gewöhnlicher Mensch, ohne Sinn für das Heilige, der heiligen
Lehre unkundig, der heiligen Lehre unzugänglich, ohne Sinn
für das Edle, der Lehre der Edlen unkundig, der Lehre der
Edlen unzugänglich und nimmt die Erde als Erde, und hat er die
Erde als Erde genommen, so denkt er Erde, denkt an die Erde,
denkt über die Erde, denkt ›Mein ist die Erde‹ und freut sich
der Erde: und warum? Weil er sie nicht kennt, sage ich. Er
nimmt das Wasser als Wasser, und hat er das Wasser als Wasser
genommen, so denkt er Wasser, denkt an das Wasser, denkt über
das Wasser, denkt ›Mein ist das Wasser‹ und freut sich des
Wassers: und warum? Weil er es nicht kennt, sage ich. Er nimmt
das Feuer als Feuer, und hat er das Feuer als Feuer genommen,
so denkt er Feuer, denkt an das Feuer, denkt über das Feuer,
denkt ›Mein ist das Feuer‹ und freut sich des Feuers: und
warum? Weil er es nicht kennt, sage ich. Er nimmt die Luft als
Luft, und hat er die Luft als Luft genommen, so denkt er Luft,
denkt an die Luft, denkt über die Luft, denkt ›Mein ist die
Luft‹ und freut sich der Luft: und warum? Weil er sie nicht
kennt, sage ich. Er nimmt die Natur als Natur, und hat er die 2
Natur als Natur genommen, so denkt er Natur, denkt an die
Natur, denkt über die Natur, denkt ›Mein ist die Natur‹ und
freut sich der Natur: und warum? Weil er sie nicht kennt, sage
ich. Er nimmt die Götter als Götter, und hat er die Götter
als Götter genommen, so denkt er Götter, denkt an die Götter,
denkt über die Götter, denkt ›Mein sind die Götter‹ und freut
sich der Götter: und warum? Weil er sie nicht kennt, sage ich.
Er nimmt den Herrn der Zeugung als Herrn der Zeugung, und
hat er den Herrn der Zeugung als Herrn der Zeugung genommen,
so denkt er den Herrn der Zeugung, denkt an den Herrn der
Zeugung, denkt über den Herrn der Zeugung, denkt ›Mein ist
der Herr der Zeugung‹ und freut sich des Herrn der Zeugung:
und warum? Weil er ihn nicht kennt, sage ich. Er nimmt den
Brahmā als Brahmā, und hat er den Brahmā als Brahmā genommen,
so denkt er den Brahmā, denkt an den Brahmā, denkt über den
Brahmā, denkt ›Mein ist Brahmā‹ und freut sich des Brahmā:
und warum? Weil er ihn nicht kennt, sage ich. Er nimmt die
Leuchtenden als Leuchtende, und hat er die Leuchtenden als
Leuchtende genommen, so denkt er die Leuchtenden, denkt an
die Leuchtenden, denkt über die Leuchtenden, denkt ›Mein sind
die Leuchtenden‹ und freut sich der Leuchtenden: und warum?
Weil er sie nicht kennt, sage ich. Er nimmt die Strahlenden als
Strahlende, und hat er die Strahlenden als Strahlende genommen,
so denkt er die Strahlenden, denkt an die Strahlenden, denkt
über die Strahlenden, denkt ›Mein sind die Strahlenden‹ und
freut sich der Strahlenden: und warum? Weil er sie nicht
kennt, sage ich. Er nimmt die Gewaltigen als Gewaltige,
und hat er die Gewaltigen als Gewaltige genommen, so denkt
er die Gewaltigen, denkt an die Gewaltigen, denkt über die
Gewaltigen, denkt ›Mein sind die Gewaltigen‹ und freut sich
der Gewaltigen: und warum? Weil er sie nicht kennt, sage ich.
Er nimmt den Uebermächtigen[1] als Uebermächtigen, und hat
er den Uebermächtigen als Uebermächtigen genommen, so denkt
er den Uebermächtigen, denkt an den Uebermächtigen, denkt
über den Uebermächtigen, denkt ›Mein ist der Uebermächtige‹
und freut sich des Uebermächtigen: und warum? Weil er ihn
nicht kennt, sage ich. Er nimmt die unbegränzte Raumsphäre
als unbegrenzte Raumsphäre, und hat er die unbegränzte
Raumsphäre als unbegränzte Raumsphäre genommen, so denkt er
unbegränzte Raumsphäre, denkt an die unbegränzte Raumsphäre,
denkt über die unbegränzte Raumsphäre, denkt ›Mein ist die
unbegränzte Raumsphäre‹ und freut sich der unbegränzten
Raumsphäre: und warum? Weil er sie nicht kennt, sage ich.
Er nimmt die unbegränzte Bewusstseinsphäre als unbegränzte
Bewusstseinsphäre, und hat er die unbegränzte Bewusstseinsphäre
als unbegränzte Bewusstseinsphäre genommen, so denkt er 3
unbegränzte Bewusstseinsphäre, denkt an die unbegränzte
Bewusstseinsphäre, denkt über die unbegränzte Bewusstseinsphäre,
denkt ›Mein ist die unbegränzte Bewusstseinsphäre‹ und freut
sich der unbegrenzten Bewusstseinsphäre: und warum? Weil er
sie nicht kennt, sage ich. Er nimmt die Nichtdaseinsphäre
als Nichtdaseinsphäre, und hat er die Nichtdaseinsphäre
als Nichtdaseinsphäre genommen, so denkt er die
Nichtdaseinsphäre, denkt an die Nichtdaseinsphäre, denkt über
die Nichtdaseinsphäre, denkt ›Mein ist die Nichtdaseinsphäre‹
und freut sich der Nichtdaseinsphäre: und warum? Weil er sie
nicht kennt, sage ich. Er nimmt die Gränzscheide möglicher
Wahrnehmung als Gränzscheide möglicher Wahrnehmung, und hat
er die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung als Gränzscheide
möglicher Wahrnehmung genommen, so denkt er die Gränzscheide
möglicher Wahrnehmung, denkt an die Gränzscheide möglicher
Wahrnehmung, denkt über die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung,
denkt ›Mein ist die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung‹ und
freut sich der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung: und warum?
Weil er sie nicht kennt, sage ich. Er nimmt das Gesehene als
gesehn, und hat er das Gesehene als gesehn genommen, so denkt
er Gesehenes, denkt an das Gesehene, denkt über das Gesehene,
denkt ›Mein ist das Gesehene‹ und freut sich des Gesehenen:
und warum? Weil er es nicht kennt, sage ich. Er nimmt das
Gehörte als gehört, und hat er das Gehörte als gehört genommen,
so denkt er Gehörtes, denkt an das Gehörte, denkt über das
Gehörte, denkt ›Mein ist das Gehörte‹ und freut sich des
Gehörten: und warum? Weil er es nicht kennt, sage ich. Er nimmt
das Gedachte als gedacht, und hat er das Gedachte als gedacht
genommen, so denkt er Gedachtes, denkt an das Gedachte, denkt
über das Gedachte, denkt ›Mein ist das Gedachte‹ und freut sich
des Gedachten: und warum? Weil er es nicht kennt, sage ich. Er
nimmt das Erkannte als erkannt, und hat er das Erkannte als
erkannt genommen, so denkt er Erkanntes, denkt an das Erkannte,
denkt über das Erkannte, denkt ›Mein ist das Erkannte‹ und
freut sich des Erkannten: und warum? Weil er es nicht kennt,
sage ich. Er nimmt die Einheit als Einheit, und hat er die
Einheit als Einheit genommen, so denkt er die Einheit, denkt
an die Einheit, denkt über die Einheit, denkt ›Mein ist die
Einheit‹ und freut sich der Einheit: und warum? Weil er sie
nicht kennt, sage ich. Er nimmt die Vielheit als Vielheit,
und hat er die Vielheit als Vielheit genommen, so denkt er
die Vielheit, denkt an die Vielheit, denkt über die Vielheit,
denkt ›Mein ist die Vielheit‹ und freut sich der Vielheit: und
warum? Weil er sie nicht kennt, sage ich. Er nimmt das All als
All, und hat er das All als All genommen, so denkt er das All,
denkt an das All, denkt über das All, denkt ›Mein ist das All‹ 4
und freut sich des Alls: und warum? Weil er es nicht kennt,
sage ich. Er nimmt die Wahnerlöschung als Wahnerlöschung[2],
und hat er die Wahnerlöschung als Wahnerlöschung genommen, so
denkt er die Wahnerlöschung, denkt an die Wahnerlöschung, denkt
über die Wahnerlöschung, denkt ›Mein ist die Wahnerlöschung‹
und freut sich der Wahnerlöschung: und warum? Weil er sie nicht
kennt, sage ich.
»Wer aber, Mönche, als kämpfender Mönch, mit streitendem Busen
die unvergleichliche Sicherheit zu erringen trachtet, auch
dem gilt die Erde als Erde, und hat ihm die Erde als Erde
gegolten, dann soll er nicht Erde denken, nicht an die Erde
denken, nicht über die Erde denken, nicht denken ›Mein ist
die Erde‹, sich der Erde nicht freuen: und warum nicht? Damit
er sie kennen lerne, sage ich. Wasser, Feuer, Luft, Natur und
Götter, Einheit und Vielheit, das All gilt ihm als All, und
hat ihm das All als All gegolten, dann soll er nicht das All
denken, nicht an das All denken, nicht über das All denken,
nicht denken ›Mein ist das All‹, sich des Alls nicht freuen:
und warum nicht? Damit er es kennen lerne, sage ich. Die
Wahnerlöschung gilt ihm als Wahnerlöschung, und hat ihm die
Wahnerlöschung als Wahnerlöschung gegolten, dann soll er nicht
die Wahnerlöschung denken, nicht an die Wahnerlöschung denken,
nicht über die Wahnerlöschung denken, nicht denken ›Mein ist
die Wahnerlöschung‹, sich der Wahnerlöschung nicht freuen: und
warum nicht? Damit er sie kennen lerne, sage ich.
»Wer aber, Mönche, als heiliger Mönch, als Wahnversieger,
Endiger, gewirkten Werkes, lastentledigt, sein Ziel vollbracht,
die Daseinsfesseln zerstört hat, in vollkommener Weisheit
erlöst ist, auch dem gilt die Erde als Erde, und hat ihm 5
die Erde als Erde gegolten, dann denkt er nicht Erde, denkt
nicht an die Erde, denkt nicht über die Erde, denkt nicht
›Mein ist die Erde‹ und freut sich nicht der Erde: und warum
nicht? Weil er sie kennt, sage ich. Wasser, Feuer, Luft,
Natur und Götter, Einheit und Vielheit, das All gilt ihm
als All, und hat ihm das All als All gegolten, dann denkt
er nicht das All, denkt nicht an das All, denkt nicht über
das All, denkt nicht ›Mein ist das All‹ und freut sich nicht
des Alls: und warum nicht? Weil er es kennt, sage ich. Die
Wahnerlöschung gilt ihm als Wahnerlöschung, und hat ihm die
Wahnerlöschung als Wahnerlöschung gegolten, dann denkt er
nicht die Wahnerlöschung, denkt nicht an die Wahnerlöschung,
denkt nicht über die Wahnerlöschung, denkt nicht ›Mein ist die
Wahnerlöschung‹ und freut sich nicht der Wahnerlöschung: und
warum nicht? Weil er sie kennt, sage ich.
»Wer aber, Mönche, als heiliger Mönch, als Wahnversieger,
Endiger, gewirkten Werkes, lastentledigt, sein Ziel vollbracht,
die Daseinsfesseln zerstört hat, in vollkommener Weisheit
erlöst ist, auch dem gilt die Erde als Erde, und hat ihm
die Erde als Erde gegolten, dann denkt er nicht Erde, denkt
nicht an die Erde, denkt nicht über die Erde, denkt nicht
›Mein ist die Erde‹ und freut sich nicht der Erde: und warum
nicht? Weil er gierversiegt gierlos ist. Wasser, Feuer, Luft,
Natur und Götter, Einheit und Vielheit, das All gilt ihm als
All, und hat ihm das All als All gegolten, dann denkt er
nicht das All, denkt nicht an das All, denkt nicht über das
All, denkt nicht ›Mein ist das All‹ und freut sich nicht des
Alls: und warum nicht? Weil er gierversiegt gierlos ist. Die
Wahnerlöschung gilt ihm als Wahnerlöschung, und hat ihm die
Wahnerlöschung als Wahnerlöschung gegolten, dann denkt er
nicht die Wahnerlöschung, denkt nicht an die Wahnerlöschung,
denkt nicht über die Wahnerlöschung, denkt nicht ›Mein ist die
Wahnerlöschung‹ und freut sich nicht der Wahnerlöschung: und
warum? Weil er gierversiegt gierlos ist.
»Wer aber, Mönche, als heiliger Mönch, als Wahnversieger,
Endiger, gewirkten Werkes, lastentledigt, sein Ziel vollbracht,
die Daseinsfesseln zerstört hat, in vollkommener Weisheit
erlöst ist, auch dem gilt die Erde als Erde, und hat ihm
die Erde als Erde gegolten, dann denkt er nicht Erde, denkt
nicht an die Erde, denkt nicht über die Erde, denkt nicht
›Mein ist die Erde‹ und freut sich nicht der Erde: und warum
nicht? Weil er hassversiegt hasslos ist. Wasser, Feuer, Luft,
Natur und Götter, Einheit und Vielheit, das All gilt ihm als
All, und hat ihm das All als All gegolten, dann denkt er
nicht das All, denkt nicht an das All, denkt nicht über das
All, denkt nicht ›Mein ist das All‹ und freut sich nicht des
Alls: und warum nicht? Weil er hassversiegt hasslos ist. Die
Wahnerlöschung gilt ihm als Wahnerlöschung, und hat ihm die
Wahnerlöschung als Wahnerlöschung gegolten, dann denkt er
nicht die Wahnerlöschung, denkt nicht an die Wahnerlöschung,
denkt nicht über die Wahnerlöschung, denkt nicht ›Mein ist die
Wahnerlöschung‹ und freut sich nicht der Wahnerlöschung: und
warum nicht? Weil er hassversiegt hasslos ist.
»Wer aber, Mönche, als heiliger Mönch, als Wahnversieger,
Endiger, gewirkten Werkes, lastentledigt, sein Ziel vollbracht,
die Daseinsfesseln zerstört hat, in vollkommener Weisheit
erlöst ist, auch dem gilt die Erde als Erde, und hat ihm
die Erde als Erde gegolten, dann denkt er nicht Erde, denkt
nicht an die Erde, denkt nicht über die Erde, denkt nicht
›Mein ist die Erde‹ und freut sich nicht der Erde: und warum
nicht? Weil er irreversiegt irrlos ist. Wasser, Feuer, Luft,
Natur und Götter, Einheit und Vielheit, das All gilt ihm als
All, und hat ihm das All als All gegolten, dann denkt er
nicht das All, denkt nicht an das All, denkt nicht über das
All, denkt nicht ›Mein ist das All‹ und freut sich nicht des
Alls: und warum nicht? Weil er irreversiegt irrlos ist. Die
Wahnerlöschung gilt ihm als Wahnerlöschung, und hat ihm die
Wahnerlöschung als Wahnerlöschung gegolten, dann denkt er
nicht die Wahnerlöschung, denkt nicht an die Wahnerlöschung,
denkt nicht über die Wahnerlöschung, denkt nicht ›Mein ist die
Wahnerlöschung‹ und freut sich nicht der Wahnerlöschung: und
warum nicht? Weil er irreversiegt irrlos ist.
»Und dem Vollendeten, ihr Mönche, dem Heiligen, vollkommen
Erwachten[3], gilt die Erde als Erde, und hat ihm die Erde als
Erde gegolten, dann denkt er nicht Erde, denkt nicht an die
Erde, denkt nicht über die Erde, denkt nicht ›Mein ist die 6
Erde‹ und freut sich nicht der Erde: und warum nicht? Weil der
Vollendete sie kennt, sage ich. Wasser, Feuer, Luft, Natur und
Götter, Einheit und Vielheit, das All gilt dem Vollendeten als
All, und hat ihm das All als All gegolten, dann denkt er nicht
das All, denkt nicht an das All, denkt nicht über das All,
denkt nicht ›Mein ist das All‹ und freut sich nicht des Alls:
und warum nicht? Weil der Vollendete es kennt, sage ich. Die
Wahnerlöschung gilt dem Vollendeten als Wahnerlöschung, und hat
ihm die Wahnerlöschung als Wahnerlöschung gegolten, dann denkt
er nicht die Wahnerlöschung, denkt nicht an die Wahnerlöschung,
denkt nicht über die Wahnerlöschung, denkt nicht ›Mein ist die
Wahnerlöschung‹ und freut sich nicht der Wahnerlöschung: und
warum nicht? Weil der Vollendete sie kennt, sage ich.
»Und dem Vollendeten, ihr Mönche, dem Heiligen, vollkommen
Erwachten, gilt die Erde als Erde, und hat ihm die Erde als
Erde gegolten, dann denkt er nicht Erde, denkt nicht an
die Erde, denkt nicht über die Erde, denkt nicht ›Mein ist
die Erde‹ und freut sich nicht der Erde: und warum nicht?
›Genügen ist des Leidens Wurzel‹, das hat er entdeckt,
›Werden gebiert, Gewordenes altert und stirbt.‹ Darum also,
ihr Mönche, sage ich, dass der Vollendete, allem Lebensdurst
erstorben, entwöhnt, entrodet, entgangen, entwunden, in der
unvergleichlichen vollkommenen Erwachung auferwacht ist.
Wasser, Feuer, Luft, Natur und Götter, Einheit und Vielheit,
das All gilt dem Vollendeten als All, und hat ihm das All
als All gegolten, dann denkt er nicht das All, denkt nicht
an das All, denkt nicht über das All, denkt nicht ›Mein ist
das All‹ und freut sich nicht des Alls: und warum nicht?
›Genügen ist des Leidens Wurzel‹, das hat er entdeckt,
›Werden gebiert, Gewordenes altert und stirbt.‹ Darum also,
ihr Mönche, sage ich, dass der Vollendete, allem Lebensdurst
erstorben, entwöhnt, entrodet, entgangen, entwunden, in der
unvergleichlichen vollkommenen Erwachung auferwacht ist. Die
Wahnerlöschung gilt dem Vollendeten als Wahnerlöschung, und hat
ihm die Wahnerlöschung als Wahnerlöschung gegolten, dann denkt
er nicht die Wahnerlöschung, denkt nicht an die Wahnerlöschung,
denkt nicht über die Wahnerlöschung, denkt nicht ›Mein ist
die Wahnerlöschung‹ und freut sich nicht der Wahnerlöschung:
und warum nicht? ›Genügen ist des Leidens Wurzel‹, das hat
er entdeckt, ›Werden gebiert, Gewordenes altert und stirbt.‹
Darum also, ihr Mönche, sage ich, dass der Vollendete,
allem Lebensdurst erstorben, entwöhnt, entrodet, entgangen,
entwunden, in der unvergleichlichen vollkommenen Erwachung
auferwacht ist.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche
über das Wort des Erhabenen.
2.
Erster Theil Zweite Rede
ALLES WÄHNEN
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort
nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«
-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen
aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Wie allem Wähnen gewehrt wird, Mönche, das will ich euch
weisen: höret es und achtet wohl auf meine Rede.« 7
»Ja, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen
aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Dem Kenner, ihr Mönche, dem Kundigen verheiße ich
Wahnversiegung, keinem Unbekannten, keinem Unkundigen. Was soll
aber, Mönche, gekannt, was erkundet sein zur Wahnversiegung?
Gründliche Achtsamkeit und seichte Achtsamkeit. Seichte
Achtsamkeit, ihr Mönche, zeitigt neues Wähnen und lässt das
alte erstarken, gründliche Achtsamkeit, ihr Mönche, lässt neues
Wähnen nicht aufkommen und zerstört das alte.
»Es giebt, Mönche, ein Wähnen, das wissend überwunden werden
muss. Es giebt ein Wähnen, das wehrend überwunden werden muss.
Es giebt ein Wähnen, das pflegend überwunden werden muss. Es
giebt ein Wähnen, das duldend überwunden werden muss. Es giebt
ein Wähnen, das fliehend überwunden werden muss. Es giebt ein
Wähnen, das kämpfend überwunden werden muss. Es giebt ein
Wähnen, das wirkend überwunden werden muss.
»Was ist das aber, ihr Mönche, für ein Wähnen, das wissend
überwunden werden muss? Da hat einer, ihr Mönche, nichts
erfahren, ist ein gewöhnlicher Mensch, ohne Sinn für das
Heilige, der heiligen Lehre unkundig, der heiligen Lehre
unzugänglich, ohne Sinn für das Edle, der Lehre der Edlen
unkundig, der Lehre der Edlen unzugänglich und erkennt
nicht was der Achtsamkeit werth ist und erkennt nicht was
der Achtsamkeit unwerth ist. Ohne Kenntniss der würdigen
Dinge, ohne Kenntniss der unwürdigen Dinge achtet er auf das
Unwürdige und nicht auf das Würdige. Was ist aber, Mönche, das
Unwürdige, das er würdigt? Durch dessen Würdigung, ihr Mönche,
neuer Wunscheswahn gezeitigt wird und alter erstarkt, neuer
Daseinswahn gezeitigt wird und alter erstarkt, neuer Irrwahn
gezeitigt wird und alter erstarkt, das ist das Unwürdige,
das er würdigt. Und was ist, ihr Mönche, das Würdige, das
er nicht würdigt? Durch dessen Würdigung, ihr Mönche, neuer
Wunscheswahn nicht aufkommen kann und alter zerstört wird,
neuer Daseinswahn nicht aufkommen kann und alter zerstört wird,
neuer Irrwahn nicht aufkommen kann und alter zerstört wird, das
ist das Würdige, das er nicht würdigt. Und indem er unwürdige 8
Dinge würdigt und würdige Dinge nicht würdigt erhebt sich neues
Wähnen in ihm und das alte erstarkt.
»Und seicht erwägt er also: ›Bin ich wohl in den vergangenen
Zeiten gewesen? Oder bin ich nicht gewesen? Was bin ich wohl
in den vergangenen Zeiten gewesen? Wie bin ich wohl in den
vergangenen Zeiten gewesen? Was geworden bin ich dann was
gewesen? Werd’ ich wohl in den zukünftigen Zeiten sein? Oder
werde ich nicht sein? Was werd’ ich wohl in den zukünftigen
Zeiten sein? Wie werd’ ich wohl in den zukünftigen Zeiten sein?
Was geworden werd’ ich dann was sein?‹ Und auch die Gegenwart
erfüllt ihn mit Zweifeln: ›Bin ich denn? Oder bin ich nicht?
Was bin ich? Und wie bin ich? Dieses Wesen da, woher ist das
wohl gekommen? Und wohin wird es gehn?‹
»Und bei solchen seichten Erwägungen kommt er zu dieser oder zu
jener der sechs Ansichten: die Ansicht ›Ich habe eine Seele‹
wird ihm zur festen Ueberzeugung, oder die Ansicht ›Ich habe
keine Seele‹ wird ihm zur festen Ueberzeugung, oder die Ansicht
›Beseelt ahn’ ich Beseelung‹ wird ihm zur festen Ueberzeugung,
oder die Ansicht ›Beseelt ahn’ ich Entseelung‹ wird ihm zur
festen Ueberzeugung, oder die Ansicht ›Entseelt ahn’ ich
Beseelung‹ wird ihm zur festen Ueberzeugung, oder aber er kommt
zur folgenden Ansicht: ›Mein selbiges Selbst, sag’ ich, findet
sich wieder, wenn es da und dort den Lohn guter und böser
Werke genießt, und dieses mein Selbst ist dauernd, beharrend,
ewig, unwandelbar, wird sich ewiglich also gleich bleiben.‹
Das nennt man, ihr Mönche, Gasse der Ansichten, Höhle der
Ansichten, Schlucht der Ansichten, Dorn der Ansichten, Hag der
Ansichten, Garn der Ansichten. Ins Garn der Ansichten gerathen,
ihr Mönche, wird der unerfahrene Erdensohn nicht frei vom
Geborenwerden, Altern und Sterben, von Kummer, Jammer, Schmerz,
Gram und Verzweiflung, er wird nicht frei, sag’ ich, vom Leiden.
»Doch der erfahrene heilige Jünger, ihr Mönche, merkt das
Heilige, ist der heiligen Lehre kundig, der heiligen Lehre
wohlzugänglich, merkt das Edle, ist der Lehre der Edlen
kundig, der Lehre der Edlen wohlzugänglich und erkennt was
der Achtsamkeit werth ist und erkennt was der Achtsamkeit
unwerth ist. Bekannt mit den würdigen Dingen, bekannt mit den
unwürdigen Dingen achtet er nicht des Unwürdigen sondern des 9
Würdigen. Was ist aber, Mönche, das Unwürdige, das er nicht
würdigt? Durch dessen Würdigung, ihr Mönche, neuer Wunscheswahn
gezeitigt wird und alter erstarkt, neuer Daseinswahn gezeitigt
wird und alter erstarkt, neuer Irrwahn gezeitigt wird und alter
erstarkt, das ist das Unwürdige, das er nicht würdigt. Und was
ist, ihr Mönche, das Würdige, das er würdigt? Durch dessen
Würdigung, ihr Mönche, neuer Wunscheswahn nicht aufkommen kann
und alter zerstört wird, neuer Daseinswahn nicht aufkommen kann
und alter zerstört wird, neuer Irrwahn nicht aufkommen kann
und alter zerstört wird, das ist das Würdige, das er würdigt.
Und indem er unwürdige Dinge nicht würdigt und würdige Dinge
würdigt kommt neues Wähnen nicht auf und das alte vergeht.
»›Das ist das Leiden‹ erwägt er gründlich. ›Das ist die
Leidensentwicklung‹ erwägt er gründlich. ›Das ist die
Leidensauflösung‹ erwägt er gründlich. ›Das ist der zur
Leidensauflösung führende Pfad‹ erwägt er gründlich.
»Und bei solcher gründlicher Erwägung lösen sich ihm drei
Umgarnungen auf: der Glaube an Persönlichkeit, Zweifelsucht,
sich klammern an Tugendwerk.
»Das nennt man, ihr Mönche, Wähnen, das wissend überwunden
werden muss.
»Was ist das aber, ihr Mönche, für ein Wähnen, das wehrend
überwunden werden muss? Da wahrt sich, ihr Mönche, ein Mönch
Besonnenheit als gründliche Wehr und Waffe des Gesichts. Denn
ließ’ er, ihr Mönche, sein Gesicht wehrlos gewähren, so käme
verstörendes, sehrendes Wähnen über ihn; doch das wehrlich
gewahrte Gesicht hält das verstörende, sehrende Wähnen von ihm
ab. Besonnenheit wahrt er sich als gründliche Wehr und Waffe
des Gehörs. Denn ließ’ er, ihr Mönche, sein Gehör wehrlos
gewähren, so käme verstörendes, sehrendes Wähnen über ihn; doch
das wehrlich gewahrte Gehör hält das verstörende, sehrende
Wähnen von ihm ab. Besonnenheit wahrt er sich als gründliche
Wehr und Waffe des Geruchs. Denn ließ’ er, ihr Mönche, seinen
Geruch wehrlos gewähren, so käme verstörendes, sehrendes
Wähnen über ihn; doch der wehrlich gewahrte Geruch hält das
verstörende, sehrende Wähnen von ihm ab. Besonnenheit wahrt
er sich als gründliche Wehr und Waffe des Geschmacks. Denn
ließ’ er, ihr Mönche, seinen Geschmack wehrlos gewähren, so
käme verstörendes, sehrendes Wähnen über ihn; doch der wehrlich
gewahrte Geschmack hält das verstörende, sehrende Wähnen von
ihm ab. Besonnenheit wahrt er sich als gründliche Wehr und
Waffe des Getasts. Denn ließ’ er, ihr Mönche, sein Getast
wehrlos gewähren, so käme verstörendes, sehrendes Wähnen über
ihn; doch das wehrlich gewahrte Getast hält das verstörende,
sehrende Wähnen von ihm ab. Besonnenheit wahrt er sich als
gründliche Wehr und Waffe des Gedenkens. Denn ließ’ er, ihr
Mönche, sein Gedenken wehrlos gewähren, so käme verstörendes,
sehrendes Wähnen über ihn; doch das wehrlich gewahrte Gedenken
hält das verstörende, sehrende Wähnen von ihm ab. Ließ’ er sich
also, ihr Mönche, wehrlos gehn, so käme verstörendes, sehrendes
Wähnen über ihn; doch wehrlich gewahrt hält er das verstörende, 10
sehrende Wähnen von sich ab.
»Das nennt man, ihr Mönche, Wähnen, das wehrend überwunden
werden muss.
»Was ist das aber, ihr Mönche, für ein Wähnen, das pflegend
überwunden werden muss? Da pflegt, ihr Mönche, ein Mönch
gründlich besonnen der Kutte, nur um sich vor Kälte zu
schützen, vor Hitze zu schützen, nur um sich vor Wind und
Wetter, vor Mücken und Wespen und plagenden Kriechthieren zu
schützen, nur um die Schaam und Schande bedecken zu können.
Gründlich besonnen pflegt er der Almosenspeise, nicht etwa
zur Letzung und Ergetzung, nicht zur Schmuckheit und Zier,
sondern nur um diesen Körper zu erhalten, zu fristen, um
Schaden zu verhüten, um ein heiliges Leben führen zu können:
›So werd’ ich das frühere Gefühl abtödten und ein neues Gefühl
nicht aufkommen lassen, und ich werde ein Fortkommen haben,
ohne Tadel bestehn, mich wohl befinden.‹ Gründlich besonnen
pflegt er der Lagerstatt, nur um sich vor Kälte zu schützen,
vor Hitze zu schützen, nur um sich vor Wind und Wetter, vor
Mücken und Wespen und plagenden Kriechthieren zu schützen, nur
um den Unbilden der Jahreszeit auszuweichen, um Ruhe genießen
zu können. Gründlich besonnen pflegt er der Arzeneien im Fall
einer Krankheit, nur um anfällige niederzerrende Gefühle zu
beschwichtigen, mit der Unabhängigkeit als letztem Ziel. Weil
ihn also, ihr Mönche, ohne Pflege verstörendes, sehrendes
Wähnen ergriffe, nimmt er der Pflege wahr und hält das
verstörende, sehrende Wähnen von sich ab.
»Das nennt man, ihr Mönche, Wähnen, das pflegend überwunden
werden muss.
»Was ist das aber, ihr Mönche, für ein Wähnen, das duldend
überwunden werden muss? Da erträgt, ihr Mönche, ein Mönch
gründlich besonnen Kälte und Hitze, Hunger und Durst, Wind
und Wetter, Mücken und Wespen und plagende Kriechthiere,
boshafte, böswillige Redeweisen, körperliche Schmerzgefühle,
die ihn treffen, heftige, schneidende, stechende, unangenehme,
leidige, lebensgefährliche dauert er duldend aus. Denn würde
er ungeduldig, ihr Mönche, so käme verstörendes, sehrendes
Wähnen über ihn: darum bleibt er geduldig und entgeht dem
verstörenden, sehrenden Wähnen.
»Das nennt man, ihr Mönche, Wähnen, das duldend überwunden
werden muss.