»Ja, Mathes?«
Es wollte hart aus ihm heraus: »Schau, Linerl, ich tät dir ebbes
wissen!«
»Was denn?«
»Der Gaßner baut jetzt drunten im Ort. Sein Häusl am Berg droben kunnt
man billig haben. Gut schaut's freilich net aus. Aber es tät sich doch
wieder herrichten lassen. Was meinst?«
Heiße Röte färbte ihre bleichen Züge. Das Gaßner-Haus! Das Haus der
Eltern! Das Dach, unter dem die Mutter sie geboren hatte! Die Mauern,
zwischen denen ihr die Kindheit verflossen war in stillem Glück!
»Geh, Linerl, sag mir: tät's dich net freuen, dös Häusl da droben?«
Karlin zitterte. Obwohl sie verstand, wie er es meinte, sagte sie doch:
»Verschenken tut's der Gaßner net. Und haben tu ich nix.«
»Aber ~ich~ hab a bißl ebbes. Ich hab mir a schöns Geldl
zammgraspelt die ganzen Jahr her. Siebenhundert Markln hab ich. Dös tät
grad langen, mein' ich. Vierhundert kunnten wir dem Gaßner anzahlen.
Und mit dem andern täten wir unser Häusl einrichten. D' Maurerarbeit
mach ich selber und aufs Zimmern versteh ich mich auch net schlecht.
Wann ich mich den Sommer über a bißl rühr, kunnt 's Häusl im Herbst
wieder ausschauen, daß dei' Freud dran haben tätst!« Seine Stimme klang
heiser. »Was meinst, Linerl?«
Da nahm sie seine Hände und sah ihm in die Augen. »So gut wie du bist,
Mathes, so gut is keiner nimmer!« Sie löste die Nelke von ihrer Brust
und reichte ihm die Blume hin: »Schau, dös Nagerl hab ich mir noch
brochen drunt, weil mein Kind dö roten Blümeln so viel gern gsehen hat.
Magst es haben, Mathes?«
Heiß leuchtete ihm die Freude aus den Augen, und verlegen sagte er:
»Ja, Linerl! Da sag ich dir vergelts Gott dafür!« Er nahm den Hut ab
und steckte die Blume achtsam hinter die Schnur. »Dös heb ich mir auf.
Gut! Und sag, Linerl?« Vorsichtig drückte er den Hut aufs Haar. »Wann
wir jetzt gleich auffigehn täten, 's Häusl a bißl anschaun? Was meinst?«
»Ja, Mathes! Wie d' willst!«