»Daß der Zäzil aufkündt wird, bis ich wiederkomm.«
»Ja Himmel Kreuz Teufel!«
»Dös muß ich verlangen. Soll ich d' Leut fest in der Hand halten, so
müssen s' Respekt vor mir haben. Mein Wort muß gelten.«
»So? Und ich? Ich soll vielleicht der ~gar~ Niemand sein im Haus?«
Purtscheller schlug mit der Faust auf den Tisch.
Da erschien Karlin mit blassem Gesicht auf der Schwelle der
Schlafkammer und zog hinter sich die Tür zu. »Toni! 's Kindl schlaft.
Gib doch a bißl acht.«
»So? Achtgeben? Auf alle Leut im Haus soll ich achtgeben! Aber auf mich
gibt gar keiner acht. Und aller Verdruß fallt allweil auf mich.« In
wachsendem Jähzorn wandte sich Purtscheller an Mathes. »Mach dich net
gar so wichtig! Du!«
»Tun S' Ihnen beruhigen, Herr Purtscheller!« stammelte Mathes. »Wir
können die Sach an anders Mal ausreden.«
»Hättst die ganze Dummheit net aufgrührt! An anders Mal misch dich net
in Sachen, die dich an Pfifferling angehn!«
»Aber Toni!« fiel Karlin ein. »So tu doch net so mit'm Mathes reden!
Dös hat er doch net verdient um uns.«
»Natürlich! Den soll ich noch extra in Baumwoll wickeln, weil er mir
den ganzen Ärger da hergmacht hat? Und wer is im Grund wieder schuld
dran? Du! Schau mich net so an, sag ich dir! Dös kalte Gschau vertrag
ich net.«
»Herr Purtscheller!« bettelte Mathes, dem die Stimme kaum gehorchte.
»Tun S' mir doch den einzigen Gfallen und ziehen S' net d' Frau noch in
den Handel eini! Es kann ja sein, daß ich unrecht hab. Lassen wir's gut
sein! Pfüet Ihnen Gott, Herr Purtscheller!« Er wollte zur Tür.
»Nix da!« schrie Purtscheller in Zorn. »Meinst vielleicht, ich trau
mich vor meiner Frau net Farb bekennen? So steh ich gottlob noch lang
net da!« Mit zuckenden Fäusten riß er an seiner Weste und trat auf
Karlin zu. »Net gnug, daß ~ich~ den Unfried hab im Haus! Jetzt
mußt mir noch die ganzen Dienstboten durchanandbringen! Weil d' net
weißt, wie man d' Leut behandeln muß.«
»Herr Purtscheller, um Gotts willen!« wehrte Mathes. »Kommen S'! Reden
wir drunt mitanand!«
Purtscheller hörte nicht und schrie seiner Frau ins Gesicht: »Dö armen
Leut arbeiten den ganzen Tag und haben a Recht drauf, daß ihnen d' Frau
a freundliche Red gibt.«
»Aber Toni«, erwiderte Karlin ruhig, »a guts Wörtl hab ich jedem von
unsere Leut noch allweil von Herzen geben.«
»So? Und wie machst es denn mit der Zäzil? Gelt, jetzt schlagt dir 's
Blut übers Gsicht! Warum is denn dös Madl allweil Luft für dich? Meinst
vielleicht, du bist was Bessers?«
Mathes zuckte, als wäre ihm ein Rutenschlag ins Gesicht gefahren.
»So geht man net um mit die Leut! Verstehst mich!« schrie Purtscheller
auf Karlin ein. »Und wann dem Madl im Zorn amal a Dummheit
aussirutscht, kann man's ihr net verargen. Schließlich hat 's Madl nix
anders gsagt als die traurige Wahrheit: daß jede andere besser für
mich taugen möcht, wie du! Aber dös is mei' Malör. Was braucht denn
~der~ da mit seine groben Pratzen einigreifen und 's Madl gleich
aussischmeißen aus'm Haus! So was könnt mir taugen! Dös Madl is eh noch
die einzig, von der ich a lustigs Wörtl --« Purtscheller verstummte und
sah seine Frau in maßloser Verblüffung an.
Karlin war auf Mathes zugegangen und hatte ihm die Hand gereicht.
»Vergelts Gott, Mathes! Ich hab mir nimmer denkt, daß noch wer auf der
Welt is, der sich um mich a bißl annimmt.«
»Frau Purtschellerin! Mar' und Josef! Ich bitt Ihnen --« stammelte
Mathes und gab ihre Hand frei.
Sie nickte zu ihm auf und wollte die Stube verlassen. Purtscheller
vertrat ihr den Weg. »Du! Söllene Gschichten verbitt ich mir! Wann d'
nimmer weißt, an ~wen~ dich z'halten hast, so muß ich dir wieder
amal an Deut geben, den acht Tag lang umanand tragst im Gsicht!« Der
ernste Blick, mit dem Karlin zu ihm aufsah, reizte noch seinen Zorn.
»Schau mich net so an! Oder es kann dir ~gleich~ passieren --« Er
stürzte auf Karlin zu und hob die Faust.
Eine eiserne Hand klammerte sich um seinen Arm. »Bub, du! Den Knochen
brich ich dir ausanand!«
Purtscheller stöhnte vor Schmerz.
Ein paar Sekunden war Schweigen in der Stube. Dann sagte Karlin: »Laß
ihn, Mathes! Er weiß net, was er tut.«
Mathes gab den Arm frei, den seine Faust gefangenhielt.
»So? So?« lallte Purtscheller, halb aus seinem Jähzorn ernüchtert.
»So was traust dich du gegen dein' Herrn? Paß auf! Mit dir will ich
Rechnung halten, wann's an der Zeit is!« Er packte seinen Hut und rief
der Frau über die Schulter zu: »Und du kannst warten auf mich! Lang!«
Den schmerzenden Arm reibend, verließ er die Stube und warf die Türe zu.
Wortlos standen Mathes und Karlin voreinander. Keines regte sich.
Mathes brauchte nicht zu sprechen; der Schmerz, der um seinen Mund
gegraben lag, und der heiße Glanz seiner Augen sagte ihr auch ohne
Worte, was er gelitten hatte und was er fühlte für sie. »Mathes? Um
Christi willen?« hauchte sie tonlos und sah ihn erschrocken an.