Da stand Mathes vor ihnen, und erschrocken schob Vroni den Schorschl
von sich. Scheu blickte sie zu dem Bruder auf. »Tu mir net harb sein,
Mathes! Ich hab lachen ~müssen~.«
Stieg ihm das warme Blut in die bleichen Wangen? Oder war's nur die
Abendsonne, die seine vergrämten Züge so warm überhauchte? Er lächelte,
und dem jungen Paar die Hände auf die Schultern legend, sagte er:
»Schau, Schwester, so von Herzen, wie ich, vergunnt dir keiner die
junge Freud! Seids gut mitanand! Tuts fest zammhalten! Sonst hat 's
Leben kein' Wert!« Er wollte ins Haus treten; auf der Schwelle wandte
er sich. »Tust mir an Gfallen, Vroni?«
»Ja, Mathes! Alles, was d' willst.«
»So mach nach'm Essen a Sprüngl abi zu ihr. Damit s' doch ~ein'~
Menschen hat!«
»Ja, Mathes!« Zögernd fragte sie: »Magst net mit?«
Er preßte die Lippen aufeinander, daß sie weiß wurden, und schüttelte
den Kopf.
Mutter Katherl rief aus dem Hausflur: »Kommts, Kinder, ich hab
auftragen!«
Das gab eine stille Mahlzeit. Dem Alten fielen während des Essens vor
Müdigkeit schon halb die Augen wieder zu, und Mutter Katherl stach
in schweigsamer Fürsorge einen Knödel um den andern aus der Schüssel
heraus und legte ihn auf Schorschls Teller. Mathes sprach kein Wort.
Und das verliebte Paar hatte sich genug mit den Augen zu sagen.
Als die Mahlzeit vorüber und das Gebet gesprochen war, sagte Vroni:
»Vater? Verlaubst mir's, daß ich a bißl abi schau zur Linerl?«
»Ja, Madl, gern! Und tu mir s' grüßen, dö gute Frau! Gleich morgen geh
ich selber abi, heut kann ich nimmer. Wie abgschlagen sind mir d' Füß!
Und gelt, bring die Kinder mit heim! Jetzt haben s' wieder ihr sichers
Bleiben bei uns. Gott sei Dank! Und tu mich aufwecken, wann die Kinder
heimbringst! Heut schlaf ich gleich.« Er humpelte zur Kammer. In seiner
Müdigkeit vergaß er, dem Daxen-Schorschl gute Nacht zu wünschen.