»Was ist das aber, ihr Mönche, für ein Wähnen, das fliehend

überwunden werden muss? Da flieht, ihr Mönche, ein Mönch

gründlich besonnen einen wüthenden Elephanten, ein wüthendes

Pferd, einen wüthenden Stier, einen wüthenden Hund, er flieht

Schlangen, meidet abgeholzten Grund, Dornengestrüpp, Klinzen

und Klüfte, Pfützen und Sümpfe. Orte, die zum Weilen nicht 11

taugen, Plätze, die zum Wandeln nicht taugen, Freunde, die zum

Verkehr nicht taugen, von erfahrenen Ordensbrüdern entsprechend

missbilligt würden, solche Orte, solche Plätze, solche Freunde

flieht er, gründlich besonnen. Denn wollte er nicht fliehn, ihr

Mönche, so käme verstörendes, sehrendes Wähnen über ihn: darum

flieht er und entgeht dem verstörenden, sehrenden Wähnen.

»Das nennt man, ihr Mönche, Wähnen, das fliehend überwunden

werden muss.

»Was ist das aber, ihr Mönche, für ein Wähnen, das kämpfend

überwunden werden muss? Da gönnt, ihr Mönche, ein Mönch

gründlich besonnen einem aufgestiegenen Wunschgedanken keinen

Raum, verleugnet ihn, vertreibt ihn, vertilgt ihn, erstickt

ihn im Keime; gönnt einem aufgestiegenen Hassgedanken keinen

Raum, verleugnet ihn, vertreibt ihn, vertilgt ihn, erstickt

ihn im Keime; gönnt einem aufgestiegenen Wuthgedanken keinen

Raum, verleugnet ihn, vertreibt ihn, vertilgt ihn, erstickt

ihn im Keime; gönnt diesen und jenen schlechten, verderblichen

Gedanken, die aufsteigen, keinen Raum, verleugnet sie,

vertreibt sie, vertilgt sie, erstickt sie im Keime. Gäbe er

aber nach, ihr Mönche, so käme verstörendes, sehrendes Wähnen

über ihn: darum kämpft er und bleibt frei vom verstörenden,

sehrenden Wähnen.

»Das nennt man, ihr Mönche, Wähnen, das kämpfend überwunden

werden muss.

»Was ist das aber, ihr Mönche, für ein Wähnen, das wirkend

überwunden werden muss? Da wirkt, ihr Mönche, ein Mönch

gründlich besonnen der Einsicht Erweckung, die abgeschieden

gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in

Endsal übergeht. Gründlich besonnen wirkt er des Tiefsinns

Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte,

ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht. Gründlich

besonnen wirkt er der Kraft Erweckung, die abgeschieden

gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in

Endsal übergeht. Gründlich besonnen wirkt er der Heiterkeit

Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte,

ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht. Gründlich besonnen

wirkt er der Lindheit Erweckung, die abgeschieden gezeugte,

abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht.

Gründlich besonnen wirkt er der Innigkeit Erweckung, die

abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte,

die in Endsal übergeht. Gründlich besonnen wirkt er des

Gleichmuths Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst

gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht. Weil er

also, ihr Mönche, ohne Wirken verstörendem, sehrendem Wähnen

erläge, wirkt er, und kein verstörendes, sehrendes Wähnen kommt

ihn an.

»Das nennt man, ihr Mönche, Wähnen, das wirkend überwunden

werden muss.

»Hat nun, ihr Mönche, ein Mönch das Wähnen, das wissend

überwunden werden muss, wissend überwunden, das Wähnen,

das wehrend überwunden werden muss, wehrend überwunden,

das Wähnen, das pflegend überwunden werden muss, pflegend

überwunden, das Wähnen, das duldend überwunden werden muss,

duldend überwunden, das Wähnen, das fliehend überwunden werden

muss, fliehend überwunden, das Wähnen, das kämpfend überwunden 12

werden muss, kämpfend überwunden, das Wähnen, das wirkend

überwunden werden muss, wirkend überwunden: so nennt man

ihn, Mönche, einen Mönch, der gegen alles Wähnen gefeit ist.

Abgeschnitten hat er den Lebensdurst, weggeworfen die Fessel,

durch vollständige Dünkeleroberung ein Ende gemacht dem Leiden.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche

über das Wort des Erhabenen.

3.

Erster Theil Dritte Rede

ERBEN DER LEHRE

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei

Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort

nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«

-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen

aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Erben der Lehre seid mir, Mönche, nicht Erben der Nothdurft!

Aus Mitleid red’ ich also zu euch: O dass meine Jünger Erben

der Lehre seien und nicht Erben der Nothdurft.

»Wäret ihr, meine Mönche, Erben der Nothdurft, nicht Erben der

Lehre, so zeigte man auf euch und spräche: ›Erben der Nothdurft

sind sie, die Jünger des Meisters, nicht Erben der Lehre‹, und

auch auf mich deutete man: ›Erben der Nothdurft sind sie, die

Jünger des Meisters, nicht Erben der Lehre.‹ Wollt ihr nun,

meine Mönche, Erben der Lehre sein, nicht Erben der Nothdurft,

dann zeiht euch wohl keiner: ›Erben der Lehre sind sie, die

Jünger des Meisters, nicht Erben der Nothdurft‹, und keiner

wird mich zeihen: ›Erben der Lehre sind sie, die Jünger des

Meisters, nicht Erben der Nothdurft.‹ Daher sollt ihr euch,

meine Mönche, als Erben der Lehre erweisen, nicht als Erben

der Nothdurft. Aus Mitleid red’ ich also zu euch: O dass meine

Jünger Erben der Lehre seien und nicht Erben der Nothdurft.

»Wenn ich da, Mönche, zu Mittag die genügende, vollgemessene

Mahlzeit beendet habe, hinreichend satt geworden bin, und es

bleibt mir vom Almosen ein Rest übrig, den ich nicht mehr

einnehme, der nun aus der Schaale entleert werden muss, und es

kommen zwei Mönche heran, aufgerieben von Hunger und Schwäche: 13

da werd’ ich sie einladen: ›Ich habe, ihr Mönche, zu Mittag

die genügende, vollgemessene Mahlzeit beendet, bin hinreichend

satt geworden, und es bleibt mir vom Almosen ein Rest übrig,

den ich nicht mehr einnehme, der nun aus der Schaale entleert

werden muss; wollt ihr, so nehmt ihn, wo nicht, so werd’ ich

ihn jetzt auf grasfreien Grund ausleeren oder in fließendes

Wasser schütten.‹ Da gedächte der eine der Mönche: ›Der

Erhabene hat zu Mittag die genügende, vollgemessene Mahlzeit

beendet, ist hinreichend satt geworden, und dieser Rest da ist

vom Almosen übrig geblieben, muss vertilgt werden; nehmen wir

ihn nicht an, so leert ihn der Erhabene auf grasfreien Grund

oder in fließendes Wasser aus. Aber ich kenne ja das Wort des

Erhabenen: ‚Erben der Lehre seid mir, Mönche, nicht Erben

der Nothdurft!‘ Zur Nothdurft gehört auch ein Almosenbissen;

wie, wenn ich nun diesen Bissen verschmähte und hungrig und

schwach, wie ich bin, bis morgen Mittag aushielte?‹ Und er

verschmähte den Bissen und beschiede sich trotz seines Hungers,

trotz seiner Schwäche bis zum Mahle des folgenden Tages. Doch

der andere Mönch gedächte: ›Der Erhabene hat zu Mittag die

genügende, vollgemessene Mahlzeit beendet, ist hinreichend satt

geworden, und dieser Rest da ist vom Almosen übrig geblieben,

muss vertilgt werden; wie, wenn ich nun diesen Bissen

annähme, mich von Hunger und Schwäche erholte und also den

Tag zubrächte?‹ Und er nähme den Bissen an, erholte sich von

Hunger und Schwäche und brächte den Tag also zu. Immerhin mag,

ihr Mönche, dieser Mönch den Bissen annehmen, sich von Hunger

und Schwäche erholen und also den Tag zubringen: aber jener

andere, mein erster Mönch, ist würdiger und vorzüglicher. Und

warum? Weil es ihn eben, ihr Mönche, lange Zeit fördern wird in

seiner Genugsamkeit, Zufriedenheit, Ledigkeit, Leichtigkeit,

Beharrlichkeit.[4] Daher sollt ihr euch, meine Mönche, als

Erben der Lehre erweisen, nicht als Erben der Nothdurft. Aus

Mitleid red’ ich also zu euch: O dass meine Jünger Erben der

Lehre seien und nicht Erben der Nothdurft.«

Also sprach der Erhabene. Nach diesen Worten stand der

Willkommene vom Sitze auf und zog sich in das Wohnhaus zurück.

Da wandte sich nun der ehrwürdige Sāriputto, bald nachdem

der Erhabene fortgegangen war, an die Mönche: »Brüder Mönche!«

-- »Bruder!« antworteten da jene Mönche dem ehrwürdigen 14

Sāriputto aufmerksam. Der ehrwürdige Sāriputto sprach also:

»Hat sich der Meister, ihr Brüder, zurückgezogen, wie pflegen

dann die Jünger der Einsamkeit nicht? Und hat sich der Meister,

ihr Brüder, zurückgezogen, wie pflegen dann die Jünger der

Einsamkeit?«

»Selbst von weit her, Bruder, würden wir kommen, gält’ es beim

ehrwürdigen Sāriputto darüber Aufschluss zu erhalten, gut wär’

es wohl, wenn sich doch der ehrwürdige Sāriputto in dieser

Sache vernehmen ließe! Das Wort des ehrwürdigen Sāriputto

werden wir bewahren.«

»Wohlan denn, Brüder, so höret und achtet wohl auf meine Rede.«

»Freilich, Bruder!« antworteten da jene Mönche dem ehrwürdigen

Sāriputto aufmerksam. Der ehrwürdige Sāriputto sprach also:

»Da pflegen, ihr Brüder, die Jünger des einsam weilenden

Meisters der Einsamkeit nicht; und was der Meister als

verwerflich bezeichnet hat, das verwerfen sie nicht; und

anspruchsvoll werden sie und aufdringlich, suchen vor allem

Gesellschaft, fliehen die Einsamkeit als lästige Last. Somit,

ihr Brüder, gereichen drei Fälle den älteren Mönchen zur

Schande: ›Der Meister weilt einsam zurückgezogen, aber die

Jünger pflegen der Einsamkeit nicht‹, das ist der erste Fall,

der den älteren Mönchen zur Schande gereicht; ›und was der

Meister als verwerflich bezeichnet hat, das verwerfen sie

nicht‹, das ist der zweite Fall, der den älteren Mönchen zur

Schande gereicht; ›und anspruchsvoll sind sie und aufdringlich,

suchen vor allem Gesellschaft, fliehen die Einsamkeit als

lästige Last‹, das ist der dritte Fall, der den älteren Mönchen

zur Schande gereicht. Den älteren Mönchen also, Brüder,

gereichen diese drei Fälle zur Schande. Und den mittleren

Mönchen, Brüder, und den neuen Mönchen, Brüder, gereichen drei

Fälle zur Schande: ›Der Meister weilt einsam zurückgezogen,

aber die Jünger pflegen der Einsamkeit nicht‹, das ist der

erste Fall, der den mittleren Mönchen, der den neuen Mönchen

zur Schande gereicht; ›und was der Meister als verwerflich

bezeichnet hat, das verwerfen sie nicht‹, das ist der zweite

Fall, der den mittleren Mönchen, der den neuen Mönchen zur

Schande gereicht; ›und anspruchsvoll sind sie und aufdringlich,

suchen vor allem Gesellschaft, fliehen die Einsamkeit als

lästige Last‹, das ist der dritte Fall, der den mittleren

Mönchen, der den neuen Mönchen zur Schande gereicht. Den

mittleren Mönchen also, Brüder, den neuen Mönchen also, Brüder,

gereichen diese drei Fälle zur Schande. Das ist die Art, ihr

Brüder, wie die Jünger des einsam weilenden Meisters Einsamkeit

scheuen.

»Wie wird nun, ihr Brüder, von den Jüngern des einsam weilenden 15

Meisters Einsamkeit geübt? Da pflegen, ihr Brüder, die Jünger

des einsam weilenden Meisters der Einsamkeit; und was der

Meister als verwerflich bezeichnet hat, das verwerfen sie; und

sie werden nicht anspruchsvoll, nicht aufdringlich, fliehen

Gesellschaft als lästige Last, suchen vor allem Einsamkeit.

Somit, ihr Brüder, gereichen drei Fälle den älteren Mönchen

zur Ehre: ›Der Meister weilt einsam zurückgezogen und die

Jünger pflegen der Einsamkeit‹, das ist der erste Fall, der

den älteren Mönchen zur Ehre gereicht; ›und was der Meister

als verwerflich bezeichnet hat, das verwerfen sie‹, das ist

der zweite Fall, der den älteren Mönchen zur Ehre gereicht:

›und sie sind nicht anspruchsvoll, nicht aufdringlich, fliehen

Gesellschaft als lästige Last, suchen vor allem Einsamkeit‹,

das ist der dritte Fall, der den älteren Mönchen zur Ehre

gereicht. Den älteren Mönchen also, Brüder, gereichen diese

drei Fälle zur Ehre. Und den mittleren Mönchen, Brüder, und

den neuen Mönchen, Brüder, gereichen drei Fälle zur Ehre: ›Der

Meister weilt einsam zurückgezogen und die Jünger pflegen der

Einsamkeit‹, das ist der erste Fall, der den mittleren Mönchen,

der den neuen Mönchen zur Ehre gereicht; ›und was der Meister

als verwerflich bezeichnet hat, das verwerfen sie‹, das ist der

zweite Fall, der den mittleren Mönchen, der den neuen Mönchen

zur Ehre gereicht; ›und sie sind nicht anspruchsvoll, nicht

aufdringlich, fliehen Gesellschaft als lästige Last, suchen vor

allem Einsamkeit‹, das ist der dritte Fall, der den mittleren

Mönchen, der den neuen Mönchen zur Ehre gereicht. Den mittleren

Mönchen also, Brüder, den neuen Mönchen also, Brüder, gereichen

diese drei Fälle zur Ehre. Das ist die Art, ihr Brüder, wie die

Jünger des einsam weilenden Meisters Einsamkeit üben.

»Nun merket, Brüder: Gier ist vom Uebel und Hass ist vom Uebel

und es giebt einen Mittelweg um der Gier zu entgehn und dem

Hass zu entgehn, einen Weg, der sehend und wissend macht, zur

Ebbung, Durchschauung, Erwachung, Erlöschung führt. Was ist

das aber, Brüder, für ein Mittelweg, der sehend und wissend

macht, zur Ebbung, Durchschauung, Erwachung, Erlöschung

führt? Dieser heilige achtfältige Pfad ist es eben, und zwar:

rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes

Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Einsicht, rechte

Einigung. Das, ihr Brüder, ist der Mittelweg, der sehend und

wissend macht, zur Ebbung, Durchschauung, Erwachung, Erlöschung

führt. Und Zorn, Brüder, und Zwietracht ist vom Uebel, und

Häuchelei und Neid ist vom Uebel, und Eiferung und Eigensucht

ist vom Uebel, und Trug und List ist vom Uebel, und Starrsinn

und Ungestüm ist vom Uebel, und Stolz und Dünkel ist vom

Uebel, und Lauheit und Lässigkeit ist vom Uebel und es giebt

einen Mittelweg um der Lauheit zu entgehn und der Lässigkeit

zu entgehn, einen Weg, der sehend und wissend macht, zur

Ebbung, Durchschauung, Erwachung, Erlöschung führt. Was ist 16

das aber, Brüder, für ein Mittelweg, der sehend und wissend

macht, zur Ebbung, Durchschauung, Erwachung, Erlöschung

führt? Dieser heilige achtfältige Pfad ist es eben, und zwar:

rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes

Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Einsicht, rechte

Einigung. Das, ihr Brüder, ist der Mittelweg, der sehend und

wissend macht, zur Ebbung, Durchschauung, Erwachung, Erlöschung

führt.«

* * * * *

Also sprach der ehrwürdige Sāriputto. Zufrieden freuten sich

jene Mönche über das Wort des ehrwürdigen Sāriputto.

4.

Erster Theil Vierte Rede

FURCHT UND ANGST

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei

Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Da kam

nun Jāṇussoṇi, ein Brāhmane, zum Erhabenen hin, begrüßte den

Erhabenen ehrerbietig, wechselte freundliche, denkwürdige Worte

mit dem Erhabenen und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite

sitzend wandte sich nun der Brāhmane Jāṇussoṇi also an den

Erhabenen:

»Die edlen Söhne hier, o Gotamo, die um des verehrten Gotamo

willen, aus Zuversicht vom Hause fort in die Hauslosigkeit

gezogen sind, die folgen dem verehrten Gotamo nach, halten

den verehrten Gotamo hoch, haben den verehrten Gotamo zum

Lenker erkoren, und des verehrten Gotamo Lebensansicht und

Lebensführung wird diesen Leuten zur eigenen.«

»So ist es, Brāhmane, so ist es, Brāhmane. Die edlen Söhne 17

hier, Brāhmane, die um meinetwillen, aus Zuversicht vom Hause

fort in die Hauslosigkeit gezogen sind, die folgen mir nach,

halten mich hoch, haben mich zum Lenker erkoren, und meine

Lebensansicht und Lebensführung wird diesen Leuten zur eigenen.«

»Schwer lebt es sich aber, o Gotamo, im tiefen Walde, an

abgelegenen Orten, schwer ist es Einsamkeit zu pflegen, schwer

Alleinsein genießen; die Waldschluchten müssen wohl einem

Mönche, der keine Fassung gewinnen kann, das Herz im Leibe

stocken lassen.«

»So ist es, Brāhmane, so ist es, Brāhmane. Schwer lebt es

sich freilich, Brāhmane, im tiefen Walde, an abgelegenen

Orten, schwer ist es Einsamkeit zu pflegen, schwer Alleinsein

genießen; die Waldschluchten müssen wohl einem Mönche, der

keine Fassung gewinnen kann, das Herz im Leibe stocken lassen.

»Auch mir, Brāhmane, ist es, noch vor der vollen Erwachung,

dem unvollkommen Erwachten, Erwachung erst Erringenden[5],

also ergangen: ›Schwer lebt es sich, ach, im tiefen Walde, an

abgelegenen Orten, schwer ist es Einsamkeit zu pflegen, schwer

Alleinsein genießen; die Waldschluchten müssen ja einem Mönche,

der keine Fassung gewinnen kann, das Herz im Leibe stocken

lassen.‹

»Da sagte ich mir, Brāhmane: ›Alle die lieben Asketen oder

Brāhmanen, die, an Thaten ungeläutert, tief im Walde abgelegene

Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil ihr Thun nicht

geläutert ist, schuldige Furcht und Angst; ich aber, der ich,

an Thaten nicht ungeläutert, tief im Walde abgelegene Orte

aufsuche, übe lauteres Thun: habt ihr Heilige, die, lauter an

Thaten, tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, so bin ich

einer von ihnen.‹ Als ich, Brāhmane, merkte, diese Lauterkeit

des Thuns eigne mir, nahm mein Wohlgefallen am Waldleben zu.

»Und ich sagte mir, Brāhmane: ›Alle die lieben Asketen oder

Brāhmanen, die, an Worten ungeläutert, tief im Walde abgelegene

Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil ihre Rede nicht

geläutert ist, schuldige Furcht und Angst; ich aber, der ich,

an Worten nicht ungeläutert, tief im Walde abgelegene Orte

aufsuche, übe lautere Rede: habt ihr Heilige, die, lauter an

Worten, tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, so bin ich

einer von ihnen.‹ Als ich, Brāhmane, merkte, diese Lauterkeit

der Rede eigne mir, nahm mein Wohlgefallen am Waldleben zu.

»Und ich sagte mir, Brāhmane: ›Alle die lieben Asketen oder

Brāhmanen, die, an Gedanken ungeläutert, tief im Walde

abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil ihr Denken

nicht geläutert ist, schuldige Furcht und Angst; ich aber, der

ich, an Gedanken nicht ungeläutert, tief im Walde abgelegene

Orte aufsuche, übe lauteres Denken: habt ihr Heilige, die,

lauter an Gedanken, tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen,

so bin ich einer von ihnen.‹ Als ich, Brāhmane, merkte, diese

Lauterkeit des Denkens eigne mir, nahm mein Wohlgefallen am

Waldleben zu.

»Und ich sagte mir, Brāhmane: ›Alle die lieben Asketen oder

Brāhmanen, die ungeläuterten Wesens tief im Walde abgelegene

Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil ihr Wesen nicht

geläutert ist, schuldige Furcht und Angst; ich aber, der ich

nicht ungeläuterten Wesens tief im Walde abgelegene Orte

aufsuche, übe lauteres Wesen: habt ihr Heilige, die lauteren

Wesens tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, so bin ich

einer von ihnen.‹ Als ich, Brāhmane, merkte, diese Lauterkeit

des Wesens eigne mir, nahm mein Wohlgefallen am Waldleben zu.

»Und ich sagte mir, Brāhmane: ›Alle die lieben Asketen oder

Brāhmanen, die begierig, voller heftiger Wünsche tief im

Walde abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil sie

begierig, von heftigen Wünschen erfüllt sind, schuldige Furcht

und Angst; ich aber, der ich nicht begierig, nicht voller

heftiger Wünsche tief im Walde abgelegene Orte aufsuche, bin

ohne Begier: habt ihr Heilige, die ohne Begier tief im Walde

abgelegene Orte aufsuchen, so bin ich einer von ihnen.‹ Als 18

ich, Brāhmane, merkte, diese Begierlosigkeit eigne mir, nahm

mein Wohlgefallen am Waldleben zu.

»Und ich sagte mir, Brāhmane: ›Alle die lieben Asketen oder

Brāhmanen, die gehässig, verbitterten Sinnes tief im Walde

abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil sie

gehässig, verbitterten Sinnes sind, schuldige Furcht und Angst;

ich aber, der ich ohne Hass, ohne Verbitterung tief im Walde

abgelegene Orte aufsuche, fühle Mitleid: habt ihr Heilige, die

mitleidig tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, so bin ich

einer von ihnen.‹ Als ich, Brāhmane, merkte, dieses Mitleid

eigne mir, nahm mein Wohlgefallen am Waldleben zu.

»Und ich sagte mir, Brāhmane: ›Alle die lieben Asketen oder

Brāhmanen, die matt und müde tief im Walde abgelegene Orte

aufsuchen, die erfahren, eben weil sie sich von matter Müde

beschleichen lassen, schuldige Furcht und Angst; ich aber,

der ich matter Müde wehrend tief im Walde abgelegene Orte

aufsuche, bin frei von matter Müde: habt ihr Heilige, die frei

von matter Müde tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, so bin

ich einer von ihnen.‹ Als ich, Brāhmane, merkte, diese matte

Müde sei mir fremd, nahm mein Wohlgefallen am Waldleben zu.

»Und ich sagte mir, Brāhmane: ›Alle die lieben Asketen oder

Brāhmanen, die aufgeregt, unruhigen Geistes tief im Walde

abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil sie

aufgeregt, unruhigen Geistes sind, schuldige Furcht und Angst;

ich aber, der ich ohne Erregung, ohne Unruhe tief im Walde

abgelegene Orte aufsuche, weile ruhigen Gemüthes: habt ihr

Heilige, die ruhigen Gemüthes tief im Walde abgelegene Orte

aufsuchen, so bin ich einer von ihnen.‹ Als ich, Brāhmane,

merkte, diese Ruhe eigne mir, nahm mein Wohlgefallen am

Waldleben zu.

»Und ich sagte mir, Brāhmane: ›Alle die lieben Asketen

oder Brāhmanen, die schwankend und zweifelnd tief im Walde

abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil sie

schwankenden, unsicheren Geistes sind, schuldige Furcht und

Angst; ich aber, der ich sicher und zweifellos tief im Walde

abgelegene Orte aufsuche, bin meiner Sache gewiss: habt ihr

Heilige, die ihrer Sache gewiss tief im Walde abgelegene Orte

aufsuchen, so bin ich einer von ihnen.‹ Als ich, Brāhmane,

merkte, diese Gewissheit eigne mir, nahm mein Wohlgefallen am 19

Waldleben zu.

»Und ich sagte mir, Brāhmane: ›Alle die lieben Asketen oder

Brāhmanen, die mit Selbstlob und Nächstentadel tief im Walde

abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil sie sich

brüsten und andere verachten, schuldige Furcht und Angst; ich

aber, der ich ohne mich zu brüsten, ohne andere zu verachten

tief im Walde abgelegene Orte aufsuche, bin frei von Selbstlob

und Nächstentadel: habt ihr Heilige, die frei von Selbstlob

und Nächstentadel tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, so

bin ich einer von ihnen.‹ Als ich, Brāhmane, merkte, Selbstlob

und Nächstentadel sei mir fremd, nahm mein Wohlgefallen am

Waldleben zu.

»Und ich sagte mir, Brāhmane: ›Alle die lieben Asketen oder

Brāhmanen, die zitternd und zagend tief im Walde abgelegene

Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil sie zittern und zagen,

schuldige Furcht und Angst; ich aber, der ich ohne Zittern,

ohne Zagen tief im Walde abgelegene Orte aufsuche, bin frei von

Zittern und Zagen: habt ihr Heilige, die frei von Zittern und

Zagen tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, so bin ich einer

von ihnen.‹ Als ich, Brāhmane, merkte, Zittern und Zagen sei

mir fremd, nahm mein Wohlgefallen am Waldleben zu.

»Und ich sagte mir, Brāhmane: ›Alle die lieben Asketen oder

Brāhmanen, die nach Gaben, Ehre und Ansehn geizend tief im

Walde abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil sie

Gaben, Ehre und Ansehn erhoffen, schuldige Furcht und Angst;

ich aber, der ich Gaben, Ehre und Ansehn verschmähend tief

im Walde abgelegene Orte aufsuche, bescheide mich: habt ihr

Heilige, die sich bescheidend tief im Walde abgelegene Orte

aufsuchen, so hin ich einer von ihnen.‹ Als ich, Brāhmane,

merkte, diese Bescheidenheit eigne mir, nahm mein Wohlgefallen

am Waldleben zu.

»Und ich sagte mir, Brāhmane: ›Alle die lieben Asketen oder

Brāhmanen, die gebrochen und muthlos tief im Walde abgelegene

Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil sie gebrochen und

muthlos sind, schuldige Furcht und Angst; ich aber, der ich

ungebrochen, nicht muthlos tief im Walde abgelegene Orte

aufsuche, bin standhaft: habt ihr Heilige, die standhaft tief

im Walde abgelegene Orte aufsuchen, so bin ich einer von

ihnen.‹ Als ich, Brāhmane, merkte, diese Standhaftigkeit eigne

mir, nahm mein Wohlgefallen am Waldleben zu.

»Und ich sagte mir, Brāhmane: ›Alle die lieben Asketen oder 20

Brāhmanen, die mit verstörter, trüber Vernunft tief im Walde

abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil sie

verstörter, trüber Vernunft sind, schuldige Furcht und Angst;

ich aber, der ich ohne Verstörung, ohne Trübung tief im Walde

abgelegene Orte aufsuche, bin bei klarer Vernunft: habt ihr

Heilige, die bei klarer Vernunft tief im Walde abgelegene Orte

aufsuchen, so bin ich einer von ihnen.‹ Als ich, Brāhmane,

merkte, diese klare Vernunft eigne mir, nahm mein Wohlgefallen

am Waldleben zu.

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, erster Band · 第 3 / 43 段