Aber Peter entgegnete: „Ich will mein halbes Jahr hier fertig machen.“

„Was suchen Sie denn noch hier? Den Einblick, den Sie brauchten, haben

Sie. Da drunten geht’s ja von selbst, wenn der Verwalter zu Anfang ein

bißchen gut schmiert. Es ist ja wurscht. Ich geb Ihnen private

Aufzeichnungen. Sie sollen allerdings vertraulicher Natur sein. Aber

Sie sehen daraus, wie die Java-Amsterdam-Maatschappij geworden ist. Ich

vertraue Ihnen ...“

Peter entgegnete: „Sie sind vielleicht jetzt in einer Laune, die ...

Ich möchte nicht, daß Sie morgen bedauern, und bitte Sie, es mir nicht

zu geben.“

Föhr sprang auf und lief davon. Er rief zurück: „Potztausend, so

einer!“ Rasch war er wieder da und hatte ein fingerdickes, steif

gebundenes Heft in der Hand. Er gab es Peter: „Ich werde morgen nicht

bedauern. Arbeiten Sie’s durch. Es wird nicht umsonst sein. Wo wir hier

anfingen vor soviel Jahren, da fangen Sie jetzt in Buka an. Nur daß die

Koprapreise derweil um etwa ... etwa ... zweihundert Prozent gestiegen

sind. Und damals ging’s uns auch nicht schlecht. Nach der ersten

Krise.“

Sie plauderten lange. Föhr war vom Champagner wieder zum Whisky

geraten. Er hatte den Korbsessel gegen den Liegestuhl vertauscht. In

einem fernen Winkel brannte eine Glühbirne. Ein Ballen von großen und

kleinen Insekten umwirbelte die feurige Kugel und tanzte mit dem Licht,

das sie aus der gleichmäßigen Flut der Sternennacht von weit rundum

erregend anzog. Peter war auf einmal ungeduldig, wegzukommen. Der

Inhalt des Buches lockte ihn mächtig. Flüchtige Berechnungen entstiegen

seinem Gehirn, ob man die Eingebornen gegen Chinesen umtauschen könnte.

Die Berechnungen versprühten immer wieder plötzlich, und andre

Vorstellungen hoben sich um die steif fruchtbare Urwaldküste des

schwarzen Buka. Er begann auch Föhr zu fürchten, der jetzt mächtig

Whisky trank und die ruhige Versenktheit ihrer bisherigen Unterhaltung

zu durchbrechen anfing. Er redete heftige Sätze, unterbrach sich immer

wieder und rief zwischen seine eigene Rede: „Ich sag’s nicht, ich sag

das Wort nicht, Starnberger See kommt nicht über meine Lippen. Noch ein

Whisky, Junge.“

Er richtete sich auf einmal auf in der Dunkelheit und sagte Peter

leise: „Wenn Sie hierbleiben wollten die zwei Jahre, ich würde

durchsetzen, daß Sie mein Nachfolger werden. Administrateur können Sie

morgen sein. Ich hab heut den Hermings an die Luft gesetzt.“ Seine

Stimme erhob sich allmählich ... „So etwas von Unfähigkeit! Welch

Glück, daß Gott die Kopra immer gleich wachsen läßt. Wenn es nur um ein

Prozent vom Können meiner dreißig Assistenten abhing, so hätten wir

immer Mißernten. Ich werde jetzt die Arbeiter zu Assistenten machen und

die Assistenten zu Käfersuchern. Diese Köppe von aufgeblasener

Dummheit! Man muß selber für alles mit Kopf sein. Ist Europa denn

dümmer geworden in den letzten zwanzig Jahren! Sagen Sie mir das! Oder

welches neue System treibt die Unfähigsten in den Tropendienst? Nun

gehen Sie auch hier weg!“

Peter lenkte ab: „Wir sehen uns ja in zwei Jahren in Deutschland

wieder. Mein Haus liegt zwar nicht am See, dessen Namen man nicht sagen

darf, aber es wird Ihnen trotzdem drin gut gehen, wenn Sie kommen.“

Aber Föhr ließ sich nicht abbringen. Er klagte: „Ich komm ja nicht! Ich

verkomm ja hier noch in den zwei letzten Jahren. Die Geschichte mit den

prangenden Brüsten der Mela ... Boy, noch einen Whisky ... Ich erzählte

ja. Und zwischen den Brüsten der farbigen Weiber geht ein $watershoot$

für weiße Liebhaber in die Tiefe. Der Mohammed soll sie alle zu seinen

Huris nehmen, daß wir Christen diese Plage bis in alle Ewigkeit los

werden! Aber schön sind sie, die Äser. Die Mela ... wie zwei Erdkugeln!

Die ganze Geilheit des Urwaldes hat an diesem Paar Backen

mitgearbeitet. Ich muß ihr morgen noch einmal fünf geben lassen.“

Piraths Insel · 第 52 / 96 题