XI.

Port Said.

[Illustration: Vor Port Said.]

[Illustration: Straße in Port Said.]

[Illustration: Araber.]

Am 10. Mai vormittags um 9 Uhr kamen wir in Port Said an. In dieser

Hafenstadt, die ca. 50 000 Einwohner hat, ging es sehr lebhaft zu.

Handel und Verkehr schienen hier ziemlich bedeutend zu sein. Als

unser Schiff in den Hafen einlief, drängte sich sogleich eine Menge

Handelsleute an Bord, um mit den Fahrgästen Geschäfte zu machen, auch

viele Führer kamen herauf, um uns ihre Begleitung durch die Stadt

anzubieten. Diese umringten uns von allen Seiten und lugten mit ihren

hinterlistigen, habgierigen Augen umher, Geiern ähnlich, die auf ihr

Opfer losstürzen wollen. Sie machten, wie die meisten Einwohner dieses

Ortes, einen recht unangenehmen Eindruck auf uns. Da die Stadt nur klein

ist, verzichteten wir gern auf so wenig vertrauenerweckende Begleiter

und hatten es auch nicht zu bereuen, denn in zwei Stunden waren wir mit

der ganzen Besichtigung zu Ende. Sehenswertes war gar nicht vorhanden.

Die Straßen sind ziemlich unsauber, ebenso die Häuser. Den Stadtteil, in

dem die Araber wohnen, konnten wir leider nicht in Augenschein nehmen,

denn bevor wir an Land gingen, war von unserm Kapitän bekannt gemacht

worden, daß in Port Said und zwar im Araberviertel die schwarzen Pocken

wüten sollten und daß man sich vor diesen sehr in acht nehmen müsse.

In einer der Hauptstraßen sahen wir außer einigen japanischen Läden,

in denen von unseren Landsleuten echte japanische Waren feilgehalten

wurden, eine Menge Tabaksläden. Der Tabak bildet hier das Hauptprodukt,

ist sehr billig und gut. Wegen des italienischen hohen Zolles --

denn wir mußten ja später über Italien reisen -- durften wir jedoch

allzugroße Einkäufe nicht machen. Besonders empfehlenswert sind hier

einige Cafés, in deren einem wir auch einen Mocca tranken und uns

etwas ausruhten. Nur muß man sich hier in acht nehmen, daß man nicht

überteuert wird, wie es einem unserer Passagiere erging, der für ein

Glas Bier, das er in einer Bierhalle nahm, den unerhörten Preis von

einem Schilling bezahlen mußte. -- Die Straßenjungen, die auf Schritt

und Tritt hinterher gelaufen kamen und »gib Money, gib Money«

schrien oder uns ihre Esel zum Reiten anpriesen, waren so dreist und

unverschämt, daß wir mitunter unsern Stock zu Hilfe nehmen mußten. Wir

waren froh, als wir mit heiler Haut aus diesem Sumpfnest wieder an Bord

unseres guten Schiffes gelangten.

[Illustration: Ägyptischer Eseljunge in Port Said.]

Bei der Besichtigung von Port Said darf man aber nicht unterlassen,

das Denkmal Ferdinand von Lesseps', des Erbauers des Suezkanals, zu

erwähnen. Das stattliche Monument ist aus Bronze gegossen und stellt die

ganze Figur dieses großen Mannes dar, der in zehn Jahren mit eiserner

Energie und unsäglicher Mühe unter angestrengter Tätigkeit die

Durchstechung und Kanalisierung des Isthmus von Suez zustande gebracht

hat. Auf einem Granitsockel erhebt sich eine hohe Säule und auf dieser

steht das Standbild. Den Blick auf den Kanal gerichtet, hält er in der

einen Hand, halb aufgerollt, die Karte desselben. Das Denkmal selbst ist

auf einem Ende eines aus Quadersteinen hergestellten Dammes errichtet,

welcher ziemlich weit ins Meer hineinläuft, so daß es von weitem den

Anschein hat, als erhebe sich das Denkmal direkt aus dem Wasser heraus.

Ein herrlicher Anblick! Der Gesichtsausdruck dieses Mannes zeigt einen

unbeugsamen Mut, verbunden mit Energie und Arbeitsamkeit. Ich schrieb am

Fuße dieses Denkmals Ansichtspostkarten und zwar eine an meinen Freund

in der Heimat, die folgendermaßen lautete: »Vom Suezkanal und von

Lesseps hört man oft, aber wenn man selber den Kanal passiert und

vor dem Denkmal dieses großen Mannes steht, kann man nicht umhin,

mit Hochachtung an ihn zu denken und seine großartige Willenskraft

zu bewundern. Bedenken und Hindernisse verschiedener Art: politischen

Widerstand, diplomatische Schwierigkeiten, heftige Beschuldigungen

seiner Gegner, argwöhnische Vermutungen der Pforte, Eifersucht der

englischen Regierung und Gott weiß was nicht noch alles hat der Mann

zu bekämpfen gehabt! Und der Segen erst, den die den Kanal passierenden

Reisenden und Schiffe heutzutage genießen! Mit Recht gilt der Mann als

ein Held des Friedens!«

Eine zweite Karte sandte ich an meinen Jungen:

»Von Lesseps kannst Du was lernen! In ihm findest Du wieder, was

Dir Zeit Deines Lebens nottut und vielen Menschen so sehr mangelt:

Beharrlichkeit und Unbeugsamkeit. Willst Du Sieger bleiben im harten

Wettstreit Deines Lebens, sieh Dir dieses Bild an und behalte fest im

Kopfe das eine Wort: Willensstärke!«

Noch nach tausenden von Jahren wird dieses Denkmal hier stehen, werden

die Taten dieses Mannes der ganzen Menschheit zum Segen gereichen, man

wird ihn ewig preisen und nie vergessen. --

Nachdem wir uns wieder an Bord begeben hatten, kam ein Trupp

italienischer Musikanten, ein paar Männer und Frauen, auf das Schiff,

welche die Passagiere teils mit Mandolinenspiel, teils mit Gesang

belustigten. Auch wir hörten einige Zeit zu und fanden, daß sie ihre

Sache gut machten, wie auch, daß die italienischen Mädchen hübsche

Gestalten hatten.

Nicht lange danach begrüßte unser »König Albert« das Mittelländische

Meer, das uns nunmehr unserem weiteren Ziele zuführen sollte.

Tokio - Berlin: Von der japanischen zur deutschen Kaiserstadt · 第 11 / 25 题