Peter stand auf und trat auf sie zu. Er schrie sie an: „Und so, wie ich
nicht will, Sie Gans! Sie haben bis morgen mittag das Haus zu
verlassen. Der Johann wird Ihnen den Lohn ausbezahlen. Dort ist die
Tür.“
„Sie haben Gans zu mir gesagt. Das ist eine Beleidigung!“
Aber Pirath rückte auf sie zu. „Dort ist die Tür!“ rief er noch einmal.
Als die Jungfer draußen war, setzte Peter sich ins Sofa hinein, grub
den Kopf in die Hände, wie zum Schutz gegen das, was um ihn war. Er
sagte halblaut: „Sogar die Dienstboten bietet sie jetzt gegen mich
auf.“
* * * * *
Die Ältliche verließ das Haus. Der englische Stallmeister kam mit
seinen gefrorenen Manieren zu Peter und setzte ihm ein wenig von oben
herab auseinander, daß es ihn inaktiv mache und in seinem Beruf
schädige, wenn er drei Pferden, wie den noch vorhandenen, seine Dienste
erweise. Er halte seinerseits nicht auf Erfüllung des Vertrags, den er
mit Frau Pirath abgeschlossen habe, und er beabsichtige nach Empfang
des fälligen Gehalts abzureisen.
Peter kam ihm entgegen und bot ihm den Gehalt bis zum Ende des Vertrags
an. Aber die Reitgerte lächelte geringschätzend und sagte: „$Oh no!$“
Er ging. Nach einer ökonomischen Verbeugung.
Diese zwei unangenehmen Persönlichkeiten waren nun entfernt. Aber in
ihrem Weggehen blieb, wie ein sonderbares Kielwasser, eine peinigende
Vereinsamung um Peter Pirath. Er richtete es dann ein, daß er die
Mahlzeiten bei seinem Bruder nahm, weil er über das leere, von
Verlassenheit tönende Haus nicht recht Meister wurde. Er arbeitete
stets in der Fabrik, immer an seiner Zentrifuge. Er hätte diese Arbeit
schon abschließen können. Was er erreicht hatte, war ein neuer Wert.
Aber einerseits fürchtete er, diese Arbeit zu beendigen und ganz allein
zu sein, und andererseits, aber das hätte er ja nach Vollendung des
ersten Modells selbständig und neu weitersuchen können, schwebte ihm
etwas durch die Gedanken, das an der Maschine noch zu vollenden war. Er
hatte einmal im Frühjahr in einer jungen Wiese gelegen, während Ree auf
einem Schimmel plötzlich aus dem Wald sprengte und auf ihn zu
galoppierte. Er dachte gerade in sonnenschläferigen Vorstellungen an
seine Maschine. Ree tat so, als sähe sie ihn nicht und wollte ihn
überrennen. Er blieb liegen, und wie sie da im letzten Augenblick das
Pferd zurückbäumen machte und mit einer energischen, verwunderten und
wilden Bewegung im Sattel dem Pferd half, da war in die von der Gefahr
heftig aufgerüttelten Sinne Piraths, aus einem Teil von Rees Bewegung
heraus, der Einfall eines Maschinendetails gefallen. Das war eine
Schraube, ein Flügel, ein Quirl, ein Zylinder ... ja was? — aber ein
letzter genialer Schluß, der seiner Zentrifuge die Vollkommenheit
gegeben hätte.
Aber nachdem das Erstaunen, Erschrecken, Erwachen vorbei waren,
überfiel ihn Ree mit einem wilden Gewoge von Zorn und Zärtlichkeit,
Gutmütigkeit und Bosheit, und sein Gedächtnis verlor den Einfall
vollkommen. Er grübelte jetzt ununterbrochen hinter ihm her. Ach, es
war so weich und schmerzvoll genießerisch wie ein Dichten aus der
Jugend, denn Ree kam mit den heißen schönen Augenblicken jener raschen
und heftigen Bewegung von damals wieder in seine Vorstellungen,
überstieg die Zentrifuge, wie eine Diana dunkel leuchtend, und führte
ihn durch Gefilde, die mehr waren als diese Welt und Kopra.
Nachdem Ree etwa eine Woche fort war, kam eines Tages ein Brief, auf
dessen Adresse Peter erschrocken Rees Schrift erkannte. Birgst du
Gutes? Birgst du Böses? fragte er und zögerte, das Kuwert
aufzuschneiden. Er fühlte, als ob etwas wie eine primitive Fatalität
aus dem milchig blauen großen Kuwert aufsteigen wollte.
Er schnitt auf, zuerst zurückhaltend, dann riß er hastig und mit
schwachem Herzen den Brief hervor.
Paris, Juni.
Hotel Royal.