Ich kann nicht weiter in Paris leben. Es scheint jetzt im Juni die
Heizanlage fürs Rote Meer zu sein. Es ist eine riesenhafte Rôtisserie.
Gestern bin ich auf einem Eisensessel angebacken, denk Dir. Aber nur
mit einer Hälfte. Gott sei Dank! Deshalb muß ich aber mich nach San
Sebastian erholen gehen. Dort soll es so kühl, im Schatten der Pyrenäen
so leidenschaftlich, ergrübelnd warmkühl sein, wie ein Block von Rodin.
Ich werde ins Meer hineinreiten, und die Brandung schlägt an die Brust
des Hengstes und weicht aus. Wie ein Wunder! Wie das Meer vor den alten
heiligen Juden! Denn ein Hengst ist ein Heiliger. Es wird mir einer
hier gezeigt. Der hat Augen wie die Küste Palästinas, die wir ja einst
zusammen sahen, blau wie Enzian, das ich angehaucht hätte. Und Beine
wie ein Schwalbenflug. Er kostet nur 10000 Franken. Eigentlich für
solch ein Geschöpf ein Hauch, ein Nichts, wenn man bedenkt, daß in
Eurem Kessel jedesmal, für wieviel sagtest Du mir doch? Fett gepanscht
wird. Die doppelte Summe, man muß ja von Geld leben, erbittet drum an
den Lyonnais
Deine Dich verehrende Ree.
Peters Herz war erleichtert. Er dachte allerlei hin und her. Aber er
war von Anfang an entschlossen, das Geld zu schicken. Schließlich
schrieb er:
Liebe Ree!
Reite auf dem Hengst mit den palästina-blauen Augen wie eine Schwalbe
fliegt. Das kannst Du ja. Das Gewünschte erwartet Dich an der genannten
Stelle.
Dein Dich verehrender Peter Pirath.
Er war zufrieden mit dem kurzen Satz und zufrieden mit sich. Die Tat!
Eine Tat, so klein wie diese, so anrüchig wie diese, hatte ihn
losgespannt.
Der Dankbrief für die Sendung begann mit: Blonder Bär, schöner
Tollpatsch! ... Eine Woche nach diesem kam wieder ein Brief. Der war
ganz farblos. Das vierte Briefchen war kühl und endigte plump: Ree
steigt an den Rändern der Pyrenäen. Die Sonne neigt sich auf sie
nieder. Andern Leuten genügt es, in ihrem Fett zu sitzen und Dukaten zu
legen. $A chacun son mauvais goût!$
Darauf kam drei Wochen lang überhaupt kein Lebenszeichen von Ree.