Das Vorhandensein von Augen bei den Tiefseefischen, die sogar eine

äußerst sinnreiche Organisation erlangt haben, deutet von vornherein

darauf hin, daß in der Tiefsee keine völlige Dunkelheit herrschen

kann, wie man es früher angenommen hat, wenigstens nicht in jenen

Tiefen, in denen diese Fische leben. Ein gewisser Lichtschein muß

auch noch in die größeren Tiefen des Meeres eindringen. Daß dies

tatsächlich der Fall ist, haben die Versuche erwiesen, die man in

neuerer Zeit mit photographischen Platten gemacht hat. Hiernach

ist die Lichtintensität der Farbenstrahlen sehr verschieden. Nach

+Helland-Hansen+ ist die Einwirkung der roten Lichtstrahlen auf eine

im Meer versenkte photographische Platte schon in einer Tiefe von 100

~m~ sehr schwach, während die blauvioletten Strahlen bis zu 500 ~m~

Tiefe und die violetten und ultravioletten Strahlen sogar bis zu 1000

~m~ eine Einwirkung erkennen ließen. Die meisten Tiefseefische steigen

nicht tiefer als bis zu 500 ~m~ in das Meer hinab, und nur wenige Arten

leben in größeren Tiefen, deren Grenze nach den heutigen Forschungen in

etwa 1000 ~m~ liegt. So steht also den Tiefseefischen immer noch eine

gewisse Lichtquelle zur Verfügung. Auch halten sich die Tiefseefische

keineswegs ausschließlich in der Tiefsee auf, sondern dringen zeitweise

auch in das Pelagial ein, d. h. in die oberhalb der Tiefsee gelegene

Wasserschicht.

Die meisten Tiefseefische sind dunkel gefärbt, einige Arten rot und

silberweiß. Die dunkeln Fische leben in den größten Tiefen von 1000

~m~, die roten in geringeren Tiefen, deren obere Grenze 500 ~m~

beträgt, und die silberglänzenden Fische oberhalb 500 ~m~. In dieser

Vertikalverteilung der Farben liegt ein vorzüglicher Schutz. Da die

roten Lichtstrahlen in einer Tiefe von 500 ~m~ nicht mehr zur Geltung

kommen, so sind die roten Fische hier unsichtbar. Die silberweißen

Fische, welche in höheren Schichten leben und in das Pelagial bis zu

einer Tiefe von 150 ~m~ heraufsteigen, sind wieder in ihrer hellen,

glitzernden Farbe, die dem Wasser angepaßt ist, gut geschützt. --

[Sidenote: Leuchtorgane der Tiefseetiere]

Unter den in der Tiefsee vorkommenden Krebsen finden wir Formen mit

riesenhaft großen Augen, die ein Zehntel, ja sogar fast ein Sechstel

der Körpergröße erreichen. Ein kleiner, zu den Schizopoden gehörender

Tiefseekrebs (~Stylocheiron mastigophorum~) hat Stielaugen von 1

~mm~ Länge und ½ ~mm~ Breite bei einer Körpergröße von nur 6-8 ~mm~

Länge. Das sind Verhältnisse, wie sie unter den übrigen stieläugigen

Krebsen nicht im entferntesten vorkommen. Das Auge der Tiefseekrebse

ist ein überaus lichtstarkes optisches Instrument. Der Hintergrund

des Auges ist stark glänzend, um das Licht der Leuchtorgane anderer

Tiefseetiere, die den Krebsen zur Nahrung dienen, besser aufnehmen zu

können.

Andere Tiefseekrebse haben völlig verkümmerte Augen, wie die japanische

Tiefseekrabbe (~Cyclodorippe uncifera~). Dasselbe Tier kommt, wie

sein Entdecker +Chun+ feststellte, auch im Flachwasser vor und hat

hier wohlentwickelte Augen. Die Larven der blinden Tiefseeform sind

zunächst nicht blind, sondern haben Augen, die erst in der Metamorphose

verkümmern. Die Krebslarven sind sehr beweglich und durchschwimmen

weite Räume im Meer. +Chun+ konnte nun feststellen, daß die Larven der

Tiefseekrabbe sich viel schneller verwandeln als die Larven der im

Flachwasser wohnenden Rasse. Diese abgekürzte Metamorphose verhindert,

daß die Larve in höhere, hellere Regionen aufsteigt, in denen das

Auge durch den Lichtreiz nicht verkümmern würde. Die Dunkelheit ist

offenbar die Voraussetzung für die Bildung der rudimentären Augen der

Tiefseeform.

Bei den blinden Tiefseekrabben sind als Ersatz für die verkümmerten

Augen der Geruch und der Tastsinn sehr fein ausgebildet.

Viele Tiere der Tiefsee haben besondere Leuchtorgane am Körper. Sie

strahlen in verschiedenen Farben, in Gelbgrün, Blauviolett und Rot.

Der gelbgrüne Glanz ist der häufigste. Vielfach sind Leuchtkörper mit

verschiedenen Farben an demselben Tier vereint.

Die Leuchtorgane treten am meisten bei den Tiefseefischen auf. Sie

befinden sich hier an den verschiedensten Stellen des Körpers. Sie

sitzen teils am Ende der Strahlen der Rückenflossen auf besonderen

Tentakeln und werden hiernach Tentakelorgane genannt. Teils befinden

sie sich auf den Barteln, an der Basis der Flossen, auf dem

Kiemendeckel oder in der Umgebung der Augen. Schließlich können sie

auch in symmetrischen Reihen an den Körperseiten, am Schwanz und auf

dem Bauch liegen oder auch unregelmäßig über den ganzen Körper verteilt

sein.

Der Bau der Leuchtorgane ist äußerst kompliziert und mannigfaltig.

Das Leuchten ist nicht, wie man früher annahm, ein physiologischer

Vorgang, der im Protoplasma selbst erzeugt wird, sondern nach +Brauer+,

der sich eingehend mit der Erforschung der Tiefseefauna beschäftigt

hat, ein chemischer Prozeß. Die Drüsen der Leuchtorgane sondern eine

Ausscheidung ab, die in Verbindung mit Sauerstoff zum Leuchten gebracht

wird. In vielen Fällen wird das Sekret nach außen abgesondert, es

fließt ins Wasser und verbindet sich mit dem im Wasser enthaltenen

Sauerstoff. Der Leuchtprozeß geht dann also außen vor sich. Bei anderen

Leuchtorganen wird das Sekret nicht nach außen abgesondert, sondern der

chemische Vorgang spielt sich im Innern des Körpers ab, indem der zum

Leuchten notwendige Sauerstoff vom Blut des Fisches zugeführt wird. Die

Lichtproduktion ist hier also eine intrazelluläre. Die Lichtstärke der

Leuchtorgane beträgt etwa 0,0024 ~Mk~[3].

Bei vielen Leuchtorganen sind die Drüsen, welche das Sekret absondern,

mit einem Bindegewebe umschlossen, das nadelförmige Guaninkristalle

enthält und wie ein Scheinwerfer wirkt, der das Licht zurückwirft. Ein

Pigmentmantel hinter dem Reflektor blendet das Licht nach hinten ab.

Das einzelne Leuchtorgan stellt also eine regelrechte Laterne dar.

Die Leuchtorgane leuchten zum Teil nur auf einen besonderen Reiz, zum

Teil dauernd. Im letzteren Falle können sie abgeblendet werden, indem

sie mit Hilfe einer besonderen Muskulatur nach dem Körper zu umgedreht

werden.

Die Tiefseefische leben teils auf dem Meeresgrunde, teils in der

darüberliegenden Wasserschicht. Erstere nennt man wissenschaftlich

benthonische, letztere bathypelagische Fischarten. Die benthonischen

Formen leben meist gesellig und nähren sich von wenig beweglichen

Tieren. Sie sind daher im allgemeinen ruhig und träge. Die

bathypelagischen Fische sind Einzelgänger und leben von beweglicher

Beute. Sie sind daher sehr lebhaft und durchschwimmen auf der Suche

nach Nahrung große Strecken sowohl in horizontaler wie in vertikaler

Richtung im Meere. Viele bathypelagische Tiefseefische besitzen keine

Schwimmblase, wodurch die Bewegung in vertikaler Richtung erleichtert

wird. Die mit Gasen gefüllte Schwimmblase ist ein hydrostatischer

Apparat, mit dessen Hilfe der Fisch jederzeit sein spezifisches Gewicht

verändern und der Wassertiefe, in der er sich aufhält, anpassen kann.

Die Schwimmblase verändert ihren Umfang je nach dem Wasserdruck, der

auf dem Fischkörper lastet. Bei geringem Wasserdruck vergrößert sie

sich, bei zunehmendem Wasserdruck wird sie verkleinert. Eine plötzliche

Verringerung des äußeren Druckes kann sehr leicht eine Zerreißung

der Schwimmblase durch die schnelle Ausdehnung der Gase hervorrufen.

Dies tritt meist ein, wenn Tiefseefische im Netz an die Oberfläche

gebracht werden. Die Verkümmerung oder das Fehlen der Schwimmblase bei

vielen bathypelagischen Tiefseefischen ist also eine Anpassung an ihre

Lebensweise. Sie sind dadurch imstande, bei ihren Beutezügen schnell

tiefer und höher zu steigen, ohne Gefahr zu laufen, sich zu schädigen.

Muskulatur und Skelett der Tiefseefische sind weich und zart, die Haut

ist häufig glatt und gallertartig.

Leuchtorgane finden sich außer bei Fischen auch bei Krebsen und

Tintenfischen. Die Leuchtorgane der Krebse haben ihren Sitz teils

an den Augen, teils auf der Unterseite des Körpers und sondern ein

phosphoreszierendes Sekret ab.

Bei den Tintenfischen kommen zwei Formen von Leuchtorganen vor. Die

einen scheiden aus Drüsen ein leuchtendes Sekret aus, die anderen

besitzen einen Leuchtkörper und wirken als Laternen.

Die Ausscheidung des leuchtenden Sekrets aus den Drüsen ist bei einigen

Arten sehr stark. Die Flüssigkeit ergießt sich als grünlich leuchtende

Kugeln und Fäden ins Wasser und schützt das Tier in ähnlicher Weise wie

der Tintenerguß der gewöhnlichen Tintenfische vor den Angriffen seiner

Feinde. Diese werden durch die Leuchtmasse irregeführt und schnappen

danach, in der Meinung, es sei ihre Beute, während der verfolgte

Tintenfisch unterdessen entflieht.

In höchster Pracht treten die Leuchtorgane bei der Wunderlampe

(~Lycoteuthis diadema~) auf. Dieser Tintenfisch besitzt 22

Leuchtorgane, die am Kopf unterhalb der Augen, an den langen Fangarmen

und an den Bauchseiten sitzen und in den herrlichsten Farben

erstrahlen. Ihr Licht ist schneeweiß, perlmutterfarben, himmelblau,

dunkelblau und rot. Das ganze Tier sieht wie mit funkelnden Edelsteinen

besetzt aus. Der Bau dieser napfförmigen, nach außen gewölbten Organe

ist außerordentlich mannigfaltig. Es lassen sich nicht weniger als

10 verschiedene Systeme unterscheiden, nach denen diese 22 Laternen

hergestellt sind.

Die Leuchtorgane der Tiefseetiere erfüllen offenbar verschiedene

Aufgaben. Am nächsten liegt die Annahme, daß sie als Laterne dienen,

um die nähere Umgebung des Tiers zu erleuchten. Ältere Autoren,

besonders französische Forscher meinten, daß die finstere Tiefsee

durch die Leuchtorgane ihrer Bewohner dauernd von einem milden

Lichtschein erfüllt sei. Die Leuchtorgane sollten also ähnlich wirken

wie die Laternen auf der Straße. Eine solche Wirkung scheint aber

selbst bei einer starken Ansammlung der Tiere nicht möglich, da die

Lichtintensität viel zu gering ist. Das Leuchten kann nur für das

einzelne Tier auf kürzeste Entfernung in Betracht kommen. Auch ist

die Anzahl der leuchtenden Tiere im Vergleich zu nicht leuchtenden

Tieren viel zu gering, als daß eine allgemeine Beleuchtung dadurch

erzeugt werden könnte. So sind nur 11 Prozent aller bis jetzt bekannten

Tiefseefische mit Leuchtorganen ausgestattet. Man darf vielleicht

vermuten, daß ein stark bevölkerter Raumteil der Tiefsee etwa den

Eindruck eines Sternhimmels macht, aber auch nur eines schwachen

Sternhimmels, an dem einzelne Pünktchen aufblitzen. Der Wert der

Leuchtorgane für die Beleuchtung der Umgebung darf jedenfalls nicht zu

hoch eingeschätzt werden. Dagegen dienen diese Organe offenbar noch

anderen, bei weitem wichtigeren Zwecken. Ihre verschiedene Anordnung

auf dem Körper der einzelnen Tierarten, ihre wechselnde Anzahl und die

verschiedene Farbe des Lichts geben dem Träger ein bestimmtes Muster,

das sich mit der Fleckung und Streifung buntfarbiger Tiere vergleichen

läßt. Dies Muster dient wohl zur gegenseitigen Verständigung. Die

einzelnen Arten erkennen sich daran untereinander. Ferner sind bei

manchen Formen die Leuchtorgane geschlechtlich verschieden, haben also

eine sexuelle Bedeutung. Schließlich spielen die Leuchtorgane eine

wichtige Rolle für die Ernährung. Sie locken die Beutetiere herbei, die

durch das Licht angezogen werden, ebenso wie der Schein einer Lampe die

Insekten in der Nacht anlockt. In dem Gebrauch als Fangmittel liegt

vielleicht der größte Wert der Leuchtorgane.

Man darf vermuten, daß die Bedeutung der Leuchtorgane als gegenseitiges

Erkennungsmittel für die Art und das Geschlecht durch die verschiedene

Lichtfarbe wesentlich unterstützt wird. Wir dürfen aber hieraus nicht

unmittelbar den Schluß ziehen, daß die Tiere Farben wahrnehmen können.

Auch wenn die Tiere farbenblind sind, kann die verschiedene Färbung

des Lichtes doch von Nutzen sein, denn die Lichtintensität der Farben

ist verschieden. Der Vorteil kann ebensogut auf einer Empfindung der

wechselnden Lichtstärke der Farben beruhen, ohne daß diese selbst

erkannt werden.

Die Tiefseetiere haben zum Teil ganz absonderliche Körperformen.

Manche haben aalartige Gestalt mit einem abenteuerlichen Kopf. Der

Schnepfenaal (~Nemichthys scolopaceus~) hat lange dünne Kiefer, die

wie ein Schnepfenschnabel aussehen. Er erreicht eine Körperlänge

von fast einem Meter. Der Pelikanaal (~Macropharynx longicaudatus~)

hat einen gewaltigen Rachen mit langen, dünnen Kiefern, mit dem er

Fische verschlingen kann, die größer sind als er selbst. Auch er

erreicht die stattliche Körperlänge von 1,5 ~m~. Überhaupt zeichnen

sich viele Tiefseefische durch ein mächtiges Maul aus, das häufig

mit gewaltigen Zähnen bewaffnet ist. Ein solches Riesenmaul mit

zahlreichen, gefahrdrohenden Zähnen besitzt der zu den Fühlerfischen

gehörende ~Melanocetus krechi~. Der erste Strahl der Rückenflosse steht

bei diesem Fisch ganz vorn auf dem Kopf und ist zu einem langen Arm

ausgewachsen, der auf seinem vorderen Ende ein Leuchtorgan trägt. Der

Fisch kann den Arm nach vorn ausstrecken und trägt dann seine Laterne

vor sich her.

Unter den Leuchtsardinen der Tiefsee befindet sich eine Art,

~Bathypterois atricolor~, die keine Leuchtorgane besitzt, dafür aber

mit besonderen Tastorganen ausgerüstet ist. Auf jeder Kopfseite stehen

zwei lange Fäden, die dem Tastgefühl dienen.

Unter den niederen Tieren fallen als Bewohner der Tiefsee besonders

die prächtigen Glasschwämme auf, die in den verschiedensten Formen,

als Becher, Röhren, Kelche, Körbe oder Füllhörner auftreten. In ihren

zarten Weichteilen liegt ein durchsichtiges Kieselskelett, das einem

wundersamen Flechtwerk aus zarten Glasfäden gleicht. Die Grundgestalt

ist zwei- bis sechsstrahlig. Die einzelnen Strahlen verzweigen sich

in zahlreiche Äste, die die wunderbarsten Formen annehmen, die in

ihrer Mannigfaltigkeit nur noch von der Skelettbildung der Radiolaren

übertroffen werden. Sie gleichen zierlichen Sträuchern, kleinen

Tannenbäumchen oder Blütenkelchen.

[Sidenote: Tiefseeexpeditionen]

Tiefseetiere wurden noch in Tiefen zwischen 4000 und 5000

~m~ aufgefunden. Aus diesen ungeheuern Tiefen holte die

Valdivia-Tiefseeexpedition, die 1898 unter der Führung des Professors

+Chun+ stattfand, im antarktischen Meer Strahlentierchen und kleine

Ruderfußkrebse herauf.

Das Fischen der Tiefseetiere erfolgt mit einem besonderen Netz,

Dredsche genannt. Es schleift auf zwei eisernen Schlittenkufen und ist

10 ~m~ lang. Es wird mit zwei eisernen Oliven im Gewicht von zusammen

50 ~kg~ beschwert. Das Stahlkabel, an dem das Netz hängt, ist ~ca.~ 20

~mm~ stark und hat eine Druckfestigkeit von 5000 bis 8000 ~kg~. Die

Kabeltrommel der Valdivia-Expedition faßte 10000 ~m~ Kabel.

Die Netze bestehen aus Seidengaze, die mit einem derben Überzug

versehen ist. Es können also die kleinsten Lebewesen, die dem Plankton

angehören, darin gefangen werden. Zum Fischen in bestimmten Tiefen

werden besondere Schließnetze verwendet. Sie werden verschlossen

versenkt, in einer bestimmten Tiefe, die untersucht werden soll,

geöffnet und vor dem Hochziehen wieder verschlossen. Vor dem Fischen

erfolgt stets eine Tiefenlotung. Sowohl das Loten wie das Fischen in

großen Tiefen ist eine überaus mühevolle, sehr schwierige Arbeit, die

viel Geschick für den Fischer und die Schiffsmannschaft erfordert, da

das Schiff den Bewegungen der Apparate genau folgen muß. --

[Sidenote: Leuchtkäfer]

Leuchtorgane besitzen auch einige Käfer, die hiernach „Leuchtkäfer“

benannt sind. Nur die Männchen unserer Leuchtkäfer sind geflügelt,

während die Weibchen nur kleine verkümmerte Flügel besitzen und

ein wurmartiges Aussehen haben. Die Leuchtorgane befinden sich an

den Bauchringen in verschiedener Gestalt. Sie treten als Platten,

Punkte und Flecken auf. Das Leuchten beruht auf einer Zersetzung von

Fettstoffen, wobei jedoch keine Wärme erzeugt wird. Sogar die Larven

und die Puppen besitzen bei einigen Arten schon Leuchtorgane, und bei

dem in unseren Breiten vorkommenden großen Leuchtkäfer (~Lampyris

noctiluca~) leuchten sogar die Eier. Die Farbe des Lichtes wechselt

je nach der Art zwischen einem reinen Weiß und einem grünlichen oder

bläulichen Schein. Das Leuchten erfolgt entweder blitzartig mit

schnellen Unterbrechungen oder, wie bei unseren Leuchtkäfern, als ein

gleichmäßiges Glimmern.

Das Leuchten dient zur gegenseitigen Anlockung der Geschlechter. Sobald

ein leuchtendes Männchen durch die Luft fliegt, dann werfen sich die

in der Nähe befindlichen Weibchen auf den Rücken und strecken den Leib

empor, um ihr Licht leuchten zu lassen und sich nach Möglichkeit dem

begehrten Liebhaber bemerkbar zu machen.

Wo die Leuchtkäfer in großer Zahl auftreten, verwandeln die lebenden

Lämpchen die Landschaft in ein Märchenland. Überall in Hecken, Büschen

und auf dem Erdboden glühen die Lichter mit ihrem zierlichen Schein,

während die geflügelten männlichen Käfer wie feine Leuchtkugeln durch

die Luft schwirren -- ein Zauber aus Tausendundeiner Nacht.

Wunderbar ist das Schauspiel der Leuchtkäfer in den Tropen, wo sie zu

Tausenden und aber Tausenden die Berghänge und Flußufer bewohnen.

Hier leben jene Arten, deren Leuchtorgane blitzartig aufleuchten. Die

in tiefes Dunkel gehüllte Landschaft erstrahlt plötzlich in Tausenden

und Millionen von Lichtern, die nach wenigen Augenblicken wieder

erlöschen, ein wunderbares Spiel, das sich in kleineren und größeren

Zwischenräumen die ganze Nacht hindurch wiederholt.

[Sidenote: Leuchtorgane der Prachtfinken]

In Australien lebt ein herrlich gefärbter kleiner Prachtfink, den

der englische Ornithologe +Gould+ seiner Frau zu Ehren Goulds

Amadine (~Munia gouldiae~) benannte. Dieser reizende Vogel hat einen

tiefschwarzen Kopf, der mit einem kobaltblauen Bande umgeben ist.

Die Brust ist lilafarben, der Leib goldgelb, die ganze Oberseite

grasgrün. Schnabel und Füße sind hellrosa. Die Farben des sehr glatten

Gefieders gehen nicht allmählich ineinander über, sondern sind scharf

abgesetzt, so daß der Vogel wie bemaltes Porzellan aussieht. Neben

den schwarzköpfigen Vögeln kommen auch Vögel mit scharlachrotem

Gesicht vor, die noch schöner und farbenprächtiger aussehen und die

man daher „Wunderschöne Amadine“ genannt hat. Es hat sich jedoch

herausgestellt, daß beide Formen nicht verschiedene Arten sind, sondern

nur Mutationen, d. h. willkürliche Abänderungen ein und derselben Art.

Die Mutationstheorie wurde zuerst von dem Botaniker +de Vries+ im

Jahre 1901 aufgestellt. Die Mutation, d. h. die plötzlich bei einer

Tierart auftretende Veränderung ist eine erbliche Eigenschaft, die zu

einer Umwandlung der Art führen kann. Die verschiedenen Formen werden

wissenschaftlich „Mutanten“ genannt. Die schwarzköpfige und rotköpfige

Form der Gouldsamadine sind also keine verschiedenen Arten, sondern

Mutanten derselben Art.

Was hat nun die Gouldsamadine, die in ihrer Farbenpracht eine Schöpfung

des Sonnenlichtes in wahrer Bedeutung ist, mit einem Leben in Nacht und

Finsternis zu tun?

Im Schnabelwinkel der jungen Nestvögel befinden sich eigentümliche,

etwa hirsekorngroße halbkuglige Gebilde, über deren Bedeutung man sich

lange Zeit im unklaren war, bis der Leipziger Zoologe +Chun+ entdeckte,

daß diese Gebilde Leuchtorgane sind. Die Leuchtkraft beruht aber

nicht auf eigner Lichtproduktion, sondern sie wird durch auffallende

Lichtstrahlen, die zurückgeworfen werden, erzeugt. Die Leuchtkörperchen

wirken also als Reflektor. Der Vorgang ist derselbe wie bei den Augen

der Katze, die keine eigene Lichtquelle haben, sondern im Halbdunkel

durch Lichtreflex glühen. Die Leuchtorgane der Gouldsamadine bestehen

aus verdicktem Bindegewebe von bläulichem Seidenglanz mit einer

dahinterliegenden dunkeln Pigmentschicht. Eine Drüsenbildung, welche

nach Art der Tiefseefische ein leuchtendes Sekret absondert, ist nicht

vorhanden, woraus mit Sicherheit hervorgeht, daß das Leuchten kein

chemischer Prozeß sein kann.

Die Gouldsamadinen bauen ein überwölbtes Nest. Die Jungen wachsen also

im Halbdunkel heran. Ihre Leuchtorgane dienen daher den Vogeleltern bei

der Atzung als Wegweiser, wohin sie das Futter zu richten haben. Auch

andere junge Prachtfinken besitzen diese Laternen im Rachen.

Die Prachtfinken gehören zu den Sperlingsvögeln, d. h. zu den Vögeln,

deren Junge bei der Atzung „sperren“. Sie recken, um das Futter von

den Eltern zu empfangen, Hals und Kopf in die Höhe und sperren den

Schnabel weit auf: Schnabel und Rachen bilden einen weiten Trichter,

in den die alten Vögel die Atzung hineinstecken. Der Schnabelwinkel

dieser „sperrenden“ Jungvögel ist mit einer weichen, dicken Haut

überzogen, die eine leuchtend gelbe oder rötliche Färbung hat. Häufig

ist auch der Rachen gelb oder rot gefärbt, und auf der gelben oder

roten Zunge befinden sich bisweilen noch lackschwarze Punkte. Diese

auffallende Schnabel- und Rachenfärbung hat offenbar auch den Zweck,

den Vogeleltern die Fütterung zu erleichtern, denn die halbkugligen,

oben offenen Vogelnester stehen meist im dichten Gebüsch, in Hecken

oder im schützenden Blätterdach, also im Schatten. Wenn der alte Vogel

zur Fütterung seiner Kinder auf den Nestrand fliegt, dann leuchten

ihm die buntgefärbten Rachen der hungrigen Jungen entgegen, auf denen

gewissermaßen geschrieben steht: „Hierher das Futter.“

Außer den eigentlichen Sperlingsvögeln, die ihren Namen nach dem

„Sperren“ der Jungen tragen, haben noch einige andere Formen in der

Jugend hellgefärbte Wülste am Schnabelrande, wie z. B. der Wiedehopf

und der Kuckuck, die sich ebenfalls mit weit aufgesperrtem Schnabel

atzen lassen. Andere Jungvögel nehmen das Futter den Alten ab, was

z. B. bei allen Raubvögeln der Fall ist, oder sie stecken ihren

Schnabel in den Rachen des alten Vogels, um sich dessen Kropf-

oder Mageninhalt einwürgen zu lassen, wie es bei den Tauben und

Pelikanen Sitte ist. Solche Jungvögel besitzen keine buntfarbigen

Schnabelwinkel. --

[Sidenote: Winterschlaf der Amphibien]

Viele Tiere verbringen einen großen Teil ihres Daseins in einem

totenähnlichen Schlaf in dunkeln Verstecken, um dem verderblichen

Einfluß des Winters zu entgehen. Hierzu gehört der allbekannte

Winterschlaf der Amphibien und Reptilien.

Die Frösche graben sich mit Eintritt der kalten Jahreszeit in den

Schlamm der Teiche ein, um die Wintermonate in einem erstarrten,

bewußtlosen Zustande zu verbringen, bis sie das milde Frühjahrswetter

aus ihrem Totenschlafe zu einem neuen Leben erweckt. Wie mit einem

Schlage erscheinen dann plötzlich die Frösche in großer Menge, woraus

die alte Volkssage vom „Froschregen“ entstand. Die Kröten überwintern

im Gegensatz zu den meisten anderen Froschlurchen nicht in der

Nähe des Wassers, sondern an trockenen Orten. Sie verkriechen sich

in Erdhöhlen oder Felsspalten, deren Öffnung sie mit einem Erdwall

verschließen. Häufig beziehen viele Tiere denselben Schlupfwinkel zum

Überwintern.

Die größte Massenvereinigung während des Winterschlafes bildet der

so schön gelb und schwarz gefleckte Feuersalamander (~Salamandra

maculosa~), der nach dem Regen die Wälder des Harzes und Thüringens

so anmutig belebt. Zu Hunderten suchen die Tiere ein trockenes,

frostfreies, unterirdisches Versteck in moosigen Felswänden oder

in Bergwänden auf und verschlafen hier eng verschlungen die kalte

Jahreszeit.

Auch die Reptilien verbringen den Winterschlaf meist gesellig in

Erdhöhlen. Bei der Kreuzotter vereinigen sich häufig 10 bis 20 Tiere.

[Sidenote: Sommerschlaf der Amphibien]

Ebenso wie Lurche und Kriechtiere im kalten Klima einen Winterschlaf

halten, verbringen sie in der heißen Zone die Trockenheit in einem

Sommerschlaf in unterirdischen Verstecken. Die Frösche graben sich in

den Schlamm der Gewässer, solange er noch weich und feucht ist, und

warten hier die Zeit der Dürre ab. Echsen und Schlangen verkriechen

sich in die Erde oder in Felshöhlen.

In den Tropenwaldungen, wo die Feuchtigkeit der Luft das ganze Jahr

hindurch gleichmäßig bleibt und keine Trockenperiode eintritt, halten

Lurche und Kriechtiere keinen Sommer- und Winterschlaf, sondern bleiben

ohne Unterbrechung rege.

[Sidenote: Winterschlaf und Sommerschlaf der Reptilien und Fische]

Während des Winter- und Trockenschlafes wird die Lebenstätigkeit

wesentlich eingeschränkt, aber nicht völlig unterbrochen, wie der

Laie vielfach glaubt. Herzschlag und Blutzirkulation werden bedeutend

langsamer, die Atmung hört fast ganz auf, ein Stoffwechsel findet

nicht statt. Die Ernährung des Körpers wird durch das vor dem Schlaf

reichlich angesetzte Fett besorgt. Während des Schlafes verliert der

Körper erheblich an Gewicht.

Im Zauber des Tierlebens · 第 14 / 26 段