Um diese Frage zu beantworten, muß ich erstens Analogien herbeiziehen

und zweitens mich auf den Weg entwicklungsgeschichtlicher Analyse

begeben. Daß auch andere affektive Spannungen im Gehirn mehr oder

weniger rhythmische Muskelaktionen in Szene setzen, beweist, daß auch

bei anderen als den humoristischen Motiven im Gehirn die

explosiv-elektrische Ladung, gleichsam die Seelenzündung, den

Muskelapparat in Bewegung bringen kann. Was ist die Affekthandlung

überhaupt anderes als die Entladung von ungehemmten Seelenspannungen auf

das Muskelgebiet?

Viele energische Reize treffen vor der Affekthandlung, im Spiel der

Motive, das Gehirn; es vermag nicht gleich im logischen Gebiet Herr der

Problemstimmungen zu werden und die entstandene Qual in Logik, Phantasie

oder Willensaktion aufzulösen; eine ungemütliche Spannung entsteht, bei

gleichzeitigem Kampf verschiedener, unhemmbarer Vorstellungen: "Was soll

ich tun, was lassen?" Unorientiertheit, Verblüfftheit, Abwehr und

Duldung, Stachelung, Trieb und Gegentrieb prallen in der Seele

aufeinander: nach dem Gesetz der Erhaltung der Kraft muß auch jeder

psychische Reiz seinen logischen oder muskulären Ausgleich finden, denn

es _gibt gewiß ebenso ein psychisches Äquivalent, wie es ein physisches

gibt_. Wie benimmt sich da ein also um Rat Verlegener: er pellt an den

Lippen, dreht den Schnurrbart, durchwühlt die Haare, trommelt an den

Fensterscheiben, stampft mit den Füßen, läuft unruhig auf und ab, hin

und her, d.h. er versucht seine Affektspannung im Gemüt durch Umsetzung

in Muskelaktion loszuwerden. Oder aber: eine schallende Ohrfeige, oft

auch in rhythmischer Wiederholung nach rechts und links, ein jähes Wort,

eine rasche Tat löst plötzlich ohne Kontrolle der mahnenden und

hemmenden Mutter Vernunft die mehr als ungemütliche, meist gefährliche

Seelenbeklemmung. Dann erst wird die Denkbahn frei: "Herr Gott, was hast

du getan!" und nur der Konfliktsschmerz, die Reue, das Gefühl, der

Situation unterlegen zu sein, und der Mut, die Folgen dulden zu wollen,

vermögen die Wirkungen des seelischen Sturmwindes zu beschwichtigen und

das köstliche Öl friedlichen Verzichtes über die hohen Wogen der

psychischen Ekstase zu breiten.

Was geschieht beim Gähnen? Auch hier wird ein Konflikt zwischen

Hirnhemmung und Hirnaktion, der Überschuß geistiger Spannung, der unter

der aufgestülpten Tarnkappe der Müdigkeit (Hirnhemmung) keinen Ausgleich

mehr im Denkorgan finden kann, durch Muskelkrämpfe (Gähnkrampf) nach

außen abgeleitet, gleichsam wie man mit der Leydener Flasche die

Konduktoren einer Elektrisiermaschine in einzelnen Phasen entlädt. Beim

Gähnen ist also ein oft wiederkehrender Vorgang physischer Spannungen im

Gehirn gewohnheitsmäßig auf eine bestimmte Bahn der automatischen

Muskeltätigkeit abgelenkt, wozu auch das Recken und Strecken vor

Müdigkeit abends und morgens gehört. Wir haben hier also eine Analogie

mit dem Lachen, die so weit geht, daß auch beim Gähnen die

Gehirnspannung auf einer besonderen Bahn, gerade der Atmungsfunktionen,

ihre Entladung findet. Da auch das Gähnen, wie jede Affekthandlung,

unwillkürlich ist, d.h. gar nicht oder nur mit Anstrengung vom Willen

gehemmt werden kann, und da beide, Gähnen und Affekthandlungen, auf

einen unvollzogenen Spannungsausgleich im Gehirn gedeutet werden müssen,

so können wir einen zwingenden Rückschluß auf das Lachen wagen, d.h. wir

sind genötigt, anzunehmen, daß auch das Lachen einen muskulären

Ausgleich besonderer Spannungen im Gehirn darstellt. Welcher Art sind

diese? Mit der Beantwortung dieser Frage werden wir zu einer Definition

des Humors, d.h. der humoristischen Reizungen des Seelenorgans,

gelangen. Dazu bedürfen wir aber noch eines Ausblickes auf die

Entwickelungsgeschichte.

Nehmen wir den Menschen nicht als ein Gebild aus Gottes Hand, fertig mit

all seinen erhabenen Eigenschaften, Fehlern und Tugenden, mit einem

Schlage erschaffen, sondern nehmen wir in _Darwins_--übrigens

gottgläubigem--Sinne an, daß der Schöpfer eine allmähliche Entwicklung

zugelassen und gewollt hat, so wäre es denkbar, daß das Lachen eine

Funktion war, die jetzt im Stadium schon weit vorgeschrittener

Entwicklung unter ganz anderen Bedingungen, aber doch vielleicht unter

Festhaltung der ursprünglichen, rohen und primitiven Grundbedeutung

zustande kommt. Mir will es scheinen, daß, wie es rudimentäre Organe

gibt, Organe, die in früheren Daseinsperioden einen vollen Funktionswert

im Haushalt des Organismus gehabt haben, jetzt aber durch eine diese

Tätigkeit überflüssig machende Entwicklung entbehrlich geworden sind, es

so auch _rudimentäre Funktionen_ geben könnte. Es ist denkbar und sogar

beweisbar, daß gewisse Funktionen, die früher einen sehr zweckgemäßen

Sinn im Daseinskampf gehabt haben, in weiteren Stadien zwar noch

vorhanden sind, aber doch eine ganz andere Stellung gewonnen haben.

Dafür einige Beispiele. Die Bewegung unserer Nüstern im Liebes- oder

Lebenskampf hatte augenscheinlich ursprünglich den ganz ausgesprochenen

Sinn der Witterung von Freund und Feind, den Sinn der passenden Auswahl,

wie es noch heute bei Tieren beobachtbar ist. Und jetzt, da niemand mehr

seiner Nase die Entscheidung überläßt, ob sich ein Herz zum Herzen

findet oder ob ein Gegner Eigenschaften besitzt, die ihm gefährlich

werden können, noch heute sehen wir trotzdem auf der Mensur die

Paukanten mit zuckenden Nüstern ihre Hiebe austeilen, wir sehen bei dem

Ausstoßen einer tödlichen Beleidigung, bei geistigem Hieb, dem Angreifer

die Nasenflügel zittern,--und auch einem liebestrunkenen Freier fliegen

im Feuer seiner Überredungskunst die bebenden Nüstern. Das ist

rudimentär! Es hat eigentlich keinen Sinn mehr; und doch: es hatte einst

einen tiefen Sinn, den Zweck der Orientierung im Daseinskampfe und für

die passende Auswahl: Orientierung und Auswahl durch Witterung. Von

_Gildemeister_, dem geistvollen Essayisten, ist in einem Aufsatze über

die Höflichkeit sehr zutreffend das Hutabnehmen und der militärische

Gruß zurückgeführt auf das Visierhochheben bei der Begegnung zweier

Ritter, die nichts miteinander auszufechten haben, und der Handschlag

war nach _Gildemeister_ gewiß früher, wie noch jetzt etwa bei den

Logenbrüdern, eine kompliziertere Form der Bekundung aller Abwesenheit

feindlicher Bestrebungen. Auch hier ursprünglicher Sinn im Daseinskampf

und jetzt eine rudimentäre Höflichkeitsform. Wer ist sich heute noch

beim Adieusagen völlig bewußt, den Scheidenden Gott zu befehlen? Sagen

sich doch auch Atheisten à dieu. Die höchsten Liebeszeichen selbst, der

Kuß, die Umarmung, mögen im Bedürfnis einer vorsichtig tastenden

Diagnose entstanden sein: drum prüfe, wer sich ewig bindet! Liebkosen

sich doch manche asiatischen Völker noch heute, indem sie direkt

Riechorgan an Riechorgan reiben.

Es gibt also rudimentäre Funktionen. Kann nicht auch das Lachen zum Teil

in einer solchen rudimentären Funktion seinen Ursprung haben? Hatte es

vielleicht ursprünglich einen ganz anderen Sinn als den, den wir bei

oberflächlicher Betrachtung heute in ihm zu sehen gewohnt sind?

Stellen wir uns einmal vor, es sei ein Höhlenmensch, ein Urwaldbewohner,

in stetem Kampf mit Ungetümen, Schiebegeröll und erratischen Blöcken

plötzlich auf einer einsamen Wanderung vor eine große Gefahr gestellt:

ein Ungetüm, wie er solches noch nie gesehen, streckt plötzlich, einen

fauchenden Rachen aufsperrend, sein schreckliches Haupt aus dem Gebüsch.

Was wird unser Urmensch tun? In jähem Schreck reißt auch er den Mund

auf, so weit es gehen will, tut einen tiefen Atemzug und verharrt starr

erwartend eine Weile in Inspiration. Das kann man noch heute bei jedem

sehen, dem ein furchtbarer Schreck in die Glieder fährt. Das ist auch

ganz verständlich. Denn wenn sich ein Mensch überhaupt wehren will,

braucht er Muskelkraft, dazu aber vor allem Sauerstoff; denn bei jeder

Muskelaktion ist Sauerstoffverbrauch en masse nötig. Er lädt also mit

dieser tiefen Inspiration gleichsam seine Muskelzentren zu noch nicht

näher erkennbarer Aktion. Nun trete aber bei unserem Urahnen

blitzschnell ein Wechsel in der bedrohlichen Situation ein: das

launische Ungetüm hat vielleicht keinen Hunger, es besinnt sich; ein

Löwe, ein Riesenbär trollt lustig um die Ecke. Nun ist die Gefahr

vorbei. Ein jäher Wechsel von Lebensbedrohung in der Idee und

plötzlicher Lebensbejahung, d.h. Abzug der Gefahr, prallen ihm fast

gleichzeitig in seinem Gehirn aufeinander, und zwei Assoziationen

entgegengesetzter Art treffen sich in seiner Seele: idealer drohender

Tod, reelles wahrhaftiges Lebensgefühl. Unter freudigster

Gemütsverfassung entlädt er, gleichsam spottend der Gefahr, stoßweise

seinen nun überflüssig aufgespeicherten Sauerstoff. Unter

Jubelempfindungen entweicht stoßweise die überschüssige Lebenskraft.

Noch heute wird jeder bemerken, daß nach plötzlich überstandener

Lebensgefahr oder Gemütsbedrückung eine Neigung zu fast hysterischen

Heiterkeitsausbrüchen eintritt. Das Gefühl, einem Unglück entronnen zu

sein, sein Leben bejaht zu fühlen, wo es eben noch auf das Dringlichste

verneint erschien, erzeugt eine halb automatische Heiterkeit, die sehr

verwandt ist dem, was wir humoristische Stimmung nennen. Dabei beachte

man die Tatsache, daß Tränen leicht fließen können, wo eben noch im

Moment der Gefahr die stockende Zirkulation bei tiefster Einatmung die

Tränendrüse unabweislich strotzend füllen mußte, und daß ihr Gebrauch

sicher in Aussicht stand, wenn das Messer dem Lebensfaden so ganz nahe

kam, falls man Zeit genug gehabt hätte, noch über den jähen

Scherenschnitt der Parzen zu klagen. Man holt in der Freude nach, was

der Kummer vorbereitet hat. Auch die Träne, dieser tauende Reif aus

Edens Blütenkelchen, hat trotz ihrer Poesie ihre ganz materielle und

physische Entstehungsursache. Freude und Leid sind wechselnd die

Schleusenwächter am Strom der Tränen, und in der Begleiterscheinung des

Tränenflusses bei Humorstimmung sehen wir einen zwingenden Beweis für

den Ursprung des Lachens in einem plötzlichen Kontrast von

Lebensbejahung und Lebensverneinung. Wir werden gleich sehen, in welcher

Weise diese beiden Salpetermischungen für die Explosionswirkungen des

Humors in jeder Form des Lachens noch heute auffindbar sind. Zunächst

soll noch auf eine Beziehung hingewiesen werden, die außer dem

plötzlichen Abzug einer Gefahr noch andere rein physische Vorgänge zur

Erregung von Heiterkeitausbrüchen haben. Bei der plötzlichen Bedrohung

und fast gleichzeitigen Errettung des Lebens liegt es ja erfahrungsgemäß

auf der Hand, daß dieser Vorgang eine Disposition zu freudigen,

muskulär-rhythmischen Lebensbetätigungen im Gefolge hat. Munter, wie ein

spielendes Reh, hüpft ein Knabe davon, den schon das Rad des Wagens

streifte; man kann ihn kurz nachher erst recht pfeifend, trällernd,

tänzelnd finden. Wenn beim Übergießen mit kaltem Wasser, bei kalten

Duschen, eine plötzliche tiefe Inspiration erzwungen ist, so habe ich

bei mir stets unmittelbar danach eine fast unüberwindliche Neigung zum

Lachen bemerken können und habe dem Triebe nie gewehrt,--gewiß ein

trefflicher Beweis für die Verwandtschaft von physischem Schreck,

seelischem Wohlgefühl und Lachen, für die Verwandtschaft tiefer,

lebenfördernder Inspiration und Entladung der Atmung durch das

Zwerchfell.

Wer die ängstlichen Börsenleute im Anprall brandender Wogen im Seebade

beobachtet hat, sah auch gewiß, wie ich, ihre Ausbrüche zappelnder,

hüpfender und kullernder Heiterkeit. Auch beim Kitzeln ist ein

unwillkürlicher Zusammenhang von peripherischem Reiz, tiefer Inspiration

und exspiratorischen Atemstößen zu bemerken. Ganz junge Kinder kann man

nicht kitzeln, dazu gehört schon eine gewisse Ausbildung des

Bewußtseins, das erkennen läßt, daß die lebensfreundliche, mehr

zärtliche, neckende Berührung im Kontrast zu der starken, das

Atmungszentrum reizenden Wirkung steht. Man beachte auch, daß man das

Kitzeln leichter aushalten kann, wenn man die Atmung gewaltsam

unterdrückt. Daraus geht hervor, daß das Atmungszentrum, also das

eigentliche Lebenszentrum, als eine Art von Lachzentrum funktionieren

kann, daß es also _sowohl peripher von der Haut aus, wie beim Duschen

und Kitzeln, als auch zentral vom Gehirn aus, wie beim Witz, erregt

werden kann_. Für unsere Auffassung von dem Ursprung des Lachens aus

einem Kontrast von Lebensbedrohung und Lebensbejahung ist es

interessant, zu erfahren, daß der scharf umschriebene Punkt am

Zentralorgan, der, von einem Nadelstich getroffen, das Leben aufhebt,

von der Wissenschaft noeud vital, Lebensknotenpunkt, genannt wird und

daß wir hier auch die Fäden finden, die zur Erregung des muskulären

Ausgleiches für die Zwerchfellerschütterung die elektrischen Ströme

senden. Hier finden wir eine anatomische Bestätigung der Beziehung des

Lachens zur Lebensbejahung und -verneinung.

Nun gibt es noch Lachformen, die an sich mit dem Humorgefühl ganz und

gar nichts zu tun haben. Es sind jene Lachstöße, die im Bellen und

Brüllen der Tiere ihr physiologisches Vorbild haben; sie bedeuten eine

_willkürliche_ Tätigkeit, welche die Feindschaft herausfordert: das

höhnische, kränkende, verletzende Lachen oder die Andeutung davon: das

Lächeln. Das ironische, kritisierende, erhabene Lachen werde ich bei den

besonderen Formen des Humors definieren: _denn Satire, Witz, Ironie,

Spott, Hohn sind nur vom Temperamente gebrochene Formen des Humors_. Bei

vielen dieser Lacharten ist ein Überlegenheitsgefühl maßgebend, d.h. die

Lebensverneinung oder -minderung gilt für andere, für den Lacher nur das

Gefühl eines höheren, überlegenen Standpunktes. Das Grinsen und Greinen

ist eine Kombination von Ohnmachtsgefühl und Feindseligkeit und das

schadenfrohe Lachen die Wirkung der Überzeugung eigener Unversehrtheit

bei fremdem Unglück, von dem wir aber die unbestimmte sympathische

Empfindung haben, wir konnten ebensogut in die Falle gehen. Wir

identifizieren uns in der Idee mit dem Leidenden, nehmen aber den

Kontrast von unserem realen Unberührtheitsgefühl her.

Ich gehe einen Schritt weiter und will die Beziehungen der

Zwerchfellsentladungen zur Mimik und Rhythmik einer kurzen Betrachtung

unterziehen.

Daß das Atmungszentrum an sich mit dem Gesichtsausdruck

verwandtschaftliche, koordinierte Berührungen hat, ist eine allbekannte

Tatsache. Bei der Dyspnoe, dem Atmungshunger, ist der Ausdruck des

Gesichtes ein so typischer, daß man diesen Krankheitszustand erkennen

kann, ohne die Atmungstätigkeit direkt zu beobachten. Wichtig für die

Theorie des Lachens ist auch, _daß bei der Atemnot, also wieder einer

Lebensbedrohung, ganz dieselben mimischen und Atmungsmuskeln in Aktion

sind wie beim Lachen._ Aus dieser Beteiligung der mimischen Muskeln beim

Lachen ist die Ansteckungstendenz des Lachens erklärlich. Alle

rhythmisch muskulären, d.h. gleichmäßig und oft wiederholten

Muskeltätigkeiten haben etwas stark die Nachahmung Herausforderndes: das

Gähnen, das Lachen, das Tanzen, Marschieren, Singen, die

Kampfbewegungen,--sie alle sind ansteckend, d.h. sie reizen zur

Entfaltung gleicher Bewegungen, und zugleich sind wir geneigt, daraus

eine heitere, humoristische Lebensstimmung zu entnehmen. Der Mensch ist

brutal genug, sich selbst der Komik krankhaft rhythmischer Zuckungen

nicht zu entziehen. Der Veitstanz, der Gang der Rückenmärker, die

Epilepsie können Formen annehmen, die manche unwillkürlich zu

schuldlosem Lachen zwingen, ebenso wie einige solcher Krankheiten direkt

ansteckend wirken können. Die rhythmische Muskelaktion ist am

zwingendsten Heiterkeit und Nachahmung erregend bei den Rhythmen der

Musik. Der Rhythmus an sich hat also eine suggestive Kraft, gleichartige

Spannungen im Gehirn auch des andern zu erregen. Wir Menschen nehmen an,

daß der springende Fisch, die hüpfende Bachstelze, der tänzelnde

Araberhengst in heiterer Gemütsverfassung sich befinden, obwohl wir es

nicht beweisen können; es stimmt uns aber gleichmäßige Rhythmik auf

starke Lebensbejahung. Das ist das Heitere in der Kunst; denn alle Kunst

ist Rhythmus: Rhythmus die schönen Linien, Rhythmus die Schwingungszahl

der Töne und Farben, Rhythmus jegliche Harmonie und arhythmisch jede

bleibende Disharmonie, weil ohne Maß und Regelmäßigkeit. Darum ist auch

in der Musik vor allem etwas der Lebensbetätigung, der Lust, dem Humor

Verwandtes, und zwar ist nur bei schärfster Ausprägung schnellerer

Rhythmen eine humoristische Musik denkbar, also Tanz, Marsch, Scherzo,

Capriccio, Sarabande, Gigue. Ein humoristisches Adagio ist schwer

denkbar. Darum ist bei den größten musikalischen Rhythmikern, Haydn,

Mozart, Mendelssohn, Schubert, Loewe, auch die Heiterkeit und die Freude

zu Hause, während bei den großen Reflektierern, den Grüblern in der

Musik, bei Beethoven, Brahms, Schumann, Wagner und Strauß, das affektive

Problem seine Heimat fand. Diese Ausweichung auf das Gebiet des Rhythmus

bezweckt den Nachweis, daß auch die rhythmischen Zwerchfellstöße innig

anderen rhythmischen Heiterkeitsbetätigungen verwandt sind und daß die

Heiterkeit sich typisch des Ausdruckes rhythmischer Muskelaktionen

bedient. Ich wage, in diesem Sinne das Lachen als die wahrscheinliche

_Quelle der Musik_, als der Seele ersten Jodler, zu bezeichnen.

Nun sind wir so weit gelangt, etwas näher zu betrachten, was in einem

Gehirn, in dem ein humoristischer Zustand, ein Scherz, ein Witz, eine

komische Bewegung zur Wirkung kommt, für materielle Alterationen

vorgehen mögen, dergestalt, daß ohne Zutun des Willens jener rudimentäre

Atmungsrhythmus ausgelöst wird, den wir "Gelächter" nennen.

Von der Seele · 第 2 / 18 段