Mathes vertrat ihm den Weg. »Grüß Gott!«

»Bist fertig mit der Saat? Lang gnug hast braucht.«

»Gute Saat will Weil haben.«

»Solche Sprüch haben die Langsamen flink bei der Hand. Pfüe Gott!«

»Ich hätt was z'reden, Herr Purtscheller.«

»An anders Mal!«

»Es muß heut sein.«

»Oho! Soll ich mir leicht Fürschriften von dir machen lassen? Heut is

der erste schöne Abend. Da muß ich schauen, ob net der Schnepf schon am

Strich is. Wann ich Glück hab, schieß ich heut den ersten.« Er stelzte

zum Tor hinaus und brummte: »Hoffentlich begegnet mir kein alts Weib

net.« Als er auf der Straße seine Frau gewahrte, machte er ärgerlich

einen Umweg.

Er hatte nicht weit zu gehen. Gleich bei den aus dem laufenden Berg

hervorströmenden Bächen, in den mit Buschwerk durchsetzten Moorwiesen,

war seit Jahren der beste Schnepfenstrich. Als Purtscheller seinen

Stand gewählt hatte und die Flinte schußbereit machen wollte, merkte

er, daß er die Patronen vergessen hatte. Mit einem Fluch begann er zu

schimpfen: »Natürlich! Weil mir dös Weibsbild allweil die Patronen

aus'm Gwehr und aus der Joppen nimmt! Als ob was passieren kunnt, wann

's Gwehr am Rechen hängt!« Aber da half nun kein Schelten; er mußte

nach Hause marschieren.

Es begann schon zu dämmern, als er seinen Hof erreichte. Droben in

der Stube schob er zwei Patronen in die Flinte und steckte ein paar

andere in die Tasche, während Karlin im Schlafzimmer dem Tonerl ein

Schlummerlied sang:

»Vogerl am kühlen Bach

Zwitschert so süß!

Zwitschert Bach auf und ab,

Bis ich mein Schatzerl hab!

Vogerl am kühlen Bach

Zwitschert so süß!«

Als Purtscheller die Treppe hinunterstolperte, hörte er aus einer

Gesindekammer Zäzils kreischende Stimme: »Und wann ich's gsagt hab?

Geht's ~dich~ was an? Bist du für d' Frau im Haus als Hüter

aufgstellt?«

»Pack ein!« fiel ihr Mathes ins Wort.

»Is schon gut! Einpacken tu ich. Aber auf der Straß laß ich den Kufer

stehn und wart, bis der Herr heimkommt. Nacher paß auf, du! Ob dös gar

so leicht is, die Zäzil aus'm Haus jagen!«

Purtscheller stellte die Flinte an die Mauer und trat in die Kammer.

»Was is denn da? Muß denn allweil der Spektakel im Haus sein?«

Zäzil schwieg verlegen, während Mathes sagte: »Dös Madl hab ich aus'm

Dienst schaffen müssen. Und hab ihr boten, sie soll ihren Kufer packen,

auf der Stell.«

»Oho!« fuhr Purtscheller auf. »Du nimmst dir a bißl viel raus.«

»Ich kunnt Ihnen an den Tag erinnern, wo S' gsagt haben, daß mein

Wort im Haus gelten soll wie 's Ihrig!« erwiderte Mathes mit mühsam

bewahrter Ruhe. »Aber dös braucht's wohl net. Dös Madl muß fort aus'm

Haus. Vor alle Dienstboten hat s' unghörig gredt von der Frau.«

Der laufende Berg · 第 46 / 60 题