Karlin sah ihm nach. »Möcht nur wissen, was er hat?«

Seit diesem Tag war Mathes noch seltener im Hause sichtbar. Die paar

freien Stunden, die er sich an Feiertagen gönnte, brachte er bei den

Eltern zu. Auch am Heiligen Abend stieg er durch den Schnee in die

Simmerau hinauf. Karlin, die ihn vergebens suchte, mußte ihm sein

›Weihnächten‹ in die Kammer legen. Purtscheller schimpfte über die

›Flegelei‹. Weil Karlin den Wunsch eines Sohnes, das Weihnachtsfest bei

den Eltern zu verbringen, berechtigt fand, machte Purtscheller eine

Szene, die damit endete, daß er wütend vom brennenden Baum davonging

und sich im Wirtshaus schwer bekneipte.

Der Januar brachte linde Zeit. Häufig war es in den Sonnenstunden so

warm, daß Mathes, wenn es eine Besorgung im Dorfe gab, diese Gänge ohne

Hut und in Hemdärmeln machte. Früher hatte er immer einen Knecht zum

Wagner oder zu den anderen Handwerksleuten geschickt. Jetzt machte er

selbst jeden Weg, der außer Haus zu erledigen war, und mit Vorliebe

griff er nach jedem Geschäft, das ihn zur Daxenschmiede führte. Daß

Schorschl die Arbeit aus dem großen Hof bekam, das hatte Mathes bei

Purtscheller mit den zwei schlagenden Gründen durchgesetzt: der Weg zur

Schmiede des Nachbardorfes kostet zuviel Zeit, und der Daxen-Schorschl

arbeitet besser und billiger als jeder andere Schmied.

Die viele Arbeit, die Schorschl für den Purtschellerhof zu liefern

hatte, war Ursache, daß er zu dem Gesellen, den er schon anfangs

Dezember angeworben hatte, nach Neujahr noch einen zweiten nehmen

mußte. Wenn die drei Schmiede bei der Arbeit standen, hörte man den

Taktschlag ihrer Hämmer durch das ganze Dorf: klingeling kling,

klingeling kling! Den festen Nachschlag in diesem Takt gab immer der

Hammer des jungen Meisters. Diese lustige Musik lockte ein schönes

Geld in die Schmiede. Schorschl brauchte keinen Pfennig mehr schuldig

zu bleiben, und pünktlich am Ersten eines jeden Monats konnte er die

fällige Rate an Rufel bezahlen. Bei der rastlosen Arbeit ging ihm der

Brustkorb auseinander wie eine Tonne, aber sein Gesicht verlor immer

mehr jene heitere Frische, die dem ›lüftigen Schorschl‹ einst aus den

Augen gelacht hatte. Als Mathes wieder einmal Purtschellers Pferde zum

Hufbeschlag in die Schmiede brachte, fragte er: »Schorschl! Bist krank?«

»Es muß schon so was sein!« brummte Schorschl.

Der laufende Berg · 第 42 / 60 题