»Weiter sodann, ihr Brüder: wenn der heilige Jünger den Wahn 55

erkennt und die Wahnentwicklung, die Wahnauflösung erkennt und

den zur Wahnauflösung führenden Pfad, hat er insofern, ihr

Brüder, die rechte Erkenntniss, ist seine Erkenntniss eine

ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser

edlen Lehre an. Was ist nun, Brüder, der Wahn, was ist die

Wahnentwicklung, was ist die Wahnauflösung, was ist der zur

Wahnauflösung führende Pfad? Drei Arten des Wahns, ihr Brüder,

giebt es: Wunscheswahn, Daseinswahn, Nichtwissenswahn. Die

Entwicklung des Nichtwissens bedingt die Entwicklung des Wahns,

die Auflösung des Nichtwissens bedingt die Auflösung des Wahns.

Das aber ist der heilige achtfältige Weg, der zur Wahnauflösung

führende Pfad, nämlich: rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung,

rechte Rede, rechtes Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn,

rechte Einsicht, rechte Einigung.

»Erkennt nun, ihr Brüder, der heilige Jünger also den Wahn,

also die Wahnentwicklung, also die Wahnauflösung, also den zur

Wahnauflösung führenden Pfad, und er hat die Regung des Wollens

völlig verleugnet, die Regung des Scheuens verscheucht, die

Regung der Ichheit vertilgt, das Nichtwissen verloren, das

Wissen erworben, so macht er dem Leiden noch in diesem Leben

ein Ende. Insofern, ihr Brüder, hat da ein heiliger Jünger die

rechte Erkenntniss, ist seine Erkenntniss eine ehrliche, seine

Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an.«

* * * * *

Also sprach der ehrwürdige Sāriputto. Zufrieden freuten sich

jene Mönche über das Wort des ehrwürdigen Sāriputto.

10.

Erster Theil Zehnte Rede

DIE PFEILER DER EINSICHT

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im

Kurū-Lande, bei einer Stadt der Kurūner Namens Kammāsadammam.

Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«

-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen

aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Der gerade Weg, ihr Mönche, der zur Läuterung der Wesen, 56

zur Ueberwältigung des Schmerzes und Jammers, zur Zerstörung

des Leidens und der Trübsal, zur Gewinnung des Rechten, zur

Verwirklichung der Erlöschung führt, das sind die vier Pfeiler

der Einsicht. Welche vier? Da wacht, ihr Mönche, ein Mönch beim

Körper über den Körper, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig,

nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns; wacht

bei den Gefühlen über die Gefühle, unermüdlich, klaren

Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und

Bekümmerns; wacht beim Gemüthe über das Gemüth, unermüdlich,

klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen

Begehrens und Bekümmerns; wacht bei den Erscheinungen über die

Erscheinungen, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach

Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns.

»Wie aber, ihr Mönche, wacht ein Mönch beim Körper über den

Körper? Da begiebt sich, ihr Mönche, der Mönch ins Innere des

Waldes oder unter einen großen Baum oder in eine leere Klause,

setzt sich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade

aufgerichtet, und pflegt der Einsicht. Bedächtig athmet er ein,

bedächtig athmet er aus. Athmet er tief ein, so weiß er ›Ich

athme tief ein‹, athmet er tief aus, so weiß er ›Ich athme

tief aus‹; athmet er kurz ein, so weiß er ›Ich athme kurz

ein‹, athmet er kurz aus, so weiß er ›Ich athme kurz aus.‹

›Den ganzen Körper empfindend will ich einathmen‹, ›Den ganzen

Körper empfindend will ich ausathmen‹, so übt er sich. ›Diese

Körperverbindung besänftigend will ich einathmen‹. ›Diese

Körperverbindung besänftigend will ich ausathmen‹, so übt er

sich.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, ein geschickter Drechsler oder

Drechslergeselle tief anziehend weiß ›Ich ziehe tief an‹,

kurz anziehend weiß ›Ich ziehe kurz an‹: ebenso nun auch, ihr

Mönche, weiß der Mönch tief einathmend ›Ich athme tief ein‹,

tief ausathmend ›Ich athme tief aus‹; kurz einathmend ›Ich

athme kurz ein‹, kurz ausathmend ›Ich athme kurz aus‹; übt er

sich ›Den ganzen Körper empfindend will ich einathmen‹, ›Den

ganzen Körper empfindend will ich ausathmen‹; übt er sich

›Diese Körperverbindung besänftigend will ich einathmen‹,

›Diese Körperverbindung besänftigend will ich ausathmen‹.

»So wacht er nach innen beim Körper über den Körper, so wacht

er nach außen beim Körper über den Körper, nach innen und außen

wacht er beim Körper über den Körper. Er beobachtet wie der

Körper entsteht, beobachtet wie der Körper vergeht, beobachtet

wie der Körper entsteht und vergeht. ›Der Körper ist da‹: diese

Einsicht ist ihm nun gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen

taugt, zur Besinnung taugt; und uneingepflanzt verharrt er, und

nirgend in der Welt ist er angehangen. So aber, ihr Mönche,

wacht der Mönch beim Körper über den Körper.

»Weiter sodann, ihr Mönche: der Mönch weiß wenn er geht ›Ich

gehe‹, weiß wenn er steht ›Ich stehe‹, weiß wenn er sitzt ›Ich 57

sitze‹, weiß wenn er liegt ›Ich liege‹, er weiß wenn sich sein

Körper in dieser oder jener Stellung befindet, dass es diese

oder jene Stellung ist.

»So wacht er nach innen beim Körper über den Körper, so wacht

er nach außen beim Körper über den Körper, nach innen und außen

wacht er beim Körper über den Körper. Er beobachtet wie der

Körper entsteht, beobachtet wie der Körper vergeht, beobachtet

wie der Körper entsteht und vergeht. ›Der Körper ist da‹: diese

Einsicht ist ihm nun gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen

taugt, zur Besinnung taugt; und uneingepflanzt verharrt er, und

nirgend in der Welt ist er angehangen. So aber, ihr Mönche,

wacht der Mönch beim Körper über den Körper.

»Weiter sodann, ihr Mönche: der Mönch ist klar bewusst beim

Kommen und Gehn, klar bewusst beim Hinblicken und Wegblicken,

klar bewusst beim Neigen und Erheben, klar bewusst beim Tragen

des Gewandes und der Almosenschaale des Ordens, klar bewusst

beim Essen und Trinken, Kauen und Schmecken, klar bewusst beim

Entleeren von Koth und Harn, klar bewusst beim Gehn und Stehn

und Sitzen, beim Einschlafen und Erwachen, beim Sprechen und

Schweigen.

»So wacht er nach innen beim Körper über den Körper, so wacht

er nach außen beim Körper über den Körper, nach innen und außen

wacht er beim Körper über den Körper. Er beobachtet wie der

Körper entsteht, beobachtet wie der Körper vergeht, beobachtet

wie der Körper entsteht und vergeht. ›Der Körper ist da‹: diese

Einsicht ist ihm nun gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen

taugt, zur Besinnung taugt; und uneingepflanzt verharrt er, und

nirgend in der Welt ist er angehangen. So aber, ihr Mönche,

wacht der Mönch beim Körper über den Körper.

»Weiter sodann, ihr Mönche: der Mönch betrachtet sich diesen

Körper da von der Sohle bis zum Scheitel, den hautüberzogenen,

den unterschiedliches Unreine ausfüllt: ›Dieser Körper trägt

einen Schopf, ist behaart, hat Nägel und Zähne, Haut und

Fleisch, Sehnen und Knochen und Knochenmark, Nieren, Herz

und Leber, Zwerchfell, Milz, Lungen, Magen[8], Eingeweide,

Weichtheile und Koth, hat Galle, Schleim, Eiter, Blut, Schweiß,

Lymphe, Thränen, Serum, Speichel, Rotz, Gelenköl, Urin.‹

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da ein Sack, an beiden Enden

zugebunden, mit verschiedenem Korne gefüllt wäre, als wie

etwa mit Reis, mit Bohnen, mit Sesam, und ein scharfsehender

Mann bände ihn auf und untersuchte den Inhalt: ›Das ist Reis,

das sind Bohnen, das ist Sesam‹: ebenso nun auch, ihr Mönche,

betrachtet sich der Mönch diesen Körper da von der Sohle bis

zum Scheitel, den hautüberzogenen, den unterschiedliches

Unreine ausfüllt.

»So wacht er nach innen beim Körper über den Körper, so wacht

er nach außen beim Körper über den Körper, nach innen und

außen wacht er beim Körper über den Körper. Er beobachtet

wie der Körper entsteht, beobachtet wie der Körper vergeht,

beobachtet wie der Körper entsteht und vergeht. ›Der Körper

ist da‹: diese Einsicht ist ihm nun gegenwärtig, soweit sie

eben zum Wissen taugt, zur Besinnung taugt; und uneingepflanzt

verharrt er, und nirgend in der Welt ist er angehangen. So

aber, ihr Mönche, wacht der Mönch beim Körper über den Körper.

»Weiter sodann, ihr Mönche: der Mönch schaut sich diesen Körper

da wie er geht und steht als Artung an: ›Dieser Körper ist von

Erdenart, von Wasserart, von Feuerart, von Luftart.‹

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, ein geschickter Metzger oder 58

Metzgergeselle eine Kuh schlachtet, auf den Markt bringt, Stück

vor Stück zerlegt und sich dann hinsetzen mag: ebenso nun auch,

ihr Mönche, schaut sich der Mönch diesen Körper da wie er geht

und steht als Artung an: ›Dieser Körper ist von Erdenart, von

Wasserart, von Feuerart, von Luftart.‹

»So wacht er nach innen beim Körper über den Körper, so wacht

er nach außen beim Körper über den Körper, nach innen und außen

wacht er beim Körper über den Körper. Er beobachtet wie der

Körper entsteht, beobachtet wie der Körper vergeht, beobachtet

wie der Körper entsteht und vergeht. ›Der Körper ist da‹: diese

Einsicht ist ihm nun gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen

taugt, zur Besinnung taugt; und uneingepflanzt verharrt er, und

nirgend in der Welt ist er angehangen. So aber, ihr Mönche,

wacht der Mönch beim Körper über den Körper.

»Weiter sodann, ihr Mönche: als hätte der Mönch einen Leib auf

der Leichenstätte liegen sehn, einen Tag nach dem Tode oder

zwei oder drei Tage nach dem Tode, aufgedunsen, blauschwarz

gefärbt, in Fäulniss übergegangen, zieht er den Schluss auf

sich selbst: ›Und auch dieser Körper ist so beschaffen, wird

das werden, kann dem nicht entgehn.‹ Weiter sodann, ihr

Mönche: als hätte der Mönch einen Leib auf der Leichenstätte

liegen sehn, von Krähen oder Raben oder Geiern zerfressen, von

Hunden oder Schackalen zerfleischt, oder von vielerlei Würmern

zernagt, zieht er den Schluss auf sich selbst: ›Und auch dieser

Körper ist so beschaffen, wird das werden, kann dem nicht

entgehn.‹ Weiter sodann, ihr Mönche: als hätte der Mönch einen

Leib auf der Leichenstätte liegen sehn, ein Knochengerippe,

fleischbehangen, blutbesudelt, von den Sehnen zusammengehalten;

ein Knochengerippe, fleischentblößt, blutbefleckt, von den

Sehnen zusammengehalten; ein Knochengerippe, ohne Fleisch, ohne

Blut, von den Sehnen zusammengehalten; die Gebeine, ohne die

Sehnen, hierher und dorthin verstreut, da ein Handknochen, dort

ein Fußknochen, da ein Schienbein, dort ein Schenkel, da das

Becken, dort Wirbel, da der Schädel; als hätte er das gesehn,

zieht er den Schluss auf sich selbst: ›Und auch dieser Körper

ist so beschaffen, wird das werden, kann dem nicht entgehn.‹

Weiter sodann, ihr Mönche: als hätte der Mönch einen Leib auf

der Leichenstätte liegen sehn, Gebeine, blank, muschelfarbig;

Gebeine, zuhauf geschichtet, nach Verlauf eines Jahres;

Gebeine, verwest, in Staub zerfallen; als hätte er das gesehn, 59

zieht er den Schluss auf sich selbst: ›Und auch dieser Körper

ist so beschaffen, wird das werden, kann dem nicht entgehn.‹

»So wacht er nach innen beim Körper über den Körper, so wacht

er nach außen beim Körper über den Körper, nach innen und außen

wacht er beim Körper über den Körper. Er beobachtet wie der

Körper entsteht, beobachtet wie der Körper vergeht, beobachtet

wie der Körper entsteht und vergeht. ›Der Körper ist da‹: diese

Einsicht ist ihm nun gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen

taugt, zur Besinnung taugt; und uneingepflanzt verharrt er, und

nirgend in der Welt ist er angehangen. So aber, ihr Mönche,

wacht der Mönch beim Körper über den Körper.

* * * * *

»Wie aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den Gefühlen

über das Gefühl? Da weiß, ihr Mönche, der Mönch wenn er ein

Wohlgefühl empfindet ›Ich empfinde ein Wohlgefühl‹, weiß wenn

er ein Wehgefühl empfindet ›Ich empfinde ein Wehgefühl‹, weiß

wenn er kein Wohl- und kein Wehgefühl empfindet ›Ich empfinde

kein Wohl- und kein Wehgefühl‹. Er weiß wenn er ein weltliches

Wohlgefühl empfindet ›Ich empfinde ein weltliches Wohlgefühl‹,

und weiß wenn er ein überweltliches Wohlgefühl empfindet ›Ich

empfinde ein überweltliches Wohlgefühl‹, weiß wenn er ein

weltliches Wehgefühl empfindet ›Ich empfinde ein weltliches

Wehgefühl‹, und weiß wenn er ein überweltliches Wehgefühl

empfindet ›Ich empfinde ein überweltliches Wehgefühl‹, weiß

wenn er ein weltliches Gefühl ohne Wohl und Weh empfindet ›Ich

empfinde ein weltliches Gefühl ohne Wohl und Weh‹, und weiß

wenn er ein überweltliches Gefühl ohne Wohl und Weh empfindet

›Ich empfinde ein überweltliches Gefühl ohne Wohl und Weh‹.

»So wacht er nach innen bei den Gefühlen über das Gefühl, so

wacht er nach außen bei den Gefühlen über das Gefühl, nach

innen und außen wacht er bei den Gefühlen über das Gefühl. Er

beobachtet wie die Gefühle entstehn, beobachtet wie die Gefühle

vergehn, beobachtet wie die Gefühle entstehn und vergehn.

›Das Gefühl ist da‹: diese Einsicht ist ihm nun gegenwärtig,

soweit sie eben zum Wissen taugt, zur Besinnung taugt; und

uneingepflanzt verharrt er, und nirgend in der Welt ist er

angehangen. So aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den

Gefühlen über das Gefühl.

* * * * *

»Wie aber, ihr Mönche, wacht der Mönch beim Gemüthe über

das Gemüth? Da kennt, ihr Mönche, der Mönch das begehrliche

Gemüth als begehrlich und das begehrlose Gemüth als begehrlos,

das gehässige Gemüth als gehässig und das hasslose Gemüth

als hasslos, das irrende Gemüth als irrend und das irrlose

Gemüth als irrlos, das gesammelte Gemüth als gesammelt und

das zerstreute Gemüth als zerstreut, das hochstrebende Gemüth

als hochstrebend und das niedrig gesinnte Gemüth als niedrig

gesinnt, das edle Gemüth als edel und das gemeine Gemüth als

gemein, das beruhigte Gemüth als beruhigt und das ruhelose

Gemüth als ruhelos, das erlöste Gemüth kennt er als erlöst und

das gefesselte Gemüth als gefesselt.

»So wacht er nach innen beim Gemüthe über das Gemüth, so wacht

er nach außen beim Gemüthe über das Gemüth, nach innen und

außen wacht er beim Gemüthe über das Gemüth. Er beobachtet

wie das Gemüth entsteht, beobachtet wie das Gemüth vergeht, 60

beobachtet wie das Gemüth entsteht und vergeht. ›Das Gemüth

ist da‹: diese Einsicht ist ihm nun gegenwärtig, soweit sie

eben zum Wissen taugt, zur Besinnung taugt; und uneingepflanzt

verharrt er, und nirgend in der Welt ist er angehangen. So

aber, ihr Mönche, wacht der Mönch beim Gemüthe über das Gemüth.

* * * * *

»Wie aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den Erscheinungen

über die Erscheinungen? Da wacht, ihr Mönche, der Mönch bei

den Erscheinungen über das Erscheinen der fünf Hemmungen. Wie

aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den Erscheinungen über

das Erscheinen der fünf Hemmungen? Da merkt, ihr Mönche, der

Mönch wenn Wunscheswille in ihm ist ›In mir ist Wunscheswille‹,

merkt wenn kein Wunscheswille in ihm ist ›In mir ist kein

Wunscheswille‹. Er merkt es wenn Wunscheswille sich eben erst

entwickelt, merkt es wenn der deutlich gewordene Wunscheswille

aufgehoben wird, und merkt es wenn der aufgehobene

Wunscheswille künftig nicht mehr erscheint. Er merkt wenn

Hassensgroll in ihm ist ›In mir ist Hassensgroll‹, merkt wenn

kein Hassensgroll in ihm ist ›In mir ist kein Hassensgroll‹.

Er merkt es wenn Hassensgroll sich eben erst entwickelt, merkt

es wenn der deutlich gewordene Hassensgroll aufgehoben wird,

und merkt es wenn der aufgehobene Hassensgroll künftig nicht

mehr erscheint. Er merkt wenn matte Müde in ihm ist ›In mir

ist matte Müde‹, merkt wenn keine matte Müde in ihm ist ›In

mir ist keine matte Müde‹. Er merkt es wenn matte Müde sich

eben erst entwickelt, merkt es wenn die deutlich gewordene

matte Müde aufgehoben wird, und merkt es wenn die aufgehobene

matte Müde künftig nicht mehr erscheint. Er merkt wenn stolzer

Unmuth in ihm ist ›In mir ist stolzer Unmuth‹, merkt wenn kein

stolzer Unmuth in ihm ist ›In mir ist kein stolzer Unmuth‹.

Er merkt es wenn stolzer Unmuth sich eben erst entwickelt,

merkt es wenn der deutlich gewordene stolze Unmuth aufgehoben

wird, und merkt es wenn der aufgehobene stolze Unmuth künftig

nicht mehr erscheint. Er merkt wenn Schwanken in ihm ist ›In

mir ist Schwanken‹, merkt wenn kein Schwanken in ihm ist ›In

mir ist kein Schwanken‹. Er merkt es wenn Schwanken sich eben

erst entwickelt, merkt es wenn das deutlich gewordene Schwanken

aufgehoben wird, und merkt es wenn das aufgehobene Schwanken

künftig nicht mehr erscheint.

»So wacht er nach innen bei den Erscheinungen über die

Erscheinungen, so wacht er nach außen bei den Erscheinungen

über die Erscheinungen, nach innen und außen wacht er bei

den Erscheinungen über die Erscheinungen. Er beobachtet wie

die Erscheinungen entstehn, beobachtet wie die Erscheinungen

vergehn, beobachtet wie die Erscheinungen entstehn und vergehn.

›Die Erscheinungen sind da‹: diese Einsicht ist ihm nun

gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen taugt, zur Besinnung

taugt; und uneingepflanzt verharrt er, und nirgend in der Welt

ist er angehangen. So aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den

Erscheinungen über das Erscheinen der fünf Hemmungen.

»Weiter sodann, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den 61

Erscheinungen über das Erscheinen der fünf Stücke des

Anhangens. Wie aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den

Erscheinungen über das Erscheinen der fünf Stücke des

Anhangens? Da sagt sich, ihr Mönche, der Mönch: ›So ist die

Form, so entsteht sie, so löst sie sich auf; so ist das

Gefühl, so entsteht es, so löst es sich auf; so ist die

Wahrnehmung, so entsteht sie, so löst sie sich auf; so sind die

Unterscheidungen, so entstehn sie, so lösen sie sich auf; so

ist das Bewusstsein, so entsteht es, so löst es sich auf.‹

»So wacht er nach innen bei den Erscheinungen über die

Erscheinungen, so wacht er nach außen bei den Erscheinungen

über die Erscheinungen, nach innen und außen wacht er bei

den Erscheinungen über die Erscheinungen. Er beobachtet wie

die Erscheinungen entstehn, beobachtet wie die Erscheinungen

vergehn, beobachtet wie die Erscheinungen entstehn und vergehn.

›Die Erscheinungen sind da‹: diese Einsicht ist ihm nun

gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen taugt, zur Besinnung

taugt; und uneingepflanzt verharrt er, und nirgend in der Welt

ist er angehangen. So aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den

Erscheinungen über das Erscheinen der fünf Stücke des Anhangens.

»Weiter sodann, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den

Erscheinungen über das Erscheinen der sechs Innen- und

Außenreiche. Wie aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den

Erscheinungen über das Erscheinen der sechs Innen- und

Außenreiche? Da kennt, ihr Mönche, der Mönch das Auge und kennt

die Formen, und die Verbindung, die sich aus beiden ergiebt,

auch diese kennt er. Er kennt es wenn die Verbindung eben erst

erfolgt, kennt es wenn die erfolgte Verbindung aufgehoben wird,

und kennt es wenn die aufgehobene Verbindung künftig nicht

mehr erscheint. Er kennt das Ohr und kennt die Töne, und die

Verbindung, die sich aus beiden ergiebt, auch diese kennt er.

Er kennt es wenn die Verbindung eben erst erfolgt, kennt es

wenn die erfolgte Verbindung aufgehoben wird, und kennt es

wenn die aufgehobene Verbindung künftig nicht mehr erscheint.

Er kennt die Nase und kennt die Düfte, und die Verbindung, die

sich aus beiden ergiebt, auch diese kennt er. Er kennt es wenn

die Verbindung eben erst erfolgt, kennt es wenn die erfolgte

Verbindung aufgehoben wird, und kennt es wenn die aufgehobene

Verbindung künftig nicht mehr erscheint. Er kennt die Zunge

und kennt die Säfte, und die Verbindung, die sich aus beiden

ergiebt, auch diese kennt er. Er kennt es wenn die Verbindung

eben erst erfolgt, kennt es wenn die erfolgte Verbindung

aufgehoben wird, und kennt es wenn die aufgehobene Verbindung

künftig nicht mehr erscheint. Er kennt den Leib und kennt die

Tastungen, und die Verbindung, die sich aus beiden ergiebt,

auch diese kennt er. Er kennt es wenn die Verbindung eben erst

erfolgt, kennt es wenn die erfolgte Verbindung aufgehoben wird,

und kennt es wenn die aufgehobene Verbindung künftig nicht

mehr erscheint. Er kennt das Denken und kennt die Dinge, und

die Verbindung, die sich aus beiden ergiebt, auch diese kennt

er. Er kennt es wenn die Verbindung eben erst erfolgt, kennt

es wenn die erfolgte Verbindung aufgehoben wird, und kennt es

wenn die aufgehobene Verbindung künftig nicht mehr erscheint.

»So wacht er nach innen bei den Erscheinungen über die

Erscheinungen, so wacht er nach außen bei den Erscheinungen

über die Erscheinungen, nach innen und außen wacht er bei

den Erscheinungen über die Erscheinungen. Er beobachtet wie

die Erscheinungen entstehn, beobachtet wie die Erscheinungen

vergehn, beobachtet wie die Erscheinungen entstehn und vergehn.

›Die Erscheinungen sind da‹: diese Einsicht ist ihm nun

gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen taugt, zur Besinnung

taugt; und uneingepflanzt verharrt er, und nirgend in der Welt

ist er angehangen. So aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei

den Erscheinungen über das Erscheinen der sechs Innen- und

Außenreiche.

»Weiter sodann, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den

Erscheinungen über das Erscheinen der sieben Erweckungen.

Wie aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den Erscheinungen

über das Erscheinen der sieben Erweckungen? Da gewahrt, ihr

Mönche, der Mönch wenn Einsicht in ihm munter wird ›In mir

wird Einsicht munter‹, und gewahrt wenn Einsicht in ihm nicht

munter wird ›In mir wird Einsicht nicht munter‹; er gewahrt 62

es wenn Einsicht eben erst munter wird, und gewahrt es wenn

die munter gewordene Einsicht völlig aufgeht. Er gewahrt wenn

Tiefsinn in ihm munter wird ›In mir wird Tiefsinn munter‹,

und gewahrt wenn Tiefsinn in ihm nicht munter wird ›In mir

wird Tiefsinn nicht munter‹; er gewahrt es wenn Tiefsinn eben

erst munter wird, und gewahrt es wenn der munter gewordene

Tiefsinn völlig aufgeht. Er gewahrt wenn Kraft in ihm munter

wird ›In mir wird Kraft munter‹, und gewahrt wenn Kraft in

ihm nicht munter wird ›In mir wird Kraft nicht munter‹; er

gewahrt es wenn Kraft eben erst munter wird, und gewahrt es

wenn die munter gewordene Kraft völlig aufgeht. Er gewahrt wenn

Heiterkeit in ihm munter wird ›In mir wird Heiterkeit munter‹,

und gewahrt wenn Heiterkeit in ihm nicht munter wird ›In mir

wird Heiterkeit nicht munter‹; er gewahrt es wenn Heiterkeit

eben erst munter wird, und gewahrt es wenn die munter gewordene

Heiterkeit völlig aufgeht. Er gewahrt wenn Lindheit in ihm

munter wird ›In mir wird Lindheit munter‹, und gewahrt wenn

Lindheit in ihm nicht munter wird ›In mir wird Lindheit nicht

munter‹; er gewahrt es wenn Lindheit eben erst munter wird, und

gewahrt es wenn die munter gewordene Lindheit völlig aufgeht.

Er gewahrt wenn Innigkeit in ihm munter wird ›In mir wird

Innigkeit munter‹, und gewahrt wenn Innigkeit in ihm nicht

munter wird ›In mir wird Innigkeit nicht munter‹; er gewahrt

es wenn Innigkeit eben erst munter wird, und gewahrt es wenn

die munter gewordene Innigkeit völlig aufgeht. Er gewahrt wenn

Gleichmuth in ihm munter wird ›In mir wird Gleichmuth munter‹,

und gewahrt wenn Gleichmuth in ihm nicht munter wird ›In mir

wird Gleichmuth nicht munter‹; er gewahrt es wenn Gleichmuth

eben erst munter wird, und gewahrt es wenn der munter gewordene

Gleichmuth völlig aufgeht.

»So wacht er nach innen bei den Erscheinungen über die

Erscheinungen, so wacht er nach außen bei den Erscheinungen

über die Erscheinungen, nach innen und außen wacht er bei

den Erscheinungen über die Erscheinungen. Er beobachtet wie

die Erscheinungen entstehn, beobachtet wie die Erscheinungen

vergehn, beobachtet wie die Erscheinungen entstehn und vergehn.

›Die Erscheinungen sind da‹: diese Einsicht ist ihm nun

gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen taugt, zur Besinnung

taugt; und uneingepflanzt verharrt er, und nirgend in der Welt

ist er angehangen. So aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den

Erscheinungen über das Erscheinen der sieben Erweckungen.

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, erster Band · 第 8 / 43 段