»Was, Vater?«
»Dös viele Wasser schau an!« Der Simmerauer deutete auf die Pfützen in
Hof und Garten. »Meinst net, es kommt von unt auffi?«
»Ja, Vater! Kunnt schon sein!« Die Stimme des Burschen klang ruhig;
doch in Unruh glitt sein Blick zum Verhau hinüber, aus dessen
Flechtwerk lautlos die dünnen Wasserfäden rieselten.
»Wann's von unt auffi käm! So a Glück!« Der Simmerauer bückte sich und
tauchte die Hand in eine der Pfützen, so ehrfürchtig, als stünde ein
Weihwasserkessel vor seinen Füßen. »Also! Schaffen wir halt wieder!«
Er trat zum Sägbock und suchte mit zitternden Händen das verkrüppelte
Eisenband der Säge zu strecken. Dann plötzlich schlug er die Fäuste
vors Gesicht.
Vroni war die erste bei ihm. »Aber Vater!« Sie legte ihm den Arm um die
Schulter und stellte sich so, daß der Daxen-Schorschl, der noch immer
wie angewurzelt stand und die Sprache verloren zu haben schien, den
Alten nicht sehen konnte.
»Abi? So? Abi, sagen s'? Abi wird's müssen?« raunte Michel vor sich
hin. »A rechtschaffener Mensch bin ich gwesen mein Leben lang. Und
so sollt er mich auszahlen können? Der sell da droben?« Langsam hob
er die Augen zum Himmel. »Na, Kinder! So ebbes glaub ich net von
ihm. Schenieren müßt er sich! Wann ich auffikomm zu ihm und tät ihn
fragen: wo is denn mein Häusl, du? Und er kunnt net sagen: drunten
steht's, wo's allweil gstanden is? Schenieren müßt er sich! Vor'm
alten Michel müßt er sich schenieren!« Mit den Fäusten wischte er über
die Backen und schüttelte den weißen Kopf. »Na, Kinder! Na! So ebbes
tut er net. Der halt fest! Der sell da droben! Aber mithelfen müssen
wir. Mithelfen! Komm her, Alte! Mathes, komm her! Und du, mein Madl!
Gebts mir d' Händ drauf, daß wir unser Häusl halten bis zum letzten
Schnaufer! Nur net auslassen, sag ich! Schaffen, allweil schaffen!«
Da klangen über die Wiese her in drolliger Disharmonie die Stimmchen
der beiden Kinder, die sich zum Heimweg ein Liedl sangen, das sie von
Vroni gelernt hatten:
Vogerl im grünen Wald
Zwitschert so hell!
Zwitschert Wald aus und ein,
Wo wird mein Schatzerl sein?
Vogerl im grünen Wald
Zwitschert so hell!
Dem Simmerauer glitt ein Lächeln über die welken Züge. »Wie s' lustig
sind! Und dö zwei Hascherln? 's einzige, was mir blieben is von
meiner armen Zenz? Dö sollen 's Dach verlieren müssen, unter dem s'
ihr Ruhstatt haben? Du, Mathes, bist a gwachsener Mensch und weißt dir
an Weg in der Welt. Du, Madl, findst schon ein', der dir gut is und a
Heimatl hat für dich! Aber wohin denn mit die armen Wuzerln? Wann unser
Häusl abi müßt? Ah na! So ebbes gibt's net. Nur net auslassen! Kommts,
Kinder! Fangen wir wieder an! Und laßts um Gottes willen dö armen
Hascherln nix merken von unserer Sorg!«
Der Simmerauer wollte zur Säge greifen. Da legte sich eine Hand auf
seine Schulter, und eine würgende Stimme fragte: »Michel? Kannst mich
net brauchen? Geh, laß mich mithelfen!«