In London fehlte Rubens die künstlerische Thätigkeit nicht. Der

belgische Meister bekam bald verschiedene Aufträge von Karl I. Er

malte für denselben einen Ritter Georg, wobei er dem Heiligen die

Züge des Königs gab; und als Vorbild für eine Prunkschüssel, welche

in Silber angefertigt werden sollte, entwarf er in sorgfältiger

malerischer Ausführung eine Geburt der Venus. Auch diese beiden Gemälde

wurden nach dem Tode des Königs veräußert und sind erst in neuerer

Zeit nach London zurückgekommen; der St. Georg befindet sich in der

Sammlung der Königin im Buckingham-Palast, die Geburt der Venus in

der National-Galerie. Ferner fertigte der Meister acht Skizzen an,

welche die Geschichte des Achilles behandelten und als Vorlagen für

Wandteppiche zum Schmucke eines der königlichen Gemächer bestimmt

waren; dieselben sind jetzt in verschiedenen englischen Sammlungen

zerstreut. Der Hauptauftrag aber, mit dem Rubens von König Karl

bedacht wurde, war die Ausschmückung des Festsaales von Whitehall mit

Deckengemälden, welche eine Verherrlichung des Königs Jakob I enthalten

sollten. Schon vor acht Jahren, als das neue Schloß von Whitehall

noch gar nicht fertig war, hatte Karl Stuart, damals noch Prinz von

Wales, den Antwerpener Meister für diese Arbeit in Aussicht genommen.

Rubens füllte die in neun Felder geteilte Decke mit allegorischen

Darstellungen in kühn verkürzten, perspektivisch von unten gesehenen

Figuren und mit köstlichen Kinderfriesen; daß die Allegorien die

schwülstige Sprache der Zeit reden, darf man dem Künstler nicht zum

Vorwurf machen. An Ort und Stelle malte Rubens zunächst nur die Skizzen

zu diesem umfangreichen Werk; die Ausführung im großen beschäftigte ihn

daheim während mehrerer Jahre; erst im Herbst 1635 kamen die Bilder an

ihren Bestimmungsort.

[Illustration: Abb. 80. +Selbstbildnis des Meisters+; Studie zu dem

in der Münchener Pinakothek befindlichen Gemälde: Rubens und Helene

Fourment im Garten. Handzeichnung in der Albertina zu Wien. (Nach einer

Aufnahme von Ad. Braun & Co., Braun, Clément & Cie. Nchfl., in Dornach

i. Els. und Paris.)]

Am 23. September 1629 verlieh die Universität Cambridge Rubens den

Ehrentitel eines ~Magister in artibus~. Dies war eine der Gelehrsamkeit

des Meisters gezollte Anerkennung; zur Belohnung für seine

staatsmännischen Verdienste wartete seiner eine andere Auszeichnung,

welche aus der persönlichen Entschließung des Königs hervorging. Am

21. Februar 1630 erteilte Karl I dem erzherzoglichen Gesandten Peter

Paul Rubens die Ritterwürde. Die Verleihung fand in Whitehall mit aller

bei solchen Gelegenheiten herkömmlichen Feierlichkeit statt. Nach

vollzogenem Ritterschlag empfing Rubens noch als besonderen Gunstbeweis

einen Diamantring und eine mit Diamanten besetzte Hutschnur aus den

Händen des Königs. Nach einer Überlieferung soll Karl ihm auch das

beim Ritterschlage gebrauchte Schwert verehrt haben. Das Rubenssche

Wappen erhielt eine Bereicherung, indem in dasselbe ein oberes rechtes

Eckfeld, welches in Rot einen springenden goldenen Löwen zeigt,

eingefügt wurde.

[Illustration: Abb. 81. +Helene Fourment als Braut.+ In der Pinakothek

zu München. Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.]

Bevor Rubens England verließ, Anfang März 1630, machte er dem

holländischen Gesandten Joachimi einen Besuch, um mit diesem wegen der

Möglichkeit eines Sonderfriedens mit den Generalstaaten zu sprechen;

als er dabei den Ausdruck gebrauchte, daß allen 17 Provinzen, -- den

vereinigten sowohl wie den spanischen, -- die Ruhe wiedergebracht

werden möchte, gab Joachimi die bezeichnende Antwort, dahin führe

nur ein Weg: die Vertreibung der Spanier. Dies erzählt Carleton,

der inzwischen Graf von Dorchester und Staatssekretär geworden war,

in einem Briefe an einen anderen englischen Staatsmann, und er fügt

die Worte hinzu: „Rubens hat den Ruf hier unter uns gewonnen, daß er

ein zu ehrenhafter Mann ist, um gegen sein Wissen eine Unwahrheit zu

sagen.“ -- Rubens’ Geschicklichkeit in der Behandlung staatsmännischer

Geschäfte und seine Verdienste um das Zustandekommen des von ihm

so sehnlich herbeigewünschten Friedens fanden von allen Seiten nur

Anerkennung. Als es sich darum handelte, für Don Coloma, den spanischen

Gesandten in England, einen Nachfolger zu ernennen, wurde Rubens für

diesen Posten in Vorschlag gebracht; doch unterblieb die Ernennung, da

die spanischen Granden gegen die Bemerkung eines Grafen von Oñate, es

gezieme sich nicht, daß ein Mann, der von seiner Hände Arbeit lebe,

der Vertreter des Königs von Spanien sei, keine Einwendung machen

konnten. Philipp IV aber bezeugte dem Meister noch auf mehrfache Weise

seine Dankbarkeit. Im Juni 1630 ernannte er den jungen Albert Rubens

zum dereinstigen Nachfolger seines Vaters in der Würde eines Sekretärs

des geheimen Rats. Im August des nämlichen Jahres erteilte er Rubens,

dem Vorgange des Königs von England folgend, die Ritterwürde: derselbe

sollte, heißt es in der betreffenden Urkunde, die mit diesem Titel

verknüpften Vorrechte in allen spanischen Landen, ganz ebenso und in

derselben Form genießen, wie wenn er, der König von Spanien, ihn zum

Ritter geschlagen hätte.

Anfang April 1630 war Rubens wieder in Antwerpen, doch nur für kurze

Zeit, da er zur Erzherzogin nach Brüssel berufen wurde. Gegen Ende Juni

erst konnte er wieder anfangen, sich mit ganzer Kraft seiner Arbeit zu

widmen. Es gab genug zu thun. Mit der Ausführung der großen Aufträge,

welche er vom König von England und von der Königin von Frankreich

erhalten hatte, mußte ein Anfang gemacht werden. Außerdem drängten sich

die Kunstfreunde um den Besitz von Werken von des Meisters Hand, und

dieser, der in seiner Jugend manchen Besteller abgewiesen hatte, weil

ihm derselbe nicht kunstverständig genug erschien, war mit der Zeit

ein so kühler Geschäftsmann geworden, daß er niemanden mehr abschlägig

beschied; aus Briefen seines Freundes Balthasar Moretus wissen wir, daß

er ganz nüchtern und praktisch die Bildgröße und die Figurenzahl nach

dem Betrage bemaß, den der Besteller anlegen wollte.

Während seiner Abwesenheit von der Heimat, unter den wechselreichen

Eindrücken fremder Länder, in der Unruhe der diplomatischen Thätigkeit

und unter den vielfachen Anregungen des Hoflebens in so sehr

voneinander verschiedenen Staaten hatte Rubens in der That wohl das

Vergessen gefunden, das er nach dem Tode seiner Gattin kaum zu erhoffen

wagte. Heimgekehrt in sein Haus und seine Werkstatt, empfand er die

Vereinsamung, und noch vor Ablauf des Jahres schritt er zu einer

zweiten Vermählung. Am 6. Dezember 1630 wurde in der St. Jakobskirche

zu Antwerpen die Ehe zwischen Peter Paul Rubens und Helene Fourment

geschlossen. Helene Fourment, die Tochter einer Kaufmannsfamilie,

welche mit der Familie von Rubens’ erster Frau verschwägert war,

zählte sechzehn Jahre, als sie dem Dreiundfünfzigjährigen die Hand

reichte; von der mädchenhaften Anmut ihrer lieblichen Erscheinung

gibt ein wundervolles Bildnis von der Hand des glücklichen Bräutigams

uns Kunde, das sich in der Pinakothek zu München befindet (Abb. 81).

Nachdem der Meister sie heimgeführt hatte, wurde er nicht müde, sie

immer von neuem zu malen; man möchte fast sagen, daß die Bildnisse

seiner jungen Frau jetzt der Hauptgegenstand seiner Kunst wurden. Die

Münchener Pinakothek besitzt auch ein köstliches Familienbild, in

welchem Rubens im Frühling 1631 sein neues Glück niedergeschrieben

hat. Wir befinden uns in dem Garten des Rubensschen Hauses; der Flieder

und die Tulpen blühen, vom blauen Himmel strahlt ein mildes Sonnenlicht

herab. Rubens, wie gewöhnlich ganz in Schwarz nach spanischer Sitte

gekleidet, führt seine Frau am Arm, die mit einem schwarzen Mieder,

einem mattgelben oberen und einem grauen unteren Rock und einer großen

weißen Schürze bekleidet ist; ein breitrandiger Strohhut schützt ihr

frisches Gesicht vor der Sonne, und in der Hand hält sie einen Fächer

von Straußenfedern. So schreitet das Paar, dem der junge Nikolas,

ganz in Rot gekleidet, sich anschließt, auf den Gartenpavillon -- das

heute noch vorhandene Erzeugnis von des Meisters baukünstlerischer

Phantasie -- zu, wo Erfrischungen aufgetragen sind. In der Tiefe des

Gartens plätschert ein Springbrunnen, im Vordergrunde füttert eine alte

Dienerin die Pfauen, ein von Küchlein umgebenes Truthühnerpaar läßt

sich behaglich von der Sonne bescheinen, und ein schön gefleckter Hund

springt mit großen Sätzen umher. -- Die aus dem Spiegel gezeichnete

Studie, nach welcher Rubens seinen Kopf in diesem Bilde gemalt hat,

wird in der Sammlung der Albertina aufbewahrt (Abb. 80).

Gleich nach seiner Rückkehr aus England hatte Rubens zwei von den

Bildern aus dem Leben Heinrichs IV zu malen angefangen. Das Leben des

Königs bot für die Darstellung mehr wirkliche Handlung dar, als es bei

den Begebnissen aus dem Leben der Maria von Medici der Fall war; mit

sichtlicher Lust und mit einer Vollkraft, wie sie ihm nur jemals zu

Gebote stand, hat der Meister die zuerst aus der beabsichtigten Reihe

gewählten Gegenstände behandelt: die Schlacht bei Ivry und Heinrichs

IV Triumph. Dort blicken wir in ein wildes Schlachtgetümmel, in dessen

Mitte der König hoch zu Rosse hält, vom Kriegsgott beschirmt und vom

Geiste des Sieges begleitet. Hier zieht in feierlicher Gemessenheit

ein Triumphzug, wie die römischen Kaiser sie hielten, an uns vorüber;

die Siegestrompeten erschallen, Frauen und Kinder jubeln dem Könige

zu, der nicht nur ein Sieger, sondern auch ein Befreier ist, und in

der Luft schwebt eine ganze Schar von weißgekleideten Genien mit

Palmenzweigen und Lorbeerkränzen dem groß und ernst blickenden König

entgegen. Die beiden Bilder befinden sich in der Uffiziengalerie zu

Florenz, im sogenannten Saal der Niobe. Es sind keine ausgeführten

Gemälde, sondern nur Untermalungen; oder nicht einmal das, sondern nur

Skizzen in ungeheurem Maßstabe, die in der Leidenschaft des ersten

künstlerischen Erfassens gleich im großen festgestellten Grundgedanken

der Schöpfungen; vielleicht ist gerade darum ihre Wirkung eine so

bedeutende. Der Meister hat augenscheinlich nur wenige Tage daran

gearbeitet. Das Geschick der Bestellerin gestaltete sich ja sehr bald

derart, daß aus dem ganzen schönen Auftrag nichts werden konnte.

Landflüchtig kam Maria von Medici im Sommer 1630 nach den Niederlanden;

Richelieu hatte mehr Macht über ihren Sohn gewonnen als sie. Sie

sah den Maler, der die Geschicke ihrer früheren Jahre durch seine

Kunst verherrlicht hatte; sie besuchte ihn auch, im Herbst 1631, in

seiner Werkstatt. Aber Maria von Medici war jetzt nicht in der Lage,

als Gönnerin der Kunst aufzutreten; der heimatlosen Königin fehlte

es an Mitteln für ihren eigenen Unterhalt; Rubens lieh ihr Geld,

und sie verpfändete ihm dafür einen Teil ihrer Juwelen. Es ist eine

eigentümliche Fügung des Zufalls, daß Maria von Medici, nachdem sie

noch elf Jahre lang in der Verbannung umhergeirrt war, zu Köln in dem

nämlichen Hause ihr Leben beschloß, in welchem der Maler, durch den sie

sich in der Zeit ihres höchsten Glanzes hatte verherrlichen lassen, die

ersten zehn Jahre seiner Kindheit verbracht hatte.

Neben den Bildern aus dem Leben Heinrichs IV kann man das gleichfalls

in der ersten Anlage stehen gelassene Gemälde des Berliner Museums

nennen, welches die Eroberung von Tunis durch Kaiser Karl V darstellt,

auch dieses eine bezeichnende Probe von der Art und Weise, wie Rubens

bei der Wiedergabe von kriegerischen Vorgängen aus der neueren

Geschichte den gebotenen Stoff durch Einkleidung in eine heldenmäßige

Großartigkeit seinem persönlichen Stil anpaßte.

Im Jahre 1631 wurde Rubens von der St. Lukasgilde zu Antwerpen zu ihrem

Vorsteher erwählt. Er schenkte der Gilde bei dieser Gelegenheit das

jetzt im Museum zu Antwerpen befindliche Bild der heiligen Familie,

welches unter dem Namen „Madonna mit dem Papagei“ bekannt ist, --

ein Werk seiner Jugend, ein Versuch, im Stil der großen Italiener zu

komponieren, und dennoch ein bedeutendes Werk, besonders ausgezeichnet

durch den köstlichen, echt Rubensschen blonden Jesusknaben. -- Das

nämliche Museum besitzt ein anderes Marienbild, welches um die in

Rede stehende Zeit, also vielleicht dreißig Jahre später als jenes,

entstanden sein dürfte. Dasselbe schmückte ursprünglich die Kirche der

Barfüßermönche zu Antwerpen; es ist nicht groß, aber sehr bemerkenswert

wegen einer bei Rubens seltenen Vertiefung nach der gemütvollen Seite

hin. Die heilige Jungfrau ist hier noch als halbes Kind dargestellt;

mit einem Buche in der Hand steht sie vor der Mutter Anna, die, auf

einer Steinbank sitzend, sie mit liebevoller Freundlichkeit unterweist;

hinter der Bank steht der Vater Joachim, auf das Geländer gelehnt,

und betrachtet zärtlich die Gruppe; vor der von silberigen Wölkchen

durchzogenen blauen Luft, von der eine Laube und ein hochgezogener

Rosenstrauch sich abheben, flattern blonde Kinderengel und halten einen

Kranz von Rosen über das Haupt der Jungfrau.

Ein großes Altarbild aus dem Jahre 1631 -- wenigstens gibt die

Überlieferung diese Jahreszahl an -- finden wir in der St.

Martinskirche der kleinen Stadt Aalst (Alost). Hier hatte die Pest

gewütet, und zum Andenken an das Erlöschen der Krankheit hatte die

Pfarrgemeinde das dem heiligen Rochus, der als Fürbitter gegen die Pest

verehrt wird, gewidmete Gemälde bestellt. Das Bild zerfällt in zwei

Teile, einen oberen überirdischen und einen unteren irdischen. Oben

erscheint Christus, von einem Engel begleitet, der Heilige hat sich vor

ihm auf die Kniee geworfen und bittet mit einer Bewegung voll Würde

und Demut für die von der schweren Plage heimgesuchten Sterblichen.

Unten erblicken wir die Schrecken der fürchterlichen Krankheit: ein

Toter liegt am Boden, in ein Leichentuch gehüllt steht eine dem

Tode verfallene hagere Gestalt -- ein Bild der Hoffnungslosigkeit

-- daneben; aber wir sehen auch das Gebet und die Hilfe: ein Greis

streckt in leidenschaftlichem Flehen seine Arme zum Himmel empor, und

wir glauben zu gewahren, wie das Leben plötzlich wieder aufleuchtet

in den Augen eines sterbenden jungen Weibes. So kommt Hoffnung in den

Schrecken, und wir erkennen die unmittelbare Wirkung dessen, was der

Heiland dem Fürbitter in gnädiger Gewährung verleiht. Dem Gemälde wird

in Bezug auf ergreifenden Ausdruck der erste Rang unter Rubens’ Werken

zuerkannt.

Während sich der Meister hier mit seiner ganzen Kraft in einen Stoff

von gewaltigem Ernst vertiefte, schuf er in anderen Werken, die er

in den ersten Jahren nach seiner zweiten Vermählung ausführte, den

glühendsten Ausdruck des Lebensgenusses und der Liebeslust. In mehreren

Exemplaren ist ein hochberühmtes Bild vorhanden, welches gewöhnlich

der „Liebesgarten“ genannt wird; bezeichnender ist der Titel, welchen

es in einer gleichzeitigen Kupferstichnachbildung führt: „Venus’

Lusthof“; Rubens selbst nannte es „~Conversatie à la mode~“. Von den

verschiedenen Ausführungen dieses Bildes, welche in der Farbe und in

Kleinigkeiten der Komposition voneinander abweichen und von denen

in Deutschland diejenige, welche die Dresdener Galerie besitzt, die

bekannteste ist, gilt das im Museum zu Madrid befindliche Exemplar als

das vorzüglichste; dasselbe zeigt Figuren von halber Lebensgröße, das

Dresdener Bild hat kleineren Maßstab bei feinster Ausführung. Auch für

den Holzschnitt hat Rubens dieses Bild einmal gezeichnet; Christoph

Jegher, der des Meisters Zeichnungen mit malerischer Breite trefflich

zu schneiden wußte, hat das Blatt ausgeführt, und Rubens selbst nahm

dasselbe in Verlag. Der Gegenstand ist eine freie Phantasie. Eine

Anzahl von vornehmen Herren und Damen in der reichen und malerischen

Modetracht jener Zeit hat sich in fröhlicher Stimmung in einem Garten

vereinigt. Es ist ein sonniger Sommertag; einladend öffnet sich hinter

einem mit lächelnden Satyrhermen geschmückten Thorbau das schattige

Dunkel einer Grotte, sprudelnde Wasserwerke kühlen die Luft. Neben

der Grotte erhebt sich ein mit dem Marmorbilde der Venus geschmückter

Springbrunnen, und zu den Füßen der Göttin, die hier Alleinherrscherin

ist, hat der größte Teil der Gesellschaft sich auf dem Marmorboden

niedergelassen. Auf dem Rande des Brunnenbeckens aber gaukeln

lebendige Liebesgötter, sie steigen in die Luft, um ihre gefährlichen

Waffen zu gebrauchen, sie huschen durch die Rosenbüsche und flattern

auf den Boden herab, um zu helfen, daß die Paare sich finden, hier

eine Zaghafte drängend, dort einer Nachdenklichen süße Worte ins Ohr

raunend. Über dem ganzen Bilde liegt ein unbeschreiblicher Zauber von

übermütiger Daseinsfreude. Unschwer erkennen wir im Mittelpunkte des

Bildes die in frischester Jugendanmut strahlenden Züge von Helene

Fourment. Frau Helene ist auch das Urbild einer in der Louvre-Sammlung

aufbewahrten Zeichnung (Abb. 82), welche als Studie zu einer der

Besucherinnen des Liebesgartens gedient hat, die in halb knieender

Stellung sich an ihren Kavalier schmiegend, mit neckisch zur Seite

gewendetem Kopfe den Worten lauscht, die er ihr zuflüstert.

[Illustration: Abb. 82. +Studie+ zu dem Bilde „Der Liebesgarten“.

Handzeichnung in der Sammlung des Louvre zu Paris. (Nach einer Aufnahme

von Ad. Braun & Co., Braun, Clément & Cie. Nchfl., in Dornach i. Els.

und Paris.)]

In einem ausgelasseneren Tone hat Rubens das Lied von der bezwingenden

Macht der Liebe gesungen in einem im kunsthistorischen Hofmuseum zu

Wien befindlichen Gemälde, welches man das Venusopfer zu nennen pflegt.

Hier sind es nicht bei aller Zwanglosigkeit wohlgesittete Herren

und Damen, sondern Nymphen und Satyre voll ungezügelter Naturkraft,

welche der Göttin huldigen, um deren Bild dichtgedrängte Scharen

kleiner Liebesgötter wie in taumelndem Rausche kreisen. Aber auch

diese Venus äußert ihre Macht doch nicht bloß in Ausgelassenheit;

eine würdige Frau streut mit Andacht Weihrauch in die Opferflamme,

und zwei wohlgekleidete junge Damen kommen von der Seite herzu, um

ihre Opfergaben darzubringen. Von diesen Damen zeigt die eine uns

den wohlbekannten Magdalenenkopf, während seltsamerweise eine der

allerlustigsten Nymphen die Züge Helenens trägt.

[Illustration: Abb. 83. +Bildnis der Helene Fourment.+ Sammlung van der

Hoop im Reichsmuseum zu Amsterdam. Nach einer Photographie von Franz

Hanfstängl in München.]

Das Jahr 1632 führte Rubens wieder zu einer lebhafteren Thätigkeit in

dem Getriebe der Politik. Schon im Sommer des vorhergehenden Jahres

war er von der Erzherzogin Isabella beauftragt worden, von neuem

Friedensunterhandlungen mit den nördlichen Niederlanden anzuknüpfen.

Wir erfahren, daß er sich im Juli 1631 mit dem Marquis d’Aytona,

der als Gesandter des Königs von Spanien bei der Erzherzogin die

auswärtigen Angelegenheiten der spanischen Niederlande leitete, über

die zu thuenden Schritte besprach, daß er im Dezember im Haag eine

heimliche Audienz bei dem Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien,

dem Führer der Holländer, hatte und daß er im Februar abermals nach

Holland ging. -- In Belgien fing es an unruhig zu werden; mehr und

mehr waren seit dem Tode des Erzherzogs Albrecht die Einheimischen von

den einflußreichen Ämtern zurückgedrängt und durch Spanier ersetzt

worden, und jetzt suchte der Unmut hierüber sich Luft zu machen.

Belgische Edelleute, die ihre Stellungen verloren hatten, schlossen

insgeheim Verbindungen mit den Holländern; der Prinz von Oranien

machte einen Einfall in die belgischen Lande und reizte zum Aufstand

gegen Spanien; die Vereinigten Provinzen verlangten als Bedingung

des Friedens mit den südlichen Niederlanden die Abberufung der

spanischen Truppen aus diesen. Unter so schwierigen Umständen hatte

Rubens die Aufgabe zu lösen, mit dem Prinzen von Oranien, mit dem er

nochmals in Maastricht und in Lüttich zusammenkam, den Entwurf eines

Waffenstillstandsschlusses festzusetzen. Die größten Unannehmlichkeiten

erwuchsen ihm indessen von seiten seiner Landsleute. Im Dezember

1632 schickten die Stände der spanischen Niederlande Abgeordnete aus

ihrer Mitte nach dem Haag. Aber die Infantin scheint nicht frei von

Mißtrauen gegen ihre Edelleute gewesen zu sein; sie erteilte Rubens

besondere Anweisungen und beabsichtigte, denselben den ständischen

Abgeordneten beizugesellen. Gegen diese Sendung des Malers erhoben

die Abgeordneten Widerspruch; aus welchen Gründen, das faßt ein

englischer Staatsmann, William Boswell, in einem Schreiben vom 3.

Februar 1633 in zweifellos sehr zutreffender Weise folgendermaßen

zusammen: „Die Abgeordneten stellen sich Rubens entgegen, weil er

nicht zu ihrer Körperschaft gehört, wenn nicht vielmehr deswegen,

weil er ein unmittelbarer Geschäftsträger ihres Königs ist, und da

er mehr Geist hat als irgend eines ihrer Mitglieder, so hat er um

so mehr Eifersucht unter ihnen erweckt.“ Am heftigsten trat der

Herzog von Aerschot gegen den Vertrauensmann der Erzherzogin auf;

Standesvorurteil und Leidenschaftlichkeit ließen ihn einen Brief von

unentschuldbarer Grobheit an Rubens schreiben. Die Kränkung war so

herb, daß Rubens, obgleich die Infantin seine Sendung den Ständen

gegenüber dadurch rechtfertigen wollte, daß er den Abgeordneten gewisse

Papiere zu überbringen und über seine Verhandlungen mit dem Prinzen

von Oranien Aufklärung zu geben hätte, sich „auf Grund der Abneigung

und des Mißverständnisses zwischen ihm und dem Herzog von Aerschot“

weigerte, nach dem Haag zu gehen. Es wurden von gegnerischer Seite

die unwürdigsten Mittel nicht verschmäht, um Rubens zu verdächtigen,

obgleich dieser nach Gerbiers Worten „ein ungeeigneter Gegenstand, um

Lügen darüber auszudenken“, war; so erzählte man, er hätte für den

Prinzen von Oranien Entwürfe zu Wandteppichen gemalt, in welchen der

König von Spanien und dessen Unterthanen in der gehässigsten Weise

dargestellt wären. -- Unter solchen Umständen mochte dem Meister die

staatsmännische Thätigkeit wohl verleidet werden. Zwar fuhr er fort,

seiner Landesherrin seine Dienste zu widmen; so verhandelte er im März

1633 mit einem geheimen Abgesandten des Königs von Dänemark, der im

Einverständnis mit der Infantin und dem Marquis von Aytona eigens zu

diesem Zwecke aus Holland nach Antwerpen kam. Aber noch vor Ablauf

des Jahres löste das Geschick die Bande der Anhänglichkeit, durch

welche Rubens sich verpflichtet fühlte, in seiner diplomatischen

Stellung auszuharren. Die Erzherzogin-Infantin Isabella starb am 1.

Dezember 1633, und nach dem Tode der Fürstin, welcher Rubens fast

ein Vierteljahrhundert lang gedient hatte, zog dieser sich von der

politischen Thätigkeit zurück. Er lehnte es ab, als im folgenden

Jahre ihm der König von England ein Jahresgehalt anbot, wenn er als

Geschäftsträger Englands nach Brüssel übersiedeln wollte. Jetzt gehörte

er wieder ganz seiner Familie und seiner Kunst.

Rubens(#60502) · 第 7 / 9 段