Pirath lächelte mild und leis und entgegnete: „Ja, ich glaub es
selber!“
„Ja!“ fuhr der Vogel fort, „lieber Pirath, dich haben die Mücken
vergiftet. Was euch Menschen zur Qual da ist, das ist uns zur Lust da.
Sie schicken durch die Adern das Fiebergift in eure Milz, lieber
Pirath, aber wir fangen sie im Sturzflug zur Nahrung. Das ist ein
wunderbarer Genuß!“
„Ist das so?“ fragte Pirath erstaunt.
„Gewiß! Und das weißt du doch auch, du weißer Pirath. Denn du bist kein
Gott!“ piepste der Vogel.
Da gab Pirath dem kleinen Vogel bei sich rasch einen Namen, und er
antwortete: „So sag mir, süßer Vogel Ewe, was bin ich denn?“
„Du bist der Sklave der Insel Kililiki!“
„Woher weißt du das, liebes Vöglein Ewe?“
„Das weiß ich!“
„Aber so sag mir doch, wieso du das weißt, süßes Vöglein Ewe!“ bettelte
Pirath sanft und wehmütig.
„Wenn du dein Blut fragst, so hörst du die Antwort!“ zwitscherte der
Vogel.
„Ich frag mein Blut und höre nur, daß es mit giftigen Pfeilen in meine
Schläfen und in meine Augen stößt. Bitte, bitte, mein innigstes Vöglein
Ewe, so sag es mir doch, wieso ich der Sklave Kililikis bin.“
„So frag die Seeschwalbe!“ entgegnete der Vogel hartnäckig.
„Die Seeschwalbe schläft, und um sie aufzuwecken, müßte ich Wasser in
meinem Eimer holen, und wenn ich zu dieser Verrichtung aufstehe, so
fliegst du fort. So sag’s mir doch, du!“ machte Pirath unruhig.
„So frag dein Kanu, das dort unterm Blätterdach liegt!“ setzte der
Vogel dem querköpfig entgegen.
Pirath wurde immer ungeduldiger. Es erregte ihn, daß er dies kleine
Geschöpf nicht unter seinen Willen zwingen konnte. Er erwiderte barsch:
„Das Kanu hat keinen Mund und kann nicht reden. Nun, mach keine
Umstände und sprich, sonst ...“ Damit griff er listig, rasch und wütend
durch die Nacht nach dem Vogel. Aber ein Blitz schlug auf, die Hand
faßte ins Leere, der Vogel rief aus der Luft herab:
„So frag den dicken Weißen, den du nicht aus dem Steinbruch der
Schlitzäugigen retten wolltest!“
Weil der Vogel mit diesen Worten sein tiefstes und erregtestes Innere
getroffen hatte, sprang Pirath rasend auf und wollte nach dem frechen
Vogel in die Luft springen. Aber da war es ihm, als öffnete er in
seiner Villa zu Haus das Fenster im Schlafzimmer. Unten im Garten hatte
eine Stimme gerufen: „Herr Pirath! Herr Pirath!“ Er hatte die Stimme
seines Kutschers, der ein Schwabe war, erkannt und war rasch
aufgestanden, im Schrecken des plötzlich gestörten Schlafes, das Blut
noch voll schwerer Schlafwärme, und ans Fenster geeilt. Er legte sich
über die Brüstung und rief der Gestalt, die unten im Dunkeln stand, zu:
„Was ist denn?“