Der Name _Ekapiṭakam_ und _Dvipiṭakam_ kommt nicht vor,

Anmerkungen zur Transkription

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In diesem Text werden fortlaufend Seitenzahlen aus dem Werk eines

anderen Autors angegeben. Diese Verweise werden hier am rechten Rand

außerhalb des laufenden Textes wiedergegeben.

Kursive Passagen im Original werden von Unterstrichen umgeben

(_kursiv_), gesperrter Text dagegen von Tilden (~gesperrt~).

Hochgestellte Symbole werden durch ein vorangehendes Caret-Zeichen (^)

repräsentiert; mehrere Zeichen werden dabei in geschweiften Klammern

gruppiert. Tiefgestellte Zeichen werden in geschweifte Klammern gesetzt

und mit Hilfe eines vorangestellten Unterstriches versinnbildlicht.

Die Wortformen, die in der Vorrede und einigen Fußnoten einem

Wurzelzeichen folgen, stellen die Wortwurzel der erklärten Begriffe

dar. Diese wurden im Original kursiv gesetzt, in dieser Version werden

diese jedoch in normalem Schriftschnitt beispielhaft folgendermaßen

wiedergegeben: √(sru).

Der vorliegende Text wurde anhand der 1921 erschienenen Buchausgabe

erstellt; Interpunktionsfehler wurden dabei stillschweigend korrigiert.

Die Rechtschreibung des Originals wurde beibehalten, sofern es sich

nicht um offensichtliche Fehler handelt; Änderungen, die sich aus den

Corrigenda ergeben, wurden bereits in den Text eingearbeitet.

Die folgenden Stellen wurden korrigiert:

S. 305: Fußnote [10] → Fußnote [19]

S. 502: ‚Saft,‘ eingefügt in: ‚mit dem Geschmacke einen Saft,‘

S. 649: ‚Umrissen‘ → ‚Unwissen‘

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DIE REDEN

GOTAMO BUDDHOS

AUS DER MITTLEREN

SAMMLUNG MAJJHIMANIKĀYO

DES PĀLI-KANONS

ZUM ERSTEN MAL ÜBERSETZT

VON

KARL EUGEN NEUMANN

ZWEITE AUFLAGE

ERSTER BAND

ERSTES HALBHUNDERT

MÜNCHEN 1921 * R. PIPER & CO.

ALLE RECHTE VORBEHALTEN

COPYRIGHT 1921

BY R. PIPER & CO. / G. M. B. H. / MÜNCHEN

INHALT

Seite

VORWORT des Herausgebers IX

VORREDE XIX

DIE MITTLERE SAMMLUNG DER REDEN GOTAMO BUDDHOS

ERSTER BAND

ERSTES HALBHUNDERT

ERSTER THEIL

BUCH DER URART

1. Rede: Urart 3

2. „ Alles Wähnen 13

3. „ Erben der Lehre 22

4. „ Furcht und Angst 29

5. „ Unschuld 42

6. „ Wunsch um Wünsche 54

7. „ Das Gleichniss vom Kleide 61

8. „ Ledigung 69

9. „ Die rechte Erkenntniss 79

10. „ Die Pfeiler der Einsicht 98

ZWEITER THEIL

BUCH DES LÖWENRUFS

11. Rede: Der Löwenruf 117

12. „ Das Haarsträuben 124

13. „ Die Leidensverkettung (I) 153

14. „ Die Leidensverkettung (II) 166

15. „ Das Maaß 176

16. „ Die Herzbeklemmungen 192

17. „ Waldeinsamkeit 201

18. „ Der gute Bissen 208

19. „ Zweierlei Erwägungen 221

20. „ Der Erwägungen Eingehn 230

DRITTER THEIL

BUCH DER GLEICHNISSE

21. Rede: Das Gleichniss von der Säge 239

22. „ Das Schlangengleichniss 253

23. „ Der Ameisenhügel 276

24. „ Die Eilpost 282

25. „ Das Futter 293

26. „ Das heilige Ziel 303

27. „ Die Elephantenspur (I) 328

28. „ Die Elephantenspur (II) 346

29. „ Das Gleichniss vom Kernholz (I) 358

30. „ Das Gleichniss vom Kernholz (II) 371

VIERTER THEIL

ERSTES BUCH DER PAARE

31. Rede: Im Gosiṉgam-Walde (I) 387

32. „ Im Gosiṉgam-Walde (II) 398

33. „ Der Rinderhirt (I) 411

34. „ Der Rinderhirt (II) 419

35. „ Saccako (I) 423

36. „ Saccako (II) 440

37. „ Versiegung des Durstes (I) 467

38. „ Versiegung des Durstes (II) 475

39. „ Vor Assapuram (I) 503

40. „ Vor Assapuram (II) 520

FÜNFTER THEIL

ZWEITES BUCH DER PAARE

41. Rede: Die Brāhmanen von Sālā 531

42. „ Die Brāhmanen von Verañjam 540

43. „ Die Erklärungen (I) 540

44. „ Die Erklärungen (II) 553

45. „ Die Lebensführung (I) 563

46. „ Die Lebensführung (II) 570

47. „ Der Forscher 581

48. „ Vor Kosambī 586

49. „ Brahmās Heimsuchung 594

50. „ Māros Verweisung 605

ANMERKUNGEN 617

NACHWEISE. Vom Herausgeber 635

REGISTER 653

ZUR AUSSPRACHE:

Die Betonung hält sich, der lateinischen ähnlich, möglichst

am Anfang. Verbundene Worte haben, wie im Deutschen, zwei

Hebungen. Es heißt also: Gótamo, Pasénadi, Sā́vatthī́ ,

Aggivéssano, Kápilavátthu u. s. w.

ā, ī, ū sind lang auszusprechen, ebenso e, o, ausgenommen

vor Doppelkonsonanz, c=tsch, j=dsch, y=j, v=w, s ist stets

scharf, h in Verbindung mit Konsonant oder Doppelkonsonant

stets hörbar zu sprechen. Punktierte Lettern sind lingual.

Es werden durchweg die unverkürzten Nominative gegeben. Eḷu, d.

i. weder Saṃskṛt noch Pāli, sind die Endungen -a, -e, -ya.

* * * * *

Die Zahlen am Rande geben die Seiten des Trencknerschen Textes

an.

VORWORT DES HERAUSGEBERS

Als Karl Eugen Neumann im Jahre 1915 starb, war sein Lebenswerk

so gut wie unbekannt, die Mehrzahl der Gebildeten hatte noch

kaum vom Vorhandensein authentischer Reden des Buddho gehört,

und noch gar nicht den Namen ihres ersten Uebermittlers.

Seither ist es anders geworden, heute wissen die Besten, was

der Pāli-Kanon bedeutet, und dass sie ihn in einer Uebertragung

besitzen, um die das deutsche Volk von den andern Nationen

beneidet wird. Und heute ist es möglich geworden, die Mittlere

Sammlung der Reden Gotamo Buddhos, die Karl Eugen Neumann

bereits 1895-1901 übersetzte, zum zweiten Mal erscheinen zu

lassen.

Die vorliegende Ausgabe bringt den unverkürzten Wortlaut der

ersten, weist aber manche Veränderungen auf, die ausnahmslos

von Karl Eugen Neumann selbst herrühren. Der Pāli-Kanon

enthält, in allen seinen Teilen wiederkehrende, gleichlautende

Stellen, Wortfolgen und Begriffe; im Laufe der Jahre hatte nun

Karl Eugen Neumann, unablässig nach höchster Treue strebend,

einige dieser identischen Stellen noch näher zu verdeutschen

vermocht, ohne dass ihm jedoch eine zweite Ausgabe der

Mittleren Sammlung Gelegenheit gegeben hätte, für derartige

Wortfolgen die spätere Fassung einzusetzen. Daraus ergab sich

die Notwendigkeit, einen Text letzter Hand herzustellen.

Hierbei musste mit großer Umsicht vorgegangen werden, nach

sorgsamster Erwägung, denn die Pāli-Texte sind rhythmische

Kunstwerke, worin jeder Silbe ein bestimmter Lautwert zufällt.

Das spricht durchaus nicht gegen die Authentizität der Reden,

ganz im Gegenteil: wenn ein Wesen moralisch und geistig die

höchste Höhe erreicht, dann wird ihm auch sprachlich alles

zu Rhythmus und Melodie; aus der inneren Ruhe und Reinheit,

der tiefen Harmonie, die im Heiligen waltet, entsteht wie

von selbst das Kunstwerk seiner Rede. So hat einmal ein

Erwachter gesprochen, und wir finden vorher und nachher

kein Beispiel dafür. Wohl aber ist der Rahmen mancher Reden

später nachgeschaffenes Kunstwerk, und noch in Gotamos Geiste

stilisiert. Die Aufgabe bei der Textherstellung war darum,

die späteren Fassungen einzusetzen, ohne den Rhythmus zu

zerstören, also nur jene Stellen aus den später übertragenen

Bänden herüberzunehmen, wo der Rhythmus der umgebenden Worte

es ohne irgendwelche selbständigen Zusätze oder Weglassungen

erlaubte. Wo immer ein bloßes Einfügen der späteren Form

ohne Gefährdung des Rhythmus möglich erschien, ist diese

jetzt an die Stelle der früheren getreten, während in wenigen

Fällen, wo das Gleichmaß der benachbarten Stellen durch

ein solches Verfahren zerstört worden wäre, davon Abstand

genommen wurde. Die rhythmischen Gesetze der Pāli-Texte sind

unglaublich fein und manigfaltig, und Karl Eugen Neumann hat

selbst gelegentlich auf eine frühere, darum oft nicht weniger

richtigere Version seiner Uebertragung zurückgegriffen, weil

sie gerade in diese Umgebung sich besser einfügen wollte. In

solchen einzelnen Fällen würde nur helfen, auch die umgebenden

Worte entsprechend anzupassen, zu verändern, wie es Karl

Eugen Neumann, wenn es not war, tat; das aber steht keinem

Herausgeber zu, und nur aus diesem Grunde, nicht weil sie

übersehen wurden, sind auch einige, in späteren Werken Karl

Eugen Neumanns anders wiedergegebene identische Stellen hier

unverändert belassen worden. Als ein leichtes Beispiel für

viele sehr schwierige sei nur erwähnt, dass Karl Eugen Neumann

im ersten Band der Mittleren Sammlung das Wort _brāhmaṇo_ mit

»Brāhmane« übersetzt hatte, während es im zweiten und dritten

Band auch mit »Priester« verdeutscht ist; in der Längeren

Sammlung kommt dann nur mehr die Wiedergabe »Priester« vor.

Es ist nun klar, dass es nicht immer möglich sein kann, ein

zweisilbiges Wort an die Stelle eines dreisilbigen zu setzen,

ohne irgendwelche ausgleichende Veränderung, darum ist auch

die erste Form »Brāhmane« hie und da geblieben. Weil die

jüngere Fassung mancher solcher gleichlautend wiederkehrenden

Stellen in den jeweils später erschienenen Bänden gedruckt

vorlag, brauchte sie nicht immer auch von Karl Eugen Neumann in

seine Handexemplare der früheren Werke eingetragen zu werden,

daher kommt es, dass diese nur wenige Korrekturen enthalten,

nämlich nur die nirgend anderwärts schon gedruckten. Diese

sind hier in den Nachweisen am Schlusse jedes Bandes, woselbst

der Ursprungsort aller geänderten Stellen verzeichnet ist,

aufzufinden. Die meisten Aenderungen waren naturgemäß im ersten

Band durchzuführen, im zweiten sind es bereits wenigere und

nur mehr einige im dritten Band, als im zuletzt übertragenen.

Hier waren nur mehr die Bruchstücke und die Längere Sammlung

zum Vergleich heranzuziehn, während bei der Textredaktion des

ersten Bandes auch der zweite und dritte berücksichtigt werden

musste. Die überwiegende Zahl der späteren Fassungen ist nicht

durch die Nötigung Irrtümer zu berichtigen, sondern zumeist aus

dem Streben nach letzter Vervollkommnung zustandegekommen.

Hat also Karl Eugen Neumann später manche Stelle des 1896

erschienenen ersten Bandes noch zutreffender übertragen, so

war dessenungeachtet dieser erste Band schon ein erstaunliches

Meisterwerk: was in der »Buddhistischen Anthologie« (1892)

kaum noch im ersten Ansatz wahrzunehmen war, die Identität

seines Tones, seiner Sprache mit derjenigen Gotamos, das tritt

hier zum ersten Mal vollkommen zutage. Es ist ein Irrtum zu

vermeinen, man könne, was ein Großer gesprochen habe, auch mit

anders gesetzten Worten unbeeinträchtigt wiederholen, anders

gesetzt ist die Wirkung eben eine andre, oder wird überhaupt

ausbleiben, weil im persönlichen Rhythmus des Redners letzter

Wirkungsgrund liegt. Unrhythmische Worte sind jedoch machtlos,

wenn auch ihr Inhalt bedeutend wäre, welcher Fall aber in der

Erfahrung gar nicht angetroffen wird, während Rhythmus allein

schon das Bändigende an sich ist, das Ordnende und Ermunternde.

Und nun gar die Worte des höchsten der Menschen, von denen

eine Heilkraft sondergleichen ausgeht, die ruhegeboren sind

und schlackenrein: nicht nur ihr Inhalt, auch ihre Form,

die Art ihrer Setzung wirkt in stärkster Weise ermunternd,

umbildend, Wunder schaffend, unmöglich Scheinendes möglich

machend. Und dass die Buddhoworte in der Verdeutschung Karl

Eugen Neumanns dieses zauberhaft Belebende, Beschwichtigende,

Stärkende und Beruhigende unvermindert behalten haben, hierin

liegt das Wunder seiner Uebertragung, die aus verborgenen,

fast geheimnisvollen Quellen fließend, noch weit über alles

Sprachkunstwerk hinausgeht. Gleichzeitig aber war Karl Eugen

Neumann ein philologisches Genie, mit dem allerseltensten

Scharfsinn begabt, bei einem ungeheueren Wissen unermüdlich

in seinem Forschungseifer, stets bis zur letzten Bedeutung

und Beziehung der Worte vordringend. Nicht geringer als sein

Verdienst um die buddhistische Lehre ist sein Verdienst um

die deutsche Sprache, der er ein neues Element, eben das

indische, genauer das gotamidische, zugeführt hat; durch seine

Verschmelzung des edelsten indischen Sprachgutes mit dem

Deutschen hat er diesem neue ungeahnte Schönheiten abgewonnen,

wie auch Luther es sich zum Verdienst anrechnete, die

lateinischen Klänge der Vulgata ins Deutsche herübergebracht zu

haben. Dabei ist die Uebertragung Karl Eugen Neumanns voll von

»ebenso einfachen als genialen Kühnheiten, die nur dem Künstler

gelingen«, wie er selbst es von Richard Wagners Uebersetzung

des Wortes _Vanaheim_ durch ‚Wahnheim‘ rühmt.

Nur ein mit solchen Eigenschaften Ausgezeichneter durfte in

hingebungsvollster Treue daran gehen, die Reden des Buddho

in andrer Sprache zu wiederholen, und nur ein Solcher konnte

eine Uebertragung schaffen, die den Geist und den Buchstaben

der Lehre Gotamos gleich vollkommen wiedergiebt. Ohne Vorbild,

ohne einen Vorgänger, hat er den ersten Schritt auf dem noch

unbetretenen Weg getan und ist ihn bis ans Ende gegangen.

Seinem großen Werk der Uebertragung schließt sich sein Werk

der Anmerkungen und Erläuterungen an, welches in dem noch

ungedruckten Nachlassband gipfelt, einem gewaltigen Werke,

reich an Beziehungen gerade zur Mittleren Sammlung, deren

immerwiederkehrende Begriffe wie _phasso_, _āsavo_, _saṉkhāro_,

_sakkāyo_, _suññatā_ usw. dort eingehend erörtert werden. Die

Anmerkungen zur Mittleren Sammlung sind in der gegenwärtigen

Ausgabe an den Schluss jedes Bandes versetzt, gemäß dem

späteren Wunsche Karl Eugen Neumanns. Er hatte ursprünglich

überhaupt keinerlei Anmerkungen beibringen wollen, um nur

den Text für sich allein wirken zu lassen, darum findet

man so wenige im ersten Band; im zweiten sind es, wenn auch

noch überwiegend philologische, bereits mehr, und erst im

dritten Band hebt sein eigentliches Anmerkungswerk an, das

dann in ununterbrochener, immer gesteigerter Fülle bis zu

dem erwähnten Nachlassband führt. Auf diesem steilen Weg hat

Karl Eugen Neumann noch die herrlichen Lieder der Mönche und

Nonnen, die unsagbar schönen und tiefen, mit der Mittleren

Sammlung unzertrennlich verbundenen Bruchstücke der Reden

nacherschaffen, hat auch noch den Italienern den ersten

Band der Mittleren Sammlung geschenkt, und nachdem die drei

Bände der Längeren Sammlung, während welcher Arbeit seine

Meisterschaft ins Unbegreifliche wuchs, vollendet waren, die

leuchtenden Augen für immer geschlossen.

Wenn ein Genius vom Range Karl Eugen Neumanns erscheint,

neue Bahnen erschließt, ein unsterbliches Werk vollendet, so

vollzieht sich immer wieder dasselbe beschämende Schauspiel:

die von ihm wissen, hüten sich von ihm zu reden, die

Aufmerksamkeit auf ihn zu lenken. Oder sein Werk wird, als ob

es wäre wie andere mehr, so nebenher erwähnt. In diesem Falle

darf vielleicht manchem Beteiligten zugebilligt werden, dass

er ehrlicherweise selbst nicht begriffen hat was eigentlich

am Werke Karl Eugen Neumanns das schlechthin Einmalige sei,

da es scheint, dass für gewöhnlich sich wenig Dinge schwerer

vereinen lassen, als Kunst und indologische Wortforschung. Es

sind auch die gleichen Männer, welche in den Wiederholungen der

Reden nur lästige und langweilende Ausdehnungen erblicken, auch

gelegentlich darüber spötteln, während diese Wiederholungen,

außer ihrer Bedeutung, das Gesagte zutiefst zu befestigen,

in Wahrheit ein höchstes Kunstprinzip darstellen. Das

haben große Geister wohl erkannt; so hat Napoleon von der

Wiederholung ausgesagt, dass sie ihn die einzige ernsthafte

Redefigur dünke, und in Rodins Testament steht der schöne

Satz zu lesen: »Ich liebe das menschliche Bestreben, das

sich durch regelmäßige Wiederholung unablässig steigert.

Diese wiederholte Bewegung ist eine Schlachtordnung. Die

Säulen der Kathedrale verzehnfachen ihre Grazie, indem sie

einander folgen und sich vereinigen.« Das gilt auch von den

Reden Gotamo Buddhos, die wie Säulentempel gebaut, oder wie

Fugen gesetzt sind. Fugenartig sind ihre Wiederholungen, und

dürfen vom Leser nicht übergangen werden, wenn anders er zum

Verständnis und zum Genusse des Ganzen kommen will. Werden sie

aber Wort für Wort mitgelesen, so erschließt sich ihr Sinn,

sie können sich festsetzen, Wurzel schlagen und das Handeln

beeinflussen. Und einzig darauf kommt es an. Nur haben Worte

eine geringere Macht als ihnen im allgemeinen zugestanden

wird, sie erzeugen nur Hirnwissen, nicht Herzwissen; um

bewegen, lenken zu können, müssen ihnen absonderliche Kräfte

innewohnen, und da giebt es in der Welt keinen so unmittelbar

ergreifenden und beschwichtigenden Klang als den der ~Worte~

Gotamos: auch das kennzeichnet ihn und erhebt ihn neben vielem

anderen noch über die höchsten Weisen, dass seine ~Worte~

bleibendere Spuren hinterlassen, weil schon ihr Rhythmus

bezwingender ist. Und nun gar in ihren unaufhörlichen und

großartig rauschenden Wiederholungen, die den ganzen Menschen

durchdringen, und ihn in den Zustand versetzen, aus dem heraus

er das früher Unmögliche vollbringt. Wer diese Wirkung der

~Worte Gotamos~ kennen gelernt hat, deren Inhalt so erhellend,

deren Form so bezwingend ist, der wird verstehen, warum einst

Robert L’Orange, der am stärksten Ergriffene, zu Karl Eugen

Neumann sagen mochte: _Na hi kañci sotabbaṃ maññāmi aññatra

Tathāgatena_: »Nicht irgendwen halte ich für hörenswert außer

dem Vollendeten.«

Denn nicht nur ein Weiser, ein Prophet oder Religionsstifter

spricht in den Reden zu den Menschen: ein wahnloses Wesen,

das sich als den besten Künstler, besten Arzt zu erkennen

giebt, hat einen Heilplan entworfen, um das in die Schiefe

geratene Geschlecht auf den rechten Weg zu bringen, ihm die

Augen zu öffnen, »der Welt«, wie es heißt, »den Schleier

hinwegzunehmen«. Nicht als ein fanatischer Bußprediger,

nein, ohne zuzureden, ohne abzureden legt er die Lehre,

deren Anfang, Mitte und Ende begütigt, dar, und nicht nur

Mönchen, allen Menschen verkündet er sie. Weisen und Toren,

Guten und Schlechten, und es ist wundersam wahrzunehmen wie

noch im Gespräch mit dem Verworfensten der Göttliche lächelt

und mit Freuden ein menschliches Herz erblickt. Dieses kaum

noch merkbare Lächeln, das die indischen Bildner später so

herrlich dargestellt haben, tritt deutlicher in der 81. Rede

und 83. Rede hervor, es erstreckt sich aber eigentlich über

alle, als die sicherste Gewähr der Erwachung; so wahr Zorn,

Hass und Leidenschaft der Traumwelt angehören, der tiefen

Verstrickung; Humor aber, im höchsten Sinn verstanden, das

nicht mehr Einbegriffensein verbürgt. Auch damit zeigt sich

klar wie falsch es war den Buddhismus als eine pessimistische

Weltansicht zu bezeichnen; nicht nur die 74. Rede, die Beides:

»Alles gefällt mir«, also den Optimismus, und »Nichts gefällt

mir«, also den Pessimismus, umgeht, beweist das, sondern

vor allem dieses unendlich feine, heitere Begreifen, das

eben unvereinbar ist mit Pessimismus, und hoch über seinen

Niederungen schwebt. Es ist das Wissen um die vier heiligen

Wahrheiten, das zur Durchschauung und Erwachung führt. Zur

Erwachung aber verkündet der Buddho die Lehre, und als die

erstaunlichste, außerordentlichste Eigenschaft des Vollendeten

bezeichnet er es, wieder in übermenschlicher Heiterkeit, in

der 123. Rede, dass ihm Gefühle bewusst aufsteigen, dass sie

bewusst anhalten, bewusst untergehn, und ebenso Wahrnehmungen,

und ebenso Gedanken. Das klingt einfach, wie das meiste was der

Meister zu sagen hat, darum heißt es ja auch von seiner Lehre,

dass sie klar sichtbar ist, zeitlos, anregend, einladend,

jedem Verständigen von selbst verständlich. Wer aber meint sie

ohneweiters, ohne den rechten Ernst und die rechte Mühe, in

ihrer Tiefe begriffen zu haben, dem wird oft und oft gesagt:

»Schwer wirst du das verstehn, ohne Deutung, ohne Geduld, ohne

Hingabe, ohne Anstrengung, ohne Lenkung«. Nur diejenigen,

welche »seit langer Zeit von gemeineren Dingen abgewandt« sind,

haben die Kraft geduldig in die Sätze Einsicht zu nehmen. Der

Allesleser wird in den seltensten Fällen die Kraft besitzen mit

dem ruhigen Gange der Reden Schritt zu halten, ihr ungewohntes

Zeitmass zu ertragen: sie langsam, und doch ohne Pathos zu

lesen setzt einen Zustand innerer Bereitschaft voraus und will

nur den Geduldigen gelingen. Doch ist die Lehre nach langer

Verborgenheit jetzt glücklich dem Dunkel entrissen, und so

sei denn vorerst die Mittlere Sammlung, in neuer Gestalt, in

einer Vielen zugänglichen Ausgabe, mit den Gefühlen tiefster

Dankbarkeit für Karl Eugen Neumann, den Lesern übergeben.

~Wien~, im Frühling 1921.

E. R.

VORREDE

DER KANON

Die Mittlere Sammlung, _Majjhimanikāyo_, der uns überlieferten

Lehrdarstellungen Gotamo Buddhos besteht aus 152 Reden.

Diese Reden halten zwischen den 34 längeren Darlegungen des

_Dīghanikāyo_ und den zahlreichen kürzeren Mittheilungen, oft

nur einzelnen Aussprüchen des _Khuddakanikāyo_ in Hinsicht

auf die Dauer des Vortrags gleichsam die Mitte. Nur dieses

äußere Merkmal hat die Namen bestimmt. _Aṉguttaranikāyo_ und

_Saṃyuttakanikāyo_, mehr oder weniger vom selben Gesichtspunkte

aus geordnet, schließen sich als vierte und fünfte Sammlung an.

Das Ganze dieser fünf großen Tage- und Lehrbücher wird unter

dem Begriffe _Suttapiṭakam_, Kanon der Reden, zusammengefasst,

als Gegenstück zum Kanon der Zucht, dem _Vinayapiṭakam_.

Das sind die beiden Hauptstücke des Vermächtnisses. In der

Folge hat man diesem _Dvipiṭakam_, dem Zweifachen Kanon, das

_Abhidhammapiṭakam_ angefügt, den Kanon der Scholastik, und

also das _Tipiṭakam_ geschaffen, den Dreifachen Kanon, die

buddhistischen Biblia Sacra. Wahrscheinlich aber war bis

zum Tode Gotamo Buddhos, um 480 v. Chr., nur ~eine~ Satzung

bekannt, eben der Kanon der Reden, das _Suttapiṭakam_ als

_Ekapiṭakam_, woraus dann allmälig das _Vinayapiṭakam_,

später das _Abhidhammapiṭakam_ theils ausgeschieden, theils

weitergebildet wurde.

Der Name _Ekapiṭakam_ und _Dvipiṭakam_ kommt nicht vor,

_Tipiṭakam_ erst in scholastischer Zeit. Wohl wird das Simplex

_piṭakam_ von alters her gelegentlich gebraucht, doch nur in

seiner eigentlichen Bedeutung, als Korb: so z. B. in unserer

21. Rede, wo gesagt wird, den Weisen erschüttern wollen

sei geradeso wie wenn man, »mit Spaten und Korb versehn«,

daranginge den Erdball abzugraben. Zweifelhaft freilich scheint

mir, im Gegensatz zu Trenckner, ob nicht in Aeußerungen wie

_piṭakasampadānena_ (_AN_ vol. I. p. 189, vol. II. p. 191,

vergl. Trenckner, Pāli Miscellany, London 1879, p. 67 ff.)

schon eine deutliche Anspielung auf den übertragenen Begriff,

auf schriftlich gepflegte brāhmanische Ueberlieferung vorliegt;

wie vielleicht auch in der bitteren Klage des brāhmanischen

Büßers Māgandiyo, _MN_ vol. I. p. 502 f.: _Bhūnahu samaṇo

Gotamo ti me bhāsitaṃ: taṃ kissa hetu? Evam hi no sutte

ocarati_: »Ein Kernhauer ist der Asket Gotamo, sag’ ich: und

warum sag’ ich das? Weil er als solcher gegen unsere Satzungen

vorgeht.« Die erste Erwähnung von _piṭakam_ als Gesammtbegriff

der Lehre geschieht, meines Wissens, im 3. Jahrhundert nach

Gotamo Buddho, ungefähr 200 Jahre nach Fixierung seiner Reden,

auf einer asokischen Topenstele zu Barāhat (s. Bühler, Indian

Studies No. III, Wien 1895, p. 17 und 87). Da finden wir

nämlich auf einem der gestifteten steinernen Gitterbalken als

Geber den Ehrwürdigen Jāto, der sich _peṭaki_ nennt, »Kenner

des _Piṭakam_«. Gleichzeitige Inschriften auf dem Sāñci-Hügel

führen aber, wie Barāhat _sutantiko_, _sutātiko_, »Kenner

der Reden« (cf. _Vinayapit._ vol. I. p. 169 etc.), und, mit

Barāhat, _pacanekāyiko_, »Kenner der fünf Sammlungen«, an.

_Pacanekāyiko_, _sutātiko_ ~ _sutantiko_ und _peṭaki_ sind

jedoch homologe Bezeichnungen desselben Begriffes, der

in Sāñci noch einmal, alle drei zusammenfassend, als ächt

kanonischer _dhamakaṭhīko_, »Sprecher der Lehre« (_MN_ I. 218,

_SN_ II. 18, 114, 156, _AN_ I. 23, passim), auftritt. Was

also damals, wenn wir diesen steinernen Zeugen trauen dürfen,

noch immer eigentlich als Wort der Lehre gegolten hat, liegt

vor Augen: es war der Kanon der Reden, das _Suttapiṭakam_,

und da man ein anderes Piṭakam nicht kannte, reichte das

Synonym _peṭaki_ vollkommen aus für _sutantiko_, _sutātiko_

und _pacanekāyiko_, während der Brāhmane sich nach wie vor des

Titels _traividyas_, _cāturvaidyakas_ bedienen musste, um den

Kenner der drei, den Kenner der vier Veden zu bezeichnen, ja,

dementsprechend, auch bei uns der _pacanekāyiko_ keineswegs zu

einem pentakryphen _nekāyiko_ wurde. Litterarisch beglaubigt

zeigt sich _Piṭakattayam_ erst im _Milindapañho_, p. 348

(cf. p. 1 u. 18), welcher Stelle vor der quasi historischen

Autorität des _Dīpavaṃso_, p. 103, und _Mahāvaṃso_, p. 19, 207,

251/2, 256, der Vorrang gebührt. Kaccāyanos, des Grammatikers,

»Einführung in das Studium des _Piṭakam_« _Peṭakopadesagantho_

(s. Minayeffs Ausgabe des _Ganthavaṃso_ in den Recherches sur

le Bouddhisme, Paris 1894, p. 239 u. 244) beschäftigt sich

offenbar nur mit dem _Suttapiṭakam_[*], was selbstverständlich

nicht ausschließt, dass der Verfasser alle drei _Piṭakas_

genügend gekannt habe. So spricht z. B. Asoko auf einer jüngst

entdeckten nepalischen Felseninschrift von seiner Verehrung des

Buddho Koṇāgamano: aber schwerlich dürfte es jemandem einfallen

den gangbaren volksthümlichen Buddhismus jener Zeit, der sich

zumal in Barāhat schon völlig entwickelt darstellt, mit der

aristokratisch gesicherten Lehre eines _peṭaki_ desshalb gleich

identifizieren zu wollen. Dass man das _Suttapiṭakam_ wirklich

bis spät in das vierte Jahrhundert n. Chr. als den Kanon

schlechthin angesehn hat, sagt uns sogar der _Mahāvaṃso_, p.

247, deutlich genug. Unter der Regierung Buddhadāsos, heißt es

da, habe ein hochgelehrter _dhammakathī_ (vergl. oben Sāñci)

die Texte in die Landessprache übertragen: was für Texte? Eben

die _Suttas_.

Tass’ eva rañño rajjamhi

Mahādhammakathīyati

Suttāni parivaṭṭesi

Sīhalāya niruttiyā.

Eine nachdrücklichere Bekräftigung des Tenors der Inschriften,

wenn eine solche überhaupt vonnöthen wäre, könnte man sich

kaum wünschen. Wie so oft in Indien zeigt sich auch hier eine

vorerst bedenkliche Tradition durch unbezweifelbare Urkunden in

ihrem ererbten Rechte bestätigt. Das Wort des Mönchs und der

Meißel des Königs ergänzen einander.

Der innere Werth des _Vinayapiṭakam_ wird durch unser Ergebniss

nicht geschmälert, vielmehr lässt sich jetzt deutlich

absehn, warum der Kanon der Zucht neben unverkennbar Aechtem

allerhand sagenhaftes Beiwerk aufweist: das Aechte, zwar

oft fragmentarisch und interpoliert wiedergegeben, ist aus

dem Urkanon geschöpft, aus dem _Suttapiṭakam_, die hundert

Geschichten und Legenden haben sich, nebst einer erdrückenden

abgeschmackten Kasuistik, nach und nach mit eingestellt. Dies

geschah, wie oben gesagt, verhältnissmäßig früh und mochte so

lange geschehn, bis auch diese Sammlung, in nachasokischer

Zeit, zum selbständigen Kanon erhoben wurde. Noch unter Asoko

war das Ordensrecht nur eine Art Auszug[**] aus dem einen

anerkannten _Piṭakam_. Auf dem vielgenannten zweiten Bairāter

Felsenedikt spricht der König den Wunsch aus, man möge vor

allem die _vinayasamukase_ der _dhaṃmapaliyāyāni_ beobachten,

»die Zuchtverordnungen der Lehrreden«, womit eben diejenigen

Theile der Satzung gemeint sind, die auf die Disziplin Bezug

haben. Hiermit stimmt es völlig überein, dass sich unter den

hunderten von Inschriften bisher noch kein einziger »Kenner

des _Vinayapiṭakam_« gefunden hat, weil ein solcher im

Begriffe eines »Kenners des _Suttapiṭakam_« implicite lag.

Schon Oldenberg hat (_Vinayapiṭakam_, vol. I., London 1879, p.

XIV) im Bairāter Wunsche die Unterordnung des _vinayo_ unter

den _dhammo_ scharfsinnig erkannt, eine Unterordnung, deren

Allgemeinheit seit Bühlers umfassenden Forschungen mehr und

mehr durchblickt.

Allerdings sind uns bisher erst wenige Urkunden indischer

Geschichte zugänglich geworden und gar manches ruht noch unter

der Erde. Für die Kenntniss des authentischen Buddhismus trifft

es sich recht glücklich, dass wir auf Grund der Denkmäler

Asokos und seiner Nachfolger schon heute die Entwickelung des

Kanons mit annähernder Genauigkeit verfolgen können. Künftige

Ausgrabungen lassen vielleicht vorasokische Bestätigungen

unserer Urtheile und Schlüsse erwarten.

Die Stellung der Mittleren Sammlung im Kanon der Reden ist

eingangs angegeben worden. Engere Beziehungen zu ihren vier

Stammverwandten zeigen sich in bestimmter Weise. Zunächst sei

hervorgehoben, dass die fünf Sammlungen im Allgemeinen wie

im Besonderen durchaus harmonieren und Widersprüche ernster

Natur schlechterdings unauffindbar scheinen. Inhalt und

Form sind überall gleichgeartet, wenn auch nicht überall

gleichwertig. So tritt das Element des Wunderbaren in unserer

Sammlung fast ganz zurück: aber in diesem oder in jenem

Abschnitte des _Khuddakanikāyo_ (auch in den anapokryphen)

und _Saṃyuttakanikāyo_ macht es sich, obzwar spärlich,

bemerkbar. So wird in vielen Reden unserer Sammlung der

Hauptgedanke ebenso unnachsichtlich entwickelt und zu Ende

gedacht wie es häufig im _Dīghanikāyo_ der Fall ist: aber bei

den zahlreichen, unterschiedlichen Paragraphen, welche diese

Sammlung einschaltet, kommen die scharfen logischen Umrisse

der Darstellung nicht immer ebenso leicht zur Geltung. So

begegnen wir derselben Anordnung des Stoffes, wie sie der

_Aṉguttaranikāyo_ liebt, aber keine auserlesene Reihenfolge,

wechselnde Schilderung wird geboten.

Diese gröberen Züge mögen zur Kennzeichnung genügen.

Aufmerksame, wiederholte Durchnahme des Textes diene als beste

Ausführung.

DIE KOMMENTARE

Wie bei den Schriften der Alten ist bei denen der Inder das

Verständniss der ursprünglichen, naiven Gedanken der Meister

früh verloren gegangen, und die große Masse der Gelehrten hat

das Bedürfniss gefühlt Erklärungen zu geben. Wenn wir der

einheimischen Tradition in irgend einem Punkte Glauben schenken

dürfen, so gewiss in diesem, dass die Interpretation des

_Suttapiṭakam_, das ist die halb gelehrte, halb volksthümliche

Zergliederung der Längeren, Mittleren, Kürzeren, Angereihten

und Zusammengestellten Sammlung, bald nach dem Tode Gotamo

Buddhos begonnen und seither stetig die Rezitation des Kanons

begleitet hat. Diese Schulweisheit hat nun ohne Zweifel ihren

Gutes, ja in einem Betracht ist sie nicht hoch genug zu

preisen: ihr allein verdanken wir die reine Erhaltung der

Texte. Mit unermüdlicher Akribie hat sie dritthalb Jahrtausende

eifersüchtig darüber gewacht, dass womöglich auch nicht ein

Jota, auch nicht ein _akkharam_ der ächten Ueberlieferung

verloren gehe, eingedenk des schönen Spruches:

Attho akkharasaññāto,

Durch Silben wird der Sinn erkannt.

Solche, in ihrer Art einzige Gewissenhaftigkeit, die eben nur

in Indien möglich war und ist, verdient innige Anerkennung

und Bewunderung. Ihr ist es ferner zu danken, dass die alten

Lehren bis auf den heutigen Tag im Volke lebendig geblieben

sind und, mutatis mutandis, ebenso wirken wie einst. Mit ihr im

Bunde endlich ist es den standhaften buddhistischen Missionaren

gelungen, die eine Hälfte der Erde, wie Sir William Hunter

sagt, zu erobern und den Glauben der anderen zu modifizieren.

Ihr wird man es vielleicht einmal nachzurühmen haben, wenn

eine, so weit es eben möglich ist, menschenwürdige Religion auf

dem Erdball allgemeine Verbreitung gewinnt. Viel, sehr viel

Achtung verdient also die indische Schwester Schulweisheit.

Auf mächtigen Glanz folgt naturgemäß Nacht. Sobald die

buddhistischen Patres ecclesiae und Doctores profundi darangehn

dunkle, tiefe Stellen des Kanons aufhellen zu wollen, reden

sie wie Blinde von der Farbe. Sie meinen’s ja grundehrlich,

die Wackeren, versteht sich; doch was hilft guter Wille in

der Kunst? Kunst kommt von Können, auch im Indischen, ihr

Können aber beschränkte sich auf schwaches philologisches und

reiches volksthümliches Wissen. Damit konnten sie freilich zur

Erklärung der Reden Gotamo Buddhos nicht auslangen.

Es sei hier gestattet ein paar Beispiele anzuführen. Ich

entnehme dieselben den allgemein zugänglichen Kommentaren

oder gebe sie genau nach den mündlichen Belehrungen, welche

mir die höchst achtbaren, vortrefflichen Mönche Zeilons

während eines dortigen Aufenthalts in reicher Fülle zutheil

werden ließen. Unterschiede zwischen den Erklärungen der

Mönche von Kolombo und Kalutara, vom Daladamaligawa und

Asgiriyavihāre, am Alufelsen und in Anurādhapura und an

anderen Orten haben sich, bei wiederholter Besprechung

derselben Punkte, nicht ergeben, da nur eine Autorität für

alle gilt: die οται μυριαδες ἐπων Mahābuddhaghosos. -- _DN_

I., No. 11, Schlussverse des _Kevaṭṭasuttantam_: Zweierlei

_viññāṇam_ giebt’s, das erste, _viññāṇam anidassanam_, ist

gleich _nibbānam_, ja; das zweite, _viññāṇassa nirodhena

etth’ etam uparujjhati_, ist das gewöhnliche. _MN_ I., No.

8 wird _sallekho_ von _likhati_ ~ _chindati_ abgeleitet.

_KhN_, _Dhp._ v. 227 ist _Atula_ statt _atulam_ zu lesen,

als Eigenname im Voc. -- _KhN_, _Itiv._ 1 seqq.: _Ayaṃ vo

pāṭibhogo anāgāmitāya_ wird ersetzt durch _Ahaṃ vo pāṭi^0_,

ganz wie beim Herausgeber der editio princeps. _KhN_, _Thīg._

v. 267 (cf. _MN_ I., 134,_{21}). _nāgabhogasadisopamā_ || _ti

hatthināgassa hatthena samasamā; hatthī hi idha bhuñjati etenā

ti bhogo ti vutto -- tā ti ūruyo_. Es ist eine Reminiszenz

an Stellen wie _nāganāsasamūpamā_. _AN_ IV., No. 159 ist

_setughāto_ = _hetughāto_. Die _dosinā ratti_, passim, erklärt

als _dosāpagatā ratti_. _Sotāpanno_, _sotāpatti_ gehört

zu √(sru), _savati_, u. s. w. -- Wenn nun auch derartige

Originalerklärungen, die man zu hunderten häufen könnte, kaum

mehr als einen Einblick in den scholastischen Volksbuddhismus

gewähren, so dürfen wir uns anderseits der vielen sekundären

Bemerkungen des Scholiasten gelegentlich herzlich freuen.

Diese bringen uns das Verständniss zuweilen wirklich näher

und erleichtern die Denkarbeit, dienen gewissermaaßen als

Eselsbrücke. Einige hübsche Beispiele dafür sind: _MN_ I., No.

36, p. 245 _ajaddhukam_ ~ _abhojanam_; ibid., No. 15, p. 96

_apadānam_ ~ _pubbe apuññakatam_; die zu _DN_, _Mahāparin._ p.

22 gelungene Erklärung der _ācarīyamuṭṭhi_[***]; _KhN_, _Thag._

v. 986 _adda_ = _addakkhi_; _KhN_, _Thīg._ v. 122: _vīdhavā

ti_; _dhavo vuccati sāmiko, tad abhāvā vīdhavā, matapatikā

ti attho_; passim: _anacchariyam_ ~ _thokam abbhutam, pag’

eva_ ~ _paṭhamam eva_, u. a. m. -- Seien wir also billig und

gestehn zu, dass Buddhaghoso, Dhammapālo, Ñāṇasāgaro und

wie die _Aggācariyos_ alle heißen, bis herab auf den ebenso

gelehrten als edlen Subhūti Terunnānse von Kalutara, in ihrer

Art Vorzügliches geleistet haben, dass wir aber diese Braven

nicht nach modernem Wissen und Können schätzen und nützen

dürfen. Uns ziemt es nun unser altes Erbe zurückzuerobern und

den ursprünglichen Gehalt rein darzustellen. Die Geistesspuren

jenes großen Mannes, der wohl überall gepriesen doch nicht

genug gekannt ist, liegen in den auf uns gekommenen Reden

treu erhalten vor: wir sind allmälig mündig geworden, die

ächte Elephantenfährte, wie es in der 27. Rede heißt, von der

falschen unterscheiden zu lernen.

Die Brüder in Zeilon sollen uns jedoch nicht undankbar

schelten. Wir werden sie noch oft um ihren Rath angehn, wenn

es wichtige Bestätigungen gilt. Wie erfreulich war mir z. B.

Subhūtis Denkweise, als er auf meine Bitte, _Māro_ zu erklären,

mit dem schönen Citate aus dem _SN_ antwortete: _Rūpam māro,

vedanā māro, saññā māro, saṉkhāra māro, viññāṇam māro, pañc’

upādānakkhandhā māro ti_, und mir so gleichsam die offizielle

Berechtigung gab in jenem Begriffe die Natur, oder richtiger,

im Einklang mit Schopenhauer, die Mortur wiederzuerkennen.

Solche und manche ähnliche, recht unphantastische Offenbarung

darf man heute gewiss nur mehr auf Zeilon oder allenfalls

noch in Barma und Siam erwarten; in China und Tibet kann man

mitunter etwas andere Dinge zu hören bekommen. Hat mir doch ein

sehr intelligenter Lama, wenige Tagereisen von der Heimath des

Buddhismus entfernt, im Kloster Bhutia Basti bei Dārjiling, am

Schlusse einer langen gelehrten Unterredung die Versicherung

gegeben, ein vollkommener Weiser mag sich ausgesucht nette und

geprüfte Jungfrauen, _varalakṣaṇopetās_, ad libitum zulegen,

zur Erfrischung seiner Lebensgeister. Ein derartiges Ideal hat

nun freilich der südliche Buddhist niemals aufgestellt, und

die _lakṣaṇas_, die ihm, auch als vollkommenem Weisen, einzig

nahe gehn, sind immer die selben geblieben, nämlich _aniccam_,

_dukkham_, _anattam_. Darum wollen wir die gute buddhistische

Volksmetaphysik und ihre Meister hochhalten. Bei der Lehre

Gotamo Buddhos, die erst in den letzten fünfzig Jahren durch

Gogerlys, Spence Hardys und Childers’ vertrauten Umgang mit den

Mönchen Zeilons neu entdeckt wurde, ist das Wort des Richard

Wagnerschen Hans Sachs wundersam am Platze:

Dass uns’re Meister sie gepflegt,

Grad’ recht nach ihrer Art,

Nach ihrem Sinne treu gehegt,

Das hat sie ächt bewahrt. --

Eine wenig bekannte Einzelheit mag hier noch, als Exkurs,

behandelt werden. Man hat bis vor kurzem allgemein angenommen,

das letzte Mahl Gotamo Buddhos, von einem jungen Schmidte

Namens Cundo gespendet, sei Wildbraten gewesen, und zwar

verdorbener, dessen Genuss Erkrankung und Tod des Buddho zur

Folge hatte. Die betreffende Stelle findet sich in der 16.

Rede des _DN_, _Mahāparinibbānasuttam_ p. 41-42. Dort wird

erzählt, der junge Schmidt Cundo habe die Mönche in sein Haus

geladen und feste und flüssige Speise und ein reichliches

Gericht von _sūkaramaddavam_ für sie bestellt; letzteres habe

sich der Buddho vorsetzen lassen, den Schmidt aber ermahnt, die

Jünger mit der anderen Speise zu bewirten und den Rest seines

Gerichtes in die Gosse zu schütten, da es von keinem verdaut

werden könne, den Vollendeten ausgenommen. Nach dem Genusse

dieser Speise sei dann der Buddho krank geworden, schwer krank,

und heftige Schmerzen hätten sich eingestellt.

Bhuttassa ca sūkaramaddavena

Vyādhippabāḷhā udapādi satthuno.

Was ist nun _sūkaramaddavam_? Ist es Wildbratensülze, wie

es auf den ersten Blick scheint? Die einheimische Tradition

hat es meist dafür gehalten, und die europäische Forschung

hat es unbesehens übernommen. Zu vertrauensvoll: denn wir

haben zu _sūkaramaddavam_ Parallelen, die einen anderen

Begriff vermuthen lassen. Unter den Arzeneipflanzen, die der

_Rājanighaṇṭus_ aufzählt, finden wir u. a. das fem. simpl.

_sūkarī_, von _sūkaras_ Eber, Schwein, als Batate, dann

_sūkarakandas_ Eberbirne (Erdbirne), _sūkarapādikā_ Eberklaue

= _kolaśimbī_ Eberschote, dann aber, und dies ist wichtiger,

den _sūkareṣṭas_, eine Erdmandel, welche die Wildschweine

mit Leidenschaft auswühlen, wörtlich Ebergier; daher z. B.

der Ort _Sūkarakhatā_ Eberswühl, _MN_ I., 497. _Suśrutas_

giebt _vārāhī_, von _varāhas_ Eber, für die Yamwurzel an,

dann _varāhakandas_ Ebertrüffel, _varāhamūlam_, Eberwurz,

etc. Vergl. noch Bezeichnungen wie _gostanī_ Weintraube,

wörtlich Kuheuter, _hastikarṇas_ Rizinus, w. Elephantenohr,

_uraṇākṣas_ eine Zimmtpflanze, w. Schaafauge, _kukkuṭamastakas_

ein Pfeffer, w. Hahnenkamm, _vānarapriyas_ ein gemeinsamer

Name der indischen Feigenbäume, w. Affenlieb, _ajamodā_ für

Kümmel, Sellerie, Liguster, w. Ziegenlab, _mṛgabhojanī_

Koloquinthenfrüchte, w. Wildspeise, nämlich der Rehe, Hirsche

etc., u. v. m. _Sūkaramaddavam_, von √(mṛḷ) gaudere (s. _AN_

vol. I. p. 94, XV, 2 = _Suttanipāto_, vv. 250, 292, _Jāt._

vol. V. p. 378 v. 176, _Dhammasaṉg._ s. v. _maddavatā_, Asokos

Delhi-Sivālik-Säulenedikt VII β, 1. 7 _madave_), wird daher

Eberlust bedeuten und der Name irgend einer essbaren Pilzart

sein. Auch wir haben ja derlei Gewächse mit ähnlichen Namen

bedacht, ex jure primi possidentis, und sagen Saubrod (eine

Erdnuss), Hirschtrüffel, Hirschschwamm, Bärwurz, Bärenklee,

Hasenampfer; vergl. auch Benennungen wie Eberesche, Kuhbaum,

Wolfsmilch, Schlangenkraut, Schaafgarbe, Geißblatt. Cundo

der Schmidt gehörte nun offenbar nicht der Jägerkaste an

und war als wohlhabender indischer Handwerker gewiss nicht

gewohnt Saubraten zu essen oder darzureichen. Am Markt

gekaufte Wurzeln, Kräuter und Schwämme dürfte er zubereiten

lassen und zum täglichen Reis mit angeboten haben. Unter die

letzteren werden unglücklicherweise auch giftige gerathen

sein und der Buddho hat es alsbald gemerkt. -- Das Verdienst

die Sache ans Licht gezogen zu haben gebührt dem Verfasser

des trefflich ausgearbeiteten »Buddhistischen Katechismus«,

Friedrich Zimmermann (Subhadra Bhikschu), s. 4. Aufl.,

Braunschweig 1894, p. 26 f. Dieser wieder verdankt, nach

persönlicher Mittheilung, die erste Anregung einem Artikel

im Journal of the Mahā-Bodhi-Society, vol. I., No. VIII. p.

2-3, Kalkutta 1892, wo der Hauspaṇḍit der Zeitschrift unsere

Stelle nach dem Kommentare Dhammapālācariyos zu _KhN_, _Udānam_

VIII., 5., (p. 81) erörtert und Aeußerungen Rhys Davids’,

Bigandets, Rockhills und Colonel Olcotts, der nachdrücklich

auf die richtige Bedeutung hinweist, wiedergiebt. Aus dem

Kommentare geht hervor, dass der Irrthum schon in den Scholien

der _Mahā Aṭṭhakathā_ aufgetischt, aber von ›Anderen‹, d.

h. besseren Beobachtern, erkannt worden ist. Die heutigen

Mönche Zeilons lassen sich über diese Frage mit der ihnen

bei solchen ἀδιαφοροις eigenen Indifferenz aus und stellen

die einander widersprechenden Erklärungen der Kommentatoren

als gleich möglich hin; doch neigen sie seit einigen Jahren,

wie sie sagen, mehr zu der eben dargelegten Ansicht. Einer

der berühmtesten Nāyakas, der ehrwürdige Terunnānse des

Maligakandapariveṇa in Kolombo Hikkaḍuwe Sumaṉgala meinte mit

verächtlichem Lächeln: Ob der Buddho vor seinem Ende Pilze

oder Fleisch, eine Brühe oder was sonst zu sich genommen

habe, sei dem Buddhisten sehr gleichgültig; er wisse: alle

Nahrung ist Elend. _Na hi āhārena suddhī ti._ Dass diese Worte

keine hohle Phrase waren konnte ich täglich beobachten. Wie

einst so schreitet auch heute noch der Mönch am Vormittag

durch das Dorf hin, alter wie junger, niemals ein Wanst,

fast immer eine schlanke, asketische Gestalt, gemessenen

Ganges, barhäuptig, kahlgeschoren wie Scipio, gesenkten

Blickes, unter der langen gelben Toga die Almosenschaale

halb verborgen im Arme, und tritt von Hütte zu Hütte, eine

kleine Weile unbeweglich wartend, ob ihm eine milde Hand einen

Bissen Speise in die Schaale senken werde; und stumm zieht er

weiter, ohne ein Wort des Grußes, ohne ein Wort des Dankes,

ohne aufzublicken, ohne eine Miene zu verziehen. Ist seine

Schaale, ein halbkugelförmiger glatter Napf von 20-25 cm

Durchmesser, nach Gutdünken voll geworden, dann kehrt er in

seine blühende Einsiedelei oder, an größeren Orten, in sein

luftiges Kloster zurück und nimmt langsam und reinlich das

Mahl ein, ohne auszuwählen, Flüssiges und Festes vermischt,

wie’s eben im Napfe sich vorfindet. Um 12½ muss er gespeist und

sich Mund und Hände gewaschen haben und braucht nun bis zum

nächsten Vormittag nicht mehr ans Essen zu denken. Und strenge

wird Zucht gehalten, eine Observanz, die in günstigem Lichte

erscheint, in entschieden günstigerem als Berichterstatter mit

gemächlichen Ohren und eiligen Augen es gelegentlich schildern.

DIE UEBERSETZUNG

Wer Pāli kann braucht kein geborgtes Licht; wenn die Sonne

scheint vermissen wir nicht den Mond. Um Pāli wirklich

zu verstehn sind aber, meines Erachtens, vorerst zwei Dinge

unerlässlich: 1) eine möglichst gründliche Kenntniss der

besten Saṃskṛt-Texte und wiederholte Beschäftigung mit

ihnen, und 2) jahrelang geübtes Studium der Pāli-Urkunden.

Den Kampf mit dem spröden Stoffe ohne dieses nothwendigste

Rüstzeug aufnehmen verspricht geringen Erfolg, wie viele, oft

redlich beflissene Uebersetzungen intra et extra muros deutlich

darthun. Man ist nur allzu geneigt die verhältnissmäßig leichte

Zugänglichkeit der Pāli-Texte sogleich auch für leichte

Schmelzbarkeit zu halten. Man zerlegt ein dutzend Perioden,

giebt den ungefähren Inhalt an und glaubt schon, dies wäre,

im Großen und Ganzen, alles. Ein ehrenwerther Rechtsanwalt

in Kandy, Siṇhalo-Holländer, der mich einmal mit einem

Mönche reden gehört hatte, meinte nachher: ‚Wenn ich nur

die Zeit hätte! In drei Monaten würd’ ich das ganze Pāli

bemeistert haben.‘ Er ließ sich von gelegentlichen Anklängen

ans Siṇhalesische bestechen. Wie mancher Biedermann bei

uns gleicht mit seinem bischen Saṃskṛt diesem würdigen

Holländer: nur mit dem Unterschied, dass er sich keine drei

Monate Zeit nimmt, zur »Meisterung«. Er betreibt sie sein

ganzes Leben lang, so nebenher.

Schön und gut sind nun wohl die zwei genannten unerlässlichen

Eigenschaften, doch reichen sie zu einer Uebersetzung

keineswegs hin. Am Schlusse der Anmerkungen zum West-östlichen

Divan stellt Goethe drei Arten von Uebersetzungen auf, die

prosaische, die parodistische und die identische. Die beiden

ersten seien in ihrem Sinne recht brauchbar und verdienstlich,

wahre Befriedigung könne nur die letzte gewähren. »Eine

Uebersetzung, die sich mit dem Original zu identifizieren

strebt, nähert sich zuletzt der Interlinearversion und

erleichtert höchlich das Verständniss des Originals; hiedurch

werden wir an den Grundtext hinangeführt, ja getrieben,

und so ist denn zuletzt der ganze Zirkel abgeschlossen, in

welchem sich die Annäherung des Fremden und Einheimischen, des

Bekannten und Unbekannten bewegt.« Sollte in den folgenden

Blättern jene Identität auch nur hier und da zum kleinsten

Theile sichtbar werden, dann wäre das Verständniss des

Grundtextes allerdings wesentlich leichter, obgleich nicht

mühelos geworden. Die Reden stammen zwar aus dem 6. Jahrhundert

vor Christus: aber sie machen zuweilen den Eindruck als

gehörten sie ins 6. Jahrhundert nach Schopenhauer.

~Wien~, im Herbst 1895.

KARL EUGEN NEUMANN.

ERSTER THEIL

BUCH DER URART

1.

Erster Theil Erste Rede

URART

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 1

Ukkaṭṭhā, im Lustwalde, am Fuße eines Königsbaumes. Dort

nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«

-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen

aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Aller Dinge Urart will ich euch weisen, ihr Mönche: höret es

und achtet wohl auf meine Rede.«

»Ja, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen

aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, erster Band · 第 1 / 43 段