»Wie ich 's zweitmal bei dir am Fenster war!«
»Du? A zweits Mal? Da weiß ich nix davon.«
»Aber hörst!« Jetzt schüttelte auch er den Kopf. Um ihre schlummernde
Erinnerung zu wecken, wurde er deutlicher und erzählte von jener
stockfinsteren Nacht, in der er vor einem ›gwissen Fensterl‹ seine
guten Vorsätze gebeichtet und um freundlichen Beistand gebettelt hatte.
Um Vronis Mundwinkel begann es verdächtig zu zucken. Und ehe Schorschl
noch völlig zum Ende jener nächtlichen Fenstergeschichte kam, brach sie
in lautes Lachen aus. Das war ein Lachen, so hell und lustig, wie man
es seit Jahresfrist in der Simmerau nicht mehr gehört hatte.
Mutter Katherl erschien mit dem Kochlöffel in der Haustür und zog, um
von dem jungen Paar nicht bemerkt zu werden, hurtig den grauen Kopf
wieder zurück. In der Stube erwachte Michel aus seinem Schläfchen, kam
verwundert zum Fenster, drückte die Nase an die Scheibe und lächelte
zufrieden. Und droben auf dem verwüsteten Grashang, bei den kahlen
Haselnußstauden, erhob sich Mathes und blickte auf das kleine Haus
hinunter, als hätte ihn dieses herzliche Lachen aus schweren Träumen
geweckt.
Nur Vroni selbst erschrak vor diesem Lachen. »Jesus Maria! Lachen kann
ich! Und da droben der Mathes! Und da drunt im Dorf --« Sie sprach
nicht zu Ende. Ob sie wollte oder nicht: sie ~mußte~ lachen. Und
dabei kamen ihr die Tränen.
Schorschl war so verblüfft, daß er eine Weile brauchte, bis er fragen
konnte: »Madl? Bist denn narrisch worden?«
»Aber Schorschl! Ich hab doch selbigsmal gar net in meiner Kammer
gschlafen.«
»Was!« Schorschl riß die Augen auf. »Bei wem hab ich denn nachher
gfensterlt?«
»Bei meiner weißen Katz!«
Schorschl verstand nicht gleich. Dann kam die Erleuchtung, und er
platzte los. Vroni suchte ihn zu beschwichtigen: »Net so laut,
Schorschl, ich bitt dich, net so laut!«
Die Lachtränen von den Backen wischend, schlang er den Arm um Vroni.
»Schatzl? Wann du in der Kammer gwesen wärst? Hättst ~du~ mich
auch kratzt?«