Außer den Uferbauten und den Hütten errichten die Biber noch eine

dritte Art von Bauten, die sogenannten Burgen. Sie bestehen aus

Knüppeln, zernagten Baumstämmen und Ästen, die mit Erde, Schlamm,

Lehm und Sand verschmiert und verkleidet werden. Die Burgen haben die

Form einer Kuppel. Sie stehen entweder auf dem Lande in der Nähe des

Ufers oder mitten im Wasser. Die Zugänge führen stets unterhalb des

Wasserspiegels ins Wasser. Im Innern der Burg befindet sich ein Kessel

als Wohnraum und meist noch einige Vorratskammern. Die Luftzufuhr

nach dem Kessel erfolgt von oben her durch die dünne Decke. Bisweilen

ist auch ein Luftschlot vorhanden. Ob dieser Luftschacht absichtlich

vom Biber angelegt wird, oder ob er von selbst durch eine Senkung der

dünnen Oberlage entsteht, ist noch nicht aufgeklärt. Wird die Öffnung

zu groß, dann wird sie durch übergelegte Reiser verschlossen.

Die Wasserburgen sind die ursprünglichen Bauten des Bibers, die er

jedoch heute nur noch dort anlegt, wo er völlig ungestört lebt, wie im

Urwalde Kanadas, während die Biber an der Elbe und Mulde hauptsächlich

in unterirdischen Röhrenbauen wohnen und nebenbei noch Reisighütten

und Landburgen errichten. Die norwegischen Biber bauen hauptsächlich

Landhütten, in denen sich auch das Fortpflanzungsgeschäft abspielt, und

nur junge Tiere graben sich Erdröhren als Schlupfwinkel. In Frankreich

dagegen, wo der Biber noch vereinzelt im Rhonedelta vorkommt, legt

er sich meist Erdbaue im Steilufer an. Jeder Uferbau enthält zwei

Räume, von denen der größere als Vorratskammer dient, der kleinere den

Wohnraum und die Wochenstube bildet. Die Baue der Biber sind also je

nach der Örtlichkeit verschieden.

Die merkwürdigsten Bauten des Bibers, gegen die die Burgen und Hütten

ganz zurücktreten, sind die Dämme, mit denen die Tiere das Wasser

anstauen, um zu verhindern, daß der Wasserstand in trockenen Zeiten

zu niedrig wird und die Zugänge zu ihren Bauten freigelegt werden. Zu

diesem Zweck stecken die Biber starke Ast- und Baumstücke, die etwa 1-2

~m~ lang sind und einen Durchmesser von 10-15 ~cm~ haben, senkrecht in

den Grund des Flusses. Die dicht nebeneinander stehenden Pfähle werden

mit Reisern und Zweigen fest verbunden, und das Ganze wird mit Schilf,

Schlamm, Lehm und Erde verdichtet. Die Seite des Dammes, die der

Strömung entgegengerichtet ist, bildet eine senkrechte Wand, während

die andere Seite eine schräge Böschung darstellt. Hierdurch leistet

der Damm dem Wasserdruck den kräftigsten Widerstand. Die stärksten und

größten Dämme des amerikanischen Bibers sind 150-200 ~m~ lang, 2-3

~m~ hoch, am Grunde bis zu 6 ~m~ und oben bis zu 2 ~m~ dick. Es sind

also ganz gewaltige, leistungsfähige Wasserbauten, die imstande sind,

selbst reißende große Ströme in ihrem Lauf aufzuhalten und anzustauen.

Die Dämme werden entweder in gerader Linie von Ufer zu Ufer durch

das Wasser geführt oder auch stromaufwärts etwas gebogen. Schadhafte

Stellen werden sofort sorgfältig ausgebessert. Bei Hochwasser

überwachen die Biber die Dämme sehr eifrig und geben darauf acht, daß

kein Durchbruch entsteht. Reißt die Flut den Damm ein, so wird der

Schaden sogleich wiederhergestellt.

In der amerikanischen Wildnis, wo der Biber noch in großen Kolonien

lebt, geben die Dämme der Landschaft mit der Zeit ein ganz anderes

Gepräge. Durch die Anstauung des Wassers entstehen Teiche, die

allmählich immer größer werden und sich über die angrenzende Landfläche

ausbreiten. Mehrere Dämme einer größeren Biberkolonie in einem

Flußgebiet verursachen eine Kette von Teichen, die terrassenförmig

übereinanderliegen.

Werden solche Stellen später von den Bibern verlassen, so verfallen die

Dämme, die Teiche trocknen aus, und es entstehen sumpfige und morastige

Flächen, die mit einer üppigen Vegetation bewachsen. Einzelne Dämme in

Amerika werden von den Bibern seit Jahrhunderten erhalten, wie man aus

den Torfschichten, die den unteren Teil der Dämme überlagern, schließen

kann.

Das Material für seine Bauten holt sich der Biber aus dem Walde, wo

er sich unablässig damit beschäftigt, Bäume zu fällen. Das Fällen

geschieht in der Weise, daß der Biber in sitzender Stellung den Stamm

kranzförmig von zwei Seiten, nämlich von oben und von unten benagt.

Die Schnittflächen beider Kreise laufen schräg nach dem Innern des

Stammes und treffen sich hier. An dieser Stelle wird der Stamm immer

dünner, bis er schließlich seinen Halt verliert und umfällt. Da der

Biber meist die nach dem Wasser zugewendete Seite des Baumes stärker

benagt, so fällt dieser gewöhnlich nach der Wasserseite um, was den

Transport des Holzes ins Wasser erleichtert. Der gefällte Baum wird

dann von den größeren Ästen befreit und ins Wasser geschleift, indem

der Biber das Ende des Stammes mit den Zähnen erfaßt und so den Baum

vorwärts zieht, was bei schwerer Last langsam und ruckweise mit großer

Anstrengung erfolgt. Im Wasser wird dann die Rinde vom Stamm geschält

und das Holz zerkleinert und gebrauchsfähig gemacht. Für die Bauten

werden nur Holzstücke verwendet, die der Rinde völlig entkleidet sind.

Die zerkleinerten Stämme werden als Pfähle für den Bau der Dämme und

Burgen verwendet, die Zweige dagegen zur Verkleidung und Befestigung

des Bauwerks. Für seine Arbeiten wählt der Biber am liebsten Weiden,

sowie Pappeln, Birken und Eschen, wagt sich aber auch an Eichen und

andere Bäume mit hartem Holz heran. Etwa armdicke Stämme, die er in

kurzer Frist durchnagt, sind ihm besonders willkommen, er scheut

aber auch nicht davor zurück, dicke Bäume von 30, ja 60 oder 70 ~cm~

Durchmesser zu fällen. Am Großkühnauer See bei Dessau haben die Biber

sogar eine Silberpappel gefällt, deren Umfang fast 2 ~m~ betrug. Für

diese Riesenarbeit, die öfters unterbrochen, aber immer wieder mit

neuem Eifer begonnen wurde, gebrauchten die Tiere fast 3 Jahre.

Da die Nahrung des Bibers in Baumrinde, Zweigen und Blättern besteht,

so wird die Arbeit des Holzfällens das ganze Jahr eifrig ausgeübt. Auch

wird beständig an den vorhandenen Bauten ausgebessert, und neue Bauten

werden angelegt. Es fehlt also niemals an Arbeit, und diese ist auch

notwendig, damit die in dauerndem Wachstum begriffenen Nagezähne sich

ständig abschleifen.

Das Fällen der Bäume erfolgt nicht immer unmittelbar am Ufer, sondern

auch in einiger Entfernung davon. Da die Biber für ihre Arbeiten

mit Vorliebe dieselben Stellen aufsuchen, so entstehen mit der Zeit

abgeholzte Blößen, die sogenannten „Biberwiesen“, die durch die

stehengebliebenen Stümpfe mit den schrägen Schnittflächen sofort als

Biberarbeit kenntlich sind.

Die Biber halten auf ihren Wegen zum Arbeitsplatz bestimmte Wechsel

inne. Durch die Schwere ihres Körpers, der ein Gewicht bis zu 30 ~kg~

erreicht, und durch die Last der ins Wasser geschleiften Baumstämme

bilden sich in dem weichen, morastigen Boden Rillen, die sich mit

der Zeit immer mehr vertiefen und erweitern. Das Grundwasser sickert

durch und füllt die Rillen allmählich an, so daß regelrechte Kanäle

entstehen, welche zu dem Platz führen, wo das Holz gefällt wird, und

ebenso auch zu den Hütten und Landburgen, wenn sie etwas weiter vom

Ufer entfernt liegen. Die Biber haben hierdurch den Vorteil, anstatt

des unbequemen Fußmarsches, den sie sehr ungern ausführen, ihre Wege

schwimmend zurücklegen zu können. Die gefällten Baumstämme und Äste

brauchen nicht mühsam zum Wasser geschleppt zu werden, sondern können

auf den Kanälen geflößt werden, was die Arbeit wesentlich erleichtert.

Früher glaubte man, daß die Kanäle von den Tieren absichtlich zu

diesem Zwecke angelegt werden, dies ist jedoch, wie man neuerdings

festgestellt hat, nicht der Fall, sondern sie entstehen auf die

obenbeschriebene Art von selbst.

Einen Winterschlaf hält der Biber nicht. Er verbringt aber die kälteste

Jahreszeit, solange das Wasser zugefroren ist, in seiner Wasserburg

oder in dem Uferbau. Mit Eintritt der Kälte schichtet er große Mengen

von Holz und Ästen vor den unter Wasser liegenden Zugangsröhren auf,

die ein schwimmendes Floß bilden und ihm im Winter zur Nahrung dienen.

Von diesem Vorrat zieht er unter dem Eise den Bedarf an Holz in seine

Behausung hinein. Solange die Eisdecke nur schwach ist, durchbricht er

sie in der Nähe der Zugangsröhren seines Baues an einigen Stellen, um

ins Freie gelangen zu können.

Früher war der Biber über Europa weit verbreitet. In der Mark

Brandenburg kam der Biber noch bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts

vor. An der Havel und Nuthe hat er noch in den sechziger Jahren des

verflossenen Jahrhunderts gelebt. Die Kolonie Neu-Babelsberg bei

Potsdam führt ihren Namen nach dem Biber, der dort häufig vorkam. Der

Name Babelsberg leitet seinen Ursprung von „Biberberg“ her.

Heute lebt der Biber in Europa nur noch an der mittleren Elbe und

Mulde in der Umgebung von Magdeburg und Dessau, ferner im Rhonedelta

und im südlichen Norwegen. Jedoch ist er nirgends mehr häufig. Im

Elbgebiet hat ihn nur der ihm zuteil gewordene gesetzliche Schutz

vor dem Untergang bewahrt, und wir dürfen hoffen, daß der Biber als

Naturdenkmal uns auch weiter erhalten bleibt. In Rußland und Asien,

wo der Biber früher sehr häufig war, scheint er gänzlich ausgerottet

zu sein. Zahlreich ist der Biber noch in den Waldungen des nördlichen

Amerikas, besonders in Kanada, vertreten. Der amerikanische Biber

unterscheidet sich vom europäischen durch ein dunkleres Fell und einen

schmäleren Kopf mit stärker gewölbter Stirn. Er ist infolgedessen als

besondere Art „~Castor canadensis~“ von dem europäischen Biber „~Castor

fiber~“ abgetrennt worden.

Im Körperbau des Bibers fällt besonders der breite, flache, abgerundete

Schwanz auf, der ein vorzügliches Steuerorgan beim Schwimmen ist und

auf dem Lande beim Aufrichten des Körpers auch als Stütze benutzt

wird. Die Hinterfüße sind mit Schwimmhäuten versehen, die jedoch

den Vorderfüßen fehlen. Diese versteht der Biber sehr geschickt als

Hände zu gebrauchen, und sie leisten ihm daher bei seinen Baukünsten

vortreffliche Dienste. Die frühere Auffassung, daß der Biber seinen

breiten Schwanz als Kelle gebraucht, wenn er die Dämme und Burgen mit

Schlamm und Lehm verkittet, ist irrig. Er verrichtet diese Arbeit

ausschließlich mit den Vorderfüßen.

In der Bauchhöhle des Bibers liegen zwei eigenartige Drüsen, die

in der Öffnung der Geschlechtsteile münden und eine braune, stark

riechende Salbe absondern. Diese Drüsen, Geilsäcke genannt, dienen

offenbar zur Anlockung der Geschlechter und wohl auch zur gegenseitigen

Verständigung. Der Biber entleert den Inhalt der Drüsen mit Vorliebe an

seinen Ausstiegen, also an den Stellen, wo er aus dem Wasser ans Land

steigt, um hierdurch andere Biber anzulocken, da er als geselliges Tier

die Gesellschaft seinesgleichen liebt.

Ebenso wie der Biber gräbt sich auch der Fischotter unterirdische

Wohnungen ins Ufer. Die Zugangsröhren münden wie bei den Biberbauten

unter dem Wasserspiegel.

Geräumige Erdwohnungen errichten sich ferner Fuchs und Dachs. Zu dem

Kessel, der das Lager bildet, führen stets mehrere Röhren, so daß der

Fuchs oder Dachs, wenn er von einer Seite bedrängt wird, nach anderen

Seiten ungehindert entweichen kann. In ähnlicher Weise sind auch die

Erdbaue des Murmeltieres, Hamsters, Ziesels, der Ratten und Mäuse

angelegt.

[Sidenote: Brunnenbau des Maulwurfs]

Auch der Maulwurf baut sich in der Erde regelrechte Burgen, die ihm

als Wohnung dienen. Da die Geschlechter für gewöhnlich getrennt leben,

so besitzt jeder Maulwurf seine eigene Wohnstätte, in deren Umgebung

sein Jagdgebiet liegt, das er täglich mehrmals durchstreift. Die

Anlage der Wohnungen ist recht verschieden. Sie liegen meist 30-60

~cm~ unter der Erdoberfläche. Von der eigentlichen Behausung, dem mit

Gras und Blättern ausgepolsterten Kessel, führen mehrere horizontale

Laufgänge nach verschiedenen Richtungen in das Jagdrevier, sowie Röhren

nach oben zur Verbindung mit der Außenwelt. Besondere Luftschachte

enthält der Bau nicht, sondern die durch die Ritzen der aufgeworfenen

Erdschollen spärlich eindringende Luft gibt dem Maulwurf die notwendige

Sauerstoffversorgung. Die Baue der Weibchen sind einfacher und haben

weniger Röhren. Überhaupt machen sich in der Anlage der Baue große

Verschiedenheiten bemerkbar. Bisweilen liegen die Laufröhren in 2

Stockwerken übereinander.

Der Maulwurf trinkt gern und viel und ist daher sehr darauf bedacht,

daß er immer Wasser zur Verfügung hat. Befinden sich Wassertümpel

oder Teiche in der Nähe seines Reviers, so verbindet er diese durch

unterirdische Laufgänge mit seiner Wohnung, damit er stets schnell

seinen Durst löschen kann. Ist dies nicht möglich, dann baut er sich

regelrechte Brunnen. Er gräbt Schächte unter der Erde, in denen sich

das in die Erde dringende Regenwasser ansammelt. Falls die Trockenheit

nicht zu lange anhält, so bleiben die Brunnen stets mit Wasser

gefüllt. --

Andere Säugetiere errichten sich Wohnungen über der Erde, die zum Teil

an Vogelnester erinnern. Ein ganz reizendes Nest baut die zierliche

Zwergmaus, das sie aus zerschlissenen Rohrhalmen und Riedgras

herstellt. Das runde Nest ist oben überwölbt und hat einen seitlichen

Eingang.

Das Nest hängt entweder nach Art der Webervögelnester frei an einem

Zweig oder Halm, so daß es in der Luft hin und her schaukelt, oder

es wird in eine von den Mäusen sehr kunstvoll aus Riedgrasblättern

hergerichtete Tüte gestellt, welche durch Zusammenflechten einer

großen Anzahl von Gräsern angefertigt wird. Das Innere des Nestes, das

lediglich als Wochenstube dient, wird mit Pflanzenwolle ausgepolstert

(Abbildung 17).

Die Zwergmaus ist, wie ihr Name sagt, die kleinste aller Mäusearten und

erreicht nur eine Körperlänge von kaum 6 ~cm~. Sie lebt in Europa von

den Mittelmeerländern bis zum hohen Norden und in Sibirien, soweit der

Ackerbau reicht, denn Getreide bildet ihre Hauptnahrung. Sie ist oben

hellbraunrot und unten weiß gefärbt, klettert sehr gewandt in Halmen

und Zweigen umher und schwimmt auch vorzüglich. Ihr Aufenthalt sind die

Felder sowie das Röhricht in Brüchen und Sümpfen. Obwohl sie durchaus

nicht selten ist, wird sie doch wegen ihrer Kleinheit und ihrer

versteckten Lebensweise leicht übersehen.

Von allen Nagetieren ist die Zwergmaus für die Gefangenschaft besonders

geeignet. Sie ist sehr sauber, verbreitet nicht den unangenehmen

Geruch, der anderen Mäusen anhaftet, und ist sehr lebhaft. Wenn man

ihren Käfig mit Halmen und Zweigen ausstattet, so richtet sie sich

bald häuslich ein und erfreut ihren Pfleger durch den fleißigen Bau

der reizenden Nester. Sie ist ein außerordentlich interessantes Tier,

dessen Beobachtung ebenso lehrreich wie anmutig ist. --

[Sidenote: Ringelschwanz-Phalanger]

Ein sehr hübsches, rundliches, überdachtes Nest, mit seitlichem

Eingangsloch, das dem Nest des Zaunkönigs ähnlich ist, baut der zu

den Beuteltieren gehörende Ringelschwanz-Phalanger (~Pseudochirus

peregrinus~) aus Australien.

[Sidenote: Fallenbau des Eichhorns]

Freistehende Nester baut auch das allbekannte Eichhörnchen. Das Nest,

in dem das Eichhorn seine Jungen großzieht, wird aus Ästen und Laub

hergestellt. Es ist sehr dicht und fest, oben überdacht und besitzt ein

halbmondförmiges Schlupfloch. Das Nest steht entweder in einer starken

Astgabel, angelehnt an den Hauptstamm des Baumes, oder auch in einer

Baumhöhlung. Sehr gern benutzen die Eichhörnchen auch alte Raubvogel-

oder Krähenhorste als Unterlage für ihren Nestbau. Außer diesen

„Hauptnestern“ baut das Eichhörnchen noch „Notnester“ aus Laub in den

Baumkronen, in die es seine Jungen trägt, wenn das Hauptnest gefährdet

ist. Außerdem errichtet das Eichhorn in den äußersten Zweigen der Bäume

sogenannte „Lustnester“, die weniger fest und liederlicher gebaut sind

und anscheinend nur aus Spielerei und zur Befriedigung der Baulust

hergestellt werden. Eine vierte Art von Nestern sind die „Fangnester“.

Sie haben ein sehr großes Eingangsloch und bestehen im Innern aus zwei

durch eine Scheidewand getrennte Räume. In der Scheidewand befindet

sich ein Durchschlupf, der durch eine bewegliche Klappe verschlossen

ist. Diese Fangnester stellen eine regelrechte Vogelfalle dar. Meisen,

Zaunkönige und andere Kleinvögel, die gern Schlupfwinkel aufsuchen,

kriechen hinein und werden dann von dem außen auf einem Ast auf der

Lauer liegenden Eichhörnchen in dieser Falle gefangen.

[Sidenote: Netze der Spinnen]

Die Kunst des Fallenstellens wird auch von anderen Tieren geübt. Die

Spinnen weben Netze, in denen sie Fliegen und Mücken, die ihre Nahrung

bilden, fangen. Die Form dieser Fangnetze ist je nach der Art der

Spinne verschieden. Die Kreuzspinne webt ein radförmiges, vertikal

stehendes Netz, indem sie zuerst den äußeren Rahmen herstellt, der

zwischen zwei übereinander befindlichen Zweigen oder im Winkel eines

Gebäudes befestigt wird. Dann zieht sie im Durchmesser des Kreises

einen Faden, begibt sich in den Mittelpunkt und zieht von hier aus

zahlreiche Strahlen nach der Peripherie, wobei sie stets den zuletzt

gesponnenen Faden zur Rückkehr nach dem Zentrum benutzt. Zum Schluß

werden die Strahlen durch eine Anzahl parallel laufender Kreise

verbunden (Abbildung 18). Der mittlere Raum des Netzes bildet später

den Aufenthaltsort der Spinne, wo sie beim Insektenfang auf der Lauer

liegt. Er besteht aus trockenen Fäden, während die übrigen Fäden des

Netzes zahllose, kleine Knoten enthalten, die einen klebrigen Stoff

absondern, der dazu dient, die sich fangenden Insekten festzuleimen

und zu verhindern, daß sie sich aus dem Netz befreien. Sobald sich

eine Fliege gefangen hat, stürzt sich die Spinne auf ihr Opfer, beißt

es tot und verzehrt es, oder spinnt um die Fliege eine feine Hülle von

Fäden, um sie als Mundvorrat für spätere Zeit aufzubewahren. Fängt

sich eine Wespe oder ein anderes der Spinne nicht zusagendes Insekt,

so befreit sie das Tier, indem sie das Spinngewebe in dessen Umgebung

zerbeißt. Nicht immer sitzt die Spinne in der Mitte des Netzes, sondern

bisweilen, besonders bei ungünstiger Witterung, verkriecht sie sich in

einem Schlupfwinkel in der Nähe des Fangnetzes, mit dem sie aber durch

den Spinnfaden ihres Leibes verbunden bleibt. Die Erschütterung des

Netzes beim Fang einer Beute wird der Spinne durch den Faden fühlbar

gemacht, der gewissermaßen als Telegraph wirkt. Die Spinne begibt sich

dann zunächst in den Mittelpunkt des Netzes, um von hier aus die Beute

zu ergreifen.

Die Baldachinspinne spinnt als Fangnetz eine wagerechte Decke und

zieht darüber schräge Fäden nach allen Richtungen. Die Beute fängt

sich zunächst in diesen Fäden, gerät dann auf die darunter befindliche

Decke, in deren Mitte die Spinne, mit dem Rücken nach unten hängend,

lauert.

[Illustration:

Abbildung 22 James’ Preß Agency, London

Riesengürtelschweif

Eine mit Stacheln bewehrte Echse]

[Illustration:

Abbildung 23 James’ Preß Agency, London

Krötenechse

Eine mit Dornen bewehrte Echse von krötenartigem Aussehen]

[Illustration:

Abbildung 24 James’ Preß Agency, London

Anoli

mit aufgeblasenem Kehlsack in Abwehrstellung]

Die Labyrinthspinne stellt ein wagerechtes Fangnetz her, das wie eine

Hängematte in niedrigem Buschwerk oder zwischen Kräutern ausgespannt

ist. Die eine Seite des Netzes endigt in einer mehrfach gewundenen

Röhre, in die oben, zum Schutz gegen Regen und Sonnenstrahlen, ein

Blätterdach hineingewebt ist. Diese Röhre bildet die Warte der Spinne,

in der sie auf Raub lauert.

[Sidenote: Minierspinne]

Die in den Mittelmeerländern beheimatete Minierspinne gräbt in die

Erde einen etwa ½ ~m~ langen Gang und tapeziert dessen Wandung mit

Spinngewebe aus, um ihm Halt und Festigkeit zu geben. Die Öffnung der

Röhre wird durch eine ebenfalls aus Gewebe hergestellte bewegliche

Klappe, die oben in einem Scharnier hängt, verschlossen. Diese Tür

fällt durch ihre Schwere von selbst zu, wenn sie geöffnet worden ist.

Dies Verließ mit der selbsttätigen Tür dient der Spinne nicht als

Fangvorrichtung, sondern lediglich als Schlupfwinkel am Tage, den sie

nur in der Nacht verläßt, wenn sie auf Raub ausgeht. Jedem Versuch,

die Tür von außen zu öffnen, leistet die Minierspinne nach Kräften

Widerstand, indem sie die Klappe von innen mit den Füßen festhält und

sich dabei gegen die Wand ihrer Behausung stemmt.

[Sidenote: Wasserspinne]

Die Wasserspinne errichtet an Wasserpflanzen eine Fangglocke aus

Luftblasen, die vermittels eines klebrigen Sekretes ihrer Spinndrüsen

aneinander geheftet werden. Der etwa walnußgroße Bau, der mit seinem

unten liegenden Eingange einer umgestülpten Glocke ähnlich ist,

wird noch durch Spinnfäden verstärkt und gefestigt. Von der Öffnung

aus werden einzelne lange Fäden nach allen Richtungen ins Wasser

gezogen, die als Fallstricke für die in der Nähe vorüberschwimmenden

Wasserinsekten dienen. Die auf diese Weise gefangene Beute wird dann in

die Glocke gezogen und verspeist, oder wenn der Hunger gestillt ist,

hier mit einem Faden aufgehangen, um für spätere Zeit aufgehoben zu

werden.

Der Faden, mit dem die Spinnen ihr Gewebe herstellen, entsteht aus

einer zähen Flüssigkeit, die in Drüsen in der Leibeshöhle gebildet wird

und aus den siebartig durchlöcherten Spinnwarzen abgesondert wird. An

der Luft erhärtet diese Masse zu einem trockenen oder auch klebrigen

Faden.

Die Spinne benutzt den Spinnfaden nicht nur zur Herstellung ihres

Fangnetzes, sondern auch um schnell und bequem eine Ortsveränderung

vorzunehmen. So läßt sie sich an dem wie von einer Spule ablaufenden

Faden aus der Höhe zur Erde herabgleiten, ist auch imstande, an dem

Faden wieder in die Höhe zu klettern, wobei sich dieser nicht, wie

man früher glaubte, wieder in den Leib zurückzieht, sondern um die

Füße gewickelt wird. Wenn es gilt, einen weit entfernten Gegenstand

zu erreichen, dann schwingt sich die an einem langen Faden hängende

Spinne so lange hin und her, bis sie Fuß fassen kann. Der Faden dient

also auch als Schwebeseil. Schließlich spielt die Spinnkunst eine große

Rolle bei der Fortpflanzung. Die weibliche Spinne baut für die Eier,

die sie sorgsam behütet, und die Jungen ein Nest aus Spinnfäden, das

sie entweder mit sich herumträgt oder in einem Versteck unterbringt. --

[Sidenote: Ameisenlöwe]

Eine regelrechte Falle zum Fang von Beute fertigt sich auch der

Ameisenlöwe an, ein zu den Netzflüglern gehörendes Insekt. Seine Larve

gräbt in den Sand einen Trichter, der 5 ~cm~ tief ist und am oberen

Rande 7-8 ~cm~ weit ist. Dieser Trichter ist eine Fanggrube, auf

dessen Grunde der Ameisenlöwe auf Beute lauert, um Ameisen oder andere

Insekten, die hineinfallen, mit den zangenförmigen Kiefern zu erfassen

und zu verzehren. Zum Bau des Trichters gräbt das Insekt zuerst mit

den Füßen eine kreisförmige Rille und schaufelt dann den in der Mitte

stehenbleibenden Sandhügel mit seinem breiten, flachen Kopf heraus,

wobei durch Drehen des Körpers eine trichterförmige Mulde entsteht.

Da sich hauptsächlich Ameisen in der Grube fangen, so führt der kleine

geschickte Fallensteller den Namen „Ameisenlöwe“.

[Sidenote: Pillendreher]

Eine eigenartige Kunst betreiben die in den Mittelmeerländern,

besonders in Ägypten heimischen Pillendreher. Sie gehören zur Familie

der Mistkäfer und zeichnen sich durch einen großen halbkreisförmigen

Kopf aus, dessen vorderer breiter Rand gezackt ist. Die Pillendreher

entfalten bei der Fortpflanzung eine höchst sonderbare Kunst. Sie

drehen, wie ihr Name sagt, Pillen als Hülle für die Aufbewahrung

der Eier. Mit Hilfe des zackigen Kopfschildes wird aus einem Haufen

Kuhdünger ein Stück abgesondert und mit den Füßen zusammengeballt. Das

Weibchen legt dann ein Ei hinein. Jetzt rollen beide Ehegatten den

Dungteil hin und her, indem der eine Käfer mit den Beinen nach vorn

zieht, während der andere mit dem Kopf von hinten schiebt. Durch dieses

Rollen erhält der Dung allmählich die Gestalt einer Kugel, die bei den

größeren Pillendreherarten einen Durchmesser von fast 5 ~cm~ hat. Ist

die mühevolle Arbeit des Pillendrehens vollendet, dann graben die Käfer

eine Röhre in den Erdboden, versenken darin die Dungkugel mit dem Ei

und schütten die Öffnung zu. Haben die Käfer eine größere Anzahl Eier

auf diese Weise eingebettet, gehen sie an Erschöpfung zugrunde. Wie so

viele Insekten, besiegeln auch sie die Liebe mit dem Tode.

Im Zauber des Tierlebens · 第 16 / 26 段