In der Schmiede klangen die Hammerschläge. Schorschl stand vor dem
Amboß und hämmerte wütend auf ein glühendes Hufeisen los. Dann tauchte
er das noch rote Eisen in den Kühlbottich, daß zischend der Dampf
aufging, und ließ es aus der Zange zu Boden fallen, wo schon ein paar
Dutzend auf einem Häufl beisammen lagen. Nun besann er sich, als wüßte
er nicht, was er weiter beginnen sollte? Noch ein Hufeisen schmieden?
Er mußte die Eisenstangen sparen; gar viele hatte er nimmer in der
Ecke stehen, und der Vorrat an Hufeisen, der da am Boden lag, reichte
für einen Monat und drüber. Früh am Tage hatte er begonnen, hatte
Hufeisen um Hufeisen geschmiedet, nur um die Zeit hinzubringen, bis
andere Arbeit käme. Die ließ auf sich warten. Nur der Schneider war
gekommen, um seine vierunddreißig Mark zu fordern, und Schorschl hatte
seine ganze Überredungskunst aufwenden müssen, um den Ungeduldigen zu
vertrösten. »Herrgott! 's Bravsein macht ein' schwitzen!« brummte er,
als der Meister Schneider glücklich wieder zum Tor draußen war.
Ein paar Leute waren unter das Tor getreten und hatten dem Daxenschmied
eine Weile ungläubig bei der Arbeit zugesehen, um lachend wieder
davonzustapfen. Niemand hatte Arbeit gebracht. Auch der Bauer, dessen
Leiterwagen Schorschl tags zuvor beschlagen hatte, war ausgeblieben.
»Der Tropf! Und so fest hat er mir Arbeit zugsagt!«
Auf dem Amboßblock lag noch ein Stück Eisenstange, das knapp für ein
Hufeisen reichen konnte. Das nahm er in die Zange. »Machen wir halt
noch eins!« Er bohrte das Eisen in die Essenglut. Ingrimmig begann er
den Blasbalg zu treten. Da lachte er und griff in die Hosentasche.
Achtsam rollte er ein geschwärztes Stück Zeitungspapier auseinander,
in das die dreißig Pfennige eingewickelt waren, die ihm Vroni auf den
Amboß gelegt hatte. Immer wieder schob er mit dem rußigen Finger die
paar Nickel durcheinander und blinzelte sie mit vergnügten Augen an.
»Die heb ich mir auf. Wart nur, du!« Sorgfältig rollte er das Papier
wieder zusammen. Da trat Mathes in die Werkstätte, schwer atmend und
wortlos. Schorschl fragte verwundert: »~Du~, Mathes? Was willst
denn?«
»Pressante Arbeit hätt ich.«
»Arbeit bringst mir?« Schorschl lachte, daß in seinem rußfleckigen
Gesicht die Zähne blinkten. »Gestern d' Vroni und heut wieder du! Ah,
da schau! Jetzt sind gar die Simmerauer Leut mei' beste Kundschaft.«
Flink nahm er die Zange aus der Esse und ging auf Mathes zu. »Was
brauchst?«
»Schlaudern. Die Schrauben mit feste Muttern!« Mathes nannte die Maße.
»Schlaudern?« Schorschl erschrak. »Is am Häusl ebbes passiert?«
»Ah na!«
»Aber red doch a bißl! Wie steht's droben?«
»Net schlechter, als wie's sein kann. Dem Vater z'lieb denk ich, daß
wir uns durchschlagen über'n Winter.«
»Aber im Fruhjahr?«
»Da wird er harte Zeit haben, der Vater. Aber fang lieber d' Arbeit an!
Es pressiert.«
Schorschl holte von seinem kleinen Eisenvorrat nach langem Wählen
aus der Ecke hervor, was er nötig hatte. Mathes prüfte die Stangen.
»Vergelts Gott! Ich merk: 's beste Eisen hast ausgsucht.«
Rührig begann Schorschl die Arbeit, und Mathes, der nicht müßig stehen
konnte, half mit. Während sie, um die Gewinde in die Eisenstangen zu
schneiden, am Schraubstock standen und zu zweit an den langen Hebeln
der Schneidkluppe zogen, versuchte Schorschl die Rede auf Vroni zu
bringen. Aber da wußte Mathes, der sonst mit Worten so sparsam war,
immer von anderen Dingen zu schwatzen. Schließlich stellte Schorschl
verdrossen das Fragen ein und ließ den heißen Unmut, der in ihm
rumorte, an der Arbeit verdampfen.
Als die Mittagsglocke geläutet wurde, fragte Mathes: »Mußt Mahlzeit
halten?«