Auf jenes Buch in dem die Kunde steht
Vom Doctor Faust und seinem Seelenhirten,
Entschwebte von den Lippen manch’ Gebet:
Geist Gottes auf den blitzzerriss’nen Wogen.
Manch’ Kreuz in bangen Aengsten ward geschlagen,
Auf die vergelbten und zerles’nen Bogen.
Das las der Mönch in öder Dämmerstunde,
Verstohlen hingekniet am Betaltare,
Ein leiser Wind weht aus dem Eichengrunde.
Die unermess’ne, wilde Sehnsuchts-Klage,
Schwebt ungehört vor seinem todten Ohre,
Dieweil sein Geist durchirrt des Buches Frage.
Doch wie an seinem Trauen tief gekränket,
In seiner Seel’ erstarrt, vor kaltem Schauer,
Vom Buch den Blick zu seinem Gott er lenket:
Zu seinem Gott, deß stummes Schmerzensbild,
Bei dem er sich in Ewigkeit verschworen,
Mit bleichem Arm die Bogennische füllt:
Da öffnet sich sein abgestorben Ohr,
Das ihm des Teufels wilder Fluch vergellte,
Und er vernimmt den allgewalt’gen Chor.
Und zu sich wall’n sieht er die finstern Schatten,
Die langgedehnten, Alles was die Welt,
Und die Natur ihm zu gewähren hatten:
Von Bäumen, die die ew’ge Klage wimmern,
Von Bäumen, so die schwanken Blätter zeugen,
Um sie zu Staub und Asche zu zertrümmern.
Und drüben steigt das lockende Gesicht,
Der volle Mond auf des Gebirges Wipfel
Ein Frauensbild in engelsklarem Licht.
Das Zauberbild schmachtender Sinnlichkeit,
Von Fels zu Felsen fliegt’s triumphend höher,
Medusenkopf erstarr’nd zu süßem Leid.
Wie spielen auf des Mönches blassen Zügen,
Die schwärmerischen Lichter, dunkeln Schatten,
Dazu die Thränen, die sich niederschmiegen. —
Am Buch ist auch der schwarze Band verletzt,
Als wie an einem harten Ding zerstoßen,
Das glatte Leder mannigfach zerfetzt;
Vielleicht, daß in dem Schädel er’s geborgen,
Der in dem Mondschein liegt am runden Fenster,
Wenn in den Chor er schritt am frühen Morgen.
Vielleicht daß er’s im finstern Bogengange,
Der sich Trepp’ auf Trepp’ ab verworren windet
Hineilend zu der Brüder Nachtgesange
Dem erz’nen Seraph in den Kelch geschoben,
Dem riesenhaften, der den stillen Dulder
Am Marterpfahl zur Labung aufgehoben. —
Bei solchen Lesern, ist es leicht zu denken,
Daß manches Blatt zerkniffen und zerrissen,
Wie abgesung’ne Lieder in den Schenken.
Doch wie bis hier es mit dem Faust gekommen,
Da schon sein Flammenstern beginnt zu sinken,
Hat sehr es mit den Kreuzen zugenommen.
Manch’ halbes Blatt ist davon weggerieben,
Als wär’ es angesengt mit rothem Eisen,
Hier hat, so scheints, er’s gar zu toll getrieben,
Hier stehen öft’re Spuren großer Thränen,
Hier ist das Blatt zerpflückt mit krampf’gem Finger
So hat den Mönch erschreckt sein trotzend Wähnen,
Holzschnitte nur sind hier uns noch erhalten,
Verzweifelt keck erfunden und gezeichnet,
Und wimmelnd von entsetzlichen Gestalten.
Noch lüsterner als auf den andern Seiten,
Mit voll’rem Busen und mit wüst’rem Haare
Die schönen Weiber um den Doctor schreiten.
So die im Hemdchen, jene mit der Krone,
Die blonde, wundersüße Königstochter
Entschlafen auf dem goldenen Balkone.