»So was redt man net nach. Es muß Ihnen gnug sein, wann ich sag: in
Ihrem Haus is kein Platz mehr für an Dienstboten, der so von der Frau
redt.«
Zäzil hatte sich auf den halb gepackten Koffer gesetzt, nahm die
Schürze vors Gesicht und fing zu heulen an.
»No no no! Es wird net so arg gwesen sein!« meinte Purtscheller
begütigend. »Geh weiter, Mathes! Laß mich mit dem narrischen
Frauenzimmer reden! Ich will ihr den Dickschädel ordentlich waschen.«
Mathes ging wortlos aus der Kammer.
Purtscheller schloß das offen stehende Fenster und puffte die Magd mit
der Faust an die Schulter. »Du Gans, du grupfte, was hast denn gsagt?«
»Was wahr is!« Zäzils Tränen waren plötzlich versiegt. »Daß für an
Herrn, wie Sie einer sind, jede andere Frau besser passen möcht als so
a verschmaachts Millihaferl.«
In Wirklichkeit hatte die freche Rede anders geklungen;
aber Purtscheller verspürte nicht die geringste Lust, den
Untersuchungsrichter zu spielen. »So was sagt man net!« brummte er.
»An anders Mal halt dein' Schnabel vor die Leut!«
»Es is mir halt in der Wut aussigfahren. D' Frau soll mich in Ruh
lassen, so tu ich ihr auch nix. Aber dös laß ich mir nimmer gfallen:
allweil so über ein' wegschauen, als ob man Luft wär!«
»Jetzt pack den Kufer wieder aus!« fiel ihr Purtscheller ins Wort.
»Mit'm Mathes red ich schon. Fang mit dem keine Reibereien an! Der
schafft wie a Roß. Den brauch ich. Und jetzt gib an Fried! Den
Schnepfenstrich hab ich eh versäumt mit deiner Dalkerei!« In gereizter
Laune ging er aus der Kammer, nahm die geladene Flinte, die an der
Mauer stand, trug sie in die Stube hinauf und hängte sie an den
Gewehrrechen. Wütend schleuderte er den Hut in den Ofenwinkel und
ging zum Tisch, um die Hängelampe anzuzünden. Als er sich nach einer
Wanderung durch die Stube auf das Sofa werfen wollte, trat Mathes ein.
»Herr Purtscheller? Grad kommt dös Madl in Hof aussi, lacht vor alle
Leut und sagt: sie bleibt. Is dös wahr, Herr Purtscheller?«
»No ja! 's Madl hat mich derbarmt. Man kann doch a Weibsbild net so bei
Nacht und Nebel auf d' Straß aussijagen. Ich mach dir kein' Fürwurf. Du
hast es gut gmeint. Aber jetzt sei halt gscheid! Du tust mir an Gfallen
damit. Also! Willst noch was?«
»Ja!« sagte Mathes mit veränderter Stimme. »Der Vater braucht mich,
weil der Berg wieder anfangt. Ich muß heut noch heim.«
»Was? Jetzt im Fruhjahr?« fuhr Purtscheller auf. »Wie soll ich denn auf
an grünen Zweig kommen, wann mir d' Leut davonlaufen, sobald d' Arbeit
richtig anfangt? Für was zahl ich mir denn an Knecht?« Er schien zu
vergessen, daß er seinem Meier an Lichtmeß den Lohn schuldig geblieben
war. »Nix da! Du bleibst!«
»Tut mir leid, Herr Purtscheller, ich ~muß~ heim!« erwiderte
Mathes ruhig. »Den Fürhalt hab ich gmacht, wie ich eingstanden bin.«
Ärgerlich überlegte Purtscheller. »Steht's denn gar so schlecht da
droben?«
»Wann noch was z'helfen is, muß gholfen werden, eh 's Wasser wachst.«
»Also, meintwegen! Wann meinst denn, daß d' wieder kommen kannst?«
»In der ersten Stund, wo mich der Vater graten kann.« Mathes zerknüllte
mit zitternden Händen den Hut. »Aber eins muß ich bitten!«