Da flüsterte Peter schmerzvoll verloren: „Du Grünäugige! Du Tigerin!“

Hermann rang mit seiner heißen Rührung, die wie ein Fluß in ihm

anstieg. Es tat ihm so weh, wie er seinen Bruder, der sonst so gescheit

und stark war, gegen diese hexenhafte winzige Weiblichkeit ankämpfen

sah. Bruder, Bruder! flüsterte sein Herz. Sei doch lieb! Sei

vernünftig! „Das Leben ist doch kein Träumen. Die Wirklichkeit muß

erkämpft werden, Peter!“ sagte er laut. „Ich versteh, daß du sie nicht

lassen kannst. Aber du mußt dich doch mit ihr einrichten. Anders als

jetzt! Solche Sachen wie das Schießen heut, das ist Wahnsinn! Ich weiß:

Fäuste nutzen nichts. Deine breiten Schultern und deine ein Meter

neunzig imponieren ihr nicht. Mein Peterchen, sei lieb und denk nach.

Vielleicht wollen wir zwei zusammen noch viel mehr mit aller Kraft und

Zeit an unserm Unternehmen arbeiten. So eine Fabrik ist doch etwas, was

sicher auf dem Erdboden steht. Da weiß man, daß diese Arbeit jenen

Erfolg hat, daß sie wächst, wenn man hier im Kopf eine Anstrengung

macht. Anders wie bei Menschen! Die schweben. Die sind Engel oder

Teufel oder beides zumeist, und dann ist’s am ärgsten. Peterchen,

nicht, wir wollen ganz fest zusammen arbeiten, und vielleicht kannst du

sie dann so mehr, wie soll ich’s sagen, sei nicht bös, so mehr

nebensächlich neben dir haben und sie trotzdem anschauen immerdar, wie

es beim Dichter heißt. Du arbeitest deine Zentrifuge mit aller Energie

fertig, und wir wollen sie gleich einführen. Ich versprech’ dem

Geschäft so viel davon, daß auch mein Arbeitsteil bedeutend wächst. Aus

der Zentrifuge wird wieder etwas Neues und Größeres herausgeschleudert.

Und dann werden wir allmählich so etwas wie Kokoskönige, Fettkönige,

Pirathenkönige ...“

Auf einmal änderte er den Ton: „Es ist uns beiden etwas von dem

überkommen, der der Familie den Namen gab. Weißt du, ich meine eine

gewisse Sturmsicherheit, die in uns mehr oder weniger automatisch

wirkt, wie bei Piraten, die gewöhnt sind, gegen den Sturm zu kämpfen.

Hast du nie das Gefühl davon gehabt?“

Da antwortete Peter plötzlich ergriffen: „Um es zu sagen, es begleitet

mich immer. Nur Ree ... Ich bin ihr nicht gewachsen und“ — er lachte

— „das Familienoberhaupt der Piraths schneidet die Segel ab vor diesem

Sturm.“

„Ich bin zwar kein Segler, aber ich glaub’, das rettet doch das

Schiff?“

„Nicht immer.“

Die Brüder schieden voneinander. Die Unterredung konnte keine

praktische Lösung ergeben. Aber der Atem zärtlichster

Bruderfreundschaft, den Peter bei ihr empfangen, wärmte und sicherte

ihn. Er ging nach Haus, und er dachte an nichts, was er dort

unternehmen könnte. Er wollte den Zufall wirken lassen. Als er in sein

Haus kam, fragte er nach niemandem, und niemand kümmerte sich um ihn.

Er blieb allein am Tisch, auf dem das Nachtessen aufgetragen wurde.

„Kommt meine Frau nicht zum Nachtessen?“ fragte er das Mädchen. Das

Mädchen antwortete erst nicht. Es war ein ältliches dunkelhaariges

Frauenzimmer mit einem von zahllosen Fältchen kalt gefurchten Gesicht.

Peter wußte, daß es seiner Frau sehr anhing. Als sie nicht antwortete,

drehte er sich zu ihr hin und schaute sie an. Dann fragte er noch

einmal.

Sie schaute über den Teppich, zog die Mundwinkel hoch, und alle

Fältchen bildeten nun häßliche Winkelchen in dem frühalten Gesicht. Sie

sagte schadenfroh und eingeweiht: „Die Gnädigste hat vorgezogen

abzureisen!“

Peters Herz bekam einen Stich. Eine schmerzende Unsicherheit

bemächtigte sich seiner. Er kämpfte sie im Zorn zurück. Er fragte

heftig: „In was für einem Ton sprechen Sie mit mir, Hanne?“

Piraths Insel · 第 12 / 96 题