Der Alte schien seinen Augen nicht zu trauen. »Schorschl! Du?«

»Schau, ich hab Zeit! Und verlang nix. In der Fruh komm ich, auf'n

Abend geh ich wieder, und 's Essen bring ich mir mit. Schlag ein,

Michel! Und ich fang gleich an.«

In der ersten Freude, einen Helfer gefunden zu haben, wollte der

Simmerauer schon die Hand strecken. Vroni zog ihn zurück. »Na, Vater!

Wann wir allein unser Häusl net halten können? ~Der~ da hilft 's

uns gwiß net halten. Dem lauft ja 's eigene Haus davon! Was er anrührt,

schwimmt. Der hat keine guten Händ. Bleiben wir lieber allein, Vater!«

»Wann d' meinst!« sagte der Simmerauer kleinlaut und warf einen

scheuen Blick auf Schorschl. Und Mutter Katherl schien einen bösen

Auftritt zu befürchten. Sie stotterte: »Aber Madl! Wie kannst denn so

ebbes reden!« Ihre Sorge war überflüssig; der Daxen-Schorschl stand

ruhig auf seinem Fleck; erst nach einer Weile, als die dunkle Röte, die

ihm in die Stirn geschossen, schon wieder abzublassen begann, sagte er:

»Vroni! Jetzt hast mir aber eini griffen! Daß ich für mich selber nix

taug, hab ich schon lang glauben müssen. Aber daß ich auch für andere

nix mehr wert bin, hätt ich mir doch net denkt. No ja, jetzt weiß

ich's! Pfüe Gott!« Er schleuderte die letzten Wassertropfen von den

Händen und verließ den Hofraum. Als er die Böschung überstiegen hatte

und seinen Hut und Bergstock auflas, begegneten ihm die beiden Kinder,

die ihr Lied zu Ende sangen:

Vogerl am kühlen Bach

Zwitschert so süß!

Zwitschert Bach auf und ab,

Bis ich mein Schatzerl hab.

Vogerl am kühlen Bach

Zwitschert so süß!

Als die Kinder das kleine Haus erreichten, zog der Simmerauer schon

wieder die Säge, und Mathes drosch mit dem Schlägel auf einen Pfahl.

Nur Vroni stand untätig. Ihr Blick irrte über den Berghang empor.

Die Stimme des Vaters weckte sie aus ihrem Sinnen. »Vronerl? Was hast

denn?«

»Nix!«

Sie griff nach einer Stange und schwang das Beil, daß die Splitter

flogen.

Der laufende Berg · 第 12 / 60 题