens entäußert.

Ein Mönch, ihr Mönche, der sich beim Sehn nicht der Begierde,

nicht des Verlangens, nicht der Sehnsucht, nicht des Gelüstens,

nicht des Fieberns, nicht des Dürstens entäußert hat, dessen

Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und

Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe,

Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese

dritte Fessel des Herzens nicht durchschnitten.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch hat zur Mahlzeit so

viel gegessen, als seinem Magen wohlbekommt, und gefällt

sich in behaglichem Sitzen, behaglichem Liegen, behaglichem

Schlummern. Ein Mönch, ihr Mönche, der zur Mahlzeit so

viel gegessen hat, als seinem Magen wohlbekommt, und sich

in behaglichem Sitzen, behaglichem Liegen, behaglichem

Schlummern gefällt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und

Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der

Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt

ist, der hat also diese vierte Fessel des Herzens nicht

durchschnitten.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch führt in der Absicht

etwelche göttliche Verkörperung zu erlangen ein heiliges Leben:

›Durch diese Uebungen oder Gelübde, Kasteiung oder Entsagung

will ich ein Gott werden oder ein Göttlicher!‹ Ein Mönch, ihr

Mönche, der in der Absicht etwelche göttliche Verkörperung zu

erlangen ein heiliges Leben führt: ›Durch diese Uebungen oder

Gelübde, Kasteiung oder Entsagung will ich ein Gott werden

oder ein Göttlicher!‹, dessen Gemüth ist der Anstrengung und

Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der

Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt

ist, der hat also diese fünfte Fessel des Herzens nicht

durchschnitten. Das sind die fünf Fesseln des Herzens, die ein

solcher nicht durchschnitten hat. Wer da von euch, ihr Mönche,

diese fünf Herzbeklemmungen nicht verloren und diese fünf

Fesseln des Herzens nicht durchschnitten hat, kann freilich

in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife und

Entfaltung nicht gelangen.

* * * * *

»Wer da von euch, ihr Mönche, die fünf Herzbeklemmungen

verloren und die fünf Fesseln des Herzens glatt durchschnitten

hat, kann wohl in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur

Reife und Entfaltung gelangen. Welche fünf Herzbeklemmungen

sind das, die ein solcher verloren hat? Da schwankt nicht

und zweifelt nicht, ihr Mönche, ein Mönch am Meister, hegt

Vertrauen und Gunst. Ein Mönch, ihr Mönche, der am Meister

nicht schwankt und nicht zweifelt, Vertrauen und Gunst hegt,

dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit

und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe,

Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese

erste Herzbeklemmung verloren.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch schwankt nicht und

zweifelt nicht an der Satzung, hegt Vertrauen und Gunst. Ein

Mönch, ihr Mönche, der an der Satzung nicht schwankt und nicht

zweifelt, Vertrauen und Gunst hegt, dessen Gemüth ist der

Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt.

Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und

Ausdauer geneigt ist, der hat also diese zweite Herzbeklemmung

verloren.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch schwankt nicht und

zweifelt nicht an der Jüngerschaft, hegt Vertrauen und Gunst.

Ein Mönch, ihr Mönche, der an der Jüngerschaft nicht schwankt

und nicht zweifelt, Vertrauen und Gunst hegt, dessen Gemüth ist

der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt.

Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und

Ausdauer geneigt ist, der hat also diese dritte Herzbeklemmung

verloren.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch schwankt nicht und

zweifelt nicht an der Ordensregel, hegt Vertrauen und Gunst.

Ein Mönch, ihr Mönche, der an der Ordensregel nicht schwankt

und nicht zweifelt, Vertrauen und Gunst hegt, dessen Gemüth ist

der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt.

Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und

Ausdauer geneigt ist, der hat also diese vierte Herzbeklemmung

verloren.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch ärgert sich nicht, kränkt

sich nicht über seine Ordensbrüder, ist nicht niedergeschlagen,

nicht beklommen. Ein Mönch, ihr Mönche, der sich über seine

Ordensbrüder nicht ärgert und kränkt, nicht niedergeschlagen

und beklommen ist, dessen Gemüth ist der Anstrengung und

Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der 103

Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist,

der hat also diese fünfte Herzbeklemmung verloren. Das sind die

fünf Herzbeklemmungen, die ein solcher verloren hat.

»Welche fünf Fesseln des Herzens sind das, die ein solcher

glatt durchschnitten hat? Da hat sich, ihr Mönche, ein Mönch

beim Wollen der Begierde entäußert, des Verlangens entäußert,

der Sehnsucht entäußert, des Gelüstens entäußert, des Fieberns

entäußert, des Dürstens entäußert. Ein Mönch, ihr Mönche, der

sich beim Wollen der Begierde, des Verlangens, der Sehnsucht,

des Gelüstens, des Fieberns, des Dürstens entäußert hat,

dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit

und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe,

Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese

erste Fessel des Herzens glatt durchschnitten.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch hat sich beim Fühlen der

Begierde entäußert, des Verlangens entäußert, der Sehnsucht

entäußert, des Gelüstens entäußert, des Fieberns entäußert, des

Dürstens entäußert. Ein Mönch, ihr Mönche, der sich beim Fühlen

der Begierde, des Verlangens, der Sehnsucht, des Gelüstens,

des Fieberns, des Dürstens entäußert hat, dessen Gemüth ist

der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt.

Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und

Ausdauer geneigt ist, der hat also diese zweite Fessel des

Herzens glatt durchschnitten.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch hat sich beim Sehn der

Begierde entäußert, des Verlangens entäußert, der Sehnsucht

entäußert, des Gelüstens entäußert, des Fieberns entäußert, des

Dürstens entäußert. Ein Mönch, ihr Mönche, der sich beim Sehn

der Begierde, des Verlangens, der Sehnsucht, des Gelüstens,

des Fieberns, des Dürstens entäußert hat, dessen Gemüth ist

der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt.

Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und

Ausdauer geneigt ist, der hat also diese dritte Fessel des

Herzens glatt durchschnitten.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch hat zur Mahlzeit nicht

so viel gegessen, als seinem Magen wohlbekommt, gefällt sich

nicht in behaglichem Sitzen, behaglichem Liegen, behaglichem

Schlummern. Ein Mönch, ihr Mönche, der zur Mahlzeit nicht

so viel gegessen hat, als seinem Magen wohlbekommt, sich

nicht in behaglichem Sitzen, behaglichem Liegen, behaglichem

Schlummern gefällt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und

Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der

Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt

ist, der hat also diese vierte Fessel des Herzens glatt

durchschnitten.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch führt nicht in der

Absicht etwelche göttliche Verkörperung zu erlangen ein

heiliges Leben: ›Durch diese Uebungen oder Gelübde, Kasteiung

oder Entsagung will ich ein Gott werden oder ein Göttlicher!‹

Ein Mönch, ihr Mönche, der nicht in der Absieht etwelche

göttliche Verkörperung zu erlangen ein heiliges Leben führt:

›Durch diese Uebungen oder Gelübde, Kasteiung oder Entsagung

will ich ein Gott werden oder ein Göttlicher!‹, dessen Gemüth

ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer

geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit

und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese fünfte Fessel des

Herzens glatt durchschnitten. Das sind die fünf Fesseln des

Herzens, die ein solcher glatt durchschnitten hat. Wer da von

euch, ihr Mönche, diese fünf Herzbeklemmungen verloren und

diese fünf Fesseln des Herzens glatt durchschnitten hat, kann

wohl in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife und

Entfaltung gelangen.

* * * * *

»Er gewinnt das durch Innigkeit, Ausdauer und Sammlung des

Willens erworbene Machtgebiet, gewinnt das durch Innigkeit,

Ausdauer und Sammlung der Kraft erworbene Machtgebiet, gewinnt

das durch Innigkeit, Ausdauer und Sammlung des Gemüthes

erworbene Machtgebiet, gewinnt das durch Innigkeit, Ausdauer

und Sammlung des Prüfens erworbene Machtgebiet, Heldenmuth

aber zum fünften. Und dieser also fünfzehnfach heldenmüthig 104

gewordene Mönch, ihr Mönche, ist fähig zur Durchbrechung, fähig

zur Erwachung, fähig die unvergleichliche Sicherheit zu finden.

Gleichwie etwa, Mönche, wenn eine Henne ihre Eier, acht oder

zehn oder zwölf Stück, wohl bebrütet, gänzlich ausgebrütet,

völlig gar gebrütet hat; wie sollte da nicht jener Henne der

Wunsch kommen: ›Ach möchten doch meine Küchlein mit den Krallen

oder dem Schnabel die Schaale aufhacken, möchten sie doch

heil durchbrechen!‹, und jene Küchlein sind fähig geworden

mit den Krallen oder dem Schnabel die Schaale aufzuhacken und

heil durchzubrechen: ebenso nun auch, ihr Mönche, ist ein

also fünfzehnfach heldenmüthig gewordener Mönch fähig zur

Durchbrechung, fähig zur Erwachung, fähig die unvergleichliche

Sicherheit zu finden.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche

über das Wort des Erhabenen.

17.

Zweiter Theil Siebente Rede

WALDEINSAMKEIT

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei

Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort

nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«

-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen

aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Die Arten der Waldeinsamkeit will ich euch Mönchen erklären;

höret es und achtet wohl auf meine Rede.«

»Ja, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen

aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Da lebt, ihr Mönche, ein Mönch in einer Waldeinsamkeit: und

während er in dieser Waldeinsamkeit, noch ohne Einsicht,

lebt, gewinnt er keine, das zerstreute Gemüth sammelt sich

nicht, der unversiegte Wahn versiegt nicht, die unerreichte

unvergleichliche Sicherheit erreicht er nicht, und was ein

Asket zur Fristung des Lebens braucht, an Kleidung, Nahrung,

Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit, das

fließt ihm kümmerlich zu. Dieser Mönch, ihr Mönche, soll

also erwägen: ›Ich lebe da in dieser Waldeinsamkeit: und 105

während ich in dieser Waldeinsamkeit, noch ohne Einsicht,

lebe, gewinne ich keine, das zerstreute Gemüth sammelt sich

nicht, der unversiegte Wahn versiegt nicht, die unerreichte

unvergleichliche Sicherheit erreiche ich nicht, und was ein

Asket zur Fristung des Lebens braucht, an Kleidung, Nahrung,

Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit, das

fließt mir kümmerlich zu.‹ Dieser Mönch, ihr Mönche, soll

bei Tag oder bei Nacht diese Waldeinsamkeit verlassen, nicht

bleiben.

»Da lebt nun, ihr Mönche, der Mönch in einer anderen

Waldeinsamkeit: und während er in dieser Waldeinsamkeit, noch

ohne Einsicht, lebt, gewinnt er keine, das zerstreute Gemüth

sammelt sich nicht, der unversiegte Wahn versiegt nicht, die

unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreicht er nicht, was

aber ein Asket zur Fristung des Lebens braucht, an Kleidung,

Nahrung, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit,

das fließt ihm reichlich zu. Dieser Mönch, ihr Mönche, soll

also erwägen: ›Ich lebe da in dieser Waldeinsamkeit: und

während ich in dieser Waldeinsamkeit, noch ohne Einsicht,

lebe, gewinne ich keine, das zerstreute Gemüth sammelt sich

nicht, der unversiegte Wahn versiegt nicht, die unerreichte

unvergleichliche Sicherheit erreiche ich nicht, was aber ein

Asket zur Fristung des Lebens braucht, an Kleidung, Nahrung,

Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit, das

fließt mir reichlich zu; aber ich bin ja nicht der Kleidung

halber aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert, nicht

der Nahrung, nicht der Lagerstatt, nicht der Arzeneien halber

bin ich aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert. Doch

während ich da in dieser Waldeinsamkeit, noch ohne Einsicht,

lebe, gewinne ich keine, das zerstreute Gemüth sammelt sich

nicht, der unversiegte Wahn versiegt nicht, die unerreichte

unvergleichliche Sicherheit erreiche ich nicht.‹ Dieser Mönch,

ihr Mönche, soll dann nach einiger Zeit diese Waldeinsamkeit

verlassen, nicht bleiben.

»Da lebt, ihr Mönche, ein Mönch in einer Waldeinsamkeit: und

während er in dieser Waldeinsamkeit, noch ohne Einsicht,

lebt, gewinnt er sie, das zerstreute Gemüth sammelt sich, der

unversiegte Wahn versiegt, die unerreichte unvergleichliche

Sicherheit erreicht er, was aber ein Asket zur Fristung des

Lebens braucht, an Kleidung, Nahrung, Lagerstatt und Arzeneien

für den Fall einer Krankheit, das fließt ihm kümmerlich zu.

Dieser Mönch, ihr Mönche, soll also erwägen: ›Ich lebe 106

da in dieser Waldeinsamkeit: und während ich in dieser

Waldeinsamkeit, noch ohne Einsicht, lebe, gewinne ich sie,

das zerstreute Gemüth sammelt sich, der unversiegte Wahn

versiegt, die unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreiche

ich, was aber ein Asket zur Fristung des Lebens braucht, an

Kleidung, Nahrung, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer

Krankheit, das fließt mir kümmerlich zu; aber ich bin ja

nicht der Kleidung halber aus dem Hause in die Hauslosigkeit

gewandert, nicht der Nahrung, nicht der Lagerstatt, nicht der

Arzeneien halber bin ich aus dem Hause in die Hauslosigkeit

gewandert. Doch während ich da in dieser Waldeinsamkeit, noch

ohne Einsicht, lebe, gewinne ich sie, das zerstreute Gemüth

sammelt sich, der unversiegte Wahn versiegt, die unerreichte

unvergleichliche Sicherheit erreiche ich.‹ Dieser Mönch, ihr

Mönche, soll dann eine Zeit lang in dieser Waldeinsamkeit

bleiben, nicht fortgehn.

»Da lebt nun, ihr Mönche, ein Mönch in einer anderen

Waldeinsamkeit: und während er in dieser Waldeinsamkeit, noch

ohne Einsicht, lebt, gewinnt er sie, das zerstreute Gemüth

sammelt sich, der unversiegte Wahn versiegt, die unerreichte

unvergleichliche Sicherheit erreicht er, und was ein Asket zur

Fristung des Lebens braucht, an Kleidung, Nahrung, Lagerstatt

und Arzeneien für den Fall einer Krankheit, das fließt ihm

reichlich zu. Dieser Mönch, ihr Mönche, soll also erwägen: ›Ich

lebe da in dieser Waldeinsamkeit: und während ich in dieser

Waldeinsamkeit, noch ohne Einsicht, lebe, gewinne ich sie, das

zerstreute Gemüth sammelt sich, der unversiegte Wahn versiegt,

die unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreiche ich, und

was ein Asket zur Fristung des Lebens braucht, an Kleidung,

Nahrung, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit,

das fließt mir reichlich zu.‹ Dieser Mönch, ihr Mönche, soll

dann zeitlebens in dieser Waldeinsamkeit bleiben, nicht

fortgehn.

»Da lebt, ihr Mönche, ein Mönch in der Umgebung eines

Dorfes oder einer Burg oder einer Stadt, in diesem oder in

jenem Lande, in Gesellschaft dieser oder jener Person: und

während er in solcher Gesellschaft, noch ohne Einsicht,

lebt, gewinnt er keine, das zerstreute Gemüth sammelt sich

nicht, der unversiegte Wahn versiegt nicht, die unerreichte

unvergleichliche Sicherheit erreicht er nicht, und was ein

Asket zur Fristung des Lebens braucht, an Kleidung, Nahrung,

Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit, das

fließt ihm kümmerlich zu. Dieser Mönch, ihr Mönche, soll

also erwägen: ›Ich lebe da in Gesellschaft dieser Person:

und während ich in solcher Gesellschaft, noch ohne Einsicht,

lebe, gewinne ich keine, das zerstreute Gemüth sammelt sich

nicht, der unversiegte Wahn versiegt nicht, die unerreichte

unvergleichliche Sicherheit erreiche ich nicht, und was ein

Asket zur Fristung des Lebens braucht, an Kleidung, Nahrung,

Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit, das

fließt mir kümmerlich zu.‹ Dieser Mönch, ihr Mönche, soll bei

Tag oder bei Nacht jene Person ohne Abschied verlassen, nicht

bleiben.

»Da lebt nun, ihr Mönche, der Mönch in Gesellschaft einer

anderen Person: und während er in dieser Gesellschaft, noch 107

ohne Einsicht, lebt, gewinnt er keine, das zerstreute Gemüth

sammelt sich nicht, der unversiegte Wahn versiegt nicht, die

unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreicht er nicht, was

aber ein Asket zur Fristung des Lebens braucht, an Kleidung,

Nahrung, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit,

das fließt ihm reichlich zu. Dieser Mönch, ihr Mönche, soll

also erwägen: ›Ich lebe da in Gesellschaft dieser Person:

und während ich in dieser Gesellschaft, noch ohne Einsicht,

lebe, gewinne ich keine, das zerstreute Gemüth sammelt sich

nicht, der unversiegte Wahn versiegt nicht, die unerreichte

unvergleichliche Sicherheit erreiche ich nicht, was aber ein

Asket zur Fristung des Lebens braucht, an Kleidung, Nahrung,

Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit, das

fließt mir reichlich zu; aber ich bin ja nicht der Kleidung

halber aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert, nicht

der Nahrung, nicht der Lagerstatt, nicht der Arzeneien halber

bin ich aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert. Doch

während ich da in dieser Gesellschaft, noch ohne Einsicht,

lebe, gewinne ich keine, das zerstreute Gemüth sammelt sich

nicht, der unversiegte Wahn versiegt nicht, die unerreichte

unvergleichliche Sicherheit erreiche ich nicht.‹ Dieser Mönch,

ihr Mönche, soll dann nach einiger Zeit jene Person ohne

Abschied verlassen, nicht bleiben.

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, erster Band · 第 14 / 43 段