und matt sind, sondern gleich sehr regsam und frisch. Sie nehmen
sofort Nahrung zu sich und bewegen sich in gewohnter Weise. Die
Landschildkröten, welche sich ziemlich tief in die Erde eingraben,
haben sogar eine nicht unerhebliche Kraftprobe zu leisten, um sich aus
der Erde wieder zur Oberfläche emporzuarbeiten.
Die Dauer des Winterschlafes ist je nach dem Klima verschieden.
In nördlichen Gegenden, wo der Winter sehr streng ist und lange
anhält, währt auch der Winterschlaf sehr lange und dehnt sich unter
Umständen über ein halbes Jahr hinaus aus. Nach +Simroth+ verbringt
die lebendiggebärende Bergeidechse (~Lacerta vivipara~), deren
Verbreitungsgebiet sich in Europa und Asien bis zum 70. Grad nördl. Br.
erstreckt, in der nördlichen Zone ihrer Heimat 9 Monate im Winterschlaf
zu. Sie befindet sich also während des größten Teils ihres Lebens in
einem erstarrten Zustande der Lethargie.
Ein Winter- bzw. Sommerschlaf kommt auch bei den Fischen vor, was im
allgemeinen weniger bekannt ist. Wir lernten die Tiefseefische als
stenotherm kennen, d. h. sie sind einer bestimmten Temperatur angepaßt,
da die Temperatur der Tiefsee konstant ist. Stenotherm sind ferner die
Fische der Polarmeere und der Tropengewässer, in denen ebenfalls keine
großen Temperaturunterschiede sich geltend machen. Die anderen Fische
sind eurytherm, d. h. sie können bis zu einem gewissen Grade erhebliche
Wärmeschwankungen vertragen.
Für jede Fischart gibt es eine bestimmte Normaltemperatur, unter
der ihr Körper die größte Leistungsfähigkeit bekundet, was sich in
gesteigerter Freßlust und im Laichgeschäft zeigt. Die Normaltemperatur
der einzelnen Fischarten ist sehr verschieden. Die Temperaturzone
wird nach oben durch eine Maximaltemperatur, nach unten durch eine
Minimaltemperatur begrenzt. Innerhalb dieser Grenzen bleibt die
Lebenstätigkeit ungestört. Werden die Grenzen überschritten, so
erleiden Körper und Organe eine Einbuße an Aktivität, und bei weiterer
Steigerung wird der Tod herbeigeführt.
Ein Sinken der Wassertemperatur unter die niedrigste Grenze der
Temperaturzone ruft bei den Fischen einen Zustand hervor, der sich
mit dem Winterschlaf der Amphibien und Reptilien vergleichen läßt.
Die Fische vergraben sich dann im Grunde, nehmen keine Nahrung mehr
zu sich, und die Lebenstätigkeit wird eingeschränkt. Sie verfallen in
einen erstarrten Zustand, in dem die Herztätigkeit von 20-30 Schlägen
in der Minute auf 1-2 Schläge zurückgeht. Ebenso wie bei den Reptilien
erfolgt der Bedarf des Stoffwechsels aus dem aufgespeicherten Fett.
Die im Frühjahr steigende Wassertemperatur ruft die schlafenden Fische
zu neuem Leben wach. Sehr niedrige Kältegrade vertragen die wenigsten
Fische. Eine Ausnahme macht der Karpfen, der sich nicht in den Schlamm
eingräbt, sondern im Eis einfrieren läßt und Kälte bis zu 20°~C~
erträgt. Eingefrorene Fische bleiben jedoch nur so lange lebensfähig,
als das Blut in den Adern flüssig bleibt und nicht gefriert. Ebenso muß
das Auftauen sehr allmählich vor sich gehen. Andernfalls bildet der
schmelzende Zellsaft destilliertes Wasser, das den Organismus vergiftet.
In der heißen Zone halten die Fische einen Sommerschlaf, wenn in der
Zeit der Dürre das Wasser austrocknet. Sie vergraben sich vorher in den
Schlamm und verfallen, sobald sich eine harte Kruste darüber gebildet
hat, in Erstarrung, welche die Atmung völlig unterbricht.
Die in den Gewässern des tropischen Afrikas lebenden Molchfische hüllen
sich im Sommerschlaf in eine Kapsel aus Schlamm ein, von der eine
röhrenförmige Öffnung nach der Oberfläche führt. Das untere Ende dieses
Luftschachtes mündet vor dem Maul des Fisches, dem hierdurch dauernd
Luft von außen zugeführt wird. Eine Sauerstoffzufuhr durch die Luft
kann nur einem Lungenatmer dienlich sein, aber nicht einem Fisch, der
durch Kiemen im Wasser atmet, und da sehen wir nun bei den Molchfischen
die eigenartige Erscheinung, daß seine Kiemen sehr zurückgebildet sind
und die Schwimmblase zur Lunge geworden ist. Sie sind also befähigt,
auch in der Luft zu atmen, und erinnern daher an die Molche, die trotz
ihres Lebens im Wasser Lungenatmer sind. Bei den Molchfischen wird
also während des Sommerschlafes die Atmung nicht eingestellt, sondern
sie erfolgt durch die als Lunge funktionierende Schwimmblase. Auch im
Wasser kommen die Molchfische öfters an die Oberfläche, um Luft zu
schöpfen, da die unvollkommene Kiemenatmung ihnen nicht genügt. Eine
nah verwandte Art des afrikanischen Molchfisches ist der Schuppenmolch,
der den Amazonenstrom bewohnt und dieselbe Lebensweise führt.
Auch andere Fische besitzen die Fähigkeit, den zum Leben notwendigen
Sauerstoff nicht allein aus dem Wasser, sondern auch aus der
atmosphärischen Luft zu schöpfen. Hierzu gehören die Labyrinthfische
der tropischen Gewässer Afrikas und Asiens. Die Labyrinthfische
besitzen außer den Kiemen noch ein besonderes Organ, das Labyrinth,
welches zur Luftatmung dient. Das Labyrinth ist ein sackartiges
Gebilde im Kopf, das mit den Kiemen und der Rachenhöhle in Verbindung
steht und von einer blutgefäßreichen Haut umgeben ist. Der Fisch
füllt das Labyrinth durch Schnappen mit dem Maul mit Luft. Es findet
ein lebhafter Gaswechsel zwischen dem Blut und der Luft statt. Das
Labyrinth erfüllt also die Tätigkeit einer Lunge. Die Luftatmung durch
das Labyrinth ist für die Labyrinthfische nicht nur ein zeitweiser
Ersatz für die Kiemenatmung, sondern geradezu eine Notwendigkeit. Sie
sterben in kurzer Frist, wenn man sie gewaltsam verhindert, an die
Oberfläche zu kommen und Luft zu holen. Ihre Fähigkeit, Luft zu atmen,
nutzen die Labyrinthfische im weitgehendsten Maße aus. Der indische
Schlangenkopf (~Ophiocephalus striatus~) unternimmt weite Wanderungen
auf dem Lande, wobei er sich schlängelnd fortbewegt und sich mit Hilfe
der Brustflossen und Schwanzflosse vorschiebt.
Der ebenfalls in Indien heimische Kletterfisch (~Anabas scandens~) geht
nicht nur zeitweise ans Ufer, sondern steigt sogar auf schräg aus dem
Wasser herausragende Baumstämme.
Zu den Labyrinthfischen gehören ferner die Guramis, Kampffische
und Makropoden, welche in der Aquarienliebhaberei heute eine große
Rolle spielen und auch teilweise in Gefangenschaft zur Fortpflanzung
schreiten.
Die Labyrinthfische halten in der Trockenzeit einen Sommerschlaf im
Schlamm, wobei ihnen die Labyrinthatmung zugute kommt.
Auch unter unseren einheimischen Fischen gibt es einige Arten, die
einen Sommerschlaf halten. Schleie und Schmerlen verfallen bei
allzu großer Wasserwärme in einen lethargischen Zustand, den man
„Wärmestarre“ nennt. Die Schmerlen vergraben sich hierbei in den
Schlamm, die Schleie legen sich auf dem Grund auf die Seite. --
[Sidenote: Winterschlaf der Säugetiere]
Ein Winterschlaf, in dem der Körper erstarrt und die Lebenstätigkeit
vermindert wird, kommt nicht nur bei den kaltblütigen Tieren vor, die
eine sehr zähe und widerstandsfähige Natur haben, sondern sogar bei den
Warmblütern.
Die kleine Haselmaus baut sich im Moos und Laub auf der Erde aus
Gräsern und feinen Reisern, die mit Speichel fest ineinander verkittet
werden, ein kugelrundes Nest, in dem sie sich zusammenrollt und die
kalten Wintermonate verschläft. Die Haselmaus ist ein ausgesprochenes
Baumtier, lebt von Nüssen, Eicheln und anderen harten Früchten, sowie
von Beeren und Blattknospen und klettert außerordentlich gewandt in
den Zweigen umher. Der nah verwandte Gartenschläfer und ebenso der
Siebenschläfer halten in einem aus Moos und Laub errichteten Nest in
einer Baumhöhle, Felsspalte oder in altem Gemäuer einen tiefen und
langen Winterschlaf. Das Alpenmurmeltier überwintert familienweise in
einem etwa 1-1½ ~m~ unter der Erde liegenden, selbstgegrabenen und
mit Heu ausgepolsterten Kessel. Die Heuernte des Murmeltiers beginnt
bereits im August. Die Tiere beißen dann das Gras ab, lassen es
trocknen und tragen es in die für den Winterschlaf angelegte Behausung.
Die Fledermäuse überwintern in Kellern, Dachgiebeln, Höhlen und hohlen
Bäumen. Sie hängen sich zu ihrem langen Schlaf an den Hinterfüßen auf
und wickeln sich ganz in die Flughäute ein. Sie hängen entweder frei an
der Decke oder krallen sich an den Wänden an. Viele Arten vereinigen
sich zum Winterschlaf in großen Gesellschaften, häufig zu vielen
Hunderten und hängen dann in Klumpen dicht neben- und übereinander.
Eigentümlich ist die verschiedene Haltung der Ohren während des
Schlafes. Manche Fledermäuse strecken die Ohren weit heraus, andere
rollen sie zusammen oder verbergen sie mit dem Kopf ganz unter der
Flughaut.
Die meisten winterschlafenden Säugetiere, wie Haselmaus, Hamster,
Siebenschläfer, Gartenschläfer und Ziesel, füllen ihre Schlafkammern
mit Futtervorräten an, von denen sie besonders in der ersten Zeit,
wenn sie ihr zurückgezogenes Dasein beginnen, leben, und die ihnen nach
ihrem Erwachen die erste Nahrung spenden.
Der Schlaf dieser Tiere ist nicht anhaltend wie bei den Reptilien und
Amphibien, sondern er wird hin und wieder unterbrochen.
Genaue Untersuchungen sind in neuerer Zeit über den Verlauf des
Winterschlafes beim Murmeltier angestellt worden. Sobald das Murmeltier
sich in seine winterliche Behausung zurückgezogen hat, fällt es nicht
sogleich in festen Schlaf, sondern es schläft nur zeitweise. Die Dauer
des Schlafes wird allmählich länger, die Zeit des Wachseins kürzer, bis
nach etwa 2 Wochen der eigentliche, tiefe Winterschlaf beginnt, der
jedoch alle 3-4 Wochen von einem kurzen, etwa zwölfstündigen Erwachen
unterbrochen wird. Am Schluß der Überwinterung, die etwa 5-6 Monate
dauert, folgt wieder eine zweiwöchentliche Periode des Halbschlafs, in
der die Pausen zwischen Schlafen und Wachen immer kürzer werden und die
Schlafdauer abnimmt, bis schließlich das Tier sein Winterlager verläßt.
Auch Haselmaus, Siebenschläfer, Hamster und Ziesel unterbrechen
zeitweise ihren Schlaf. Hamster und Ziesel verlassen sogar an milden
Wintertagen auf kurze Zeit ihren Bau, um ihn freilich sehr bald wieder
aufzusuchen und den Schlaf von neuem zu beginnen.
Bei den Fledermäusen, die keine Vorräte eintragen, scheint der Schlaf
schneller einzusetzen und auch fester und anhaltender zu sein. Freilich
erwachen auch sie hin und wieder und fliegen dann in dem Keller oder
Gewölbe, in dem sie Unterschlupf suchten, umher, scheinen aber auch
häufig die ganze Zeit des Winterschlafes in Erstarrung zu verbringen.
Ebenso wie bei den Kaltblütern wird auch bei den Säugetieren im
Winterschlaf die Lebenstätigkeit herabgesetzt. Die Atmung wird auf
ein Minimum beschränkt, die Bluttemperatur nimmt erheblich ab, der
Stoffwechsel wird bedeutend verringert, ohne jedoch völlig aufzuhören.
Schlafende Murmeltiere atmen nur zwei- bis sechsmal in der Minute,
im wachenden Zustande aber fünfzig- bis sechzigmal. Beim Ziesel
folgen die Atemzüge im Winterschlaf in Abständen von 50-56 Sekunden,
während im Wachen die Atmung 25mal so schnell vonstatten geht. Noch
viel langsamer ist die Atmung der erstarrten Fledermäuse, die nur
alle Viertelstunde einen Atemzug tun. Die verlangsamte Atmung bedingt
einen geringen Stoffwechsel und eine Abnahme der Bluttemperatur.
Beim Murmeltier beträgt der Sauerstoffverbrauch während des tiefsten
Schlafes nur ¹⁄₄₀–¹⁄₃₀ des Normalverbrauchs im wachen Zustande. Das
Blut wird konzentrierter und reicher an Kohlensäure. Ferner nimmt das
Azeton im Blute des schlafenden Tieres zu, wodurch nach +Dubois+ die
Wirkung eines Schlafmittels erzeugt wird. +Dubois+ betrachtet daher den
Winterschlaf als eine Autonarkose durch Kohlensäure und Azeton.
Der Körper der schlafenden Tiere ist kalt und starr. Die Temperatur
sinkt beim tief schlafenden Ziesel bis auf 2°~C~ herab. Sie beträgt bei
Fledermäusen etwa 7°~C~, bei Haselmäusen 9-14° gegen 35° bei wachenden
Tieren. Beim Erwachen tritt eine auffallend schnelle Steigerung
der Temperatur ein. Nach den von +Pembrey+ ausgeführten Messungen
steigt die Temperatur bei der Haselmaus innerhalb einer Minute von
13,5° auf 35,75°~C~, bei der Fledermaus in 14 Sekunden um 22,25° und
beim Murmeltier um 12°. Der Vorderkörper erwärmt sich schneller als
der Leibesteil. Eine so schnelle Erwärmung bedingt einen starken
Verbrennungsprozeß organischer Substanz, der sich in einer ungeheuer
großen Kohlensäureproduktion auswirkt. Die Kohlensäureausscheidung
beträgt pro Stunde und Kilogramm 2200 ~mg~ und ist mehr als doppelt so
groß wie im Normalzustand. Ferner ist beim Erwachen die Verbrennung
von Kohlehydraten sehr groß, die sich im Körper während des Schlafens
in Form von Glykogen aufgespeichert haben, da in dieser Zeit nur Fette
verbrannt werden.
Die Außentemperatur ist nur von geringem Einfluß auf die Temperatur
des winterschlafenden Tieres. Die Verminderung der Bluttemperatur
wird vielmehr durch die Veränderung des Organismus selbst erzeugt,
die durch das Aufhören der Ernährung, die Unbeweglichkeit, die
herabgesetzte Atmung und den Mangel an Sauerstoff hervorgerufen wird.
Da die Abnahme der Temperatur die charakteristischste Eigenschaft der
Winterschläfer ist, so meint man, daß diese allmählich einsetzende
Körperbeschaffenheit den Zustand des starren Schlafes erzeugt, den
andere Forscher, wie oben gesagt wurde, für eine Autonarkose durch
Kohlensäure und Azeton halten. Soviel scheint jedenfalls festzustehen,
daß der Schlaf der Säugetiere ebenso wie der Schlaf der Kaltblüter
nicht allein durch äußere Temperatureinflüsse hervorgerufen wird,
sondern seine Ursache auch im Innern des Organismus hat. Hierfür
spricht ferner die Erfahrung, daß Haselmäuse und Fledermäuse auch
im warmen Zimmer in Schlaf fallen, der freilich nicht so tief und
anhaltend ist wie im Freien. Andererseits leiden die Tiere sehr
darunter oder sterben, wenn sie künstlich wachgehalten werden. Der
Winterschlaf ist also ein notwendiges Lebensbedürfnis.
[Illustration:
Abbildung 20 A. Spaney phot.
Wandelndes Blatt
Beispiel für Mimikry]
[Illustration:
Abbildung 21 James’ Preß Agency, London
Chamäleon
mit vorgestreckter Zunge]
Daß Kälte allein nicht den Schlaf hervorruft, geht ferner daraus
hervor, daß mitunter auch ein Sommerschlaf stattfinden kann. Bei
+Forel+ schlief ein Siebenschläfer im Sommer vom Mai bis zum August,
und umgekehrt ließen sich Ziesel im Sommer durch künstlich erzeugte
hohe Kälte nicht zum Schlafen bringen. Eine Vorbedingung zum Schlaf
scheint eine starke Anhäufung von Fett zu sein. Alle Säugetiere setzen
vor dem Winterschlaf ein Fettpolster an, das häufig umfangreicher ist
als die Muskulatur, und von dem sie in dem Zustande der Lethargie
zehren. Allzu reichliche Fettbildung scheint daher den abnormen
Sommerschlaf hervorzurufen, da solche Tiere stets einen ungewöhnlichen
Fettansatz besaßen. Andererseits fielen magere Tiere in Gefangenschaft
im Winter nicht in Schlaf, sondern blieben trotz niedriger
Außentemperatur wach und rege.
Wenn auch die Erzeugung des Schlafes von der Außentemperatur wenig
abhängig ist, so läßt sich doch eine gewisse Grenze erkennen, die
nicht überschritten werden darf, um den Schlaf zu erhalten. So stellte
+Pflüger+ durch Versuche fest, daß Murmeltiere bei einem Sinken der
Außentemperatur unter 4° erwachten.
Eine eigentümliche Erscheinung ist das periodisch sich einstellende
Erwachen während des tiefen Schlafes. Es dient hauptsächlich der
Harn- und Kotentleerung, die im Winterschlaf nicht unterbrochen
werden, wenigstens nicht bei allen Tieren. Man hat diesen Vorgang beim
Murmeltier näher beobachtet und dabei festgestellt, daß der Druck der
angefüllten Blase Zuckungen hervorruft, welche die Atmungsbewegungen
reflektorisch beschleunigen und hierdurch das Erwachen des Tieres
veranlassen. Werden diese Zuckungen der Blase pathologisch
unterbrochen, so schläft das Tier weiter, bis es stirbt.
Während des schlafenden Zustandes sammelt sich das Blut im Herzen und
in den großen Gefäßen in der Brust und im Leibe, während das Gehirn
fast blutleer wird. --
Das Körpergewicht nimmt im Winterschlaf bedeutend ab. Die Tiere
verlassen ziemlich abgemagert ihr Lager.
Die Zeit des Winterschlafes ist verschieden und richtet sich nach
der geographischen Lage der Heimat. Im hohen Norden währt der Schlaf
bedeutend länger als im gemäßigten Klima. Die Schlafzeit schwankt
zwischen 2 und 7 Monaten. Am längsten dauert sie bei den Fledermäusen
und dem Murmeltier, die etwa ein halbes Jahr im Winterschlaf verbringen.
Die starke Abkühlung der Körpertemperatur macht die schlafenden
Säugetiere den kaltblütigen Tieren ähnlich, was auch in einer großen
Lebenszähigkeit hervortritt. Das herausgenommene Herz schlägt bei
Aufbewahrung in kühler Temperatur noch mehrere Stunden. Schneidet man
schlafenden Fledermäusen den Kopf ab, so treten noch nach einer Stunde
Reflexbewegungen auf.
Weniger fest als bei den bisher genannten Tierarten ist der
Winterschlaf des Dachses und des Bären. Der Dachs bezieht seinen für
den Winterschlaf gut ausgepolsterten Bau mit Eintritt der kälteren
Jahreszeit, lebt hier zunächst noch einige Zeit von den aufgestapelten
Vorräten und rollt sich erst mit Eintritt des Frostes zum Schlaf
zusammen, den er jedoch öfters unterbricht. In milden Wintern verläßt
er auch zeitweise in der Nacht seinen Bau, um zu trinken und Nahrung
zu sich zu nehmen. Die Ernährung erfolgt jedoch hauptsächlich durch
die reiche Fettschicht, die er sich im Laufe des Sommers und Herbstes
angemästet hat. Gänzlich abgemagert kommt er dann im Frühjahr zum
Vorschein.
Noch weniger fest als der Dachs schläft der Bär. Erst mit Eintritt der
Kälte und nach starkem Schneefall bezieht er sein Winterlager, das
sich in Erdhöhlen, hohlen Bäumen, im Gestrüpp oder unter Wurzelhöhlen
befindet und stets vor den rauhen Nord- und Ostwinden geschützt ist.
Die Bärin bezieht im allgemeinen ihr Winterlager früher als der Bär
und polstert es auch mit Moos und Laub aus, in dem sie während des
Winterschlafes 1-3, bisweilen auch 4 Junge wirft. Während des Werfens
ist die Bärin wach, schläft aber nachher wieder ein.
Der Bär legt zu seinem Winterlager häufig weite Wanderungen zurück, die
sich über 200-300 ~km~ erstrecken können. Nur sehr alte Bären nehmen
hiervon Abstand und schlagen sich in der Nähe ihres Aufenthaltsorts
ein. Selten begibt sich der Bär auf geradem Wege zur Lagerstätte, in
der Regel macht er zahlreiche Widergänge und Sprünge nach verschiedenen
Richtungen, die manchmal 4-6 ~m~ weit sind, um seine Spur zu
verwischen. Ja, die Vorsicht geht sogar bisweilen so weit, daß der Bär
manche Strecken rückwärts schreitend zurücklegt, um seine Fährte zu
verwischen und sein Winterlager zu verheimlichen.
Der Bär versinkt nicht wie andere Winterschläfer in einen völlig
starren, lethargischen Zustand, sondern befindet sich nur in einem
Halbschlaf, aus dem er schon durch geringe Geräusche und Störungen
leicht erweckt wird. Er ist dann sofort rege und flüchtet aus dem
Lager. Infolgedessen muß das Einkreisen schlafender Bären sehr
vorsichtig und ruhig geschehen, damit der Bär nicht vorzeitig das
Lager verläßt und den Schützen entgeht. Manche Bären verlassen auch
freiwillig ihren Schlafplatz, wandern umher und beziehen ein anderes
Lager.
Je feister der Bär ist, um so fester liegt er im Lager. Der Fettansatz
scheint also wie bei den anderen Winterschläfern die Schlafsucht zu
befördern.
Während des Winterschlafes nimmt der Bär keine Nahrung zu sich, nicht
einmal die Bärin, obwohl sie ihre Jungen säugen muß. Auch scheint keine
Harn- und Kotentleerung stattzufinden, denn der Bär fastet schon 2
Wochen vor dem Beziehen des Winterlagers.
Beim Bären wird im Gegensatz zu den meisten anderen Säugetieren, die
im Winter schlafen, der Schlaf allein durch die Kälte veranlaßt, aber
nicht durch innere physiologische Vorgänge; denn im milden, frostfreien
Winter schlägt er sich überhaupt nicht ein, sondern bleibt dauernd
rege. Auch gefangene Bären halten meist keinen Winterschlaf und bleiben
trotzdem gesund bis ins hohe Alter. Der Winterschlaf ist also für den
Bären keine Lebensnotwendigkeit.
Wenn der Bär im Frühjahr das Winterlager verläßt, dann gebraucht er
zunächst eine gründliche Abführkur, um Magen und Gedärme wieder in
Ordnung zu bringen. Zu diesem Zwecke verzehrt er Moos und Moosbeeren,
die die Verdauung günstig beeinflussen.
Einen Winterschlaf halten nur die Landbären, aber nicht der Eisbär,
obwohl er die kalte Zone bewohnt. Er fühlt sich in der Region des
ewigen Eises im Sommer wie im Winter wohl.
[3] ~Mk~ bedeutet Meterkerze, d. h. die Lichtintensität in
Meterentfernung von einer Normalkerze.
Kunst und Handwerk im Leben der Tiere
Die Urahnen des Menschengeschlechts wohnten nach Art wilder Tiere
in natürlichen Felshöhlen. Erst die fortschreitende Entwicklung des
menschlichen Geistes weckte im Menschen den Gedanken, sich eigene
Wohnstätten zu erbauen und sich in bestimmten Gegenden, die günstige
Lebensbedingungen gewährten, anzusiedeln. So bildeten sich die ersten
menschlichen Niederlassungen. Die allmählich erwachende Kultur,
die eine Folge des Ackerbaues und der Ansiedlung der Menschen war,
verwandelte die ersten, primitiven Laubhütten in feste Gebäude, die
einen hinreichenden und dauernden Schutz gewähren sollten gegen die
Unbilden der Witterung, die Gefahr durch wilde Tiere und nicht zum
mindesten gegen die Angriffe, die die Menschen selbst gegeneinander
führten. Es entstanden Steinbauten, massive Wohnhäuser, Burgen und
Festungen.
Diese Errungenschaften der Kultur sind jedoch nicht das alleinige
Vorrecht des Menschen geblieben. Wir finden sie, wenn auch nicht in
gleicher Vollendung, so doch in ähnlicher Weise sogar in der Tierwelt.
Obwohl Kultur, Kunst und Wissenschaft der Tierseele fremd sind, so
wissen die Tiere dennoch, kunstvolle Bauten für ihre Unterkunft und ihr
Heim herzustellen, deren Ausführung unsere Bewunderung erregen muß.
[Sidenote: Kunstbauten des Bibers]
Ein vollendeter Baukünstler unter den Säugetieren ist der Biber. Er
errichtet sich feste Burgen und baut sogar Staudämme im Wasser nach
allen Regeln der Wasserbautechnik.
Die Behausungen der Biber liegen teils im Wasser, teils werden sie
am Ufer auf dem Lande oberirdisch oder unterirdisch angelegt. Die
unterirdischen Uferbauten bestehen in einem größeren Kessel, der höher
als der Wasserspiegel liegt. Von ihm führen mehrere Gänge zum Wasser,
die unter dem Wasserspiegel münden, so daß der Biber seine Wohnung
ungesehen, unter Wasser schwimmend, erreichen und verlassen kann.
Der Wohnraum ist mit Holzspänen ausgelegt. Häufig besteht die ganze
Anlage nicht aus einem, sondern aus mehreren Kesseln, die durch Röhren
miteinander verbunden sind.
Steigt bei anhaltendem Regen das Wasser sehr hoch, so daß der Uferbau
überschwemmt wird und die Wohnräume unter Wasser stehen, dann legen die
Biber weiter entfernte Notbaue an. Sie errichten auf dem Lande Hütten
aus Reisern und trockenem Laub, die sie so lange beziehen, bis der
Wasserstand gefallen ist und die Uferbaue wieder bewohnbar werden. Die
verlassenen Hütten liegen dann ziemlich weit vom Wasser entfernt und
ihre Zugangsröhren münden auf dem Lande.
Wenn dagegen umgekehrt in trockenen Jahren der Wasserstand so weit
fällt, daß die unter Wasser mündenden Zugangsröhren der Uferbauten
trocken gelegt werden, dann verkleiden die Biber die Öffnungen der
Röhren durch Vorbauten aus Reisig, die laubenartig zum Wasser führen,
so daß sie wieder, ohne ans Land steigen zu müssen, ihre Wohnungen
erreichen können.