Die Reise Norbert Jacques’ nach brasilianischen Städten unterscheidet
sich von all diesen Fahrten durch zweierlei: durch das reine, von
keinerlei spekulativer Voreingenommenheit getrübte Sehnsuchtsgefühl,
von dem er sich in die Weite, neuen Bildern und Erlebnissen entgegen
tragen läßt, dann durch das starke Heimatsgefühl, das ihn stets davon
zurückhält, sich ganz an den fremden Eindruck zu verlieren. Diesen
Eindruck trachtet er kritiklos, mit völliger Hingabe an seine Reise
und mit der möglichst stärksten Intensität wiederzugeben, und dank
einer hochentwickelten, suggestiven Kraft dichterisch beschwingter
Schilderung gelingen ihm zuweilen breit hingeworfene Freskobilder von
leuchtender Frische und überzeugender Lebensechtheit. So namentlich
das der Kaffeestadt Santos, von Serra do Mar und das der Reise nach
dem Serra do Mirrador, dem Berge der Wunder. Auch rein inhaltlich
genommen, wird man das Buch angeregt und gefesselt lesen. Neue, ganz
unbekannte Kultur- und Unkulturwelten tun sich auf, seltsame
Mischbezirke von europäischem Unternehmergeist und halb orientalisch
anmutender Verkommenheit, dazwischen bizarre und auch tragische Aspekte
auf seltsame Schicksale, wie sie sich nur an diesen gesegneten und
dennoch just von den Erntenden verfluchten Küsten erfüllen können.
(Pester Lloyd)