taugen, die dem Vollendeten eignen, um das Auffallende zu
verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu
lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen: welche zehn?
Da versteht, Sāriputto, der Vollendete das Aechte als
ächt und das Falsche als falsch der Wahrheit gemäß. Was da,
Sāriputto, der Vollendete Aechtes als ächt und Falsches als
falsch der Wahrheit gemäß versteht, das eben, Sāriputto,
taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten 70
als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den
Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der
Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto, kennt
der Vollendete vergangener, zukünftiger und gegenwärtiger
Handlungen ächte und wirkliche Folgen der Wahrheit gemäß.
Was da, Sāriputto, der Vollendete als ächte und wirkliche
Folgen vergangener, zukünftiger und gegenwärtiger Handlungen
der Wahrheit gemäß kennt, das eben, Sāriputto, taugt dem
Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend,
um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den
Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu
begründen. Weiter sodann, Sāriputto, kennt der Vollendete
den Pfad, der überallhin führt, der Wahrheit gemäß. Was da,
Sāriputto, der Vollendete als überallhin führenden Pfad
der Wahrheit gemäß kennt, das eben, Sāriputto, taugt dem
Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend,
um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den
Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu
begründen. Weiter sodann, Sāriputto, weiß der Vollendete
der Wahrheit gemäß, wie die Welt aus einzelnen Elementen, aus
verschiedenen Elementen besteht. Was da, Sāriputto, der
Vollendete als Bestehn der Welt aus einzelnen Elementen, aus
verschiedenen Elementen der Wahrheit gemäß weiß, das eben,
Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem
Vollendeten als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um
unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das
Reich der Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto,
kennt der Vollendete der Wesen verschieden geartete Neigungen
der Wahrheit gemäß. Was da, Sāriputto, der Vollendete als
der Wesen verschieden geartete Neigungen der Wahrheit gemäß
kennt, das eben, Sāriputto, taugt dem Vollendeten als
Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend, um das Auffallende
zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu
lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen. Weiter
sodann, Sāriputto, kennt der Vollendete das durch die
Sinne gesetzte Maaß der anderen Wesen, der anderen Personen
der Wahrheit gemäß. Was da, Sāriputto, der Vollendete als
durch die Sinne gesetztes Maaß der anderen Wesen, der anderen
Personen der Wahrheit gemäß kennt, das eben, Sāriputto,
taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als
Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den
Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu
begründen. Weiter sodann, Sāriputto, kennt der Vollendete
Schuld, Reinheit und Mündung der Schauenden, Abgelösten,
Vertieften der Wahrheit gemäß. Was da, Sāriputto, der
Vollendete als Schuld, Reinheit und Mündung der Schauenden,
Abgelösten, Vertieften der Wahrheit gemäß kennt, das eben,
Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem
Vollendeten als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um
unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das
Reich der Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto,
erinnert sich der Vollendete an manche verschiedene frühere
Daseinsform, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, dann
an drei Leben, dann an vier Leben, dann an fünf Leben, dann
an zehn Leben, dann an zwanzig Leben, dann an dreißig Leben,
dann an vierzig Leben, dann an fünfzig Leben, dann an hundert
Leben, dann an tausend Leben, dann an hunderttausend Leben,
dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen, dann
an die Zeiten während mancher Weltenvergehungen, dann an die
Zeiten während mancher Weltenentstehungen-Weltenvergehungen.
›Dort war ich, jenen Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich
an, das war mein Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe
habe ich erfahren, so war mein Lebensende; dort verschieden
trat ich anderswo wieder ins Dasein: da war ich nun, diesen
Namen hatte ich, dieser Familie gehörte ich an, dies war
mein Stand, dies mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich
erfahren, so war mein Lebensende; da verschieden trat ich hier
wieder ins Dasein.‹ So erinnert er sich an manche verschiedene
frühere Daseinsform, mit je den eigenthümlichen Merkmalen,
mit je den eigenartigen Beziehungen. Was da, Sāriputto,
der Vollendete als manche verschiedene frühere Daseinsform
der Wahrheit gemäß wiedersieht, das eben, Sāriputto,
taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten
als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den
Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der
Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto, sieht
der Vollendete mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über
menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden
und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne,
glückliche und unglückliche, er erkennt wie die Wesen je nach
den Thaten wiederkehren. ›Diese lieben Wesen sind freilich
in Thaten dem Schlechten zugethan, in Worten dem Schlechten
zugethan, in Gedanken dem Schlechten zugethan, tadeln Heiliges,
achten Verkehrtes, thun Verkehrtes; bei der Auflösung des 71
Körpers, nach dem Tode, gelangen sie auf den Abweg, auf
schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in untere Welt. Jene lieben
Wesen sind aber in Thaten dem Guten zugethan, in Worten dem
Guten zugethan, in Gedanken dem Guten zugethan, tadeln nicht
Heiliges, achten Rechtes, thun Rechtes; bei der Auflösung des
Körpers, nach dem Tode, gelangen sie auf gute Fährte, in sälige
Welt.‹ So sieht er mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten,
über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen
dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne
und unschöne, glückliche und unglückliche, er erkennt wie die
Wesen je nach den Thaten wiederkehren. Was da, Sāriputto,
der Vollendete als Wiedererscheinen der Wesen je nach den
Thaten der Wahrheit gemäß sieht, das eben, Sāriputto,
taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als
Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten
den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit
zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto, hat der Vollendete
durch die Wahnversiegung die wahnlose Gemütherlösung,
Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht,
verwirklicht und errungen. Was da, Sāriputto, der Vollendete
durch die Wahnversiegung als wahnlose Gemütherlösung,
Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht,
verwirklicht und errungen hat, das eben, Sāriputto, taugt
dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend,
um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den
Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu
begründen.
»Das, Sāriputto, sind die zehn Tugenden, die dem Vollendeten
taugen, die dem Vollendeten eignen, um das Auffallende zu
verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu
lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen.
»Wer nun zu mir, Sāriputto, dem also Erkennenden, also
Erschauenden also spräche: ›Der Asket Gotamo besitzt nicht
das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine
grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor,
die er selbst ersonnen und ausgedacht hat‹, und er bereute,
Sāriputto, diese Rede nicht, verwürfe nicht diese Gedanken,
gäbe diese Ansicht nicht auf, der möchte, wie er’s gefügt, dem
Abweg verfallen. Gleichwie etwa, Sāriputto, ein Mönch, der
Selbstbeherrschung, Vertiefung und Weisheit gewonnen hat, noch
bei Lebzeiten zur Erkenntniss gelangen kann: so, sag’ ich,
Sāriputto, mag wer diese Rede nicht bereut, diese Gedanken
nicht verworfen, diese Ansicht nicht aufgegeben hat, wie er’s
gefügt dem Abweg verfallen.
»Vier Arten der Zuversicht sind es, Sāriputto, die dem
Vollendeten taugen, die dem Vollendeten eignen, um das
Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf
erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen:
welche vier? ›Vollkommen erwacht nennst du dich zwar, aber
diese Dinge hast du nicht erkannt‹: dass mich da ein Asket oder
ein Brāhmane, ein Gott oder ein Teufel, ein Brahmā oder
irgend wer in der Welt mit Recht also abweisen könnte, eine 72
solche Möglichkeit, Sāriputto, sehe ich nicht. Und weil
ich, Sāriputto, keine solche Möglichkeit kenne, bleibe ich
ruhig, unverstört, zuversichtlich. -- ›Wahnversiegt nennst du
dich zwar, aber dieser Wahn ist nicht versiegt‹: dass mich da
ein Asket oder ein Brāhmane, ein Gott oder ein Teufel, ein
Brahmā oder irgend wer in der Welt mit Recht also abweisen
könnte, eine solche Möglichkeit, Sāriputto, sehe ich nicht.
Und weil ich, Sāriputto, keine solche Möglichkeit kenne,
bleibe ich ruhig, unverstört, zuversichtlich. -- ›Was du nun
gar als verderblich bezeichnest, das muss nicht dem Thäter
verderblich sein‹: dass mich da ein Asket oder ein Brāhmane,
ein Gott oder ein Teufel, ein Brahmā oder irgend wer in der
Welt mit Recht also abweisen könnte, eine solche Möglichkeit,
Sāriputto, sehe ich nicht. Und weil ich, Sāriputto,
keine solche Möglichkeit kenne, bleibe ich ruhig, unverstört,
zuversichtlich. -- ›Und trägst du gleich in gewisser Absicht
deine Lehre vor, so reicht sie doch nicht dem Grübler zur
gänzlichen Leidensversiegung aus‹: dass mich da ein Asket oder
ein Brāhmane, ein Gott oder ein Teufel, ein Brahmā oder
irgend wer in der Welt mit Recht also abweisen könnte, eine
solche Möglichkeit, Sāriputto, sehe ich nicht. Und weil ich,
Sāriputto, keine solche Möglichkeit kenne, bleibe ich ruhig,
unverstört, zuversichtlich.
»Das, Sāriputto, sind die vier Arten der Zuversicht, die
dem Vollendeten taugen, die dem Vollendeten eignen, um das
Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf
erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen.
»Wer nun zu mir, Sāriputto, dem also Erkennenden, also
Erschauenden also spräche: ›Der Asket Gotamo besitzt nicht
das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine
grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor, die er
selbst ersonnen und ausgedacht hat‹, und er bereute, Sāriputto,
diese Rede nicht, verwürfe nicht diese Gedanken, gäbe diese
Ansicht nicht auf, der möchte, wie er’s gefügt, dem Abweg
verfallen.
»Acht Versammlungen giebt es, Sāriputto: was für acht? Die
Versammlung der Krieger, die Versammlung der Priester, die
Versammlung der Bürger, die Versammlung der Asketen, die
Versammlung der Götter der vier Gegenden, die Versammlung der
Götter der Dreiunddreißig, die Versammlung der sinnlichen
Götter und die Versammlung der heiligen Götter. Das, Sāriputto,
sind die acht Versammlungen. Mit jener vierfachen Zuversicht
ausgerüstet, Sāriputto, geht der Vollendete hin zu den acht
Versammlungen, begiebt sich unter sie. Und ich bekenne,
Sāriputto, unter vielen hunderten von Kriegern gewesen zu
sein: vor mir saßen sie da und ich sprach mit ihnen und
wir wechselten also Rede und Gegenrede. Dass ich nun da in
Bestürzung oder Verlegenheit gerathen könnte, eine solche
Möglichkeit, Sāriputto, ist nicht vorhanden. Und weil ich,
Sāriputto, keine solche Möglichkeit kenne, bleibe ich ruhig,
unverstört, zuversichtlich. Und ich bekenne, Sāriputto, unter
vielen hunderten von Priestern -- von Bürgern -- von Asketen
-- unter vielen hunderten von Göttern der vier Gegenden --
von Göttern der Dreiunddreißig -- von sinnlichen Göttern und
von heiligen Göttern gewesen zu sein: vor mir saßen sie da
und ich sprach mit ihnen und wir wechselten also Rede und
Gegenrede. Dass ich nun da in Bestürzung oder Verlegenheit
gerathen könnte, eine solche Möglichkeit, Sāriputto, ist nicht
vorhanden. Und weil ich, Sāriputto, keine solche Möglichkeit
kenne, bleibe ich ruhig, unverstört, zuversichtlich.
»Wer nun zu mir, Sāriputto, dem also Erkennenden, also 73
Erschauenden also spräche: ›Der Asket Gotamo besitzt nicht
das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine
grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor, die er
selbst ersonnen und ausgedacht hat‹, und er bereute, Sāriputto,
diese Rede nicht, verwürfe nicht diese Gedanken, gäbe diese
Ansicht nicht auf, der möchte, wie er’s gefügt, dem Abweg
verfallen.
»Viererlei Schooße giebt es, Sāriputto: und welche sind es? Der
Schooß des Eies, der Schooß des Leibes, der Schooß der Gährung,
der Schooß der Erscheinung. Was ist aber, Sāriputto, der Schooß
des Eies? Wenn da Wesen, Sāriputto, die Schaale des Eies
durchbrechend zur Welt kommen, so nennt man das, Sāriputto,
den Schooß des Eies. Was ist aber, Sāriputto, der Schooß des
Leibes? Wenn da Wesen, Sāriputto, aus der Hülle des Leibes
hervortretend zur Welt kommen, so nennt man das, Sāriputto,
den Schooß des Leibes. Was ist aber, Sāriputto, der Schooß der
Gährung? Wenn da Wesen, Sāriputto, in faulendem Fische entstehn
oder in faulendem Fleische oder in faulender Speise, oder in
Pfuhl oder Pfütze zur Welt kommen, so nennt man das, Sāriputto,
den Schooß der Gährung. Was ist aber, Sāriputto, der Schooß der
Erscheinung? Wenn da Götter in die Tiefe sinken, und manche
Menschen und manche Geister, so nennt man das, Sāriputto, den
Schooß der Erscheinung. Das, Sāriputto, sind die vier Schooße.
»Wer nun zu mir, Sāriputto, dem also Erkennenden, also
Erschauenden also spräche: ›Der Asket Gotamo besitzt nicht
das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine
grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor,
die er selbst ersonnen und ausgedacht hat‹, und er bereute,
Sāriputto, diese Rede nicht, verwürfe nicht diese Gedanken,
gäbe diese Ansicht nicht auf, der möchte, wie er’s gefügt, dem
Abweg verfallen.
»Fünf Fährten giebt es, Sāriputto: und was für welche? Den
Abweg, den thierischen Schooß, das Gespensterreich, die
Menschen und die Götter. Den Abweg kenn’ ich, Sāriputto, und
den abwärts führenden Pfad und den abwärts führenden Wandel,
durch dessen Pflege man bei der Auflösung des Körpers, nach
dem Tode, zu Verderben und Unheil gelangt, an Orte der Quaal
und des Jammers: diesen Weg kenne ich. Den thierischen Schooß
kenn’ ich, Sāriputto, und den zum thierischen Schooße führenden
Pfad und den zum thierischen Schooße führenden Wandel, durch
dessen Pflege man bei der Auflösung des Körpers, nach dem
Tode, zum thierischen Schooße gelangt: auch diesen Weg kenne
ich. Das Gespensterreich kenn’ ich, Sāriputto, und den zum
Gespensterreich führenden Pfad und den zum Gespensterreich
führenden Wandel, durch dessen Pflege man bei der Auflösung
des Körpers, nach dem Tode, zum Gespensterreich gelangt: auch
diesen Weg kenne ich. Die Menschen kenn’ ich, Sāriputto, und
den zur Menschenwelt führenden Pfad und den zur Menschenwelt
führenden Wandel, durch dessen Pflege man bei der Auflösung
des Körpers, nach dem Tode, zur Menschheit gelangt: auch
diesen Weg kenne ich. Die Götter kenn’ ich, Sāriputto, und
den zur Götterwelt führenden Pfad und den zur Götterwelt
führenden Wandel, durch dessen Pflege man bei der Auflösung des
Körpers, nach dem Tode, an Orte himmlischer Freude gelangt:
auch diesen Weg kenne ich. -- Und die Wahnerlöschung kenn’
ich, Sāriputto, und den zur Wahnerlöschung führenden Pfad und
den zur Wahnerlöschung führenden Wandel, durch dessen Pflege 74
man nach Versiegung des Wahnes die wahnlose Gemütherlösung,
Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar macht,
verwirklicht, erringt und besitzt: auch diesen Weg kenne ich.
»Und ich durchschau’ und erkenne Herz und Gemüth eines Menschen
also, Sāriputto: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf
arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er
bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf
schlechte Fährte, in Verderben und Unheil gerathen wird‹;
und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem
geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei
der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen,
auf schlechter Fährte, in Verderben und Unheil, einzig von
schmerzlichen, stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt.
Gleichwie etwa, Sāriputto, wenn da eine Grube wäre, tiefer
als Manneshöhe, voller glühender Kohlen, ohne Flammen, ohne
Rauch; und es käme einer heran, vom Sonnenbrande gebraten,
vom Sonnenbrande verzehrt, erschöpft, zitternd, dürstend,
und schritte geraden Weges auf eben diese Grube zu; den habe
ein scharfsehender Mann erblickt und spräche nun: ›Derart
handelt jener liebe Mann, darauf arbeitet er hin, einen
solchen Weg hat er genommen, dass er mitten in die glühenden
Kohlen hineinfallen wird‹; und er sähe ihn dann später in der
Kohlengrube drinnen, einzig von schmerzlichen, stechenden,
brennenden Gefühlen erfüllt: ebenso nun auch, Sāriputto,
durchschau’ und erkenn’ ich da Herz und Gemüth eines
Menschen: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet
er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der
Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte
Fährte, in Verderben und Unheil gerathen wird‹; und ich seh’
ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten,
über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung
des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechter
Fährte, in Verderben und Unheil, einzig von schmerzlichen,
stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt.
»Und ferner, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich Herz und
Gemüth eines Menschen also: ›Derart handelt dieser Mensch,
darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass
er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in thierischen
Schooß gerathen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem
himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Grenzen
hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode,
in thierischen Schooß gerathen, von schmerzlichen, stechenden,
brennenden Gefühlen erfüllt. Gleichwie etwa, Sāriputto,
wenn da eine Senkgrube wäre, tiefer als Manneshöhe, voller
Unrath; und es käme einer heran, vom Sonnenbrande gebraten, 75
vom Sonnenbrande verzehrt, erschöpft, zitternd, dürstend, und
schritte geraden Weges auf eben diese Senkgrube zu; den habe
ein scharfsehender Mann erblickt und spräche nun: ›Derart
handelt jener liebe Mann, darauf arbeitet er hin, einen solchen
Weg hat er genommen, dass er mitten in den Koth hineinfallen
wird‹; und er sähe ihn dann später in der Jauche drinnen, von
schmerzlichen, stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt: ebenso
nun auch, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich da Herz und
Gemüth eines Menschen: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf
arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er
bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in thierischen
Schooß gerathen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem
himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen
hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode,
in thierischen Schooß gerathen, von schmerzlichen, stechenden,
brennenden Gefühlen erfüllt.
»Und ich durchschau’ und erkenne Herz und Gemüth eines
Menschen also, Sāriputto: ›Derart handelt dieser Mensch,
darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen,
dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, ins
Gespensterreich gerathen wird‹; und ich seh’ ihn dann später
mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche
Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers,
nach dem Tode, ins Gespensterreich gerathen, von manchem
Schmerzgefühle erfüllt. Gleichwie etwa, Sāriputto, wenn da auf
schlechtem Erdreich ein Baum gewachsen wäre, mit verkümmertem
Laube, spärlichem Grün, gesprengeltem Schatten; und es käme
einer heran, vom Sonnenbrande gebraten, vom Sonnenbrande
verzehrt, erschöpft, zitternd, dürstend, und schritte geraden
Weges auf eben diesen Baum zu; den habe ein scharfsehender Mann
erblickt und spräche nun: ›Derart handelt jener liebe Mann,
darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen,
dass er gerade zu diesem Baume gelangen wird‹; und er sähe ihn
dann später im Schatten dieses Baumes sitzen oder liegen, von
manchem Schmerzgefühle erfüllt: ebenso nun auch, Sāriputto,
durchschau’ und erkenn’ ich da Herz und Gemüth eines Menschen:
›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen
solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des
Körpers, nach dem Tode, ins Gespensterreich gerathen wird‹;
und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem
geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei
der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, ins Gespensterreich
gerathen, von manchem Schmerzgefühle erfüllt.
»Und ferner, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich Herz und
Gemüth eines Menschen also: ›Derart handelt dieser Mensch,
darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass
er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, als Mensch
wiedererscheinen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem
himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen
hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode,
als Mensch wiedererscheinen, von manchem Wohlgefühle erfüllt.
Gleichwie etwa, Sāriputto, wenn da auf gutem Erdreich ein Baum
gewachsen wäre, mit breitem Laubdach, dichtem Grün, tiefem
Schatten; und es käme einer heran, vom Sonnenbrande gebraten,
vom Sonnenbrande verzehrt, erschöpft, zitternd, dürstend, und
schritte geraden Weges auf eben diesen Baum zu; den habe ein
scharfsehender Mann erblickt und spräche nun: ›Derart handelt
jener liebe Mann, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg
hat er genommen, dass er gerade zu diesem Baume gelangen
wird‹; und er sähe ihn dann später im Schatten dieses Baumes
sitzen oder liegen, von manchem Wohlgefühle erfüllt: ebenso
nun auch, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich da Herz und
Gemüth eines Menschen: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf
arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er
bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, als Mensch
wiedererscheinen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem
himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen
hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode,
als Mensch wiedererscheinen, von manchem Wohlgefühle erfüllt.
»Und ich durchschau’ und erkenne Herz und Gemüth eines Menschen 76
also, Sāriputto: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet
er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der
Auflösung des Körpers, nach dem Tode, an Orte himmlischer
Freude gelangen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem
himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen
hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode,
an Orten himmlischer Freude, nur von Wohlgefühlen erfüllt.
Gleichwie etwa, Sāriputto, wenn da ein Landhaus stände,
mit luftiger Terrasse, zierlich gebohnt und geglättet, mit
gefälligem Geländer versehn, vor den Fensterbogen duftige
Matten, und ein Lager befände sich dort, aus flockigen,
wollenen Decken gepolstert, mit zartesten Antilopenfellen
behangen, zu beiden Seiten purpurne Kissen; und es käme einer
heran, vom Sonnenbrande gebraten, vom Sonnenbrande verzehrt,
erschöpft, zitternd, dürstend, und schritte geraden Weges auf
eben dieses Landhaus zu; den habe ein scharfsehender Mann
erblickt und spräche nun: ›Derart handelt jener liebe Mann,
darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen,
dass er gerade zu diesem Landhaus herankommen wird‹; und er
sähe ihn dann später in diesem Landhause, auf der Terrasse, auf
dem Lager sitzen oder liegen, nur von Wohlgefühlen erfüllt:
ebenso nun auch, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich da
Herz und Gemüth eines Menschen: ›Derart handelt dieser Mensch,
darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen,
dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, an Orte
himmlischer Freude gelangen wird‹; und ich seh’ ihn dann später
mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche
Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach
dem Tode, an Orten himmlischer Freude, nur von Wohlgefühlen
erfüllt.
»Und ferner, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich Herz und
Gemüth eines Menschen also: ›Derart handelt dieser Mensch,
darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass
er nach Versiegung des Wahnes die wahnlose Gemütherlösung,
Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar machen,
verwirklichen und erringen wird‹; und ich seh’ ihn dann später
nach Versiegung des Wahnes die wahnlose Gemütherlösung,
Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht,
verwirklicht und errungen haben, einzig von Wohlgefühlen
erfüllt. Gleichwie etwa, Sāriputto, wenn da ein Lotusweiher
läge, mit klarem Spiegel, mild, kühl, glitzernd, leicht
zugänglich, erquickend, und nahe am Wasser tiefe Waldesgründe;
und es käme einer heran, vom Sonnenbrande gebraten, vom
Sonnenbrande verzehrt, erschöpft, zitternd, dürstend, und
schritte geraden Weges auf eben diesen Lotusweiher zu; den
habe ein scharfsehender Mann erblickt und spräche nun:
›Derart handelt jener liebe Mann, darauf arbeitet er hin,
einen solchen Weg hat er genommen, dass er gerade an diesen
Lotusweiher gelangen wird‹; und er sähe ihn dann später,
nachdem er im See gebadet, getrunken und alle Quaal und Pein
der Erschöpfung beschwichtigt hat, im Waldeshaine sitzen oder 77
liegen, einzig von Wohlgefühlen erfüllt: ebenso nun auch,
Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich da Herz und Gemüth eines
Menschen: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er
hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er nach Versiegung
des Wahnes die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung
noch bei Lebzeiten sich offenbar machen, verwirklichen und
erringen wird‹; und ich seh’ ihn dann später nach Versiegung
des Wahnes die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch
bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen
haben, einzig von Wohlgefühlen erfüllt.
»Das, Sāriputto, sind die fünf Fährten. Wer nun zu mir,
Sāriputto, dem also Erkennenden, also Erschauenden also
spräche: ›Der Asket Gotamo besitzt nicht das überirdische
reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine grüblerisch
vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor, die er selbst
ersonnen und ausgedacht hat‹, und er bereute, Sāriputto, diese
Rede nicht, verwürfe nicht diese Gedanken, gäbe diese Ansicht
nicht auf, der möchte, wie er’s gefügt, dem Abweg verfallen.
Gleichwie etwa, Sāriputto, ein Mönch, der Selbstbeherrschung,
Vertiefung und Weisheit gewonnen hat, noch bei Lebzeiten zur
Erkenntniss gelangen kann: so, sag’ ich, Sāriputto, mag wer
diese Rede nicht bereut, diese Gedanken nicht verworfen,
diese Ansicht nicht aufgegeben hat, wie er’s gefügt dem Abweg
verfallen.
»Und ferner bekenn’ ich, Sāriputto, die Zeiten der vierfach
geübten Askese:
Inbrünstig bin ich gewesen,
Inbrünstig wie noch kein andrer;
Rauhsinnig bin ich gewesen,
Rauhsinnig wie noch kein andrer;
Wehmüthig bin ich gewesen,
Wehmüthig wie noch kein andrer;
Abgelöst bin ich gewesen,
Abgelöst wie noch kein andrer.
»Da hab’ ich denn, Sāriputto, also Inbrunst geübt: ein
Unbekleideter war ich, ein Ungebundener, ein Handverköster,
kein Ankömmling, kein Abwärtling, gestattete keine Darreichung,
keine Vergünstigung, keine Einladung, spähte beim Empfangen des
Almosens nicht nach dem Topfe, nicht nach der Schüssel, nicht
über die Schwelle, nicht über das Gitter, nicht in den Kessel
hinein, nahm nicht von zu zweit Speisenden an, nicht von einer
Schwangeren, nicht von einer Säugenden, nicht von einer, die
vom Manne kommt, nicht von Beschmutzten, nicht wo ein Hund
dabei steht, nicht wo Fliegen hin und her schwärmen, aß keinen
Fisch, kein Fleisch, trank keinen Wein, kein gebranntes Wasser,
keinen gegohrenen Haferschleim. Ich ging zu einem Hause und
begnügte mich mit einer handvoll Almosenspeise; ging zu zwei
Häusern und begnügte mich mit zwei handvoll Almosenspeise;
ging zu sieben Häusern und begnügte mich mit sieben handvoll 78
Almosenspeise. Ich fristete mein Leben durch die Mildthätigkeit
von nur einer Spenderin, von nur zwei Spenderinen, von nur
sieben Spenderinen. Ich nahm nur jeden ersten Tag Nahrung ein,
nur jeden zweiten Tag, nur jeden siebenten Tag. Solcherart
wechselnd beobachtet’ ich streng diese bis auf einen halben
Monat ausgedehnte Fastenübung.