Der Hafen

„Der Hafen“ ist nicht nur ein wilder Abenteuerroman, sondern vor

allem auch eine Dichtung, welche die Erziehung und Entwickelung eines

jungen leichtsinnigen Schülers zu einem pflichtbewußten Menschen

darstellen soll. Baptist Biver, der Held des Buches, flieht kurz vor

seinem Schulexamen aus dem Hause des ihn nicht verstehenden Vaters;

er zieht mit italienischen Musikanten von Ort zu Ort, bis ihn der

Dolchstoß eines eifersüchtigen Liebhabers niederstreckt. Er sucht in

den Armen von Dirnen seine Seelenruhe, lügt und stiehlt und findet

endlich den Hafen seines Lebens in dem Gedanken an die große soziale

Arbeit des deutschen Volkes. Der Roman legt Zeugnis ab von der großen

Kraft eines werdenden Dichters. Mit außerordentlicher Anschaulichkeit

sind die Menschen dieses Buches gesehen und gezeichnet, mit einem

einzigen Strich sind einzelne Gestalten so scharf umrissen, daß wir

sie nie mehr vergessen können. Neben Ausgeburten einer wilden, allzu

jugendlichen Phantasie stehen in dem Werk vereinzelte Szenen voll

tiefstem Stimmungsgehalt, voll echtester Lyrik. Hier erklingt ein

leiser Ton, der an den Dichter des „Funchal“ von fern gemahnt. In

seiner Geschichte der Sehnsucht hatte uns Norbert Jacques

hineinschauen lassen in die letzten Tiefen seines Seelenlebens. In

dem neuen Buche tritt er vor uns hin als der Realist, der mit

offenen, grausamen Augen hineinblickt in die Wirklichkeit.

(Berliner Tageblatt)

Piraths Insel · 第 94 / 96 题